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Thema Mode: 70er vs. 80er vs. 90er

Erstellt von Torsten, 29.10.2002, 12:47 Uhr · 30 Antworten · 14.957 Aufrufe

  1. #1
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    Thema Mode: 70er vs. 80er vs. 90er

    Da im Thread "Kleine Anekdote mit 80er-Hasser" das Thema Mode wieder etwas zur Sprache kam, hab ich mich kurzerhand dazu entschlossen, einen entsprechenden Thread zu eröffnen...


    Tja, um die Frage, ob hinsichtlich der Klamotten nun die 70er oder die 80er schlimmer waren, könnte man einen regelrechten Glaubenskrieg entfachen...

    Fakt aber ist: Sowohl in der Öffentlichkeit, in den Medien als auch in meinem persönlichen Freundes- und Bekanntenkreis gilt die Mode der 80er definitiv als schlimmste geschmackliche Vergewaltigung des letzten Jahrhunderts.

    Okay, die 70er haben auch einen ganzen Haufen an extremen Scheußlichkeiten hervorgebracht. Auffällig dabei ist aber, dass sich die Geschmacklosigkeiten dieser Dekade hauptsächlich auf die Farben oder Muster beziehen und weitaus weniger auf die Schnitte der jeweiligen Kleidungsstücke - trotz der vielzitierten Schlaghosen oder Plateauschuhe.

    Was die Mode der 80er so extrem aus der Art schlagen lässt, ist die häufig völlig aus dem Ruder gelaufene Zusammenstellung einzelner Kleidungsstücke. Das Paradebeispiel hierfür sind sicherlich die weißen (Tennis-)Socken, die selbst auf die elegantesten Anzüge oder Schuhe (hauptsächlich entsetzliche Slipper mit Bommeln oben drauf) getragen wurden...

    Zu Jacken in Neonlook, Moonwashed-Hosen, prollige Cowboystiefel, Netzhemden oder Jeanshosen mit längs eingenähten Lederstreifen muss man in diesem Zusammenhang kaum noch ein Wort verlieren - diese Mutationen sprechen wirklich für sich!

    Was mir bei der Betrachtung von privaten Fotos und Fernsehbildern damaliger Tage auch immer wieder auffällt, ist die Tatsache, dass in den 70ern offensichtlich weitaus weniger Leute die ganz schlimmen Fetzen getragen haben, sondern vielmehr ganz bestimmte kulturelle Gruppen (z. B. die Hippies mit ihren Blümchenhemden und dem ganzen Gedöns). Auf die breite Masse hatten diese Moden wesentlich weniger Einfluss, als dies in den 80ern der Fall war: Vielmehr gilt diese Dekade eigentlich als das Jahrzehnt, in dem Merkmale diverser Subkulturen in den Mainstream einflossen.

    Und damit sind wir auch bei dem, was mir bei der 80er-Mode immer wieder am sauersten aufstößt: In diesen Jahren entwickelte sich das heutzutage von mir so häufig angeprangerte Möchtegerntum erst so richtig. Fast jeder wollte sich auf Teufel komm raus mit irgendwas identifizieren, also wurden sämtliche Bedenken über Bord geworfen, um bloß kein Außenseiter zu sein. In was für peinliche Fetzen man sich in diesen Tagen eigentlich geschmissen hat, wurde den meisten dann erst viele Jahre später klar (auch mir!)...

    Die wirklich schlimmen Geschmacksverirrungen der 70er dagegen kamen aus ganz anderen Bereichen des Lifestyles: Brillen, Gardinen, Tapeten (legendär!) oder Möbel hatten oftmals ein derart grotesk-hässliches Design, dass man sich beim Betrachten alter Aufnahmen heute zwangsläufig fragt, ob die Besitzer solcher Entsetzlichkeiten eigentlich unter diversen Augenkrankheiten litten...

    Schaue ich mir dagegen Fotos aus den 80ern an, so muss ich sagen, dass viele Einrichtungsgegenstände auch heute noch eine durchaus gute Figur abgeben würden. Dezent-sachliche Rauhfasertapeten erlebten in den 80ern ihren Aufschwung, ebenso wurde bei den Möbeln mit grellen Farben gespart und stattdessen auf ein einheitliches Erscheinungsbild der Wohnung geachtet.

    Um wieder auf die Kleidung zurückzukommen: Gosef hat vor längerer Zeit in irgendeinem Posting mal behauptet, dass es quasi der ganz normale Lauf der Dinge sei, sich über die Klamotten vergangener Zeiten zu mokieren. Das sehe ich etwas anders: Die 80er nehmen nach meinem Empfinden in dieser Hinsicht schon eine Sonderstellung ein.

    So kann ich mich daran erinnern, dass ich im Rahmen einer Diskussion mit einigen Freunden vor ca. zwei Jahren mal behauptet habe: "Mode ist eigentlich nur ein stetiges Auf und Ab. Irgendwann wird der Stil eines jeden Jahrzehnts wieder ausgegraben. Lediglich bei den 80ern glaube ich das nicht: Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ein Großteil dieser abstrusen Relikte nochmals wiederbelebt wird." Diese These erntete auch prompt völlige Zustimmung.

    Tja, und man spricht in der Modewelt zwar seit einiger Zeit von einem 80er-Revival, das ich aber in Wirklichkeit gar nicht erkennen kann. Mag ja sein, dass das eine oder andere Detail von damals in den Läden wieder auftaucht - aber ansonsten haben die Modeschöpfer bisher Gott sei Dank die Finger von den 80ern gelassen. Und ich behaupte auch weiterhin, dass es ein echtes, ausgiebiges Mode-Revival dieser Zeit so schnell nicht geben wird...

    Zum Schluss noch ein paar Worte zu den Klamotten der 90er: Sicherlich mag es das eine oder andere Beispiel für peinliche Ausrutscher aus dieser Zeit geben. Als ich aber kürzlich wieder Fotos von unseren damaligen Feten rausgekramt habe (aus der Zeit zwischen 1990 und 1994), fiel mir auf, dass es bei den meisten Outfits kaum einen Grund zum Ablachen gibt - überhaupt kein Vergleich zu den in dieser Hinsicht fürchterlichen 80ern.

