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Fernsehen immer schlechter

Erstellt von bubu, 04.02.2004, 13:27 Uhr · 51 Antworten · 9.262 Aufrufe

  1. #11
    Benutzerbild von bubu

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    waschbaer postete
    Oh Shit,

    ich habe mich in meinem ersten Posting verlesen und gedacht, dass Grünenwähler am meisten kritisieren. Nun ja, ich nehme alles zurück undbehaupte das Gegenteil.
    Hi waschbär,

    das sollte doch wohl jetzt aber kein unbeabsichtigtes Outing als CSU-Wähler sein, hoffe ich?

  2.  
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  3. #12
    Benutzerbild von waschbaer

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    bubu postete
    das sollte doch wohl jetzt aber kein unbeabsichtigtes Outing als CSU-Wähler sein, hoffe ich?
    @Bubu

    Das habe ich damit auch nicht ausgesagt. Es gibt ja nicht nur zwei Parteien in unserer Republik.

    Ich dachte eigentlich nur, dass wohl die Wähler der Grünen eher etwas zu kritisieren hätten (evtl. mehr Interesse an politisch orientierten Themen und nicht nur "Fun, Fun. Fun, Action und sonstiger Scheiß", aber da bin ich wohl einem Irrtum aufgesessen.

  4. #13
    Benutzerbild von bubu

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    Die Luftgitarre postete
    Heißt Pay-per-View, daß der Faktor Werbeeinnahmen dann wegfällt, bzw, nebensächlich wird?
    Zu wünschen wäre es ja. Dann würde endlich ein Bewusstseinswandel stattfinden und Fernsehen (bzw. "Inhalte" oder "Content" allgemein wie es in den Medien ja so schön neudeutsch heißt) nicht mehr primär als Transporteur für Werbung und Zielgruppeninfiltration gesehen. Dann würden vielleicht schöne Formate nicht von vornherein abgebügelt, bloß weil sie nicht genügend hohe Quote erreichen würden.

    Die Luftgitarre postete
    In dem Fall würden die Privat-TV-Macher ja jede Bevölkerungsgruppe ins Visier nehmen, die entweder sehr groß ist oder klein, aber sehr zahlungsfähig/-bereit. Dann würden wohl Volksmusik- und Heimatfilm-Kanäle boomen ebenso wie Porno-Sender (was beides ja auch jetzt schon bei "Premiere" der Fall ist!).
    Wäre ja ok, wenn es daneben auch noch anderes existiert. Zumindest wäre endlich Schluss mit diesem unsäglichen Mainstream-Scheiß und gutes Sparten-TV und Qualität hätte wieder eine echte Chance, wenn es direkt finanziert würde.

    Diese totale Abhängigkeit der Medien - ob Zeitungen/Zeitschriften, Radio oder Fernsehen - von der Werbewirtschaft ist meiner Meinung nach eine fatale Fehlentwicklung. Mal abgesehen von der oftmals gefährlichen Beeinflussung der Pressefreiheit durch die Wirtschaft, führen diese großen Werbe-Geldflüsse zu völlig aufgeblähten Redaktionen. Den Lesern wird vorgegaukelt, dass sie solch hochgetrimmte Magazine wie Spiegel, Stern oder Focus tatsächlich für den lächerlichen Preis von 2,50 Euro bekommen können. Mitnichten! Wollte man ein Magazin wie den Stern komplett werbefrei nur über den Verkaufspreis finanzieren, würde er ein Vielfaches dieses Preises kosten. Zum Schutz dieses werbefinanzierten Systems wird von den Verlagsheinis gerne mit dem Scheinargument der Qualitätssicherung des Journalismus gewedelt, doch wenn du mich fragst: ich käme auch mit einem Stern oder einem Spiegel klar, der nicht über 250 Leute beschäftigt, nur ein Drittel des Umfangs hätte, kein Hochglanzpapier verwendet, sich auf seine Kernkompetenzen besinnen würde und dafür nicht auf jeder dritten Seite mit lästiger Werbung zugepflastert ist.

    Wohin diese Abhängigkeit führt, haben wir im Zuge der allgemeinen Wirtschaftskrise gesehen: in den fetten 90er-Jahren aufgepumpte Redaktionen wurden schlagartig dicht gemacht, ja, sogar ganze Zeitungen eingestampft (z.B. "Die Woche"), Verlage haben fusioniert oder werden verkauft (das Kirch-Imperium sogar fast an Murdoch oder an Berlusconi, na super!) - was wiederum eine Gefahr für die Presse- und Meinungsfreiheit und -vielfalt unseres Landes ist. Dass die sonst so hehren Journalisten, die immer so gerne ihr Berufsethos ach so hoch halten, da so sehr ihre Seele verkaufen, werde ich als selbst in den Medien Tätiger wohl nie so recht verstehen. Die Gier macht wohl nirgendwo Halt.

