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Architektur der 60er/70er-Jahre unter Denkmalschutz stellen?

Erstellt von Die Luftgitarre, 17.05.2013, 23:27 Uhr · 23 Antworten · 10.558 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    Architektur der 60er/70er-Jahre unter Denkmalschutz stellen?

    Die 80er Jahre hatten zwar ihre eigenen Musik- und Modestile, aber sie fanden hierzulande meistens in oder nahe Gebäuden aus den 60er oder 70er Jahren statt, denn dies war die weitaus intensivste Bauperiode in der Geschichte der Bundesrepublik. In dem Gefühl, dass es wirtschaftlich für alle immer weiter bergauf geht und dass es an der Zeit sei, "das moderne Deutschland zu bauen" (SPD-Plakat mit Autobahnkreuz im Sonnenaufgang!), waren v. a. zwischen 1965 und 1975 so viele Wohnhochhäuser, aber auch Einkaufszentren, Bahnhöfe, Schulen, Schwimmbäder, Behördengebäude und Jugendzentren aus dem Boden gestampft worden, dass in den 80ern jeder, der nicht gerade in einem Kuhdorf, einem innerstädtischen Altbauviertel oder in einem exklusiven Villenvorort wohnte, im Alltag mal mehr mal weniger von dieser Architektur umgeben war.

    Typische Elemente:
    - grauer Beton, sich abwechseld mit Kieselsteinplatten oder geometrisch-abstrakten Kachelmosaiken
    - Ensembles aus Hochhäusern, weiten gepflasterten Plätzen und massiv-steinernen Blumenkübeln
    - geometrisch-verschachtelte Anordnung von Flachdachgebäuden, dabei großzügig in die Fläche gehend
    - an Überdachungen sichtbare Metallstützpfeiler (anstatt steinerer Säulen)
    - wenn schon Farbe, dann am ehesten Braun oder Orange

    Zeitgeist und Geschmack änderten sich jedoch. Die meisten dieser Gebäude galten bereits in den 80ern weithin als Bausünden und blieben wohl nur deshalb stehen, weil Abriss und Neubau nach so kurzer Zeit wirtschaftlich nicht gegangen wäre (zumal in den Bereichen Infrastruktur und sozialer Wohnungsbau die Zeichen mittlerweile auf Sparen standen). Mittlerweile mehren sich jedoch Fälle, in denen Bausubstanz aus den 60er und 70er Jahren nicht mehr nur ergänzt, begrünt oder aufgehübscht wird, sondern tatsächlich wegkommt. Zuerst verschwinden nur die spröden, grauen Gehwegplatten (und werden ersetzt entweder durch polierten Stein oder durch kleinere, rötliche Pflastersteine, die wieder stärker an traditionelle Bauweisen anknüpfen). Dann werden die Platten- oder Kachelmosaiken an den Hauswänden entfernt (meist zugunsten einfarbiger, dabei i. d. R. hellerer Fassaden). Und vereinzelt passiert es jetzt doch hin und wieder, dass das ganze Gebäude abgerissen wird.

    Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber für mich hat diese 60er/70er-Jahre-Architektur einen ganz eigenen Charme. Zum einen der sentimentale Wert: Mit dieser baulichen Umgebung sind wir mehr oder weniger aufgewachsen und sie kann immer noch mit den Händen angefasst werden kann. Ein Stück Kindheit und Jugend, dass den Wechsel der Moden gleichmütig überdauert hat. Ein gewohnter und dabei seit Jahrzehnten unveränderter Anblick, ganz anders als das eigene, alternde Spiegelbild. Eine Grundkonstante also. Wenn selbst das irgendwann einfach wegkommt ...!

    Zum anderen hat diese Architektur aber auch der historische Aspekt: Diese Architektur ist ja sozusagen Überbleibsel einer vergangenen Zukunft, einer aus der Mode gekommenen Moderne. Das hat irgendwie auch eine morbide Faszination.

    Bin ich der einzige, den das Thema beschäftigt? Oder ist Begeisterung für die Bausünden ein verbreitets 'guilty pleasure'?

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von Lexi

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    AW: Architektur der 60er/70er-Jahre unter Denkmalschutz stellen?

