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Leben in Berlin?

Erstellt von Lexi, 04.02.2013, 00:09 Uhr · 25 Antworten · 2.628 Aufrufe

  1. #1
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    Leben in Berlin?

    Tach zusammen!

    Ich habe hier im Forum gesehen, dass einige von euch aus Berlin kommen. Da ich mir das Leben dort in den 80ern nicht so ganz vorstellen kann, dachte ich, ich könnte mich doch einmal anmelden und danach fragen. Also:

    Ihr sprecht immer davon, mit der U-Bahn gefahren zu sein. Hattet ihr da als Schüler eine Karte für das ganze Netz? Sonst kostete das sicher doch eine ganze Menge. Ein Mofa zu besitzen war unter den Umständen vermutlich weniger verbreitet.

    Kam ein Berlin das Leben auf so einer Insel auf die Dauer eher klein vor, oder gab es immer irgendwo etwas neues zu entdecken?

    Gab es in Berlin auch einen gewissen Reichtum, also ich meine, konnte man da als armer Schüler mit irgendwelchen Jobs akzeptabel Geld einsacken?

    Wie war das mit den Besatzungsmächten, hatte man da irgendwelche Vorteile? Vielleicht amerikanische Diskos, in denen man sich als Minderjähriger ungestört von deutschen Kontrollen aufhalten konnte, oder so?

    Und reichte die Stadtbebauung praktisch immer bis zur Mauer, oder gab es auch eine erreichbare Gegend, in der man mit Gummistiefeln durch den Matsch laufen konnte.

    Ihr seht, ich kenne Berlin nur vom Hörensagen und war noch nie dort.

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von Babooshka

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    AW: Leben in Berlin?

    Tach ooch! Berliner Pflanze meldet sich zu Wort und berichtet, wie's damals in Berlin war, in den 80-en.

    Zitat Zitat von Lexi Beitrag anzeigen
    Ihr sprecht immer davon, mit der U-Bahn gefahren zu sein. Hattet ihr da als Schüler eine Karte für das ganze Netz? Sonst kostete das sicher doch eine ganze Menge. Ein Mofa zu besitzen war unter den Umständen vermutlich weniger verbreitet
    Ja, es gab eine Monatskarte fürs Gesamtnetz, die hatte man aber bloß, wenn die ansonsten üblichen drei Linien auf der Monatskarte nicht ausreichten. Wer also zur Uni ging und nicht gerade in der Gegend dort wohnte oder zur Ausbildung ans andere Ende der Stadt musste (und manchmal auch zur Schule... das war bei mir der Fall), der hatte Gesamtnetz. Ansonsten pappten die Marken für drei Bus- oder U-Bahnlinien oder ein Gemisch darauf auf der Monatskarte. Dazu muss man aber sagen, dass der Berliner, vor allem der Teenager, ein ausgesprochener Kiezberliner war. Weggehen fand im eigenen oder allenfalls noch im Nachbarbezirk statt; oft durfte man ja elterlicherseits gar nicht mehr. Lag der Ort des Begehrens weiter weg, musste man extra dafür Bus oder U-Bahn bezahlen. Mofas hatten eher wenige Leute, und da zumeist jene aus Berlins ländlichen Gegenden; ich komme später nochmal darauf zurück.

    Kam ein Berlin das Leben auf so einer Insel auf die Dauer eher klein vor, oder gab es immer irgendwo etwas neues zu entdecken?
    Also klein war West-Berlin überhaupt nicht. Einmal durch die Stadt von der West- zur Ostmauer: 1 1/2 Stunden, von der Nord- bis zur Südmauer: 2 Stunden mit der BVG. Wie gesagt, der Berliner Teenager war meistens auf seinen Bezirk beschränkt, so gab es mit zunehmendem Alter natürlich eine ganze Menge zu entdecken. War 'ne spannende Sache.

    Gab es in Berlin auch einen gewissen Reichtum, also ich meine, konnte man da als armer Schüler mit irgendwelchen Jobs akzeptabel Geld einsacken?
    Naja, was man als typischer Schüler eben so machte: Zeitungen austragen, Nachhilfe geben, Babysitten, Inventur im Supermarkt, Ferienjob im Drogeriemarkt oder im Geschenkeladen. Wie überall in Deutschland. Das war in Berlin kein bisschen anders.