    Eine ehrliche Nummer ist da die "taz", die sich primär über ihre Abos finanziert. Zwar kriselt sie dauerhaft, weil sie natürlich nicht die dicken Werbeerträge einsteckt, dafür aber kannst du sichergehen, dass sie sich nicht für irgendein finanzkräftiges Unternehmen, das gerade eine große Anzeigenserie schaltet, den Mund verbiegt oder schlichtweg die Leute verarscht (z.B. in einem Beitrag groß gegen den Wahn von Halbfett-Produkten wettern und auf der nächsten Seite schön für "Lätta" werben). Und ein weiterer Vorteil: als plötzlich alle Redaktionen über die miese konjunkturelle Lage und die Flaute auf dem Werbemarkt jammerten, stand die taz als einzige gut da. Nicht zuletzt, weil für sie Krise Dauerzustand darstellt

  5. #14
    Benutzerbild von bubu

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    waschbaer postete
    Das habe ich damit auch nicht ausgesagt. Es gibt ja nicht nur zwei Parteien in unserer Republik.
    In der Alpenrepublik gibt es nur eine Partei!

    Kleiner Scherz

  6. #15
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    [quote]bubu postete
    Die Luftgitarre postete
    Die Luftgitarre postete
    In dem Fall würden die Privat-TV-Macher ja jede Bevölkerungsgruppe ins Visier nehmen, die entweder sehr groß ist oder klein, aber sehr zahlungsfähig/-bereit. Dann würden wohl Volksmusik- und Heimatfilm-Kanäle boomen ebenso wie Porno-Sender (was beides ja auch jetzt schon bei "Premiere" der Fall ist!).
    Wäre ja ok, wenn es daneben auch noch anderes existiert. Zumindest wäre endlich Schluss mit diesem unsäglichen Mainstream-Scheiß und gutes Sparten-TV und Qualität hätte wieder eine echte Chance, wenn es direkt finanziert würde.
    Sehe ich so ähnlich. Es gibt im Grunde 3 Arten von Medien-Zensur:
    - Zensur durch einen öffentlich-rechtlichen Aufsichtsrat
    - Zensur durch den Medienmarkt (Quote, Auflage)
    - Zensur durch den Werbemarkt (ausbleibende Anzeigen)

    Die Zensur rein über den Medienmarkt scheint mir da noch die beste Möglichkeit zu sein, a) unabhängig zu berichten und b) Programmvielfalt zu erreichen.

  7. #16
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    bubu postete
    Die Luftgitarre postete
    In dem Fall würden die Privat-TV-Macher ja jede Bevölkerungsgruppe ins Visier nehmen, die entweder sehr groß ist oder klein, aber sehr zahlungsfähig/-bereit. Dann würden wohl Volksmusik- und Heimatfilm-Kanäle boomen ebenso wie Porno-Sender (was beides ja auch jetzt schon bei "Premiere" der Fall ist!).
    Wäre ja ok, wenn es daneben auch noch anderes existiert. Zumindest wäre endlich Schluss mit diesem unsäglichen Mainstream-Scheiß und gutes Sparten-TV und Qualität hätte wieder eine echte Chance, wenn es direkt finanziert würde.
    Sehe ich auch so. Es gibt im Grunde 3 Arten von Medien-Zensur:
    - Zensur durch einen öffentlich-rechtlichen Aufsichtsrat
    - Zensur durch den Medienmarkt (Quote, Auflage)
    - Zensur durch den Werbemarkt (ausbleibende Anzeigen)

    Die Zensur rein über den Medienmarkt scheint mir da noch die beste Möglichkeit zu sein, a) unabhängig zu berichten und b) Programmvielfalt zu erreichen.

  8. #17
    Benutzerbild von Lutz

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    bubu postete
    Welche Bigotterie! RTL verzeichnet mit Müll wie "Hilfe, ich bin ein Star..." Rekord-Einschaltquoten, aber auf der anderen Seite das hier.

    Was ist nur mit den Leuten los?????

    Umfrage: Zwei Drittel der Deutschen finden Fernsehen schlechter

    Zwei Drittel der Deutschen finden, dass das Fernsehprogramm in den vergangenen Monaten schlechter geworden ist. (...) Dies ist das Ergebnis einer am Mittwoch veröffentlichten repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid im Auftrag der TV-Zeitschrift «Bildwoche». Nur neun Prozent der Befragten meinten, das Programm sei besser geworden. (...)
    Intressantes Thema bubu!

    Auf mich übt "Hilfe, ich bin ein Star.." zu sehen, etwa den gleichen Reiz aus wie ne Zahnwurzelbehandlung oder die Bild-Zeitung zu lesen.

    Klar schwappt sehr sehr sehr viel Müll über die Sender, aber wenn man sich die Rosinen rauspickt kann man sich ein exzellentes TV- Programm zusammenstellen. Hier nur ein paar Beispiele:

    "Mash" läuft mal wieder (Kabel 1). Wer den TV-Hit noch nicht kennt sollte unbedingt mal reinschauen. Nicht ohne Grund stand der TV-Klassiker sogar im Guinness Book für die höchste US-Einschaltquote.