    Im Gegenteil: Wenn ich mir meine damaligen Hosen und Hemden so ansehe, dann kann ich guten Gewissens sagen, dass ich den größten Teil davon auch heute noch locker tragen könnte, ohne aufzufallen. Vor allem einigen Hemden trauere ich tatsächlich etwas hinterher (ich habe z. b. ein Faible für Camel-Hemden)...

    Das liegt aber wohl vor allem daran, dass ich seit ca. 1990 einen Geschmack habe, der sich seitdem kaum geändert hat - irgendwelche modischen Auswüchse haben mich von da an nie mehr interessiert. Meinen Stil kann man daher sicher auch als langweilig bezeichnen, aber mit dieser klassisch-eleganten Linie bin ich bis heute immer wunderbar gefahren. Entscheidend ist für mich dabei vor allem die Auswahl der Farben: In meinen Kleiderschrank wandern nur schwarze, graue, (rost)braune, dunkelgrüne, beige oder gelegentlich weiße Klamotten. Nix Auffallendes, nix Grelles, keine besonders exaltierten Muster - einfach zeitlos dezent...

    Junge, Junge, wenn ich mir das so recht überlege: Seit locker 12 Jahren (!) habe ich tatsächlich immer nur schwarze Schuhe gehabt (ausgenommen natürlich diverse Sportschuhe) - genauso wie bei Unterhosen und Socken (okay, hin und wieder war ich mal aufmüpfig und habe mir graue Exemplare gegönnt... )...

    Zum Totlachen finde ich immer die Leute, die sich die teuersten und hippsten Klamotten zulegen, diese aber in den unmöglichsten Farben kombinieren und dann rumlaufen wie ein Papagei. Womit dann der Beweis erbracht wäre, dass Markenklamotten nicht zwangsläufig einen guten Geschmack garantieren...

    Fazit: Die 70er waren klamottentechnisch längst nicht so schlimm, wie einige Zeitgenossen es immer behaupten. Die 90er waren im Rückblick bis auf einige spezifische Szene-Outfits auch sehr erträglich - nur die 80er waren und bleiben einfach das dicke Niveau-Loch auf der Zeitleiste der Modewelt...

    Und nun dürft ihr mich kreuzigen...

    P.S.: Eine Bemerkung zum aktuellen Zeitgeist: Über die derzeitige Jeans-Mode wird man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schon in relativ kurzer Zeit nur noch mit dem Kopf schütteln...

    Und an alle weiße-Socken-Träger: Fangt endlich an, euch zu schämen!!!

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von Dazzle

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    Torsten postete
    Und an alle weiße-Socken-Träger: Fangt endlich an, euch zu schämen!!!
    Ich oute mich dann mal als "Manchmal-noch-weisse-Socken-Träger",
    nur dass sie halt jetzt statt rot-blauen oder anders kombinierten Farbringen ein Logo, z.B. adidas zieren.
    Zu meiner Reha muss ich aber sagen: Wenn, dann nur zur kalten Jahreszeit, wenn man sie nicht sieht bzw. @home.
    Ansonsten wär's mir schon ein wenig peinlich...

    Aber ich bin überzeugt davon, sie werden wieder in Mode kommen - garantiert!

  4. #3
    Benutzerbild von Gosef

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    Torsten postete
    [b]Fakt aber ist: Sowohl in der Öffentlichkeit, in den Medien als auch in meinem persönlichen Freundes- und Bekanntenkreis gilt die Mode der 80er definitiv als schlimmste geschmackliche Vergewaltigung des letzten Jahrhunderts.
    Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Genau dasselbe hat man noch vor 5 oder 6 Jahren über die 70er gesagt, aber kein Wort über die Mode der 80er verloren. Ab Mitte der 80er galten die 70er als extrem geschmacksverirrt. Vielleicht erinnerst Du Dich dran, Torsten! Und heute? 70er-Style-Klamotten, Schuhe, Disco-Musik (Kylie Minogue, Madonna u.a.), Disco Dancing, der "Twix - It's all in the Mix"-Werbespot, der Werbespot für die WTA-Tour, das alles hat unglaublichen 70er, teilweise End-60er Stil. Austin Powers lässt grüßen? Vielleicht ein bisschen.

    "Zeitlicher Abstand" ist hier das Zauberwort. Zwischen (circa) 1984 und 1996 galt 70er Jahre Stil als "dunkle Jahre", geschmackliches Mittelalter, glücklich überwunden. Und nun soll das alles nicht mehr stimmen? Jetzt sind die Seventies plötzlich irre cool? Dafür sollen aber die 80er, denen man bis 1996 eher neutral bis wohlwollend gegenüberstand, plötzlich "voll uncool" sein?

    Torsten postete
    Zu Jacken in Neonlook, Moonwashed-Hosen, prollige Cowboystiefel, Netzhemden oder Jeanshosen mit längs eingenähten Lederstreifen muss man in diesem Zusammenhang kaum noch ein Wort verlieren - diese Mutationen sprechen wirklich für sich!
    Okay, das sind wahre Verirrungen... Aber lass mal...hmm...irgendwas zwischen 3 und 6 Jahren verstreichen...nun, ich will nicht versprechen (oder androhen, je nachdem), aber ich könnte mir vorstellen, dass da durchaus Karottenjeans, Bundfaltenhosen und weite Hemden mit noch weiteren Ärmeln (s.Videoclip "Dancing in the streets" David Bowie & Mick Jagger) oder aufgekrempelte Jackettärmel wieder tragbar sind.

    Torsten postete
    Irgendwann wird der Stil eines jeden Jahrzehnts wieder ausgegraben. Lediglich bei den 80ern glaube ich das nicht: Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ein Großteil dieser abstrusen Relikte nochmals wiederbelebt wird." Diese These erntete auch prompt völlige Zustimmung.
    Noch, Torsten, noch...