    Wie war das mit den Besatzungsmächten, hatte man da irgendwelche Vorteile? Vielleicht amerikanische Diskos, in denen man sich als Minderjähriger ungestört von deutschen Kontrollen aufhalten konnte, oder so?
    Aber sicher, alle drei Allierten in der Stadt zu haben war mit das Coolste! Allerdings kam man in die amerikanischen Discos erst ab 18 rein, es sei denn, man hatte Connections und wurde mit reingenommen. Dies erzählte mir vor kurzem gerade eine Bekannte, die bei den Amerikanern unterwegs war. Ich hing meistens mit den Franzosen ab, die hatten auch ihre Disco und dort gab es auch Minderjährige. Je nachdem, wo man war, wurde es mit dem Rausschicken Minderjähriger zu einer bestimmten Uhrzeit mehr oder weniger ernst genommen. Im Big Eden kam dann irgendwann die Durchsage, aber kontrolliert hat das glaube ich keiner. Zumindest nicht in den 80-ern. Wie ich hörte, war man da in früheren Jahrzehnten strenger. Da mussten schon mal die Schülerausweise der Minderjährigen am Eingang abgegeben werden und wer sie bis zur Minderjährigen-Sperrstunde nicht abgeholt und gegangen war, musste sich der Peinlichkeit aussetzen, dass die Namen derjenigen per Mikro verlesen wurden mit der Anmerkung, dass die doch mal bitte ihren Ausweis holen und gehen sollten.

    Und reichte die Stadtbebauung praktisch immer bis zur Mauer, oder gab es auch eine erreichbare Gegend, in der man mit Gummistiefeln durch den Matsch laufen konnte.
    Es gab und gibt richtige ländliche Gegenden in Berlin mit viel Wald, Seen, der Havel, Strand(!), Feldern und dazugehörigen Bauernhöfen, Feldwegen, dem Mauerweg usw. Ich z. B. habe zwar in einer Hochhaussiedlung am Stadtrand gewohnt, bin aber dennoch komplett in der Natur aufgewachsen. Die einen Großeltern wohnten direkt an der Mauer am Kontrollpunkt Staaken (westliche Grenze) und hatten einen ganz verwilderten Garten, auch die Gegend drumrum war Natur (und ist es heute ohne die Mauer noch mehr). Die anderen Großeltern wohnten in Kladow (südwestliches Berlin) und hatten auch einen Garten, dahinter war Wald.

  4. #3
    Benutzerbild von Lutz

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    AW: Leben in Berlin?

    Zitat Zitat von Babooshka Beitrag anzeigen
    Ja, es gab eine Monatskarte fürs Gesamtnetz, die hatte man aber bloß, wenn die ansonsten üblichen drei Linien auf der Monatskarte nicht ausreichten. Wer also zur Uni ging und nicht gerade in der Gegend dort wohnte oder zur Ausbildung ans andere Ende der Stadt musste (und manchmal auch zur Schule... das war bei mir der Fall), der hatte Gesamtnetz. Ansonsten pappten die Marken für drei Bus- oder U-Bahnlinien oder ein Gemisch darauf auf der Monatskarte. Dazu muss man aber sagen, dass der Berliner, vor allem der Teenager, ein ausgesprochener Kiezberliner war. Weggehen fand im eigenen oder allenfalls noch im Nachbarbezirk statt; oft durfte man ja elterlicherseits gar nicht mehr. Lag der Ort des Begehrens weiter weg, musste man extra dafür Bus oder U-Bahn bezahlen. Mofas hatten eher wenige Leute, und da zumeist jene aus Berlins ländlichen Gegenden; ich komme später nochmal darauf zurück.
    Ich kenne es noch bis ca 1989 so, dass in Berlin eh so gut wie nie in der Bahn kontrolliert wurde..

    Ich bin dann schon quer durch die Stadt in diverse Läden, die ich ohne sachkundige einheimische Begleitung allerdings nie gefunden hätte

    Für mich als Hamburger war genial, dass in Berlin schon daaamals (TM) die Züge nachts durchfuhren (wenn ich mich recht entsinne), überhaupt kam mir die Verkehrsanbindung besser vor als in den 80s in HH

    Und ja, auch "nur" der Westen von Berlin ist groooß!

    Lutz

  5. #4
    Benutzerbild von Lexi

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    AW: Leben in Berlin?

    Oh, Danke für eure Eindrücke. Es hört sich ja so an, als wäre es fast ein Traum gewesen, in Berlin zu leben.

    Zitat Zitat von Babooshka Beitrag anzeigen
    Aber sicher, alle drei Allierten in der Stadt zu haben war mit das Coolste!
    Also, das es mit dem alliierten Recht eine Todesstrafe gab, scheint also nicht so bedeutend gewesen zu sein. Aber so ganz ist mir das mit den Zonen noch nicht klar: War einem bewusst, in welcher Zone man lebt, wenn es nicht gerade die sowjetische war und machte das irgendwelche Unterschiede?