    Nash Bridges. Action-Knaller mit viel Humor (Dank Cheech Marin), mit dem Don Johnson nach Miami Vice einen weiteren Hit landen konnte. (VOX)

    "Hör mal wer da hämmert", "die wilden 70er" (RTL). Beides *sehr* amüsante Sitcoms.

    Late Lounge Club (Mo, H3) - die günstigste Sendung im TV - und gleichzeitig eine der Besten. Achtung - es wird regelmäßig ein Mercedes A-Klasse verlost!

    Top Gear

    http://www.plauderhoehle.de/forum/sh...did=7306&time=

    Ok, kein .de TV aber eine weitere erstklassige BBC-Produktion

    Und wo wird gerade bei europäischen Sendern im FreeTV sind: Die Simpsons laufen im Original (!) ohne Werbung (!) auf TangoTV.

    http://www.plauderhoehle.de/forum/sh...did=5660&time=

    und und und...

    Also nicht nur nörgeln, sondern so einen Müll wie oben von bubu genannt gar nicht einschalten. Dann wird sowas wie das "Arschgeigen Camp" (1) schneller abgesetzt als man "RTL" sagen kann.

    Lutz

    (1) (C) by Oliver Kalkofe

  9. #18
    Benutzerbild von
    Lutz postete
    Klar schwappt sehr sehr sehr viel Müll über die Sender, aber wenn man sich die Rosinen rauspickt kann man sich ein exzellentes TV- Programm zusammenstellen.
    Eben! Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass das Fernsehen heute besser ist als noch vor 20 Jahren! Und das aus folgenden Gründen:

    - Die öffentliche Meinungsbildung ist nicht mehr durch wenige politisch gefärbte Sender manipulierbar

    - Es gibt zwar immer mehr Sender und auf diesen Sendern immer mehr Müll. Selektiere ich mir aber zwischen allen Sendern die Top-Sendungen raus, die meinen Interessen entsprechen, habe ich heute mehr Möglichkeiten, als mit den starren Programmplänen der zwei bis drei empfangbaren ÖR Sender damals.
    Wenn man eine Fernsehzeitung in die Hand nimmt kann man sich m. E. auch mit höchsten Ansprüchen zwischen Arte, Phoenix, 3sat, XXP und den diversen Dritten Programmen ein intelligentes und intellektuell befruchtendes Programm zusammenstellen. Und auch auf RTL, Sat1, Pro7, Vox, kabel1 & Co. gibt es durchaus den einen oder anderen Lichtblick.

    - Stinkt mir das Programm völlig und ich bin bereit Geld in die Hand zu nehmen, habe ich heute die Wahl zwischen Pay-TV Anbietern wie Premiere oder z. B. Kabelbetreiber-Zusatzangeboten wie dem von ish. Kanäle wie SciFi, Discovery, Planet etc. sind einzeln abonierbar und sind ihr Geld wert. Auch über Premiere wird allerdings viel gemeckert. Warum (abgesehen davon, dass es nochmal etwas kostet, klar) ist für mich allerdings kaum nachvollziehbar. Denn dort findet man eigentlich bei Bedarf immer was unterhaltendes oder interessantes.

    Ich habe heute auf jeden Fall viel mehr Möglichkeiten als früher mir zwischen den Sendern mein eigenes Programm zusammen zu bauen. Rüste ich technologisch auf und leiste mir z. B. einen Festplattenrecorder der bei leicht zeitversetzter Anzeige des Programms Werbepausen entfernen kann, habe ich sogar noch mehr Möglichkeiten Fernsehen ungestört zu genießen (wobei man damit natürlich im Zweifel am Ast sägt, wenn man werbefinanziertes Fernsehen schaut...).

    Es mag also vielleicht nicht mehr so einfach sein wie früher (kurzer Blick in die 3spaltige TV-Übersicht.... Fazit: "Heute ist nix in der Glotze!") und es mag mehr plakative Beispiele dafür geben welchen Blödsinn die Sender heute zeigen. Aber wenn man sich damit nicht weiter aufhält und stattdessen die Möglichkeiten nutzt, hat man sehr wohl die Möglichkeit ein anspruchsvolles Programm zu konsumieren.

    Dave

  10. #19
    raabi2000
    Benutzerbild von raabi2000
    Habe heute durch Zufall einen Artikel bei rponline gefunden, in dem Arabella Kiesbauer sich über das deutsche TV Programm äußert. Ihrer Meinung nach wird in Deutschland "Quoten bringende Scheiße produziert".

    Hier der ganze Artikel

    Und auch wenn sie sich damit ins eigene Fleisch schneidet, sie hat recht finde ich.

