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Die 80er in der DDR

Erstellt von bubu, 05.02.2003, 20:22 Uhr · 359 Antworten · 59.560 Aufrufe

  1. #21
    Benutzerbild von stoni

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    @Impi
    Bei welchem (geheimen) Verein Dein Dad auch immer war,Betriebsräte jab et inne ddrä nich.

  2.  
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  3. #22
    Benutzerbild von JensMJ

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    Hallo
    Jaja wer weiss was er dir da erzählt hat.
    Vielleicht war es in etwa so wie in dem Film "Helden wie wir" und du hättest deinen Vater irgendwann auf Arbeit getroffen;-)
    Ich bin auch in der Zone aufgewachsen und ich vergleiche es heute gerne mit einem Knast.
    Drinnen andere Welt als draussen, wer abhauen will muss damit rechnen erschossen zu werden. Im Knast gibt es auch alles für viel Geld. Jahre später sagen die Leute die im Knast waren: "Na so schlimm war es auch nicht. Wir hatten immer zu Essen und brauchten uns um nichts kümmern."
    Es ist klar das ein Mensch der 40 Jahre verlernt hat sich Sorgen um sein Leben zu machen das irgendwann nicht mehr kann.
    Und Oma und Opa sagen im Nachhinein auch heute noch "So schlecht war es damals ja nicht."
    Wer immer schön geradeaus geht wird vielleicht sogar mal Wärter.

    Ihr denkt das ist zu hart?
    Bei mir in der Schule wurde jemand nach Hause geschickt weil er sich die Haare wie Limahl blond gefärbt hatte. Seine Mutter wurde von der Arbeit abgeholt und zur Schule gebracht.
    Eine Mitschülerin die in der Kirche war, und weder bei den Pionieren noch bei der FDJ, war Freiwild für übelste Scherze von Lehrern im Unterricht.
    Ich selber bin ein halbes Jahr nicht mehr in den Jugendclub reingekommen weil ich mit zerschnittenen Jeans reinwollte.
    In der Schule bekam ich einen Tadel weil ich bei einem Mitschüler zu Hause den Fernseher auf Westfernsehen eingestellt hatte. Offiziell waren seine Eltern beim "Zoll".

    Alles was ihr als schöne Sachen in der Zone beschreibt waren nur schön weil der Staat da noch keinen Einfluss drauf hatte.
    Wenn er es gekonnt hätte, dann hätte er es auch gemacht. Lies mal in eine Stasiakte was für ein Unsinn da alles als wichtig notiert wurde.
    Gruß MJ

  4. #23
    Benutzerbild von JJ28

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    @ JensMJ

    Ähnliche Erfahrungen mußte ich im Westen damals auch machen.
    In der Schule wurde ein Mädchen im Unterricht angesprochen (1987), es solle sich doch bitte den Haarschmuck entfernen, da dies den Unterricht stören würde.
    Zum Glück waren nicht alle Lehrer so.
    Auf einer Schule war ich der Außenseiter, unter anderem weil ich konfessionslos war und bin. Dort hatten man keinen Ersatzunterricht angeboten, so hatte ich am Samstag frei. Ein Lehrer machte deswegen dumme Bemerkungen und hetzte den Rest der Klasse auf mich. "Drückeberger" Ein anderer versuchte mich zu bekehren. War auch schlimm. Mit 14 durfte man ja aus dem Religionsunterricht austreten, das verkündete ich mal vor versammelter Klasse. Prompt waren 8 Leute ausgetreten - wegen dem freien Samstag *lol*
    Nach zwei Wochen allerdings waren diese auf Druck der Eltern oder Lehrer bis auf eine Ausnahme wieder drinnnen.

    Na, das mit den zerrissenen Hosen gab bei und im Jugendclub ( Haus der Jugend) zwar keine Probleme, jedoch in privat geführten "Vergnügungshallen" wie z.B. Kneipe oder Discothek kamen wir nicht rein, da der Türsteher etwas dagegen hatte. In den Cafes wurden wir auch mal unfreundlich bedient und das war auch ein kleiner Rausschmiss.

