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Ach, wäre der 80er Klang doch nur besser...

Erstellt von Torsten, 16.10.2001, 20:27 Uhr · 9 Antworten · 1.591 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von Torsten

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    ....dann wäre der Musikgenuss um ein Vielfaches höher! Es ist wirklich ein Ärgernis, dass das meiste Musikmaterial aus den Achtzigern eine Beleidigung für die Ohren ist, obwohl die technischen Möglichkeiten für klanglich hochwertige Produktionen auch damals schon vorhanden waren. Vor allem die Synthie-Sounds sind oftmals ziemlich kopfschmerzfördernd, was angesichts ihres hohen Anteils an der Musik umso fataler ist. Sicher, bei gemäßigter Lautstärke ist das alles noch erträglich, aber sobald man den Regler mal in Richtung 12 Uhr dreht, hat man nicht selten ein Gefühl, als würde jemand einem mit einem scharfen Messer vor dem Gesicht herumfuchteln. Aus den Boxen kommt dabei ein Klang-Brei herausgescheppert, als wäre Blech das damals einzig verwendete Instrumenten-Material gewesen, und sobald eine eigentlich sehr schöne Stimme einen S-Laut singt, zischt es wie aus einem alten Dampfkessel. Da ich zu den Zeitgenossen gehöre, die Musik gerne auchma über Zimmerlautstärke genießen, ist es sehr deprimierend, wenn die Lieblingsstücke bei höheren Pegeln eher an Industrielärm erinnern. Mit einer besseren, wärmer abgestimmten Anlage lassen sich diese Defizite zwar etwas abschwächen, allerdings längst nicht in dem Maße, wie es nötig wäre. Ich hätte nie gedacht, dass ich tatsächlich mal in Erwägung ziehen würde, mir einen Equalizer anzuschaffen, aber angesichts der frustrierenden Erfahrungen werde ich da wohl nicht drum herum kommen. Und jetzt komme mir keiner mit dem neunmalklugen Satz "Ist doch egal – Hauptsache, die Mucke ist cool"! Ich wundere mich sowieso immer wieder, mit was für einem Klangmüll sich viele Leute zufrieden geben, die hunderte oder gar tausende von CDs haben, aber keine tausend Mark in die Anlage investieren wollen. Klar, entscheidend ist letztendlich immer noch die Musik selbst, aber was nützt es, wenn sie so beschissen produziert ist, dass man sie nicht im eigentlichen Sinne des Wortes genießen kann? Es gibt ja auch immer noch Zeitgenossen, die behaupten, das gehöre zum Sound der damaligen Zeit dazu, das mache ja gerade den Charme aus. Schwachsinn, sage ich! Viele Fans der Mucke aus den 50ern und 60ern erzählen, sie könnten sich ihre Lieblings-Scheiben ohne das Knacksen und Rumpeln der Platten gar nicht vorstellen; wenn man sich aber nur einmal klanglich überarbeitete CDs von ZOUNDS oder den HiFi-Zeitschriften anhört, merkt man erst, wieviel Flair durch den miesen Ur-Sound verloren geht. Ach ja, Stichpunkt Vinyl: Beim angesprochenen Problem spielt es keine Rolle, ob es sich um eine Schallplatte oder eine CD handelt, diese Diskussion hatten wir ja eigentlich auch bereits abgehakt. Denn wenn die Musik bereits stümperhaft produziert wurde, nutzt einem auch ein analoges Wiedergabe-System nichts mehr. Besonders eklatant sind diese klanglichen Super-GAU’s bei fast allen Italo-Tracks, lediglich einige Stücke von KOTO fallen mir da als Ausnahme gerade ein. Und ganz ehrlich: Wenn es nach mir ginge, hätte die Pop-Musik der 80er nur von einem einzigen Mann produziert werden dürfen: nämlich von Boris Blank, der einen Hälfte des genialen Duos YELLO. Wenn man sich die Scheiben von den beiden anhört, kommt man unweigerlich zu der Einsicht: SO muss Pop-Musik klingen, so und nicht anders. Bei deren CDs ist es völlig egal, welche Lautstärke angesagt ist: Ihre Sounds klingen bei steigendem Pegel eher immer besser (bei einer potenten Anlage!), keine Spur von fiesen und lästigen Geräuschen. Einfach eine Wohltat im Gegensatz zum großen Rest, kein Wunder, dass ihre CDs auf HiFi-Messen immer wieder mal zum Einsatz kommen. Ach, was wären das für paradiesische Zustände, wenn jede Musik diese Qualität hätte, denn leider sind auch heutzutage noch mindestens 80 % aller Tonträger klanglich mies oder allenfalls durchschnittlich zu nennen. Und so kann ich so viel rumjammern, wie ich möchte: Demnächst werde ich dann wohl ein Gerät mit vielen kleinen Reglern in meine Anlage integrieren, in der Hoffnung auf bessere Zeiten... ;-)

