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Münchener Freiheit

Erstellt von lennyk, 01.03.2006, 00:51 Uhr · 16 Antworten · 2.925 Aufrufe

  1. #11
    Benutzerbild von Ruedili

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    @ Novalis-HH.

    Vielen Dank für den Begriff "Nena-meets-Ideal-Kopisten" .
    Kein Begriff schafft es treffender auszudrücken, warum ich Juli und Co. nicht ausstehen kann !!

    Danke und schöne Grüße !

    Ruedili

  2.  
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  3. #12
    Benutzerbild von NovalisHH

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    gestern war die "Münchener Freiheit" zu Gast in Hamburg. Hier nun mein Konzertbericht:

    "Rund 21 Jahre ist es jetzt her, daß die fünfköpfige Deutschpop-Combo „Münchener Freiheit“ von ihrer damaligen Plattenfirma CBS eine allerletzte Chance zuerkannt bekam. Stefan Zauner (voc), Aron Strobel (git) und ihre Mitstreiter hatten zuvor auf den Wogen des alles umwerfenden NDW-Wirbels drei qualitativ hochwertige Alben eingespielt, die aber – trotz guter Radioeinsätze und sogar einer Nummer-Zwei-Plazierung in der „ZDF-Hitparade“ von Dieter Thomas Heck im August 1984 - die kommerziellen Erwartungen ihrer Company nicht erfüllen konnten. So sah es Mitte 1985 äußerst düster aus hinsichtlich der weiteren Plattenkarriere der „Münchener Freiheit“. Doch eines Tages, detailliert gesagt am 16. Juli jenen Jahres, traf Sänger Stefan seine Freunde in einem Berliner Cafe’, spielte ihnen eine Demokassette vor und meinte, nun habe er die perfekte Nummer ersonnen, mit der alles anders würde. Man ging Ende August 1985 erstaunt und entschlossen zugleich ins Studio, nahm jene geheimnisvolle Komposition auf... und siehe da: Kurz nach Jahresbeginn 1986 schoß „Ohne Dich (schlaf ich heut Nacht nicht ein)“ – so der Titel des klingenden ‚Rettungsrings’ der „Münchener Freiheit“ - bis auf Rang 2 der deutschen Singlehitlisten und erhielt wenig später für 500.000 verkaufte Einheiten eine Goldene Schallplatte verliehen. Von jenem denkwürdigen Zeitpunkt an, bedeutete die am 4. Oktober 1980 ins Leben gerufene Truppe für bundesdeutsche Kids letztlich genau das, was z.B. „Duran Duran“ oder „Spandau Ballet“ für die britische Jugendlichkeit darstellten: Eine sympathische, geradlinige, ehrliche Popband zum Kuscheln, Anschwärmen und Liebhaben, die trotz aller markt- und radiogerechter Aspekte ihrer romantisch-leidenschaftlichen Melodien, niemals den künstlerischen Anspruch aus den Augen verlor. Kreischende Teenies, gefeierte Shows überall in der Republik, fesche, deutschsprachige Popschlager erster Güteklasse zum Mitsingen und Mitfühlen machten die „Münchener Freiheit“ zu einer der umjubeltesten musikalischen Attraktionen der zweiten Hälfte der 80er. Nach ihrem letzten wahren Hitalbum, „Liebe auf den ersten Blick“ (1992) – der eingängige Titelsong wurde übrigens von NDW-Ikone Hubert Kah verfaßt –, begann allerdings eine qualitative wie quantitative Durststrecke, die viele Skeptiker zu der Befürchtung hinreißen ließ, es habe längst das letzte Stündlein für die „Münchener Freiheit“ geschlagen. Die Lieder und Alben in den 90ern boten allerhöchstens Mittelmaß, der sprichwörtliche Funke wollte nicht mehr überspringen. Konzerte fanden nur noch in kleinstem Rahmen, in bayerischen oder ostdeutschen Kleinstädten, statt. Das Zeitalter, in dem die „Münchener Freiheit“ bundesdeutsche Musikgeschichte schrieb, schien ein für allemal vorüber.
