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Wolfgang Petry macht Schluss

Erstellt von DeeTee, 17.09.2006, 21:57 Uhr · 24 Antworten · 4.655 Aufrufe

  1. #21
    Benutzerbild von NovalisHH

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    Zitat Zitat von falkenberg Beitrag anzeigen
    Das hast Du wirklich sehr treffend zusammengefasst. Das Thema hatten wir schon mal, da wird Wolfgang Petry manchmal wirklich unrecht getan, wenn man ihn nur an seiner letzten und efolgreichsten Phase misst. Ich habe diese Zeit weitgehend ignoriert, das sagte mir eigentlich von Anfang an nicht zu. Selbst diese Phase ist aber eigentlich weniger schlimm als die öffentliche Meinung darüber. Da er passenderweise auch noch bei der Umstellung auf ehrliche Charts statt der vorhergehenden Manipulationspraktiken prompt auf Platz 1 gerutscht ist, wurde er unausweichlich zum Prügelknaben und zum Symbol seichten Schlagers. Sein Stil wurde übrigens bei den Produktionen für den Big-Brother-Zlatko ziemlich offensichtlich kopiert.

    Zwischen der 2. und 3. Phase gab es den harten Einschnitt, weniger aber zwischen 1. und 2. Phase. Das war eher ein sachtes Abdriften. Wenn ich mich richtig erinnere, waren auch schon bei den Hansa-Veröffentlichungen zuletzt selbstgeschriebene Titel dabei (wie es übrigens auch bei der seichten Phase etliche von ihm selbst geschriebene Titel gibt). Seine letzte reguläre Hansa-LP "Wahnsinn" ist eigentlich schon weitaus näher an seinen Intercord-Veröffentlichungen als an Titeln wie "Sommer in der Stadt" oder "Ich trinke nie mehr Tequila". Die Texte sind teilweise wirklich grottenpeinlich, gerade die gewollt (aber nicht gekonnt) sozialkritischen oder "nachdenklichen". Titel wie "Überleben", "Sandra weint", "Ohne mich", "Lügen" und als Gipfel der Peinlichkeit "Einer fehlt" sind eher Zeitdokumente als hörbare Texte. Da sind mir die reichlich schwülstigen Titel wie "Mein Zuhaus" oder "Wenn ich geh" fast noch lieber. Die sind wenigstens ehrlich peinlich.

    Musikalisch (nicht aber textlich) sehe ich in dieser Phase übrigens deutliche Parallelen zu Nino de Angelo wenige Jahre später. Auch das wird kaum wahrgenommen.

    Du hast Recht: Auf der letzten Hansa/Coconut-LP "Wahnsinn" befanden sich tatsächlich einige durchaus rockige, zugleich aber textlich (angeblich) tiefergehende Nummern, was zum einen sicherlich am allgemeinen Zeitgeist 1982/83 lag, wo viele klassische Schlagersänger plötzlich auf "Problembewußtsein" setzten (z.B. Vicky Leandros - "Verlorenes Paradies", Udo Jürgens - "Fünf vor 12" etc.), zum anderen aber bestimmt auch an der damals herrschenden (kommerziellen) NDW, die sich ja sprachlich wie thematisch immens auf die folgende Schlager- und Deutschpopgeneration auswirkte und Schlagertexte künftig offener, "liberaler" werden ließ.
    Ich denke auch, daß sowohl "Der Himmel brennt", als auch "Wahnsinn", niemals so verhältnismäßig hoch in den Singlehitlisten aufgestiegen wären, hätte es nicht zum damaligen Zeitpunkt den immensen NDW-Boom gegeben, der die Ohren der Musikhörer nun mal von heute auf morgen für poppige, rockigere Lieder mit deutschen Texten geöffnet hatte. Im Grunde genommen erinnern mich viele Lieder der LP "Wahnsinn" an den Peter Maffay VOR "Revanche", sozusagen zwischen "Steppenwolf" und "Revanche".
    "Und Sandra weint" hieß übrigens 1978 bei Juline Werding noch "Hotel Royal" und besaß einen noch schaurigeren Text

    "Wahnsinn" ist eine gute Platte, keine Frage... wahrscheinlich fasziniert mich "Rauhe Wege" aber deshalb mehr, weil eben Stefan Waggershausen dabei seine Finger im Spiel hatte und ich für diesen ein besonderes Faible seit meiner Kindheit hatte/habe. Ob er für Ute Berling schrieb oder eben für W.P. - man hörte umgehend, daß Stefan Waggershausen der Textautor war! Er hat m.E. eine phantastische Begabung in Sachen Ausdruck und Stimmung seiner Songs/Texte.