    Bei mir war die Analogie zum Westfernsehen das Sammeln von Informationsmaterial im Politikunterricht.
    Es sollten Infos über Gewerksschaften gesammelt werden, allerdings nur diejenigen, die die Arbeitnehmerinteressen vertraten.
    Ich kam als einziger mit Arbeitgeberinfos an.
    Da nahm mich der Lehrer nach der Stunde beiseite und meinte:" Sowas macht man nicht" und schaute angeekelt.
    Zwei Stunden zuvor schmiss dieser angewidert eine Bild-Zeitng zu Boden und meinte - mit einem Blick durch seine Nickelbrille - "So ein Schmierenblatt, sagt es eueren Eltern, dass sie diese Blatt nicht mehr kaufen sollen".
    Ja, das waren so die "Zwänge" im Westen.
    Vor meinen Zivildienst bin ich bei der Bewerbung bei den Carititativen Verbänden abgeblitzt, da sie nur "bekennende" Mitglieder ( oder Krichensteuer zahlende ?)
    Als Hausmeistergehilfe habe ich eine Stelle bekommen, da sie nicht im "Verkündenden Bereich" war, sprich ich hatte keinen großartigen Kontakt zur
    "Kundschaft"

    So, im Westen hatte man Nachteile und hat man sie heute noch. Nur man kann es sich rausuchen ob man die Nachteile in kauf nehmen möchte.

    cu
    jj

  5. #24
    Benutzerbild von hechicero

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    imperium22 postete
    und dann hat man sich keine sorgen gemacht als kleines Kind draußen rum zu rennen. Da waren keine Sorgen der Eltern das was passiert! Irgenwie hat man sich da sicher gefüllt.

    Nicht wie heute wo man Angst haben muss das Kinder .........
    Einspruch !!!!
    Man mußte genauso Angst haben ! Es stand nur nicht so groß und breit in der Zeitung oder lief im Fernsehen !

  6. #25
    Benutzerbild von imperium22

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    Echt du hast dir sorgen gemacht in der DDR als du draußen alleine warst????

    Ich kenne da wenige!!!

    Ihr habt mich anscheinend nicht verstanden. Es ist heute auch nicht besser im Gegensatz zur DDR. Also hört mal auf nur über die DDR zu schimpfen.

    1. Nehmen wir mal den Punkt Reisen!!!!

    Es konnte jeder in den Westen der Beziehungen hatte und gut war in einem Verein oder so!!! Ich war im Westen auch schon in der DDR. Das heißt weil ich gut in Schach war....

    Wie ist das heute! Früher war es abhängig vom Beziehungen und von der Leistung!

    Und heute ist es genauso! Wer Leistung zeigt hat Geld zu Reisen und wer Beziehung hat wo anders für den ist es nicht so teuer die Unterkunft dort wo man hin reißt..

    Es hat sich also nix geändert! Wer gut ist darf Reisen wer nicht der kann nicht..


    2. Punkt.

    Mal die Sachen des andere fertig machen. Heute wird man das genauso! Mich haben die geschlagen in der Schule ab der siebenden weil ich Gelb aus sah wegen meiner Krankheit. Wenn ihr da mal drüber nach denkt hat sich heute auch nix geändert in der Hinsicht.

    Jedenfalls waren das 10 Mann auf mich 1nen. Leute die das erlebt haben wie ich können auch drüber Reden das sich in der Beziehung nix geändert hat.

    So bald man anders denkt als die Masse ist man dumm und blöde!!!!

    3. Punkt!

    Freie Meinung äußern im Gegensatz zur DDR!

    In der DDR konnte man das angeblich nicht...... So ein Quatsch. Es hat immer jeder gesagt was er dachte egal was für Angst er hat. Denn die Meinungen der Menschen kann man nicht unterdrücken egal wie gut man es probiert.

