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Kursbuch 154: "Die Dreißigjährigen"

Erstellt von DeeTee, 16.12.2003, 21:37 Uhr · 4 Antworten · 1.321 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von DeeTee

    Registriert seit
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    In der Rowohlt-Reihe "Kursbuch" ist jetzt ein Band erschienen mit dem Titel "Die Dreißigjährigen". Gemeint sind die "thirty somethings". Hierunter fallen wohl die meisten User dieses Boards. Ich hab's mir bestellt und bekomme es wohl morgen. Vielleicht schreibe ich dann etwas dazu, wenn die Zeit diese Woche zum Lesen reicht. Aber da gibt es bestimmt mehr Interessierte hier, möchte ich meinen.

    Klappentext
    Eben noch Jetset, demnächst Lumpenproletariat? Die Dreißigjährigen trifft die gegenwärtige Krise besonders unvermittelt. Keine Generation vorher war so sehr an die Annehmlichkeiten eines hohen Lebensstandards gewöhnt, keine schien so weltläufig und gewieft im Umgang mit den neuen (und alten) Medien zu sein, keine so cool, flexibel und undogmatisch. Jetzt sind die Perspektiven zusammengebrochen - wenn auch (noch) auf hohem Niveau. Das Gefühl der Sicherheit befindet sich im freien Fall. Die Ostdeutschen kennen das. Für die Dreißigjährigen im Westen aber könnte gelten: So schön wie gestern wird es nimmer mehr.


    Mehr Infos und eine Leseprobe gibt es hier:

    Link: http://www.rowohlt.de/magazin/23293

    Grüße!
    DeeTee

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    [b]Klappentext
    Eben noch Jetset, demnächst Lumpenproletariat? Die Dreißigjährigen trifft die gegenwärtige Krise besonders unvermittelt. Keine Generation vorher war so sehr an die Annehmlichkeiten eines hohen Lebensstandards gewöhnt, keine schien so weltläufig und gewieft im Umgang mit den neuen (und alten) Medien zu sein, keine so cool, flexibel und undogmatisch. Jetzt sind die Perspektiven zusammengebrochen - wenn auch (noch) auf hohem Niveau. Das Gefühl der Sicherheit befindet sich im freien Fall. Die Ostdeutschen kennen das. Für die Dreißigjährigen im Westen aber könnte gelten: So schön wie gestern wird es nimmer mehr.
    Dieser wirtschaftliche und soziale Aspekt kommt bei den Diskussionen im Forum viel zu kurz! Daß mit den 80ern ein Jahrzehnt besonders schöner und ideenreicher Kinder- und Teenager-Kultur zu Ende gegangen war, mochte bei stilbewußten Zeitgenossen nostalgischen Wehmut, bzw. kulturpessimistische Stirnfalten erzeugen; aber damit konnte man leben. Jetzt aber bereift unsere Generation, daß sie auch die erste sein wird, deren Arbeitsleben beschwerlicher und unsicherer sein wird, als das ihrer Eltern!

    Hierbei muß man die Dinge in einem größeren historischen Rahmen sehen:

    Der englische Historiker Eric Hobsbawn hat den Begriff vom "Golden Age of Capitalism" geprägt. Damit sind für die westliche Welt grob gesagt die 50er bis 70er und mit Einschränkungen auch noch die 80er Jahre gemeint (etwas variirend je nach Land), die im großen und ganzen geprägt waren durch ein auch ARBEITSMARKT&LOHN-WIRKSAMES Wirtschaftswachstum und damit zunehmenden Wohlstand für weitestes Kreise der Bevölkerung, sowie durch übersichtliche, planbare Erwerbsbiographien. In den 80er und 90er Jahren (in den USA und Großbritannien in den 80ern, in Deutschland erst in den 90ern) ging diese einzigartige Ära von Massenwohlstand und Arbeitsplatzsicherheit dann in der neoliberalen Deregulierungswut und den den Globalisierungswirren unter.

    Dies ist im Grunde auch der Hintergrund der hiesigen Diskussion über den Übergang von der "Bonner Republik" zur "Berliner Republik", bei der es nur vordergründig um die Wiedervereinigung geht, tatsächlich aber um die Abkehr vom sozial ausgeglichenen "rheinischen Kapitalismus". Ironie der Geschichte: Die kleine, unspektakuläre und nur als Provisorium gedachte "Bonner Republik" war das eigentliche Goldene Zeitalter der (West-)Deutschen, die gloreich wiedervereinigte "Berliner Republik" dagegen läßt (in den Punkten: Arbeitsmarkt und soziale Sicherheit) zunehmend Vergleiche mit der "Weimarer Republik" hochkommen.

  4. #3
    Benutzerbild von The Mad Hatter

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    Tja, nach der Ostalgie, scheint jetzt die Westalgie auzukommen. Für mich absolut verständlich. Ich kann mich noch an den Satz aus einem Hörspiel erinnern wo der Witz gemacht wurde "Demnächst gehen wir überhaupt nicht mehr arbeiten. Natürlich bei steigenden Gehältern!"
    Das war so kurz nach der Wende. Und was ist jetzt? Ich z.B. darf, wenn ich denn einen Job finde, bis 70 rackern. Ein Großteil meines Gehaltes wird dazu gebraucht, die ältere Generation durchzufüttern die in den guten Jahren alles verschleudert hat und zusätzlich darf ich noch irgendwann zu Abbau der Staatsschulden beitragen. Wunderbare Welt! Da fragt man sich irgendwie, ob man noch Bürger ist oder nur noch (zukünftiger) Steuersklave.

  5. #4
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    The Mad Hatter postete
    Ich z.B. darf, wenn ich denn einen Job finde, bis 70 rackern. Ein Großteil meines Gehaltes wird dazu gebraucht, die ältere Generation durchzufüttern die in den guten Jahren alles verschleudert hat und zusätzlich darf ich noch irgendwann zu Abbau der Staatsschulden beitragen.
    Die ältere Generation hat´s nicht verschleudert. Und rein PROFITmäßig sind die Zeiten heute ja noch besser als damals! Das Problem ist nur, daß die Profite, bzw. die Produktivitätszuwächse unserer Wirtschaft nicht mehr in Form von steigenden Gehältern ans Volk weitergegeben werden!. DESHALB erscheint die Rente der Alten den jungen Arbeitnehmern als "nicht mehr finanzierbar".

    Und die Staatsverschuldung ist die Kehrseite der Steuersenkungen, die man den Superreichen gewähren zu müssen glaubte (und paradoxer Weise immer noch glaubt!)

  6. #5
    Benutzerbild von Dr.Music

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    @ The Mad Hatter:

    Wir leben hier nunmal in einem "Sozialstaat" - das ist vom Prinzip her ja auch nichts Schlechtes!
    Auf 30 Urlaubstage, evtl noch "Sonderzahlungen" wie Weihnachtsgeld oder ( im Bedarfsfall) Kranken- und Arbeitslosengeld würdest Du auch nicht verzichten wollen - das muss ja alles finanziert werden.