    Gruß Torsten

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von masterchief

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    hi,

    dafür gibt es doch WaveLab, oder Cool Edit.
    mit den entsprechenden filter lassen sich wunderbare ergebnisse erstellen.
    ich gebe zu das es etwas mühevolle arbeit ist, aber für die eigene lieblingsmusik sollte das eigentlich kein problem darstellen.
    ich habe mir die mühe gemacht und meine lieblings tracks komplett neu gemastered.

    bis denne

    masterchief

  4. #3
    Benutzerbild von Torsten

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    Ja, gebe Dir Recht: das sollte es einem eigentlich wert sein. Wenn ich irgendwann mal genügend Zeit habe, werde ich meine Lieblingsstücke ebenfalls einem Vollwaschgang unterziehen...

  5. #4
    Benutzerbild von masterchief

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    oder du versuchst die (lass es mich sanft ausdrucken) "sche*** deutsche pressungen" gegen U.S. oder U.K. pressungen zu tauschen, denn die klingen erheblich besser als die deutschen.

    ciao

  6. #5
    Benutzerbild von Michi

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    Mein Gott, wie kann ein Mensch nur so viel auf ein Mal schreiben?
    Aber du hast schon Recht, und selbst heute klingen viele Aufnahmen leider noch immer total stümperhaft.
    Aber, klar, wieso sich die Mühe machen? Hauptsache, die Mucke is cool, ey...

  7. #6
    Benutzerbild von 80love

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    Nichts geht über japanische 20 bit CD'S !!!!!!!!!!!!!!

  8. #7
    Benutzerbild von UnknownPleasure

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    Ääähm...hello???

    Sei mir meinetwegen auch böse, lieber Torsten, aber vieles von dem, was Du geschrieben hast, ist - um es milde auszudrücken - Unsinn.

    Wenn ich mir für 25.000€ eine fiese Backline von Mark Levinson, B&W, Linn, Transrotor und was es auch immer im High-End-Bereich geben mag, aufstelle und dann erwarte, meine Scheiben von 1982 mit absolutem Wohlklang genießen zu können, dann habe ich a) viel zu hohe Erwartungen und b) schätzungsweise 23.000€ zuviel ausgegeben.

    Fangen wir mal da an, wo für gewöhnlich vorne ist...das Studio. Okay, wer damals zu den Megaacts gehört hatte, der bekam auch genügend Kohle für ein Top-Studio und genügend Zeit, um diese Kohle im Studio zu verbraten und einen Top-Producer engagieren zu können. Viele Acts hatten dagegen ein eng limitiertes Budget (wenn überhaupt) und mußten zusehen, daraus das beste zu machen - es war durchaus keine Seltenheit, daß das komplette Album innerhalb von einer Woche "eingerotzt" werden mußte, inklusive Mixing und Mastering. Was das für alle Beteiligten an Streß bedeutete (ausgehend von den damals üblichen 8-10 Tracks pro Album), muß wohl nicht näher erläutert werden. Nicht wenige Interpreten hatten deshalb ihr eigenes mehr oder minder kleines Studio "zuhause" eingerichtet, um Kosten zu sparen und die bezahlte Studiozeit so gut wie möglich auszunutzen. Daß einige ganz besonders schlaue Produzenten dann die Matrizen von den eingereichten Compact Cassetten (!) gefertigt hatten, ist wohl kaum dem Interpreten anzulasten.

