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Im Freibad - damals und heute

Erstellt von Die Luftgitarre, 04.08.2003, 13:43 Uhr · 58 Antworten · 16.489 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    Das Freibad in meiner Gegend, mit dem sich ein Großteil meiner 80er-Erinnerungen verbindet, ist in den frühen 90ern komplett umgebaut und "modernisiert" worden. Mir scheint dabei ist durchaus auch so etwas wie ein neuer Zeitgeist erkennbar:

    - Zuallererst: eine stärkere Gewinn-Orientierung des einstigen Subventionsbetriebs. Die Wasserfläche wurde verringert (Heiz- und Reinigungskosten), die Rasenfläche wurde zugunsten von mehr Parkplätzen verkleinert. (Das Gedränge im Freibad hat auch merklich zugenommen!) und die Preise wurden je nach Tarif ver3facht bis ver5facht, also weit über das allgem. Inflationsnineau hinaus erhöht, was natürlich super-unsozial ist.

    - Dann eine stärkere Event- und Entertainment-Ausrichtung: Wo früher nur schlichter 70er-Beton war, stehen jetzt Plastik-Palmen und Plastik-Felsen. Die einst schmucklosen Imbiß- und Eis-Unterstände sehen jetzt aus wie Cafés und Restaurants. Aus Lautsprechern schallen jetzt nicht nur "Der-kleine-x-sucht-seine-Eltern"-Durchsagen, sondern auch gelegentlich auch der "Club-Tanz" oder Werbung! Überall flitzen attraktive Animateure/innen rum (man ist fast froh, daß sie einen nicht bei der Hand nehmen und zum "Club-Tanz" mitschleifen). Früher schreitete nur der stets finster dreinblickende Bademeister seine Wege auf und ab, und überlegte, wem er wohl als nächstes einen Platzverweis erteilen könnte. Doch solche kunden-unfreundlichen Miesepeter passen wohl nicht mehr in die Zeit. (Ich weiß auch gar nicht, ob da überhaupt noch jemand zugegen ist, der nicht nur den "Club-Tanz" kann, sondern ggf. auch noch ganz altmodisch einen Ertrinkenden retten kann ...)

    - Drittens eine stärkere Orientierung an den tatsächlichen Kundenwünschen (sofern dies nicht mit "erstens" in Widerspruch gerät!): Früheren Freibädern lag noch die Vorstellung zugrunde, es ginge beim Ins-Freibad-gehen ganz sportlich-adrett um Bahnen-Schwimmen oder Wasser-Springen. Quatsch! Es geht den Leuten natürlich um gemütliches Rumplantschen. Also wurde der 5-Meter-Turm entfernt, so daß die Jungs nun nicht mehr in die Verlegenheit kommen, den Mädchen durch tollkühne Todessprünge imponieren zu müssen. (Mir wird heute noch schwindlig, wenn ich mich erinnere, wie tief das damals von oben aussah). Stattdessen gibt es jetzt eine gewundene Röhren-Rutschbahn. Und die neuen Termal- und Wirr-Pools kommen der "Warmduscher"-Fraktion sehr entgegen! *g*

  2.  
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  3. #2
    Otto
    Benutzerbild von Otto
    Bei uns gab es zwischen den 60er Jahren (das war noch vor meiner Zeit) und 1991 ein Freibad. Dort bin ich als Kind (mit Eltern) schon mal gewesen, später dann jedes Jahr oder jedes zweite Jahr mit der Schulklasse im Rahmen des Sportunterrichts (das war so zwischen 1987 und 1990). So um 1990/91 bin ich dann im Sommer auch sehr oft privat im Freibad gewesen, da gab es auch noch jede Menge hübscher Badenixen zu sehen, die ich teilweise auch schon vom Ansehen her kannte (z.B. aus der Schule). Das Becken war meist so voll, dass man nicht einmal eine Bahn schwimmen konnte - und auch schon ganz automatisch in "Kontakt" mit jenen Badenixen kam.

    Seit 1992 gibt es dieses Freibad nicht mehr. Seitdem befindet sich an dieser Stelle ein modernes Erlebnisbad. Normalerweise mag ich solche Erlebnisbäder auch sehr gern, aber nicht unbedingt im Sommer. Denn wenn es draußen heiß ist, ist es im Erlebnisbad auch nicht unbedingt eine "Abkühlung". Außerdem hat man dann auch fast das ganze Bad für sich allein.

    Ein richtiges Freibad gibt es in unserer Stadt seitdem nicht mehr.

    Was mir dazu auch noch einfällt: Die Badenixen trugen damals noch relativ selten einen Bikini, sondern fast ausschließlich Badeanzüge. Und ich habe es noch in Erinnerung, dass in den öffentlichen Schwimmbädern es noch ziemlich lange Pflicht war, Badekappen zu tragen (zumindest bis Mitte/Ende der 80er).

