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Christiane F. / (harte) Drogenszene in der DDR

Erstellt von bubu, 04.06.2005, 11:51 Uhr · 54 Antworten · 34.360 Aufrufe

  1. #51
    Benutzerbild von chan-fan

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    Beiträge
    52

    AW: Christiane F.

    Hi

    Der letzte Eintrag ist schon älter, aber wenn man jetzt erst zum Forum stößt, dann geht´s manchmal nicht schneller.

    Nein, ich kenne Christiane persönlich nicht.

    Ich bin 1960 in Berlin West geboren. Groß geworden bin ich damals in Friedenau/Schöneberg, was jetzt irgendwie zu Steglitz gehört. Zu der Zeit hatte West Berlin, ca. 4 Millionen Einwohner und die hälfte davon waren Ausländer. Die hälfte davon waren Türken, somit setzte sich der Rest aus allen Landsleuten zusammen, die es halt so gibt. Obwohl ich selber mit Ausländern kein Problem hatte, so waren mir persönlich die Pakistani eher unheimlich. Von denen wusste man eigentlich nur so viel: Wenn sie nicht in einer Frittenbude arbeiten, dann lieferten sie sich Nachts Schiessereien in der Potsdamer Strasse. (das dürfte aber mein persönliches Vorurteil sein.)

    Natürlich gab es damals, wie heute auch die "Otto-Normal-Bürger" und die "Abtrünnigen".
    Und natürlich wurde auch damals vieles dramatisiert.
    Z.B. waren meine Eltern davon überzeugt, das jeder Motorradfahrer ein Rocker ist und jeder Rocker somit ein kriminelles Subjekt. Zu der Zeit kannte man (z.B. Hells Angels vom Namen nach) einige Motorradgangs, aber sicherlich war nicht jeder automatisch in einer kriminellen Vereinigung.

    Das gleiche gilt auch für die nachfolgenden Punkten, die sich so eingebürgert haben, bzw. miteinander verbunden wurden.

    *Nur Drogenabhängige und Dealer findet man im Sound.
    * Potsdammer Strasse ist ein einziger Strassenstrich. Man beachte bitte, das sich in der Potsdamer Strasse ein Jugendtreff befand, wo ich auch eine zeit lang regelmäßig war. Natürlich gab es da Läden, wo die Schaufenster verdunkelt waren. Nutten habe ich aber nicht wirklich welche gesehen. (oder aber nicht als solche erkannt.)

    *Kreuzberg ist da, wo der Abschaum wohnt. (Ausländer, Studenten, Hausbesetzer, Terroristen.)
    *Babystrich, Stricher und Drogenumschlagsplatz am Bahnhof Zoo.

    Bis auf´s Sound, bin ich oft und regelmäßig überall an diesen verruchten Orten gewesen und habe es unbeschadet überlebt. Ich weiß nicht, wann das "Bösen" auf die Strasse gekommen sind, aber irgendwie habe ich die immer verpasst. Soviel ich weiß, haben sich die Bösen eher hinter dem Bahnhof Zoo rumgetrieben und Ottonormalverbraucher wird das kaum wahr genommen haben, es sei denn das der Spruch doch stimmt: "Nur ein Kiffer erkennt einen anderen Kiffer."

    Ich war einmal im Sound, ca. 18 Jahre und mir wurde Nichts angeboten, verabreicht oder sonstiges.
    Ich konnte noch nicht mal etwas verdächtiges beobachten. Ein Klassenkammerad, der sich gerne mal "was-rein-zog", hatte vorher so viel angegeben, was im Sound so alles abläuft.
    Es lag vielleicht ein merkwürdiger Duft in der Luft , aber sonst? Ich gehe mal davon aus, das nur der Eingeweihte wusste, an wen er sich wenden muß.
    Nach den Vorwarnungen, die ich von vielen gehört hatte, war mein Besuch im Sound eher unspektakulär.

