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Klartext!!!

Erstellt von bamalama, 25.07.2005, 15:40 Uhr · 78 Antworten · 38.484 Aufrufe

  1. #1
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    ich lese immer wieder gerne interviews, ganz besonders von interessanten 80er-künstlern. da ich davon ausgehe, dass ich hier in diesem forum nicht der einzige bin, starte ich einfach mal einen INTERVIEW-thread

    den anfang macht ein ganz aktuelles interview mit den PET SHOP BOYS:

    (24.07.2005 )

    „Die Bomben? Da lagen wir im Bett!“

    Die Pet Shop Boys machen zusammen Musik, aber politisch sind sie sich selten einig. Wie sie den Terror in London erlebten und wie Pop den Faschismus bekämpfen kann.


    Die „Pet Shop Boys“ gelten als erfolgreichstes Duo der Popwelt. Neil Tennant (51, rechts) und Chris Lowe (49) wurden 1987 mit „West End Girls“ berühmt. Nun komponierten sie einen Soundtrack zum russischen Filmklassiker „Panzerkreuzer Potemkin“ von 1925. Am 4. September treten sie damit live in Berlin auf. Beide leben in London.

    Interview: Lars von Törne

    David Bowie, der aus London stammt und in New York lebt, sagte nach den Anschlägen vom 11. September, viele seiner amerikanischen Freunde stünden unter Schock und wollten aus der Stadt wegziehen. Er hingegen gab sich ziemlich gelassen. Sind Londoner cooler?

    NEIL TENNANT: Ich glaube schon. Die Londoner haben seit den 70er Jahren lange Zeit mit den Bombenattentaten der IRA gelebt. Dadurch haben wir uns an die Gefahr gewöhnt. Allerdings gab es bei der IRA immer noch eine etwas größere Überlebenschance als jetzt bei den Anschlägen vom 7. Juli: Die IRA rief wenigstens fünf Minuten vorher an, um die Menschen zu warnen.

    CHRIS LOWE: Ich habe persönlich ein paar Bomben hochgehen hören, in den späten 80ern und zuletzt 1993 in der Innenstadt.

    TENNANT: Die große Angst war schon immer, dass eine Bombe in der U-Bahn explodiert. Ich erinnere mich an einen Tag in den 70ern, als ich als Redakteur für Marvel Comics arbeitete und mit der Picadilly-Linie auf dem Weg zur Arbeit war. Die U-Bahn hielt plötzlich im Tunnel an, weil in der Nähe eine Bombe hochgegangen war. Das war der pure Horror. Zum Glück waren wir aber nicht direkt betroffen, und irgendwann fuhr die U-Bahn weiter.

    LOWE: Ich musste sogar mal nach einer Bombe suchen.

    Wie bitte?

    LOWE: In den 80er Jahren arbeitete ich bei Harrod’s in der Spielwarenabteilung, es war vor Weihnachten. Da kam eine verschlüsselte Nachricht, es gebe eine Bombenwarnung. Also mussten alle Mitarbeiter unauffällig die Regale absuchen, wo die Bombe versteckt sein könnte. Als die Mitteilung kam, war mein erster Reflex, aus dem Kaufhaus auf die Straße zu laufen. Aber dann suchte ich tatsächlich nach einer Bombe zwischen all dem niedlichen Kinderspielzeug – ohne etwas zu finden. Manchmal reagiert man in so einer Situation ganz anders, als man es sich vorher ausmalt. So ist es auch jetzt. Erst denkst du: Wenn so etwas wie an diesem Donnerstag passiert, wandere ich in die Schweiz aus. Aber dann passiert’s und man bleibt, wo man ist.

    Noch heute, Jahre später, kann sich jeder erinnern, was er am 11. September 2001 gerade tat, als die Flugzeuge in die Türme rasten. Wie haben Sie den Morgen des 7. Juli in London erlebt?

    LOWE: Was erwarten Sie? Wir sind Popstars – es war neun Uhr früh, wir lagen noch im Bett.

    TENNANT: Ich wachte um die Zeit langsam auf. Dann schaltete ich mein Mobiltelefon an. Ich habe da so einen automatischen Nachrichtendienst eingestellt. Also bekam ich eine Nachricht, dass die U-Bahn wegen Stromausfalls nicht weiterfährt. Ich bin ins Wohnzimmer gegangen und habe gefrühstückt. Dabei gucke ich immer Fernsehen. Da stritten sie darum, wessen Schuld der Stromausfall war. Dann, um kurz nach neun, kam die Nachricht, dass es mehr als ein Stromausfall sein könnte. Ich war beunruhigt, aber ich hatte keine Panikgefühle oder so. Wir hatten ja schon lange befürchtet, dass wir eines Tages so einen Terroranschlag erleben – und jetzt war es so weit. Ich habe dann bei Chris angerufen, um zu hören, wie es ihm geht. Es war ein komisches Gefühl, aber irgendwie blieb ich ziemlich ruhig.

    LOWE: Ich nicht. Ich dachte, das ist nur der Anfang von etwas ganz Großem, Schlimmen. Erst sprengen sie die U-Bahn und dann kommt die schmutzige Chemie-Bombe. Aber so ist das immer: Neil bleibt cool, während ich immer das Schlimmste erwarte.

    Fahren Sie heute noch U-Bahn?

    TENNANT: Ich fahre meistens Taxi. Aber wenn wir ins Studio gehen, das in Ost-London ist, dann nehme ich noch die U-Bahn von Sloane Square aus, weil es von meiner Wohnung im Westen einfach zu nervig und zu teuer mit dem Taxi wäre. Davon werde ich mich durch die Anschläge auch nicht abbringen lassen! Allerdings bin ich etwas klaustrophobisch: Ich würde also nie zu Stoßzeiten fahren, wenn es eng in der U-Bahn ist.