  4. #3
    Benutzerbild von Babooshka

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    Also bei uns trug Frau auch schon in den 80-ern Bikini. Berlin halt! Aber oben ohne sonnen war damals noch nicht weit verbreitet, noch nicht mal in Berlin In Frankreich war das schon ganz normal, g'schamiger Teenager, der ich war, fand ich das ziemlich befremdlich und traute mich nicht...

    Das Freibad in meinem Viertel ist so um 1976 entstanden und dürfte abgesehen von vielleicht kleinen Änderungen heute noch genauso aussehen. Irgendwie sind die meisten Schwimmbäder Berlins architektonisch gesehen eins wie das andere. Der Eintrittspreis von 4 Euro ist verdammt gesalzen, weshalb ich keinen Bock habe, mich zwischen die Anderen zu quetschen, um dann noch nicht mal Platz und Ruhe zu finden, eine Runde im Wasser zu schwimmen. Hach ja, da denke ich dann doch an die schönen Bäder in München zurück...

  5. #4
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    [b]
    Die Badenixen trugen damals noch relativ selten einen Bikini, sondern fast ausschließlich Badeanzüge.
    Aber was noch schlimmer war: Wir Jungs (bzw. Männer) trugen damals doch noch meist richtige "Badehosen", also die obzön-peinlich engen und knappen Synthetik-Teile. Aber das Wort "Badehose" suggerierte eben, daß man im Wasser nur diese, und keine andere Art von Hose tragen durfte. Erst Ende der 80er sah man dann zunehmend Typen in diesen weiteren, schlabbrig-verhüllenden "Shorts" am Beckenrand. Im Sommer 1990 holte ich mir dann auch so coole "Shorts" (konnte sie sogar noch für eine Saison im ALTEN Freibad einweihen) und hab seitdem NIE wieder eine "Badehose" angezogen.

    [b]
    Und ich habe es noch in Erinnerung, dass in den öffentlichen Schwimmbädern es noch ziemlich lange Pflicht war, Badekappen zu tragen (zumindest bis Mitte/Ende der 80er).
    Seltsam. Ich bin Jahrgang ´73 und kann mich an die Badekappen-Ära überhaupt nicht mehr erinnern. Hätte gedacht, das wären allenfalls noch die frühen 70er gewesen. Ich hätte es Mitte 80er auch als öffentliche Demütigung empfunden, eine Badekappe aufzusetzen.

  6. #5
    Benutzerbild von Babooshka

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    Die Luftgitarre postete
    Aber was noch schlimmer war: Wir Jungs (bzw. Männer) trugen damals doch noch meist richtige "Badehosen", also die obzön-peinlich engen und knappen Synthetik-Teile. Aber das Wort "Badehose" suggerierte eben, daß man im Wasser nur diese, und keine andere Art von Hose tragen durfte. Erst Ende der 80er sah man dann zunehmend Typen in diesen weiteren, schlabbrig-verhüllenden "Shorts" am Beckenrand. Im Sommer 1990 holte ich mir dann auch so coole "Shorts" (konnte sie sogar noch für eine Saison im ALTEN Freibad einweihen) und hab seitdem NIE wieder eine "Badehose" angezogen.
    Aber es gab auch viele schicke Badehosen, die sehr 5exy aussahen! Am richtigen Mann natürlich Ich habe da noch so ein paar Fotos von meinem damaligen Freund aus Rom... Diese Shorts sahen (und sehen) immer viel zu schlabberig aus für meinen Geschmack. Aber für manch einen ist es sicher die bessere Lösung.

    Seltsam. Ich bin Jahrgang ´73 und kann mich an die Badekappen-Ära überhaupt nicht mehr erinnern. Hätte gedacht, das wären allenfalls noch die frühen 70er gewesen. Ich hätte es Mitte 80er auch als öffentliche Demütigung empfunden, eine Badekappe aufzusetzen.
    Ich glaube auch, die Badekappenpflicht (ich fand diesen Running Gag in der 70-er Show mit Hape Kerkeling sehr gelungen) wurde recht bald in den 80-ern abgeschafft. Kann mich nicht erinnern, ob ich sie damals zum Schwimmen tragen musste. Bisweilen ging man ja auch im Rahmen des Sportunterrichts mal ins Schwimmbad. Aber Badekappen für Jungen/Männer waren ja nicht so schlimm, meistens handelte es sich um ein zweifarbiges Teil, das den Mützen von Tick, Trick und Track nicht unähnlich war, und es bestand aus so dehnbarem Synthetikstoff, aus dem heute viele Klamotten gemacht sind (pfui Deibel, ich dachte, man hätte aus den 70-ern gelernt! Die Leute, die sich sowas antun, werden jetzt schön schwitzen in ihren 100% Polyestertops und -kleidchen!). Die wahren Scheußlichkeiten befanden sich zumeist auf den Köpfen weiblicher Badegäste. Klar, Frau hatte öfter auch mehr Haare unter dem Teil zu bändigen. Ich sage nur, applizierte Plastikblümchen in allen Farben des Regenbogens!

