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Scientology in den 80ern in Deutschland

Erstellt von musicola, 03.01.2005, 17:34 Uhr · 49 Antworten · 7.429 Aufrufe

  1. #21
    Benutzerbild von falkenberg

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    @ Alyosha und Pallas

    Nun schmeißt doch nicht alles in einen Topf. Eigentlich ist man in Deutschland doch schon so weit, Scientology nicht als Sekte aufzufassen, sondern eher als wirtschaftliche Organisation mit fragwürdigen Aktivitäten. Und andererseits kann man auch die Zeugen Jehovas nicht mit Sekten wie Baghwan gleichsetzen. Man muss immerhin den Ursprung im Christentum anerkennen, und bei denen habe ich auch keinen Zweifel daran, dass auch die "Führungsschicht" (wer auch immer das bei denen sein mag) an das glaubt, was die Glaubensgemeinschaft vertritt. Da ist meines Wissens auch noch nie was bekanntgeworden, dass sich da jemand bereichert hätte. Insofern sehe ich da mehrere ganz klare Unterschiede zu Sekten wie Bagwhan. Die Zeugen Jehovas sind von den üblichen christlichen Lehren nur wenig weiter entfernt als viele Freikirchen, nur dass sie eben deren Status nicht haben und auch nicht haben wollen.

  2.  
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  3. #22
    Benutzerbild von Babooshka

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    Na da wäre ich mir aber nicht so sicher, dass die Führungsriege der Zeugen das glaubt, was die Glaubensgemeinschaft vertritt. Die wissen sehr wohl, dass die Zentrale in Brooklyn ein Wirtschaftsimperium ist, eine Buch- und Zeitschriftendruckerei und nicht etwa "der Kanal Gottes"

    Lies mal "Der Gewissenskonflikt" von Raymond Franz. Dieses Buch ist von einem ehemaligen Mitglied der Zeugen-Führungsclique geschrieben; soweit ich mich erinnere, ist er der Sohn des Oberbosses (oder des ehemaligen Oberbosses; der wechselt ja immer mal, meistens, wenn er zu alt für den Job geworden ist). Sehr interessant und bietet gute Einblicke in den treuen Glauben der Führungsclique

    Sicher sind die Zeugen anderen Freikirchen nicht unähnlich. Nur:
    - Sie lehnen Bluttransfusionen ab, weil in der Bibel steht, man soll kein Blut ESSEN.
    - Sie feiern weder Weihnachten noch Geburtstag, denn dies sei "ein heidnischer Brauch". Die Weihnachtsgeschichte in der Bibel? Auch von Heiden dazugedichtet
    - Sie missionieren, und zwar massiv. Damit sind wir alle schon mal konfrontiert worden.
    - Sie gehen nicht fein mit Aussteigern um, die danach praktisch niemanden mehr haben, weil es das Bestreben der Zeugen ist, während der Mitgliedschaft alle Kontakte außerhalb "der Wahrheit" weitgehend zu kappen.
    - Sie sind ein Wirtschaftsimperium, eine Geschäftsfirma. Die Buchdruckereien in Brooklyn und im Taunus - keine andere Freikirche hat sowas und bringt so viel gedrucktes Material unter die Leute.
    - Sie lassen ausschließlich ihren Glauben als "einzige richtige Religion" gelten und sonst keinen.

    Aus all diesen Gründen werden die Zeugen mehr als Sekte denn als Freikirche betitelt. Soweit ich aber weiß, hätten sie diesen Status ganz gerne, denn der brächte ihnen Steuerbefreiung, offizielle Anerkennung und noch einige andere Annehmlichkeiten mehr.

  4. #23
    Benutzerbild von SonnyB.

