Seite 19 von 36 ErsteErste ... 915161718192021222329 ... LetzteLetzte
Zeige Ergebnis 181 bis 190 von 360

Die 80er in der DDR

Erstellt von bubu, 05.02.2003, 20:22 Uhr · 359 Antworten · 59.532 Aufrufe

  1. #181
    Benutzerbild von stoni

    Registriert seit
    27.10.2001
    Beiträge
    803
    Da ich ja 11 Jahr lang im Ländle gwohnt hab,bekam ich auch so einiges zu hören
    Für den Schwaben,ohne verwandschaftlichen Backround im Osten,war die DDR seeeeeeehr seeeeeehr weit entferntes Ausland.....das sich außerdem auch noch erdreistete die BRD mit Waffen zu bedrohen
    Denen ging/geht der Einheitsgedanke total ab.Hat Jahre gedauert bis sich bei mir so etwas wie Verständniß für diese Einstellung entwickelte.
    Es gibt aber auch viele (hauptsächlich die Vorkriegs/Vertriebenengeneration)
    Leute die sich echt über die Einheit gefreut haben
    Im November war ich bei BMW (Praktikum) in Regensburg.Die dortigen Bayern waren alle total offen und es gab nicht ein Wort ....von wg.derer Ossis da

    Gruß
    Stoni

  2.  
    Anzeige
  3. #182
    Benutzerbild von Muggi

    Registriert seit
    08.02.2004
    Beiträge
    2.559
    Grisham postete
    Ich war zweimal in der DDR. Einmal war es ein Austausch meines damaligen Gymnasiums. Und einmal war es eine Bildungsfahrt der Gemeinde. Wir hatten damals auch kontakte mit etwa gleichaltrigen Jugendlichen aus der DDR. Dabei fiel mir folgendes auf:

    1) Fast jeder hasste die FDJ und sagte dies uns noch.

    2) Die Mädchen in der DDR haben deutlich mehr Röcke getragen als "bei uns" in Westdeutschland. Das fiel vor allem unseren mitgereisten Mädchen auch auf.

    3) Außerhalb geschlossener Räume waren nahezu alle Jugendlichen mit denen wir sprachen etwas reservierter uns gegenüber als beispielsweise in dem Haus wo der Jugendtreff war.

    4) Es wurde regelrecht nach Westwaren (Bravo, Cassetten mit Westmusik, Schülerzeitungen, Kugelschreiber, Strumpfhosen, Jeans, Buttons mit Namen von westlichen Bands, etc.) gegiert.

    Ist das anderen auch aufgefallen? ODer lag ich da alleine mit meinen Beobachtungen.
    Das mit dem Hass auf die FDJ wird meiner Meinung nach an den Kontakten liegen, die ihr dort gepflegt habt. Du schriebst, das Euer Besuch von Eurer Gemeinde organisiert wurde. Ich gehe mal davon aus, dass es sich dabei um ein Treffen christlicher Jugendlicher gehandelt hat und die standen ja bekanntermassen in Opposition zum Staat.

    Das mit dem "Gieren" nach westlichen Dingen aller Art kann ich bestätigen. Hab da grad zwei lustige Beispiele parat. Ich fand eines Tages in einem Bibliotheksbuch eine als Lesezeichen benutzte Verpackungsfolie eines Duplo-Riegels. Die wurde von mir natürlich aufgehoben und in Ehren gehalten...


    Noch kurioser war ein Erlebnis zur Leipziger Messe, die wir mit der Schulklasse besuchten. In den umliegenden Läden gab es seltsamerweise Westzigaretten wie z. B. Marlboro zum horrenden Preis von 12 Mark Ost. Einige der Raucher aus meiner Klasse (ich selbst bin zum Glück bis heute abstinent geblieben) investierten die Summe, um dann ganz weltmännisch den "Geschmack von Freiheit und Abenteuer" zu genießen. Der Knüller kam allerdings später, als sie die Packung geleert hatten. Da wurden nämlich noch monatelang DDR-Zigaretten in die Westverpackung umgefüllt, damit man dann in der Disko ganz lässig seine "Westziggis" zücken konnte...

  4. #183
    Benutzerbild von Heideland

    Registriert seit
    05.10.2003
    Beiträge
    141
    Ich habe/hatte auch immer den Eindruck, dass den Schwaben an sich das ganze Einheitsdenken ziemlich egal ist und man sich damit auch überhaupt nicht identifiziert. Ich schere damit nicht alle über einen Kamm, denn auch da gibt es glücklicherweise Ausnahmen. Nur muss man bedenken, dass, wie stoni es bereits anssprach, die Leute aus dem Ländle so gut wie keine Verwandschaft im Osten haben, was auch nicht gerade zum gegenseitigen Verständnis beiträgt.
    Im Gegenteil:
    Als ich noch zur Schule ging, hatte ich ein paar Lehrer, die immer relativ "abfällig" über den Osten sprachen, so nach dem Motto "die sind alle dumm und rechtsradikal"... Das muss man sich mal geben! Und wenn dann der Nachwuchs dank der Lehrkräfte mit dem Glauben aufwächst, dass alle im Osten faul, dumm und ausländerfeindlich sind, weiß ich auch nicht, wie man jemals alle Menschen vollends im Kopf vereinen soll.
    Woanders ist es sicher einfacher, aber hier im Südwesten wird das wohl leider noch sehr sehr lange Zeit dauern.