    Ehrlich gesagt ging in den Normalo-Diskos eher die Post ab. Da wurden auf den Toiletten verbotene Sachen verschoben und auf sein Glas Cola musste man immer aufpassen. Somit waren eher die Popper Diskos wie „Eden“, „Big Eden“, „Cheeta“ usw., für das „*Landei" gefährlicher.

    *(Landei = Westdeutscher Urlauber)

    Ähnliche Wohnviertel und s.g. Löffelkinder gab es auch anderswo in Berlin. Nur die sind nicht so in die Schlagzeilen geraten.

    Nun zum Film:
    Ich, der nie etwas mit Drogen zu tun hatte, fand den Film alles andere als "abschreckend". Nein, eigentlich das ganze Gegenteil. Den Zusammenhalt und das Verständnis miteinander, fand ich eher beeindruckend.

    Wenn man sich mit echten Junkies unterhält, dann wird eigentlich schnell klar, das diese Darstellung des Films „Hochglanz Kinotauglich“ gemacht wurde. Ich hatte mal das seltene Vergnügen, einen Jungen kennen zu lernen, der als Randperson in der Geschichte von Christian erwähnt wurde. Ich weiß bis heute nicht, ob er mich angeflunkert hat, oder ob es die Wahrheit war. Zumindest waren seine eigenen Erfahrungen in dieser Drogenszene, nicht mal ansatzweise in diesem Film zu sehen.

    Der heutige Berlin Besucher wird an den original Schauplätzen kaum etwas sehen, was ansatzweise mit der damaligen Zeit zu tun hat. Das bedeutet aber nicht, das Berlin jetzt eine saubere Vorzeigestadt ist. Die Probleme wurden nicht beseitigt , sondern nur des Platzes verwiesen. Finden tut man sie jetzt in anderen Bezirken.

    Das letzte, was ich von Christiane F. gehört habe, wurde hier schon erwähnt. Sie ist wieder rückfällig geworden. Warum das so gekommen ist, bedarf einer langen Aufschlüsselung von gegebenen Ereignissen und der Bereitschaft der Normalos, eine andere Welt zu akzeptieren und auch damit umzugehen.


    Zur Erklärung: Ich weiß nicht, wer von euch schon einen geliebten Menschen verloren hat. Bei mir war es mein großartiger Schwager, der kleine Bruder meiner Frau und der geliebte Onkel meiner Kinder.

    Wer kennt dann nicht die Standardsprüche wie: Ja, das Leben geht weiter.
    Das wird schon wieder. Sei stark. Mein herzliches Beileid usw.

    Mit der eigenen Familie kann man kaum über die eigenen miesen Gefühle reden, da die selber ihren eigenen Schmerz haben. Und mit einem Fremden darüber reden hat auch keinen Sinn, weil den das eher langweilt, weil er die fehlende Person nicht kennt. Dem ist nur wichtig, das du morgen wieder zu 100% funktionierst.

    Ich denke, das gerade viele Drogenabhängige rückfällig werden, weil der Außenstehende diese Art von Gemeinschaft - auch wenn es der falsche Weg ist, eher langweilig findet.

    Das Ergebnis ist dann, das sich viele Drogenabhängige zum Schluss den Goldenen Schuss setzen, weil es keinen anderen Ausweg mehr gibt.

    Aber, was weiß ich?


    Gruß Nino

  2.  
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  3. #52
    Benutzerbild von franxpunx

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    Bowie spielt vor lauter Rockern

    Noch eben was zum Film. Wer sich, wie ich, darüber gewundert hat, warum bei dem (exzellenten) David Bowie-Auftritt sich so viele Rocker in Jeansjacke rumtreiben, für den hier des Rätsels Lösung:

    Das Publikum wurde auf einem AC-DC-Konzert(!) in Berlin gefilmt, der Bowieauftritt in den Staaten und dann wurde die beiden Gigs ineinandergeschnitten. Das habe ich im David Bowie-Forum gelesen und es erklärt diese Merkwürdigkeit.

