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Scientology in den 80ern in Deutschland

Erstellt von musicola, 03.01.2005, 17:34 Uhr · 49 Antworten · 7.433 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von musicola

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    Ich glaube dieses Thema hatten wir hier noch nicht.

    Kaum eine "Sekte" hat in den 80ern dermaßen im Rampenlicht gestanden wie das Lieblingsspielzeug des drittklassigen Science-Fiction Autors L. Ron Hubbard!

    Dabei ist $cientology gar keine Sekte. Ja noch nicht mal eine Religion oder Kirche, wie sie sich selbst gerne darstellt.

    Es ist vielmehr ein auf Profit und Expansion ausgerichtetes Wirtschaftsunternehmen, das keine Rücksicht auf die Menschen nimmt, die sich ihm naiv und ahnungslos anschließen.

    Meine persönlichen Erfahrungen mit Scientology beschränken sich darauf, dass ich Anfang der 90er von einer Frau in der Mannheimer Fußgängerzone angesprochen
    wurde, ob ich denn wisse, dass der Mensch nur 10% seines geistigen Potenzials nutzen würde und mit dem Buch "Dianetik" welches sie mir aufdringlich unter die Nase hielt, könne man diesen Zustand ändern...

    Ich hab abgewunken, da ich das Ganze für Quatsch hielt. Erst später stellte ich durch einen Zufall fest, dass zwischen Dianetik und Scientology ein Zusammenhang besteht.

    Einige Jahre später entdeckte ich in unserer Bücherabteilung im Kaufhof den
    Erfahrungsbericht "Im Labyrinth der Scientology" des Krefelders Norbert Potthoff.

    Erst nach der Lektüre dieses ungemein spannenden Buches begriff ich, wo ich durch reines Glück noch mal drumherum kam...

    Kurze Zeit danach hatte ich dann Internet-Zugang und gab in einer Suchmaschine einige Begriffe aus dem Buch ein. Die Kinnlade kippte immer weiter runter!

    In meinem direkten Umfeld gab/gibt es glücklicherweise keine Fälle von Menschen die in die Fänge von Scientology geraten sind...

    musicola

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von Babooshka

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    Musicola, vor langer Zeit wollte ich dir ja noch ein paar Bücher zum Thema empfehlen, da du dich ja anscheined auch fürs Sektenthema interessierst:

    Entkommen - Eine Ex-Scientologin erzählt - Anonymous
    Der teure Traum vom Übermenschen - Sylvia Redhead

    Ich glaube allerdings, die Bücher sind nicht mehr zu bekommen, ich habe sie auch schon lange. Vielleicht im Antiquariat oder über ebay.

    Stell dir vor, ich war 1987 tatsächlich in der Scientology-Org und habe den Persönlichkeitstest gemacht, zusammen mit meinem Damaligen. Die Tests kursierten, aufgeklärt war man noch nicht so recht darüber, die Werber standen ständig an einer Ecke der Münchner Leopoldstr. So wurden auch wir angesprochen. Gingen rein, machten den Test, hörten uns die Auswertungen an. Nein, Kurse wurden uns nicht angeboten, lediglich das Buch, das wir doch kaufen, lesen und danach handeln sollten. So kamen wir problemlos auch wieder aus der Org raus - ohne das Buch gekauft zu haben. Das Dianetik-Buch war damals wohl eine sehr wirksame Einstiegsdroge. Jetzt kommt aber der Hammer: "Zu so einem Freund kann ich dich nur beglückwünschen", sagte der Testauswerter zu mir, als er das Ergebnis meines Damaligen sah. Ja, seine Kurve hatte kaum Abweichungen nach unten und oben, so war er scientologischen Ideen zufolge dem Idealmensch schon recht nahe, abgesehen von kleineren Schwachstellen. Tatsache war, dieser Ex von mir war der psychisch (und zum Teil auch physisch) runtergekommenste, verrückteste (im negativen Sinne), wahnsinnigste, irrste, kaputteste, wasweißichwas Mensch, den man sich vorstellen kann und der phasenweise auch noch drogensüchtig war und mir die letzten Jahre "meiner" 80-er gründlich versaut hat. Typischer Fall von Jugendsünde. So einer also kam anscheinend dem Idealmenschen nach scientologischem Verständnis sehr nahe... Lässt das tief blicken? Na?