    Und die Menschen haben auch dafür eine Strafe bekommen wie heute auch. Sei es in der Schule mit schlechten Noten oder Strafarbeit usw.

    In dem heutigen System ist es so das man vielleicht was sagen kann aber wenn Interessiert es????????

    Du einzellner Interessierst doch die an der Macht nicht.

    Tja bei der DDR durfte man nix sagen wenn ihr das sagt und heute interessiert das keinen! Was ist besser????? Wobei ich das zweite bezweifle! Wenn ich sage ich bin Stolz ein Nazi zu sein oder andere Sachen gehts mir auch schlecht.

    Fazit ist das sich für mich nix geändert hat! Ich bin heute von meinen Eltern abhängig und vom Staat!
    Und wenn es in dem Staat noch so wird wie in Amerika bin ich tot.

    Denn das heißt die die gesund sind überleben und der Rest stirbt mal krass ausgedrückt. Denn da fallen die Sozialsysteme weck und ich sterbe.....

    Kann doch aber kein Weg sein wo die die Gesund sind Leben da Sie das Geld verdienen können und der Rest nicht!!!

    Versteht ihr das???????

    Ich sehe es aus der Perspektive!!!

    Und die Arbeitslosen sind auch nicht um sonnst arbeitlos! Es gibt nur noch 1 Million Arbeitsplätze wenn die alle voll wären wären trotzden noch 3,5 Millionen Arbeitslos!!!

    Wie gesagt ich hatte in der DDR Spass genau wie heute. Und Zeit seine Hobbys und Partys zu machen hatte man auch!!!!

    Ist das nun heute Schlimmer mit den Markensachen als früher????

    Wer keine hat wird gehänselt.... Haben die sich früher Gedanken gemacht über Marken in der DDR????

    Na dann das war es mal wieder von mir!!!

    PS! Das Westfernsehen habe ich auch gehört das es in DD da gar nix gegeben haben sollte aber auch das war so ein Ding. Mein Daddy hat gesagt die haben immer auf seiner Arbeit von Festfersehen gesehen über Antennen geredet....

  7. #26
    Benutzerbild von stoni

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    Hallo Leute !

    Nicht das Ihr durch den Impi sein Rosarotbrillengeschreibe ne´n zu guten Eindruck von der DeDeRä bekommt.
    Natürlich durften Sportler usw. zu bestimmten Anlässen in den verhassten Westen.Man wollte den Kapitalisten doch die Überlegenheit des Sozialismus
    demonstrieren.Fakt ist aber,das ich mit damals 18 Jahren,fest in der PRODUKTION stehend und einen Haufen Westverwandschaft niemals eine Chance zu einem Besuch bekam (mehrmals vergeblich beantragt).
    Als Jugendlicher ist man mit diesem ummauerten Gefängniß noch irgendwie klargekommen.Hauptsache ich konnte Fr,Sa,und Sonntag in meine Disse und an den Mädels rumspielen .Aber sobald man in den Arbeitsprozess geriet,nicht mehr alles von Mama und Papa gekauft bekam,mit lächerlichem Lohn und keine Hoffnung auf Besserung ,da sah
    ich die DDR mit offeneren Augen.
    Und von wegen freier Meinungsäußerung.Nachdem ich 2mal bei meinem
    Schuldirektor erscheinen mußte,wegen freier Meinungsäußerungen im Stabiunterricht,hielt ich für immer die Klappe.Der (laut Buschfunk eh.Stasioffizier)gute Mann bedrohte mich massiv in Bezug auf meine
    weitere "Entwicklung".Danach stand jedesmal in meiner Abschlußzeugniß-
    Beurteilung.......äußert sich nicht zu politischen Fragen !!!!!!!
    Manchmal ist Schweigen halt doch Gold.Meine wahre Meinung gab ich nur noch wirklich guten Freunden preiß.
    Ich mußte oft durch Berlin mit der S-Bahn.Und zwar von Oranienburg bis Schönefeld.Da fuhr man stellenweise zwischen 2 !!! Mauern durch und oft
    in unmittelbarer Nähe an Westberlin vorbei.Mein Haß auf diesen Staat war in solchen Momenten am größten.Wer die DDR nicht als Gefängniß empfand,muß ein echter Ignorant oder roter Arsch gewesen sein.
    Sicherheit ?Ich nenne das Friedhofsruhe.Die meisten Straftaten waren doch ein Tabu für die Zeitungen und wurden unter den Teppich gekehrt.
    Und noch das Ammenmärchen von den ach so armen Grenzern.Wo man ja angeblich die jungen Männer an die Grenze stellte und die dann ab und zu mal schiessen mußten.Jeder der dort stand,hatte die Möglichkeit woanders zu dienen.Als ich zur Musterung mußte,wurden alle (außer mir....hatte zu viele Westverwandschaft) gefragt,ob Sie ein Prob. damit hätten,an der Grenze zu dienen???Und jeder wußte doch,von welcher Seite her diese scheiß
    Grenze "bedroht" war.
    Ok.....vielleicht später mehr.

