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Kraftwerk treten auf

Erstellt von SonnyB., 22.10.2003, 21:26 Uhr · 146 Antworten · 19.772 Aufrufe

  1. #31
    Benutzerbild von Minimalelektronik

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    Tja, dem gibt es nicht mehr viel hinzuzufügen.
    Klasse Sound, Klasse Stimmung...einfach genial

  2.  
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  3. #32
    Benutzerbild von waschbaer

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    Der Waschbär kommt gerade vom Kraftwerk-Konzert aus München zurück und kann es sich nicht verkneifen ein paar Takte zum Konzert zu schreiben. Die Münchener Muffathalle war bis auf den letzten Platz ausverkauft und man hätte einfach keine Maus mehr in die Halle gebracht.

    Pünktlich um 20:30 Uhr ging es los: Nach einem kurzen Vocoder Intro standen die vier Herren auf der Bühne. Vier Synthis vor sich, standen sie nahezu regungslos zu den Klängen von "Menschmaschine". Sie hatten schwarze Anzüge und Krawatten an zu einem roten Hemd. Es sah einfach klasse aus.
    Die Hintergrundgestaltung (drei Beamer sorgten dafür, dass zu jeden Lied unterschiedliche Clips im Hintergrund liefen) war exakt der gleiche Schriftzug wie auf deren Homepage www.kraftwerk.com

    Anschließend kam bereits der Expo-Song "Expo 2000" in einer Remix Version. Beeindruckend hierbei die Lichteffekte. Hatte man bei "Man-Machine" noch die Bühne in ein sattes "Rot" getaucht, so standen nun gelb-grünliche Farbtöne sowie Computersimulationen des Expogeländes auf dem "Light-Programm".

    Anschließend kam mit "Tour de France 2003" einer der Songs des aktuellen Albums. Das Ganze perfekt unterlegt mit dem dazugehörigen Video.

    Um gleich beim aktuellen Album zu bleiben, wurde nun der Song "Vitamin" eingespielt. Als optischer Leckerbissen zierte eine riesengroße Tablette (die einen unweigerlich an die frühere Spalt-Werbung erinnerte) die Leinwand, die sich zum Schluss in die Buchstaben "V I T A M I N" verwandelt und langsam auflöst.

    Besonders freute ich mich über die Originalversion von "Tour de France", welche auch mit dem herrlichen Schwarz-weiß-Video unterlegt waren. Hierbei kam auch endlich mal wieder der Vocoder zum Einsatz, denn die französischen Passagen wurden live gesungen (im Gegensatz zu anderen bisher genannten Textpassagen).

    Nach Tour de France knallte eine Autotür und der Fan wusste gleich, dass es Zeit für die "Autobahn" war. Die knapp 7 Minuten dauernde Version war super inszeniert und vor allem die im Hintergrund laufenden Bilder (eine Mischung aus dem gemalten LP-Cover und Aufnahmen verschiedener Autobahnen in verschiedenen Jahrzehnten). Ein absoluter Höhepunkt.

    Mit "Das Model" kam danach einer der Klassiker par excellance. Zum ersten mal konnte man in der Halle so etwas wie "Mitsingen" hören. Das Model wurde komplett live gesungen. Nett war auch die Szene mit dem Sektglas (KORREKT!!!).

    Im Anschluss an das Model kam mit "Neonlicht" ein Titel, den ich persönlich gar nicht erwartet habe. Bei diesem Titel wollte mir mein Vordermann eins in die Fresse geben, weil ich den Text mitgesungen habe. Aber soweit kam es zum Glück nicht.

    Als nächstes kam mit dem Vocoder einige Fakten zu "Sellafield", was zwangsläufig in "Radioaktivität" überging. Als Amateurfunker kann ich auch das Morsealphabet und freue mich bei diesem Lied immer über die Morsezeichen, die in dem Song verbraten wurden. Das Lied wurde mit einem überraschend buntem Video unterlegt.

