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Schönheitswahn - Wann fing's an?

Erstellt von Shriekback, 16.12.2002, 22:11 Uhr · 18 Antworten · 4.441 Aufrufe

  1. #11
    Benutzerbild von Shriekback

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    QBert postete

    Ich halte es nach wie vor für übertrieben, die heutige Zeit als besondere Epoche des "Schönheitswahns" herauszustellen. Jedenfalls wenn es um unsere Breitengrade geht. SchönheitsWAHN ist etwas krankhaftes oder völlig irrationales, vielleicht noch fanatisches. Amazonas-Indianer, die sich Teller in die Unterlippen stecken, chinesische Frauen die sich immer noch durch Abbinden die Füße verkrüppeln lassen oder afrikanische Frauen die sich mit Hilfe von Metallringen einen 1/2m Hals wachsen lassen, DAS ist SchönheitsWAHN. Er hat mit Schönheit nämlich nichts mehr zu tun, nur noch mit Wahn.
    Sowas ist immer sehr einfach gesagt aus westlicher Sicht.
    Ich meine, ich teile deine Ansicht schon irgendwo, auch auf mich wirkt es abstoßend. Aber ich finde es immer recht anmaßend, mit dem Finger der Zivilisation auf andere Kulturen zu zeigen und dabei zu sagen "Das und das ist falsch!". Ist ein heikles Thema.

    Shriekback

  2.  
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  3. #12
    Benutzerbild von
    Sorry, aber ich kanns nunmal nur aus westlicher Sicht sehen. Aber ich werde nun nicht auch noch so weit gehen, die Beschneidung von 10jährigen Mädchen zu tolerieren oder die "Heilung" von Aids durch die Vergewaltigung von Babys, nur weil sie einer anderen Kultur entspringt. Und das sehe ich nunmal bei absichtlich verkrüppelten Füßen nicht anders. Diese Ansicht hat sich bei den moderner orientierten Gruppierungen in den jeweiligen Ländern auch längst durchgesetzt. Diese Auslegung von Toleranz ist also übertrieben und sollte m. E. lieber dafür verwendet werden im eigenen Land Bäuche ohne Rettungsringe, gerade Zähne und Nasen ohne Höcker zu tolerieren (bewusst so überspitzt formuliert).

    Auf jeden Fall ist selbst der größte operative Eingriff (z. B. Brustvergrößerung/verkleinerung oder Fett absaugen) den wir zur künstlichen Erlangung von "Schönheit" kennen, i.d.R. mit keinen oder deutlich weniger schweren Folgen verbunden als sich den Hals zu strecken oder die Unterlippe auf Tellergröße zu maximieren und er beruht nicht auf irgendwelchen verqueren Bräuchen, sondern auf einer selbstbestimmten Entscheidung eines aufgeklärten Menschen (was manche allerdings - in den meisten Fällen zu Unrecht - bestreiten). Die wenigsten Frauen operieren sich ihre Brust für ihren Mann und die wenigsten Männer lassen sich das Fett aus dem Wanst saugen, weil sie dazu gezwungen wurden.

    Das sind nur leider die Vorurteile, gegen die sich diese Leute, die sich frei entschlossen haben etwas für sich selbst zu tun, immer wieder verteidigen müssen. Dabei würde jeder der z. B. hier schreibt sich zutiefst beleidigt fühlen, wenn man ihm abspricht eigene Entscheidungen zu treffen und nur dem hinterherzurennen was andere sagen oder vormachen (z. B. irgendwelche Popgören).

    Deshalb muss es eigentlich heissen:"Mit dem Finger auf andere Menschen zu zeigen und dabei zu sagen "Das und das ist falsch!" ist ein heikles Thema. Leider wirds dabei auch immer ganz schnell beleidigend und das ist auch kein Wunder, denn rational gibts keinen Grund anderen Menschen reinzureden, wenn die z. B. lieber ein gerade Nase oder gerade Zähne haben möchten, auf die nicht ständig jeder starrt. Denn wenn einige Leute die gerne gegen den Schönheitswahn ledern mal ganz ehrlich sind, müssen sie auch zugeben, dass sie in ihrem Leben schon mehr als 1x jemanden auf den dicken Zinken, den Hängebusen, das zerbombte Esszimmer oder den Doppelkinn gestarrt haben. Von den allseits bekannten Reiterhosen gar nicht zu reden, dicke Hintern, ............ Im Grunde war sicher jeder schonmal selbst Schuld, dass ein anderer sich in seiner Haut nicht wohl fühlte. Manche machen sichs dann einfach und nennen dieses schlechte Gefühl einfach mangelndes Selbstbewusstsein. Aber das muss man schon den Leuten überlassen, worüber sie sich bewusst sein wollen und worüber ganz sicher nicht. Heutzutage ist das ein Glück möglich, wenns zur Erlangung des Seelenheils nötig ist, kann man sogar das Geschlecht wechseln.