    Zitat Zitat von Die Luftgitarre Beitrag anzeigen
    Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber für mich hat diese 60er/70er-Jahre-Architektur einen ganz eigenen Charme.
    Kommt auf den Einzelfall an. Es sind auch selten scheußliche Gebäude gebaut worden. Aber nicht nur und die Architekten waren damals ja nicht alle blöd. Alles in allem waren die Gebäude noch nicht so gigantisch, was sie mir irgendwie sympathisch macht. Beispielsweise verglichen mit dem Bundeskanzleramt da in Berlin, dass ich aber noch nicht live gesehen habe. Auf den Fotos sieht es aber sehr protzig aus.

    Allerdings hat man in den 60ern wohl mitunter sehr nachlässig gebaut, so dass auch einige Bauruinen entstanden sind.

  4. #3
    Benutzerbild von Heiko2609

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    AW: Architektur der 60er/70er-Jahre unter Denkmalschutz stellen?

    Dieses geradelinige meistens eher schlichte kam mit einer Helligkeit und in der Regel mit größeren Fensterflächen einher.
    Das wurde in den 50er/60er und 70er Jahren jedenfalls als modern und freundlicher empfunden als die Altstadtmietshäusern mit ihren Hinterhöfen.
    Das Helle und Moderne strahlten diese Gebäude sowohl in mitten der Stadt als auch am Stadtrand nahe der Felder und Wälder aus. Was ich bei jedem Besuch in Karlsruhe immer wieder feststelle, hier in den kleineren Orten und Städte kommt das nicht so zum Tragen, weil diese Gebäude da Einzelerscheinungen sind.
    Noch in den 70er Jahren standen sie für das oben Beschriebene.
    Schön zu sehen, als ich mir auf Youtube die Serie Münchner Geschichten(Folge: "Ein Ziel im Leben") angesehen habe, aus einer Zeit an die ich keine bewussten oder rudimentäre Erinnerungen habe.
    Dort war es das riesige Neubauviertel Neuperlach und man sieht Oma Häußler(Therese Giehse) dort spazieren und ein munter klimperndes Instrumental a la Modern Jazz Quartett "untermalt" die Szene und fröhliche Kinder spielen auf einem Platz, alles noch weit entfernt von negativen Assoziationen wie Arbeiterschließfächern und Auch-Wohnstätte für sozial Benachteligte. Und von dem grässlichen Begriff Plattenbauten sprach damals sicher auch niemand.
    Der kommt doch eh aus der ehemaligen DDR, oder?
    Im mittelbürgelichen Bereich war der Bungalow mal eine Modearchitektur gewesen während der oben genannten Zeit.

    Oder auch am Beispiel was es für ein Segen für die Bewohner des maroden Karlsruher Altstadt-Bezirks "Dörfle"(abseits des großzügigen und bürgerlich gebauten Fächers) in die neuer Wohnblöcke der Waldstadt, Oberreut oder Mühlburger, Beiertheimer und Rintheimer Feld zu ziehen. In der nördlichen, gutbürgerlichen Weststadt gibt es dagegen ein Nebeneinander von schönen Gründerzeitstadthäuser und vereinzelten Häusern im Bauhausstil, woher diese sachliche Architektur stammt.
    Karlruher Paradebeispiel der Dammertstock angelegt ab den 20er Jahren:
    http://www.karlsruhe.de/b4/stadtteil...rte-dammer.jpg
    http://www.kunstportal-bw.de/bilder/...llung_1929.jpg
    Somit ist das sachliche neue Bauen eine Fortentwicklung von Baustilen die bereits in den 20er und 30er Jahren vorhanden waren.
    Aber auch die verschiedenen anderen Vorkriegsbaustilen.
    Teilweise ging das auch in die Möbelstile hinüber, ich nenne mal die USM Büromöbel, mit denen ich täglich zu tun habe. *g*

    Die 50er und 60er Jahre Bauten können aber ihre Besitzer auch vor dämm- und betriebstechnische Probleme stellen.
    In einem Nachbarort(Sasbach/Ortenaukreis) ist eine katholische Seminarschule(zur Erlangung des Abiturs für Interessenten die dann Theologie oder Soziales studieren wollen), die drei Gebäude besitzt das größere der beiden älteren Gebäude die jetzt über 50 Jahre alt sind, wurde 2009 "stillgelegt".
    Wegen der vergleichsweise hohen Betriebs- und Heizkosten.
    Die Schülerzahlen gingen zurück und der Schulstandort wird übernächstes Jahr ganz geschlossen.
    Das kleine Haus und das jüngere große Gebäude(70er Jahre) werden sicher noch Interessenten finden.
    Aber für das große "alte" Gebäude könnte es schlecht aussehen und das benachbarte Gymnasium mit Internat, hat vielleicht auch nicht so viel Bedarf an zusätzlichem Raum.

