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1983 - die Welt am Abgrund

Erstellt von Lutz, 28.04.2012, 11:34 Uhr · 21 Antworten · 4.060 Aufrufe

  1. #11
    Benutzerbild von Lutz

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    AW: 1983 - die Welt am Abgrund

    Tja und noch der passende Clip zum Thread...



    ...gut einen Monat nach diesem Auftritt, am 26. September 1983, wäre dieses besungene Szenario um ein Haar Realität (s.o.) geworden (das Stück was Dieter Thomas Heck nicht in seiner Sendung haben wollte, btw)

    (und hier der Rest vom Song)

    -snip-

    Stanislaw Jewgrafowitsch Petrow (russisch Станислав Евграфович Петров, wiss. Transliteration Stanislav Evgrafovič Petrov; * 1939) ist ein Oberstleutnant a. D. der Sowjetarmee. Am 26. September 1983 stufte er als leitender Offizier in der Kommandozentrale der sowjetischen Satellitenüberwachung einen vom System gemeldeten Angriff der USA mit nuklearen Interkontinentalraketen auf die UdSSR als Falschalarm ein. Damit verhinderte er womöglich das Auslösen eines Atomkriegs, des befürchteten Dritten Weltkriegs.

    -snap-

    Stanislaw Jewgrafowitsch Petrow

  2.  
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  3. #12
    Benutzerbild von PostMortem

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    AW: 1983 - die Welt am Abgrund

    Zitat Zitat von Lutz Beitrag anzeigen
    Tja und noch der passende Clip zum Thread...



    ...gut einen Monat nach diesem Auftritt, am 26. September 1983, wäre dieses besungene Szenario um ein Haar Realität (s.o.) geworden (das Stück was Dieter Thomas Heck nicht in seiner Sendung haben wollte, btw)

    (und hier der Rest vom Song)
    Es ist ein spannendes Thema sich vorzustellen was alles hätte passieren *können*. Und irgendwie möchte man vielleicht auch seine Dankbarkeit bei jemandem loswerden, dass das alles nicht passiert ist. Aber wird die Geschichte heute nicht trotzdem etwas zu negativ bewertet? Es steht fast nur im Fokus, was hätte passieren können, wenn... Das schlicht nichts passierte, ist natürlich weniger spannend. Dabei zeigt die Sache doch vor allem eins: Sooooo hirnverbrannt waren die Menschen doch nicht. So unvernünftig viele Atomwaffen die Großmächte des Kalten Krieges auch angehäuft hatten, der Mensch und der Menschenverstand haben genau im richtigen Moment gut funktioniert. Stanislaw Petrow gab seine nüchterne Einschätzung des "Bling Blings" auf dem Schirm weiter, die höheren Verantwortlichen folgten dem und es geschah nichts, überhaupt nichts. Kein Zweifel: Es ist gut so wie es gelaufen ist. Aber ob ein anderer die Welt zwingend in die Apokalypse geschickt hätte oder ob die Kommando-Struktur und Sicherheitsmechanismen nicht einfach mit jedem genau so funktioniert hätten wie kluge Köpfe sich das gedacht hatten? Ich unterstelle den Medien-Machern hier einfach eine gewisse Legendenbildung, weil sich das besser verkauft und es sonst keine Story geben würde.....

  4. #13
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    AW: 1983 - die Welt am Abgrund

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Kein Zweifel: Es ist gut so wie es gelaufen ist. Aber ob ein anderer die Welt zwingend in die Apokalypse geschickt hätte oder ob die Kommando-Struktur und Sicherheitsmechanismen nicht einfach mit jedem genau so funktioniert hätten wie kluge Köpfe sich das gedacht hatten? Ich unterstelle den Medien-Machern hier einfach eine gewisse Legendenbildung, weil sich das besser verkauft und es sonst keine Story geben würde.....
    Ich fürchte es war wirklich so knapp. Was passiert wenn jemand in einem UDSSR Kontrollraum das Sagen hat der nicht so besonnen ist, bzw. wie viel ein einziger Mann verbocken kann, hab ich gerade in dieser Doku gesehen (weitere Teile auf YouTube)..



