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Die 80er in der DDR

Erstellt von bubu, 05.02.2003, 20:22 Uhr · 359 Antworten · 59.476 Aufrufe

  1. #31
    Benutzerbild von Babooshka

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    (...folgender Fehler aufgetreten: der Text ist zu lang. hm...)

    Anfang der 80-er begannen dann meine Frankreichreisen und so fuhr ich fast in allen Ferien mit dem Zug nach Paris. Durch die DDR. Das war für mich die einzige Möglichkeit, um mal etwas davon zu sehen, denn vom Autobahntransit aus sah man ja nichts außer ein paar Ostautos. Überhaupt, der Autobahntransit: Wenn meine Eltern und ich verreisten, fuhren wir in aller Herrgottsfrühe los, um auch ja nicht an der Grenze in den Stau zu kommen (was aber trotzdem ab und zu passierte). Und hatten wir die Ausweise denn auch wirklich dabei? Wirklich nicht vergessen...? "Gänsefleischdenkofferraumaufmachen" hat man zu uns nie gesagt, wohl aber hat man uns grimmig ins Gesicht geschaut mit den Worten "Nehm' Se mal die Brille ab". Dann mit 80 km/h über den Transit, diesen Plattenweg (ratapum ratapum...). Hoffentlich musste jetzt keiner aufs Klo. Denn auf einem Rastplatz angehalten wurde nur in allerhöchster Not: Es war wohl gängige Praxis, dass Ossi- und Wessiverwandte sich dort von Zeit zu Zeit trafen, natürlich von der Stasi nicht unbeobachtet, was dem Wessi unter Umständen Schwierigkeiten beim nächsten Grenzübertritt bescherte.

    Zurück zur Zugfahrt. Was ich da aus dem Zugfenster sah, war grau und braun und trist. Graue, braune, triste Häuser, graue, braune, triste Menschen. Trabbis, die am Bahnübergang warteten. Vereinzelt HO-Läden. Spärliche Straßenbeleuchtung. Für mcih Westtusse, die das ganze Kudamm-Geglitzer gewohnt war, war dies ein gruseliger Anblick (es gibt aber auch in Westberlin Viertel, die heute noch äußerst bescheiden beleuchtet sind und wo's mich ebenfalls abends gruselt).
    Meine erste und so ziemlich einzige "Reise" in die DDR unternahm ich im Alter von 14 Jahren im Rahmen des Konfirmandenunterrichts. Wir fuhren nach Oranienburg zur Besichtigung des KZ Sachsenhausen und anschließend zum Alexanderplatz. Dort teilten wir uns in kleine Gruppen auf. Unsere Gruppe wollte in einer Milchbar direkt am Platz was trinken gehen, aber wir wurden mit den Worten "erst ab 18 Jahren" wieder hinauskomplimentiert. Also gingen wir ins Restaurant nebenan, setzten uns dort an so eine Art Bar - und wurden vollkommen ignoriert. So mussten wir durstig weitermachen. Plötzlich blickte ich mich um und stellte fest, ich hatte meine Gruppe verloren. Ich wusste, dass wir uns unter der Weltzeituhr treffen wollten, aber wo zum Geier war die? Hilflos eierte ich auf dem Alexanderplatz rum und malte mir in den lebhaftesten Farben aus, was passieren würde, wenn ich einen Vopo ansprechen und um Hilfe bitten würde. Mit auf die Wache würde der mich nehmen. Ausquetschen. Und sowieso würden sie mich dabehalten und ich würde nie wieder zurück in den Westen kehren! Panik machte sich breit... aber da war sie dann plötzlich, die Weltzeituhr. Die anderen warteten bereits. Ich war gerettet!