    Einige linke Londoner Politiker ziehen eine direkte Verbindung vom britischen Engagement im Irak zu diesen Anschlägen. Sie waren im Vorfeld des Irakkrieges eine der wenigen Popbands, die nicht explizit gegen den Krieg waren…

    LOWE: …wir waren tief gespalten! Ich war immer dagegen und glaube, der Krieg hat wahrscheinlich die Unterstützer der Terroristen gestärkt, nicht geschwächt.

    TENNANT: Ich dagegen war sehr dafür, Saddam Hussein zu beseitigen, wegen der Menschenrechte, und weil er eine Bedrohung des ganzen Mittleren Ostens darstellte.

    Dann müssten Sie ja heute ganz zufrieden sein, Mr. Tennant, nachdem Saddam im Gefängnis sitzt.

    TENNANT: Nein. Ich hatte gedacht, die Amerikaner hätten einen klaren Plan, wie sie nach dem Krieg die Verhältnisse im Irak verbessern wollen. Das war leider nicht so. Das ist sehr desillusionierend. Heute sehe ich das ganze Unternehmen sehr kritisch.

    LOWE: Ich hatte dich gewarnt.

    TENNANT: Ja, ja. Aber ob es wirklich eine Verbindung gibt zwischen den Anschlägen und dem Irakkrieg, das ist schwer zu sagen. Noch wissen wir – anders als damals bei der IRA – ja nicht mal genau, was die Täter vom 7. Juli erreichen wollten. Und die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA fanden vor dem aktuellen Irakkrieg statt.

    LOWE: Ja, aber die waren eine Reaktion auf das, was die US-Regierung in den Jahren davor gemacht hat! Auf den ersten Irakkrieg 1990, auf das militärische Engagement der USA in Saudi-Arabien und so weiter.

    TENNANT: Ich habe da meine Zweifel.

    Sie haben kürzlich den Soundtrack zum russischen Stummfilm „Panzerkreuzer Potemkin“ geschrieben, dort heißt es in einer Textzeile sehr skeptisch: „Wie konnte es passieren, dass wir in diesen Krieg gerieten, ohne uns zu fragen, worum es da eigentlich geht.“

    TENNANT: Der Irakkrieg war ein Aspekt, der in die Musik einfloss und an den ich dachte, als ich den Text schrieb. Aber bei dem Projekt geht es uns nicht nur um Bezüge zu aktueller Politik, sondern um allgemeine Aussagen über den Kampf für Gerechtigkeit…

    LOWE: …der Film handelt davon, wie man sich aus tyrannischer Unterdrückung befreit.

    Sie sind Mainstream-Popper, die den Partysound der 90er geprägt haben. Wie kam’s, dass Sie die Musik für einen Propagandafilm von 1925 komponierten, in dem es um die Meuterei einer Kriegsschiffs-Besatzung gegen zaristische Offiziere geht?

    TENNANT: Es war schlicht eine Herausforderung, die Musik für einen 73-Minuten-Film zu machen, die man hinterher live aufführen kann.

    Und die politische Botschaft?

    LOWE: Das kam später. Wir kannten den Film kaum, als wir dem Angebot des Londoner Kulturinstituts zustimmten, die Musik dafür zu machen. So arbeiten wir: Wir entscheiden uns spontan.

    Etwas gewagt bei einem Film mit einer so eminent kommunistischen Botschaft.

    TENNANT: So sehe ich das nicht. Für mich geht es in dem Film weniger um Kommunismus als um die Macht von Protest. Das ist eine Idee, für die ich große Sympathie habe. Protest ist in demokratischen Systemen ein sehr wichtiges Element. Margaret Thatchers Regierung zum Beispiel wurde 1990 zum großen Teil durch Proteste gegen eine neue Steuer zu Fall gebracht, die Poll Tax Riots. Oder denken Sie nur an die Proteste in Osteuropa in den späten 80er Jahren. Das für mich Attraktivste an „Panzerkreuzer Potemkin“ ist die Idee von Bruderschaft, diese romantische Idee, dass einer für den anderen einsteht. In diesem freiheitskämpferischen Sinne haben wir die Musik dazu geschrieben.

    Joseph Goebbels war auch ein Bewunderer des Films. Er soll nach dem Kinobesuch 1926 gesagt haben: So einen wie Eisenstein brauchen wir auch.

    TENNANT: Die Nazis haben dann ja auch ein paar Jahre später ihr Pendant zu Eisenstein gehabt: Leni Riefenstahl. Aber auch wenn es Ähnlichkeiten geben mag, sind doch beide sehr unterschiedlich. Propagandafilme wie die von Leni Riefenstahl, egal wie wunderschön sie gefilmt und montiert sind, glorifizieren eine bestimmte Politik und bestimmte Mythen, eben die der Nazis. Deswegen würden wir „Triumph des Willens“ nicht neu inszenieren. „Panzerkreuzer Potemkin“ hingegen ist nur quasi-historisch und hat eine sehr allgemeine Botschaft von Solidarität.

    Der Film, ein cineastisches Meisterwerk, war in Deutschland lange verboten, und auch in Großbritannien konnte man ihn bis 1954 nur an ausgewählten Orten sehen, weil man befürchtete, er könne Umsturzversuche auslösen. Hat ein Film so viel Macht?

