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überaus gelungen: die neue CD von Andreas Martin

Erstellt von NovalisHH, 12.01.2007, 13:41 Uhr · 2 Antworten · 1.527 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von NovalisHH

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    überaus gelungen: die neue CD von Andreas Martin

    Ihr Lieben!
    Euch ist bekannt, daß ich sehr, sehr viel im Schlagerbereich (insbesondere der 80er Jahre) unterwegs bin, beruflich, wie hobbymäßig.

    Vorgestern erhielt ich das offiziell am 02.02.2007 veröffentlichte, aktuelle Album von Andreas Martin zugesandt, gestern verfaßte ich eine entsprechende Rezension darüber, die ich hier gerne einmal hineinstellen möchte!

    Wie findet Ihr Andreas Martin, sowohl seine Klassiker aus den 80ern, als auch aktuellere Lieder von ihm?

    Hier nun mein Text:

    Mit diesem Wahnsinns-Comeback hatten vermutlich die wenigsten Beobachter gerechnet. Zu Beginn des neuen Jahrtausends hatte sich Andreas Martin, einer der engagiertesten, talentiertesten, wenn auch gleichfalls unterschätztsten Schlagersänger der 80er und 90er Jahre, freiwillig und ohne Gram aus der ersten Reihe des Musikgeschäfts zurückgezogen. Für einige Zeit lang gab es keine aktuellen Aufnahmen von ihm, keine Liveauftritte – statt sich selbst in den Vordergrund zu stellen, schrieb der in Ostberlin geborene Neunkirchener lieber für Kollegen der Sorte Wolfgang Petry, Nino de Angelo, Roger Whittaker, Bernhard Brink, die „Flippers“ und vor allem für das österreichische Brüderpaar „Brunner & Brunner“, ohne zunächst daran zu denken, die eigene, 1982 mit dem wunderbar sentimentalen Großstadtblues „Amore Mio“ begonnene Erfolgsleiter weiterzuerklimmen.

    Erst vor drei Jahren veröffentlichte der heute 53ährige Familienvater bei der kleinen, aber sehr rührigen Diepholzer Firma DA Music Neues, Eigenverantwortetes – und siehe da: die beiden bei DA Music erschienenen Studioalben „Niemals zu alt“ und „Wir leben nur einmal“, sowie zwei formidable Best-of-Zusammenstellungen, schlugen ein, wie die sprichwörtliche Bombe. Rockiger, rauher, ruppiger, oft auch ironischer denn je, schuf Andreas Martin zwischen 2003 und 2005 einen Meilenstein deutscher Popmusik nach dem anderen – überwiegend selbstkomponiert; versehen mit ansprechenden Reimen der fähigsten einheimischen Profitexter.
    Dieser unerwartete Erfolg seiner Produktionen für DA Music führte dazu, daß der dunkelhaarige Knapp-Zwei-Meter-Mann im Sommer vergangenen Jahres einen Vertrag beim Medienmulti Ariola/SONY-BMG unterzeichnen konnte und dort sein Comeback ohne lange Schaffenspause in bester Manier fortsetzte.

    Seinen Einstand bei der Münchener Company stellte die Radiosingle „Einmal zu oft“ dar. Die überwältigende Publikumsresonanz nötigte Andreas Martins neue Firma dazu, diesen auf wunderbare Weise vertrackt rhythmisierten Popschlager nicht nur als inoffizielle Maxi-CD an die diversen Rundfunkstationen diesen unseren Landes auszugeben, sondern (wenn auch mit ein paar Monaten Verspätung) zusätzlich dem allen Fans offenen Schallplattenmarkt zugänglich zu machen. Das Resümee aus dieser (gerade bei Ariola) nicht alltäglichen Entscheidung: Erstmals seit 1995, zog Andreas Martin mit „Einmal zu oft“ sogleich und ohne Umstände in die „Top 100“ der „Media Control“-Verkaufscharts ein, wo er ganze vier Wochen verbleiben konnte – für einen, allgemein dem Genre „Schlager“ zuzurechnenden Titel letztlich eine Sensation!

    Von diesem Zeitpunkt an, wartete alles gebannt und gespannt auf Andreas Martins erstes Album bei Ariola/SONY-BMG. Dessen Öffentlichmachung wurde zwar aufgrund „firmenpolitischer“ Mißstände ein paar mal verschoben. Nun allerdings, genau gesagt, ab dem 02. Februar 2007, kann sich jeder Freund anspruchsvoller deutscher Popmusik an 14 brandneuen Andreas-Martin-Kleinoden delektieren.
    „100 Prozent Sehnsucht“ (Ariola/SONY-BMG) setzt zwar hinsichtlich Qualität und Ausrichtung eindeutig dort an, wo „Wir leben nur einmal“, Andreas’ letzte DA-Produktion, aufgehört hatte, verzichtet aber diesmal gänzlich auf ironische, zeitkritische Anspielungen und macht daher seinem Titel tatsächlich alle Ehre: Sämtliche 14 Lieder der rund 53minütigen CD setzen sich thematisch ausschließlich mit Gefühlen, Liebe, Romantik, eben allem, was mit „Sehnsucht“ zu tun hat, auseinander – und dies zu „100 Prozent“.