    QBert

  4. #13
    Benutzerbild von Shriekback

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    QBert postete
    Diese Auslegung von Toleranz ist also übertrieben und sollte m. E. lieber dafür verwendet werden im eigenen Land Bäuche ohne Rettungsringe, gerade Zähne und Nasen ohne Höcker zu tolerieren (bewusst so überspitzt formuliert).
    Es besteht ein Unterschied, ob ich etwas toleriere oder ob es mir gefällt. Ich toleriere den derzeitigen Schönheitstrend und ich würde auch nie behaupten, dass alle Menschen, die dem entsprechen dumm sind. Er gefällt mir nur lediglich ganz und gar nicht und das ist ja auch mein gutes Recht.
    Und ob diese Auslegung von Toleranz nun übertrieben ist oder nicht, ist eine absolut subjektive Sache.
    Wie ich bereits sagte - ich empfinde es auch als abstoßend und wenn ich diese Berichte über Beschneidung von Mädchen sehe, wird mir förmlich schlecht. Aber dennoch versuche ich mich immer wieder davon zu distanzieren, etwas zu bewerten, was ich - wie du selbst sagtest - nur aus westlicher Sicht sehen und somit niemals wirklich verstehen kann.

    verqueren Bräuchen, sondern auf einer selbstbestimmten Entscheidung eines aufgeklärten Menschen (was manche allerdings - in den meisten Fällen zu Unrecht - bestreiten).
    Ob sie nun verquer sind oder nicht, das vermag ICH nicht zu beurteilen. Aus meiner westlichen Sicht sind sie es sicher - aber wie ich schon schrieb - wieso sollte sie das Maß aller Dinge sein?

    Die wenigsten Frauen operieren sich ihre Brust für ihren Mann und die wenigsten Männer lassen sich das Fett aus dem Wanst saugen, weil sie dazu gezwungen wurden. Das sind nur leider die Vorurteile, gegen die sich diese Leute, die sich frei entschlossen haben etwas für sich selbst zu tun, immer wieder verteidigen müssen.
    Woher weisst du denn, dass es nur ein Vorurteil ist? Hast du da irgendwelche Quellen? Würde mich wirklich interessieren.

    Leider wirds dann auch immer ganz schnell beleidigend und das ist auch kein Wunder, denn rational gibts keinen Grund anderen Menschen reinzureden, wenn die lieber ein gerade Nase haben möchten, auf die nicht ständig jeder starrt.
    Und wenn sie gern einen langen Hals hätten, weil es deren Schönheitsideal entspricht und einfach als schick gilt?

    Shriekback

  5. #14
    Benutzerbild von Lutz

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    @Qbert

    "bildschön und strunzdoof" bezieht sich speziell auf den Film „Zoolander“ (Hast Du den gesehen?). Darauf das sich dieser Stereotyp auch gerade in der Popmusik wiederfindet, bedarf es wohl keines besonderen Hinweises... Und ja, wer häßlich ist, ist deshalb auch nicht automatisch klug. Auch das hat niemand behauptet
    Wobei Schönheit ja im Auge des Betrachters liegt. Vielleicht findest Du ja schön was ich häßlich finde und umgekehrt?!

    Das gerade bildschöne Frauen (wenn sie dann noch blond sind) mit solchen Klischees kämpfen müssen ist klar. Ich hatte mal eine Kommilitonin, bildhübsch, blond und intelligent. Sie hat mir erzählt wie voreingenommen Menschen auf sie zugehen – ist schon abgefahren. Übrigens sehr, ähm, schön finde ich zu dem Thema die Komödie „Naturally Blond“...