    TENNANT: Ja, die hat er bis heute. Vielleicht nicht mehr im Westen. Aber wir haben zum Beispiel versucht, mit unserer Inszenierung des Films in den Iran zu gehen – das haben die Britische Botschaft und der British Council schon im Vorfeld strikt abgelehnt. Auch in Nordkorea oder auf dem Tiananmen-Platz in Peking werden wir den Film wohl kaum zeigen. Er muss noch eine gewisse revolutionäre Macht haben, wenn er Politiker nervös macht.

    Hatten Sie selbst mal eine revolutionäre Phase?

    LOWE: Ich nicht. In dem Alter, wo man sich revolutionär gebärdet, gehörte ich eher zu den jungen Konservativen, die Hippies mit ihren langen Haaren und all diese Studenten-Sit-Ins gehasst haben.

    TENNANT: Ich war auf der anderen Seite. Obwohl ich nie ein Hippie war – ich hatte immer schon kurze Haare! Aber ich habe in den 70er Jahren Marx gelesen und mich für den Kommunismus interessiert. Ich habe damals regelmäßig die marxistische Zeitschrift „Socialist Worker“ gelesen. Einmal habe ich sogar gekämpft: Ich habe für einen Verlag gearbeitet, dessen neuer Besitzer uns rauswerfen wollte. Also besetzten wir unsere Büros für zweieinhalb Monate, gaben Interviews und waren im Fernsehen, alles sehr kämpferisch. Am Schluss wurden wir trotzdem entlassen. Aber das ist jetzt 25 Jahre her. Heute sind wir doppelt so alt und ein etablierter Teil des kapitalistischen Systems.

    Sie sind beide homo5exuell und engagieren sich gelegentlich für die Schwulenbewegung, Sie treten auf dem Gay Pride Day auf und haben Ihr Schwulsein in einem Musical verarbeitet. Haben Sie Ihr Coming- out im Großbritannien der 70er Jahre auch als revolutionäre Phase erlebt?

    TENNANT: Das war eher unspektakulär. Es war einfach ein Teil meines Lebens. Als ich Teenager war, war es schon nicht mehr so ein Tabu wie vielleicht noch zehn Jahre vorher. Ich habe es zu jener Zeit allerdings nie mit meinen Eltern besprochen – aber nicht, weil ich schwul war, sondern weil es ein 5exuelles Thema war. Und über 5ex redete man in meiner Familie nicht.

    LOWE: Als wir aufwuchsen, hatten andere in den frühen 70er Jahren schon den Boden bereitet, damit wir ein normales schwules Leben führen konnten. Es gab und gibt natürlich hin und wieder gewalttätige Übergriffe auf Schwule, auch habe ich in meiner Jugend einige willkürliche Polizeirazzien in Schwulen-Clubs erlebt, bei denen wir belästigt wurden, auch wenn Homo5exualität schon legal war. Aber revolutionäre Energie brauchten wir nicht mehr aufzuwenden, um offen schwul zu sein.

    TENNANT: Wir haben sowieso unsere Schwierigkeiten damit, uns als Teil der schwulen Gemeinschaft zu sehen. Das kann eher trennen als vereinen. Wenn man nicht aufpasst, bleibt man so in einem Ghetto am Rand der Gesellschaft stecken – aber wir wollten immer in den Mainstream und sehen uns als normaler Teil der britischen Gesellschaft, nicht als Teil einer „Community“. Ich mag es, wenn es muslimische Parlamentsabgeordnete gibt, schwule Regierungsmitglieder und niemand mehr in Communities lebt. Ich mag es, wenn „Do Ya Wanna Funk“ von Sylvester Nummer 1 in den Charts ist – ein schwuler Song, der von allen akzeptiert wird. Das hat viel mehr Kraft, als wenn man vom Rand der Gesellschaft aus etwas zu ändern versucht.

    Der Songwriter Woody Guthrie hatte auf seiner Gitarre einen Sticker, auf dem stand: „Diese Maschine killt Faschisten.“ Ist Popmusik so einflussreich?

    TENNANT: Ja, ich denke, Popmusik kann Faschismus bekämpfen.

    Und wie?

    TENNANT: Popmusik ist ein Ausdruck von extremem Individualismus. Gleichzeitig schafft sie eine Einheit unter den Menschen, die diese Musik mögen. Diese Kombination widerspricht der Idee vom totalitären System.

    Welche Songs haben für Sie die Welt verändert?

    LOWE: „Harvest for the World“ von den Isley Brothers war so einer. Das Lied ist aus den 70ern, es handelt von Armut und Hunger und sagt mehr über die Situation in Afrika als alles, was ich je dazu gelesen habe. Musik ist am stärksten, wenn sie die Menschen zusammenbringt und wenn sie ein Appell an die Menschlichkeit ist.

    TENNANT: Für mich war David Bowie ein Revolutionär, zumindest kulturell. Er war schockierend, damals, in den frühen 70er Jahren. So wirkt Popmusik: nicht durch politische Positionen, sondern, indem sie schockierend ist, das Unsagbare sagt und Tabus bricht. Es geht beim revolutionären Potenzial von Pop mehr um einen alternativen Lebensstil, nicht so sehr um Parteipolitik. Bowie war in den 70ern ein Pionier. Wie er sich „camp“ gab – schwul wirken, ohne schwul zu sein – das war ein politisches Statement. Und dann natürlich die 5ex Pistols! 1977 – in der Hochphase meiner „Socialist-Worker“-Zeit – da lief bei mir zu Hause immer „God save the Queen“ von den 5ex Pistols. Das war Musik, die der Gesellschaft die zwei Finger zeigte.

