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Generation Golf - ein Mängelbericht ?!?

Erstellt von Plastik, 29.11.2003, 16:11 Uhr · 25 Antworten · 4.917 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von Plastik

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    Hallo zusammen,
    ich habe mir nach monatelangem Zögern endlich mal das "Generation Golf" von Florian Illies vorgenommen. Es stand bestimmt schon ein Jahr bei mir im Regal... Ich konnte mir nie vorstellen, dass das wirklich gut sein soll, aber im Urlaub hat man dann ja genug Zeit, sich selbst zu überzeugen.
    Also habe ich mir 2 Bücher mitgenommen, das bereits erwähnte und "Angriff auf's Schlaraffenland - 20 Jahre deutschsprachige Popmusik" von 1987.
    Leider habe ich zuerst das ECHTE 80er Buch gelesen...
    Als ich dann mit dem Golf Buch anfing war ich noch frohen Mutes.
    Der Anfang war auch gar nicht schlecht, es ging um WETTEN DASS?, die Frage, ob ein Koffer oder ein Rucksack für die Schule besser sei usw.
    Dann wurde aber nach und nach von einer Generation berichtet, der ich laut dem Buch angehöre, aber in der ich mich nicht wiederfand.
    Es kam mir vor, wie unnützes Yuppie-Geschwätz, wenn darüber sinniert wird, dass man stolz auf seinen ersten BOSS Anzug war und als Student hätte man natürlich eine Putzfrau etc... NeeNeeNee, so ist die Generation Golf nicht!!! Ich kenne NIEMANDEN, auf den solche Beschreibungen passen würden, wie sie im Buche vorkommen. NIEMANDEN!!!
    Ich kann gar nicht sagen, wie enttäuscht ich war, als ich die letzten Zeilen las, denn ich hatte ja gedacht, dass es ein gutes Buch sei...
    Hier wurde versucht, en Bild der Generation Golf zu malen, dass wohl nur auf einen kleinen Teil zutrifft, der meiner Meinung nach aber absolut NICHT repräsentativ ist!!!

    Zum Glück gibt es auch noch andere Bücher über die guten alten 80er Jahre.
    Als Tip sei hier mal "Es geht voran" erwähnt, praktisch ein gedrucktes Forum, genau wie dies hier...

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    Mein Eindruck war ebenfalls, daß das der Autor das "hippe" Lebensgefühl oder den (Möchtegern!*g*-)Yuppie-Zeitgeist, wie er HEUTE in einer KLEINEN SZENE von jetzt um-die-30-jährigen Journalisten und Publizisten kultiviert wird, einfach auf seine ganze Generation projiziert und dabei außerdem noch in einer geraden Linie direkt aus den 80ern heraus erwachsen sehen will.

    Ich würde sagen: Ein Knick in der soziologischen und zeithistorischen Optik.

  4. #3
    Benutzerbild von bubu

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    Mir war nach "Generation Golf" eines völlig klar: ich wollte damals schon nichts mit solchen Leuten zu tun haben. Und heute erst recht nicht.

    Leider habe ich es aber, aus beruflichen Gründen.

    Ich kann Luftgitarre nur beipflichten: Journalisten, v.a. die unserer Generation, sind ein überwiegend arroganter und unglaublich selbstherrlicher Verein.

  5. #4
    Benutzerbild von J.R.

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    Ging mir bei dem Buch genauso (deswegen habe ich mir auch das 2. gespart): Die Rückblicke in die 80er fand ich recht gelungen, alles andere ziemlich unzutreffend und (an meiner) Realität vorbei. Und als das Buch dann auf das Ende zu zu einer einzigen (schleimigen) Harald-Schmidt-Zitierorgie verkam, habe ich ganz aufgehört zu lesen und mir die letzten paar Seiten erspart

  6. #5
    Benutzerbild von Feenwelt

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    Ich gebe Dir / Euch in allen Punkten Recht. Ich habe zwar nicht unbedingt an ein typisches "Journalisten-Ding" gedacht, sondern eher an Yuppies, aber es haut schon hin. Ich habe mich immer gewundert, warum dieses Buch so hochgejubelt wurde.
    Eines allerdings muß man Illies zugute halten: Er hat (meines Wissens) als erster ein Buch mit 80er-Thematik herausgebracht, und dadurch eine Nostalgiewelle ausgelöst. Diese Welle mag im Endeffekt auch zu schlechten 80er-Shows geführt haben, aber eben auch zu weiteren guten Büchern. Mit Sicherheit profitiert dieses Forum ebenfalls davon.

  7. #6
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    bubu postete
    Ich kann Luftgitarre nur beipflichten: Journalisten, v.a. die unserer Generation, sind ein überwiegend arroganter und unglaublich selbstherrlicher Verein.
    Mann muß dabei fairerweise anmerken, daß auch schon die Journalisten in der 68er-Zeit - Ausnahme natürlich bei Springer - sehr empfänglich waren für coole "modern" und "fortschrittlich" klingende Schlagwörter (damals eben nur unter anderen politischen Vorzeichen) und dazu neigten, ihre persönliche Stimmung für den allgemeinen Zeitgeist zu halten.

    Dahinter steht im Grunde die übliche Verwechslung von öffentlicher und veröffentlichter Meinung, die bei Journalisten dann wohl übergeht in die Illusion jetzt, wo man "bei den Medien" arbeitet, selber besonders dicht "am Puls der Zeit" zu sein. Hinzu kommt das Im-eigenen-Saft-schmoren! Themen, die gerade in den eigenen Kreisen heiß diskutiert werden, werden dann auch als "von öffentlichem Interesse" wahrgenommen.