    Und was Lutz' Hoffnungen auf einen neuen Zeitgeist und Look angeht, kann ich nur mal eine Frage stellen: Wie soll man sich den denn vorstellen? Es wird ja gerade so hingestellt, als käme bald das Ideal der alle seeligmachenden 08/15 Normaltypen auf.
    Von wem wird was hingestellt? Ich verstehe nicht worauf Du Dich beziehst. Wäre das Dein Ideal?
    Shriekbacks und meine Vorstellung geht ja ins Gegenteil von 08/15.

    Und wie soll man sich den Vorstellen? Schau Dir Jeanette Biedermann an, zieh Dir die Musik rein, inhaliere den Zeitgeist den sie repräsentiert, und nun stell Dir das genaue Gegenteil vor. Voila

    Vergesst es, schaut Euch doch mal um! Eine durch und durch gepiercte, tättowierte und "gebrandete" Generation wird den zukünftigen Look ausmachen.
    Denke ich nicht. Gerade Piercing ,etc ist ja eine Welle der 90er. Das wird zwar nicht verschwinden, aber auch nicht zum Look gehören der kommen wird. Als ich neulich an der TU in Berlin war, hing am Mensahochhaus ein riesiges Joop (?) Plakat – der Look der Models war irgendwie erfrischend anders als die 90er- erinnert mich stark an Madonna 1983. Auch das würde mir gefallen... Möglicherweise ein weiter Indikator das sich was bewegt bzw in welche Richtung es gehen könnte.

    Übrigens Qbert, nochmal was zum Thema „persönliche Meinung“: Das brauchst Du nicht extra zu erwähnen – das wäre genauso als ob ich ständig von runden Fußbällen reden würde. Deine Meinung könnte ja auch kaum „unpersönlich“ sein, gell?

    Lutz

  6. #15
    Benutzerbild von
    @ Lutz

    Kurz zum Thema "persönliche" Meinung... Ich mach n' Beispiel: Wenn ich z. B. in der Firma bin und mein Chef will, dass ich etwas bei anderen durchsetzen soll, was er gut findet und ich scheisse, vertrete ich dann vor den Leuten meine "persönliche" Meinung? Nein, da muss ich eben die Zähne zusammen beissen und für etwas kämpfen, das ich selbst nicht so toll finde... es sollte nur keiner merken, man ist ja Profi. Siehst Du, jetzt weisst Du wo ich den Unterschied zwischen einer geäußerten Meinung und einer persönlichen Meinung sehe.

    Und zum Madonna-Look... Tja, Geschmäcker sind eben verschieden. Madonna war für mich nie eine schöne Frau, nie besonders attraktiv und gerade in den frühen 80ern eher nuttig-billig. Sie ist für mich auf jeden Fall nicht das Gegenteil einer Biedermann (die ich ebenfalls nuttig-billig finde, aber so ist in diesem Fall eben auch bewusst die Masche...). Ich kann eher verstehen, das Bettina Zimmermann (http://www.bettina-zimmermann.de/)zum "Woman of the Year 2002" der Maxim gewählt wurde. Das zu meiner Vorstellung einer schönen "Promi"-Frau...

    QBert

  7. #16
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    Ich denke der Unterschied 80er/heute besteht nicht in weniger oder mehr Schönheitswahn, sondern in unterschiedlichen Arten von Schönheitswahn, oder man könnte sagen, es ist der Unterschied zwischen Schönheitswahn und Stylingwahn:

    In den 80ern (so wie in den Jahrzehnten davor) wurde Schönheit noch als etwas von der Natur gegebenes oder eben auch nicht gegebenes aufgefaßt. Beneidet wurde der Geburtsadel der natürlichen Schönheit; Operationen hingegen galten als Schummeln, Haarefärben und viel Make-up als affektiert oder nuttig. Das vorgebliche Ideal war: natürlich und uneitel zu sein, das unausgesprochene Ideal: von Natur aus so schön zu sein, daß man/frau es nicht nötig hatte, eitel zu sein.

    Heute dreht sich der Kult mehr um das Aussehen als Ergebnis von Wohlstand und Trendbewußtsein: Peinlich ist jetzt nicht mehr, es nötig zu haben, in eine Vorher-Nachher-Schau oder in den OP zu gehen, sondern vielmehr, es sich nicht leisten zu können oder nicht entsprechend informiert zu sein.