    Die zwei Finger?

    TENNANT: Ja, so macht man bei uns das Fuck-Off-Zeichen. Wie machen Sie das in Deutschland?

    Bei uns reicht der Mittelfinger.

    TENNANT: Oh, wir benutzen dafür auch noch den Zeigefinger.

    LOWE: Vielleicht, weil wir so oft das Victory-Zeichen machen – und das braucht man dann nur umzudrehen, und schon hat man das Fuck-Zeichen. Da gibt es diese schönen Fotos von Frau Thatcher und von Churchill, wie sie eigentlich das Victory-Zeichen machen wollten – und dann aus Versehen die Finger andersherum hielten.

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von Castor Troy

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    West End Girls war aber 1985

  4. #3
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    HUBERT KAH (JULI 2005):

    „Sternenhimmel“! Nicht nur in den achtziger Jahren füllte dieser Hit die Tanzflächen, noch heute ist dieser unvergessene Song ein Muss an jeder NDW-/80er-Party.
    Nach einer fast zehnjährigen Pause folgte Ende Mai das Comeback von Hubert Kah mit dem Album „Seelentaucher“. Wer und was der „Seelentaucher“ ist, und warum es so lange ruhig war um den Star, erzählt uns der Künstler im folgenden Interview persönlich.

    re-flexion: Mit „Seelentaucher“ erscheint dein erstes Album nach fast zehnjähriger, musikalischer Abstinenz. Worin liegt die Begründung für die, für einen Musiker, doch sehr lange Auszeit?

    Hubert Kah: Das hat eigentlich keinen tieferen Grund. Wenn man mit einer Platte an die Öffentlichkeit will, müssen bestimmte Voraussetzungen gegeben sein; alles muss passen. Dazu gehört auch, dass man als Mensch in der Lage sein muss, sich der Öffentlichkeit zu stellen.
    Ich habe in der vergangenen Zeit an sehr vielen Songs geschrieben, war sehr viel alleine und weniger im Austausch mit der Umwelt. In dieser Zeit hat sich eine Menge angesammelt. Ich habe so wieder den Punkt erreicht, was Songs anbelangt, sowohl auch die Kraft und Energie, die notwendig ist, um nun „Seelentaucher“ zu veröffentlichen.

    re-flexion: Wann hast du den ersten Schritt für „Seelentaucher“ eingeleitet? Wie lange hat die ganze Produktion gedauert?

    Hubert Kah: Das ging alles sehr kurz und kompakt über die Bühne. Im Januar habe ich angefangen und im April schon abgeschlossen.

    re-flexion: Neben vielen neuen Stücken enthält das Album auch einige Neuinterpretationen älterer Stücke wie „Military Drums“ oder die gelungene Version von „Wenn der Mond die Sonne berührt“. Was war der Ausschlag dafür, genau diese Titel erneut und von deinem gedanklichen Rahmen aus gesehen, wieder zu aktualisieren und neu aufzunehmen?

    Hubert Kah: Bei vielen Titeln aus der Vergangenheit, von welchen ich viel halte, ist damals die Umsetzung aus verschiedenen Gründen nicht so gelungen. Die Motivation für diese Neuinterpretationen lag darin, dass ich so die Möglichkeit hatte, die Lieder die mir wirklich wichtig sind, noch einmal in das richtige Licht rücken zu können.
    Bei „Military Drums“ war es so, dass ich mir diesen Song schon damals sehr cluborientiert vorgestellt habe, was aber bei der Umsetzung damals nicht funktioniert hatte. Mit dem jetzigen Produzenten Jochen Schmalbach, der auch der Produzent von den DJ's Tiefschwarz ist, war der richtige Partner da, um „Military Drums“ so klingen zu lassen, wie es von Anfang an gedacht war.
    Was den Titel „Lass mich träumen“ anbelangt, so hatten wir damals eine ganz bestimmte Magie im Ohr, deren Umsetzung leider auch nicht gelungen war und nun auf „Seelentaucher“ nachgeholt werden konnte. Von „Wenn der Mond die Sonne berührt“ hatten wir damals eine sehr elektronische Auffassung. Ich hatte die Idee diesen Song einfach mal 1:1 unplugged, mit rein akustischen Instrumenten umzusetzen.

    re-flexion: Ich hab deinen Live-Auftritt im NDR, in der Talkshow, leider nicht ganz von Anfang an gesehen, doch die Live-Präsentation fand ich sehr, sehr beeindruckend. Ich bin ein großer Freund der elektronischen Erstversion von „Wenn der Mond die Sonne berührt“. Die akustische Version braucht noch ein bisschen Gewöhnung, doch sie entwickelt von mal zu mal mehr Charme, finde ich.

    Hubert Kah: (schmunzelt)

    re-flexion: Die erste Maxi aus dem Album ist „No Rain“, eine Nummer die du unter Beihilfe von Blank And Jones gemacht hast. Wie entstand die Zusammenarbeit mit beiden zusammen?

    Hubert Kah: Blank And Jones haben mich für eine Vokal-Session zu sich ins Studio eingeladen, denn sie hatten die Idee, dass ich für ihre Platte als Gastsänger einen Titel singe. Bei diesem Zusammentreffen ist dann „No Rain“ durch Zufall entstanden, somit war dann auch klar, dass Blank And Jones das Stück mitproduzieren werden.

    re-flexion: Erzähl doch etwas über die anderen neuen Stücke. Wo liegen deine heutigen musikalischen Schwerpunkte, im Gegensatz zu früheren Zeiten?