    Ein absolutes Highlight war für mich dann der "Trans Europa Express", welcher mit richtig schön nostalgischen Aufnahmen des TEE aus den 70ern unterlegt wurde. Das Mittelstück "Metal auf Metal" wurde optimal videotechnisch unterlegt mit Bildern von Zugwaggons, deren Puffer aneinanderknallten. Der Schlussteil ging dann wieder in "Trans Europa Express" über. Besonders schmunzeln musste ich über die junge bildhübsche blonde Dame neben mir, die zu mir meinte, dass die Vorsilbe "Trans-" immer mehr aus der deutschen Sprache durch die Vorsilbe "Inter-" verdrängt wird.

    Nach diesem Teil ging der Vorhang zu und der waschbaer dachte sich, dass das doch nicht sein kann, denn es wurden weder vom Album "Computerwelt", noch vom Album "Electric café" irgendwelche Songs gespielt.

    Die erste Zugabe stand dann ganz im Zeichen des Albums "Computerwelt". Ganz in gelbes Licht gehaucht, standen die vier auf der Bühne und es wurde bis acht gezählt. "Numbers" brachte diese Zahlen in englischer, deutscher und japanischer Sprache zur Geltung. Fließend war dann der Übergang zu "Computerwelt" Einfach klasse. Auch die beiden weiteren Titel "It's More Fun To Compute" und "Heimcomputer" sowie der obligatorische "Taschenrechner" stammten alle aus dem 1981er-Album. Der Waschbär war ganz glücklich, denn mittlerweile lief auch die Kommunikation mit meiner blonden Nachbarin mehr als gut.

    Nach den Titeln aus dem Computerwelt-Album kam einfach der ungewöhnlichste Auftritt des Abends. Auf der Bühne standen die vier Roboterfiguren, die auch auf "The Mix" auf dem Cover zu sehen sind. Meine blonde Nachbarin meinte nur: "Wahrscheinlich sind die echten jetzt hinter der Bühne, trinken ein Bier und lachen sich einen ab, weil wir hier irgendwelchen Robotern zujubeln." Wie es auch sei, auch wenn nur bewegliche Puppen auf der Bühne standen, so war auch dieser Act einfach irre.

    Die Zeit brauchten die vier Herren auch, denn sie hatten sich alle umgezogen (in schwarze Ganzkörperanzüge, die mit neongelben Gittern bemalt waren). Zuerst kamen als weitere Zugabe zwei Lieder aus dem aktuellen Album: "Elektro Kardiogramm" und "Aero Dynamik".

    Als letztes Lied kam noch "Musique Non Stop" mit dem obligatorischen Intro "Boing Bumm Tschak". Besonders nostalgisch empfand ich das damalige Computervideo zu "Musique non stop". Wahrscheinlich hat sich der Rechner damals beim Berechnen der "Gesichtskonturen des Videos" aufgehängt. Die vier gingen abschließend einer nach dem anderen von der Bühne und als letztes wurden die einzigen Worte zum Publikum gesprochen: "Gute Nacht. Morgen sind wir wieder hier."

    Fazit: Ein Abend, der außergewöhnlich war. Ich war schon auf so vielen Konzerten, aber das war einfach das ungewöhnlichste. Man musste zwar nicht, was alles vom Band kam (bei den Robotern ja alles), aber das war irgendwie auch gar nicht so wichtig, denn es ging einfach darum, ein Gesamtkunstwerk auf der Bühne zu sehen. Die vier standen fast regungslos und kühl auf der Bühne, aber genau das war das Einzigartige. Ich kam bei dem Zusammenspiel von Musik, technischen Innovationen und wunderbaren nostalgisch wirkenden Bildern meist aus dem Staunen nicht mehr raus. Um nichts in der Welt hätte ich heute abend etwas anderes machen wollen.

    Für mich noch der positive Nebeneffekt: Ich habe eine wunderbare nette und hübsche junge Frau kennengelernt.

    Ich kann jedem nur raten, der noch die Möglichkeit hat, Kraftwerk live zu sehen, diese wahrzunehmen, denn das Konzert ist so ungewöhnlich und unbeschreiblich, wie ich es sonst noch in keinem Konzert mitbekommen habe. Das Publikum umfasst alle Altersklassen (von ganz jung bis zu etwa 60-jährigen habe ich alles gesehen). Die Lautstärke war sehr angenehm und die Videoshow einfach perfekt.

    So, jetzt hoffe ich, dass ich mit meinen Schilderungen keinen zu Tode gelangweilt habe.