    In den Ostteil oder noch weiter in die DDR durftet ihr doch nicht reisen, das ist doch richtig?

  6. #5
    Benutzerbild von Babooshka

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    AW: Leben in Berlin?

    Zitat Zitat von Lutz Beitrag anzeigen
    Ich kenne es noch bis ca 1989 so, dass in Berlin eh so gut wie nie in der Bahn kontrolliert wurde..
    Stimmt, ich bin selten kontrolliert worden und legte doch unglaubliche Strecken mit der BVG zurück.

    Für mich als Hamburger war genial, dass in Berlin schon daaamals (TM) die Züge nachts durchfuhren (wenn ich mich recht entsinne)

    Falsch. Es gab Nachtbusse, die in der Regel 2x pro Stunde fuhren und man musste Fahrzeiten und Strecken genau kennen. Es waren andere Strecken als am Tag

  7. #6
    Benutzerbild von Babooshka

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    AW: Leben in Berlin?

    Zitat Zitat von Lexi Beitrag anzeigen
    Oh, Danke für eure Eindrücke. Es hört sich ja so an, als wäre es fast ein Traum gewesen, in Berlin zu leben.
    Och nee, nicht wirklich... sage ich. Wenn man manche andere hört, so vermissen die das alte West-Berlin schmerzlich. Ich bin 1986 aus Berlin weggegangen, aus verschiedenen Gründen. Einer war, dass ich die Mauer nicht mehr ertrug und mich weitab vom Schuss von allem fand, von allem, was mir lieb war und wo ich gerne war. Damals gab es ja noch keine Billigflieger und man legte alle Fernreisen mit dem Zug zurück, was teilweise enorme Strecken waren. Außerdem waren mir viele Ecken der Stadt einfach zu abgefuckt. Ich hatte es nie mit dem alternativen Berlin, ich war mehr für Kudamm-Disco-Musikcafé-Videoclips-Neonlicht Was das Leben in West-Berlin auf jeden Fall war: besonders. Anders. Speziell.

    Also, das es mit dem alliierten Recht eine Todesstrafe gab, scheint also nicht so bedeutend gewesen zu sein.
    Überhaupt nicht.

    Aber so ganz ist mir das mit den Zonen noch nicht klar: War einem bewusst, in welcher Zone man lebt, wenn es nicht gerade die sowjetische war und machte das irgendwelche Unterschiede?
    War es. Die Alliierten hatten ja eigene Wohnsiedlungen, Einkaufszentren und Verwaltungsgebäude und eben die Kasernen. Man traf oft Alliiertentruppen auf der Straße oder im Wald, wenn sie Übungen machten. Wer im amerikanischen Sektor aufgewachsen war, hatte schon oft Kontakt zu den Amerikanern. Es gab auch echt coole Amidiscos (ich habe leider nie eine von innen gesehen, auch nicht das legendäre Labelle, was dann ausgebombt wurde) und den Tag der offenen Tür auf dem Flughafen Tempelhof. Tag der offenen Tür gab's auch in der französischen Kaserne, auch da haben sich viele Kontakte entwickelt. Wer Kontakt zu den Alliierten suchte, wusste, wo er hingehen musste (sprich, welche Lokale und Discos sie bevorzugten). Allein die Briten lebten sehr zurückgezogen und waren am liebsten unter sich. Es gab wohl auch eine britische Disco, wie ich erst später erfahren habe, aber zu der hatten nur britische Alliierte Zutritt. Na und manchmal trafen alle Alliierten in einem Lokal zusammen und dann gab's Schlägereien...

    In den Ostteil oder noch weiter in die DDR durftet ihr doch nicht reisen, das ist doch richtig?
    Durften wir schon, aber man musste ein Visum beantragen (und dafür bezahlen) und dann nochmal 25 DM Eintritt bezahlen. Wer Ostverwandtschaft hatte, fuhr auch des öfteren in den Osten; wer nicht, entschied selber, ob und wann er in den Osten fahren wollte. Manch einer tat das ganz gerne, hatte Freunde dort (Fußball verband oft). Ich war nur 2x in Ost-Berlin, als es noch die Mauer gab.

  8. #7
    Benutzerbild von Lutz

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    AW: Leben in Berlin?

