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Die 80er in der DDR

Erstellt von bubu, 05.02.2003, 20:22 Uhr · 359 Antworten · 59.465 Aufrufe

  1. #81
    Benutzerbild von Krupunderstab

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    Meine persönlichen Erfahrungen zum Thema FDJ : niemand musste dort irgendwie mitmachen und es galt eigentlich als Cool , sich von der Roten Scheiße abzugrenzen . Man musste "nein" sagen und dann war's das , sonst war man mehr oder weniger automatisch Mitglied. In meiner damaligen Klasse waren es etwa 75% meiner Mitschüler in der FDJ. Und kaum einer glaubte an das Rote Zeug. Außerschulisch hatte Ich überhaupt nichts mit der FDJ zu tun . Man zog das blaue FDJ-Hemd zu Schulappellen , Zeugnisausgaben ,bzw wenn ein altverdienter Rotstalinist die Klasse mit Kriegs-und Widerstandserinnerungen nervte. War so Ca. 1X in Monat so . Also eigentlich viel weniger als ein Wezzi in seiner Pfadfindergruppe . Freizeit hatten wir genausoviel wie Ihr. Auch wurde vom FDJ-Hemd demonstrativ nur der Kragen über dem Pullover zur Schau gestellt . Genauso hatten wir ein Paar Lehrer die das auch nicht so heftig sahen und den Unterricht auch nicht so durchzogen , wie es Margot gern hätte . Wie gesagt-die halbwegs Intelligenten kannten die Grenzen , man blökte kurz mit ,zwinkerte sich zu , und freute sich auf interessantere Dinge . Den selben Effekt siehst du an den heutigen Politikern , die wissen genau das sie verlogene Phrasen dreschen , aber wenn sie die Warheit sagen würden-und das wissen Sie , gibt es für sie mehr als ein Honigkuchenstück weniger . Deswegen lassen sie es , und es geht Ihnen weiter gut dabei. Wer denkt , er kann gegen dieses Gesetz verstoßen , dem gehts wie Großmaul Mölli. Dieser Effekt hat viele Ossis geprägt , und viele von uns lebten damit ganz passabel.

  2.  
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  3. #82
    Benutzerbild von Slater

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    Hallo
    Ich bin seit längerer Zeit Leser des Forums und habe die "Ost" Diskusion als Anlass genommen, mich nun endlich mal zu registrieren. Das ich ein 80-iger Fan bin versteht sich von selbst. ( Baujahr 65) Ich komme aus Südthüringen und das lag ja zu DDR- Zeiten ziemlich hinter'm Wald. Das heist aber nicht, das bei uns nicht's los war. Wir hatten hier'nen prima Westempfang Fernsehmäßig ( ARD, ZDF, BR3, HR3). Als Jugendlicher hat man sich nicht so'n Kopf gemacht Über das was in der DDR so passiert ist. Mir ging es jedenfalls so. Das ging mir doch so ziemlich am Arsch vorbei. Ich hab meine 10 Klassen gemacht, Lehre, Armee und gearbeitet. Klar wollte man uns zu strammen Kommunisten machen und uns irgendwas erzählen vom Sieg des Sozialismus. Wer das mitgemacht hat war selbst Schuld. Hauptsache am Wochenende war Disco oder Jugendtanz, und es gab reichlich Alk und Mädels. Die 80-iger in der DDR waren für mich schon'ne schöne Zeit, in der ich viel erlebt habe. Höhepunkt war das SAGA-Konzert 81 oder 82 in Suhl. Das war das Eröffnungskonzert ihrer Weltturnee. Da waren alle DDR Bands dort die Rang und Namen hatten und haben sich ein Auge geholt. Das war schon was "SAGA LIVE". Hab mir dann auch gleich die Platte von Amiga gekauft. Ich hatte 'ne ganz gute Sammlung von Amiga Platten, hab sie damals aber alle meinem Neffen geschenkt. Ich könnte mich in den Arsch beissen. Aber eine hab ich behalten. "Whose Side are you on" von Matt Bianco. Da ich Fan von Matt Bianco war und noch bin, kam die Amiga Veröffentlichung für mich ziemlich spät (89).
    Im Urlaub ging es für uns ja nur "Ostwärts". Wir sind jedes Jahr nach Prag zum Zelten. Sportcamp hieß der Zeltplatz glaub ich. U-Fleku und Faß waren unsere Stammkneipen. Da wurden auch schon mal Wetskontakte geknüpft. Aber Fresskram hat von uns keiner mit nach Hause genommen. Davon gab's in der Zone eigentlich genug. Es gab soviel davon,das wir Fleisch und Getreide in den Westen exportiert mußten.( Achtung Ironie)Erwähnen muß ich noch meine Armeezeit, weil mir anderthalb Jahre meiner Jugend gestohlen wurden.Ich muß da aber stoni widersprechen. Einer im Grundwehrdienst konnte sich nicht aussuchen wo er hinwollte. Das ist absoluter Käse. Wenn der Einberufungsbefehl kam und es stand Grenze drauf,dann war's das.
    @hechicero
    Offiziere und Uffze. waren meistens Abgang 7. Klasse? Ein Offz. hatte meistens Abi.und die Uffze zum größten Teil 10. Klasse. Ich war mitte der 80-iger dabei(84-85) und da war das so. Wir waren auf einer Stube 12 Leute und 7 davon waren Abgang 8. Klasse oder tiefer. Soldaten wohlgemerkt. Wie verplombt man eigentlich ein Radio? Wir hatten auch eins und bei uns lief nur HR3 oder NDR2. Und'nen Fernseher hatten wir auch und wenn ein guter Film kam lief bei uns ARD u.ZDF. Meine Güte ihr Abiturienten müßt euch ganz schön dämlich angestellt haben.
    mfg Slater