    Hubert Kah: Ich habe insofern keine musikalischen Schwerpunkte. Im Nachhinein bei „Seelentaucher“ zeigt sich jedoch, dass die unterschiedlichsten Stimmungen und Aspekte von mir als Mensch ungefiltert und unzensiert auf einer Platte wieder zu finden sind.
    Was ich festgestellt habe, ist, dass ich in mir eine wahnsinnige Vielschichtigkeit an Emotionen habe, die wiederum eine Entsprechung in meiner Musik finden. Dabei sind sehr unterschiedliche Stücke herausgekommen, was das Album sehr abwechslungsreich gestaltet und verschiedene Stilrichtungen einschlagen lässt. Zum Beispiel der Titel „Yolanda“ geht schon fast in Richtung Schlagermusik, „Raketen“ ist eher Heavy-Metal-Musik in einer modernen Produktionsart.
    „Fels in der Brandung“ wiederum ist ein bizarres, experimentelles Stück, „No Rain“ ein chill-out geprägter Song. Alle diese Songs sind Facetten dieses Seelentauchertrips und gehören so unterschiedlich sie auch sind, auf das Album.

    re-flexion: Das Album ist bei DA-Music heraus gekommen. Was war der Ausschlag für dieses Label?

    Hubert Kah: Der Ausschlag war, dass DA-Music eine kleinere Firma ist, welche noch Zeit hat, sich um den einzelnen Künstler zu kümmern. Des Weiteren möchte sich das Label ein weiteres Standbein aufbauen, dass heißt, sie möchten in Zukunft auch auf anderen Märkten ihre Erfolge sammeln, wie eben in der Popmusik. DA-Music ist eher bekannt in der deutschen Schlagermusik.

    re-flexion: Das Cover von „Seelentaucher“ wirkt auf mich sphärisch, geheimnisvoll und mystisch zu gleich. Was sind die Hintergründe?

    Hubert Kah: Das Cover soll das Auftauchen darstellen, nachdem man eine Weile untergetaucht ist. Damit meine ich das Ab- und Auftauchen vom Unterbewusstsein und der Seele.

    re-flexion: Nachdem du in deinen Anfangszeiten im Rahmen der Neuen Deutschen Welle ausnahmslos deutsche Texte gesungen hast, bist du erstmalig mit dem „Ten Songs“-Album in die englische Sprache gewechselt. Was war der Ausschlag für diese Entwicklung?

    Hubert Kah: Das hat sich ohne spezielle Gründe so entwickelt. Wir haben damals angefangen Texte zu schreiben, für welche sich die deutsche Sprache einfach nicht geeignet hat und haben sozusagen, ganz intuitiv gehandelt.
    Ich finde es ganz wichtig, dass wenn solche Dinge automatisch und unvorgesehen passieren, man dann nicht versucht das ganze trotzdem in ein Schema hineinzupressen. Ich denke, dass ist mir bei „Seelentaucher“ besonders gut gelungen, dieses etwas einfach zu zulassen. Man könnte sagen, dass durch diese extreme Vielschichtigkeit gar keine Haltung und kein Schema vorhanden sind.
    Bis jetzt war die Resonanz seitens Medien und Fans, aber durchaus positiv, insofern, dass ein Künstler sich auch einmal getraut aus sich heraus zu kommen und von allem etwas anzubieten, auch wenn dies zum Teil sehr gegensätzliche Stilrichtungen sind.

    re-flexion: In Bezug auf die neue Platte sagen viele Künstler, wenn man sie nach ihrer besten Veröffentlichung fragt, die Neuveröffentlichung sei die Beste. Wie ist das bei dir?

    Hubert Kah: Von der Ausgefallenheit würde ich „Ten Songs“ als das stärkste Album bezeichnen. Aus Sicht der Frechheit und Aggressivität vielleicht die erste Platte „Meine Höhepunkte mit Rosemarie“. Tja, vom kompositorischen Aspekt her gesehen, das klassische Album und gesanglich gesehen am ehesten „Seelentaucher“.

    re-flexion Wenn man die Leute fragt, was sie mit dem Sänger Hubert Kah verbindet, höre ich immer dasselbe. Es fallen dann Titel wie „Sternenhimmel“, Rosemarie“ und „Einmal nur mit Erika“. Stört es dich, dass dich viele auf diese NDW-Hits reduzieren?

    Hubert Kah: Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, einfach das zu tun, was in meiner Möglichkeit steht, das heißt die Musik zu machen, die zum jeweiligen Zeitpunkt aus mir herauskommt und mir wichtig ist.
    Ob das nun gebilligt wird, gesehen und gekauft wird oder sogar zu einem neuen Etikett führt, ist dann in der Hand der Medien. Ich denke, es ist natürlich, dass man mich an meinen größten Erfolgen misst und, dass diese bei den Menschen am meisten hängen bleiben.

    reflexion: Sprich NDW, wie bist du damals dazu gekommen, diese Art von Musik zu machen?

    Hubert Kah: Das war das Alter. Ich war ein Kind der Neuen Deutschen Welle. Wäre etwas anderes angesagt gewesen, hätte ich mit dem angefangen Musik zu machen.

    re-flexion: Neben deiner musikalischen Tätigkeit als Sänger bist du auch einer der bekanntesten Produzenten der achtziger Jahre gewesen, zum Beispiel für Michael Cretu. Wie ist diese Zusammenarbeit entstanden?