    Zitat Zitat von Babooshka Beitrag anzeigen
    Falsch. Es gab Nachtbusse, die in der Regel 2x pro Stunde fuhren und man musste Fahrzeiten und Strecken genau kennen. Es waren andere Strecken als am Tag
    Uups - aber am Wochenende? Stimmt - ich bin oft vom Zoo dann mit dem Nachtbus nach Ruhleben (was recht schnell ging)

    Zitat Zitat von Babooshka Beitrag anzeigen
    Na und manchmal trafen alle Alliierten in einem Lokal zusammen und dann gab's Schlägereien...


    Zitat Zitat von Babooshka Beitrag anzeigen
    Durften wir schon, aber man musste ein Visum beantragen (und dafür bezahlen) und dann nochmal 25 DM Eintritt bezahlen. Wer Ostverwandtschaft hatte, fuhr auch des öfteren in den Osten; wer nicht, entschied selber, ob und wann er in den Osten fahren wollte. Manch einer tat das ganz gerne, hatte Freunde dort (Fußball verband oft). Ich war nur 2x in Ost-Berlin, als es noch die Mauer gab.
    In den Osten von Berlin hab ich mich erst in den frühen 1990s getraut - traumhafte Mieten (60 Maaak oder so?), Jugendclubs mit Eintritt 1 Maak (Bier auch ne Maak) - und die Mädels waren mindestens so hübsch wie im Westen

    Wenn man aber länger in Berlin ist (West) kann es auch nach dem Mauerfall bedrückend sein - so ging es mir in den 90s - Berlin kam mir im Winter besonders grau vor (z.B. der Anfang der Reichsstraße, wenn man die hochfährt)...
    Beim Kurzbesuch ist eh jede Stadt schön und interessant

    Jetzt wo ich 6 (schluck) Jahre nicht mehr in Berlin war vermisse ich es (also die schönen Seiten ) total...

    BTW: Hier mal ein virtuelles Bild der 80s in Berlin (Spandau! *g*) - zumindest was die Autos und Zahlungsmittel im Bus angeht...


  9. #8
    Benutzerbild von waschbaer

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    AW: Leben in Berlin?

    @Lexi

    Ich komme zwar aus der Nähe von Augsburg, bin aber mit meiner Familie in den 80ern wegen Ostverwandtschaft regelmäßig nach Berlin gefahren und besuche die Stadt auch heute noch sehr gerne.

    Außer der Einreise nach Berlin (bei mir meist über die Transitstrecke von Rudolphstein-Hirschberg bis zum Checkpoint Bravo bei Dreilinden) empfand ich Berlin immer als "recht frei".

    Und vor allem, ich wusste gar nicht, wie verschieden Berlin war. Da gab es beispielsweise mit Lübars einen Teil von West-Berlin, der so ländlich und bäuerlich daherkam, dass ich mich fast ans tiefste Allgäu zurückerinnert fühlte. Da gab es mit Berlin-Tegel einen Flughafen, der klein war und auf engstem Raum gebaut wurde, den ich aber völlig zurecht als "Flughafen der kurzen Wege" in Erinnerung habe. Und da gab es kilometerweise die Mauer, die die unmöglichsten Geschichten (lies mal nach, was der sog. "Entenschnabel" war oder wie man dem "Invalidenfriedhof" durch den Mauerbau mitgespielt hat) schrieb, die mich immer interessiert haben.

    Begeistert hat mich immer ein Kudammbummel, denn dort hatte ich das Gefühl, dass das traditionelle Berlin (also fast schon stereotyp mit Leierkastenmann auf der Straße und so) auf die Moderne (wie beispielsweise das Europacenter) trifft. Als Kind war es für mich immer faszinierend durch das Europacenter zu gehen und vor allem die Wasseruhr zu bewundern. Schade, dass von der Pracht des Kudamms so gut wie nichts mehr geblieben ist und sich dort mittlerweile 1-Euro-Ramschläden, Handyshops und Dönerbuden die Hand geben.

    Irre war für mich auch immer der abendliche Besuch in Berlins damals breit gefächerten Kneipenlandschaft. Ebenso klasse war es, wenn meine Eltern mit mir - weil ich eben alleine noch zu jung war - ins Ku´dorf gingen und ich gemerkt habe, wie meine Eltern dann seltsamerweise auch zu meiner Musik abgingen. Gerne bin ich auch mit meinen Eltern in die Kabarettprogramme der Wühlmäuse oder der Stachelschweine gegangen. Berlin war eben immer klasse, vor allem weil meine Eltern nahezu jeden Abend irgendetwas "Tolles" mit mir unternommen haben, was sie eben in Augsburg so nicht gemacht hätten oder was in Augsburg eben einfach nicht möglich gewesen wäre.