    Ja, damals wussten wir über Scientology und Dianetik nicht viel. Junge Leute zogen durch die Lokale und wollten einem das Buch verkaufen. In den Stadtteilanzeigern und teilweise auch den Tageszeitungen fanden sich Annoncen vom Dianetik-Zentrum, das Mitarbeiter suchte. "Wenig Bezahlung, aber großartige Möglichkeiten" wurden geboten. Und sogar in einem der Privatradios war ein Spot zu hören "Wir nutzen nur 10% unseres geistigen Potenzials..." Die Scientologen haben sich damals das allgemeine Nichtwissen zunutze gemacht und wahrscheinlich Tausende von Büchern unter die interessierte Menge verkauft. Wer dachte denn auch an eine Sekte, schließlich warb man ja mit Einstein! Ich denke, die Leserschaft spaltete sich in zwei Klassen; die, die von dem Buch kaum was verstanden und es genervt und verärgert über die Geldausgabe weglegten und nicht mehr ansahen und die, deren Interesse geweckt wurde und die gespannt das Dianetikzentrum aufsuchten, um dann nach und nach reinzugeraten...

    Erst in den 90-ern wurde so langsam klar, was Scientology und Dianetik eigentlich waren. Die ersten Aufklärungsbücher von Potthoff und Hartwig tauchten auf (und auch die von mir genannten). Irgendwann formierten sich die ersten Anti-Organisationen. Eine davon postierte sich des öfteren an jener Ecke der Leopoldstr., an der sich normalerweise die Werber aufstellten, ich unterhielt mich manchmal mit ihnen. Ihr Ziel war es, gegen Scientology genauso aggressiv vorzugehen wie die es mit Kritikern taten.

    Persönlich gekannt habe ich gottseidank niemanden, der reingeraten ist. Auch keinen, der drin war und es wieder raus geschafft hat.

  4. #3
    Benutzerbild von McFly

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    Ich habe mal gelesen, dass John Travolta wohl zu den prominentesten Mitgliedern dieser "Organisation" gehört. Stimmt das?


    McFly

  5. #4
    Benutzerbild von Torsten

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    McFly postete
    Ich habe mal gelesen, dass John Travolta wohl zu den prominentesten Mitgliedern dieser "Organisation" gehört. Stimmt das?


    McFly
    Ja. Und soweit ich weiß, zählt Tom Cruise ebenfalls zu den Prominenten, die diesen obskuren Verein unterstützen.

  6. #5
    Benutzerbild von bamalama

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    das ehemalige mitglied NICOLE KIDMAN ist inzwischen "ausgestiegen"

  7. #6
    Benutzerbild von Babooshka

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    Das ist bei beiden richtig, ja. Was meinst du, warum Travolta bei Battlefield Earth mitgespielt hat? Autor der Romanvorlage ist niemand anderes als Lafayette Ron Hubbard. Travoltas Frau ist demnach auch dabei und somit auch seine Kinder. Travolta ist wohl der Star, der seine Zugehörigkeit zu Scientology am meisten von allen raushängen lässt.

    Nicole Kidman war ja wohl auch mal bei Scientology, aber offensichtlich eher aus Liebe zu ihrem Ex Tom Cruise als aus eigener Überzeugung. Nach der Trennung gab sie zumindest bekannt, sie sei schon immer katholisch gewesen und dies sei ihre einzige Religion.

    Es gibt wohl noch so einige Stars, die dabei sind oder waren. Die Söngerin Julia Migenes und der Musiker Chick Corea z. B. Das wäre übrigens auch mal ein interessantes Thema: Die Stars und ihre Religionen.