    Schweigsam, sehr schweigsam war ich an dem Abend. Mein DDR-Erlebnis musste ich ausführlich verarbeiten. So sah es also aus auf der anderen Seite...
    Mein nächster DDR-Besuch fand statt, als die DDR in ihren letzten Zügen lag, nämlich Weihnachten 1989. Zum Westen hin war die Mauer bereits geöffnet (ich habe mich furchtbar geärgert und ärgere mich heute noch, dass ich die Maueröffnung, dieses historische Ereignis, um 4 Tage verpasst habe, weil ich zwecks Studium am 5. November zurück nach München musste), nun sollte sie auch nach Osten geöffnet werden. Zunächst gab es so weiße Kärtchen, die wir Westler ausfüllen mussten, um über die Grenze zu kommen und natürlich mussten wir unsere Papiere vorzeigen - noch gab es die DDR schließlich. Und als ich dann unterm Brandenburger Tor stand, zum ersten Mal in meinem Leben, ja, da sind mir ein paar Tränen der Rührung geflossen.

  2.  
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  3. #32
    Benutzerbild von Babooshka

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    (...und noch 'ne Fortsetzung... ist lang geworden, jaja!)

    Ich persönlich habe keine Probleme mit Mauer im Kopf. Ich habe in all den Jahren bis heute öfter mit Leuten aus der ehemaligen DDR zu tun gehabt und fand es immer interessant, was sie zu erzählen hatten. Zum Beispiel der junge Mann aus Görlitz, dessen Vater aus irgendeinem Grund in den Westen fahren durfte und seinem Sohn einen Walkman mitgebracht hatte - was war er stolz darauf und wie wurde er darum beneidet! Ich habe aber auch gehört, dass Westberliner, die sich nun außerhalb von Berlin ein Haus gekauft haben, oftmals mit Mobbing durch Alteingesessene zu kämpfen haben. Was da dran ist - keine Ahnung. Meine Freundin hat ebenfalls ein Haus in einem Berliner Vorort und hat absolut keine Probleme.

    Was ich besonders genieße, ist die Möglichkeit, jetzt in die ehemaligen Ostblockstaaten reisen zu können. Polen, Tschechien, Ungarn... alles, was so an Deutschland angrenzt, kann jetzt bereist werden und das finde ich großartig! Für einen Westdeutschen waren die DDR und eben jene Ostblockländer, obwohl gleich nebenan, weiter weg als z. B. die USA.
    1986 lief ich mit meinem Besuch aus Rom die Mauer entlang, wo ein amerikanischer Journalist uns fragte, ob er uns dabei kurz filmen und dann interviewen durfte. Er fragte: "Do you think this wall will ever fall?" Meine Antwort: "No, it's totally utopic." Ja, das war 1986. Ich glaubte wirklich keinen Moment an das Unwahrscheinliche, zu festgefahren war die Situation auf beiden Seiten, zu eisern der Vorhang. Und doch...

    Das Fantastischste aber war, dass die Revolution friedlich von sich ging. Noch heute bekomme ich Tränen in die Augen, wenn ich durchs Berliner Mauermuseum gehe und dabei Filme vom 9. November und der Zeit danach sehe. Für mich war der Fall der Mauer ein Sieg der Freiheit. Ich bin davon überzeugt, dass es in der DDR und den anderen Ostblockländern einiges gab, von dem der Westen unbedingt hätte lernen sollen (es aber leider nicht tat). Ich denke da vor allem an die Berufstätigkeit von Frauen, die dort einfach selbstverständlich war, denn die Kinderbetreuung war garantiert, oftmals durch richtige Betriebskindergärten. Im Westen jedoch muss Frau sich praktisch schon um einen Kindergartenplatz kümmern, wenn das Kind noch gar nicht geboren ist. Tagesmütter kosten eine Menge Geld, das Gehalt der Frau, sodass die eigentlich für die Katz arbeitet (was ja häufig auch des deutschen Mannes Argument ist, um seine Frau im Haus zu halten). Wie ich schon an anderer Stelle schrieb, Deutschland ist das rückständigste Land Europas, was die weibliche Berufstätigkeit angeht und ich denke, für Frauen der DDR nach dem Mauerfall muss das ein ganz schönes Trauma gewesen sein.