  11. #20
    Benutzerbild von Torsten

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    raabi2000 postete
    Habe heute durch Zufall einen Artikel bei rponline gefunden, in dem Arabella Kiesbauer sich über das deutsche TV Programm äußert. Ihrer Meinung nach wird in Deutschland "Quoten bringende Scheiße produziert".

    Hier der ganze Artikel

    Und auch wenn sie sich damit ins eigene Fleisch schneidet, sie hat recht finde ich.
    Natürlich hat sie das! Wenngleich eine Person wie Kiesbauer, die mit ihre Proll-Talkshow jahrelang selbst den mittlerweile nicht mehr schleichenden, sondern eher galoppierenden Verfall des TV-Niveaus mit angekurbelt hat, angesichts einer solchen Kritik natürlich besonders viel Angriffsfläche bietet.

    Als sehr treffend empfand ich auch den zweiteiligen Kommentar zum aktuellen status quo deutscher Fernseh-"Kultur", der am 26./27.05.04 bei spiegel.de zu lesen war:

    - Teil 1: http://www.spiegel.de/kultur/gesells...301268,00.html

    - Teil 2: http://www.spiegel.de/kultur/gesells...301538,00.html

    Teil 1:
    Dass die Flimmerkiste ein beliebiges "Nullmedium" sei, beklagen Kulturkritiker von jeher. Doch nun zeigt selbst ein unvoreingenommener Blick aufs TV-Programm: Die Quote ist heilig, das Niveau sinkt auf breiter Front - auch bei ARD und ZDF. Verdummt die Nation?

    Die Hölle, das ist der Samstagabend. Wehe dem Unglücklichen, der zu dieser Zeit krank im Bett liegt oder von Freund oder Freundin versetzt wurde! Wehe dem, der gerade eine fesselnde Lektüre beendet hat und für Neues noch nicht bereit ist oder sonstwie weltverloren im Wohnzimmer hockt statt sich dem wirklichen Leben draußen hinzugeben!

    Das Fernsehen, ansonsten Hüter der versprengten modernen Seelen und Kaminfeuer unserer Zeit, stürzt den Einsamen an diesem Tag jedenfalls nur in noch tiefere Verlorenheit. Am vergangenen Samstag etwa konkurrierte der "Musikantenstadl" in der ARD mit der "Ultimativen Chart-Show" auf RTL, das "Wie-fit-ist-Deutschland?"-Spektakel im ZDF mit dem "Großen deutschen Prominenten-Buchstabiertest" auf Sat.1. Von der "Volkstümlichen Hitparade" bis zum "Star Duell" und "ZDF in Concert - Sarah Connor" - überall herrscht lärmende Ödnis und grellbunte Tristesse.

    Selbst die Dritten Programme der ARD, hier und da noch Retter in der TV-Wüste, bieten unter dem Siegel der Heimatliebe weithin geballte Trostlosigkeit, allen voran der ostdeutsche MDR. Doch auch das Hessische Fernsehen macht seinen Zuschauern ein Angebot des Schreckens. Kleiner Auszug eines beliebigen HR-Abendprogramms im Frühling 2004: 20.15 Uhr: SOS - Haus & Garten; 20.45 Uhr: die Sofashow; 21.15 Uhr: Straßen Stars (mit Rateteam); 21.45 Uhr: Vipshow - Geburtstagsmatinee zum 85. Geburtstag von Liesel Christ. Die Sendung "Herrchen gesucht - Im Porträt: Nymphensittiche" - lief an diesem Tag schon um 15.30 Uhr.

    So gibt der verzweifelte Zuschauer auf der Suche nach einem Fernseherlebnis, das ihn für zwei Stunden in eine andere, fremde und spannende Wirklichkeit entführen könnte, irgendwann erschöpft auf - zwischen "Krüger sieht alles", "Bombenterror: Todesangst im Schulbus" und "Boxen live" mit den Klitschko-Brüdern.

    Wenn der Eindruck nicht täuscht, dann hat der Samstagabend im deutschen Fernsehen seit einiger Zeit Signalcharakter für den Rest der Woche. Das Niveau des Programms sinkt auf breiter Front, und der Kampf um die Quote nimmt immer absurdere, fast religiöse Züge an. "Der Samstag ist der Faschist unter den Wochentagen", hämte einst der Kabarettist Matthias Beltz, doch auch wenn man die Satire beiseite lässt, bleibt der Befund: Am Samstagabend zeigt das Fernsehen seine hässlichste Fratze. Sie ist billig und gemein, penetrant gegenwärtig und geschichtslos: einfach deprimierend.

    Das einzige, was am deutschen Samstagabend stimmt, ist die Einschaltquote. Fünfzehn Millionen können nicht irren, wetten, dass...? Dass die mit Werbung finanzierten Kommerzsender wie RTL, Sat.1 und ProSieben unentwegt nach gut verkäuflicher TV-Ware fahnden, liegt auf der Hand, so unschön der Drang nach immer neuen Sensationen und vermeintlich allerletzten Tabubrüchen im Namen der Zuschauerbedürfnisse auch sein mag.