    Unglaublich auch wie hemdsärmlich und desinformierend vorgegangen wurde. Z.B. erzählte man Gorbatschow (!) nach dem Super-Gau:"Alles ist unter Kontrolle - es besteht kein Grund zur Sorge - der Reaktor könnte sogar gefahrlos auf dem Roten Platz stehen" (keine nachträgliche Urban Legend, die Geschichte kommt in der Doku direkt aus dem Mund von Gorbatschow). Die russische Führung wurde dann aus Schweden (!) von besorgten Wissenschaftlern kontaktiert, die zunächst annahmen die stark erhöhte Radioaktivität würde aus einem Kernkraftwerk in ihrem Land stammen.

    Zurück zu Petrow - er hat ja den Befehl verweigert (!) - und wurde dafür später betraft - der Befehl lautete ganz klar Gegenschlag, wenn das Alarmsystem anschlägt (keine Urban Legend - kommt aus dem Mund von Petrow - und der bescheidene Mann hat IMO kein Grund Bullshit zu erzählen (was ja auch seine Kollegen später bestätigt haben)). Dieses System machte ja nur Sinn, wenn der Gegenschlag möglichst schnell ausgeführt wurde...

  5. #14
    Benutzerbild von PostMortem

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    AW: 1983 - die Welt am Abgrund

    Zitat Zitat von Lutz Beitrag anzeigen
    Ich fürchte es war wirklich so knapp. Was passiert wenn jemand in einem UDSSR Kontrollraum das Sagen hat der nicht so besonnen ist, bzw. wie viel ein einziger Mann verbocken kann, hab ich gerade in dieser Doku gesehen (weitere Teile auf YouTube)..
    Das ist ein prima Beispiel dafür, warum ich solche "Dokus" nicht mehr für eine Dokumentation der tatsächlichen Geschehnisse halte: Die gesamte Aufmachung dieser Machwerke ist schon vom Grundkonzept her darauf ausgerichtet wie ein US-Katastrophen-Thriller zu unterhalten und möglichst viel Grusel, Schock, Beklemmung, Anspannung und Betroffenheit beim Zuschauer auszulösen.

    Der Vergleich zu Tschernobyl kam mir gestern aber auch in den Sinn. Ich habe ihn dann aber verworfen, weil eine völlig andere Situation vorlag. Dort hatte jemand unter Missachtung mehrerer Sicherheitsvorschriften (und nach unzulässiger Deaktivierung von Sicherheits-Mechanismen) bei der Simulation eines Stromausfalls einen fatalen Fehler gemacht. Der Druck und Stress in der Mannschaft das selbstverschuldete Geschehen zu vertuschen war hoch und behinderte jede objektive, rationale und angemessene Reaktion. Bei Petrow lag der Fall 1983 anders. Er hatte sicherlich auch eine enorme Stress-Situation, aber keine Schuld am Geschehen, nichts zu vertuschen und musste so "nur" die fremdgesteuerte Situation bewerten und so reagieren wie er es für angemessen hielt.

    Zitat Zitat von Lutz Beitrag anzeigen
    Zurück zu Petrow - er hat ja den Befehl verweigert (!) - und wurde dafür später betraft - der Befehl lautete ganz klar Gegenschlag, wenn das Alarmsystem anschlägt (keine Urban Legend - kommt aus dem Mund von Petrow - und der bescheidene Mann hat IMO kein Grund Bullshit zu erzählen (was ja auch seine Kollegen später bestätigt haben)). Dieses System machte ja nur Sinn, wenn der Gegenschlag möglichst schnell ausgeführt wurde...
    Und eben diese Darstellung der Geschehnisse scheint allein der Phantasie vnon Knopp & Co zu entspringen. Ich glaube solchen Machwerken ungeprüft kein Wort mehr. In Textform liest sich das abseits der Legendenbildung nämlich so:

    Quelle: Stanislaw Petrow und das Geheimnis des roten Knopfs | Telepolis

    Petrow bedauert, dass es in der westlichen Presse einige Ungenauigkeiten und Lügen gab, weil Journalisten nun mal immer "ihre sensationelle Story" bräuchten. So wurde er als der Mann beschrieben, der die Welt gerettet habe, dabei habe er einfach nur seinen Job gemacht. Solche relativierenden Worte wurden häufig aus Interviews herausgeschnitten, was ihn sehr zu seiner Verärgerung in Misskredit bei manchen Kollegen brachte.
    [...]
    Es gibt keine Vorschrift, wie schnell ich mich entscheiden muss. Aber je länger ich überlege, desto weniger Zeit bleibt den höheren Instanzen zu reagieren. Ich bin der erste, der mit dieser Information umgehen muss. Ich habe nicht das Recht, den politischen Entscheidungsträgern auch nur eine Sekunde Überlegungszeit zu stehlen."
    [...]
    Alle meine Kollegen haben im Nachhinein gesagt, sie hätten in meiner Situation auch genauso gehandelt.
    [...]
    Außerdem wurde praktisch überall fälschlich behauptet, Petrow sei aus der Armee entlassen worden. In diese Richtung geht lediglich, dass eine ursprünglich für sein besonnenes Handeln geplante Ordensverleihung ausblieb, denn als sich der Grund für die Anfälligkeit des Systems herausgestellt hatte, zogen Vorgesetzte die Geheimhaltung vor, um ihr eigenes Gesicht zu wahren. Jedoch erhielt er später einen Orden für andere Verdienste um den Aufbau der Anlage und wurde schließlich sogar befördert.
    Es lohnt sich die nüchternen Schilderungen von Petrow mal zu lesen. Es macht nicht den Eindruck, als hätte ein denkender, sehender Mensch nach Abwägung aller vorliegenden Fakten und gewonnen Eindrücke allein anhand der Computer-Anzeigen den Start eines Gegen-Angriffs befohlen. Die Indizien-Kette die ein Mensch sehen und bewerten kann, sprach zum damaligen Zeitpunkt aber dagegen. Auch die Folgen seines Handelns wurden offenbar völlig falsch wiedergegeben. Keine Repressalien, keine Befehlsverweigerung, keine Strafe - im Gegenteil.

    Und so:

    Nach wie vor lehnt es Petrow ab, als Held bezeichnet zu werden. Jeder seiner Kollegen hätte genauso gehandelt. Vor der Bestätigung durch die Radarüberwachung wäre vermutlich kaum ein "Gegenschlag" erfolgt
    Diese Radarbestätigung wäre 100%ig ausgeblieben, also auch jede Situation die die Welt in den Abgrund gestürzt hätte.

    Aber damit nüchtern 1:1 Petrow so wiederzugegeben, macht ZDF History / Guido Knopp natürlich keine Quote

    Wenn man "Hätte, Wenn und Aber" allerdings doch noch durchspielen will und es gruseln lassen möchte, dann bietet auch der o. g. Artikel noch wenigstens einen schauerigen, brisanten Ansatzpunkt am Schluss

    Stanislaw Petrow und das Geheimnis des roten Knopfs | Telepolis

  6. #15
    Benutzerbild von Lutz

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    AW: 1983 - die Welt am Abgrund

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Und eben diese Darstellung der Geschehnisse scheint allein der Phantasie vnon Knopp & Co zu entspringen. Ich glaube solchen Machwerken ungeprüft kein Wort mehr. In Textform liest sich das abseits der Legendenbildung nämlich so (...)
    Er hats aber in einer Doku IMO vor der Kamera so erzählt - hab gerade nicht die Zeit das zu suchen. Und das mit "keine Betrafung" hatte ich auch mal gelesen - wurde in einer anderen Quelle direkt vor der Kamera von ihm wiederum relativiert. Ich meine beides war in einer BBC-Produktion zu sehen (ungleich Knopp - die machen bekanntlich nicht die schlechtesten Dokus) - ist glaube ist der 2. (Dead) Link in Posting #1 (leider aus YouTube rausgeflogen).