    Und in den 80er Jahren wurde das ganze ein bisschen verspielter und auch ein wenig farbiger.
    Eines meiner Lieblingsbeispiele das "Arbeitsamt" in Rastatt, von mir auch spöttisch der Palast der Arbeit gennannt. Alleine schon diese Skulpturen auf dem rückwärtigen Platz(auf dem ersten Foto zu sehen)
    https://mw2.google.com/mw-panoramio/...l/68885019.jpg
    http://mw2.google.com/mw-panoramio/p...l/64732270.jpg

    Leider habe ich auf die Schnelle keine größeren Fotos gefunden.

    Oder man denke an die ganzen 80er Jahre Neubauten der Banken und Versicherungen.

  5. #4
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    AW: Architektur der 60er/70er-Jahre unter Denkmalschutz stellen?

    Zitat Zitat von Heiko2609 Beitrag anzeigen
    Dieses geradelinige meistens eher schlichte kam mit einer Helligkeit und in der Regel mit größeren Fensterflächen einher.
    Das wurde in den 50er/60er und 70er Jahren jedenfalls als modern und freundlicher empfunden als die Altstadtmietshäusern mit ihren Hinterhöfen.
    "Licht und Luft", das war das zentrale Motto aller städtebaulichen Überlegungen seit der Weimarer Republik. Aber erst in den 1960er Jahren waren die bautechnischen und öffentlich-finanziellen Möglichkeiten gegeben, sowas im großen Maßstab zu realisieren. Und erst jetzt gab es die verkehrstechnischen Voraussetzungen (sprich Auto und S-Bahn), um Neubau weit draußen an die Innenstadt anzubinden. Nun galt es für die geburtenstarken und sich der Volljährigkeit und eigenen Familiengründung nähernden Nachkriegsjahrgänge Wohnraum zu schaffen. Aber auch Infrastruktur: Schulen, Universitäten, Stadtbüchereien, Schwimmbäder, Einkaufzentren. Außerdem mussten die für die ganzen Autos breitere Straßen und Parkhäuser geschaffen werden. Also am besten gleich neue Städte bauen. Siehe auch: SPD Wahlwerbespot 1969 - YouTube *g*


    Diese Aspekte von Helligkeit und weitem Gebäudeabstand (breite Straßen, weite Plätze, viele Wiesen) sind für mich bis heute das reizvolle an den damaligen Bauprojekten. Im Augenblick geht der Trend leider in die entgegengesetzte Richtung: Die Bevölkerung in Deutschland schrumpft, aber die Großstädte wachsen. Und weil Trabantenstädte heute out sind, heißt die Konsequenz: "Nachverdichtung" innerhalb des bereits erschlossenen Stadtgebiets. Zumindest in Hamburg kommt seit einigen Jahren überall, wo noch Platz ist, ein neues Wohnhaus hin, die Stadt fühlt sich enger und voller an.

    Schön zu sehen, als ich mir auf Youtube die Serie Münchner Geschichten(Folge: "Ein Ziel im Leben") angesehen habe, aus einer Zeit an die ich keine bewussten oder rudimentäre Erinnerungen habe.
    Dort war es das riesige Neubauviertel Neuperlach und man sieht Oma Häußler(Therese Giehse) dort spazieren und ein munter klimperndes Instrumental a la Modern Jazz Quartett "untermalt" die Szene und fröhliche Kinder spielen auf einem Platz
    So bis 1975/76 wurden die neuen Mietshochhäuser in der Öffenlichkeit ganz überwiegend als begrüßenswerter Fortschaft gesehen. Balkon, Fernheizung, Bad und direkt vor dem Haus eine grüne Wiese und ein Spielplatz - all das war in den älteren, innerstädtischen Mietshäusern ja die Ausnahme gewesen. Und das ganze zu moderaten Preisen.

    alles noch weit entfernt von negativen Assoziationen wie Arbeiterschließfächern und Auch-Wohnstätte für sozial Benachteligte. Und von dem grässlichen Begriff Plattenbauten sprach damals sicher auch niemand.
    Wobei diese Hochhaussiedlungen schon im sozialen Wohnungsbau entstanden. Es war auch ein Großteil der Wohnungen für bestimmte Gruppen reserviert: Ostvertriebene (die bis in die 60er Jahre hinein oft noch in provisorischen Barackensiedlungen wohnten!), in Hamburg auch die in Notunterkümften untergebrachten Betroffenen der Sturmflut von 1962. Und natürlich die Sozialfälle (Obdachlose, Suchtkranke, Haftentlassene).