    Ich bin trotz aller Probleme froh, dass Deutschland wiedervereinigt ist... aber jetzt will ich gerne noch mehr von euch hören, die ihr in der DDR gelebt habt. War das mit dem Schlangestehen wirklich so schlimm? Dass es nur an bestimmten Tagen bestimmte Waren gab und nach denen musste man 3 Stunden Schlange stehen, 3 Stunden, die einfach so von der Arbeitszeit abgingen? Und wenn es dann z. B. kein Brot mehr gab, durfte man seinen Unmut öffentlich äußern, ohne Konsequenzen zu befürchten? Hat jemand von euch seine Stasi-Akte eingesehen? Musstet ihr in der Schule wirklich alles Einsen im Zeugnis haben? Ich habe da so einen netten Artikel über Margot Honneckers Schulpolitik aufgehoben, aber der ist leider in Berlin, sonst hätte ich ihn hier reinegschrieben. Da steht sowas drin, dass schwache Schüler in Extrastunden "gefördert" (ich denke, "gedrillt" trifft es eher) wurden, um in allen Fächern auf Eins zu stehen. Bei mir hätten sie da auf Granit gebissen, was Mathe, Physik, Chemie, Geschichte usw. anging.

  4. #33
    Benutzerbild von JensMJ

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    Babooshka postete
    Ich bin trotz aller Probleme froh, dass Deutschland wiedervereinigt ist... aber jetzt will ich gerne noch mehr von euch hören, die ihr in der DDR gelebt habt. War das mit dem Schlangestehen wirklich so schlimm? Dass es nur an bestimmten Tagen bestimmte Waren gab und nach denen musste man 3 Stunden Schlange stehen, 3 Stunden, die einfach so von der Arbeitszeit abgingen? Und wenn es dann z. B. kein Brot mehr gab, durfte man seinen Unmut öffentlich äußern, ohne Konsequenzen zu befürchten? Hat jemand von euch seine Stasi-Akte eingesehen? Musstet ihr in der Schule wirklich alles Einsen im Zeugnis haben? Ich habe da so einen netten Artikel über Margot Honneckers Schulpolitik aufgehoben, aber der ist leider in Berlin, sonst hätte ich ihn hier reinegschrieben. Da steht sowas drin, dass schwache Schüler in Extrastunden "gefördert" (ich denke, "gedrillt" trifft es eher) wurden, um in allen Fächern auf Eins zu stehen. Bei mir hätten sie da auf Granit gebissen, was Mathe, Physik, Chemie, Geschichte usw. anging.
    Hallo
    Hmm mal sehen was ich noch für Erinnerungen hinbekomme.
    Schlange stehen war immer aktuell. Aber nicht so häufig wie man denkt. Dafür gab es die Sachen, nach denen sich anzustellen lohnte, einfach zu selten. Vor allem Schuhe und modische Kleidung. Es gab ja nicht diese Massen von Geschäften sondern nur so knapp 10 Adressen in Berlin wo es sich lohnte. Gute Schuhe haben ab 200 Mark gekostet, bei mir bei knapp 800 Mark Lohn.
    Es war immer wichtig jemanden zu kennen der in einem Exquisit oder Jugendmode Laden arbeitete. Der konnte dir dann sagen das es ab dem soundsovielten das und das gab. Einkaufen während der Arbeitszeit war daher ein Muss. Ich kann mich noch erinnern wie eines Tages ein Fahrer in die Werkstatt kam und rief: "In der Kaufhalle daundda gibt es Goldbrand." Da sind alle in die Autos und los gings. Goldbrand war besserer Weinbrand als der normale.

    Brot und tägliche Lebensmitte gab es immer. Gehungert hat unter Garantie keiner. Fleisch war etwas schwieriger. Die Verkäuferinnnen brauchten die Lieferungen meisstens garnicht erst auspacken, sondern die wurden ihnen so aus den Grosspackungen gerissen und in den Wagen geworfen. Also abgepacktes Fleisch wie man es auch heute kennt. In Bezug auf Versorgungsfragen war Kritik kein Tabu. Offiziell war ja auch die ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit Konsumgütern ein gerngehörtes Schlagwort.

    Von den Leuten die ich kenne und die ihre Stasiakte geleen haben, waren die meissten enttäuscht. Es sind alle Klarnamen geschwärzt und auch alle Abschnitte die Beziehungen zu anderen Stasiakten enthalten. Man muss also ein sehr gutes Gedächtnis haben um zu entschlüsseln wer der und der IM war. Man kann aber sagen das jeder der seine Akte liest danach mindestens 2 oder 3 Leute kennt die in seinem Umfeld als Im gearbeitet haben.