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    @Babooshka

    Da kann ich auch mal was zu sagen. Meine Tante ist seit fast 50 Jahren dabei, ich bin quasi mit den Zeugen aufgewachsen. (Mal vorweg: ich habe etwas gegen jede Form von "Kirche" )

    - Sie lehnen Bluttransfusionen ab, weil in der Bibel steht, man soll kein Blut ESSEN.
    In der Bibel der Zeugen (die eine etwas andere Übersetzung als die Christlichen liefert), ist die Rede von "du sollst kein Blut anderer Lebewesen zu dir nehmen". Es ist nicht von essen die Rede. Und noch was: Zitat: " Den Juden war durch das Gesetz des Mose der Genuß von Blut verboten. Der Grund dafür lag darin, daß das Blut in geheimnisvoller Nähe zum Leben gesehen, ja mit ihm geradezu identifiziert wurde. Gott behielt sich diesen "ganz besonderen Saft" vor. Blut durfte nur in seinem Dienst, f ür Opferzwecke, gebraucht werden (vgl. Lev 17,10-14). Den Zeugen Jehovas gilt das Gebot als auch für die Christen verbindlich. Sie berufen sich auf Apg 15,28f, auf das Dekret der Versammlung der Apostel und Ältesten in Jerusalem."

    - Sie feiern weder Weihnachten noch Geburtstag, denn dies sei "ein heidnischer Brauch". Die Weihnachtsgeschichte in der Bibel? Auch von Heiden dazugedichtet
    Die Weihnachtsgeschichte ist nicht der Grund, daß die Zeugen kein Weihnachten feiern. Der Grund liegt in dem Brauch, Weihnachtsbäume aufzustellen (der übrigends noch keine 500 Jahre alt ist) und im Geschenke verteilen. Abgesehen davon sind auch die christlichen Kirchen für die Zeugen Heiden. Und eben diese Kirchen haben den Heiden das Fest samt Datum geklaut.
    Am 24. Dezember wird bei den Heiden nicht Weihnachten gefeiert, sondern am 22.12. Yule, dt. Wintersonnenwende
    der kürzeste Tag des Jahres

    Als das Christentum die alten Religionen ablöste (meistens durch Anwendung von Gewalt) wurden trotzdem viele alte Traditionen übernommen.
    So feiern wir immer noch Fastnach um den 01.02., Ostern um den 30.04., Allerheiligen und Allerseelen am 31.10. und 01.11. sowie Weihnachten am 24.12.


    - Sie lassen ausschließlich ihren Glauben als "einzige richtige Religion" gelten und sonst keinen.
    Machen die christliche Kirchen oder der Islam was anderes ?

  5. #24
    Benutzerbild von Pallas

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    Nein, Sonny. Sie machen auch nichts anderes.

    falkenberg postete
    @ Alyosha und Pallas

    Nun schmeißt doch nicht alles in einen Topf. Eigentlich ist man in Deutschland doch schon so weit, Scientology nicht als Sekte aufzufassen, sondern eher als wirtschaftliche Organisation mit fragwürdigen Aktivitäten.
    Ich werfe da nichts in einen Topf, sondern denke eher, klar zu erkennen, was Leute wie Scientology sind und beabsichtigen. Und die Strukturen und den Habitus würdest Du nicht als die einer Sekte bezeichnen?

    Und andererseits kann man auch die Zeugen Jehovas nicht mit Sekten wie Baghwan gleichsetzen.
    Findest du die Bhagwan-Sekte etwa schlimmer?! Oder besser? Oder anders?

    Ich finde, die nehmen sich alle gegenseitig nichts - alle halten ihren Glauben für den einzig wahren, alle wollen nur dein Bestes (das Geld nämlich) und alle haben Macht in verschiedenartigem Umfang im Sinn.

    Man muss immerhin den Ursprung im Christentum anerkennen, und bei denen habe ich auch keinen Zweifel daran, dass auch die "Führungsschicht" (wer auch immer das bei denen sein mag) an das glaubt, was die Glaubensgemeinschaft vertritt.
    Ob das was besser macht? Und im übrigen sind deine Zweifel sicher berechtigt.

    Da ist meines Wissens auch noch nie was bekanntgeworden, dass sich da jemand bereichert hätte. Insofern sehe ich da mehrere ganz klare Unterschiede zu Sekten wie Bagwhan. Die Zeugen Jehovas sind von den üblichen christlichen Lehren nur wenig weiter entfernt als viele Freikirchen, nur dass sie eben deren Status nicht haben und auch nicht haben wollen.
    Das mag sein, aber letztlich... wie ich schon weiter oben anführte.

