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Champagne - Die vergessenen ABBA-Clones

Erstellt von valentino, 28.12.2005, 14:00 Uhr · 14 Antworten · 4.484 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von valentino

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    Ach, wie wunderbar. Einem alten Thread von 2003 entnehme ich, dass sich außer mir doch noch ein paar weitere Leutz an die holländische Popgruppe "Champagne" (1976-83) erinnern. Da der damalige Thread und die darauf erfolgten Antworten ein höchst unvollständiges Bild des Quartetts wiedergeben, zäum ich das Thema noch mal auf. Für die, die auf Soundsuche nach den Titeln der Gruppe sind, sei gesagt, dass es mehr Material gab als "Rock and roll star" und "Valentino", das jedoch bis heute noch nicht auf CD erhältlich ist. Erlaube mir, meinen ollen wikipedia-Text über die Gruppe hier zu platzieren, damit endlich mal Klarheit über Champagne (und nicht Champaign) herrscht .

    Als Bert van de Wiel, Paulette Bronkhorst, Trudy Huysdens und Jan Vredenburg für Hollands erste wirkliche Konzept-Band gecastet wurden, hatte jede/r von ihnen bereits in anderen Nederpop-Projekten als Front- oder Backgroundsänger gearbeitet (z.B. Mouth & MacNeal, Johnny Kendal Machine usw.). Champagne wurden in Rotterdam produziert. Ironischerweise schrieb ausgerechnet Holland's Rock-Veteran Wally Tax (gemeinsam mit Komponist Martin Duiser) die überwiegend soften Popsongs für das gemischte Doppel. Um die offensichtliche musikalische Anlehnung an ABBA zumindest optisch zu variieren, wurde dem Quartett ein Roaring-Twenties-Nostalgie-Look verpasst, wie es Mitte der 70er durch Filme wie "Der Clou", "Chinatown" "Tod auf dem Nil", "Ken Russell's Valentino" oder "Der große Gatsby" durchaus en vogue war: Champagne traten meistens in eleganten Gatsby-Klamotten auf. Ende 1976 erschien die erste (und erfolgreichste) Single ''"Rock and roll star"'' erst in BeNeLux, Anfang 77 dann im Rest der Welt. Eine musikalische Travestie, wie sie nur der Europop der 70er hervorbringen konnte: Auf das sehnsuchtsvoll schluchzende Mundharmonika-Intro folgen schnelle, folk-ähnliche Akkorde im 2/8-tel Takt. Der Aufbau mit dem ansteigenden Refrain erinnert insgesamt stark an ABBA's ´75-er Megaseller "S.O.S". Für die Discos war der Song völlig ungeeignet. Und inhaltlich hat Rock and roll mit der Gatsby-Zeit ja nun auch wenig zu tun. Trotzdem ging die Rechnung, sich an erfolgreichen Klangmustern zu orientieren, auf: "Rock and roll star" erreichte Platz 2 in Holland, Platz 12 in Deutschland und, Höhepunkt des Auslandserfolges, Platz 83 in den amerikanischen Billboard Hot 100. Im Laufe der Karriere kamen Platzierungen in Belgien, Schweiz, Skandinavien, Osteuropa, Israel, Südafrika (dort unter dem Namen "Bubbley") und Asien hinzu.