    EDIT: Bamalama hat ja gerade noch einige genannt.

    Ebenfalls in den 90-ern fand in den USA eine unsägliche Kampagne gegen Deutschland statt, weil Scientology hier mehr und mehr ins Kreuzfeuer geraten war und Scientologen, die Wirtschaft und Politik unterwandern wollten sowie die Sekte selber dementsprechend hart angefasst wurden. Natürlich kramte man mal wieder unsere Nazivergangenheit raus, nach dem Motto, erst die Juden, jetzt die Scientologen, es herrsche doch Religionsfreiheit und überhaupt, die bösen, bösen Deutschen, wie können die was angreifen, was aus ihrem gelobten Land kommt und doch NUR eine Religion ist! Unterschrieben haben diese Kampagne alle möglichen Stars und Sternchen. Dustin Hoffman war z. B. dabei, weiß ich noch. Typisch Scientollywood. Von nichts 'ne Ahnung haben, aber um sich schlagen. Ich hab mich darüber ziemlich geärgert damals.

  8. #7
    Benutzerbild von musicola

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    Hui, jetzt wollte ich noch schnell weitere Namen nennen, aber ihr wart schneller...

    Zu Travolta's Battlefield Earth:

    Der Streifen soll angeblich 80 Millionen Dollar gekostet haben! Wer sich den Schmarrn angesehen hat (ich hab mir die VHS mal bei ebay gebraucht ersteigert),
    fragt sich wo da die Kohle hinkam... In den Film und die Effekte sicher nicht...

    Hier noch eine geniale Rezi:

    http://www.moviebazaar.de/filmbatt.htm

    [/quote]

  9. #8
    Benutzerbild von falkenberg

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    Mal was anderes zu Scientology: Stimmt es, dass die EAP der politische Ableger von Scientology war? Die EAP (Europäische Arbeiterpartei) ist eine von den vergessenen Parteien aus den 80ern, die immer erstaunlich viel Werbung gemacht hat (jedenfalls weitaus mehr, als sie sich nach ihren kläglichen Wahlergebnissen hätte leisten können) und immer mit dem Spruch kam "Wir haben das Patentrezept". Die sind zwar so etwa um 1990 verschwunden, hatten aber wohl keinen Bezug zu Rechts- oder Link5extremisten. Ich habe mal gehört, dass die in engem Zusammenhang mit Scientology gestanden haben sollen. Stimmt das? Und warum sind die so plötzlich verschwunden? Machen die unter anderem Namen weiter?

  10. #9
    Benutzerbild von Babooshka

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    Ich habe diesen Spruch "Wir haben das Patentrezept" auch NACH 1990 noch auf zahlreichen Wahlplakaten in München gesehen. Die dazugehörige Partei ist die "Bürgerrechtsbewegung Solidarität", Nachfolgepartei der EAP. Abgebildet waren zwei Personen, eine davon Helga Zepp-LaRouche, ihres Zeichens Ehefrau des stark rechts gerichteten Amerikaners Lyndon LaRouche, http://lexikon.idgr.de/l/l_a/larouch...e-lyndon-h.php. Die Partei hat mit Scientology nichts zu tun, wird aber auch als eine Art Sekte gehandelt. Mehr Info dazu unter http://www.agpf.de/LaRouche-Haack1980.htm.

  11. #10
    Benutzerbild von falkenberg

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    Vielen Dank für die aufschlussreiche Antwort und die Links. Das scheint ja tatsächlich so was ähnliches zu sein, nur in kleinerem Rahmen. Die Bürgerrechtsbewegung Solidarität gibts auch heute noch, wie ich eben festgestellt habe. Vorsitzende ist immer noch Helga Zepp-LaRouche, wie auch schon bei der EAP (zumindest war sie dort immer die Spitzenkandidatin und grinste von jedem Plakat). Aber mit Scientology hat es dann wohl wirklich nix zu tun. Nochmals vielen Dank, wieder was dazugelernt.

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