    Doch längst schon haben auch die öffentlich-rechtlichen Großsender ARD und ZDF den Ehrgeiz entwickelt, im gnadenlosen Rennen um die Zuschauergunst mitzuhalten, koste es, was es wolle. Obwohl mit milliardenschweren Gebühreneinnahmen und einem Rundfunkstaatsvertrag ausgestattet, kopieren sie nur zu gern die massentauglichen Programmideen der Privatsender.

    Verpanschung von Geist, Geschmack und Geschichte

    "Me-too-Projekte" nennt das ZDF-Intendant Markus Schächter jargontreu - Talkshows, Castingshows, Quizshows, Gameshows, Ostalgie-Shows und seichte Fernsehfilmchen unter Palmen, dazu stunden-, ja tagelange Sportberichterstattungs-Teppiche, in denen vom einwärts auswärts gesprungenen doppelten Rittberger in Stockholm bis zum Stock-Curling in St. Moritz rein gar nichts ausgelassen wird und das Restprogramm auf fünfminütige Kurznachrichten schrumpft. Allein gänzlich unterirdische Sendeformate wie "Big Brother 2", "Dschungelcamp" oder "Fear Factor" überlassen ARD und ZDF einstweilen noch den Schmutzfinken der privaten Konkurrenz.

    In dieser schönen neuen Fernsehwelt scheint es sogar der eigentlich unbeugsam seriösen "Tagesschau" angebracht, einen gewiss bedauerlichen, doch allenfalls mittelschweren Zusammenstoß des 18-jährigen Sangesknaben Daniel Küblböck mit einem Gurkenlaster auf einer bayerischen Landstraße zu melden - gerade so, als wären Elizabeth Taylor und Marlon Brando an ein und demselben Tag gestorben.

    Am Morgen nach der 1:5-Niederlage der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Rumänien machten die "heute"-Nachrichten im ZDF um neun Uhr die - gewiss blamable - Fußballpleite in einem Freundschaftsspiel zur ausführlichen Topmeldung: Dies an einem Tag, da der israelische Staatspräsident Berlin besuchte, die Antisemitismuskonferenz der OSZE in Anwesenheit von US-Außenminister Colin Powell ihre Abschlusserklärung formulierte und der Kampf um Falludscha wieder einmal eskaliert war.

    Zufall oder nicht: Einen Tag zuvor waren die 37. Mainzer Tage der Fernsehkritik - Thema: "Info ohne -tainment" - in schönster Ergebnislosigkeit zu Ende gegangen. ZDF-Intendant Schächter hatte wieder einmal einen weiteren Ausbau der seriösen Informationsprogramme versprochen und ernsthaft behauptet, schon jetzt betrage deren Anteil im Programm unglaubliche 51,3 Prozent. Auf die Frage, welche Sendungen denn hier unter "Information" subsumiert würden - "Aktenzeichen XY... ungelöst", "Volle Kanne", "Hallo Deutschland"? -, wusste auch Programmdirektor Thomas Bellut keine rechte Antwort.

    Oder zählt das ZDF etwa auch die unsägliche Ranking-Show "Unsere Besten" zur "Information", bei der im vergangenen Herbst Goethe gegen Gysi antrat und Bohlen gegen Beethoven? "Eine systematische Spekulation der Fernsehsender auf die Dummheit des Zuschauers" nannte die "Zeit" diese besinnungslose Verramschung letzter Bildungsreste, und tatsächlich gab es in letzter Zeit kaum ein anschaulicheres Beispiel für die skrupellose Verpanschung all dessen, was einmal mit Geist, Geschichte und Geschmack zu tun hatte. "Goethe im Sinkflug" meldete Moderator Steffen Seibert nach der neuesten Zuschauerbefragung wahrheitsgetreu.

    Auf der Mainzer Tagung jedenfalls hatte der Medienwissenschaftler Siegfried Schmidt diese offenkundigen Grenzverwischungen zwischen Fiktion, Show und Information heftig kritisiert. "Das Fernsehen pflegt seine ganz eigene Art des Wirklichkeitsverlusts", resümierte die "FAZ": Die Programmverantwortlichen seien "sich selbst genug und durch gar nichts zu erschüttern".

    Der scheinbar unerschütterliche Trend zum Infotainment, zur unterschiedslosen Mischung aus Information und Unterhaltung, führt bei einigen Fernsehmachern inzwischen sogar zu dem offenen Bekenntnis, dass Qualität überhaupt keine Rolle mehr spiele: "Gut und schlecht gibt es für mich nicht", sagte RTL-Moderatorin Sonja Zietlow ("Dschungel-Camp", "Fear Factor") dem "Stern". "Ich finde, alles hat seine Daseinsberechtigung, solange die Leute sich dafür interessieren."