    Das mit der Schule und den 1ern ist natürlich Unsinn. Die Leistungen waren genauso durchschinttlich wie sie auch heute sind. Interessant ist allerdings das es nur festgelegte Plätze für das Abitur und Studium gab. In unserer Klassenstufe waren das 6 Plätze für 60 Schüler in 2 Klassen a 30 Schüler. Da in der Parallelklasse sich 5 Leute für eine Karriere bei NVA und Polizei entschieden hatten, blieb bei uns ein Platz übrig. Den hat eine Schülerin bekommen die alles 1 und nur eine 3 in Sport hatte. Der Rest wurde auf die Produktion verteilt.
    Mein Gespräch beim Berufsberater verlief so: "Was wollen sie denn werden? Ach ja? Hmmm. Hier ist noch eine Stelle frei. Sie werden Monteur."

    Ich empfehle immer neben dem bekannten "Sonnenallee" auch den Film "Helden wie wir". Er mag überzeichnet erscheinen, spiegelt aber die DDR Wirklichkeit bestens wieder.

    Gruß MJ

  5. #34
    Benutzerbild von Babooshka

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    Oh ja, Helden wie wir und Sonnenallee, wunderbare Filme! Vor allem bei dem Buch Helden wie wir habe ich herzhaft gelacht. Bei Sonnenallee fand ich es witzig, wie die Wessis über die Mauer geguckt haben, "kiek mal, echte Ossis", wie die älteren Ossis ständig irgendwas aus dem Westen geschmuggelt haben und die jungen Ossis hinter dem Wessi-Reisebus her sind und "Hunger, Hunger" geschrien haben.

    Das mit der Abiturquote wusste ich nicht, das ist ja ein Hammer. So ähnlich hab ich's mir aber andererseits auch wieder gedacht, dass nur die weiterkommen, die sich für den Staatsdienst entscheiden. Und dann das Gespräch mit dem Berufsberater... da MUSSTE man ja soviel wie möglich in der Arbeit bummeln, wenn man in einen Beruf gesteckt wurde, den man vielleicht gar nicht wollte, nur weil der gerade frei war. Viele Westdeutsche haben bei ihrer Berufswahl ja auch Kompromisse machen und vielleicht erst mal was lernen müssen, was ihnen nicht so gefällt. Aber später hatten sie ja immer noch die Möglichkeit, was anderes zu machen. Wäre ich DDR-Bürgerin gewesen, hätte ich kein Abi gemacht (weil zu schlechte Noten) oder machen dürfen (weil keinen Bock auf Staatsdienst). Auf diese Weise wurden hochintelligente Menschen zum Arbeiterdasein verdonnert, wo sie sicherlich geistig ziemlich verkümmerten. Aber das ist ja wohl auch heute noch in China das Prinzip des Sozialismus, oder?

    200 Mark für ein Paar Schuhe bei einem Monatsgehalt von 800 Mark... umgerechnet wären das 600 DM bei einem Nettogehalt von ca. 2.300 DM gewesen! "Gute" Schuhe - Westschuhe? Wie viel kosteten dann "normale" Schuhe und wie lange hielten die?

    Und wie war das mit der FDJ und den Pionieren? Musste man dabei sein? Hatte man Nachteile, wenn man es nicht war? Wie ging es dort zu? Ich will alles wissen.

  6. #35
    Benutzerbild von Krupunderstab

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    Babooshka

    Wo haben denn deine Gedanken dieses Horrorszenario her . Einem alten Bayern würde ich das ja noch glauben , weil die sich am Stammtisch
    schon seit Jahrzehnten soetwas erzählten . Aber du als Berlinerin?
    Ich bin ca 250Km von Berlin weg im Norden der Zone aufgewachsen und will dir kurz eine objektive Antwort geben.