  6. #25
    Benutzerbild von falkenberg

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    Babooshka postete
    Na da wäre ich mir aber nicht so sicher, dass die Führungsriege der Zeugen das glaubt, was die Glaubensgemeinschaft vertritt. Die wissen sehr wohl, dass die Zentrale in Brooklyn ein Wirtschaftsimperium ist, eine Buch- und Zeitschriftendruckerei und nicht etwa "der Kanal Gottes"

    Lies mal "Der Gewissenskonflikt" von Raymond Franz. Dieses Buch ist von einem ehemaligen Mitglied der Zeugen-Führungsclique geschrieben; soweit ich mich erinnere, ist er der Sohn des Oberbosses (oder des ehemaligen Oberbosses; der wechselt ja immer mal, meistens, wenn er zu alt für den Job geworden ist). Sehr interessant und bietet gute Einblicke in den treuen Glauben der Führungsclique
    Werde ich mal machen. So mal eben geht das aber nicht.

    Babooshka postete
    Sicher sind die Zeugen anderen Freikirchen nicht unähnlich. Nur:
    - Sie lehnen Bluttransfusionen ab, weil in der Bibel steht, man soll kein Blut ESSEN.
    - Sie feiern weder Weihnachten noch Geburtstag, denn dies sei "ein heidnischer Brauch". Die Weihnachtsgeschichte in der Bibel? Auch von Heiden dazugedichtet
    Da hat halt jede Freikirche so ihre besonderen und absurd erscheinenden Vorstellungen.

    Babooshka postete
    - Sie missionieren, und zwar massiv. Damit sind wir alle schon mal konfrontiert worden.
    Das machen andere Freikirchen auch, nur nicht ganz so penetrant. Und dann gibts da noch die "Missionswerke", die auch außerhalb der offiziellen Kirche stehen.

    Babooshka postete
    - Sie lassen ausschließlich ihren Glauben als "einzige richtige Religion" gelten und sonst keinen.
    Da gibts noch so eine Mariensekte mit einem greisen Oberguru, die lässt auch nix anderes gelten. An deren Basis wird das aber z. T. anders gesehen.

  7. #26
    Benutzerbild von Guinnes67

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    Interessantes Thema.

    Ich würd gern mal noch ein bißchen weiter ausholen.

    Was meint Ihr, ist die "Neuapostolische Kirche" wirklich eine Kirche oder eine Sekte?

  8. #27
    Benutzerbild von röschmich

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    Ja und die Katholiken sind nur eine jüdische Sekte!

  9. #28
    Benutzerbild von Guinnes67

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    @röschmich

    ...ich seh´ das nicht viel anders.

  10. #29
    Benutzerbild von Babooshka

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    Nicht umsonst benutzt man im Amerikanischen den Begriff "destructive cults" für das, was wir eine Sekte bezeichnen. Genau genommen ist eine Sekte eine Absplitterung von etwas Offiziellem, also meistens der Amtskirche. Ein destructive cult dagegen ist klar definiert:

    - Mitglieder treten ihm nicht freiwillig bei, sondern sie werden systematisch gehirngewaschen; wird im amerikanischen auch nicht als "brainwash", sondern als "mind control" bezeichnet, womit die totale Kontrolle der Umgebung und eben auch der Gedanken, des Gewissens gemeint ist - die Methoden sind der Gehirnwäsche allerdings nicht unähnlich (Bombardieren mit Informationen, Schlafentzug, Neulinge nicht alleine lassen, keine äußeren Einflüsse zulassen usw.).
    - Mitglieder lassen viel Geld da oder sammeln bis zur totalen Erschöpfung viel Geld.
    - Mitglieder werden bei Ausstiegswilligkeit mit ewiger Verdammnis, in welcher Form auch immer bedroht.
    - Mitglieder werden bei Ausstieg bisweilen aggressiv behandelt.
    - Konzentration auf einen Guru, Führer o.ä., der meistens noch lebt, wenn bereits gestorben aber zumindest "neuzeitlich" ist
    - Der Kult verkörpert die alleinige Wahrheit, Kritiker sind immer im Unrecht und werden bisweilen bedroht.
    - Mitgliedern wird vermittelt, dass sie ein auserwähltes, elitäres Volk seien.
    - Es findet massive Missionierung statt; diese läuft nach einem festen Schema ab und endet schließlich mit dem mind control. Fast immer ist "love bombing" im Spiel, das Bombardieren des potenziellen Mitglieds mit Zuneigung und Freundlichkeit und das Herausstellen, wie einzigartig es doch ist. Viele Sektenmitglieder sind psychologisch auch so gut geschult (worden), dass sie schnell erkennen, wo der Schwachpunkt des potenziellen Neumitglieds liegt. Und genau da packen sie es an.