    Ausgrenzen ist beides: früher wurden die mit den "falschen" Erbanlagen ausgegrenzt, heute die mit zu wenig Geld oder "falschem" Stilbewußtsein.

  8. #17
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    Ich bin - wie wohl die meisten bis 1975 geborenen - in meinem ästhetischen Empfinden noch stärker durch das Ideal naturgebener Schönheit geprägt.

    Auf mich wirken Figuren wie Britney Spears oder Christina Aguliera daher doppelt abturnend: Sie sind a) völlig overstyled und affektiert UND haben dann b) noch nicht mal wirklich schöne Gesichtszüge! (bei Britney zu pummelig, bei Christina zu platt). Aber wenn man - wie wohl die meisten Jugendlichen - durch das Ideal der getsylten Schönheit geprägt ist, ist der Einwand "b)" vielleicht unerheblich ....

    Zur Frage, wann die Akzentverschiebung: NaturSchönheits-Kult > Stylingkult anfing:
    Ich würde sagen: Mitte 90er, nach dem Abebben der Grunge-Welle. Denn in den Grunge-Jahren sah das Frauen-Ideal (in Musik-Videos und Jeans-Werbespots) doch noch so aus: bildschönes Gesicht (angeblich ungeschminkt), Haare, die nicht vom Friseur, sondern der Strandsonne Kaliforniens ausgeblichen waren und die - obwohl frau sie einfach Lufttrocknen ließ - irgendwie immer gut fielen; dazu "schlichte" Klamotten (Jeans, Flanellhemd, Kapuzenpullover; über Nacht im Preis gestiegen!) mit denen diese Frauen demonstrierten wie locker und uneitel sie waren und durch die ganz nebenbei die natürliche Schönheit kontrastartig hervorgehoben wurde, was den Frauen natürlich vööööllig egal war.

    War halt auch nur ne andere Form von Schönheitswahn, aber ich fand / find das gut.

  9. #18
    Benutzerbild von rudifuchs

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    Das war noch nie anders ! (Bzgl. Anfangspost :-) )
    Sobald irgendeine Musikrichtung finanziellen Erfolg hatte, habe Plattenfirmen Jungs oder Mädels gecastet (das gibts nicht erst seit D.Bohlen) die dem damaligen "Schoenheits"Ideal oder zumindest der Mode entsprachen. Dabei war es in den meisten Faellen auch egal, ob diese musikalisches Talent hatten (wie heute).
    Beispiele: Ende 60, die Monkeys ... nur 2 Musiker, der Rest gecastet fuer ne Fernsehshow - die Songs sind heute noch bekannt ... Anfang 70 - Bay City Rollers - eigendlich die Erfinder (vermutlich eher ihre Produzenten) der "Boy-Band". Zum Ende der NDW wurden auch massenweise Gruppen von der PI auf den Markt geschmissen die dem Musikgeschmack / dem Aussehen der Zeit entsprochen haben - damit war zu jeder Zeit Geld zu verdienen !

    @Shriekback: Evtl. kommt der Eindruck des "echteren Aussehens" von der deutlich verbesserten Kameratechnik ... abgesehen davon stimmt es zumindest, das auch eine Janis Joplin heute trotz super Stimme dringend nen Friseur und nen Maskenbildner bräuchte, um Erfolg zu haben - oder aber, sie war zu ihrer Zeit einfach "hip"

    Noch eins: diese daemlichen Casting-Shows haben vielleicht auch was Gutes: Die Retorten-Stars (die es wie gesagt zu jeder Zeit gab) sind tatsaechlich mal in der Lage live zu singen.

    Ciao,
    Mark

    ---
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    We will be Invincible ...

  10. #19
    Benutzerbild von Level 42

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    Heute hätte eine Frau wie Alison Moyet wahrscheinlich keine Chance, oder sieht man zZt. noch eine mollige Frau auf MTV und VIVA (wer ist Christina Aguilera???), schade daß Aussehen in der heutigen Zeit mehr Gewicht hat. Mir ist es Egal wie jemand Aussieht. nur die Mucke zählt, die wird ja bekannterweise über daß Ohr aufgenommen.

    Love Games...everytime.

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