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Prolos in den 80ern und heute

Erstellt von Lutz, 22.06.2005, 20:30 Uhr · 65 Antworten · 17.501 Aufrufe

  1. #11
    Benutzerbild von Pallas

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    Also, ich finde beides peinlich: die Prolos von damals wie die Prolos von heute. Prolos sind einfach peinlich - aber sie bescheren uns viel Spaß, denn wir können sie richtig schöne Klischeeanalysen machen. Und uns zudem besser fühlen, denn wir wären selbstverständlich niemals so...

  2.  
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  3. #12
    Benutzerbild von musicola

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    Lutz postete

    BTW: Jetzt kann ich's ja mal verraten: Ich hab in den 80s in der Mailboxszene (1) unter einem Fake-Namen den "Opel Tuning Club Steilshoop" gegründet.
    Dafür habe ich dann immer "Tuning" Tipps aus einem Golf 1 Handbuch (gemerkt hat's niemand!) abgetippt und für die Opel-Jungs online gestellt.
    *ins Lachkoma fall*

  4. #13
    Benutzerbild von ihkawimsns

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    Als Bewohner der Dortmunder Nordstadt kann ich in Sachen Prolls natürlich auch einiges beitragen. Hier findet man neben dem Hip-Hop-Proll auch noch den guten alten Vokuhila-Proll. Eine generelle Beobachtung, die ich in diesem Zusammenhang gemacht habe, ist der faszinierende Gesichtsausdruck Marke "doof, aber glücklich". Da denkt man sich manchmal wirklich, dass die Eltern Geschwister waren. Ja, was hab' ich hier schon so erlebt?

    1. Frühsommer 2004, 25 Grad, sonniges Wetter. Aus einer Seitenstraße schallen laute Umtz-Umtz-Umtz-Klänge, die sich mit ca. 30 km/h nähern. Ein rotes, tiefergelegtes Cabrio (Marke weiß ich nicht mehr) taucht auf mit zwei breitbeinig sitzenden Jungtürken drin, die genau obigem Profil entsprachen. Kaya Yanar hat mal eine ähnliche Szene als Sketch verwurstet, daran musste ich damals denken.

    2. Nicht weit entfernt von obiger Stelle, ein Dreivierteljahr später: Diesmal begegne ich dem Proll auf dem Fußweg. Er ist knapp zwei Meter groß, kräftig gebaut. Aufgedunsenes Gesicht mit verpeiltem Blick, darüber fettiges Vokuhila-Haar. Die Beine bedecken enge, hellblaue Jeans. Und nun kommt's: Am Oberkörper trug dieser Mensch eine dunkle Bomberjacke, ebenfalls eng, aber halb offen. Unter der Jacke lugte ein Hawaii-Hemd hervor, wiederum halb offen, so dass die nackte behaarte Brust herausschaute und sich ein Ausschnitt vor dem Bauch bildete. Und in eben diesem Ausschnitt trug er eine Bierflasche spazieren. Ob's Hansa-Pils war, konnte ich nicht erkennen, hätte mich aber nicht gewundert.

    3. Nur eine Woche später und nur 50 Meter entfernt: Auf dem Weg zum Bahnhof laufe ich an jemandem vorbei, der 1,80 m groß ist und etwa 150 kg wiegt. Zu kurzen grauen Hosen trug er ein weißes T-Shirt, welches einige Nummern zu klein war und kurz über'm Bauchnabel aufhörte. So quoll zwischen Hose und T-Shirt auf einer Breite von 15 Zentimetern eine Pellwurst heraus, die sich über den Hosenbund wölbte und dort etwa sechs bis sieben Zentimeter nach unten hing. Ich war froh, als ich vorbei war und das Elend nicht mehr sehen musste...