    Man sollte auch die technische Ausstattung der Studios mal näher betrachten - um das Sample von Front 242's "Masterhit (Masterblaster)" zu zitieren: "The reality was very different".
    Digitale Aufnahmen waren in den 80s nahezu unbekannt, und wer eine solche Vorrichtung im Studio hatte, zeichnete damals auf Magnetband auf. Der Großteil der Aufnahmen wurde ganz gewöhnlich analog durchgeführt, selbst manche digitalen Remasters stammen von Analogbändern.
    Und nur die wenigsten Studios waren in der Lage, ihr Equipment jährlich zu aktualisieren, zumal auch der Sinn nicht immer ersichtlich war (z.B. das "Q-Sound System"). Manch Equipment war aus zweiter oder dritter Hand, und je kleiner (und "erbärmlicher", bezogen auf die Finanzen) das Studio war, desto weniger Wartung wurde den Geräten zuteil. Trotzdem...wer keine Kohle hatte , aber trotzdem seine Musik unters Volk bringen wollte, hatte auch kaum eine Alternative.
    Wenn natürlich die Produktion bereits versaubeutelt wurde, war die Aufnahme hinterher nur noch mit erheblichem Aufwand zu retten, dem stimme ich zu.

    Und für was sollte ich bei dem, was in den 80ern als "Pop" tituliert wurde, eine aufwendige Produktion fahren?
    Cash as cash can...galt schon damals. Warum "Two Of Hearts" oder "Geil" aufwendig aufnehmen und produzieren, zumal 95% der Käufer wahrscheinlich nicht mehr als 1.500 DM (eher weniger) für ihre Anlage ausgegeben hatten? Außerdem...bevor sich die CD auf breiter Front durchgesetzt hatte, galten die Aufnahmemedien als kurzlebig, mithin ging man davon aus, daß der durchschnittliche Konsument die Aufnahmen eh nicht länger hörte als die jeweilige Verweildauer in den Charts.

    Die Aussage, daß deutsche Pressungen generell schlechter klingen als UK- oder US-Pressungen, ist durch nichts zu belegen - im Gegenteil, viele US-7" klangen wie durch die Klotür aufgenommen, weil die Amis ihr sogenanntes "Boom Box-Format" hatten, d.h. die Musik mußte selbst aus einem Transistorradio noch einigermaßen akzeptabel klingen (eine Forderung der Radiostationen, von denen viele ihr Programm auf Mittelwelle sendeten). Na ja...dafür scheint heutzutage bei vielen Radiostationen der Schieberegler für den Bass bei +3 dB abgebrochen zu sein, da hat sich also nicht viel geändert.
    Im übrigen wurden viele Inventionen auf dem Gebiet der Vinylpressung von deutschen Firmen entwickelt und in Lizenz vertrieben, z.B. das Direct Metal Mastering (Teldec).

    Also, wenn es nur um den Klang ginge, hätte ich wahrscheinlich nur Vinyl von den Dire Straits und Yello zuhause stehen...und würde mir in den Arsch beißen, weil mir viele "coole Mucke" entgangen wäre, weil sie eben halt nicht perfekt produziert wurde.
    Außerdem...wie wäre es mal mit ein wenig Toleranz? Was für den einen Scheiße klingt, ist für den anderen vielleicht ein "Ohrgasmus", Knacken und Knistern inbegriffen...

  9. #8
    Benutzerbild von Torsten

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    @ UnknownPleasure:

    Bin ja erstaunt, dass dieses Thema nach so langer Zeit überhaupt nochma ausgegraben wurde ...