    Hubert Kah: Ich war nie Produzent, sondern Songwritter. Ich hatte damals, durch Zufall, Michaels erste Platte in die Hände bekommen und fand sie sehr gut. Ich habe zu der Zeit einen neuen Produzenten gesucht und habe ihn dadurch angerufen. Darauf hin haben wir uns getroffen, und ich habe ihm meine Sachen am Klavier vorgespielt. Er fand gefallen daran und so kam die Zusammenarbeit.

    re-flexion: Gibt es für dich beim Schreiben eigener Songs Unterschiede zu solchen, die du für andere schreibst?

    Hubert Kah: Nein. Ich setze mich ans Klavier und dann entsteht ein Song. Dabei kann es passieren, dass ich merke, dass das Lied gar nicht zu mir passt und so kommt es dann wo anders hin.

    re-flexion: Gab es schon einmal Stücke, die du für jemand anders geschrieben hast, aus denen dann ein Hit wurde, und du im Nachhinein gedacht hast, schade habe ich den nicht für mich behalten?

    Hubert Kah: Nein, das ist bis jetzt noch nicht passiert.

    re-flexion: Irgendwann bist du ganz weg gekommen für andere Songs zu schreiben, warum?

    Hubert Kah: Meine große Sehnsucht ist es, mit meinen Gefühlen direkt an die Menschen zu gelangen, über mich als Person und Sänger. Daran versuche ich auch weiterhin zu arbeiten. Der Wunsch für andere zu schreiben, ist dadurch nachrangig geworden.

    re-flexion: Wie schwer ist es für einen Musiker wie dich, der schon so lange aktiv ist, sich an das Anspruchsdenken der heutigen Konsumenten zu gewöhnen? Der größte Teil der Anspruchsgruppen sind heutzutage anders orientiert und demzufolge ist es für dich oder für deine Musik sicher viel schwieriger einen Hit zu schreiben.

    Hubert Kah: Ja, das stimmt. Die heutigen Musikansprüche sind viel flacher geworden. Ich denke, das liegt an der Melodik. Das sieht man auch daran, wie viele Songs aus den siebziger und achtziger Jahren gecovert werden, da diese einfach eine geniale Melodie besitzen. Insgesamt ist alles viel oberflächlicher geworden. Einen guten Zeitpunkt für den „Seelentaucher“ in dieser oberflächlichen Zeit, oder?

    re-flexion: Was wäre das größte Kompliment, das man dir hinsichtlich des Albums „Seelentaucher“ machen könnte?

    Hubert Kah: Das größte Kompliment wäre für mich, wenn die Fans mir sagen würden, dass sie von meiner Musik berührt werden, und ich sie damit erreichen kann. Sowie auch, dass man sich in dieser kurzlebigen Welt wirklich die Zeit nimmt, um das Album bewusst zu hören.

    re-flexion: Welches sind von deinen eigenen Songs deine drei Lieblings.stücke?

    Hubert Kah: „Wenn der Mond die Sonne berührt“, „Pogo The Clown“ und vielleicht der Titel „Südsee“.

    re-flexion: Und vom aktuellen Album?

    Hubert Kah: Die neue Single „Psycho Radio“, „Raketen“ und natürlich „Military Drums“.

    re-flexion: Wie sieht den die nahe Zukunft aus, bezüglich Konzerten?

    Hubert Kah: Im Winter gibt es sicher Konzerte. Im Moment bin ich noch sehr mit der Promotion für „Seelentaucher“ beschäftigt, sowie mit dem Dreh eines Videos.

    e-flexion: Vielen Dank für das Interview!

  5. #4
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    ganz neues interview mit BANANARAMA, anlässlich der veröffentlichung ihrer neuen single move in my direction:

    They partied with George Michael, had the piss taken out of
    them by French & Saunders and made the campest videos we’d
    ever seen. Now, over twenty years since their first single,
    Bananarama are back with a new single and to star at Big Gay Out.
    Lou Durham catches up with the original British girl group.



    So are you excited to be back?
    Keren: Yeah, we’re really chuffed to have the chance. We’ve waited a long time.

    You’re looking very foxy: has there been a lot of gym work in preparation?
    K: No, we’re not really big fitness freaks, it has to be said. It’s been a long time since we’ve been in the public eye, and it’s really great that we’re coming back again when we’re in our 40s! Got everything going for us!

    You look great in the video.
    Sara: Did you check out Jeff the cowboy? My God, he is absolutely gorgeous.

    You’ve always had great boys in your videos.
    K: We used to audition them ourselves. ’Can you just strip down to your pants and do a twirl...?‘

    Was there ever any action with those boys?
    S: There wasn’t, no.
    K: You had a child with one!
    S: Oh yeah, sorry! [both laughing]
    K: Yeah, apart from the ten-year relationship and the baby!

    You were famous for being party girls. Is that still the case?
    K: I’m afraid so! We’ve just been saying we must be more disciplined and not go out when we’ve got something the next day, but…
    S: You only live once. It doesn’t matter how old you get, it’s still, ’I don’t want to go home to bed and take my make-up off, I’m having fun!‘
    K: It’s just not Bananarama!

    Do you still see Siobhan [who quit the group to form Shakespear’s Sister]?
    K: We saw her a month ago for a coffee. She said, ’Come round, I’m here all afternoon‘, and we got there ten minutes later and she said, ’Oh, I’ve just realised I’ve got to go somewhere, there’s a taxi outside.‘

    Is she still on the Christmas card list?
    S: Oh yeah, absolutely. I feel very protective towards her. If anyone slagged her off I would defend her.

    How’s Andrew [Ridgley, Keren’s partner] these days?
    K: He’s very well.