    Torsten postete
    Tja, und man spricht in der Modewelt zwar seit einiger Zeit von einem 80er-Revival, das ich aber in Wirklichkeit gar nicht erkennen kann.
    Stimmt. Von einem echten 80er-Revival kann modetechnisch (noch) keine Rede sein.

    Torsten postete
    P.S.: Eine Bemerkung zum aktuellen Zeitgeist: Über die derzeitige Jeans-Mode wird man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schon in relativ kurzer Zeit nur noch mit dem Kopf schütteln...
    Wenn Du damit die Hosen meinst, die einen Hohlraum am hintern habe, dass ein erwachsener Elefant bequem sein Hinterteil darin unterbringen könnte, da gebe ich Dir vollkommen recht. Aber auch diese teil-verwaschenen Jeans (Nennt man die "Vintage-Jeans"?) werden (hoffentlich) bald wieder weg sein.

  5. #4
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    Sicher, eine der größten Sünden der 80er waren die weissen Tennissocken. Allerdings ist es hierbei wie bei so vielen anderen Dingen auch: Ziehen Wenige unter Vielen weisse Tennissocken an, fällt es unangenehm auf. Trägt sie jeder, ist es auf einmal völlig normal.

    Das gleiche erleben wir momentan wieder mit diesen furchtbar hippen Schlüsselbändern. Kein Mensch hätte sich bis vor kurzem wie ein Schlüsselkind sowas umgehängt. Auf einmal machts jeder, hauptsache es ist eine coole Marke auf dem Band. Das Band um den Hals wird zum Statussymbol. Sowas wird es immer wieder geben und in ein paar Jahren werden wir genauso drüber lachen wie über Leder-Brustbeutel...

    Zur damaligen Zeit bin ich noch in (meistens hauptsächlich) weissen Turnschuhen und hellblauen Joker oder Wrangler Jeans rumgelaufen. Ich glaube dabei fällt man nicht gerade mit weissen Socken auf, eher würden schwarze Socken einen erheblichen Kontrast darstellen... Heute kann ich mich nicht mehr erinnern, wann ich die letzte Jeans trug, aber aus Rache an den Leuten, die sich anmaßen in irgendwelchen "Lifestyle"-Magazinen "IN" und "OUT" Listen zu verbrechen und damit Trends zu setzen, trage ich immer noch manchmal Tennissocken. Heute allerdings schwarze, immerhin sind auch meine Hosen und Schuhe so gut wie immer schwarz.

    Ansonsten kann ich an der Mode der 80er nicht so wahnsinnig viel aussetzen. Rückblickend sind manche "Modetipps" aus BRAVOs der damaligen Zeit etwas sehr bunt, um nicht zu sagen unpassend kombiniert. Tatsächlich sind aber auch die wenigsten so rumgelaufen. Und wenn es heute kaum noch Punks gibt, alle anderen Grüppchen fast verschwunden sind und alle Leute heute schön brav und angepasst rumlaufen, dann mache ich mir eher Sorgen, ob wir nicht gerade freiwillig dabei sind unsere Freiheit einzuschränken. Solange wie noch grüne Haare auf den Straßen waren, hattest Du etwas Spielraum bevor Du als Freak abgestempelt wurdest. In ein paar Jahren, weiss kein Mensch mehr wie ein Punk aussah. Man hat sich dann an uniforme Menschen gewöhnt und wenn dann mal eine Frau z. B. ein Tattoo hat, dass etwas auffälliger und größer ist, als die irgendwie obligatorisch gewordene Rose auf dem Schulterblatt, dürfte sie bald schon als furchtbar wilder Sonderling angesehen werden, der total über die Stränge schlägt. Die Mode wird immer braver, angepasster und unspektakulärer. Wenn dieser Trend weiter zunimmt, können wir irgendwann Uniformen tragen...

    Dazu mag auch passen, dass ich meine Hemden der frühen 90er mittlerweile alle entsorgt habe. Mit denen könnte ich mich nicht mehr zur Arbeit trauen. Heutzutage trägt man einfarbige Hemden, höchstens im feinen Muster darf eine zweite Farbe vorkommen. Sicher, mit Schlips gehörte sich das schon immer so. Aber wer "casual" unterwegs war, konnte damals auch mal n' peppigeres Hemd anziehen. Heute sieht man sowas nicht mehr, also machten meine Exemplare gediegerenen Hemden Platz. Dabei waren das mal richtig teure Sachen, Einhorn & Co. Wunderbare Motive bedeckten das ganze Hemd. Sowas war Anfang der 90er das Nonplusultra, da kam man einfach nicht drumrum. Wenn ich heute noch Leute mit solchen Hemden sehe, dann sind sie stark ausgebleicht und ich bin gerade im Ruhrpott unterwegs (sorry "korrekt gekleidete Ruhrpöttler", aber manche Gestalten kann man wirklich nur im Ruhrpott erspähen ;-).

    Zur 70er Mode mag ich nicht mehr viel sagen. Für meinen Geschmack war es die gräßlichste Mode, die es je gegeben hat, mir tun einfach die Augen weh wenn ich sehe, wie lächerlich die Leute rumgerannt sind (die Frisuren und ausufernde Gesichtsbehaarung kam ja noch oben drauf). Bekanntlich kann man darüber aber eigentlich nicht gut streiten (und tut es nicht selten doch
    ;-).

    Im großen und ganzen finde ich es bedauernswert, dass die Mode immer weniger Gestaltungsspielraum bietet. Gerade wir Männer haben nicht gerade einen üppigen Gestaltungsspielraum. In den 80ern konnte man immerhin zwischen Stoff-. Metall- und Lederkrawatte wählen. Heute ist schon von vorneherein klar was sich verbietet. Dazu graues oder blaues Hemd, schwarze, blaue oder graue Hose, schwarze Schuhe. Viele Fehler kann man eigentlich auch nicht mehr machen, natürlich schaffen das trotzdem einige. Beispiel: Braune Schuhe passen eben nicht zu allem... Naja, die Mode der 70er (auch wenn ich sie nicht mag...) und 80er bot da auf jeden Fall mehr Gestaltungsspielraum und das geht m. E. immer weiter verloren, zugunsten einer zunehmenden Uniformität.