  7. #6
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    Babooshka postete
    Also bei uns trug Frau auch schon in den 80-ern Bikini. Berlin halt! Aber oben ohne sonnen war damals noch nicht weit verbreitet, noch nicht mal in Berlin In Frankreich war das schon ganz normal, g'schamiger Teenager, der ich war, fand ich das ziemlich befremdlich und traute mich nicht...
    Hm, wie das Anfang der 80er bei uns war, kann ich nicht mehr so genau sagen. Aber so ab 1985/1986 war ich im örtlichen Freibad und am Baggersee nicht besonders selten als pubertierender Jugendlicher ganz schön gefordert (aufgrund mangeldner Oberbekleidung der anwesenden weiblichen Badegäste) ohne Handtuch auszukommen ohne das es peinlich wird *g* Allerdings ist mir dabei auch einmal eine Lehrerin oben ohne unter die Augen geraten... BAAAAAAAAH, war das ÜÜÜÜÜÜÜÜÜBEL!!! *g*

    Ansonsten hat sich am Freiband nix geändert. Die Stadt ist Pleite, alles sieht aus wie eh und je.

    Dave

  8. #7
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    Babooshka postete
    Aber es gab auch viele schicke Badehosen, die sehr 5exy aussahen!
    So so! *g* - Aber das ist es ja gerade: Man(n) fühlte sich darin wie im Men´s-Strip, fast völlig nackt! Nene, das mit den schlabbrig-verhüllenden Shorts war schon eine gute Idee.

  9. #8
    Benutzerbild von Babooshka

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    Pfff, gemein... auch Frauen genießen gerne knackige Anblicke

  10. #9
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    Aber der Punkt bei dem Freibad-Thema ist auch, daß dieser Ort wohl für viele das über mehrere Lebensabschnitte hinweg verbindende Element war. Bei mir z. B. kann ich anhand meiner Freibad-Lektüre 3 Entwicklungsphasen ausmachen:

    - Erst die Phase, in der man noch vorzugsweise die "Micky Maus" und die "Lustigen Taschenbücher" mit Donald, Dagobert u. Co. auf dem Badehandtuch liegen hatte.

    - Dann die Zeit der typischen Teenager-Lektüre: Erst die "BRAVO", dan die "Popcorn", dann einige Popstar-Biographien aus der Bücherei; dazu als ständiger Begleiter: der Walkman.

    - Schließlich, mit 15/16 wurden ich und einige meiner Klassenkameraden dann gaaanz intellektuell und politisch interessiert. Von nun an waren der "SPIEGEL" und die "taz" unsere Freibad-Lektüre.

    Und über all diese Phase hinweg war da als gemeinsame Klammer: Das Alte Freibad mit seinen immer gleichen Liegewiesen und Schwimmbecken, Begrenzungs-Hecken und Eis- und Imbiß-Unterständen, den giftgrünen Umkleidekabinen von 1970 und dem dahinrostenden Ausgangstor-Gitter ... - Und dann, 1991, kommen irgendwelche Lokal-Politiker auf die Idee, diesen zentralen Ort meiner Kindheit und Teenager-Zeit einfach so wegzu"modernisieren"!

    In dem 1994 neueröffneten "Erlebnis-Bad" bin ich nie so richtig heimisch geworden (ich fahre seitdem eher zum Baggersee, allein schon, weil es jetzt so schweine-teuer ist) Aber wenn ich mal im neuen "Erlebnis-Bad" bin, sehe ich immer noch wie mit einer Kontrastfolie in dünnen blassen Linien überall die Begrenzungslinien der einstigen Flächen und Gebäude des Alten Freibads ...

    Doch dann fällt mir ein: Die Jugendlichen, die sich hier jetzt tummeln, haben an das Alte Freibad zumindest überhaupt keine bewußte Erinnerung mehr. Wie heißt es doch in "Der Herr der Ringe": "Die Welt ist im Wandel."

  11. #10
    Benutzerbild von Big_F

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    "Mein" Freibad hat sich in den letzten 30 Jahren sogut wie nicht verändert.
    In den letzten Jahren wurde hier und da zwar einiges modernisiert aber den ursprüngliche Charme hat das Freibad dadurch nicht verloren.
    Bis Mitte der 80er gabs dort Badekappenpflicht. Damit sah ich aus wie eine Billardkugel. Ich hate so eine Nylonbadekappe in weiß/schwarz/weiß.
    Die Mädels hatten Gummibadekappen mit irgendwelchen Mustern auf.
    Das schöne an diesem Freibad ist das jeder jeden kennt.
    Ich kann da ohne weiteres Handy, Portemonai usw. auf der Decke liegen lassen ohne Angst zu haben das irgendwas geklaut wird.

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