    Ich denke, Christiane kann eigentlich machen, was sie will, solange sie ihren Sohn damit nicht belastet. Aber ich stecke in der Angelegenheit nicht drin. Wenn etwas in der Bild steht, dann bin ich eh sehr misstrauisch......

  4. #53
    Benutzerbild von Babooshka

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    AW: Christiane F. / (harte) Drogenszene in der DDR

    Es stand ja nicht nur in der Wild. Und wenn eine Mutter in die Drogenszene abhaut, wird das ihr Kind sehr wohl belasten. Vor allem, wenn es bereits älter ist und schon sehr genau peilt, was Sache ist.

    Wie man diesen düsteren Film allerdings nicht abschreckend finden kann, ist mir ein Rätsel. Ich weiß, da gibt's viele, aber verstehen kann ich es nicht. Ein normal denkender Mensch kann es doch wirklich nicht erstrebenswert finden, so zu enden wie diese Gestalten, die ziemlich zum Schluss des Films vollkommen fertig im U-Bahngang rumhängen.

    Dass die Orte im Film einschließlich der Gropiusstadt heute anders aussehen und die Szene sich woandershin verlagert hat, darüber haben wir ja hier schon mal gesprochen.

  5. #54
    Benutzerbild von franxpunx

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    Christiane F.

    Ja, mir geht es sogar so, dass ich nur noch die erste Hälfte sehe, wenn ich mir den Film anschaue, da mir die zweite echt zu heavy ist. Abschreckend finde ich den Film auf jeden Fall.

    Und wenn jemand auf harten Drogen ist, ist er eigentlich in fast jedem Fall schon eine große Belastung für die Bekannten, Freunde und Verwandten. Das ist klar.

    Ich wollte eher zum Ausdruck bringen, dass ich sie nicht persönlich kenne und es dann aus der Ferne immer sehr schwer ist, konkret etwas über sie und ihre Lebensumstände zu sagen, egal ob sie nun rückfällig geworden ist oder nicht. Hoffentlich kriegt sie die Kurve.

  6. #55
    Benutzerbild von Babooshka

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    AW: Christiane F. / (harte) Drogenszene in der DDR

    Ja klar steckt man nicht drin. Dennoch kann ich es nicht nachvollziehen, wie ein erwachsener Mensch über 40 rückfällig werden kann, nachdem er in seiner Jugend durch die Drogenhölle gegangen war und sich eigentlich noch lebhaft daran erinnern müsste, wie schlimm das war. Aber Christiane F. war ja eigentlich nie völlig clean, allenfalls mal ein paar Jahre. Nach den harten Drogen hat sie dann halt wieder gekifft, wie in ihren Anfangszeiten, ist dann rückfällig geworden, ist wieder auf Kif umgestiegen, ist rückfällig geworden... usw. Anstatt sich an die schlimmen Zeiten und Seiten des Drogenkonsums zu erinnern, erinnert(e) sie sich immer nur an das tolle Gefühl des Rauschs, das "mit nichts anderem vergleichbar" ist, wie sie mal in irgendeinem Interview vor Jahren sagte. Das Hirn auspusten, an nichts denken müssen, sich mit nichts und vor allem nicht mit sich selber auseinandersetzen zu müssen, Probleme einfach mit einem Druck verdrängen und die Welt stattdessen im bunten Drogenrausch erleben... sehr viel reifer als mit 14 ist sie heute anscheinend nicht. Deshalb verstehe ich es einfach nicht, warum sie immer wieder auf diese Selbstzerstörungsschiene zurückgekehrt ist, anstatt sich mal professionelle Hilfe zu holen - die hat sie ja stets kategorisch abgelehnt. So einem Menschen ist dann wirklich nicht mehr zu helfen. Da kann man nur hoffen, dass ihr Junge keinen seelischen Schaden davon nimmt.

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