  5. #184
    Benutzerbild von Topas12

    Registriert seit
    23.05.2003
    Beiträge
    430
    @ Heideland

    frag mal wirklich deinen Chef, was er an der deutschen Einheit verdient hat, direkt oder indirekt, wenn ja soll er wirklich die Fresse halten
    und bei vielen Wessies ist es so: ich kann meine Wand anmalen und für das andere hab ich meine Leute/Berater etc. und was die sagen ist Gesetz, bischen selber mal nachhaken und sich mit was neuem áuseindersetzen ist meistens nicht drin.
    Wir mußten uns mit allen möglichen Problemen selber auseinandersetzen und sind deshalb ziemlich vielseitig, jedenfalls die gelernten Ossies

    Topas12

  6. #185
    Benutzerbild von Christoph

    Registriert seit
    10.10.2001
    Beiträge
    3.330
    Die Sache mit dem Schwabenländle ist sicher auch darauf zurückzuführen, dass es einfach sehr abseits liegt. Wer sich dort dann nur auf (Vor)urteile oder Berichte anderer verläßt und nicht mal selbst in den Benz steigt und sich die Sache vor Ort anschaut, kann kein objektives Bild haben.
    Andersrum kenne ich viele Süddeutsche, die hier in Leipzig studieren, von denen hat sich noch keiner abfällig geäußert! Liegt also sehr an der persönlichen Offenheit des jeweiligen Bundesbürgers.

    Zurzeit bin ich sehr oft in Hof tätig, solche derben Sprüche tauchen dort nicht auf. Klaro, denn aufgrund der geografischen Lage hat dort zwangsläufig jeder schon mal Kontakt mit dem "unbekannten Wesen" aus der Ex-DDR gemacht.
    Oder noch deutlicher ist die Sache doch in Berlin, dort kann man sich der Vereinigung einfach nicht entziehen. Wie sollte das gehen?

    Ausserdem habe ich oft den schönen Eindruck, dass es in meiner Altersgruppe (bis 30) wirklich sehr egal ist, woher man kommt: die Probleme sind eh´ die gleichen. Allerdings war ich lange nicht in Schwaben


    Die Sache mit den DDR-CDs kann ich bestätigen, habe sie in der DDR im Laden gesehen. Bis neulich gab es hier in Leipzig einen WOM, dort gab es noch Restbestände der ETERNA-Silberlinge: Tschaikowsky IV. Symphonie, Preis 6,99, Sound umwerfend! Besser als andere Aufnahmen!

    Gruß
    Christoph

  7. #186
    Benutzerbild von ihkawimsns

    Registriert seit
    23.02.2004
    Beiträge
    3.938
    Was fällt mir nun als Baujahr-84-Ossi zum Thema DDR ein?

    Das meiste, was man weiß, stammt nun doch eher von Erzählungen von Eltern, Großeltern etc.

    Die bewussten Wahrnehmungen fallen noch am ehesten in die Wendezeit. Zum Beispiel wurde das Brot im Kindergarten vor dem Mauerfall immer von selbigem gestellt; nachher musste man es selbst von zu Hause mitbringen.

    Und wenn man mal mit Mutti einkaufen war, fiel einem zur Wendezeit auf, wie leer doch die Regale in der Kaufhalle waren (hab' ich bei "Goodbye Lenin" sehr gut wieder erkannt).

    Ansonsten hab' ich von der Wende selbst nicht so viel mitbekommen. Mit fünf Jahren hat man naturgemäß noch kein besonders ausgeprägtes Interesse an politischen Vorgängen.

    Was weiß ich also sonst noch zu berichten?

    Ein Knackpunkt in der DDR-Wirtschaft war wohl, dass ein gehöriger Teil der Industrie auf den Export ausgelegt war, der Devisen wegen. Von meinem Opa weiß ich, dass Schuhe, die hier zu Phantasiepreisen verkauft wurden, im Westen in irgendwelchen Wühltischen für zehn Mark oder so zu bekommen waren.

    Mein Vater war NVA-Reserveoffizier. Nicht, weil er dass so toll fand, sondern weil er anders keinen Studienplatz bekommen hätte. '89 sollte er, weil sein 35. Geburtstag anstand, sogar noch mal eingezogen werden, aber dann kam ja glücklicherweise die Wende. "Fällt aus wegen is' nich'."

    Das mit dem Muttiheft wurde zu meiner Grundschulzeit direkt nach der Wende auch noch fortgesetzt; die Lehrerin behielt offenbar alte Traditionen bei.

    Nach Tschechien fahren die Leute heute noch öfter zum Einkaufen, ganz einfach, weil dort vieles billiger zu haben ist. Die, die noch dazu grenznah wohnen, holen sich sogar ihr Benzin bei den Tschechen.