    4. Nicht unbedingt ein Proll, aber auch denkwürdig: Eines Abends verließ ich mein Haus. Kaum bog ich um die Ecke, hörte ich einen Höllenlärm ein paar hundert Meter vor mir. Wie ich näherkam, stellte ich fest, dass dieser von einem Einkaufswagen herrührte, der voll beladen war mit leeren Glasflaschen. Der, der ihn schob, war noch recht jung, vielleicht Ende zwanzig und schick gekleidet, zweiteiliger Anzug mit offenem Jackett. Allerdings wirkte er reichlich nervös. Er lief nämlich nicht hinter dem Wagen her, sondern schob ihn seitlich nebenher laufend. Dabei schaute er sich immer wieder hektisch um, offenbar litt er unter Verfolgungswahn. Als ich noch näher herankam, stellte ich fest, dass sich dieser Mann permanent mit den Flaschen im Wagen unterhielt. Beim Überholen konnte ich ein paar Fetzen aufschnappen: "...sie wollen uns und der Stadt den Krieg erklären, doch wir werden nicht weichen. Wir werden sämtliche politischen, militärischen und zivilen Kräfte mobilisieren..." Etwas verstört ging ich weiter, als ich mich kurz darauf noch mal umschaute, war er mitsamt seiner Fracht in einer Seitenstraße verschwunden.

    Sieht euch vor, wenn ihr mal nach Dortmund kommen solltet - hier laufen, wie soll ich sagen, interessante Gestalten herum...

  5. #14
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    Lutz postete
    "Diese krass-korrekte Fraktion" konnte ich noch nicht so ausmachen...
    Lutz
    Hm, ich hätte gedacht, Berlin wäre deren Hochburg.

    Nebenbei: Was hat Dich denn nach Berlin verschlagen? (Hatte mich schon beim 2004-Treffen gewundert, daß Du nicht da warst.)

    ----------

    Ich hab mal überlegt, wie Typologie und Stilgenese der modernen Prolls aussehen könnten:

    - Der "Halbstarke" der späten 50er war ja sozusagen das Grundmodell. Schon hier fiel die Affinität zu lauten Motoren auf.

    - Der "Rocker" ab 1970 war im Grunde die Weiterentwicklung des Halbstarken: Immer noch auf dem Mototrad knatternd, aber jetzt mit Langhaarmode, Hard-Rock-Sound und Tätowierung.

    Von den späten 70ern an wird es dann etwas vielfältiger:

    - In "Saturday Night Fever" begegnet uns erstmals ein Typus, für den es damals noch keinen Namen gab, für den ich aber (mit Blick auf seine 80er-Ausgabe) um 1990 herum mal den Ausdruck "Proll-Popper" aufgeschnappt habe. Hier verdrängte erstmals das Auto das Motorrad. Grund dafür war einmal das allgemein gestiegene Konsum-Niveau, aber auch daß eine neue Generation von Prolls zwei wesentliche Vorteile des 4-Räders erkannt hatte: Das Autoradio zum Laut-aufdrehen und den Rücksitz zum Tussie-flachlegen. Und es gab jetzt eine reguläre Anlaufstelle: die örtliche Großraum-Discothek. Interessant am "Proll-Popper" war, daß es jetzt wieder mehr bürgerliche Statussymbole waren, auf die es ankam (z. B. teure Klamotten) und daß die "Proll-Popper" oft zu Musik tanzten, die zumindest dem Klischee nach aus einem schwulen Kontext kam! (aber wehe dem, der dies damals angedeutet hätte! *g*)

    - Der "Vokuhila-Typ" in den 80ern war irgendwie ´ne Mischung: Kein Rocker mehr - er fuhr ja eher Auto und hörte eher Mainstream-Rock/Pop -, aber doch noch so´n bißchen auf "langhaariger Rebell" machend (wenn auch nur noch im Nacken). Dabei gab´s einmal eine Rockmusik-Variante (mit Oberlippenbart, ggf. zur Schau gestelltem Brusthaar, verwaschenen Jeans und weißen Turnstiefeln) und dann eine Mischung zwischen "Voluhila-Typ" und "Proll-Popper", wofür quasi Dieter Bohlen steht.

    - Ziemlich genau mit der "unz-unz"-Musik kam dann in den frühen 90ern der "Faster-harder-Scooter"-Typ auf, mit Kastenschnitt, muskelbetonendem T-Shirt und extralauter Auto-Musikanlage.

    - In den letzten Jahren gewinnt aber in den Städten zunehmend der "Was-guckst-Du?!?"-Typ an Gewicht (wobei es keinerfalls mehr nur türkischstämmige Jugendliche sind!): Hip-Hop und entsprechende Mode, Goldkettchen, Wet-Gel-Frisuren, krasse Sprache. Hier spielt offenbar das Thema Auto nicht so eine große Rolle (zumindest in Deutschland; in den US-Videoclips sieht man ja immer diese auf- und abhüpfenden Zuhälter-Autos. Kommt hier vielleicht auch noch ...)