    Zietlow, 35, die vor Jahren dadurch berühmt wurde, dass sie bei einem Flic Flac in der "Harald Schmidt Show" für Sekundenbruchteile unfreiwillig ihren Slip entblößte, formuliert ganz unumwunden, was gesetzte Programmmacher nur denken. Im Massenmedium Fernsehen gilt die urdemokratische Parole: One Man, One Vote. An der Fernbedienung sind alle gleich - und zehn Millionen, die Karl Moik sehen wollen, sind mehr als 100.000, die sich für "kulturzeit" auf 3Sat interessieren.

    Intellektuelle Dauerklagen

    Aber klar doch: Kritik am Fernsehen ist so alt wie das Fernsehen selbst, und das dünkelhafte Gejammer über die "Infantilisierung der Fun-Gesellschaft", Titel eines TV-kritischen Sammelbandes, gehört zur Dauerklage von Intellektuellen, die überall und immer schon "organisierte Sprachlosigkeit", "soziale Aphasie" und "postmoderne Beliebigkeit" am Werke sehen. Die traditionelle Medienkritik, die noch von der klassisch bürgerlichen (Selbst-)Aufklärung im Sinne von Kant träumt, hat sich auf ähnliche Weise am unfassbaren Gegenstand totgelaufen wie die gute alte "Dialektik der Aufklärung" von Horkheimer und Adorno, die noch den unschuldigen Jazz mit dem tödlichen Bann der Kulturindustrie-Kritik belegten.

    So folgenlos die These von der "universellen Verdummung" in der Praxis ist, so fragwürdig ist sie auch in der Theorie: Denn woher käme wohl die messerscharfe Intelligenz all der fernsehsüchtigen Fernsehkritiker und Medienexperten, wenn die Glotze allein das Werkzeug des Blöden und des Bösen wäre?

    Und selbstverständlich: Mit der Vervielfachung der überwiegend kommerziellen Fernsehprogramme hat sich auch eine neue, prinzipiell libertäre Haltung zum Fernsehen entwickelt. Erlaubt ist, was gefällt; jeder kann - und niemand muss - dem zusehen, was die Grenzen von Verstand, Stil und Geschmack überschreitet.
    Teil 2:
    Verblödung ist Programm im deutschen Fernsehen. Die Kritik reagiert pragmatisch, die Zuschauer schalten ein und ab. TV-Macher betrachten die Entwicklung mit Kalkül und Zynismus, dabei ist der kulturelle Flurschaden enorm.

    Hans Magnus Enzensbergers zynisch überspitzte These vom "Nullmedium Fernsehen", bereits Ende der achtziger Jahre formuliert, hat sich in der Praxis weithin bestätigt. Das Zapping, das ruhelose Herumsuchen im großen televisionären Weltraum, ist zur zweiten Natur des modernen Menschen geworden. Das Nullmedium ist tatsächlich jene "buddhistische Maschine", die alles und nichts produziert, eine "technische Annäherung an das Nirwana": Ein einziges großes Rauschen.

    Daran ändern auch einzelne gelungene oder gar herausragende Sendungen nichts, Features, zeitgeschichtliche Dokumentationen und Fernsehfilme (etwa von Heinrich Breloer oder Oliver Storz), ein spannender "Tatort", gut gemachte Serien wie "Berlin, Berlin" oder segensreiche Wiederholungen von "Loriot", die auch nach zwanzig Jahren frischer wirken als die meisten aktuellen "Comedy"-Stümpereien samt ihren dilettantischen Witzkomparsen.

    "Eigentlich machen wir in allen Sendern Privatfernsehen", sagt Cornelia Schwab, Producerin von "Familie Dr. Kleist", einer derzeit sehr erfolgreichen ARD-Serie, die zur besten Sendezeit läuft. Der Unterschied bei der inzwischen fast überall "industriellen TV-Produktion" bestehe nur noch im Ausmaß der "handwerklichen Qualität", die freilich ihren Preis hat - und in jener "Ehrlichkeit", mit der man auf die legitimen Unterhaltungsinteressen der Zuschauer eingehe, ohne bloß zynisch mit ihnen zu spielen.

    Eine "Sklerotisierung des Programms" beobachtet der Kölner Medienexperte Professor Dietrich Leder. Gerade die Vielfalt und Unübersichtlichkeit des Fernsehmarkts habe zu jener "Formatierung" und Standardisierung der Programme geführt, in denen nun kaum mehr Platz sei für Wagnis und Experiment - nicht einmal in den "Dritten" der ARD, einst eine Art TV-Labor, in dem auch Harald Schmidt das Laufen lernte. Nahezu alles gehorche der Logik von "Megathema und Prominenz": "Eine fatale Strategie gerade von ARD und ZDF". Schieres Opportunitätsdenken verdränge eine "qualitative Diskussion". Das "Unformatierte, Überraschende, Poröse, Offene" gerate so ins Hintertreffen.