    QBert

  6. #5
    Benutzerbild von Gosef

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    QBert postete
    Im großen und ganzen finde ich es bedauernswert, dass die Mode immer weniger Gestaltungsspielraum bietet. Gerade wir Männer haben nicht gerade einen üppigen Gestaltungsspielraum. In den 80ern konnte man immerhin zwischen Stoff-. Metall- und Lederkrawatte wählen. Heute ist schon von vorneherein klar was sich verbietet. Dazu graues oder blaues Hemd, schwarze, blaue oder graue Hose, schwarze Schuhe. Viele Fehler kann man eigentlich auch nicht mehr machen, natürlich schaffen das trotzdem einige. Beispiel: Braune Schuhe passen eben nicht zu allem... Naja, die Mode der 70er (auch wenn ich sie nicht mag...) und 80er bot da auf jeden Fall mehr Gestaltungsspielraum und das geht m. E. immer weiter verloren, zugunsten einer zunehmenden Uniformität.

    QBert
    Ich glaube, QBert, Dein Beruf versperrt Dir ein bisschen die Sicht. In welcher Branche arbeitest Du? Finanzdienstleister? Software, mittleres oder oberes Management? Außendienst? Vertrieb? Oder sonst einer Schlips-und-Kragen-Branche?
    Es gibt auch noch was anderes! Außerdem ist der Krawattenzwang am Arbeitsplatz für mich kein Maßstab. Es geht eher darum, was man freiwillig anzieht, in seiner Freizeit zum Beispiel. Da muss man sich ja nicht selbst einschränken, oder? Ich glaube, u siehst die Sache zu schwarz (oder blau oder grau, natürlich... ).

    Gruß
    Gosef

  7. #6
    Benutzerbild von Lutz

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    Torsten postete
    Fakt aber ist: Sowohl in der Öffentlichkeit, in den Medien als auch in meinem persönlichen Freundes- und Bekanntenkreis gilt die Mode der 80erdefinitiv als schlimmste geschmackliche Vergewaltigung des letzten Jahrhunderts.
    Genau so sieht meine Umfeld und mein Freundeskreis das auch - nur mit dem Unterschied das Du fuer die 80er die 70er einsetzen musst



    Ich weiss nicht ob Du vielleicht in einem Parallel-Universum lebst Torsten, aber die Oeffentlichkeit die ich erlebe sieht schon jeher die 70er allenfalls in ihrem "Over the top" Trashfaktor als erstrebenswert an. Am uebelsten aber ist noch der typische 70er Spiesserlook (sehr schoen in der Serie "die wilden 70er" reproduziert): Grottik haessliche Hemden (diese Kragen) mit V-Pullis und einem Cordjacket - kombiniert mit Lederflicken (siehe auch "Roy Black look").

    Die 80er sind ok - natuerlich gabs auch hier Sachen die mir schon damals nicht gefielen (die ausgepolsterten Schultern bei den Damen -> Hausfrauen Rockmusik). Aber mir gefaellt der 80ties Look nach wie vor. Das wurde
    mir auch deutlich als ich die besagte Rocknacht am Wochenende schaute. Ich erlebe die 80ties-Mode eher als zeitlos. Mir gefaellt z.B. der Look von Icehouse und Cock Robin. Jetzt muss man aber genau aufpassen worueber wir reden - die 80ties waren derart vielfaeltig das man nun nicht von dem "Einheitlook" reden kann. Mir gefiel das Popperoutfit z.B. weder damals noch heute - dafuer habe ich eher ein Faible (siehe Avatar) fuers angepunkte . Ich finde z.B. Cyndi Lauper im "Time After Time" Video immer noch klasse... Dagegen mag ich z.B. den Jennifer Rush Look (s.o.) nach wie vor nicht...
    Dem "Heaven 17" Styling (Anfang der 80er) speziell im "Let me Go" (?) Video (lange Maentel - ein bischen auf Film Noire gestylt) kann ich z.B. auch was abgewinnen.

    Uebrigens die "weissen Tennissocken" verbinde ich mit den 80ties so gut wie gar nicht - mag auch daran liegen das die weder bei mir noch in meinem Umfeld vorkamen....

    @Gosef


    Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Genau dasselbe hat man noch vor 5 oder 6 Jahren über die 70er gesagt, aber kein Wort über die Mode der 80er verloren. Ab Mitte der 80er galten die 70er als extrem geschmacksverirrt.
    Und das war/ist auch gut so


    Vielleicht erinnerst Du Dich dran, Torsten! Und heute? 70er-Style-Klamotten, Schuhe, Disco-Musik (Kylie Minogue, Madonna u.a.), Disco Dancing, der "Twix - It's all in the Mix"-Werbespot, der Werbespot für die WTA-Tour, das alles hat unglaublichen 70er, teilweise End-60er Stil. Austin Powers lässt grüßen? Vielleicht ein bisschen.
    Wobei ich finde das Austin Powers (wenns eher in Richtung 60ties geht) outfit maessig noch ganz spassig ist...


    "Zeitlicher Abstand" ist hier das Zauberwort. Zwischen (circa) 1984 und 1996 galt 70er Jahre Stil als "dunkle Jahre", geschmackliches Mittelalter, glücklich überwunden. Und nun soll das alles nicht mehr stimmen? Jetzt sind die Seventies plötzlich irre cool?
    *unterschreib*


    Dafür sollen aber die 80er, denen man bis 1996 eher neutral bis wohlwollend gegenüberstand, plötzlich "voll uncool" sein?
    Es ist natuerlich immer die Frage bei wem. Bei den Scooter und Love Parade Spakkos gelten die 80er sicherlich als total uncool - und das ist auch gut so Wenns anders waere, waere ich bestimmt kein 80ties Enthusiast.