    Die Ahnung, soziale Brennpunkte zu schaffen, scheint den damaligen Planer nicht gekommen zu sein. Vielmehr dachte man genau andersherum: die Sozialfälle würden in dieser hellen und modernen Umgebung leichter resozialisiert werden als in den muffigen Hinterhofkasernen der Innestädte. Dabei plante man bis Mitte der 70er stets in der Annahme, dass Wirtschaftswachstum und Vollbeschäftigung immer so weiter gehen würden. Als sich dann aber Ende der 70er Jahre in den Hochhaussiedlungen den alten Sozialfällen die neue Arbeitslosigkeit hinzugesellte, kippe es.

    Persönliche Anekdote: 1975, also bald nach meiner Geburt, bemühten sich meine Eltern, um eine Wohnung in der gerade fertiggestellten Hamburger Neubausiedlung "Kirchdorf Süd" (http://static.panoramio.com/photos/original/897785.jpg), weil modern und kostengünstig. Mein Vater kannte jemanden von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft und bat diesen, ob er da nicht was für ihn klarmachen könne. Durch diesen Bekannten erfuhr er dann, aus erster und hinter vorgehaltener Hand, dass dort auch die Unterbringung vieler Haftentlassener vorgesehen war. Meine Eltern ließen also von "Kirchdorf Süd" ab und zogen in ein anderes, weniger schlimmes Neubaugebiet in der Nähe (zwei, drei Jahre früher fertiggestellt, nicht ganz so hochgeschossig, nicht ganz so vorbestraft). Dort blieben wird zwar auch nur bis kurz nach meiner Einschulung, aber ich erinnere mich, dass wir von unserem Balkon aus in der Ferne "Kirchdorf Süd" wie eine trotzige Burg aufragen sahen (etwa so: http://www.twhk.de/ziegenbek/kirchdorfsued.jpg) und dass meine Eltern mir erklärten, dass es da ganz gefährlich sei.



    Die 50er und 60er Jahre Bauten können aber ihre Besitzer auch vor dämm- und betriebstechnische Probleme stellen.
    In einem Nachbarort(Sasbach/Ortenaukreis) ist eine katholische Seminarschule(zur Erlangung des Abiturs für Interessenten die dann Theologie oder Soziales studieren wollen), die drei Gebäude besitzt das größere der beiden älteren Gebäude die jetzt über 50 Jahre alt sind, wurde 2009 "stillgelegt".
    Wegen der vergleichsweise hohen Betriebs- und Heizkosten.
    Die Schülerzahlen gingen zurück und der Schulstandort wird übernächstes Jahr ganz geschlossen.
    Das kleine Haus und das jüngere große Gebäude(70er Jahre) werden sicher noch Interessenten finden.
    Aber für das große "alte" Gebäude könnte es schlecht aussehen und das benachbarte Gymnasium mit Internat, hat vielleicht auch nicht so viel Bedarf an zusätzlichem Raum.
    Das ist ein interessanter Punkt. Viele Infrastrukturgebäude wurden unter demographischen und finanziellen Bedingungen erbaut, die sich mittlerweile total verändert haben: Der Trend zur Nachwuchsvermeidung wurde unterschätzt, v. a. in kleineren Städten stehen heute Schulgebäude und Jugendfreizeitzentren, die in dieser Größenordnungen gar nicht mehr benötigt werden. Speziell auch Kirchen und Gewerkschaften haben sich damals Zentren gebaut, die sich heute mangels Mitglieder und Beiträgen nicht mehr unterhalten können. Und dann gibt es die Schwimmbäder, deren Betrieb die kaputtgesparten Kommunen sich heute nicht mehr leisten können. Die werden dann privatisiert und aufgemotzt (höherer Eintrittspreis, mehr Gedränge) oder dichtgemacht. Das illustriert natürlich auch, dass die Gesellschaft gegenüber den frühen 70er Jahren in mancher Hinsicht wieder ärmer geworden ist.