    Gruß stoni

  8. #27
    Benutzerbild von Italofan

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    imperium22 postete

    1. Nehmen wir mal den Punkt Reisen!!!!

    Es konnte jeder in den Westen der Beziehungen hatte und gut war in einem Verein oder so!!! Ich war im Westen auch schon in der DDR. Das heißt weil ich gut in Schach war....
    ....
    Unter Beziehungen verstehe ich:

    1. Man hatte einen Anstecker mit den 3 großen Buchstaben unter dem Hemdkraken und mindestens noch zwei andere Ausweise (Mitgliedsbücher)

    2. Man war im Rentenalter

    3. Man hatte erfolgreich einen Ausreiseantrag gestellt

    4. Oder man war im Sport sehr gut, daß man sein Land im im internationalen Vergleich gut vertreten konnte (und mit sehr reiner Weste)


    Alles andere wäre mir im nachhinein relativ neu.

    imperium22 postete

    3. Punkt!

    Freie Meinung äußern im Gegensatz zur DDR!

    In der DDR konnte man das angeblich nicht...... So ein Quatsch. Es hat immer jeder gesagt was er dachte egal was für Angst er hat. Denn die Meinungen der Menschen kann man nicht unterdrücken egal wie gut man es probiert.

    Und die Menschen haben auch dafür eine Strafe bekommen wie heute auch. Sei es in der Schule mit schlechten Noten oder Strafarbeit usw.

    ....
    Klar; erzählen, meckern und kritisieren konnte man machen wie man wollte.

    Aber es durften nicht die falschen Leute hören, für umsonst gab es ja wohl nicht riesige Aktenberge und auch spezielle Besserungsanstalten (Bautzen usw.)

    imperium22 postete

    Wie gesagt ich hatte in der DDR Spass genau wie heute. Und Zeit seine Hobbys und Partys zu machen hatte man auch!!!!

    ....
    In dem Punkt stimme ich Dir vollständig zu.

    imperium22 postete

    PS! Das Westfernsehen habe ich auch gehört das es in DD da gar nix gegeben haben sollte aber auch das war so ein Ding. Mein Daddy hat gesagt die haben immer auf seiner Arbeit von Festfersehen gesehen über Antennen geredet

    ....
    Im "Tal der Ahnungslosen", wie es früher gerne hieß, war es nur mit sehr großem Aufwand möglich "West-Fernsehen" zu schauen. Die Antennenwälder auf den Dächern waren riesig. Das hatte aber auch geografische Ursachen, weil das Gebiet um DD ja in einer Senke liegt und Sateliten-TV gab es noch nicht. Es war meistens mehr Elektronik, in Form von unzähligen Vor-, Haupt- und Nachfolgeverstärkern auf den Dachböden verbaut, als man "eigentlich" zu kaufen bekam.