    You’ve been together ages. Aren’t you bored of him yet?
    K: I hardly see him, I’ve got no chance to get bored of him at the moment! He goes away quite a bit and I go away, we’ve never lived in each other’s pockets.

    What about you Sara?
    S: I’m seeing someone.

    Someone we know?
    S: No, not that exciting.
    K: A lovely young man!

    How young?
    S: He’s younger than me. 30 years younger! [laughs]

    Do you still knock about with George Michael?
    S: Yeah, the last time we saw him we let ourselves into his house and he was in his pyjamas!
    K: We’d had a few drinks and it was like, ’Come on, let’s go and see George, I know the security code!‘
    S: He came to the door and was like…
    K: ’Oh God, you again!‘

    What pyjamas was he wearing?
    S: Checked.
    K: Bless him, he looks so sweet in his little pyjamas.
    S: He has the most gorgeous house, and he’s very generous and lovely. He’s part of the family, really. Whenever I see him in a magazine I think [sighs], ’Oh what’s he up to now, what’s he gone and said?‘ [laughs]

    I bet he has good parties.
    K: He has great parties!
    S: There’s always such a mixture of people.
    K: And he always has the biggest buckets of caviar I’ve ever seen in my life! Sara and I always end up next to them, spoon-feeding ourselves with it!

    Are him and Andrew still close?
    K: Yeah, we stayed at George’s for a week a couple of months ago. It was like staying in a really glamorous hotel, I even had someone to do my washing!

    Do you think George and Andrew ever did the business?
    [Both laugh hysterically]
    K: No! I can honestly say absolutely not, and I’m sure they would say the same thing. I think Andrew would have been the last person on his list, because it’s just too matey.
    S: But George and I had an affair in St. Tropez, didn’t we? According to the News Of The World.
    K: Apparently they were snogging and gyrating their hips together. Sara stripped off to virtually nothing as they sweated their way onto the dancefloor. It was hilarious, he wasn’t out at the time!

    Are you ready to deal with all that paparazzi stuff again?
    K: I am kind of dreading, if this single is a hit, all the paparazzi stuff. It’s quite scary. From now on I’ll be walking the dog in high heels, and it’ll be burkas on the beach!

    Did they used to hang around your house?
    K: Sometimes. When George had his toilet episode, we had them all down in Cornwall and we didn’t even know it had happened. Andrew opened the door and they started snapping and saying, ’So what do you think?‘ and Andrew said, ’I’ve no idea what you’re on about!‘

    So do you still see the French & Saunders girls?
    S: We used to see them.
    K: I would really like to have a little night out with them soon.
    S: We first met them on The Tube [80s TV music show] during the miners’ strike and we were asked to make a comment and we didn’t know what to say and Dawn said, ’Why don’t you say you can’t be in a band unless you’re thin and pretty?‘, and we thought, ’God, they hate us‘. And then they did that piss-take of us on the show.

    And was it accurate?
    K: I mean, obviously certain bits were exaggerated, but I thought they captured the essence of Bananarama perfectly! [laughs]

    You’re famous for being lazy girls aren’t you?
    S: Lazy? No!
    K: I think Boy George perpetuated that myth didn’t he? We worked our arses off for years and years. I think when you were working the way we worked, we found it hard to be bubbly and overly friendly in certain situations. And then you get to the stage where it was like a French & Saunders sketch, and I think we had a reputation for being slightly awkward and miserable maybe.

    Would you ever do a celebrity reality show?
    K: I’d love to have done I’m A Celebrity… when Janet [Street-Porter] was on it. We quite often have dinner with Janet and the Pet Shop Boys. We just sit and bitch for hours, thinking it’s not going to go any further, but I’m sure they’re straight round to Elton’s house!

    So are there any artists you’d like to record with?
    S: Snoop Dogg! [both laugh]
    K: I would love to see that, can you imagine?

    You two in pants and fur coats.
    K: Yeah. Maybe not pants though.

    Have you ever done pants?
    K: No. I’d like to be able to do pants.

    Pants and support tights?
    K: Yeah! It’s a shame. I could do pants, as long as they used a lot of Photoshop!

    Bananarama will be appearing at Big Gay Out on Saturday 23 July. The single, ’Move In My Direction‘, is out 25 July.


  6. #5
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    neues von KIM WILDE:

    Don’t get me wrong: I liked the 80’s, but nevertheless wouldn’t want to have most musicians back who started their career in those days. With Kim Wilde, though, it is different. Most of her nine albums that she released from 1981 until 1995 were either good or even brilliant. Apart from that, no other singer has been able to take her place in the past ten years, which is mainly due to the fact that no other singer could even get close to singing like her, plus have the ability to write such good songs. Kim’s voice is unique, and even got better and better through the years, which is why I never lost interest in her music. Many of her albums are underrated pop-classics that should be mentioned in the same league as ABC’s 'The Lexicon Of Love' or The Pet Shop Boys’ 'Actually'. With her musical comeback now looking very concrete, I was more than pleased to talk to the singer, who has not only influenced Charlotte Hatherley of Ash (listen to her song entitled 'Kim Wilde'), but a whole generation of pop music lovers.

    The interview took place in Berlin on 11 June 2005 a few hours before a festival gig. Kim is one of the most wonderful persons you can meet in pop, and also turned out to be a great interview partner.

    Kim Wilde’s favourite albums in no particular order: TOM WAITS AND CRYSTAL GAYLE - One From The Heart OST, IAN DURY & THE BLOCKHEADS - New Boots and Panties, QUEEN - Sheer Heart Attack, TODD RUNDGREN - A Capella, RUFUS WAINWRIGHT - Poses, JACK JOHNSON - On and On, THE BEACH BOYS - Pet Sounds, JONI MITCHELL - The Hissing of Summer Lawns, PAUL AND LINDA MCCARTNEY - Ram, MARY J. BLIGE - What’s the 411?