    Und in de 80er Jahren wurde das ganze ein bisschen verspielter und auch ein wenig farbiger.
    In den 80ern wurde insgesamt weniger gebaut, einfach weil der Bedarf erstmal zum großen Teil gedeckt war. Das was gebaut wurde zeichnet sich durch den Rückgriff auf traditionellere Baustile auf. Hier im Raum Hamburg erkennt man 80er-(und-90er)Bauten daran, dass sie rote Klinkersteinfassaden und Dacher mit Dachziegeln (quasi: zurück zur Hanse. *g*) und auch das Gehwegpflaster ist ein bißchen auf Kopfsteinpflaster gemacht.

  6. #5
    Benutzerbild von Heiko2609

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    AW: Architektur der 60er/70er-Jahre unter Denkmalschutz stellen?

    Das Thema sozialer Wohnungsbau wurde von mir vielleicht etwas vage angedeutet.
    Tatsächlich waren es auch viele Zugezogene aus den Ostgebieten die mit besserem Wohnraum versorgt werden mussten.
    Manchen dieser Familien gelang in den 60er Jahren sogar der Sprung zum Eigenheim(z.b Siedlung Neureut-Kirchfeld in Karlsruhe) und die Straße in der ich wohne wird von Zwei und Dreifamilienhäusern mit Satteldächern aus den 60er Jahren dominiert, die von meist jungen Familien gebaut worden.
    Das Bauland gab es recht günstig, Bedingung oder gern gesehen war aber zu der Zeit das es Zweifamilienhäuser sein sollten. In den frühen Jahren wurde die zweite oder dritte Wohnung(Dachgeschoß) dann vermietet und somit die Häuser durch die Mieteinnahmen mit abbezahlt, in späteren Jahren konnten dann die erwachsenen Kinder dann in diese ehemals vermieteten Wohnungen einziehen.
    Ab den 70er Jahren kamen in den umliegenden neu angelegten Straßen dann wieder Einfamilienhäuser oder Reihenhäuser zum Bau.

    Mit Schwimmbädern sieht es in meiner Region recht gut aus. Einige stammen aus den 30er, 50er und 60er Jahren, werden in der Regel dann aber im öffentlichen Besitz gehalten und saniert.
    Bäder in privater Trägerschaft gibt es vereinzelt(Z.B Fächerbad Karlsruhe, Rotherma Gagggenau- Bad Rotenfels).
    Freibadschließungen gab es nur etwa 1 oder 2, eines wird in Vereinsträgerschaft weitergeführt.
    Derzeit steht das Kleinstadtfreibad von Achern vor der Wiedereröffnung nach der Sanierung, das Bad stammt aus den 30er Jahren und die Becken verdienten einen Neubau ebenso wie die technische Anlage dazu, nach dem es in der Saison 2010 zu betriebsbeeinträchtigenden Störungen kam. Dafür muss mit einem höheren Eintrittspreis(von 1,50 auf 2,50 € für Erwachsene) betriebswirtschaftlich gearbeitet werden, was aber vertragbar ist, wo andere, allerdings auch größere Bäder über eine Erhöhung von 3,00 auf 3,50 € nachdenken.

    Ein Sonderfall stellt das Karlsruher Tullabad dar, das in den 50er Jahren erbaut und ein typischer Infrastrukturbau seiner Zeit, zugunsten des moderneren Erlebnnisbades Europabad geschlossen wurde und jetzt zur Nutzung für den benachbarten Zoo umgebaut wird.
    Tullabad

  7. #6
    Benutzerbild von Lexi

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    AW: Architektur der 60er/70er-Jahre unter Denkmalschutz stellen?

    Zitat Zitat von Die Luftgitarre Beitrag anzeigen
    in Hamburg auch die in Notunterkümften untergebrachten Betroffenen der Sturmflut von 1962
    Oh, so folgenreich war die Sturmflut?

    Den Hochhaus-Stadtteil-Aspekt hatte ich gar nicht vor Augen, wenn man aus einer Kleinstadt kommt, dann kennt man diese Problematik gar nicht. Als Außenstehender würde ich sagen, man muss unbedingt dafür Sorge tragen, dass in so einer Gegend nichts vergammelt, sonst ist der Untergang nahe.

  8. #7
    Benutzerbild von Veja

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    AW: Architektur der 60er/70er-Jahre unter Denkmalschutz stellen?