    Die zweite Single, ''"Oh me oh my, good-bye",'' war ein sentimental angehauchter Titel mit einer sehnsuchtsvollen Goodbye-to-all-that-Attitüde, jener in den englischen Salon-Romanen von Foster oder Galsworthy nicht unähnlich. Musikalisch erinnerte der Song entfernt an ABBA's "Dancing queen" und "Knowing me, knowing you"; Platz 3 in Holland, Top 25 in Deutschland. Die dritte Single ''"Valentino"'' gilt für viele Champagne-Fans als ihre beste und ABBA-ähnlichste. Ein Lied über den gleichnamigen Stummfilm-Star, das wiederum ein vielgespielter Top 5-Hit in Holland wurde. Somit hatten Champagne in der Saison 76/77 drei Singles in den Top 100-Jahrescharts ihrer Heimat. In Deutschland verfehlte "Valentino" knapp die Top 50. MediaControl veröffentlichte damals allwöchentlich nur 50 Chartsplätze, daher erscheint der Titel auch nicht in der Jahresauswertung. Dieses Schicksal teilen alle folgenden Champagne-Singles in Deutschland; hätte es damals schon die "Top 100" gegeben, sähe die Bilanz sicher anders aus. Fast gleichzeitig mit "Valentino" erschien das erste Album mit dem schlichten Titel "Champagne" - ein gefälliger Europop-Longplayer, im für die Zeit typischen vollen und reichen Sound des Holland-Pop produziert. Die Platte enthielt neue Songs, Neueinspielungen der Single-B-Seiten "Kiss you baby" und "The last song", altes Material von Wally Tax (von ihm selbst bereits Anfang der 70er als Solist veröffentlicht) und das Hollies-Cover ''"The air that I breath".'' Trotz der enthaltenen Erfolgs-Singles erzielte das Album keine hohen Verkaufszahlen, erklomm lediglich Platz 33 in Holland. Champagne erhielten 1977 den niederländischen Conamus-Export-Preis für insgesamt über 1 Million im Ausland verkaufter Platten (Singles und LPs). In ihrer Heimat erfreuten sich die Vier einer hohen Bekanntheit und wurden viel gebucht, unter anderem für Printwerbung für die Unterwäsche "Bon Giorno". Das Quartett zählte zu den vielversprechenden europäischen Newcomern. In Deutschland waren sie in beliebten Fernsehsendungen wie "Musikladen", "Disco", "M.O.T.", "Plattenküche", "Die Drehscheibe", "Ein Platz an der Sonne", "Aktuelle Schaubude" und der "ZDF Silvestershow 1977" zu sehen.

    Offensichtlich waren Duiser/Tax selbst vom Anfangserfolg überrascht, denn sie ließen viele Monate vergehen, um daran anzuknüpfen. 1978 sollte mit ''"Light up my eyes"'' nur eine einzige neue Single erscheinen. Dafür gab's Platz 11 in Holland. Ab 1979 gab man immer mehr die Gatsby-Masche auf und versuchte sich, dem damaligen Zeitgeist folgend, im Disco-Sound. Die lebendigen Tanzpop-Titel bis 1980 hießen: ''"That's life", "Black Jack", "Rollerball", "Captain", "Sjooh sjooh sugar''". Außerhalb der Niederlande floppten sie durchwegs. Kein Wunder also, dass das Greatest-Hits-Album ''"Rollerball"'' 1979 in Deutschland erst gar nicht veröffentlicht wurde.

    Offiziell wurden Champagne 1981 aufgelöst. Paulette Bronkhorst schloss sich gleich darauf dem (erfolglosen) Duo La Chica an und arbeitete danach vereinzelt als Autorin und Redakteurin. Trudy heiratete den renommierten Jazz-Musiker Jack Van Poll und zog mit ihm nach Südafrika. Jan ging zunächst zur Gruppe Shampoo. 1983, mittlerweile zum Trio geschrumpft, versuchte Champagne mit den Singles "The woman I know" und "A little bit of soap" ein Comeback. Von der Original-Besetzung war nur noch Jan Vredenburg übrig, ihm wurden zwei neue Partner (eine Frau, ein Mann) zur Seite gestellt. Nicht mal in Holland war ihnen ein nennenswerter Erfolg gegönnt. Heute erinnern sich fast nur noch Nederpop-Insider an die einst so hoffnungsvolle Band, die in Musikmagazinen immerhin als Mischung aus ABBA und Manhattan Transfer bezeichnet wurde. Weder der Sieg der CD über das Vinyl, noch das in den 90-ern grassierende breitenwirksame 70-ies-Revival konnten die Plattenfirmen dazu bewegen, das Champagne-Material auf CD heraus zu bringen. Ihre Karriere ist insgesamt deutlich schlechter dokumentiert als die anderer holländischer Acts wie etwa Pussycat, Maywood oder Luv. Nur selten kommen Paulette, Trudy, Bert und Jan heute noch zusammen, um über alte Champagne-Zeiten Auskunft zugeben, wie am 21. Juni 2005 in einem Special der Show "Vergeten verhalen" des Rotterdamer TV-Senders RTV Rijnmond.