    @Torsten:


    Zum Schluss noch ein paar Worte zu den Klamotten der 90er: Sicherlich mag es das eine oder andere Beispiel für peinliche Ausrutscher aus dieser Zeit geben. Als ich aber kürzlich wieder Fotos von unseren damaligen Feten rausgekramt habe (aus der Zeit zwischen 1990 und 1994), fiel mir auf, dass es bei den meisten Outfits kaum einen Grund zum Ablachen gibt - überhaupt kein Vergleich zu den in dieser Hinsicht fürchterlichen 80ern.
    Interessant - das sehe ich ganz anders. Gerade bei der BR Rocknacht wurde das IMO deutlich. Am Schluss kamen noch kurz die 90er - sofort war irgendwie das Flair weg. Der Saenger von Spin Doctors, im tyischen 90er Look: Gartenzwergbart und Schmuddellook. Der waere in keinem Cheech und Chong Film aufgefallen. Fuer mich sind die 90er nicht nur musikmaessig lau - auch die Mode ist IMO langweilig und z.T. einfach haesslich...

    Lutz

  8. #7
    Benutzerbild von
    Gosef postete
    Ich glaube, QBert, Dein Beruf versperrt Dir ein bisschen die Sicht. In welcher Branche arbeitest Du? Finanzdienstleister? Software, mittleres oder oberes Management? Außendienst? Vertrieb? Oder sonst einer Schlips-und-Kragen-Branche?
    Es gibt auch noch was anderes! Außerdem ist der Krawattenzwang am Arbeitsplatz für mich kein Maßstab. Es geht eher darum, was man freiwillig anzieht, in seiner Freizeit zum Beispiel. Da muss man sich ja nicht selbst einschränken, oder? Ich glaube, u siehst die Sache zu schwarz (oder blau oder grau, natürlich... ).
    Naja, ich gehe ehrlich gesagt auch öfters mal vor die Tür und zum Lachen und amüsieren nicht unbedingt in den Keller. Vielleicht kommt es auch darauf an, in was für einer Stadt man lebt. In Duisburg oder Oberhausen sieht die durchschnittliche Bevölkerung sicherlich im Schnitt ein bisschen anders aus als z. B. in Hamburg oder München. Wo die von Dir genannten Branchen zu Hause sind, da leben eben eine Menge Menschen, die nur sehr selten im Kostümchen oder Anzug nach Hause kommen um in Flickenjeans und Batik-Sweatshirt umzusteigen um noch ein bisschen zu shoppen oder mit Kollegen einen Trinken zu gehen. Und wenn ich mal so auf meine Freundin im Klamottenladen warte oder selbst auf der Suche bin, ist es doch ehrlich gesagt für mein Empfinden alles sehr "normal" geworden (mal abgesehen von dieser Shakira-Mode die seit einiger Zeit bei H&M angepriesen wird). Übrigens bedauere ich persönlich das nicht für mich, da ich sowohl für mich, als auch frauentechnisch sowieso mehr den büro-kompatiblen Kleidungstyp vorziehe. Ich weiss allerdings nicht, wo Du die Massen von bunten und schrägen Vögeln so im Alltag siehst. In manchem Club mag was ausgeflipptes wohl noch in Massen Mode sein, aber das Stadtleben gibt heutzutage ein weitaus sachlicheres und in Summe langweiligeres Bild ab als noch vor einigen Jahren und natürlich in den 70ern und 80ern. Bis vor ein paar Jahren konnte man eigentlich sagen, dass es kaum noch neue Trends gibts, Mode eigentlich nur noch aus "Revivals" verschiedener früherer Trends besteht und man dadurch zu einem Punkt kam, an dem eigentlich fast alles tragbar war. M. E. ist diese Phase aber am Abklingen. Richtig neue Trends sind dafür aber nicht gekommen, für mein Empfinden eben höchstens ein Trend zur zunehmenden Uniformität. Das mag auch daran liegen, dass immer weniger Menschen in Jobs arbeiten, wo man anziehen kann was man will. Das prägt auch privat, denn ich z. B. würde niemals in Sachen arbeiten gehen, in denen ich mich nicht wohlfühle. Und wenn ich mich in etwas wohlfühle, hat das automatisch auch Einfluss auf die private Kleidung und die ist eben insgesamt nicht mehr ganz so vielfältig wie früher. Das finde ich ein bisschen Schade, auch wenn ich selbst für mich nicht das Bedürfnis nach schrägeren Klamotten habe.

    QBert

  9. #8
    Benutzerbild von Lutz

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    QBert postete
    Und wenn ich mal so auf meine Freundin im Klamottenladen warte oder selbst auf der Suche bin, ist es doch ehrlich gesagt für mein Empfinden alles sehr "normal" geworden (mal abgesehen von dieser Shakira-Mode die seit einiger Zeit bei H&M angepriesen wird). Übrigens bedauere ich persönlich das nicht für mich, da ich sowohl für mich, als auch frauentechnisch sowieso mehr den büro-kompatiblen Kleidungstyp vorziehe. Ich weiss allerdings nicht, wo Du die Massen von bunten und schrägen Vögeln so im Alltag siehst. In manchem Club mag was ausgeflipptes wohl noch in Massen Mode sein, aber das Stadtleben gibt heutzutage ein weitaus sachlicheres und in Summe langweiligeres Bild ab als noch vor einigen Jahren und natürlich in den 70ern und 80ern.
    Genau - da ist der Punkt. Es ist einfach langweilig geworden. In den 80ern hatte man wirklich was zu schauen. Wenn ich jetzt irgendwo hingucken muss, dann schlurft wieder ein Teenie vorbei bei dem ich mich frage ob dem gerade ein Maleur passiert ist, weil seine Hose fast auf dem Gehsteig haengt.
    Auch die Wollmuetzen und "Original Ghetto" Jogginganzuege (schweineteuer "Designed") waren Klamotten fuer die man in den 80ern (zurecht) eins auf Maul bekommen haette, jetzt aber bei BMWvomDaddyfahrern als ultracooler "Ghetto Style" gelten. So was nannten wir frueher "Special Aldi Edition" - im Second Hand Shop in Altona fuer 2 DM das Kilo zu bekommen...