    Ich kann dem Architekturstil der 60er und 70er Jahre wenig bis gar nichts abgewinnen. Damals wurde die sog. architektonische Moderne ja auf die Spitze getrieben - Bauhausstil wohin man sah. Besonders schlimm daran, dass dafür noch vorhandene vom Krieg verschonte alte Bausubstanz abgerissen wurde. Das meiste aus der Zeit zwischen etwa 1955 und 1980 war damals schon hässlich und sieht heute keinen Deut besser aus. Wirklich schade, dass sich die Architektur nach dem 2. Weltkrieg in diese triste Richtung entwickelt hatte.

    Meiner Meinung muss es aber nicht unbedingt überladener Historismus Marke Gründerzeit sein. Denn es gab vor dem Krieg durchaus moderne Bauformen, die schlicht und dennoch geschmackvoll waren - wer nach Jugendstil, Art Decó, Expressionismus, Reformarchitektur und Heimatschutzstil googelt, wird durchaus Ansprechendes finden. Und auch die DDR-Architektur der 50er Jahre im Stalinschen Zuckerbäckerstil hatte was.

    Glücklicherweise gab es dann ab den 80er Jahren ein Umdenken in der Architektur und die Postmoderne setzte sich durch - inklusive dem einen oder anderen Rückgriff auf ältere Baustile. Hätte sich die Postmoderne weiter entwickelt und weitläufig durchgesetzt, müsste man sich heutzutage sicher wenig Gedanken um die Zukunft deutscher Städte machen. Wenn man aber bedenkt, dass die Postmoderne schon wieder durch ein Neuaufkommen der Moderne - dieses Mal mit verstärkt mit dem Baustoff Glas als bestimmendes Element - ersetzt wurde, kann einem nur das kalte Grausen kommen.

    Musikalisch wird das Thema übrigens perfekt von Bodo Wartke umgesetzt:
    Bodo Wartke - Architektur in Deutschland - YouTube

  9. #8
    Benutzerbild von Lutz

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    AW: Architektur der 60er/70er-Jahre unter Denkmalschutz stellen?

    Zitat Zitat von Veja Beitrag anzeigen
    Ich kann dem Architekturstil der 60er und 70er Jahre wenig bis gar nichts abgewinnen. Damals wurde die sog. architektonische Moderne ja auf die Spitze getrieben - Bauhausstil wohin man sah. Besonders schlimm daran, dass dafür noch vorhandene vom Krieg verschonte alte Bausubstanz abgerissen wurde. Das meiste aus der Zeit zwischen etwa 1955 und 1980 war damals schon hässlich und sieht heute keinen Deut besser aus. Wirklich schade, dass sich die Architektur nach dem 2. Weltkrieg in diese triste Richtung entwickelt hatte.

    Meiner Meinung muss es aber nicht unbedingt überladener Historismus Marke Gründerzeit sein. Denn es gab vor dem Krieg durchaus moderne Bauformen, die schlicht und dennoch geschmackvoll waren - wer nach Jugendstil, Art Decó, Expressionismus, Reformarchitektur und Heimatschutzstil googelt, wird durchaus Ansprechendes finden. Und auch die DDR-Architektur der 50er Jahre im Stalinschen Zuckerbäckerstil hatte was.

    Glücklicherweise gab es dann ab den 80er Jahren ein Umdenken in der Architektur und die Postmoderne setzte sich durch - inklusive dem einen oder anderen Rückgriff auf ältere Baustile. Hätte sich die Postmoderne weiter entwickelt und weitläufig durchgesetzt, müsste man sich heutzutage sicher wenig Gedanken um die Zukunft deutscher Städte machen. Wenn man aber bedenkt, dass die Postmoderne schon wieder durch ein Neuaufkommen der Moderne - dieses Mal mit verstärkt mit dem Baustoff Glas als bestimmendes Element - ersetzt wurde, kann einem nur das kalte Grausen kommen.
    Kann ich nur komplett unterschreiben...

  10. #9
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    AW: Architektur der 60er/70er-Jahre unter Denkmalschutz stellen?

    Zitat Zitat von Veja Beitrag anzeigen
    Besonders schlimm daran, dass dafür noch vorhandene vom Krieg verschonte alte Bausubstanz abgerissen wurde.
    Ja, da wurde manchmal auch gnadellos wegmodernisiert ("Flächensanierung"). Aber das typische für die 60er und 70er Jahre war doch mehr das Bauen neuer Plansiedlungen draußen auf der grünen Wiese.