    Nur hatte sich aber das breite Publikum, als "Rauhe Wege" erschien, vielzahlig von W.P. abgewandt; diese LP und weitere in den späten 80ern wurden kaum noch wahrgenommen, fanden, wenn, dann nur noch in Rundfunkschlagerparaden statt... W.P. geriet einfach in Vergessenheit.

    Daß er genug künstlerisches Potential besaß, eines Tages ein Comeback starten zu können, war mir immer klar; schade nur, daß dies eben mit der "Schiene" von "Verlieben, Verloren..." vonstatten ging und nicht mit anspruchsvollerem Material.
    Bis "Alles" - also, von 1992 bis 1996 - fand ich dies ja auch ganz ok; man kam um "Sieben Tage - Sieben Nächte" oder "Du bist ein Wunder" einfach nicht herum, wenn man sich näher mit deutscher Popmusik beschäftigte... aber, nach dem Megaerfolg von "Alles", wurden letztlich nur noch diverse Variationen von "Verlieben, Verloren" ins Rennen gesandt - und dies nervte auf die Dauer extremst (!!!) Im Grunde genommen, habe ich nach 1997 auf neue Petry-Alben gar nicht mehr geachtet, weder privat, noch beruflich...
    Gut, über die Abschieds-CD "30" habe ich vor ein paar Tagen geschrieben, aber, alles sonstige zwischen 1997 und heute, ging schnurstracks an mir vorbei.

    Parallelen zu Nino de Angelo... da ist schon etwas dran, auch wenn ich diese vielleicht nicht soooo deutlich sehe, wie Du...
    Nino wollte ja eigentlich von Anfang an rockigere Lieder singen. Auf den ersten LPs fanden sich ja auch immer wieder deftigere Gitarrenklänge (z.B. "Rivalen", "Frau einer Nacht" (eher Blues), "Silbermond", "Die wilden Jahre", "Unter vier Augen", "Blues für Dich") - als Singles wurden aber durchwegs die eher balladesken, gemächlichen Popschlager ausgekoppelt, die niemandem "weh taten"; und sicher drängten zugleich die erfahrenen Produzenten (z.B. Könner Joachim Horn-Bernges) ihren damals ja noch blutjungen Schützling mehr in die romantische Schlagerecke...
    Die 1987er-LP "Durch tausend Feuer" würde ich aber bereits fast durchgehend im Deutschpop-Kontext einordnen.. 1991 folgte ja die unzweifelhafte Deutschrock-LP "De Angelo", mit der sich Nino aber m.E. zwischen alle Stühle setzte. Traditionellen Schlagerfreunden waren die Songs zu laut, zu hart, zu deftig; Rockliebhaber hielten Nino, trotz aller stilistischer Wandlung, weiterhin für einen "seichten Schlagerfuzzi"...
    So ging "De Angelo" gnadenlos unter (ich selbst liebe die Platte bis heute), ebenso wie Ninos drittes eindeutiges Deutschrockalbum "Nino" vor einem Jahr...

    Ich denke, Nino wurde in seiner Frühzeit in Richtung Schlager gedrängt und durfte nur ganz selten seinen eher rockigeren Leidenschaften frönen, während bei Wolfgang Petry, so vermute ich, auch vom Coconut-Team selbst her, stets auf etwas lautere Klänge, treibende Rhythmen und härtere Gitarrenriffs gesetzt wurde - während ich diese Zeilen schreibe, habe ich mir nochmals die "Wahnsinn"-LP aufgelegt... also, ich selbst sehe, gerade, was "Wahnsinn" betrifft, weitaus mehr Parallelen zu Peter Maffay, also zu Nino....