    Intellektuelles Bekenntnis zum Trash

    Unterdessen ist es auch in Intellektuellenkreisen schick geworden, sich zum kruden TV-Konsum zu bekennen. Je prolliger, desto besser, je mehr Trash, desto cooler: In der RTL-Sendung "Fear Factor" müssen die Kandidaten gekochte Schafsaugen essen und Hähnchenschenkel aus einem mit Insekten gefüllten Becken herausfischen - natürlich mit dem Mund. Die Sendung "Star Search 2" hat vor allem durch "Lippen-Gate" Schlagzeilen gemacht - den offen ausgetragenen Streit darum, ob die TV-Jurorin Alexandra Kamp ihre Lippen aufspritzen (und auch andere Körperteile chirurgisch nachbessern) ließ oder nicht.

    Bei "Big Brother 2" waren die Fernsehzuschauer kürzlich Zeuge, wie ein Container-Insasse auch beim siebten oder achten Versuch das Wort "Kieferorthopäde" nicht richtig aussprechen konnte. Der junge Mann hatte das Wort noch nie in seinem Leben gelesen. So geht die Generation Pisa ihren Weg.

    Vor Jahren schon staunte der Autor Michael Rutschky über die "kulturell siegreiche Arbeiterklasse", die per Fernbedienung die Herrschaft über das Massenmedium erobert habe, und "Zeit"-Redakteur Jörg Lau stellte ironisch übertreibend und zugleich fast bewundernd fest: "Der entfesselte Pöbel (alle außer uns) dreht hier ohne leiseste Zeichen von Scham die Glücksräder, plaudert von seinen erstaunlichen 5exuellen Gepflogenheiten, lässt sich unter mildem Zotengeplapper verkuppeln oder feiert vor Millionen... tränenreich Versöhnung."

    Jüngst ging "Tagesspiegel"-Autor Harald Martenstein noch einen Schritt weiter. Anlässlich der Debatte um das RTL-Spektakel "Ich bin ein Star - holt mich hier raus" - meinte er im vollen Ernst: "Wir haben in Deutschland keine ernsten Probleme mit dem Programmniveau. Wir haben eher ein Problem mit der Kompetenz der Medienkritik." Was die vermeintlich niederen Instinkte des Publikums betreffe, so zeige sich im historischen Kulturvergleich eindeutig: "Wir sind nicht brutaler, sondern zivilisierter als früher."

    Fest steht: Weil sich die immer gleiche intellektuelle und moralische Kritik an all den Shows die Zähne ausbeißt, wechseln nicht wenige Kritiker die Grundstellung. Nun wird lieber streng ironisch mitgefiebert als schlecht gelaunt protokolliert, wer wohl als Nächstes bei "Big Brother V" rausgewählt wird. Nicht wenige mögen dabei an das wegweisende Wort von Marcel Reich-Ranicki denken, im Zweifel mache das Fernsehen die Klugen klüger und die Dummen dümmer. Ein schöner Trost für die Klugen.

    Harald Schmidt und seine glorifizierte Late-Night-Show lieferten schließlich die Probe aufs Exempel: Hier machte einer Fernsehen, indem er mit dem Fernsehen spielte: Selbstreferentiell, unterhaltsam, intelligent, ironisch. Am Ende war er so unangreifbar wie das Medium und hob sich selber auf.

    Vielleicht war es zugleich eine symbolische Zäsur. Nein, die Ironie ist weiß Gott nicht abgeschafft, aber womöglich dürfen wieder einmal ein paar ernste Fragen gestellt werden. Denn Ironie und Dauerspaß zehren immer auch von einer Substanz, die sie selbst nicht geschaffen haben, auf die sie sich aber zumindest implizit berufen. Wenn keiner mehr weiß, was eigentlich ein Kieferorthopäde ist, kann man auch keinen guten Zahnarzt-Witz mehr erzählen. Gerade weil das Fernsehen längst mehr als ein Medium unter anderen ist, sondern das Medium schlechthin, Schule der Nation und Monopolist der Sinnstiftung in einem, ist es möglicherweise doch nicht völlig gleichgültig, was in Zukunft über die Bildschirme flackert.

    Aus für den erzieherischen Konsens

    Christoph Stölzl, ein gebildeter Hedonist, ehemals Direktor des Deutschen Historischen Museums und später Kultursenator in Berlin, warf jüngst den öffentlich-rechtlichen Sendern vor, "stillschweigend einen erzieherischen Konsens" aufgekündigt zu haben. Auf einer Medientagung in der Evangelischen Akademie Tutzing kritisierte er die Abschiebung von Kultursendungen auf randständige Termine und in Spartenkanäle für Minderheiten als "Pyrrhus-Sieg der Quotenfixierung".