    Einkaufen:

    In der DDR gab es genau solche Supermärkte wie weiter westlich . Der Unterschied bestand darin das bestimmte Sortimente nicht so reichhaltig
    waren (Südfrüchte ausserhalb der Saison): Cuba-Orangen gab es immer.Auch war die Verpackung oft nur so schön und
    umfangreich wie notwendig und nicht 6-fach.( Kultig wie die Wessis diesbezüglich dank Trittin Ozzifiziert werden , sie merken es nur nicht und sind begeistert )
    Aber über den normalen Hunger hinaus gab es jederzeit Leckerlies aller Art .Z.B.als Klone von Mars & Snickers gab es "Fetzer & Joker" Warn aber schlechte Kopien.
    Brot gab es jederzeit und in solcher Menge das die Bauern aus der Umgebung abends immer mit spitzem Stab in der Speckitonne die halben weggeschmissenen Brote
    aufklaubten und ihren privat gehaltenen Geiern gaben.War zum Feierabend nur nicht mehr so frisch (fehlende Backchemie).
    Das Schnapsregal war in Menge und Fülle bei weitem größer als Heute . Nur Billigschnaps (Blaue Welle) ging schnell weg so wie heut bei Aldi die
    Angebote
    Interessant war das der Osten immer wieder auf Versuche kam sich von Importen zu befreien . Den größten Vogel schossen die Wirtschaftsanalphabeten ende der 70'er mit der versuchten
    Streckung von Kaffee ab (Kaffee-Mix ) . Da aber sebst die gemütlichen Sachsen sofort putschbereit waren , wurde das Experiment nach 2 Wochen beendet.
    Schlangen gab es grundsätzlich nur bei"Luxusware".Wie bestimmte Unterhaltungselektronik , preiswerte Pauschalreisen ins Ausland westliche Markenklamotten für Ostgeld und so einem Scheiß wie Silvesterknaller.


    Schule:

    Drill gabs nicht . Psychologisch wurde versucht durch Gruppendynamic Abweichler zu disziplinieren. ( Freiwilliger Zwang )
    Wer nicht wollte, wurde nicht gehauen . Man mußte kein Pionier oder FDJ'ler werden. Man mußte nur nein sagen können,und wissen das man seine
    anderen (politischen etc.) Ansichten soft halten musste. Aber wie gesagt "Heroes" hatten es schwer wenn sie ihre Warheit vor der Schulobrigkeit
    flammend verteidigten . Dann kam schnell die Säge . Ist heut aber bei bestimmten Themen genauso

    Wie gesagt : es wird alles nicht so heiss gegessen , wie es durch ( die freien Medien ) gekocht wird .

  7. #36
    Benutzerbild von Babooshka

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    Das hast du ein bisschen falsch verstanden. Das mit dem Brot war nur so ein Beispiel, nichts Konkretes. Weil ich ja auch immer meckere, wenn's um 18 Uhr kein Brot mehr gibt beim Supermarkt-Bäcker Ich hatte keinesfalls den Eindruck, dass die DDR-Bürger Hunger litten. Ich dachte nur immer, dass bestimmte Waren nur begrenzt vorhanden waren und diese Annahme hat Jens bestätigt (Fleisch, so gen. Luxusgüter). Und andere Waren gab es wahrscheinlich überhaupt nicht, sonst wäre die Banane ja nicht so die Wiedervereinigungsfrucht geworden Einige Artikel gibt es immer noch bzw. wieder, ein Zeichen dafür, dass es auch Leckeres gegeben haben muss.

    Und was die Verpackung und das Design betrifft, ich habe da so einen netten Bildband: "SED - Schönes Einheits-Design". Köstlich, kann ich nur sagen! Vor vielen Jahren arbeitete ich mal in einer Anwaltskanzlei. Der Azubi und die Praktikantin waren alte Ossis, denen zeigte ich das Buch und die schwelgten sogleich in alten Erinnerungen. "Ey guck mal, den Cassettenrecorder habe ich zur Jugendweihe bekommen, aber der ist kaputt gegangen, weil die blöden Batterien da drin ausgelaufen sind."

  8. #37
    Benutzerbild von imperium22

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    Nun mal wieder ich!