    Und böse ob deiner Kritik an meinem Posting bin ich keineswegs, weil

    - ich im Nachhinein zugeben muss, dass du vor allem im Hinblick auf den finanziellen Aspekt bei dieser Thematik völlig Recht hast und ich da in der Tat ziemlichen Stuss geschrieben habe (*schäm*),

    - zwei der von dir angesprochenen Punkte sich nicht auf von mir Geschriebenes oder Gemeintes beziehen,

    - und ich es zu schätzen weiß, wenn jemand klar und deutlich seine Meinung formuliert - denn Leute, die ständig Angst haben, anderen auf die Zehen zu treten, gibt es hier eh schon genug ...


    Zum Thema:

    Zunächst einmal der wichtigste Punkt, in dem du wie gesagt völlig Recht hast: Die wenigsten Gruppen, Acts, Projekte usw. dürften einfach nicht die finanziellen Möglichkeiten gehabt haben, klanglich anspruchsvolle Produktionen auf die Beine zu stellen. Das habe ich in meiner Verärgerung damals einfach nicht bedacht, weil ich von irgendeiner Scheibe - weiß nicht mehr, welche - klanglich mal wieder so enttäuscht war, dass ich aus Wut dann den obigen Beitrag rausgehauen habe ...

    Wobei ich allerdings auch bemerken muss, dass selbst bei Produktionen, für die sicherlich ein deutlich größeres Budget und modernere Technik zur Verfügung steht, nicht selten ein völlig inakzeptabler Sound verbrochen wird.
    Aktuelles Beispiel: Habe mir vor kurzem mal die Doppel-CD„A Place On Earth - The Greatest Hits Of Belinda Carlisle“ ausgeliehen, die bei Virgin erschienen ist. Nun ist es so, dass Freunde von mir und ich uns schon seit vielen Jahren über die miese Klangqualität vieler Virgin-Produktionen ärgern - sie klingen im Hochtonbereich dermaßen spitz und harsch, dass es einem wirklich den Genuss an der Musik verleiden kann. Und nun frage ich mich: Wie kann es sein, dass eine Veröffentlichung von 1999 aus dem Hause eines so großen Labels dem Konsumenten einen dermaßen rückständigen Sound zumutet? Möglichkeiten der digitalen Überarbeitung gibt es ja nun wirklich zur Genüge - aber offensichtlich war das einzige Gerät, das hier zum Einsatz kam, mal wieder der Taschenrechner ...

    Im Übrigen möchte ich auch darauf hinweisen, dass ich bei der Beurteilung der Klangqualität nicht irgendwelche State-Of-The-Art-Produkte à la Mark Levinson, Krell, Accuphase & Co. zugrunde lege - das hieße ja, dass ich richtig viel Kohle habe ...
    Da ich Entsprechendes in meinem Posting auch nicht erwähnt habe, wundere ich mich etwas über diesen Einwand von dir. Selbstverständlich: Wer etliche tausend Euro in eine Anlage mit High-End-Produkten investiert, muss sich immer über eines im Klaren sein - dass nämlich diese Komponenten dann wie Hochleistungs-Mikroskope jeden kleinsten Pieps zu Tage fördern. Das ist ja gerade das Dilemma, in dem viele echte HiFi-Freaks (zu denen ich nicht gehöre) stecken: Einerseits bieten ihnen hochwertige Aufnahmen immer wieder allerschönste Gänsehaut-Erlebnisse, andererseits sorgen die durchschnittlichen oder gar unterirdisch schlechten Aufnahmen stets für Frust. Über dieses Thema diskutieren High Ender schon seit Ewigkeiten ...
    Ich kannte mal einen absoluten 80er-Italo-Disco-Freak, der hatte sich eine schweineteure Anlage in sein Auto eingebaut und musste dann den Equalizer völlig „verquer“ einstellen, um seine Lieblingsmucke wirklich genießen zu können. Dummerweise konnte er dann natürlich alle anderen Musikarten nicht mehr hören, weil er keine Lust hatte, jedes Mal auf’s Neue am Equalizer herumzufummeln ... Zu dem habe ich dann auch gesagt, dass er für das viele Geld besser ein neues Auto für seine Frau gekauft hätte ...