  7. #16
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    AW: 1983 - die Welt am Abgrund

    Zitat Zitat von Babooshka Beitrag anzeigen
    In dem Zusammenhang möchte ich euch mal fragen: Hattet ihr damals Angst vorm 3. Weltkrieg?
    Nein. Das lag u. a. aber auch daran, dass ich in den frühen 80ern, als sich der Raketenstreit zwischen NATO und Ostblock phasenweise bedenklich zuspitzte, noch im Grundschulalter war und anstelle der Tagesschau lieber "Ein Colt für alle Fälle" oder "Captain Future" geguckt habe. Da meine Eltern und meine Lehrer auch nicht in der Friedensbewegung waren und wir auch keine Verwandten in der DDR oder Westberlin hatten, hab ich von dem ganzen Thema nichts mitbekommen. Ich erinnere mich zwar, einige jener deutschsprachigen Songs gehört zu haben, die sich auf das Wettrüsten bezogen, hab aber über die entsprechenden Textstellen damals nicht weiter nachgedacht.

    Den Ost-West-Konflikt hab ich erst 1984/85 wahrgenommen, aber eher als Thema aus dem Erdkundeunterricht und als Hintergrundthema für Agententhriller, nicht als reale Bedrohung. Das lag wohl auch daran, dass sich die akute Kriegsangst 1984/85 wieder gelegt hatte. Der Streit auf Regierungsebene, wer wo wieviele Raketen stationieren durfte, schwelte zwar durchaus weiter (*), aber der 1983 befürchte große Knall war ausgeblieben, also rückte das Wettrüsten für den durchschnittlich interessierten Bürger wieder in den Hintergrund.

    - - -

    (*) Auch die ersten Treffen von Gorbatschow und Reagan hatten noch keine Annäherung gebracht. Erst als die Sowjetunion 1987 sowohl im Raketenstreit als auch in der Afganistan-Frage nachgab (aufgrund interner, wirtschaftlicher Schwierigkeiten, zum Teil aber wohl auch, weil Gorbatschow ein naiver und für Schmeicheleien empfänglicher Verhandlungsführer gewesen sein soll) entspannte sich die Situation.

  8. #17
    Benutzerbild von karpfen72

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    AW: 1983 - die Welt am Abgrund

    Ich stimme Postmortem zu, was die Glaubhaftigkeit von so manchen Dokus anbelangt.
    Auch die hier gezeigte Tschernobyl Doku enthält grundhafte Fehler und verschweigt grundhafte Details.
    Ich will nicht zuviel ausschweifen,
    in Tschernobyl wurden vor dem Test neuartige Pumpen oder Relais zu Testzwecken verbaut.
    Alle anderen AKW Direktoren der UdSSR verweigerten den Einbau dieser neuen Komponenten.
    Das Energieministerium verbot die Durchführung Test am Tage.
    Daraufhin wurde der Test von der "unerfahrenen" Nachtmannschaft durchgeführt.
    Das Verbot des Test erreichte die AKW-Bedienmannschaft zu spät und man fuhr den Reaktor
    zu früh herunter. In diesem Zeitraum bis zum Beginn erhöhte sich durch diesen Umstand die Konzentration des Xenon sehr stark.
    Die folge ist, das bestimmte nukleare Prozesse schneller und unkontrollierter vonstatten gehen ("Xenon-Vergiftung").
    Im Regelbetrieb sicher kein Problem - Aber in einem Testfall, der kurze Reaktionszeiten erfordert,
    hat dieser Umstand dazu geführt, dass der Reaktor noch schneller als "gedacht" ausser Kontrolle geriet.

    Im Vorfeld und während des Tests wurden mehrere Sicherheitsmechanismen überbrückt.
    Nachweislich auch diese, die den Reaktor in einer frühen Phase des Experimentes noch gerettet hätten.