    Zwecks Studiums bin ich mittlerweile in den Ruhrpott gezogen, und die interessantesten Diskussionen mit den Wessis (und auch anderen Ossis) dreht sich um die Sprache. Damit meine ich nicht den Dialekt (damit stressen wir uns sowieso), sondern das Vokabular. Ich habe gelernt, dass man u.a. mit folgenden Wörtern / Wortgruppen einen Wessi mehr oder weniger zur Weißglut treiben kann:

    - Kaufhalle (statt Supermarkt)
    - abwaschen (statt abspülen)
    - Polylux (statt Overhead-Projektor)
    - viertel fünf (statt viertel nach vier)
    - drei viertel fünf (statt viertel vor fünf)

  8. #187
    Benutzerbild von Muggi

    Registriert seit
    08.02.2004
    Beiträge
    2.559
    Hab gerade einen witzigen und informativen Artikel entdeckt:

    http://www.danrichter.de/schnatterinchen.htm


  9. #188
    Benutzerbild von Muggi

    Registriert seit
    08.02.2004
    Beiträge
    2.559
    Wohl jedes DDR-Kind ist ab den 70ern/80ern mit dieser ungarischen Zeichentrickfilm-Serie aufgewachsen, die jetzt endlich auf DVD erschienen ist:










    Werd wohl demnächst mal zuschlagen...

  10. #189
    Benutzerbild von röschmich

    Registriert seit
    22.08.2003
    Beiträge
    1.764
    Oh, Adular war toll, mit seinem Urgroßenkel aus der Zukunft. Da habe ich keine Folge verpaßt.
    Mein Lieblingsspruch: seine Mutter rief immer aus, als es ihr zu Bunt wurde:
    "Ach hätte ich doch den Püschti(schrieb der sich so) Hufnagel geheiratet!"
    Der Spruch kommt mir immer in den Sinn, wenn irgendjemand es in der Vergangenheit anders gemacht hätten wollte.
    (Mal so nebenbei: Vater; was hättest Du anders gemacht, wenn Du Dein Leben noch einmal leben würdest? - "Ich hätte von Anfang an Kondome benutzt.")

  11. #190
    Benutzerbild von röschmich

    Registriert seit
    22.08.2003
    Beiträge
    1.764
    Mal eine musikalische Sicht aus dem Ausland
    Tom Robinson veröffentlichte 1994 bei Cooking Vinyl die CD "Love over Rage"
    Auf dieser CD ist folgender Titel:

    DDR

    I grew up living in a Welfare State
    Just the other side of the Brandenburg Gate
    It's called East Germany everywhere
    But locally we know it as the DDR

    Waiting for tomorrow, living for today
    Living in the DDR
    Sitting on a time bomb, we don't care
    We're living for today
    Living in the DDR

    It's a people's paradise, you better believe it
    Every other week people dying to leave it
    Trucks full of Russkis carrying guns
    We'll be first in the fire when the third war comes

    Waiting for tomorrow, living for today
    Living in the DDR
    Sitting on a time bomb, we don't care
    We're living for today
    Living in the DDR

    After the party when the Wall came down
    They closed all the factories in my home town
    Shops full of everything money can buy
    Skint and miserable, wishing that I
    Was still living in the DDR

    Waiting for tomorrow, living for today
    Living in the DDR
    Sitting on a time bomb, we don't care
    We're living for today
    Living in the DDR

    Es ist eines der wenigen Titel eines englischen Künstlers der sich mit dem Leben in der DDR befasst.
    Zu Tom Robinson: 1950 geboren
    Die Tom Robinson Band hatte 1977 einen großen Hit mit "2-4-6-8 Motorway".
    Ein weiterer bekannter Titel: "Listen to the Radio (Atmospherics)" geschrieben in Zusammenarbeit mit Peter Gabriel 1982 .
    Tom Robinson besuchte 1982/83 mehrfach die DDR und trat u.a. bei "Rock für den Frieden" auf. Bei seinen Auftritten hier in der DDR begleitete ihn NO55, eine damalige Superband in der DDR mit Georgi Gogow (City), Frank Gahler (Monokel), Gisbert Piatkowski (Magdeburg,City,MSB u.a.) Hans Peter Krause (Biebl,Keks)
    Es gibt auf der B-Seite der vorgenannten Single eine Live Version mit NO55, aufgenommen 1982 in Berlin. Da werden u.a. Radiosender der DDR wie Stimme der DDR, DT 64 und Berliner Rundfunk namentlich erwähnt.
    Diese ist erhätlich auf der CD "Last Tango" (Line records 1989) Auf der LP "Rock für den Frieden ´84" ist der Tom Robinson-Titel "Jerichow" in der Version von NO55 enthalten.
    Mitte der 90er trat Tom Robinson noch einmal in unsrer Gegend auf: Im Berliner Knaack (Greifswalder Str.) Ich war dabei, aber dieses Lied spielte er damals nicht.

    aus u.g. Forum