    Aber gut... ich wollte Deinen sehr interessanten Beitrag, lieber Falkenberg, eben nun doch noch mal ausführlicher kommentieren.
    Heute könnten übrigens ein paar (oder auch ein paar mehr...) Rechtschreibfehler in meinem Text zu finden sein, da mich gestern eine üble Kopfgrippe heimsuchte und mein Kopf heute noc weitaus lauter dröhnt, als die Gitarren auf der "Wahnsinn"-LP. Bitte mögliche Tippfehler daher zu verzeihen

    Liebe Grüße aus HH

  2.  
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  3. #22
    Benutzerbild von feuervogel22

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    Ich habe mir in meiner Jugendzeit nur eine Single von ihm gekauft und das war:"Wenn ich geh...Mein Gatte hat dann später noch mal nachgelegt mit den 2 Alben "Viele kleine Wunder","Alles".Das wars auch schon.Leider lief das Album "Alles" in unserem Auto fast ein ganzes Jahr.Seid dem kann ich die Lieder alle auswendig (Grausam)Gehirnwäsche.

  4. #23
    Benutzerbild von falkenberg

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    Zitat Zitat von NovalisHH Beitrag anzeigen
    Ich denke auch, daß sowohl "Der Himmel brennt", als auch "Wahnsinn", niemals so verhältnismäßig hoch in den Singlehitlisten aufgestiegen wären, hätte es nicht zum damaligen Zeitpunkt den immensen NDW-Boom gegeben, der die Ohren der Musikhörer nun mal von heute auf morgen für poppige, rockigere Lieder mit deutschen Texten geöffnet hatte.
    Ich hoffe mal, dass Du inzwischen wiederhergestellt bist. Ein paar Sachen hätte ich noch zu ergänzen.

    Den Bezug zur NDW sehe ich nicht mal so recht, das geht ja vom Stil her doch in eine ziemlich andere Richtung. Für mich ist das eher der typische Schlager der ersten Hälfte der 80er Jahre. Der Schlager hatte damals auch noch eine breitere Akzeptanz als heute (damals gabs sogar bei NDR2 noch Schlager!), trotzdem dürften die Zielgruppen von NDW und Wolfgang Petry sich eher wenig überschnitten haben.

    Zitat Zitat von NovalisHH Beitrag anzeigen
    "Und Sandra weint" hieß übrigens 1978 bei Juline Werding noch "Hotel Royal" und besaß einen noch schaurigeren Text
    Sozusagen das klassische Recycling im Hause Hendrik/Hartmann/van Haaren? Wusste ich auch noch nicht. Ebenso wenig, dass die jemals was für Juliane Werding gemacht hatten. Die Juliane-Werding-Titel vor der Steinhauer-Ära sind aber auch weitgehend in Vergessenheit geraten.

    Zitat Zitat von NovalisHH Beitrag anzeigen
    Nur hatte sich aber das breite Publikum, als "Rauhe Wege" erschien, vielzahlig von W.P. abgewandt; diese LP und weitere in den späten 80ern wurden kaum noch wahrgenommen, fanden, wenn, dann nur noch in Rundfunkschlagerparaden statt... W.P. geriet einfach in Vergessenheit.
    Wahrscheinlich hatte er sich nur die falsche Zeit dafür ausgesucht. In der zweiten Hälfte der 80er Jahre gings mit dem Schlager rapide bergab. Was übrigblieb waren die Flippers und Albin Berger und ähnlicher Käse. Nie war Schlager so out wie damals. Für etwas anspruchsvollere Konzepte war damals kein Platz.

    Zitat Zitat von NovalisHH Beitrag anzeigen
    Bis "Alles" - also, von 1992 bis 1996 - fand ich dies ja auch ganz ok; man kam um "Sieben Tage - Sieben Nächte" oder "Du bist ein Wunder" einfach nicht herum, wenn man sich näher mit deutscher Popmusik beschäftigte... aber, nach dem Megaerfolg von "Alles", wurden letztlich nur noch diverse Variationen von "Verlieben, Verloren" ins Rennen gesandt - und dies nervte auf die Dauer extremst (!!!) Im Grunde genommen, habe ich nach 1997 auf neue Petry-Alben gar nicht mehr geachtet, weder privat, noch beruflich...
    Gut, über die Abschieds-CD "30" habe ich vor ein paar Tagen geschrieben, aber, alles sonstige zwischen 1997 und heute, ging schnurstracks an mir vorbei.
    Aus seiner 3. Phase hatte ich mir die erste Single gekauft und ihn fortan weitgehend ignoriert. Ich hab mir dann noch mal eine CD aus der Grabbelkiste geholt, und die "längste Single der Welt" habe ich mir dann auch gekauft. Da kriegt man einen schönen Überblick, und wieviele Titel da zusammengeschnippelt wurden, ist eh wurscht, das klingt sowieso alles gleich.