    Also ich war jedes Jahr im Westen! Aus dem Grund da ich Schach gespielt habe! Da fand jedes Jahr ein Schachlager in der nähe der Grenze und Ferienlager wie man die nannte und da durften wir in den Westen. Kann mich da noch erinnern wie wir immer Geld geschmuckelt haben da es ja nur eine Begrenzung gab wieviel man mit nehmen durfte in den Westen.

    Die Zeit war lustig....

    Ich weiß noch genau wie ich mich über meine erste Softkelle gefreut habe aus dem Westen. Auch so was wie Schlümpfe die ich immer bekommt habe von einem Kumpel den sein Vati immer in den Westen gefahren ist da er da Arbeiten mußte und welche mit gebracht hat.

    Also wie gesagt ich konnte mich nicht beglagen bei dem Westzeug was ich bekommen habe.... Mein Vati war ja auch viel im Westen unterwegs als Programmierer zur der Zeit....

    Da habe ich noch solche Frösche rum liegen. Keine Ahnung ob ihr die noch kennt. Dicke Rote Lippen (Kußlippen) und grüne Haare aus Wolle und dann dünne beine und arme und einen Bauchnabel usw. Sieht echt süß aus. Für die kleinen Kinder auch heute noch ein muß!

    Mit den an stehen ist das heute nicht genauso???? Wenn was spezieles gesucht wird gibt es immer eine riesen Schlange genauso wie in der DDR wo es besondere Sachen gab...

    Mit den Marken Sachen das war mal eine Frage! War das in der DDR auch so schlimm oder nicht??? Denn die hatten ja nicht so viel Markenprodukte oder sagen wir wenig verschiedene????

    Wie gesagt das mit der Meinung frei äußern ist heute so eine Sache!
    In der DDR hat man Strafarbeit bekommen und heute ist das auch so!!!

    Nun mal eine Frage zu den Pionieren da kann ich mich nicht mehr genau erinnern... Hatte man die Kleidung gleich früh zu Hause an gezogen oder erst sich um gezogen für Pionier Apelle usw?

    Das ist mir in meinen jungen Jahren noch nicht so bewußt geworden!

    Wie ihr seht habe ich den Westen schon in der DDR genossen.

    Ich habe mich auch immer über das was ich bekommen habe gefreut!
    Aber ich denke mal anders als die Jugend heute....

    Denn damals war es schon was besonderes wenn du mal was hattest aus dem Westen! Das hat man irgenwie geliebt sei es ein Stofftier usw. Denn wie gesagt es war selden das man es bekommen hatte.

    Heute ist der umgekerte Fall das viele Jungendliche gar nicht mehr wissen was das kostet und denken das bekommt man ja so einfach! (Ich meine was für Arbeit dahinter steckt das Geld zu verdienen)

    Und vor allem weiß ich nicht wie das mit dem Wertvorstellungen ist! Damals hat man das alles sehr selden bekommen und ist damit sehr vorsichtig um gegangen. Heute sagt sich ein Jugendlicher auch wenns kapput geht wir haben ja so viel davon im Laden da kaufen wir was neues.



    Wie gesagt das schlimm heute ist auch das man geschlagen wird wenn man anders aus sieht. Ich habe es ja schon erwähnt.

    Das werden also immer die unterdrückt die nicht mit ziehen können in der starken Welt. Und das war in der DDR so und ist heute auch so......

    Bloß das heute die Leute weck sterben wenn es bald so ist wie in Amerika da wir den ja nach eifern. In der DDR wäre keiner verhungert oder ???

    Denke nicht da das oberste Gebot war Nahrung für die Leute zu haben!

    PS! Wie gesagt alle sind in den Westen gerannt blauäugig! Da kann man mir vielleicht auch so was vor werfen das ich so bin und das mit der DDR so sehe. Aber in den Westen zu rennen und zu sagen da ist alles zu 100 Prozent Ok was das schlimmste was man denken konnte. Denn kein System ist perfekt.

    Zum Glück war ich da noch jung und habe nicht an sowas gedacht. Sonnst hätte ich mich auch blenden lassen vielleicht. Aber ich denke eher nicht. Denn ich kannte beiden Seiten wie gesagt!

    Und da habe ich auch meine Sachen mit bekommen. Wir hatten im Westen immer total viel Angst! Und wurden auch ausgeraubt als wir einmal über die Grenze gegangen sind und da in einem Geschäft waren.