    Italofan

    PS: Die Filme im DDR-Fernsehen, die Du weiter oben angesprochen hast, liefen in Farbe. Nur waren S/W Fernseher noch sehr stark verbreitet.

  9. #28
    Benutzerbild von bubu

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    der thread wird immer spannender!

    mich würde noch eins interessieren: man redet ja immer so gerne über die mauer in den köpfen. ich habe mich oft gefragt, ab welcher generation diese mauer keine rolle mehr gespielt hat/spielt und ob das in unserer generation schon der fall war. wie habt ihr das nach 1989 empfunden?

    grüße
    bubu

  10. #29
    Benutzerbild von Krupunderstab

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    Kracht ja hier schon heftig in den Balken . Komisch das das wachsame Auge des Lindwurms "Political Correctness"
    auch hier prüft und die alleinige Warheit einfordert . Dabei isses doch eigentlich ein nettes Thema , das Ich (Bj 64 )
    in den letzten Jahren mit Altersgenossen aus dem westlichen Teil von Stadt und Land desöfteren hatte , wobei wir
    über Unterschiede und Gemeinsamkeiten diskutierten . Die 80'er waren für alle die geilste Zeit ihres Lebens.

    Die Zone in den 80'ern war, wenn mann es richtig anstellte, eine einzige Thrashparty.Im Gegensatz zum Westen wo doch
    einige Youngsters schon durch Kriegs-,Öko-, und Politikneurosen in ihren Schädelchen geprägt wurden - kümmerten wir uns um so etwas überhaupt nicht.
    Nach der Arbeit ( ab und zu auch dabei ) beschäftigten wir uns mit den schönsten 5 Themen im Leben. Dabei soll nicht der Eindruck entstehen,
    im Osten wurde nicht gearbeitet ,leider sogar mehr, ineffektiver.. Und die geschaffenen Werte bekamen die Nachkommen von Väterchen Stalin
    zu den Preis den sie Wodkaseelig selbst bestimmten. Meine West(Berliner) Kollegen erzählen mit Wehmut heute noch von ihrer in Watte
    gepackten Arbeitswoche -heute stöhnen sie..Fakt ist, auch fur Sie haben sich die Zeiten geändert. Sie haben meine
    aufrichtige Solidarität. Nicht zynisch gemeint !
    Was man im Osten konnte - Stäbchen versenken - viel, heftig- und effektiv , so viele Schwangere wie in den 80'ern
    sehe ich heute noch nicht einmal in düstersten Großstadtvierteln. Es gab Tripper - kein Aids
    Mit der Stasi hat man als Jugendlicher in den seltendsten Fällen bewußt zu tun gehabt. Pech hatten die die bewußt den Hero spielen wollten oder es nicht besser wußte wo es gut war den angepassten Ostoplasten zu spielen
    Die Jugendkulturen in Ost & West waren ähnlich- bis auf eine Ausnahme . Die hat noch keinen Fachausdruck-ich nenne sie mal hier "Die Bluespenner"
    Ein merkwürdiges Gemisch aus Scheinintelektuellen;Hartbrennern;Pazifisten und Nationalgesinnten Eurokommunisten. Paßt nicht zusammen ?
    Oh doch - konnte aber ideologisch nur im Mikroklima der SBZ existieren. Bis Mitte der 80'er sogar die vorherschende Subkultur gerade im Süden der DDR.
    Erkennungszeichen ? John Lennon Matte,Nickelbrille.Tramper (Schuhe),Parka , Peacezeichen - und der "Assisack".Das war eine aus einem bestimmten Teppich
    geschnittene Umhängetasche.Die "Schneider" dieser Taschen bekamen beim Kaufen der Teppiche regelmäßig Konkurenz durch dicke Russenweiber
    die diese Teppiche ihrem wahren Zweck zuführten - als Wandschmuck. Highlights dieser Jugendbewegung waren Blues Open-Air Festivals und
    Motocrossveranstaltungen ,wo sie Woodstock nachspielten und gattungstechnisch dieses noch übertrafen.
    In Wut brachte uns junge Ostdeutsche hauptsächlich die eingeschränkte Reisefreiheit ( und wir waren reisefreudig !)
    und die Behandlung bei unseren Bruderstaaten (Color of Money ) . Trotzdem einte uns Deutsche doch das selbe Memorysfeeling - als ob die glutrote Morgensonne
    beim Schwarzzelten am Donaustrand in Szentendre,im Schlafsack am Schwarzmeerstrand oder in El-Arenal anders war.