    Ich habe bei mir zu Hause nur stinknormales HiFi stehen, das teilweise sogar schon zehn Jahre alt ist. Das einzige Highlight ist derzeit ein Sennheiser-Kopfhörer, den ich mir Anfang des Jahres für knapp 200,- Euranten gegönnt habe. Tja, und mit dem kann man nun weiß Gott auch jedes Fitzelchen heraushören, deshalb zieh ich mir die klanglich kritischen CDs dann über wesentlich preiswertere Modelle rein ...
    Was ich damit aber nun eigentlich sagen wollte: Man muss nicht unbedingt sündhaft teures HiFi besitzen, um mit dem Klang von manchen Aufnahmen unzufrieden zu sein. Kürzlich habe ich einem guten Kumpel, der sich für HiFi nicht so sehr interessiert, dabei geholfen, sich eine neue Anlage zusammenzustellen; Kostenpunkt für eine drei Monate alte Yamaha-Anlage: 560,- Euro (erstanden über ebay; bestehend aus Verstärker, CD-Spieler, Tuner und Kassettendeck); die gebrauchten Standlautsprecher von Nubert (Geheimtipp!) hatte ich in einem Second-Hand-Laden entdeckt. Die haben dann noch mal 300,- Moppen gekostet, und für diese nun insgesamt 860,- Euro hat sich mein Kumpel nun eine Anlage ins Wohnimmer gestellt, die meiner eigenen in allen Punkten haushoch überlegen ist. Abgesehen davon, dass er vom ersten Takt Musik an vom Klang hellauf begeistert war, hört man von ihm jetzt schon mal Sätze wie „Das is' aber 'ne beschissene Aufnahme!“ - das wäre vor einigen Monaten noch undenkbar gewesen ...

    Du hast natürlich absolut Recht: Wenn man immer nur auf den Klang achten würde, hätte man letztlich nur eine Hand voll Platten im Schrank stehen - besonders, wenn man hauptsächlich Pop-Musik hört. Kompromisse muss man da ständig machen, und oftmals entschädigt die eigentliche Musik ja auch für den miesen Sound. Trotzdem gibt es immer wieder Momente, wo ich mich dennoch über manch misslungene Aufnahme ärgere, weil ich Musik eben oft auch gerne laut höre und die klanglichen Defizite sich dann eben potenzieren ...

    Ach ja, deinen Einwand bezüglich der UK- und US-Pressungen kann ich nur bestätigen - die Aussage, dass diese besser seien als deutsche, kam ja auch nicht von mir. Speziell die US-Pressungen klingen in der Tat oftmals viel zu dröhnig und basslastig, weil die meisten Amis eine völlig andere Sound-Philosophie haben (welch Wunder bei einem Volk, das hauptsächlich Rap und Heavy Metal hört). Deshalb werden z. B. einige Lautsprechermodelle von JBL oder Infinity für den US-Markt häufig mit deutlich „boomigerer“ Abstimmung gebaut als die europäischen Pendants ...