    Genereller Trend der letzten Jahre scheint mir zu sein:
    - eine zunehmenden Vermischung deutsch- und türkischstämmiger Cliquen (so weit gehend, daß deutschstämmige Prolls einige Redewendungen der Einwanderer-Jugendlichen übernommen haben)
    - die aktive Proll-Rolle ist keine ausschließliche Männer-Domäne mehr. In früheren Proll-Kulturen gab es keine spezifischen Frauen-Varianten; die Frauen in den Cliquen trugen einfach nur den allgemeinen zeitlosen Tussie-Look. Heute ist der Prolletten-Look sportlicher und streetwear-beeinflußter und es gibt auch für Frauen spezifische Symbole mit Mutproben-Charakter (wie Bauchnabel-Piercing und "Arschgeweih"-Tattoo). Auch in der Ausdrucksweise und in den Konfliktlösungsstrategien haben die Proletten meinen Freibadstudien zufolge mittlerweile mit ihren Mackern gleichgezogen.

  6. #15
    Benutzerbild von Muggi

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    ihkawimsns postete

    4. Nicht unbedingt ein Proll, aber auch denkwürdig: Eines Abends verließ ich mein Haus. Kaum bog ich um die Ecke, hörte ich einen Höllenlärm ein paar hundert Meter vor mir. Wie ich näherkam, stellte ich fest, dass dieser von einem Einkaufswagen herrührte, der voll beladen war mit leeren Glasflaschen. Der, der ihn schob, war noch recht jung, vielleicht Ende zwanzig und schick gekleidet, zweiteiliger Anzug mit offenem Jackett. Allerdings wirkte er reichlich nervös. Er lief nämlich nicht hinter dem Wagen her, sondern schob ihn seitlich nebenher laufend. Dabei schaute er sich immer wieder hektisch um, offenbar litt er unter Verfolgungswahn. Als ich noch näher herankam, stellte ich fest, dass sich dieser Mann permanent mit den Flaschen im Wagen unterhielt. Beim Überholen konnte ich ein paar Fetzen aufschnappen: "...sie wollen uns und der Stadt den Krieg erklären, doch wir werden nicht weichen. Wir werden sämtliche politischen, militärischen und zivilen Kräfte mobilisieren..." Etwas verstört ging ich weiter, als ich mich kurz darauf noch mal umschaute, war er mitsamt seiner Fracht in einer Seitenstraße verschwunden.
    Das war bestimmt ein Aktionskünstler...

  7. #16
    Benutzerbild von Vonkeil

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    In den letzten Jahren gewinnt aber in den Städten zunehmend der "Was-guckst-Du?!?"-Typ an Gewicht (wobei es keinerfalls mehr nur türkischstämmige Jugendliche sind!): Hip-Hop und entsprechende Mode, Goldkettchen, Wet-Gel-Frisuren, krasse Sprache.
    was ich mich hierbei immer nur frage: genau DAS waren die leute, über deren gebaren wir uns früher so lustig gemacht haben. und heute benimmt sich jeder zweite so. schon merkwürdig. woran liegt das???
    ich gebe ja die hauptschuld den medien.
    gut, prolls gab es immer schon - aber ich finde heutzutage ist die "idioten-dichte" so hoch wie nie.