    Und doch... sie haben sich wieder aufgerafft. Vor zwei Jahren unterzeichnete das Quintett einen neuen Kontrakt mit KOCH-Universal; es erschien im Herbst 2004 die hochgelobte und weitgehend überzeugende CD „Geile Zeit“ – und die Band kam damit tatsächlich, man mag es kaum glauben, in die glückliche Lage, nahezu eins zu eins an ihre unvergänglichen Erfolge 20 Years ago anschließen zu können. Bereits vor einem Jahr hatten sich die netten, unverbraucht wirkenden Anfang-50er auf eine ausgedehnte Tournee durch deutsche Lande begeben, die ausnahmslos vor proppevollen Häusern stattfand. Daran schloß sich zum Weihnachtsgeschäft 2005 die prallgefüllte Doppel-CD „Alle Jahre – Alle Hits – Die Singles“ an; beileibe nicht die erste Hitkompilation der fünf junggebliebenen Schwabinger, aber auf jeden Fall die vollständigste. Als sich diese ebenfalls akzeptabel verkaufte, hieß es natürlich sofort: Auf geht’s, zur nächsten Tournee.
    Am vergangenen Sonntag Abend, bei klirrend kalten Temperaturen und teils spiegelglatten Straßen, gastierten Zauner und seine Jungs also erneut in der „Großen Freiheit 36“ im Hamburger Stadtteil St. Pauli. Ein Jahr und rund einen Monat nach ihrem letzten Gig in jener legendenbehafteten Gasse unweit der Reeperbahn. Die Halle bebte. Als fast gänzlich ausverkauft erwies sich der gemütliche Saal nahe der hanseatischen Amüsiermeile. In erster Linie Frauen stellten das Publikum. Es hatte nicht selten den Anschein, als seien die meisten der überwiegend sehr hübschen Ladys schon 1989/90 vor Ort gewesen, als die „Münchener Freiheit“, gleichfalls auf dem Kiez, ihr Stelldichein gab und als die musikalische Teenieschwärmerei schlechthin galt. Ob blonde, dralle Paris-Hilton-Klone, charmante Alt-86erinnen mit augenzwinkernd-ironischem Lächeln auf den Lippen oder solch bedauernswerte Wesen, die womöglich seit 20 Jahren vergebens davon träumen, ein schnieker Jüngling wie Stefan Zauner käme eines Tages zu ihnen und küßte sie wach – all diese unterschiedlichen Charaktere (und selbstverständlich auch ein paar wenige Männer) johlten lautstark auf, als um punkt 20.00 Uhr das Licht in der „Großen Freiheit 36“ ausging und die ersten Takte des vermutlich einzigen real anpolitisierten Songs der „Freiheit“ erklang: „Ihr kommt zu spät“ (1990), wie Zauner kurz nach dessen Interpretation selbst eingestand, mit einem Text versehen, der „mitten aus Zeiten des Kalten Krieges“ stammte, aus jener Ära, als US-amerikanische Mittelstreckenraketen des Rezensenten Geburtsort Mutlangen bevölkerten, die Bundesregierung sich zwar dafür ausgesprochen hatte, aber beinahe die gesamte Presse hysterische Horrorszenarien ob des 1979 ausgerufenen NATO-Doppelbeschlusses und dessen entsprechender Folgen in Form der Stationierung neuer US-Marschflugkörper auf BRD-Boden zeichnete. Ja, genau in jenen Tagen, zwischen Bangen und Hoffen, zwischen „Kaltem Krieg“ und Perestroika, feierte die „Münchener Freiheit“, die sich mit Ausnahme genannten Einstiegssongs, bis heute jeglicher politischer Stellungnahmen enthielt und Kriegsangst und Zukunftsskepsis weitaus lieber mit Liebe, Lust, Leidenschaft, Gefühl, Romantik und Sehnsucht entgegentrat, als dümmliche, zeigefingerschwenkende Phrasen zu dreschen, ihre größten Erfolge.
    „Ihr kommt zu spät“ eröffnete einen geradezu zweistündigen Abend eben voller Liebe, Lust, Leidenschaft, Gefühl, Romantik und Sehnsucht – dargeboten von hochprofessionellen Musikern, die einst wie kaum eine andere Band das Gemütsleben der 80er-Jahre-Jugend auf den Punkt zu bringen vermochten. Phänomenale Hits, stilistisch einzuordnen zwischen vielseitigem, symphonischen, durchwegs hochmelodiösem Pop, ein wenig zickigem, gitarrenlastigen Rock und nur ganz, ganz geringen Tröpfchen Schlager-Weichlichkeit (die aber anno dazumal, vor 20 Jahren, einfach dazu gehörten), bestimmten das Gros des Liveprogramms der „Münchener Freiheit“ 2006. Ob die Rap-angehauchte