    Zum Schluss noch zu den Begriffen „Toleranz“ und „Ohrgasmus“: Vielleicht sollte ich tatsächlich etwas toleranter werden, was die klanglichen Prioritäten anderer betrifft. Ich selber werde mich aber mit zischigen Höhen, dumpfen Mitten, dröhnigen Bässen, Knacksen, Knistern und Rauschen nie wirklich anfreunden können. Und was den „Ohrgasmus“ angeht: Da behaupte ich aus meiner Erfahrung heraus einfach mal, dass mindestens 90% aller Musikhörer gar nicht wissen, wie sich so etwas anfühlt. Wer sich bei entsprechenden Händlern, auf Messen oder eventuell auch bei Freunden oder Bekannten noch nie gute Anlagen-Konfigurationen angehört hat, weiß doch in aller Regel gar nicht, wie “samtige Höhen“, “traumhafte Mitten“, “abgrundtiefe, konturierte Bässe“ oder “eine quasi holographische Räumlichkeit“ den Adrenalinspiegel in die Höhe treiben können. Und auch hier gilt: Man muss nicht Unsummen von Geld investieren, um schon erstklassige Ergebnisse zu erzielen ...
    Allerdings muss ich auch einräumen, dass es einfach Leute gibt, die solche Erlebnisse völlig kalt lassen und meine Begeisterung nicht nachvollziehen können. Dabei ist mir in letzter Zeit aufgefallen, dass oftmals ausgerechnet echte Platten- oder CD-Sammlerfreaks für HiFi nichts übrig haben. Das finde ich irgendwie merkwürdig, da Musik doch eine eigentlich rein emotionale Angelegenheit ist (und sein sollte!) und gute Musik durch guten Klang meiner Ansicht nach einen noch deutlich größeren Spaßfaktor erhält ...

    Fazit: Meine überzogene Reaktion aus dem ersten Posting nehme ich zurück. Leider werden mich aber auch die vernünftigsten Argumente in Zukunft wohl nicht vor einigen Enttäuschungen bewahren ...

  10. #9
    Benutzerbild von UnknownPleasure

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    Keine Ursache, Torsten - gerne bereit, jemandem auch mal in den Ar... zu treten.

    Auf das Datum habe ich gar nicht geachtet - na sowas aber auch, war allerdings einer Meinung, daß eine Antwort gerechtfertigt war. Ich hätte allerdings - und da hast Du Recht - es mir wenigstens mit allen, die in diesen Thread gepostet haben, verscherzen sollen, anstelle Dich direkt anzusprechen.

    Mangels entsprechender Räumlichkeiten und auch, weil ich zuhause mit "normalem" Klang eigentlich zufrieden bin, ist meine Backline ziemlich einfach aufgebaut: Dolby-Surround-Verstärker (einer der ersten!) und CD-Player (mit DSP) von Sony, beide mittlerweile über 7 Jahre alt, ein ziemlich schrottiges Tapedeck von Aiwa (hey...es war billig, in jeder Hinsicht!) und einen Plattenspieler von Conrad Electronic, der beinahe wie ein Technics SL-1200 aussieht. Die Hauptlautsprecher sind noch original RFT (gekauft 1990 bei Völkner, klingen aber erstaunlich gut), die Surroundlautsprecher ebenfalls von Conrad (für 10 DM). Bevor ich nach Hannover umgezogen bin, hatte ich eine getrennte Vor- und Endstufe von Sony und die Visaton Atlas DSM MKII...talk about craziness.

    Meine Kohle für eine Anlage hatte ich in den 90s auch lieber ins Auto gesteckt, schlicht und ergreifend, weil ich häufiger unterwegs als zuhause war. Den Höhepunkt dürfte mein Kadett E dargestellt haben - dort habe ich für knapp 6000 Deutschmarks Elektronik versenkt. Hat sich aber nach diversen Diebstählen auch wieder gegeben.

    Je nachdem, von wem die Scheibe ist, ärgere ich mich selbstredend auch, wenn die Aufnahme aus welchen Gründen auch immer nicht meinen Ansprüchen genügt. Das beste Beispiel dafür ist die Best-of "Glittering Prize" von den Simple Minds...als ich sie gleich nach dem Kauf in den CD-Changer meines Autos wandern ließ, wunderte ich mich als erstes, wo denn der Bass geblieben ist. Also, raus aus dem Auto, Heckklappe auf und erstmal nachgesehen, ob die dafür verantwortlichen Endstufen nicht den Geist aufgegeben hatten. Nein, hatten sie nicht, also zurück in den Supermarkt und die CD umgetauscht. Das zweite Exemplar klang wie die erste...wahrscheinlich wurde beim Mastering die Phase für einen Kanal vertauscht, was zu einer Auslöschung der Bassfrequenzen führte. Ich muß zugeben, daß mein Zorn in diesem Moment nicht der geringste war...
    Beisipel 2: CD "Push!" von Invincible Spirit. Selbst die "remasterte" Version klingt immer noch wie mit einem alten Tapedeck aufgenommen (was gar nicht mal so unwahrscheinlich ist), die Originalversion muß vom Tape sein. Und doch zählt diese CD zu meinen Favoriten, dem Klang zum Trotz.
    Den finanziellen Spielraum, den beide Interpreten hatten, muß ich allerdings wohl nicht herausstreichen.