    Der obligatorische Besuch in Ostberlin war für mich immer etwas seltsam. Sicherlich die Preise waren für uns trotz Zwangsumtausch günstig, aber irgendwie waren die Leute dort anders. Tausende von Trabbis, halbe Hähnchen die Broiler genannt wurden und Clubcola, die irgendwie nach Katzenpisse schmeckte sowie eine Architektur, die sofort selbst für meinen Kinder- und Jugendblick eben "anders war", als in Westberlin.

    Außerdem war es meinen Eltern immer wichtig, dass sowohl mein jüngerer Bruder, als auch ich über die Geschichte Berlins und vor allem generell über deutsch-deutsche Geschichte Bescheid wissen. Wenn ich bedenke, wie oft ich mich mit meinem Dad über Berliner Themen wie Peter Fechter, Mauerbau, Kennedys berühmten Satz der zum Glück nicht in Paris oder Peking ausgesprochen wurde oder auch die letzten Tage des II. Weltkrieges unterhalten habe, dann könnte ich fast melancholisch werden.

    Lange Rede - kurzer Sinn: Ich habe die vielen Fahrten nach Berlin, um uns mit unseren Verwandten aus der DDR in Ost-Berlin zu treffen nie bereut und ich fahre auch heute noch ab und an gerne in die Hauptstadt (nicht wahr, Babooshka).

    Traurig finde ich lediglich, dass Westberlin mittlerweile von den Stadtpolitikern nahezu "stiefmütterlich" behandelt wird und der Ostteil wirklich "herausgeputzt" sich präsentiert. Das ist schade und als Berliner würde ich da schon - um es ganz vorsichtig zu formulieren - der Hut hochgehen.

    Ach, irgendwie bekomme ich echt Lust, mal wieder hinzufahren.

  10. #9
    Benutzerbild von Heiko2609

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    AW: Leben in Berlin?

    Ich war bis heute auch noch nie in Berlin.

    Aber im Laufe der letzten Jahre bin ich hier im Badischen beruflich gelegentlich ex-Berlinern begegnet.
    Oftmals solchen die entweder Ingenieure waren oder die sonst irgendwie im gewerblich-technischen Bereich zu Hause sind.
    Einen festangestellten Arbeitskollegen(Ex-Berliner) hatte ich als ich als Lagerverwalter bei einem Chemieunternehmen über Zeitarbeit tätig war, der Kollege hatte einmal das Glück gehabt dort in eine Festanstellung rein zu rutschen.

    Da ist es ganz lustig von der recht großen schwäbischen "Gemeinde"(aktuelles Stichwort Thierse)zu hören in Berlin, die aber dann anscheinend im Gastronomie oder Dienstleistungsbereich tätig sind.
    Eine Maschinenbauingenieurin die bei einem hiesigen großen Unternehmen der Automobilzulieferindustrie arbeitet, kannte ich über einen Freizeitkreis.

    Diese sagte einmal bei Gelegenheit, sie wären damals also vor 1990 nie ohne Papiere(also Personalausweis) unterwegs gewesen. Seit dem glaube ich das dass wohl etwas ist das wahrscheinlich jedem Berliner in Fleisch und Blut sitzt.
    Gut denkbar bei den engen Grenzen um die Stadt und dem Besatzermillitär(USA/Großbritannien/Frankreich) in der Stadt.

    Wie war es mit der Arbeitsmarktstruktur vor und nach der Wende?

    Ich denke aus meinen Beobachtungen und was man gelesen hat sind gerade in Berlin im Laufe der Jahre viele Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe weggefallen, die eben Arbeitsplätze für Ingenieure, Techniker, Facharbeiter und angelernte Kräfte boten.

  11. #10
    Benutzerbild von Lexi

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    AW: Leben in Berlin?

    Zitat Zitat von Babooshka Beitrag anzeigen
    Durften wir schon, aber man musste ein Visum beantragen
    Ach so ging das. Ich kann mich nur daran erinnern, das Berlin-Touristen gerne irgendwelche Bücher in Ostberlin gekauft haben, vorzugsweise Noten oder Karl Marx. Oder irgendwelche Physik-Bücher, die aus mehreren Papierfarben bestanden, so etwas habe ich einmal bei jemanden gesehen. Es hieß immer, es sei schwierig, den Zwangsumtausch auszugeben, man könne es nicht einmal so einfach verfuttern.

    In Berlin-West war dann der Tourismus eine nennenswerte Einnahmequelle und ein wenig Industrie gab es auch noch?


    Wurde von den Ureinwohnern über die Zeit der Berlin-Blockade eigentlich so gerne erzählt, dass ihr darüber ebenfalls berichten könnt?

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