Ballade „Ich will Dich noch mal“ (1990), das liebenswerte Synthipop-Epos „Herz aus Glas“ (1987), der Radiodauerbrenner „Tausend Mal Du“ (1986), die rasante Großstadtelegie „Herzschlag ist der Takt“ (1984), das abgeklärte Beziehungsdrama „Wenn das so einfach ist“ (1986) oder der wiegende Bluesrocker „Oh Baby“ (1984) – der „Münchener Freiheit“ gelang es ein ums andere Mal, das juvenile Denken der 80er Jahre ohne jegliche Abstriche ins Heute zu transferieren. Frontmann Zauner zeigte sich sehr überrascht, als die anwesenden Fans selbst früheste Werke wie „Zeig mir die Nacht“ oder „Kalt oder heiß“ problemlos und textsicher mitsingen konnten; letzteres hat 22 Jahre auf dem Buckel, ersteres gar beinahe ein Vierteljahrhundert. Diese erbarmungslose Treue trug sicher die Verantwortung dafür, daß die Band – neben bereits auf Silberscheibe erhältlichen, aktuellen Schmankerln der Sorte „Geile Zeit“, „Kleine Wunder“ oder „Du bist das Leben“ – sogar einen bislang unveröffentlichten Song den Zuhörern zur Bewertung stellte: „Ich will Dich nie wieder verlieren“, eine sanfte Ballade, jedoch mit einem bemerkenswerten, hymnischen Refrain ausgestattet, soll auf dem kommenden Studioalbum der „Freiheit“ ihren Platz finden. Die Hamburger Gefolgschaft gab sich erst abwartend, bedachte aber, nach kurzen Momenten der Eingewöhnung, das einzige brandneue, nie zuvor gehörte Stück des Abends mit tosendem Applaus.
    Im Anschluß an eine sich etwas arg in die Länge ziehende „Unplugged“-Einlage, im Zuge derer Zauner und Strobel auf akustischen Gitarren die (eher weniger bedeutsamen) Songs „Mondlicht (1988) und „Du bist Energie für mich“ (1994) anstimmten, stand das unumgängliche ‚Grande Finale’ auf der Tagesordnung: „S.O.S. – Ruf mich an / Diese Nacht geht sonst nie vorüber“, veritabler Radiohit im Frühjahr 1985, erklang aus tausend Mündern, gefolgt von – wovon wohl? – dem unschlagbaren Top-2-Chartstürmer, Partyhit und Ewigkeitsohrwurm „Ohne Dich (schlaf ich heut Nacht nicht ein)“ sowie dem temporeichen, überaus frechen NDW-Überbleibsel „Ich steh auf Licht“ (1983). Dies aber reichte den vielen Hamburger Damen und wenigen Herren natürlich bei weitem nicht aus. Die glorreichen Fünf, die seit ein paar Jahren in feudalen Fincas auf Mallorca leben, durften folglich nach einer kurzen Verschnaufpause nochmals die Bühne entern. Die göttliche, seinerzeit gemeinsam mit dem „London Symphony Orchestra“ eingespielte Edelschnulze „Solang man Träume noch leben kann“ (1987) und der peppige Synthiohrwurm „Bis wir uns wiedersehen“ (1988) sollten die dahingeschmolzenen 80er-Jahre-Kinder nach Eindreiviertelstunden edler Popklänge eigentlich endgültig in die dunkle, kalte Winternacht entlassen... Aber, jedem beinharten Anhänger der „Münchener Freiheit“ ist sehr wohl bekannt, daß kein einziger Auftritt seiner Helden ohne jene stets wechselnde Spaßnummer zu Ende geht, für die die fünf 80er-Helden regelmäßig ihre Instrumente untereinander tauschen und immer wieder stilistisches Neuland betreten. Vor einem Jahr durfte an gleichem Ort Joan Jetts kesser Hardrock-Hymnus „I love Rock’n’Roll“ dran glauben, diesmal war Bryan Adams’ dauerpubertierender Erinnerungsrocker „Summer of 69“ dran, ein unumgänglicher Hit aus dem legendären Sommer 1985, als – wie eingangs erwähnt - das Schicksal jener Band positiv besiegelt wurde, die 21 Jahre später – viele werden es damals kaum für möglich gehalten haben – weiterhin auf eine umfangreiche Fangemeinde blicken und phantastische Konzerte, vollgepfropft mit unvergeßlichem 80er-Jahre-Feeling, zelebrierten kann, ohne auch nur in Nuancen angestaubt und altmodisch zu klingen. Diese Zeitreise in die coole Dekade hat sich mehr als nur gelohnt!"