    Was ich letztendlich damit sagen wollte: was nützt mir die beste Aufnahme in 24-Bit Surround Touch-and-feel-Qualität, wenn ich der Musik gegenüber keine Emotionen habe? It has a good beat, and you can dance to it... - das entscheidet, ob ich mir eine Scheibe kaufe oder nicht. Als Bonus nehme ich eine perfekte Klangqualität natürlich gerne mit, aber das behaupte ich jetzt mal - bestenfalls 1 - 2% aller Veröffentlichungen dürften diesem Etikett wohl entsprechen.

    Schön, wenn man trotz unterschiedlicher Auffassung vernünftig diskutieren kann - in anderen Foren (die nicht unbedingt die 80s zum Thema haben, Anm. d. Autors) geht es wesentlich intoleranter ab.

  11. #10
    Benutzerbild von hechicero

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    Hi UP und hi Torsten,

    schöner Thread (trotz der Länge ). So wie UP sehe ich es auch. Gute Musik definiert sich nicht über die Aufnahme- oder Abspielqualität. Aber ich glaube, so meinte das Torsten auch gar nicht.

    Klar ich würde einen meiner Lieblingssongs auf nem Tape auch einer CD vorziehen, wo nur Mist drauf ist - selbst wenn die noch so gut klingt.

    Ich habe mal zu Zonenzeiten mit einem Monorecorder angefangen, habe mich dann zu einem Stereorekorder (mit manueller Aussteuerung ) "hochgearbeitet". Natürlich hat man dann viele Songs NOCHMAL neu aufgenommen. Klar waren sie auch in Mono geil - aber ich mußte sie in Stereo haben.
    Nach der Wende brauchte ich das natürlich alles als Platte oder CD. Und wenn die Platte shit war, dann eben beides.

    Na und wenn irgendein 80s-Künstler seine gesammelten Vinylwerke nochmal digital remastert rausbringt, dann kaufe ich die natürlich auch NOCHMAL.

    Also so schön ein Song trotz schlechter Qualität ist - wenn man ihn "upgraden" kann - warum nicht (anfangs gab ich mich auch mit 128 k*** zufrieden - aber das darf ich hier nicht sagen).

    Und wenn man die Software nicht mehr upgraden kann, dann rüstet man eben die Hardware auf. Wobei ich sagen muß, daß ich lieber mehr Software kaufe als Hardware - also lieber Scheißklang, dafür aber alle Knaller im Schrank.

    NUR: IRGENDWANN STEHT JEDER KNALLER IM SCHRANK !!!!

    In dem Moment habe ich mir letztes Jahr für 1500 Kröten einen Audio-DVD-Player geholt. Der hat also Extra-Schaltkreise, um auch CDs vernünftig abspielen zu können (u.a. Kill-switches zum Abschalten des Videokreises).

    Was ich damit hörte, hatte ich nicht erwartet. Meine CDs klangen alle wie im Geschirrspüler abgewaschen. WAHNSINN. Einen solchen Unterschied zu einem Billigplayer hatte ich nicht erwartet.

    Und dann merkt man eben die Dinge, die Torsten angesprochen hat. Knistern, Rauschen und Knacken bringt so ein Teil natürlich zutage. Aber das gehört halt dazu. Deswegen klingt die CD ja trotzdem besser als auf nem Billigteil. Das darf man nicht so verbissen sehn.........oder eben nach der remasterten Fassung Ausschau halten.....

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