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von Werner

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    Die LP hab ich mir damals auch gekauft. Wenn man so wie ich im Grenzgebiet von Holland wohnt, hörte man viel holländisches Radio und so besorgte man sich beim Einkaufen auch mal die dazu passenden LP`s (wie z.B. von Teach In, Long Tall Ernie & the Shakers, Luv sowie auch gerne diverse Compilations.)
    Zu dieser Zeit war Holland-Pop auch gerade im "Musikladen" sehr angesagt.

  4. #3
    Benutzerbild von MG-JO1963

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    Bravo! Toller Bericht!

    CHAMPAGNE war auf meine Lieblingsgruppe, neben VULCANO,
    auch aus den Niederlanden!

    Grüsse, 27km von Venlo/NL entfernt!
    Der Jo.

  5. #4
    Benutzerbild von valentino

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    [quote]jo-free postete



    CHAMPAGNE war auf meine Lieblingsgruppe, neben VULCANO,
    auch aus den Niederlanden!


    Übrigens... wusstest Ihr, dass es jetzt die erste Champagne-Homepage im web gibt? Mit vielen seltenen Fotos der Band! www.champagne-music-online.de

  6. #5
    Benutzerbild von Closelobster

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    Gibt es eigentlich CD`s von Champagne ?

  7. #6
    Benutzerbild von Mikesch1

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    Hallo closelobster

    guckst du hier

    valentino postete


    noch das in den 90-ern grassierende breitenwirksame 70-ies-Revival konnten die Plattenfirmen dazu bewegen, das Champagne-Material auf CD heraus zu
    bringenRoRijnmond.
    Ausser den 3 Hitsingles war der Rest ,bis auf ein Lied ( It ain´t no Use) auch totaler Murks, hatte vor Jahren mal die Platte, ich glaub es war die "Champagne"

    LG
    Mikesch

  8. #7
    Benutzerbild von Closelobster

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    Mist... da muss ich mich ja mal wieder auf ne Plattenbörse begeben

  9. #8
    Benutzerbild von valentino

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    [quote]Closelobster postete
    Mist... da muss ich mich ja mal wieder auf ne Plattenbörse begeben


    Tja, vielleicht geschieht irgendwann nochmal das Wunder, und ein Label erbarmt sich, das Champagne Material auf Silberling zu pressen. Lass dich übrigens nicht von Mikesch's Aussage "abschrecken" - ist ja immer Geschmackssache. Ich persönlich fand das Champagne-Album gar nicht so "schrottig" wie er. Wusstest Du übrigens, dass Champagne für einen Xmas-Sampler auch den Classic "Santa Clause is coming to town" aufgenommen haben?

  10. #9
    Benutzerbild von Mikesch1

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    @ Valentino

    That's life", "Black Jack", "Rollerball", "Captain", "Sjooh sjooh sugar''" hab ich mir jetzt mal besorgt und die sind zu Recht gefloppt.... Wer sich an den 1. 3 Singlen orientiert und hofft, nochmal sowas in der Art von Champagne zu finden, kann sich die Suche sparen
    "It ain´t no Use" könnte man noch am ehesten als Übergang zu der Discoszene ala Luv etc. einordnen

    LG
    Mikesch

  11. #10
    Benutzerbild von valentino

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    "That's life" finde ich okay, klasse Refrain, schwungvoller Happysound. "Sjooh Sjooh Sugar" halte ich sogar für eine frühe Perle des 80er-Pop. Hatte natürlich mit dem alten Champagne-Sound aus den 70ern nicht mehr viel zu tun.

    Apropos alte Zeiten: Auf der besagten Homepage www.champagne-music-online.de wurde jetzt ein Pressebereich integriert. Da finden sich alte Zeitungsausschnitte über Champagne, aus den 70ern und 80ern. Anschauungsmaterial von damals, aus erster Hand sozusagen...

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