    ...und noch einige mehr. Ich denke, einige oder alle diese Merkmale lassen sich bei den meisten Gruppierungen erkennen, die uns als Sekten bekannt sind.

    Was dies hier angeht:

    Machen die christliche Kirchen oder der Islam was anderes ?
    Ja und nein.
    Der Papst bezeichnet den Katholizismus als die einzige wahre Religion.
    Sehr viele Imams und ihre Gläubigen lassen nichts anderes als den Islam gelten - besonders extrem ist dies in Saudi-Arabien, wo man noch nicht einmal eine Bibel importieren darf.
    Aber:
    Der Otto Normalgläubige mag das anders sehen. Jesus Christus ist im Koran sehr wohl anerkannt, aber da Mohamed nach ihm kam, richtet man sich halt nach diesem jüngeren Propheten. Das wissen auch viele gläubige Moslems und akzeptieren, dass es auch andere Religionen und Leute gibt, die diese praktizieren. Ich hatte viele Jahre tunesische Nachbarn (übrigens die liebsten Nachbarn, die man sich vorstellen kann), von denen vor allem der Vater sehr gläubig war. Er hat mir den Islam nahe gebracht und wir haben manchmal zusammen ein Stückchen aus dem Koran gelesen. Aber niemals, niemals hätte er versucht mich zu überreden oder zu überzeugen, Moslem zu werden. Er war in seiner Religion glücklich, das alleine zählte. Und DAS ist für mich der Unterschied zu den Sekten! Sonny, ich fand es sehr interessant, was du über deine Tante schriebst. Hat sie nie versucht, dich zur Zeugin zu machen, als Kind oder später? Hast du nie was vom bevorstehenden Weltuntergang zu hören bekommen? Erzähl mal, wie war das mit deiner Tante?

    Guinness, deine Frage zur Neuapostolischen Kirche kann ich nicht beantworten, weil ich sie und ihre Doktrin nicht kenne. Ich würde nur sagen, bislang ist mir nicht zu Ohren gekommen, dass sie oben genannte Zeichen eines destructive cult zeigt.

  11. #30
    Benutzerbild von Alyosha

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    die Zeugen Jehovas wollen ganz eindeutig *manipulieren*, sie billigen auch Gewalt in der Erziehung (es ist ein Unding sowas als "nicht weiter schlimm" abzutun oder so) und sprechen sich auch klar dafür aus -
    sie wollen *Macht ausüben* - kurzum: sie gehören verboten !

    und nein, die katholische Kirche mag sich zwar auch sehr oft auf das Leben von Menschen nachteilig und einengend auswirken, sie können Leid verursachen, aber im Gegensatz zu diesen Sekten ist sie keine "gleichgeschaltete" Struktur -
    und es kann innerhalb der katholischen Kirche einzelne Funktionäre geben die auch für meine Maßstäbe überaus Positives im Sinn haben
    (...viele werden's wohl nicht sein.....)

    natürlich bin ich keineswegs für katholische Internate bin oder so;
    überhaupt: wenn Religionsunterricht in Schulen auf Glaubensgemeinschaften/feste Organisationen ausgerichtet ist, gehört dem GANZ EINDEUTIG ein Riegel vorgeschoben.

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