    Bis vor ein paar Jahren konnte man eigentlich sagen, dass es kaum noch neue Trends gibts, Mode eigentlich nur noch aus "Revivals" verschiedener früherer Trends besteht und man dadurch zu einem Punkt kam, an dem eigentlich fast alles tragbar war.
    Ja das habe ich auch so erlebt.


    M. E. ist diese Phase aber am Abklingen. Richtig neue Trends sind dafür aber nicht gekommen,
    BTW, jetzt wird ja teilweise krampfhaft versucht die fruehen 80er wiederzubeleben. Neulich lief ein Video mit einer grell geschminkten Tusse (NDW + Wave meets POP) und mindestens 5 Gitarren im Background, von denen man keine hoerte (Bohlen ist ueberall) - schade. Aussen ganz nett - musiktechnisch Muell.


    für mein Empfinden eben höchstens ein Trend zur zunehmenden Uniformität.
    Sehe ich ganz genau so...


    Lutz

  10. #9
    Benutzerbild von Torsten

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    Da der Text mal wieder zu lang ist, muss ich wieder splitten...

    Teil 1:

    Hehe, war klar, dass man in einem 80er-Forum mit meiner Position einigen Gegenwind erntet...

    Zunächst ist zu sagen, dass eine solche Diskussion natürlich schon deshalb schwierig ist, weil die Geschmäcker der einzelnen Leute einfach zu unterschiedlich sind. Dementsprechend kontrovers fallen dann natürlich die Beurteilungen der einzelnen Mode-Phasen aus...

    Interessant auch die Tatsache, dass in derlei Debatten fast zwangsläufig Vokabeln wie "unterschiedliche Wahrnehmung" oder "Paralleluniversum" fallen. Offensichtlich scheinen Erziehung, Umfeld, Freundeskreis usw. entscheidende Faktoren dafür dazu sein, in welcher Intensität man bestimmte gesellschaftliche Entwicklungen beobachtet...


    @ Gosef:

    "Ab Mitte der 80er galten die 70er als extrem geschmacksverirrt. Vielleicht erinnerst Du Dich dran, Torsten!"

    Was die Medien angeht, gebe ich dir in der Tat völlig Recht (für die Vergangenheit, nicht für die letzten drei bis vier Jahre). Nicht aber, wenn's um die Erfahrungen im eigenen Umfeld geht: Kann mich noch sehr gut an Diskussionen seit Beginn der 90er erinnern, die damit begannen, über gewisse scheußliche Mode-Relikte der 70er abzulästern. Aber spätestens nach fünf Minuten wurde das Ganze dann relativiert, nachdem irgendeiner dann mal darauf hingewiesen hatte, wie geschmacksverirrt die 80er-Jahre erst waren – und die lagen damals ja noch ganz frisch hinter uns...

    Woran man übrigens auch erkennen kann, dass es in modischer Hinsicht während des Übergangs von den 80ern in die 90er offensichtlich einen ziemlich harten Schnitt gegeben haben muss. Oder projiziere ich nun meinen damaligen Erfahrungen nur auf die Allgemeinheit, die in Wahrheit so gar nicht stattgefunden haben? Hmm...


    "'Zeitlicher Abstand' ist hier das Zauberwort. Zwischen (circa) 1984 und 1996 galt 70er Jahre Stil als 'dunkle Jahre', geschmackliches Mittelalter, glücklich überwunden. Und nun soll das alles nicht mehr stimmen? Jetzt sind die Seventies plötzlich irre cool? Dafür sollen aber die 80er, denen man bis 1996 eher neutral bis wohlwollend gegenüberstand, plötzlich 'voll uncool' sein?"

    Tja, da hat die Öffentlichkeit aufgrund des von dir genannten "zeitlichen Abstands" tatsächlich die 80er ersma verdrängt und sich auf die 70er gestürzt. Was wohl damit zu begründen ist, dass Revivals in aller Regel von Leuten im Alter zwischen 25 und 35 losgetreten werden und somit diese chronologische Verschiebung herbeiführen.

    Aber: Es gibt dennoch kein "mathematisches" Gesetz dafür, dass dies für jede Dekade gilt. Mir fallen da als Beispiel die musikalischen Revivals der letzten 30 Jahre ein: Mitte der 70er, der 80er und Anfang der 90er gab es mal – hauptsächlich ausgelöst durch die "Eis am Stiel"-Filme – jeweils eine kleine 50er-Jahre-Welle. Die 70er wurden Ende der 80er und Mitte der 90er wieder entdeckt, seit einigen Jahren sind nun "unsere" 80er dran. Und seit ca. einem Jahr gibt es hier in unserer Gegend sogar schon die ersten 90er-Feten!!!

    Erstaunlicherweise fehlen in dieser Aufzählung aber die 60er-Jahre! Tatsächlich hat die Musik dieses Jahrzehnts bis heute keine nennenswerte Retro-Welle erfahren – und das, obwohl die Musik ja nun genauso gut oder schlecht war wie in den anderen Jahrzehnten auch und man in jedem dämlichen Supermarkt irgendwelche Sixties-Collections hinterhergeschmissen bekommt.

    Von daher kann man – Gott sei Dank – auch nicht von einer Art "Zyklus" sprechen, in dem Revivals ausgelöst werden – weil sie oftmals durch ganz unvorhersehbare Faktoren entstehen. Vielleicht hast du Recht, wenn du hinsichtlich der 80er von "zeitlichem Abstand" sprichst – das wäre dann eine These, die man jetzt noch nicht nachprüfen kann. Meine Vermutung hinsichtlich der 80er-Mode jedoch ist, dass dafür auch eine lange zeitliche Distanz nicht ausreichen wird, um sie wieder auszugraben...


