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Joe Jackson

Erstellt von 80sProfi, 26.04.2003, 16:01 Uhr · 5 Antworten · 1.753 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von 80sProfi

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    Joe Jackson ist wieder "zurück". Hat jemand das legendäre Rockpalast Konzert vom April 1983 (am gleichen Abend traten auch Dexis Midnight Runners auf - würd ich auch gleich wollen...). Wie findet ihr das neue Album von Joe??

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von NovalisHH

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    Hier, wie gewünscht, meine Meinung zu "Volume IV" von Joe Jackson in Form einer meiner CD-Kolumnen

    The Joe Jackson Band
    “Volume IV”

    (28. Februar 2003)

    Frühjahr 1978: In Chile weicht General Pinochet sein autoritäres Regime auf, Großbritannien erholt sich von der antiautoritären Revolte des Punk. Die Bundesrepublik wird von einem Druckerstreik lahmgelegt, viele Tageszeitungen erscheinen gar nicht, von anderen nur erzdünne Notausgaben. Verteidigungsminister Georg Leber (SPD) trat soeben zurück, der Schnee ist fast so hoch wie die Staatschulden. Ein arktischer Winter folgte auf den Deutschen Herbst. Ein Kommando der „Roten Brigaden“ entführt in Rom Aldo Moro, den Präsidenten der Christdemokratischen Partei Italiens, in Frankfurt/Main bereitet das „Russel-Tribunal“ einen Showprozeß gegen Berufsverbote und angebliche Menschenrechtsverletzungen in der BRD vor. In den Hitparaden hat sich die Discowelle etabliert. Bee Gees, Boney M., Eruption oder Luisa Fernandez setzen auf Seichtheit, viel Bumbum und textliche Nullaussage.
    Doch am 10. März 1978 taucht ein kurioser Typ wie aus dem Nichts in Großbritanniens Musikszene auf: Ein völlig uncooler, plakativ unansehnlicher Anzugträger, knapp 24 Jahre alt, mindestens doppelt so alt wirkend. Zwar nicht so bedrohlich sarkastisch wie Ian Dury, aber wesentlich radikaler als Graham Parker und Elvis Costello zusammen: Joe Jackson, einstiger Absolvent der Royal Academy of Music, hatte, nach einem Engagement als Barmusiker in der Londoner „Playboy-Bar“, ein paar Songs aufgenommen. Genau am 10. März 1978 erblickte seine Debüt-LP „Look Sharp“ das Licht der Welt!
    Er war kein Punk mehr, aber genauso aggressiv. Er schrie keine nihilistischen Texte und billigen Parolen ins Mikrophon, sondern sang mit beißender Ironie bitterböse Geschichten und soziale Studien aus der Sicht eines mürrischen, verbitterten Genies. Zwar mußte Jackson zunächst den Umweg über die USA nehmen – wo „Look Sharp“ einschlug wie eine Bombe – bevor er auch in seiner Heimat erste Meriten Einfahren konnte. Trotzdem war allen klar: Ein Star war geboren, wenn auch eher – so nannte sich Jackson zumindest später selbst – ein „Anti-Star“. „Is she really going out with him?“, eine zynische, aber zugleich hypersensible Abrechnung mit dem stupiden neuen Lover der Exfreundin ist heute längst ein Evergreen und bewies die hohe Qualität von Jacksons Musik schon auf dem ersten Album. Mit den weiteren LPs „I’m the Man“ (1979) und „Beat Crazy“ (1980) untermalte der scheue Musiker mit dem Hut und den weißen Turnschuhen zwei Jahre lang weiterhin die aufstrebende New-Wave-Szene Großbritanniens.
    Auf den Tag genau 25 Jahre später. 10. März 2003. Joe Jacksons neues Album „Volume IV“ erscheint bei RYKO/Zomba! Nach gelungenen Experimenten mit Swing („Jumpin’ Jive“, 1981), leicht angejazztem, neoromantischen Großstadtrock ohne jeglichen Gitarreneinsatz („Night and Day“, 1982, „Body & Soul“, 1984), minimalistischem Gitarrenpop („Big World“, 1986), einigen Soundtracks und kammermusikalischem Fundamentalsound („Blaze of Glory“, 1989), verabschiedete sich Joe Jackson 1991 mit dem ungewohnt heiteren Album „Laughter & Lust“ aus der schillernden Welt der Unterhaltungsmusik. Er komponierte fortan avantgardistische Symphonien, verband Klassik mit Free Jazz und seinen oft verqueren Vorstellungen von Pop, veröffentlichte nahezu unbemerkt eine ungenießbare Fortsetzung von „Night & Day“ – um nun, im gesetzten Alter von fast 50 Jahren, zu seinen Wurzeln zurückzukehren. Und diese heißen nun mal Punk, New Wave, Reggae, Ska – bestanden aus all dem, was so um 1979/80 herum durch die Musikszene wirbelte und aus den Radios quoll.
    Mit der gleichen Band wie damals – Gary Sanford (git), Graham Maby (b) und Dave Houghton (dr) - setzt Jackson haargenau dort an, wo er im Dezember 1980 nach den genannten drei phantastischen New Wave-Alben aufhörte. Kein Fünkchen Staub hat sein Talent in dem Vierteljahrhundert zwischen „Look Sharp“ und „Volume One“ angesetzt. Der „Anti-Star“ kotzt noch immer in der Manier eines „Angry young Man“ gegen die Ungerechtigkeiten des menschlichen Daseins, beschreibt zynisch die Banalitäten des Alltags – und verpackt dies musikalisch in einer Form, als hätte es nach New Wave nichts mehr gegeben – als wäre die Popszene von Tekkno, Hip Hop, Dancefloor, Grunge und Alternative verschont geblieben.
    Den direkten Vergleich mit Jacksons Klassikern erlaubt eine Bonus-CD mit den 2002 live aufgenommenen Althits „One more Time“, „Is she really...“, „On your Radio“, „Got the Time“, „It’s different for Girls“ und „I’m the Man“. Diese Beigabe sollte man hören, bevor man sich die neuen Lieder zu Gemüte führt. Man wird nämlich keinen Unterschied zwischen Joe Jackson 1978 und Joe Jackson 2003 feststellen. Weder, was die kompositorische Qualität betrifft, noch in Hinsicht auf Klang und Stimmung, geschweige denn bezüglich Aggressivität und Aussagekraft. „Volume IV“ beginnt mit der komplexen Rocknummer „Take it like a Man“, bei der sich Piano, Punkgitarren und Reggaerhythmen auf hervorragende Art und Weise ergänzen. „I’m still alive“ bekennt Jackson kurz darauf trotzig. Wir glauben es ihm – auch wenn wir in den Jahren nach „Laughter & Lust“ beinahe vom Gegenteil überzeugt waren. Der Generation der Pubertierenden macht er, untermalt von zickigen New Wave-Klängen, Mut: Macht Euch keine Sorgen, „You’re just in an awkward Age“. Zwar wird Jackson im Gegensatz zum besungenen 15jährigen in jede noch so coole Party reingelassen, aber: „I get into the Parties, but I hate them, cause I'm shy – I’m still in an awkward age!“. Typische Jackson-Rocker in einer seit 15 Jahren nicht mehr erreichten Güteklasse („Chrome“, „Little bit stupid“) wechseln sich ab mit blueslastigen Barballaden („Love at first Light“) und amüsanten Reggae/Ska-Spielereien („Fairy Dust“, „Thugz’r’us“). Einen so grandios nervösen, hibbeligen Nachtexzeß wie „Dirty Martini“ hat Talking Head David Byrne seit 20 Jahren nicht mehr hingekriegt, und mit der abgeklärten Ballade „Blue Light“ ist sogar eine würdige Weiterentwicklung so fragiler, sanfter Jackson-Klassiker a’la „Slow Song“ oder „Breaking us in two“ dabei – ohne jegliche Abstriche, ohne jegliche Form von Qualitätsminderung. Der Rausschmeißer „Bright Grey“ geht, was Intensität, Aggressivität und Wortwitz betrifft, als 2003-Ausgabe von „I’m the Man“ in die Annalen ein.
    Wer gleich nach „Volume IV“ noch mal die Bonus-Live-CD einschiebt, vernimmt wirklich keinerlei Differenzen. Joe Jackson macht uns mit seinem neuen Album Glauben, die Jahren 1983 bis 2003 habe es nicht gegeben. Schade, daß dies leider nur ein Traum ist – aber die elf neuen Songs ermöglichen jedem enttäuschten Alt-New-Waver diesen surrealen Zeitsprung für eine Dreiviertelstunde! „Volume IV“ ist der bislang beste, weil authentischste Beitrag zum „80er-Revival“! (Gesamtnote: Höchstwertung)