  9. #18
    Benutzerbild von Lutz

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    AW: 1983 - die Welt am Abgrund

    @karpfen72

    Mich stört auch wenn Dokus/Artikel Dinge weglassen bzw nicht korrekt darstellen - merkt man natürlich besonders wenn es um einen Bereich geht in dem man sich gut auskennt (ich konnte mal über einen Artikel im Spiegel über den Rennfahrer Nigel Mansell (also nix Wichtiges) nur mit dem Kopf schütteln (war entweder extrem schlecht recherchiert oder bewusst verdreht))


    Zitat Zitat von karpfen72 Beitrag anzeigen
    Im Vorfeld und während des Tests wurden mehrere Sicherheitsmechanismen überbrückt.
    Nachweislich auch diese, die den Reaktor in einer frühen Phase des Experimentes noch gerettet hätten.
    Mal salopp gesagt - das Ding ist hochgegangen - was da alles im Konjunktiv hätte besser gemacht werden können änderte nix daran... "Der Fehler sitzt vor dem Computer" ist ein (sehr oft) treffender Spruch beim Debugging - was gleichzeitig auch ein Hauptkritikpunkt der Gegner der Kernenergie war/ist. Diese Problematik galt auch für die Overkill Strategie im Kalten Krieg.... Im Fall von Petrow saß da zum Glück mal *nicht* der Fehler *vor* dem Computer - im Gegenteil...

  10. #19
    Benutzerbild von karpfen72

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    AW: 1983 - die Welt am Abgrund

    Und dann auch noch der Spiegel...tssstsss..damals gab es nur diese wenigen Informationsquellen,
    von denen auch einige gesteuert waren. Sich ein objektives Bild über ein Thema verschaffen,
    das war schwierig...somit bin ich der heutigen Zeit in dem Netz irgendwie schon dankbar...

    "Der Fehler sitzt vor dem Computer"...das sagt mein Supporter auch immer...und gewinnt so in vielen Diskussionen die "Oberhand"...wollte ja nur sagen dass der Karren wirklich bewusst und vorsätzlich an die Wand gefahren wurde...
    anders kann man sich vieles was im offiz. Untersuchungsbericht steht, gar nicht erklären.

    Nun zu 1983. Ich war ja erst 11...aber alles hat sich gegen Jahresende zugespitzt, das hat man als kleiner Junge dann doch mitbekommen. Ein Jahr vorher war ja das erst mit den Falklands, dann Stationierung der PershingII, die vielen Friedensdemos im Herbst. Dann der Abschuss des Jumbos über Sachalin. Im Westen kam das Bild rüber, dass die Russen zu allem fähig sind. Dazu diese finsteren Gestalten, Brehnew, Tschernjenko, Andropow.

    Spürbar ruhiger wurde es ab 1984/1985 wie mein Vorredner schon sagte. Dann kam Gorbatschow und man hatte das Gefühl ein anderer Geist zieht im Kreml ein. Tschernobyl lenkte dann 1986 auch noch von dem Thema etwas ab und ab dem 1. Gipfel in Rejkjavik 1987 (hoffe ich hab das richtig geschrieben) hatte man das Gefühl es geht wieder langsam etwas vorwärts in der Friedenspolitik.
    Und richtig erleichtert war ich dann 3 Jahre später nach der Operation "Lindwurm" - das das Teufelszeug endlich ausser Landes ist. Sicher die Sprengköpfe sind um ein vielfaches schlimmer. Doch der Lindwurm war die richtige Maßnahme zur richtigen Zeit.