  4. #83
    Benutzerbild von JJ28

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    @ Slater
    Als Wessi mochte ich den Tourismus der Wessis gegen Osten nicht so besonders, da es meist Jugendliche waren, die mit kleinem Geldbeutel in die Tschechei fuhren um z.B. im U-Fleku die Sau rauszulassen. Auch konnte man für 100 DM die Woche eine Privatwohnung illegal mieten um auf Annehmlichkeiten nicht zu verzichten.
    Böh, war mir immer etwas zu spießig.
    Lieber mit dem VW Bus nach Spanien und eine geruhsame Kugel an der Atlantikküste schieben.

    ... muß ich noch meine Armeezeit, weil mir anderthalb Jahre meiner Jugend gestohlen wurden.

    Du bist glaub ich der Erste, der das so erwähnt.

    Nun, wir konnten zwischen Bund oder Zivildienst relativ frei wählen.
    Von 40 Jungs sind gerade mal noch 4 zum Bund gegangen.
    Einer wollte das machen, weil Bund damals 3 Monate kürzer war.
    Zwei andere gaben vor der Einberufung an, sie könnten es sich aussuchen wohin die "Reise" ginge, sie könnten im Ausland dienen und dafür auch mehr Sold kassieren. Wurde aber leider nix daraus. Verarscht.
    Das mit der Verweigerung und der schriftlichen Begründung war auch ein Witz.
    Gewisse Gründe standen meist im Vordergrund und es galt diese in Gewissensgründe zu überführen.

    Damals waren ein Teil der Zivis durchaus der Meinung, etwas Gutes an der Menschheit zu leisten. Heute sehe ich es auch als unnütze Zeitverschwendung an, man sollte lieber die ganzen Sozialhilfeempfänger zu gemeinnütziger Arbeit rannziehen, dann ist der Pflegenotstand auch beseitigt.

    Zum Thema Dienstrang und Schulabschluss:

    In den letzten 30 Jahren hat sich im Westen einiges getan.
    Mein Vater war 71 oder 72 6 Wochen bei der Bereitschaftspolizei und hatte dort einen Ausbilder, der vom Jahrmakrt rekrutiert wurde. Außer Rumbrüllen konnte dieser Mann nichts.
    Ähnliches berichtete ein Lehrer von mir. Dieser war Anfang der 80er beim Bund und hatte dort Vorgesetzte, die keinen Schulabschluss hatten und mit dem Versprechen geködert wurden, dass wenn sie sich auf 8 Jahre verpflichten würden, könnten sie in der Zeit den Hauptschulabschluss nachmachen. Natürlich in ihrer Freizeit. Da mußte ein Ungebildeter eine Truppe Wehrpflichtiger kommandieren und die ranghöheren Vorgesetzten lachten sich in der Stube über den Deppen krank.

    Dank der Arbeitslosigkeit hat auch der Staat mittlerweile Möglichkeiten geeignete Leute zu finden und nicht nur den Bodensatz, den die Industrie nicht mehr will.

    Als ich 90 bei der Musterung im Kreiswehrersatzamt an der Römerbrücke war, lief eine Sekretärin mit einer Flasche auf dem Flur rum und hinter der Tür des heiligen Zimmers mit der Deutschlandfahne krähte einer nach seinem Underberg-Schnaps. Ich musste einen bitten, mich in den Arsch zu treten, damit ich nicht vor der Kommission loslachen mußte.
    Es tat so weh!


    CU
    JJ

  5. #84
    Benutzerbild von Slater

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    @JJ 28
    Ich wollte in Punkto Schulabschluß nur verdeutlichen das die meisten Unteroffiziere in der DDR nur 3 Jahre gemacht haben um studieren zu können. In meiner Truppe waren das mindestens 70 Prozent. Von hechicero wurde der Eindruck vermittelt alle Offiziere und Unteroffiziere waren Deppen, nur wir Soldaten waren die hellsten. Es gab Schwachköpfe und es gab prima Kumpels hier wie da. Und es gab ware Freunde, mit denen ich noch heute Kontakt habe.Aber was soll's,es wird eben immer ein bischen übertrieben.
    Ich wollte noch was zu der berühmten Mauer in den Köpfen sagen. Ich arbeite seit 92 in Bayern,äh besser gesagt Franken. War von Anfang an ein prima Arbeitsklima. Aber ein paar Stänkerer gibt's da immer noch. Da muß ich mir schon noch manchmal anhören, daß ich ein Sauossi bin. Das ist aber die Ausnahme.
    mfg Slater