    Das heißt unser Gruppe wurden Rucksäcke im Laden geklaut.

    Also nix toller Westen!!!!!

    PS! Das lustige ist ja das alle im Westen über die DDR geschimpft haben!
    Aber da gab es Fälle wo die Westler in den Osten gefahren sind um da zu arbeiten und Ihre Haare sich schneiden zu lassen oder Studieren!

    Denn warum auch nicht! Für die war es ja billig!!!!!!!

    Gibt schon lustige Fälle! Jeder hat sich gehasst aber am Ende gab es da schon viele Verbindungen.

    Nehmen wir z.b. das nächste!

    Robotron hat als der Westen den Farbfernseher raus gebracht hatte über 90 Prozent ihrer Schwarzweißgeräte Importiert in den Westen da die dort gekauft wurden. Die waren ja billiger als die Farbfernseher....... Ist ja logisch!

    Also hatten die 90 Prozent Absatz im Westen zu der Zeit..

    Was es nicht alles gibt

    Das kommische ist was mir zur DDR auf gefallen ist zu heute.

    Heute besteht das Leben nur noch aus Arbeiten und keiner hat mehr Zeit.
    Auch hier kann ich mich ihren!

    Ich weiß noch wie früher haufen fette Familienfeiern waren und da jeder Zeit hatte sich zu treffen egal wo.

    Heute geht das nicht mehr so einfach das sich alle treffen da man hart Arbeiten muss usw.......

  9. #38
    Benutzerbild von dj.forklift

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    imperium22 postete
    Nun mal wieder ich!

    Also ich war jedes Jahr im Westen! Aus dem Grund da ich Schach gespielt habe! Da fand jedes Jahr ein Schachlager in der nähe der Grenze und Ferienlager wie man die nannte und da durften wir in den Westen.
    ...

    Ich weiß noch genau wie ich mich über meine erste Softkelle gefreut habe aus dem Westen. .......
    Sag mal Impie, wie spielst Du Schach?

    Schlange stehen gehörte zum DDR-Alltag. Man hat es eben nicht anders gekannt. Dabei hat man allerhand neues erfahren und vielleicht die eine oder andere Bekanntschaft geschlossen. Heute regt sich unser eins schon auf, wenn wiedermal genau vor mir die Rolle der Kasse im Supermarkt gewechselt werden muss... Gut Ding will halt Weile haben. Die Grundversorgung mit (subventionierten) Lebensmitteln war definitiv gesichert, ansonsten half eine Eingabe oder das Anrufen der ABI, (Arbeiter-und-Bauern-Inspektion), Schieds- bzw. Konfliktkommision. Das war so 'ne Art Barbara Salesch auf sozialistisch. Das hat sogar meistens geholfen. Die Mauer in den Köpfen ist, denke ich, wohl nie wegzukriegen. Bei den 12 - 20jährigen isses vielleicht sogar noch etwas schlimmer. Und nochwas zum Thema "Ohne Beziehungen lief im Osten nix". Das ist heute eigentlich fast noch schlimmer. Meine Tochter hat knapp 40 Bewerbungen Richtung Westen verschickt, Zeugnisdurchschnitt 1,4. Sie bestand die Teste tadellos. Sie wurde dann immer noch zu einem Gespräch eingeldaden und kam dann halt doch nicht an, weil (das haben wir nachgeprüft) Kinder von Betriebsangehörigen den Vorzug bekommen haben. Solche Schweinereien gab es sicherlich auch in der Zone, aber nicht in diesem Ausmaß.

  10. #39
    Benutzerbild von hechicero

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    Also mal was zum Konsum in der DDR. Ist ja alles wohl nicht Euer Ernst !!! Es gab nischt, jar nischt. Und wenn es was gab, dann nur in Berlin.
    Wir haben immer Großeinkäufe in der CSSR (Tschechien) gemacht. Die hatten viele Sachen viel besser, wie Turnschuhe, Lederjacken, viele Lebensmittel. Damit haben wir in Prag immer unser Auto beladen und wurden an der Grenze zur DDR manchmal gefilzt wie Verbrecher, weil: Man durfte all das nicht ausführen. Die "CSSR" hatte es ja selber für teure Valuta gekauft. Das führte dann dazu, daß wir aus Jacken die Schildchen rausgetrennt und DDR-Schilder reingenäht haben. Turnschuhe haben wir natürlich dort schon die ganze Zeit getragen, damit sie benutzt und alt aussahen und man sie uns nicht wegnahm. Grauenhaft !!!!