  11. #20
    Benutzerbild von PostMortem

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    AW: 1983 - die Welt am Abgrund

    Zitat Zitat von Lutz Beitrag anzeigen
    Mal salopp gesagt - das Ding ist hochgegangen - was da alles im Konjunktiv hätte besser gemacht werden können änderte nix daran... "Der Fehler sitzt vor dem Computer" ist ein (sehr oft) treffender Spruch beim Debugging - was gleichzeitig auch ein Hauptkritikpunkt der Gegner der Kernenergie war/ist.
    Letztendlich weist das was in Tschernobyl geschah nur nach, dass Menschen alles kaputt bekommen, wenn sie sich über Regeln und Sicherheitsvorgaben hinwegsetzen und hinwegsetzen können. Hätten sie das an diesem Tag gelassen, wäre die Technik nicht von allein hochgegangen. Die Proteste gegen die Kernenergie zielen aber regelmäßig darauf ab, dass die Technik selbst nicht beherrschbar wäre. Dafür wird auch jeder brennende Traforaum auf dem Gelände eines AKW ausgeschlachtet und als riesiger Störfall dargestellt. Dabei passiert sowas in jedem Kraftwerk und bedeutet keine Gefahr für den Reaktor (es brennt ja kein Strohlager und die Feuerwehr ist auch nicht weit weg). Bei anderen Technologien (Flugverkehr, Chemie-Werke etc.) ist jedem klar, dass es immer besser funktioniert umso mehr Sicherheitstechnik man einbaut. Bei der Kernenergie wird das nicht gelten gelassen. Warum? Bhopal lässt Fukushima hinsichtlich der Opferzahlen doch recht alt aussehen. Kernenergie ist also nicht per se gefährlicher als alles andere. Da ist eine gewaltige ideologische Komponente im Spiel und viele Aktivisten können nichtmal wirklich erklären wogegen sie da eigentlich sind. Sie sind Mitläufer, missionieren wie Christen für einen Glauben und sind aufs fundierte argumentieren gar nicht vorbereitet.

    Man lehnt aus ideologischen Gründen sogar die Forschung an der kalten Fusion ab. Gleichzeitig fördert man aus ideologischen Gründen die Windenergie. Um den Irrsinn dann auf die Spitze zu treiben, demonstrieren die selben Leute gegen Atom-Endlager (die nötig sind um wirklich aus der Kernenergie aussteigen zu können und die AKW rückzubauen) und kehren gleichzeitig die atomaren Hinterlassenschaften der Windenergie(!) unter den Teppich. Das in heutigen getriebelosen Windkraft-Anlagen verbaute Neodym sorgt für riesige überirdische Thorium-(=Atom)-Lager in China. Das Zeug liegt da einfach auf Halde. Das findet nicht im Konjunktiv statt, sondern ganz real und die Leute die den Strom aus diesen Anlagen beziehen, fühlen sich sogar als bessere, nachhaltiger lebende Menschen.... Keine Demo, kein Stromversorger-Wechsel, nix. Die Sauerei liegt ja weit weg in China rum... Also ich bin immer weniger davon überzeugt, dass dieser übers Knie gebrochene deutsche Atomausstieg vernünftig war. Nicht nur, weil er uns mit den höchsten Strompreis in Europa gebracht hat.

    Ich beziehe selbst mittlerweile 100% Strom aus regenerativen Energien. Aber das ist kein ideologisches Ding. Ich bin grundsätzlich schlicht für Spitzentechnologie. Ob das hocheffiziente Kohlekraftwerke, CO-2-Abscheidung oder regenerative Energie ist, ist mir egal. Grundsätzlich fühle ich heute eine ziemlich schlimme Technologiefeindlichkeit, obwohl wir alle den ganzen Tag von Technologie abhängen. Noch in den 1980ern war ständig der Riesenhuber mit seiner Fliege im TV und präsentierte den neuesten Satelliten, den Transrapid etc. Heutige hochinteressante Projekte finden fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Man braucht heute schon ein Abo von Bild der Wissenschaft, um noch etwas davon mitzubekommen. Die eine Hälfte der Menschen interessiert es nicht, die andere brüllt immer nur Steuerverschwendung, weil bei Grundlagenvorschung eben meistens nichts ausser der Grundlage herauskommt. Auch so eine Sache, die ich in den 1980ern viel besser fand als heute.

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