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Die Krise des europäischen UNTERHALTUNGSkinos

Erstellt von Die Luftgitarre, 10.04.2004, 15:16 Uhr · 0 Antworten · 590 Aufrufe

  1. #1
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    Mir scheint, über einen ganz wesentlichen Aspekt bei der Stichwort-Kombination "80er + Kino" haben wir bisher gar nicht geredet (oder?):

    Die 80er waren doch genau das Jahrzehnt, in dem die Europäer das Terrein des naiven Unterhaltungsfilms vollends an Hollywood verloren haben. Seitdem geht es doch beim Stichwort "der euopäische Film" nahezu ausschließlich um die "Prädikat-wertvoll"-Filme (, die in kleinen Programm-Kinos und danach vielleicht nochmal im Dritten oder im Schulunterricht gezeigt werden und ansonsten als Leihkassetten in den öffentlichen Büchereien ganz wörtlich verstauben). Ok, in Einzelfällen mögen die ja manchmal interessant sein, aber was ist mit den Genres des naiven, kommerziellen Unterhaltungs-Kinos? Die scheinen irgendwie per se "un-europäisch" zu sein.

    Aber vergleichen wir doch mal mit den 70ern, bzw. den 60er/70er Jahren: Da gab es ...

    - auf dem Gebiet der Komödie die Luise-de-Funes-Filme

    - im Bereich der Action-Filme die Belmondo-Streifen oder auch den Italo-Western, bzw. bei der Action-Komödie die Bud-Spencer-Filme.

    - für das Horror-Genre die spanischen Zombie-Filme

    Es war also durchaus normal, auch in Europa Filme auch für den Massenmarkt zu produzieren. - Aber so Mitte der 80er gewöhnte man sich daran, daß die Filme, die man als Normalbürger so sah, eigentlich immer aus Amerika kamen. (Die einzigen 80er-Kino-Hit aus Europa der mir überhaupt auf Anhieb einfallen, waren "La boum" und "Cinderella 80" sowie die englischen Fantasyfilme "Time Bandits", "Exkalibur" und "Zeit der Wölfe").

    Der Grund für den Niedergang des europäischen Unterhaltungskinos war wahrscheinlich der gewesen, daß die national zersplitterte europäische Filmindustrie gegenüber den US-Blockbuster-Produktionen der frühen 80er investitionsmäßig nicht hatte mithalten können. Mir scheint: Das, was von der europäischen Filmindustrie noch übrig war, hing am Subventionstropf und war personell eng verflochten mit der Theater-Szene und den Universitätsfachbereichen für Literatur, Theatherwissenschaft und Kunst.

    Aber auch das Privatfernsehen hat kaum nennenswerte Unterhaltungsproduktionen hervorgebracht, vermutlich, weil die kurzamtmige Konkurrenz der Sender eine langfristige und großzügige Produktionsplanung nicht zuläßt. (Auch bei den "Sat1-Filmen" sieht man sofort, beim ersten reinzappen: "Das ist n deutscher Film, der ist hier irgendwo um die Ecke bei schlechtem Wetter gedreht worden.")

    In den letzten Jahren hat es zwar auch ein paar gute europäische Filme (v. a. aus Frankreich) gegeben, die nicht nur für Theater- und Literaturwissenschaftler von Interesse waren. Aber ich denke immer öfter, sowas wie eine Kartell-Bildung der Film-Industrie auf EU-Ebene (verbunden mit einer stärkeren Trennung der Film-Industrie von der Theater- und Universitäts-Welt) wäre vielleicht doch eine gute Sache.

  2.  
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