    "... aber ich könnte mir vorstellen, dass da durchaus Karottenjeans, Bundfaltenhosen und weite Hemden mit noch weiteren Ärmeln (s.Videoclip "Dancing in the streets" David Bowie & Mick Jagger) oder aufgekrempelte Jackettärmel wieder tragbar sind."

    Dann hast du zugegebenermaßen eine größere Vorstellungskraft als ich...


    "Noch, Torsten, noch..."

    Wie gesagt, ich bleibe bei meiner Behauptung, dass uns das in absehbarer Zeit auch nicht bevorsteht. Sollte ich mich aber irren und tatsächlich wieder Typen im "Miami Vice"-Look auf der Straße entdecken, werde ich mich sofort an deine mahnenden Worte erinnern und dir 'nen dicken Kasten Bier spendieren...


    "Aber auch diese teil-verwaschenen Jeans (Nennt man die "Vintage-Jeans"?) werden (hoffentlich) bald wieder weg sein."

    Genau darum ging es mir. Überhaupt scheint seit ca. einem Jahr rund um die Jeans-Mode ja wirklich keine noch so dämliche "Kreation" zu hässlich zu sein, um in die Läden zu kommen... :\


    @ QBert:

    "Allerdings ist es hierbei wie bei so vielen anderen Dingen auch: Ziehen Wenige unter Vielen weisse Tennissocken an, fällt es unangenehm auf. Trägt sie jeder, ist es auf einmal völlig normal."

    Dies gilt aber nur für den jeweils aktuellen Zeitgeist: Wer da aus der Reihe tanzt, fällt in der Tat sofort auf. Bei der Betrachtung vergangener Tage ist es jedoch genau umgekehrt: Da lästert man ja gerade über die Sachen ab, die damals gang und gäbe waren – und vergisst dabei nicht selten, dass es noch ein paar Zeitgenossen gab, die diesen Schmu nicht mitgemacht haben...
    Tja, und weiße Socken hatten damals ja nun wirklich Hochkonjunktur, da kann man weiß Gott nicht von einer Minderheit sprechen...


    "Das gleiche erleben wir momentan wieder mit diesen furchtbar hippen Schlüsselbändern. (...) Auf einmal machts jeder..."

    Hä? Ich weiß ja nicht mal, wie so ein Teil aussieht... Wenn ich so durch die Straßen gehe, seh ich eigentlich niemanden, der sowas trägt. Und ich halte mich nun wirklich nicht für blind...
    Aber vielleicht haben Krefelder auch einfach nur einen besseren Geschmack als Düsseldorfer...


    "Tatsächlich sind aber auch die wenigsten so rumgelaufen."

    Was die Tipps aus der "Bravo" angeht, mag das stimmen. Das hat viele Leute aber nicht daran gehindert, sich in andere Scheußlichkeiten zu werfen...
    Kann mich in diesem Zusammenhang übrigens noch daran erinnern, dass wir damals auf unserer Realschule ein Mädel hatten, die wie ein Nena-Klon herumlief. Manche haben sich darüber zwar ständig mokiert – aber Tatsache ist, dass sie das heißeste Geschoss auf dem Schulhof war und wir Jungs ständig pubertäre Adrenalinschübe bekamen, wenn sie in ihren knallengen Jeans an uns vorbeilief...


    "Die Mode wird immer braver, angepasster und unspektakulärer. Wenn dieser Trend weiter zunimmt, können wir irgendwann Uniformen tragen..."

    Da muss ich dir zu einem gewissen Teil – trotz Gosefs Einwand – Recht geben. Allerdings gehöre ich eben selber zu diesen Leuten mit einem relativ eintönigen Geschmack und begrüße es deshalb natürlich, wenn mehr und mehr Menschen dezente Outfits tragen. Und allein aus diesem Grunde wird man in 15 oder 20 Jahren über die jetzige Mode möglicherweise längst nicht so ablästern wie über die 70er oder 80er...

    Ich kann aber gut verstehen, wenn man diese Entwicklung so wie du als langweilig empfindet – denn letztlich ist sie das ja auch. Nur: "Guter Geschmack" – zumindest das, was ich darunter verstehe – definiert sich in aller Regel eben über eher zurückhaltende Farben, Muster und Schnitte. Alles, was darüber hinausgeht, riskiert dann, spätestens viele Jahre später als "Geschmacksverirrung" deklariert zu werden – ob man das nun gutheißt oder nicht!

    Um deine Bemerkung bezüglich der aktuellen Eintönigkeit zu stärken: Kürzlich stand ich am Rande unserer Einkaufsmeile an einer hoch frequentierten Bushaltestelle und habe während der Wartezeit einfach mal darauf geachtet, wie die Leute hinsichtlich der verwendeten Farben so gekleidet sind. Ergebnis: Von ca. 100 Menschen in näherer Umgebung trugen gerade mal drei oder vier (!!!) bunte Farben wie Rot oder Gelb. Der Rest war ein Meer von schwarz/grau/beige/weißen Gestalten, sodass die "Querulanten" aus der Masse herausragten wie Aras aus 'ner Horde Tauben...


    "Dazu mag auch passen, dass ich meine Hemden der frühen 90er mittlerweile alle entsorgt habe. Mit denen könnte ich mich nicht mehr zur Arbeit trauen. Heutzutage trägt man einfarbige Hemden, höchstens im feinen Muster darf eine zweite Farbe vorkommen."

    Tja, dumm gelaufen – ich habe schon seit Anfang der 90er immer nur elegant-einfarbige Hemden getragen (hauptsächlich schwarz, dunkelgrün, rostbraun) – deshalb muss ich für mich ältere Exemplare kein bisschen schämen.
    Aber vielleicht haben Krefelder...

    Das ist ja auch der Vorteil, wenn man wie ich schon seit vielen Jahren seinen Stil ungeachtet irgendwelcher Modetrends durchzieht: Man gerät kaum in Gefahr, später mal für seine Klamotten verlacht zu werden...