  4. #33
    Benutzerbild von waschbaer

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    Sehr schön ist auch ein Artikel aus der Süddeustchen Zeitung vom 27.03.04 über die Tournee von Kraftwerk.

    Kraftwerk-Tour

    Kühl, mit Gefühl

    Der Tourstart von "Kraftwerk" ist ein Fest für 40-Jährige. Beim retrofuturistischen Sound des Quartetts findet die Baby-Boomer-Generation zu sich selbst.

    Von Christian Seidl



    Im April jährt sich angeblich die Geburtsstunde des Rock’n’Roll zum 50. Mal, und schon der Umstand, dass ausgerechnet das ZDF aus diesem Anlass eine große Party schmeißt, sagt viel über den Zustand des Jubilars aus. Auf der Liste der Ehrengäste stehen Peter Kraus, die Scorpions und Status Quo – also eben all jene, die dafür verantwortlich sind, dass sich ein großer Teil der Hörerschaft mit der Zeit gelangweilt vom Geschehen abwendete. Man braucht sich nur die Bilanzen der zugehörigen Industrie anschauen, um zu wissen, dass Rock’n’Roll obsolet geworden ist. Man könnte aber auch auf ein Konzert von Kraftwerk gehen. Dann wüsste man obendrein, warum.

    Bei ihrem Tourstart im Berliner Tempodrom spielten sich Dinge ab, die einem Albtraum von Bertelsmann Thomas M. Stein entsprungen sein könnten: Auf einer die ganze Bühnen-Frontseite umspannenden Videowand erscheint zum Beispiel ein stilisierter Kleinrechner, auf dem ein Finger im Takt über die Tasten gleitet. Dazu ertönen simple Bleep-Sounds, immer schneller. Auch die Zahlen auf dem Bildschirm beginnen zu tanzen, und Ralf Hütter, Chefideologe des Quartetts, lächelt das erste und einzige Mal, während er singt: „Wenn ich diese Taste drück, ertönt ein kleines Musikstück.“

    Das Lied „Taschenrechner“ ist 20 Jahre alt, der Text preist, was derzeit allenthalben als das Ende der Musikkultur, wie wir sie kannten, beschworen wird: Die Demokratisierung des Schöpfungsprozesses, die Transformation von Klängen in Datenmengen, die digitale Verfügbarkeit von Musik durch weltweite Vernetzung und über immer komfortableres Kleingerät.

    Es mag ein Zufall sein, dass die Plakatkampagne für den neuen iPod von Macintosh, der ganze Musikkataloge speichern und wiedergeben kann, ein wenig an die retrofuturistische Kraftwerk-Optik erinnert. Doch wenn sie gewusst hätten, wie wahr einmal wird, wovon sie schon in den frühen achtziger Jahren träumten, hätten sie sich die Melodie von „Taschenrechner“ längst als Handyton patentieren lassen. Der Erfinder des nicht unähnlichen Nokia-Tons jedenfalls braucht nicht mehr zu arbeiten.



    20 Jahre "Taschenrechner"
    Das Konzert ist auf unspektakuläre Art spektakulär. Die großteils zwischen 1974 und 1981 eingespielten Elektro-Sinfonien klingen sehr aktuell. Das kühl-metallene „Trans Europa Express“ etwa, das 1977 entstand und ein paar Jahre später von dem New Yorker DJ Afrika Bambaataa als „Planet Rock“ recycelt wurde: die Geburtsstunde von House und Hip-Hop. Ohne Kraftwerk wäre die Popmusik heute nicht das, was sie ist.

    In der obligatorischen „Wir sind die Roboter“-Inszenierung, schon früher Höhepunkt jedes Auftritts, wenn die Musiker unbemerkt hinter der Bühne verschwinden und mechanische Ebenbilder der Vier die Arbeit übernehmen, kann, wer will, auch Gemeinsamkeiten mit den Choreographien moderner Reißbrett-Bands sehen. Textzeilen wie „Wir funktionieren automatik, jetzt wollen wir tanzen mechanik“ könnten auch im großen Benimm-Handbuch für „Deutschland sucht den Superstar“ stehen.