    So haben die 68er-Journalisten damals mit ihrer links-politisierenden, problemorientierten Schreibe ein stark verzerrtes Bild von der 68er-Zeit hinterlassen (wenn man in Stern- oder Spiegel-Ausgaben aus den späten 60ern und den 70ern blättert, könnte man denke, damals habe sich in Deutschland alles nur um die Protestbewegung gedreht.)

    Ich denke, mit den Journalisten der Generation Golf wird es ähnlich sein, nur eben jetzt unter anderen politisch-sozialen Vorzeichen. Die spezielle Arroganz würde ich dabei als versuch werten, die prekäre eigene berufliche Situation zu verdrängen.

  8. #7
    Benutzerbild von bubu

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    Die Luftgitarre postete
    Mann muß dabei fairerweise anmerken, daß auch schon die Journalisten in der 68er-Zeit - Ausnahme natürlich bei Springer - sehr empfänglich waren für coole "modern" und "fortschrittlich" klingende Schlagwörter (damals eben nur unter anderen politischen Vorzeichen) und dazu neigten, ihre persönliche Stimmung für den allgemeinen Zeitgeist zu halten.
    Das Schlimme ist: die alt-68er-und-heute-so-satte-Toskana-Fraktion unter den Journalisten hält sich leider immer noch für modern und fortschrittlich. Und sie will und will nicht endlich in Rente abtreten.

    Schau dir den Stern nur mal an, wie das Heft mit seinen Journalisten gealtert ist: früher Protest-Blatt und heute? Alle paar Wochen hast du da das Mick-Jagger-Interview, den Bericht über die neue Deep-Purple-Tournee, den Wein-Tipp, die schönsten Fincas auf Mallorca... uaaah, gähn.

    Es ist für mich immer wieder erstaunlich zu sehen, wie Menschen abheben, sobald sie ihre Texte in einem Heft gedruckt sehen, das von einer Million Menschen gekauft wird.

  9. #8
    Benutzerbild von Plastik

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    Feenwelt postete
    Eines allerdings muß man Illies zugute halten: Er hat (meines Wissens) als erster ein Buch mit 80er-Thematik herausgebracht, und dadurch eine Nostalgiewelle ausgelöst.
    Rein auf das Lebensgefühl bezogen mag das stimmen, aber zumindest zur musikalischen Geschichte der 80er und gerade zur NDW gab es vorher schon Bücher. Erwähnenswert sind neben dem bereits erwähnten "Angriff..." meiner Meinung nach: "NDW -Kunst oder Kommerz", "Skandal im Sperrbezirk" und das wirklich SEHR SEHR gute "Verschwende Deine Jugend"

  10. #9
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    Feenwelt postete
    Eines allerdings muß man Illies zugute halten: Er hat (meines Wissens) als erster ein Buch mit 80er-Thematik herausgebracht, und dadurch eine Nostalgiewelle ausgelöst. Diese Welle mag im Endeffekt auch zu schlechten 80er-Shows geführt haben, aber eben auch zu weiteren guten Büchern. Mit Sicherheit profitiert dieses Forum ebenfalls davon.
    Also da würde ich dem Buch nicht so große Bedeutung einräumen. Die 80er-Nostalgie-Welle lag um 2000 einfach in der Luft: Zum einen, weil es nach dem 70er-Retro der Grunge- und BripPop-Jahre einfach verwurstungs-industriell "an der Reihe" war (so wie in 3 oder 4 Jahren wohl das 90er-Retro kommen wird), zum anderen wußten die in der Unterhaltungs-Industrie natürlich, daß die ehem. 80er-Teenager alle so Ende der 90er rum in das Alter kommen, in dem man wehmütig an seine Jugend zurückdenkt.

    Das 80er-Retro begann doch ziemlich genau 2000 synchron auf den Gebieten Musik, Videos, Film und Mode, und das international; aber Illies hatte sicher einen guten Riecher.

  11. #10
    Benutzerbild von Feenwelt

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    So meinte ich das. Natürlich gab es vorher schon Bücher zur Musik. Nur eben keine Romane mit Erinnerungen an das Alltägliche.
    Wo Du gerade "Verschwende..." ansprichst: Ich habe an diesem Buch ebenfalls nur wenig gefunden, was mich anspricht. Ich weiß, daß es hier im Forum sehr hoch gelobt wird, und für einen Teil stimmt das sicherlich auch.
    Aber ich denke, dann muß man ein echter Fan der frühen Punkbands sein. Von den Bands, um die es in diesem Buch hauptsächlich geht, schätze ich gerade mal Fehlfarben und DAF, die ganzen anderen waren mir unbekannt oder egal. Das Buch spiegelt weder meine Jugenderinnerungen wider, noch einen Massengeschmack. Es wird nicht dadurch besser, daß die Hauptakteure zur Sprache kommen. (Im Grunde ist es ja ein einziges langes Interview mit verschiedenen Leuten.) In meinen Augen wird es dadurch zu speziell, ich hätte lieber in einer Außensicht gelesen, wie Punk und die Anfänge der NDW wahrgenommen wurden und sich ausbreiteten.
    "Meine" Zeit beginnt aber erst dort, wo das Buch aufhört: bei der "kommerziellen" NDW.
    Obwohl von diesem Buch hier dauernd geschrieben wird (und ich es mir gekauft habe, WEIL das hier im Forum bejubelt wird), kann ich mir nicht vorstellen, daß alle was damit verbinden können. Was also ist daran "wirklich SEHR SEHR gut"?

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