    Denn es gab vor dem Krieg durchaus moderne Bauformen, die schlicht und dennoch geschmackvoll waren - wer nach Jugendstil, Art Decó, Expressionismus, Reformarchitektur und Heimatschutzstil googelt, wird durchaus Ansprechendes finden.
    Jugendstil und Art Deco haben zwar einen gewissen Reiz, so was mondänes, passen aber gerade deswegen nur in die repräsentativen Zentren (oder Künstlerviertel) bedeutender Städte - in normalen Vierteln und Vor- oder Kleinstädten, wo man normale Leute mit Penny-Einkaufsbeuteln, Kinderwagen und Arschgeweih sieht, würde ein Einkaufszentrum im Jugendstil glaube ich deplatziert wirken. *g*

    Diese nordische Backstein-Reformarchitektur (File:Volksschool Veddel.jpg - Wikimedia Commons) ist in Hamburg natürlich so allgegenwärtig, dass sie selbst mir total natürlich und nicht wegdenkbar erscheint. Aber mit etwas Abstand muss man schon sagen, dass diese Fassaden aus rotbrauen Backsteinen und eher kleinen Fenstern mitunter auch sehr dunkel und dröge wirken können (passend zum hiesigen Wetter *g*).

    Glücklicherweise gab es dann ab den 80er Jahren ein Umdenken in der Architektur und die Postmoderne setzte sich durch - inklusive dem einen oder anderen Rückgriff auf ältere Baustile. Hätte sich die Postmoderne weiter entwickelt und weitläufig durchgesetzt, müsste man sich heutzutage sicher wenig Gedanken um die Zukunft deutscher Städte machen.
    Mit den 80ern und 90ern verbinde ich in Deutschland v. a. diesen Neo-Landhausstil (http://www.wienerberger.de/images/db...9401282550.jpg), der v. a. bei mittelpreisigen Neubaugebieten am grünen Stadtrand vorkam, da haben wir auch mal drin gelebt. Damals waren Bungalows mega-out. Man wollte unbedingt weg von der spröden Nachkriegsmoderne, es sollte alles wieder etwas natürlicher und gemütlicher sein.

    Seit ein paar Jahren werden vieler viele Einzelhäuser und kleinere Wohnblöcke mit flachen Dächern und glatten Fassaden gebaut. Anders als in den 50ern bis 70ern - und das finde ich in diesem Fall gut - jetzt aber in warmen, mediterranen Farbtönen (http://www.albert-haus.de/uploads/tx...ow-am-hang.jpg)

  11. #10
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    AW: Architektur der 60er/70er-Jahre unter Denkmalschutz stellen?

    Um mal zu illustrieren, was ich an den Bauten der 60er und 70er Jahre unter Denkmalschutz stellen würde, zwei Beispiele aus Hamburg:

    1.) Die City Nord

    Geplant als "Bürostadt im Grünen" und erbaut 1964 bis 1974. Sie gehört der Zeit der Großraumbüros an und gilt daher heute als überholt und noch schlimmer: als unhanseatisch! Aber ich mag diesen Kontrast zwischen hochaufragenden Stahl-Glas-Beton-Bauten (dabei keineswegs immer nur quadratisch!) und ausgedehntem Park.










    2.) Der Hauptcampus der Universität (Van-Melle-Park)

    Erbaut 1957 bis 1963. Noch nicht so monumental und futuristisch wie die City Nord, aber ein ein Stück Nachkriegsgeschichte. Das Audimax erinnert an einen Nierentisch, die Wiese hat die Form eines Hexanons, der Brunnen ist in Beton eingefasst und das damals trendige Bäsch-Orange der Hauswände leuchtet warm in der Sonne.










    -----

    Bei dem Thema 60er/70er-Jahre-Architektur spielt natürlich auch rein, dass diese mit Kindheit und heile Welt (Nachkriegsproperität, Fortschrittsglauben, sozialiberaler Schlendrian) assoziiert ist. Ein Kumpel von mir, der noch 70er-affiner ist, brachte das mal in Bezug auf unserer damalige Schule (fertiggestellt Anfang der 70er) einmal fast poetisch zum Ausdruck: "Wie in den Nachmittagsstunden immer das Licht durch diese alten orangen Vorhänge auf den Linoleumboden fiel ..." . Dazu dann noch die Anfangsmelodie aus den Drei ???

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