    Text - H. Stürenburg, März 2006 (all Rights reserved)

    Liebe Grüße aus HH

  4. #13
    Benutzerbild von lennyk

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    Sehr schöne Konzertkritik. Da ärger ich mich ja doch, dass ich nicht die Fahrt von Kiel nach HH auf mich genommen habe
    Zwei Korrekturen hätte ich aber noch. Vor "Ohne Dich" erreichte die MF mit "Oh Baby" immerhin Platz 23 der deutsche Singlecharts - und in der ZDF Hitparade landeten "Oh Baby" auf Platz 2 und "SOS" sogar auf Platz 1.
    Des weiteren leben die Bandmitglieder nicht auf Mallorca. Vielmehr leben Aron Strobel und Stefan Zauner auf Ibiza und der Rest der Band nach wie vor in München.
    Was die Zeit zwischen "Liebe auf den ersten Blick" und "Geile Zeit" angeht, muss ich Dir im wesentlichen zwar zustimmen. Das Album "Schatten" aus dem Jahr 1998 bildet in meinen Augen aber eine Ausnahme. Die Songs auf diesem Album, das übrigens die längste Studiozeit der Band in Anspruch nahm, zeichnen sich durch sehr ausgefeiltes Songwriting aus. Schnellere Popkracher ("So weit, so lang", "Alles anders, alles neu" und vor allem "Was Du tust"), beatleske Balladen ("Hier, jetzt und vielleicht in Ewigkeit" ist ein fast 1:1 Kopie von "Here, there and everywhere") und sehnsüchtige Traumschlager ("Du weißt, was ich will", "Tief im blauen Meer") und die "Ohne dich"-Kopie "Schuld war wieder die Nacht". Leider war die Singlevorauskopplung "Dann versinkt die Welt in Schweigen" wie so oft bei der MF die falsche Wahl, da einfach zu weinerlich geraten.
    Die Cover von Single und Album stammen übrigens von keinem geringeren als Ex-Manfred-Mann-Bassist und Lennon-Freund Klaus Voormann, der schon das Cover der Beatles-LP "Revolver" gestaltete und in den 80ern als Entdecker und Produzent von Trio von sich reden machte!

  5. #14
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    Hier nochmal das Cover von Schatten:


  6. #15
    Benutzerbild von Teasy.HH

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    Übrigens... was MF indirekt angeht...
    Kommt Euch der Song zum gegenwärtigen eBay TV-Spot zufällig bekannt vor? ;-)

    Es handelt sich dabei um "I Wanna Take You Home Tonight" von Deuces Wild, einem Einzelprojekt von Stefan Zauner und Aron Strobel. Das Lied stammt vom 1991er Album "Living In The Sun".

    Ich finde die eBay Version ist ganz gut gelungen.

  7. #16
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    Also wenn ich richtig gehört habe, läuft im Ebay-Spot "You belong to me". Das ist zwar auch auf dem Deuces-Wild-Album drauf, ist aber nur eine Coverversion! Leider kann ich nicht sagen, von wann und wem das Original stammt. Musik und Text: Lee David & Billy Rose

  8. #17
    Benutzerbild von Teasy.HH

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    lennyk postete
    Also wenn ich richtig gehört habe, läuft im Ebay-Spot "You belong to me". Das ist zwar auch auf dem Deuces-Wild-Album drauf, ist aber nur eine Coverversion! Leider kann ich nicht sagen, von wann und wem das Original stammt. Musik und Text: Lee David & Billy Rose
    jepp. stimmt so, wie du es schreibst.
    sorry - ich sollte halt nicht mehrere dinge parallel machen, sondern mich auf eine sache konzentrieren. danke für die korrektur!

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