    Filme:

    Ostdeutsche Kinos zeigten mehr Hollywoodstreifen und Filme aus dem Restwesten als man glauben mag . Schätze ca. 3 neue im Monat.
    Natürlich nicht diese ,die Begehrlichkeiten im Bezug auf Kiff, politischen Moralwandel etc förderten.
    Ich kaufte mir 1985 meinen ersten Videorecorder von JVC im Intershop.Schwarztausch 4000 Ostmark.Weiß heute noch wie ich dann fassungslos den
    ersten Porno darauf sah (passable Kopie-hab fast alles erkannt).gafff

    Computer:

    64'er gabs im Intershop ,An & Verkaufsgeschäft (Geheimtip im Osten um an begehrte Waren mit Ostmark zu kommen) oder unter der Hand.
    Fakt ist wer das Geld hatte und suchte,bekam auch einen. Das hatte natürlich auch zur Folge das die Dinger meißtens in kundigen Händen von
    Freaks waren.Da der umnachtete Wirtschaftslenker Mittag der Ansicht war,die DDR zum Silicon Valley des Ostens zu machen , war man in Sachen
    DV-Theorie nicht so weit hinterher . D-Base & Assembler waren keine Fremdwörter . Staune heute noch als mir einer ca.1984 in Rostock auf einem Sinclair Spectrum
    selbstgeschriebene Ballerpiele präsentierte.


    Mucke:

    Eigenlich das Thema für Ossis meiner Generation.Der kreisenden Finger,die schnellen Reflexe und nächtlichen Aufnahmesessions
    unter der Bettdecke wurde z.T.in anderen Postings schon beschrieben.Hätte nicht gedacht das das weiter westlich fast genau so gewesen ist.
    Feeling war das "überspielen".Als Teenie den "Anett" an den "Sonett" und die begehrte Music war dein.Die damals teuer erworbenen (West)Markenkassetten
    mit Monomusik schaue ich heute noch ab und zu mit visuellen Entzücken an. Ostmucke war weitestgehent verpönt ( einige stellten sich im TV dar-
    als wenn sie Weltstars wären-Die Zonendödel) Man tat so als kenne man diese kruden Ergüsse nicht (Modern-Talking-Effekt).Heute habe ich da mehr
    Nachsicht: zum ersten weil unter alter Ostmucke 'ne Menge Perlen sind ; zweitens : weil Gesamtdeutsche "Stars" mit ihrer
    dümmlichen Attituede und Habitus ( Handbewegungen bei Hip-Hopp-Prolos wie im Zoo---HINTER Gitter , guxt doo?? ) das Mehrfach toppen.


    Könnt jetzt anfangen ein Buch zu schreiben....

    Fazit:Wenn ein männlicher West-Twen in den 80'ern die Vorteile des Jugendlebens in beiden deutschen Staaten gerissen genossen hätte ( ohne sich zu outen )
    hätte er das Leben eines Edelrüden ( volle Punktzahl bei allen angenehmen Themen) haben können.Und das mit Mindestumtausch und Azubigehalt.
    Wer zu spät kommt den bestraft das Leben. Grins

    Übrigens Bubu habe ich die Erfahrung gemacht , das Filme, Publikationen und selbstdarstellerische Ossis (die Witt ,Bürgerrechtler etc.)in unseren freien Medien
    bei Westlern ein Bild zeichnen , das nun absolut nichts mit der Wirklichkeit eines normalen 80'er Ossis zu tun hat. Da lob ich mir das Forum
    Etwas mehr Warheit über das Lebensgefühl im Osten steht in den Buch uber den Rammstein Vorläufer Feeling B "Punk im Osten"

  11. #30
    Benutzerbild von Babooshka

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    Ich lese hier auch schon die ganze Zeit interessiert mit.