  4. #3
    Benutzerbild von Pee-Gee

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    Alt-86er postete
    ...leicht angejazztem, neoromantischen Großstadtrock ohne jeglichen Gitarreneinsatz („Night and Day“, 1982, „Body & Soul“, 1984) ...
    [klugscheissermodus]
    Sorry, aber bei "Body & Soul" kamen sehr wohl Gitarren zum Einsatz. Nur auf "Night and Day" waren tatsächlich keine zu hören.
    [/klugscheissermodus]
    Ansonsten: Hut ab vor dieser Rezension! Macht Spass zu lesen.

    Keep moding
    Pee-Gee

  5. #4
    Benutzerbild von Dolittle

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    AW: Joe Jackson

    Ich hole aus aktuellem Anlass mal diesen Uralt-Thread nach oben... Vielleicht gibt es hier ja noch ein paar Fans von Joe Jackson. Also, ein kleiner Tipp für alle, die es interessiert:

    Heute kam auf Arte eine interessante Doku über Joe Jackson: "Joe Jackson - Mein Leben". Hat mir sehr gut gefallen, zumal man ja nicht oft etwas von ihm im TV zu sehen/hören bekommt.

    Für diejenigen, die es verpasst haben: Es gibt noch zwei Wiederholungstermine:
    21.06.2010 (08.00 Uhr)
    26.06.2010 (06.45 Uhr)

    Grüße an alle Joe Jackson Fans

  6. #5
    Benutzerbild von Elek.-maxe

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    AW: Joe Jackson

    Danke für den Tipp!

  7. #6
    Benutzerbild von Dolittle

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    AW: Joe Jackson

    "Joe Jackson - Mein Leben" läuft derzeit nochmal im Fernsehen. Und zwar im "ZDF theaterkanal". Wer es bisher verpasst hat, hat also jetzt nochmal die Chance, es sich anzusehen...

    Ausstrahlungstermine:
    16.01.2011
    28.01.2011 (jeweils 22:55 Uhr)

    Viel Spaß und herzliche Grüße an alle Fans

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