    Und dann erinnere ich mich noch, daß bei längeren Hitzeperioden die Getränke in den Geschäften schnell ausgingen. Keine Limo oder Cola mehr. Man trank dann so eine Art Fruchtsirup mit Wasser verdünnt, denn den gab es immer. GRAUENHAFT !!!!!

  11. #40
    Benutzerbild von hechicero

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    Babooshka postete
    Das Fantastischste aber war, dass die Revolution friedlich von sich ging. Noch heute bekomme ich Tränen in die Augen, wenn ich durchs Berliner Mauermuseum gehe und dabei Filme vom 9. November und der Zeit danach sehe..
    Wenn Du nur ahnen würdest, wie fragil all das war !!!
    Ich mußte am 1.9.1989 zur NVA in ein Mot-Schützen (=Panzergrenadier)-Regiment in die Nähe von Berlin. Das war mein Pech, denn ab Ende September leuchtete bei uns auf dem Gang permanent die Alarmleuchte. Das hieß: Kein Ausgang (oder nur mit Sondererlaubnis des Kompaniechefs), erst recht kein Urlaub und immer in Bereitschaft.
    Auf unserem Radio mußten wir die DDR-Sender kennzeichnen, danach wurde dieses vom "Polit-Offizier" (LOL) versiegelt. Fernsehen hieß "Aktuelle Kamera", mehr war nicht in dieser Zeit.
    Mit Grausen erinnere ich mich an den Tag als diese Riesendemo auf dem Alex war. 1 Million Leute sollen es im Nachhinein gewesen sein, die der Prominenz zugehört hat.
    Die DDR hatte Angst, deswegen zog man alle militärischen Kräfte darum herum zusammen, alles was in der Nähe war. Man holte uns mitten in der Nacht aus dem Bett, sagte uns, wir sollen die Felddienst Winter anziehen und den Ausgehmantel darüber.
    Das war eine nicht zulässige Kombination. Die Begründung: Geworfene Steine tun dann nicht so weh. Dann drückte man uns Verpflegung in die Hand und schließlich einen (zusammengesteckt) fingerlangen, ausziehbaren Gummiknüppel mit Eisenkern. Bis dahin war ich mir nicht im Klaren gewesen, daß es solche Knüppel in der DDR überhaupt gibt - geschweige denn, daß wir die brauchen.
    In 1 Stunde war raustreten. Viele haben in dieser Stunde wahre Abschiedsbriefe geschrieben. Draußen holten sie die Munitions-LKW aus den Garagen.
    Als einer fragte, warum wir voll aufmunitioniert hinfahren, wurde nur erwidert, daß es zu viel Arbeit machen würde, darauf zu verzichten....sie gehören halt dazu (selten so gelacht).
    Ich will es kurz machen: die Menge war friedlich. Noch heute frage ich mich, was passiert wäre, wenn das nicht so gewesen wäre. Es gab zu dem Zeitpunkt keinerlei Plan (den Eindruck hatte ich) was erreicht werden soll.
    Man hat uns gerufen und wir mußten mit unseren Waffen dahin.
    Unsere ganze Kompanie bestand aus Abiturienten (die Soldaten), alles Leute, die studieren wollten. Natürlich war das Gros auf der Seite der Menge. Unsere Offiziere und Unteroffiziere haben/mußten(?) eine andere Meinung vertreten. Oft waren sie auch nur halb so intelligent (Abgang 7. Klasse war bei Unteroffz nicht selten). Mit denen mußte man auch nicht diskutieren.

    Leute, es war verdammt schlimm ! Und es war verdammt knapp !!! Und wir sollten alle stolz sein, daß Deutschland das alles ohne einen vergossenen Blutstropfen geschafft hat !

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