    Ihm geht es, man glaubt es kaum, um die "Idee der demokratischen Nation als einer Lerngemeinschaft", in der "alle alles Bedeutende gleichermaßen" betrifft, wenigstens im Prinzip. Es sei der "unschätzbare Vorteil der alten Mischprogramme" gewesen, dass die "Nachbarschaft von Politik, Unterhaltung, Sport und Kultur eine sozial integrierende, die unterschiedlichen Bildungsmilieus versöhnende Wirkung hatte".

    Die Verwechslung von Demokratie und Demoskopie, so Stölzl, schaffe nicht zuletzt jene Bedingungen, auf die sich die berufsmäßigen Quotenritter anschließend berufen könnten. Das Fernsehen zieht sich eben auch selbst sein Publikum heran: "Ohne Kulturpräsenz zur Prime Time, so könnte man überspitzt sagen, auch keine Entwicklung von Talenten, die, mit allen Wassern des Entertainment gewaschen, dennoch die ernsten, großen Themen an den Mann und an die Frau bringen."

    Es käme ja heute auch niemand auf die Idee, etwa die Schulpflicht, die einst unter Zwang eingeführt wurde, in Frage zu stellen, nur weil sie nicht dem freien Spiel von Lust und Laune entspricht. Man ahnt schon das genervte Stirnrunzeln der Fernsehgewaltigen (in Tutzing sah man es), wenn sie derart antiquiert romantische, ja naiv-optimistische Vorstellungen hören - "Aufklärung mit sinnlichen Mitteln", das Fernsehen mit "Kulturquote", gar die "Selbstbindung an ein sittliches Programm, das den Menschen in seinem Möglichkeitssinn" ernst nimmt, kurz: Fernsehen als ein anderes Wort für "in die Ferne sehen". Ach Du lieber Gott.

    Quatsch mit Soße, hört man sie schon murmeln. Sekunden später aber sagen sie laut: Das machen wir doch alles! Und dann zählen sie ihre schönen, bildendenden und kulturvollen Sendungen auf und beschwören die laufende "Informationsoffensive". Dass etwa "aspekte" und "Kulturweltspiegel", die kulturellen Flaggschiffe der Sender, seit Jahren immer weiter ins beginnende Nachtprogramm geschoben werden, spielt da keine Rolle; offenbar auch nicht, dass die Rosamunde-Pilcher-Soße immer häufiger auch über einst ansehbare Fernsehfilme gegossen wird und die Eigenwerbung für selbst produzierte "Events" überhand nimmt.

    Bildung und Wissen als Spartenprogramm für die Elite

    Stölzls Grundsatz-Kritik trifft die ganze Gesellschaft im fortgeschrittenen Medienzeitalter. Plötzlich erscheint das alte kulturkritische Ressentiment gegenüber dem Fernsehen in neuem Licht: Die Kritik an Geschmacklosigkeit und schleichender Verblödung ist hier im Kern nicht mehr moralisch, sondern pragmatisch, nicht vorrangig ästhetisch, sondern ganz rational: Wenn tatsächlich immer mehr "Dumme" auf diese Weise nur noch dümmer werden sollten und die wenigen Klugen, falls sie noch zuschauen, jedenfalls nicht mehr klüger würden, dann wäre der Bildungssaldo negativ, und die ganze Gesellschaft trüge den Schaden davon - politisch, ökonomisch, kulturell.

    Genau danach sieht es derzeit aus. Ausgerechnet die "Bild"-Zeitung, der man einen Mangel an Gespür für Themen jedenfalls nicht vorwerfen kann, lancierte Ende April die Serie "Berlin - wie dumm sind wir?", in der groteske Beispiele alltäglicher Unwissenheit präsentiert wurden. Dreißig Prozent der Zuschauer von "Tagesschau" und "heute", so eine aktuelle Umfrage, verstehen schon die normalen Nachrichten nicht mehr oder vergessen sie umgehend, und die Klagen über schreibunkundige Lehrstellenbewerber sind leider keine Erfindungen bösartiger Unternehmer.

    So droht die entscheidende Ressource einer modernen Gesellschaft - Bildung, Wissen, Kreativität - selbst zum Spartenprogramm für eine kleine Elite zu werden. Der Zynismus der abgebrühten Fernsehmacher, ihre Spekulation auf vermeintliche Massenbedürfnisse könnte eines Tages zum Bumerang werden: Eine Gesellschaft, die sich selber dumm macht, verliert die Fähigkeit, sich kritisch, also realistisch wahrzunehmen und, wo notwendig, zu verändern.

    Vielleicht können am Ende all die arbeitslosen Analphabeten eines Tages nicht einmal mehr ihre Programmzeitschrift studieren, um ihren Lieblings-Gruselschocker zu finden. Von Stellenanzeigen ganz zu schweigen. Irgendwann werden dann am Samstagabend nur noch diejenigen vor dem Fernsehapparat sitzen, die im wirklichen Leben draußen sowieso keine Chance mehr haben.

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