  6. #85
    Benutzerbild von hechicero

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    @ Slater

    Tja, ich kann ja auch nichts dafür, daß unsere Uffze so doof waren . Aber es war halt ne Mot-Schützen-Kompanie .
    Das mit dem Radio und Fernsehen war so. Natürlich haben auch wir RIAS gehört. Versteht sich ja wohl von selbst. Dafür hat dann aber einer auch mal ein Wochenende im Bau gesessen, während wir Ausgang hatten.
    Verplombt heißt, daß wir das auseinander nehmen mußten und die Frequenzleiste wurde gegen eine ausgetauscht, auf der nur die DDR-Sender markiert waren. Das hat der Polit dann kontrolliert und das Radio versiegelt.
    Natürlich konnte man andere Sender hören. Man sah aber auf einen Blick, welcher es war.

    Außerdem darfst Du nicht vergessen, von welcher Zeit ich gesprochen habe.
    Mag ja sein, daß 84/85 die Welt noch in Ordnung war. Aber 89 hatten die eine Scheiß-Angst, daß ihnen alles aus den Händen gleitet. Wenigstens die NVA sollte wohl funktinieren. Und da wurde jede westliche Tendenz gnadenlos unterdrückt.
    Wir mußten sogar noch zum Manöver im Februar 90 (!!! als alles längst gegessen war!!!)...mit mehreren tausend Russen (die naturgemäß scharf schossen bei ihren Manövern ).
    Danach haben wir dann die Mauer abgebaut und die B+A-Kammer verscherbelt.
    Eine Scheiß-Zeit.

  7. #86
    Benutzerbild von hechicero

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    @ Slater

    Von unseren Uffzen wollte definitiv keiner studieren. Und die Offze waren keine Deppen und hatten teilweise studiert. Unser Oberleut war sogar Dr. Seine Promotion hatte er über den Häuserkampf geschrieben, deswegen hieß er bei uns Dr.mot.
    Nee, waren schon schlaue Leute

  8. #87
    Benutzerbild von stoni

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    @slater

    da aber stoni widersprechen. Einer im Grundwehrdienst konnte sich nicht aussuchen wo er hinwollte. Das ist absoluter Käse. Wenn der Einberufungsbefehl kam und es stand Grenze drauf,dann war's das.
    Von Aussuchen ,wo man hinwollte, war doch gar nicht die Rede.Es ging nur um den Grenzdienst mit Waffe.Und da wurde bei meiner Musterung nun mal gefragt.Wenn das in Dürringen nicht so war,Dein Pech!Da Dir ja eh alles am Arsch vorbei ging,hättest Du wohl auch mit diesem Dienst keine Probleme gehabt oder ?
    @hechicero
    Bei den Uffz. muß ich auch wiedersprechen.Die ich kannte,wollten alle beruflich weiterkommen und haben somit in den 3jährigen sauren Apfel gebissen.Da waren zukünftige Jurastudenten und Ingenieuere dabei !
    Gruß Stoni

  9. #88
    Benutzerbild von hechicero

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    WIE OFT EIGENTLICH NOCH ?
    Ich habe von meiner verschissenen Kompanie geredet. Und da war das so. Das mit den dreijährigen allgemein stimmt auch. Nämlich bei mir selber.
    Ich wollte Medizin studieren. Das hätte ich nur machen dürfen, wenn ich 3 Jahre zur NVA gegangen wäre. Das hab ich nicht gemacht. Also hab ich auch nicht Medizin studieren dürfen und wurde abgelehnt (obwohl notenmäßig andere schlechter waren). So war das. Dabei hätte ich mich zu den drei Jahren sogar hinreißen lassen, wenn mir dann das Studium sicher gewesen wäre. Nur war das nicht so. Man mußte sich vorher verpflichten und sich dann erst aufs Studium bewerben. Auf die Masche hatte ich keinen Bock.

    Also nochmal: ich habe nicht gesagt, daß alle Uffze und Offze in der DDR doof waren. Gesagt habe ich , daß in meiner Kompanie fast alle doof waren. Ich wollte damit auch nur denen, die nicht dabei waren, einen Abriß dessen geben, was um den November 89 passierte.
    Wie intelligent unsere Uffze waren, das ist off topic und hilft diesem Thread nicht weiter.

  10. #89
    Benutzerbild von Krupunderstab

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    Nicht immer lassen sich Intelligenz und Bildung an der Zahl der Schul-& und Unijahre bestimmen . Vergesst es nicht , auch der Elfenbeinturm wiedersteht der Säge nicht.

  11. #90
    Benutzerbild von hechicero

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    Danke für diesen weisen Satz Krupunder. Thema aber leider verfehlt.

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