    Nachteil: Man gilt hinsichtlich des Outfits langfristig natürlich als unflexibel und trist. Aber das nehme ich gerne in Kauf, solange es mir erstens gefällt, ich zweitens damit überall reinkomme und drittens die "uniforme" Kleidung nicht wirklich meinen Charakter widerspiegelt...


    "In den 80ern konnte man immerhin zwischen Stoff-. Metall- und Lederkrawatte wählen."

    Uaarghgh... ausgerechnet die schon damals schwuchtelig anmutenden Lederkrawatten nennst du hier als eine ernsthafe Alternative? Würg... dann lieber gar keine Alternative...
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  11. #10
    Benutzerbild von Torsten

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    6.613
    Teil 2:

    @ Lutz:

    "Genau so sieht mein Umfeld und mein Freundeskreis das auch - nur mit dem Unterschied, dass du fuer die 80er die 70er einsetzen musst."

    Wie ich eingangs bereits erwähnt habe: Die Umfelder der einzelnen Leute scheinen zu unterschiedlich zu sein, wodurch sich diese konträren Beurteilungen ergeben...


    "Ich weiss nicht, ob du vielleicht in einem Parallel-Universum lebst, Torsten, aber die Oeffentlichkeit, die ich erlebe, sieht schon jeher die 70er allenfalls in ihrem 'Over the top' Trashfaktor als erstrebenswert an."

    Tja, dann müsste man vielleicht mal eine bundesweite Befragung starten: "Welche Mode war für Sie geschmackloser – die 70er oder die 80er?" Wäre sicher interessant zu erfahren, wie das Votum ausfallen würde...

    Vor nicht allzu langer Zeit habe ich mich mal mit einer etwas reiferen Dame unterhalten, die sowohl in den 70ern als auch in den 80ern in diversen Boutiquen gearbeitet hat. Als ich sie danach fragte, wie sie wohl mit kurzen, treffenden Worten die Mode dieser Jahrzehnte beschreiben würde, meinte sie (sinngemäß):

    "Die 70er? Die waren schrill und durchgeknallt. Und die 80er? Das sah alles aus wie gewollt und nicht gekonnt – nix Halbes und nix Ganzes. Würde man Mode als etwas beschreiben, dass man physisch greifen kann, dann würden sich die 70er mit Ecken und Kanten in die Handflächen drücken, während sich die 80er wie ein Schwamm anfühlen oder wie ein Stück Seife, das einem aus der Hand flutscht."

    Okay, das ist nur die Meinung einer Person, die sich aber mit meiner Wahrnehmung völlig deckt...


    "Ich finde z.B. Cyndi Lauper im "Time After Time" Video immer noch klasse... Dagegen mag ich z.B. den Jennifer Rush Look (s.o.) nach wie vor nicht..."

    Ah, hier werden dann unsere unterschiedlichen Geschmäcker mehr als deutlich: Cyndi Lauper an sich find ich in dem Video auch supersüß – aber die Klamotten furchtbar! Die meist schwarz gehaltenen Leder-Kombis von Jennifer Rush dagegen gefielen mir immer sehr gut; dass sie Hausfrauen-Musik macht, bestreite aber auch ich nicht (ebenso wenig wie die Tatsache, dass mir einige ihrer Titel gefallen!)...

    Vor einigen Tagen habe ich mir mal einige alte Party-Fotos meiner Eltern aus den 70ern angesehen, die in unserer damaligen Wohnung entstanden. Meine Eltern waren noch recht jung, das Alter der Leute auf diesen Bildern liegt so zwischen 25 und 30. Die haben da teilweise richtig dicke Sessions gefeiert, und gelegentlich bin ich als kleiner Stöpsel irgendwo dazwischen auch mal zu sehen (ich bin Jahrgang '71).

    Und beim Betrachten dieser Fotos kann ich nur sagen, dass die Klamotten da längst nicht so schlimm aussehen, wie es oftmals über die 70er erzählt wird. Die meisten trugen ein- oder zweifarbige Sachen, die Muster waren eigentlich auch sehr akzeptabel. Was man auf diesen Bildern sieht, deckt sich in keinster Weise mit dem, was auf dem von dir oben eingestellten Foto zu sehen ist – Austin Powers lässt definitiv nicht grüßen!

    Vielleicht bin ich aufgrund dieser persönlichen Erfahrungen ja etwas verblendet...

    Aber auch, wenn man sich z. B. alte deutsche Krimis wie "Derrick" anschaut, wird man sehen, dass die oft für 70er-Revival-Parties ausgesuchten Klamotten mit dem damaligen Alltag nicht viel zu tun haben...

    Was ich in den 70ern viel schlimmer fand, waren die entsetzlichen Frisuren, Kotten und unfassbar klobigen Brillen. Was das angeht, übertreffen sie die 80er in Sachen Hässlichkeit um Längen (obwohl, wenn ich da an einige 80er-Frisuren denke... brrrr...)...

    Übrigens: Ob man den Kleidungsstil der Protagonisten diverser Rocknächte oder –veranstaltungen als repräsentativ bezeichnen kann, wage ich – gelinde gesagt – zu bezweifeln. Weder damals noch heute habe ich mit den meisten Künstlern bzw. Konzertbesuchern solcher Veranstaltungen modisch irgendwas gemeinsam – da stecken offensichtlich zu unterschiedliche Lebensphilosophien hinter...

    Obwohl mir die Musik oftmals auch ganz gut gefällt, die dort gespielt wird. Die meines Erachtens versnobte Trennung zwischen Rock- und Elektro-/Technomucke war noch nie mein Ding, genauso wie ich die oftmals grundsätzliche Verurteilung kommerziell erfolgreicher Produktionen seitens diverser "Musikliebhaber" für völlig daneben halte.

    Aber zu diesem Thema wollte ich demnächst sowieso mal einen eigenen Thread eröffnen...
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