    Ich bin gebürtige Westberlinerin, jedoch ein echtes Mauerkind: Die Wohnung meiner Eltern war keinen Kilometer von der Westmauer entfernt, also nicht jene Mauer, die die beiden Berlins teilte, sondern die, die Westberlin von der DDR in westlicher Richtung trennte. Meine Großeltern wohnten gar im Niemandsland und diese Mauer stellte sozusagen die eine Seite des Gartenzauns dar. Sie war somit allgegenwärtig, war Bestandteil unseres täglichen Lebens. In ganz früheren Zeiten musste man, um zu meinen Großeltern zu kommen, durch den ersten Kontrollpunkt auf Westseite fahren und "Anlieger" sagen. Später dann wurde eine Bus-Endhaltestelle mit Wendekreis gebaut, wo es auch Parkplätze gab, da durfte man dann nur noch in Ausnahmefällen durch den Checkpoint. Das kleine Haus befand sich direkt neben dem Kontrollpunkt Staaken, zunächst ein Transit-Ausreisepunkt in Richtung Norden für alle, später dann nur noch für Lastwagen. Zu dem Kontrollpunkt gehörte ein hoher Wachtturm, von dem aus die Grenzer freien Blick in den Garten meiner Großeltern hatten. Eines Tages zeigte mir mein Opa die Grenzer, die uns mit Ferngläsern beobachteten, was ich schon als Kind sehr befremdlich und unheimlich fand. Hinter dem Haus verlief ein schmaler Weg, den nur die Alliierten (in diesem Fall die Engländer) befahren durften. Ich ging als Kind sehr viel mit Vater und Opa dort spazieren; entlang dieses Weges war die Mauer keine richtige Mauer, sondern mehr eine Art hoher Zaun mit Dornenkranz, über den man sehr gut drübergucken konnte, weil der Weg über eine Anhöhe verlief. Auf der anderen Seite dann der Todesstreifen und Niemandsland... man sah nichts, keine Häuser, nichts. Ich fragte damals schon häufig, warum man denn nicht dorthin könnte, warum dort dieser Zaun stünde - ich konnte es nicht verstehen. Habe es nie verstehen können. In der Schule schnappte ich oft so Worte auf wie "in den Osten fahren". Klar, diese Klassenkameraden besuchten Ostverwandte. "Warum fahren wir denn nicht mal in den Osten?", fragte ich meine Eltern. Ja, mein Vater hatte auch Ostverwandte, aber seit jeher ein schlechtes Verhältnis zu ihnen. Zu schlecht für Besuche. Seine Cousine besuchte meine Großeltern ab und zu, sie durfte reisen, weil sie gebrechlich war. Aber irgendwann blieb auch sie fort. Wie man mir sehr viel später sagte, wäre sie sehr anspruchsvoll geworden und hätte nur das Beste gewollt, was unsereiner sich nicht leistete. Nicht leisten konnte. Ansonsten hassten meine Eltern die DDR - nicht die Bürger, das Regime - und mit diesem Hass bin ich groß geworden.

    Später las man des öfteren von verzweifelten Menschen aus der DDR, die versucht hatten zu flüchten und dabei an der Grenze erschossen wurden. Dann gab es da dieses Ost-West-Paar: Er hüben, sie drüben, Ausreise vollkommen unmöglich, also setzte er sich im Hungerstreik an den Checkpoint Charlie. All dies verfolgte ich, es ging mir nahe, ich war empfindlich auf solche Geschichten.

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