    Zitat Zitat von NovalisHH Beitrag anzeigen
    Parallelen zu Nino de Angelo... da ist schon etwas dran, auch wenn ich diese vielleicht nicht soooo deutlich sehe, wie Du...
    Man sollte es vor allem nicht zeitlich exakt parallel sehen, Nino de Angelo war etwas später.

    Zitat Zitat von NovalisHH Beitrag anzeigen
    Nino wollte ja eigentlich von Anfang an rockigere Lieder singen. Auf den ersten LPs fanden sich ja auch immer wieder deftigere Gitarrenklänge (z.B. "Rivalen", "Frau einer Nacht" (eher Blues), "Silbermond", "Die wilden Jahre", "Unter vier Augen", "Blues für Dich") - als Singles wurden aber durchwegs die eher balladesken, gemächlichen Popschlager ausgekoppelt, die niemandem "weh taten"; und sicher drängten zugleich die erfahrenen Produzenten (z.B. Könner Joachim Horn-Bernges) ihren damals ja noch blutjungen Schützling mehr in die romantische Schlagerecke...
    Ich hab damals nicht jede Single zur Kenntnis genommen, und wenn man sich heute die CD anhört, ist es ja egal, was davon mal Single war.

    Zitat Zitat von NovalisHH Beitrag anzeigen
    Die 1987er-LP "Durch tausend Feuer" würde ich aber bereits fast durchgehend im Deutschpop-Kontext einordnen..
    Ist Schlager was anderes als Deutschpop? OK, die Diskussion hatten wir schon mal.

    Zitat Zitat von NovalisHH Beitrag anzeigen
    1991 folgte ja die unzweifelhafte Deutschrock-LP "De Angelo", mit der sich Nino aber m.E. zwischen alle Stühle setzte. Traditionellen Schlagerfreunden waren die Songs zu laut, zu hart, zu deftig; Rockliebhaber hielten Nino, trotz aller stilistischer Wandlung, weiterhin für einen "seichten Schlagerfuzzi"...
    So ging "De Angelo" gnadenlos unter (ich selbst liebe die Platte bis heute), ebenso wie Ninos drittes eindeutiges Deutschrockalbum "Nino" vor einem Jahr...
    In den 90er Jahren habe ich längst nicht alles Deutsche mehr zur Kenntnis genommen. Da hat sich auch mein Geschmack etwas geändert. Wenn es schon deutsch sein soll, dann sind das heute Cyborg Attack, Tyske Ludder, Stendal Blast, Prager Handgriff usw.

    Zitat Zitat von NovalisHH Beitrag anzeigen
    Ich denke, Nino wurde in seiner Frühzeit in Richtung Schlager gedrängt und durfte nur ganz selten seinen eher rockigeren Leidenschaften frönen, während bei Wolfgang Petry, so vermute ich, auch vom Coconut-Team selbst her, stets auf etwas lautere Klänge, treibende Rhythmen und härtere Gitarrenriffs gesetzt wurde - während ich diese Zeilen schreibe, habe ich mir nochmals die "Wahnsinn"-LP aufgelegt... also, ich selbst sehe, gerade, was "Wahnsinn" betrifft, weitaus mehr Parallelen zu Peter Maffay, also zu Nino....
    Man muss sich ja nur mal die Cover ansehen. Wolfgang Petry wurde ja damals regelrecht in die Prolo-Ecke gedrängt.

  5. #24
    Benutzerbild von ccc---

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    Ich bekenne mich, mir gefallen doch einige Lieder von Wolle. Das erste, das ich kannte, war natürlich "Wahnsinn" in den frühen 80ern. Vor einigen Jahren hab ich mir dann die "Alles" CD gekauft und ich muß sagen, da gefällt mir fast jeder Song drauf.

    Ansonsten kenn ich allerdings nix von ihm.

  6. #25
    Benutzerbild von Tapsel

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    73
    Ich bin zwar kein Fan im eigentlichen Sinne von Wolle Petry, aber viele Songs waren wirklich nett anzuhören und "Disco-Fox" tauglich

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