  8. #17
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    Vonkeil postete
    In den letzten Jahren gewinnt aber in den Städten zunehmend der "Was-guckst-Du?!?"-Typ an Gewicht (wobei es keinerfalls mehr nur türkischstämmige Jugendliche sind!): Hip-Hop und entsprechende Mode, Goldkettchen, Wet-Gel-Frisuren, krasse Sprache.
    was ich mich hierbei immer nur frage: genau DAS waren die leute, über deren gebaren wir uns früher so lustig gemacht haben.
    Ne, das ist schon einer anderer Typus jetzt. Der türkisch-stämmige Proll der 80er hat sich im Stil an den deutsch-stämmigen "Proll-Poppern" orientiert, unterschied sich von diesen aber durch die unzulängliche Aussprache der neuen Sprache und einen oft höheren Reizbarkeits-Level und lebte dabei in völlig seperaten Cliquen von Einwanderer-Jugendlichen. Heute orientieren sich hiesige türkischstämmige Prolls am afroamerikanischen Hip-Hop und kombinieren dies teils selbstironisch, teils trotzig mit eben jener fehlerhaften Aussprache und etwas archaischen Auffassung von Männlichkeit, für die sie früher belächelet wurden. Letzteres wird nun wiederum von deutschstämmigen, aber oft natürlich in den gleichen Stadtteilen lebenden Hip-Hop-Fans übernommen, also offenbar mit als Teil der deutschen Hip-Hop-Kultur aufgefasst (der Begriff "deutsch" wurde insofern multikulturell erweitert und bezeichnet für die Hip-Hop-Szene nur noch einen räumlichen Zusammenhang), und auch cliquenmäßig spielt die Abstammung in diesem Segment offensichtlich kaum noch eine Rolle.

  9. #18
    Benutzerbild von Vonkeil

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    aber dabei gehts doch eigentlich weniger um die kulturelle abstammung: fakt ist, es ist cool, dumm, aggressiv und respektlos zu sein. das ist ja kein randgruppen-phänomen mehr. das macht mir ehrlich gesagt wirklich angst..

  10. #19
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    Vonkeil postete
    fakt ist, es ist cool, dumm, aggressiv und respektlos zu sein. das ist ja kein randgruppen-phänomen mehr. das macht mir ehrlich gesagt wirklich angst..
    Daß es in Teilen der Gesellschaft cool geworden ist, dumm zu sein, stimmt. Das liegt zum einen daran, daß das Privatfernsehen natürlich seinen Zielgruppen schmeicheln muss: "Ja genau, Ihr seid total cool! Wir vom Sender XYZ haben das sofort gemerkt!"; und zum anderen ist der heutige Prolo-Kult auch eine Retourkutsche für 200 Jahre bildungsbürgerliche Oberlehrer-Attitüde. Hier tobt sich gewissermaßen die Freude darüber aus, daß im Zeitalter des Privatfernsehens das Monopol des Bildungsbürgertums, zu definieren, was "Kultur" ist und was nicht, gebrochen ist.

    Ob es cool geworden ist, aggressiv und respektlos zu sein, ist dagegen eher eine Frage des Blickwinkels. Gerade die "Was-guckst-Du?!?"-Jugendlichen legen ja sehr viel Wert auf "respect"! (Und wenn ich mich im Freibad oder auf MTV so umseh, dann scheint die Hip-Hop-Kultur ja ausgeprägte Rituale der "respect"erweisung zu kennen.) Nur haben Leute aus diesem Milieu (und dabei anscheinend nicht nur die mit Einwanderungshintergrund) eben das Gefühl, daß sie von Teilen der übrigen Gesellschaft nicht respektiert werden. Und in der Tat gibt es ja unterschiedliche Formen der Beleidigung, darunter auch durchaus "kultivierte", die mit feinem Wortwitz und blasiertem Blick daherkommen.

    Und was die Aggressivität betrifft: In den westlichen Ländern ist es im Zuge der bürgerlichen Moderne aus der Mode gekommen und zunehmend sanktioniert worden, die eigene Ehre in Fehden, Duellen oder auch Raufereien zu verteidigen. Die bürgerliche Kultur handhabt Ehrenhändel stattdessen über ein kompliziertes Spiel von subtilen Provokationen, Selber-die-Ruhe-bewahren, Intrigen und Gerichtsprozessen. In Unterschichtmilieus hat diese komplizierte und tendenziell den Gebildeteren begünstigende Variante jedoch nie allzuviele Anhänger gefunden.

  11. #20
    Benutzerbild von Vonkeil

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    gut, das stimmt schon
    aber es ist immer noch ein riesiger unterschied zwischen dem albernen "respect"-gehabe und wirklicher toleranz gegenüber meinen mitmenschen. das hat meiner meinung schon was mit respekt zu tun. dazu gehören schon kleinigkeiten wie ein "guten tag" oder ein "danke". und wenn ich derartiges einfordere, muss ich es gleichsam auch anderen zollen.
    auch auffällig und noch gar nicht genannt wurde die extreme uniformierung heutzutage.

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