    Es scheint, als habe sich die Alterslosigkeit ihrer Musik auf die Musiker selbst übertragen. Die Puppen sind dieselben wie bei der letzten Tour von 1991 und gleichen ihren Mustermännern wieder bis aufs Haar, so dass man nie sicher sein kann, wer oder was da jetzt auf der Bühne steht. Ralf Hütter sieht ein bisschen so aus wie Ulrich Tukur und mimt mabusisch den Kommandogeber. Kollege Florian Schneider blickt stoisch ins Nichts, während er mit robotischen Bewegungen seinen Computer bedient.



    Baby-Boomer finden sich selbst
    Alle vier verharren, im Anzug und mit Krawatte, zwei Stunden lang hinter einer Art elektronischem Altar. Gelegentlich lässt sich einer der Vier zu einem rhythmischen Wippen mit dem kleinen Zeh hinreißen, ansonsten geschieht auf der Bühne: nichts. Dass da oben mit Virtuosität und Leidenschaft Musik entsteht, ist lediglich hörbar. Gefühlsausbrüche, körperliche Ertüchtigung sowie authentischer Schweiß sind diesen Herren so fremd wie nur was.

    Als sie anfingen, war derlei Gebaren natürlich eine Provokation. Da kamen gerade die Kinder der Peter-Kraus-Fans ins rebellische Alter. Ein Entwurf, der sich weit jenseits dessen befand, was die Eltern als richtig und wichtig empfanden, kam also gerade recht. Diese Generation prägte die Club-und DJ-Kultur und sowohl die Musiker als auch die Käufer machten die Neunziger zur aufregendsten Dekade der Pop-Geschichte. Heute sind diese Leute 40 Jahre alt und machen noch immer den größten Teil der Musikkundschaft aus – die Kraftwerk-Tournee ist restlos ausverkauft. Die Industrie jedoch hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt und biedert sich weiter bei 13-Jährigen an. Kraftwerk muss all das nicht scheren. An diesem Abend findet die Babyboomer-Generation zu sich selbst. Das hier ist die Party der 40-Jährigen.

    Am Ende gibt es einen kurzen Schockmoment. Da begibt sich Hütter doch tatsächlich in die Bühnenmitte, verneigt sich und spricht, in klarem und unverfremdetem Deutsch, den Satz: „Vielen Dank und einen schönen Abend“. Die Legende lebt, klar. In diesem Augenblick hat das allerdings etwas Verstörendes.

  5. #34
    Benutzerbild von Grisham

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    Ich werde in wenigen Stunden das Konzert ansehen. Danke für die SChlderung.

  6. #35
    Benutzerbild von pingpong

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    Ich reihe mich in die begeisterten Leute ein und fand das Konzert in München einfach nur noch geil, geil, geil.

  7. #36
    Benutzerbild von waschbaer

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    Heute war ein recht langer Artikel über die Kraftwerk Konzerte in München in der Augsburger Allgemeinen. Wenn man bedenkt, wie kurz sonst die Artikel über Konzerte in der Olympiahalle in München sind, dann ist das schon eine größere Würdigung.

  8. #37
    Benutzerbild von Deja Vu

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    hi,
    ich war auf dem Frankfurter Kraftwerk Konzert und es war absolut genial.
    Ich brauchte wirklich 2 Tage um wieder `runterzukommen`. Einfach grandios !!!

    Gruß Deja Vu

  9. #38
    Benutzerbild von Minimalelektronik

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    waschbaer postete
    Der Waschbär kommt gerade vom Kraftwerk-Konzert aus München zurück und kann es sich nicht verkneifen ein paar Takte zum Konzert zu schreiben.
    "ein paar..."...der war gut *erschlagen ist*

  10. #39
    Benutzerbild von waschbaer

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    Gibt es eigentlich zu dieser Tour eine DVD? Weiß da jemand etws davon?

  11. #40
    Benutzerbild von bamalama

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    waschbaer postete
    Gibt es eigentlich zu dieser Tour eine DVD? Weiß da jemand etws davon?
    arvirus postete
    gerüchten zufolge soll es sogar eine offizielle live-dvd von der tour geben. falls nicht, freuen sich die bootlegger
    dauert wohl noch etwas - ein konkretes datum gibt es noch nicht!

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