    Was einem beim ersten Hören vorliegenden Tonträgers sofort in hellste Begeisterung versetzt, ist die stets überaus sachte, sanfte, dezente, vollkommen unaufgeregte, geradezu zurückhaltende Inszenierung des Gesamtwerks. „Feudal“, „Elitär“, „Gediegen“ sind jene Adjektive, die einem in Sekundenschnelle in den Kopf schießen, wenn man „100 Prozent Sehnsucht“ erstmals seinem CD-Spieler zugefügt hat. Kein Ballermann-Bumbum, keine unnötigen Computerexzesse, keine synthetischen Billig-Arrangements – stattdessen vielmehr international konkurrenzfähige Einspielungen/Einkleidungen auf einem hochgradig elektrisierenden, prickelnd schmalen Grad zwischen Schlager, Pop und leichtesten Rockuntertönen.

    Sämtliche 14 Beiträge von „100 Prozent Sehnsucht“ sind wiederum auf höchstem künstlerischen Niveau angesiedelt. Kein Lied fällt ab, aber ebenso sticht keines besonders hervor. Eine hochemotionale, melancholische, jedoch niemals schwülstige oder gar schnulzige, vielmehr dunkel-verhaltene Grundtendenz findet sich in fast allen Songs, die darüber hinaus ausnahmslos kompakt, griffig, allerdings keinesfalls seicht oder gar überkommerziell ausgestaltet wurden.

    Andreas Martins phantastische, in den vergangenen Jahren merklich gereifte Mehr-Oktaven-Stimme tut das übrige dazu, daß latent hymnische, gitarrenlastige Pop/Rocker, wie die aktuelle Radiosingle „Geh nicht vorbei (als wär’n wir uns fremd)“ oder „Gib uns eine Chance“, tanzbare Up-Tempo-Nummern („Fühl mich“, Es wird immer sein“, Du hast mich niemals geliebt“), perfekter, eingängiger Edelpop („Ein Leben lang“, „Sie sagte“, „So ´ne Liebe geht doch nie vorbei“), traurige Liebeselegien („Dort, wo Du warst“) oder verhältnismäßig balladesk-ruhige Klänge mit enormem textlichen Tiefgang („Sie geht ihren Weg“) zum Intelligentesten zu avancieren in der Lage sind, was der Deutsche Schlager derzeit vorzuweisen hat!

    Im so nächtlichen, wie urbanen Schleicher „Einmal Liebe“ thematisiert der gelernte Büro- und Industriekaufmann auf höchstromantische, gefühlvolle Weise einen „One Night Stand“; „We love you“ ist dagegen relativ gitarrenrockig ausgefallen und blickt wehmütig zurück auf den hippiebeherrschten „Summer of Love“ 1969 und die einstigen Träume von einer besseren, friedlichen Welt.

    Als Höhe- und Schlußpunkt gleichermaßen kann „Nichts ist für immer“, der Ausklang von „100 Prozent Sehnsucht“, bezeichnet werden: Eine punktgenau treffliche Popballade bester Güteklasse, versehen mit einfühlsamen Worten von Texterlegende Dr. Bernd Meinunger – letztlich ein Evergreen für die Ewigkeit, bei dem jedoch das sanfte Klangbild einwenig verwundert. Kompositorisch auf einer Augenhöhe mit internationalen Rockstars, von Rod Stewart bis Bryan Adams, leider aber viel zu still, radiogerecht, womöglich gar einwenig leichtfüßig in Szene gesetzt. Mittels eines deftigen, „heulenden“ Gitarrensolos, krachender Drums und sphärischer Keyboardwälle, hätte aus einem grazilen POPsong eine traumhafte, atmosphärische ROCKballade im Sinne von „Bon Jovi“ oder „Aerosmiths“ werden können. So jedoch, bleibt „Nichts ist für immer“ „nur“ eine gute Popnummer, die allerdings unendlich gerne zu einem monströsen Rockopus erwachsen wäre.

    Von diesem einzigen – kleinen – Manko abgesehen, ist und bleibt „100 Prozent Sehnsucht“ zweifellos ein phantastisches, deutsches Popalbum, stimmungsvoll inszeniert, brillant umgesetzt durch einen realen Vollblutmusiker – er spielt auf dem Album die meisten Instrumente selbst; arrangiert und produziert im hauseigenen Studio -, dem hoffentlich 2007 nun endlich jene breitgefächerte Reputation zuteil wird, die ihm letzen Endes bereits seit seinen Anfängen 1981/82 in kreativer, qualitativer Hinsicht auf seine Arbeit fraglos zugestanden hätte!
    Gesamtnote: 1

    Liebe Grüße aus HH

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von German

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    "auf wunderbarste Weise"
    "in helle Begeisterung"
    "Evergreen für die Ewigkeit"

    Sei mir nicht böse, aber das klingt mir zu sehr nach offiziellem Werbetext.

    Trotzdem wünsche ich Andreas Martin, dessen Stimme ich toll finde, viel Erfolg und hoffe, dass der Schlager wieder den Weg aus seinem Verkaufszahlental heraus findet.

    Hauptproblem ist wohl, dass es keine adäquate Sendung im Fernsehen mehr gibt. Nur die Volksmusiksendungen mit allerdings größer werdenden Schlageranteil, aber die tu ich mir wegen des hohen Volksmusikanteil nicht an.

    Stehen schon Fernsehauftritte fest?

  4. #3
    Benutzerbild von NovalisHH

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    @ German

    Ich versichere Dir hiermit hoch und heilig, daß diese Rezension meiner eigenen Meinung entspricht und keinesfalls seitens Künstler und/oder Plattenfirma bezahlt wurde.
    Ich bin seit 1982 großer Andreas-Martin-Fan - und dies merkt man sicherlich auch an o.g. Text.

    Was TV-Termine betrifft, so mache ich mich schlau und melde mich wieder hier, ok?

    Liebe Grüße aus HH

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