    PB : You have your own gardening tv show in Britain. You have done it for a few years now and seem to be very serious about it. What does this mean for the recording artist Kim Wilde?

    Kim: At the moment we are in the advance stages of negotiation with a German record company. I will start writing and recording again at some point quite soon, and then release some new material next year. I suppose I am greatly spurred on by the project with Nena and by hanging out with her and watching what she’s recently done. Also I have had a lovely long gap now. It’s almost ten years. So I thought, if I’m ever going to do it, I have to do it now. I certainly can’t leave it another ten years. It’s either now or never. These are basically my feelings towards it. And also my instincts tell me that this would be a really good thing for me to do. I always follow my instincts, and they usually lead me to really good places.

    PB : What will be the musical direction of your new album?

    Kim: Probably more basic. On stage I feel quite comfortable in a more rock kind of environment, which means guitars, bass, drums - something quite down to earth. But I’m not ruling anything out at the moment. I am keeping an open mind on it. To be honest, I haven’t yet given it a lot of thought. Anything that will happen will happen in a very spontaneous way. It’s not something you could sit round the table and discuss, so I’m not too concerned about trying to create an area for what it has to be. If you do that, it could become very contrived and lose its energy.

    PB : Would you say that you enjoy doing music even more, now that you are not depending on it?

    Kim: Definitely. The reason I can get out again to sing 'Kids In America' and really enjoy it is because I don’t have to. It’s a choice I’m making, and that’s bringing all the fun back to it. Getting away from it was the best thing that I did, and I was away from it for four or five years. Singing that song again wasn’t something that I expected to enjoy at all. I thought I’d find it really tedious. But then I ended up having a really good time, which was a great surprise. Beside that, I am working with some very fine musicians who are great friends, too. But the key for me is having Ricky (Kim's brother-Ed)on stage. I enjoyed doing gigs without him as well, but I didn’t enjoy them as much as when he is on stage. I really like these concerts and I think I’ll keep doing them, but ,even more importantly, the audience likes them. That’s what really surprised me, that there was an audience all of a sudden who seem to be enjoying what I was doing better now then they did then. It’s crazy, but I feel a lot more affection from people now than I did in the past.

    PB : It’s good to know you are at peace with your biggest hit now. I think a lot of musicians definitely aren’t.

    Kim: It’s been a bit of a rollercoaster with 'Kids In America'. Initially, it was all fine, but at a certain point it wasn’t, and it was a real relief when I got out of the music business and didn’t have to deal with that song anymore. The first time I sang that song in years was when I got asked to do a charity concert. People expected me to sing 'Kids In America' in that concert, and I was like: “Do I really have to? Can’t we just sing ABBA songs instead?”. And of course, the answer they gave me was: '"We don’t want you to sing ABBA songs, we’d like you to sing ‘Kids In America.' " So I thought, well, it’s for charity, but a few hours later I really enjoyed singing it. Right now, we’re even looking forward to playing 'Kids In America' in a concert.

    PB : What do you now think of the 20 or 25-year-old Kim Wilde, the girl that hardly ever smiled?

    Kim: I actually did a lot of smiling in those days. It was just that I had an aversion to doing things that were phoney, and a phoney smile to me was the worst thing that you could possibly do, whereas a genuine smile was the best thing you could do. But if someone says “Smile!”, it’s not coming from the heart. So I didn’t have a problem with smiling at all, I just had a problem with people trying to get me to be something that I wasn’t.

    PB : But didn’t you feel quite protected from the bad side of the music business by working so closely with your father and your brother?

    Kim: Things like not smiling was not anyone else's decision but mine. I had very strong ideas of how I wanted to be in the public eye, about my fashion or everything else that I did. And although I was working in a very strong framework with my father and my brother, actually with my whole family, I had a very strong voice within that. I never felt that I was being puppeteered, although I think a lot of people presumed that, probably because I’m a woman and my father and my brother are men.

    PB : I think if you were to ask 5 Kim Wilde fans to mention their favourite Kim Wilde album, you would probably get 5 different choices. My personal favourite is your third album 'Catch As Catch Can' . Was that one of your most rewarding albums as well?

    Kim: Yeah, it was, because I was very involved in the writing of it. It definitely was a transition point for me. But my two favourite albums are probably 'Close' and 'Love Moves.'

    PB : One music journalist once said that whenever British artists try to sound American they usually fail. Since some songs of your 1992 album 'Love Is', especially the single 'Love Is Holy', reminded me a bit of Belinda Carlisle, would you say that that LP was a bit of a mistake?

    Kim: Yeah, I absolutely agree with you on that album. It’s not an album that I would put on to remember good stuff at all.

    PB : Would you say that in the past years you became not only more mature, but also even stronger?

    Kim: I have always felt quite strong and had strong opinions. But they had to do with myself mostly, not other things. The reason that I didn’t have strong opinions about other things was because I was always aware that I didn’t know it all. So I didn’t really have the confidence to have them, and actually I still don’t. I’m very wary of people having very strong opinions. They seem to be a defence rather than a positive way forward. To me it kind of indicates that someone has closed their minds to possibilities that have changed. I really don’t think that keeping your mind open to making better decisions and getting better responses is a negative thing at all. I’ve always done quite well doing that, basically because I have got good relationships with people and love being around people.

    PB : So I suppose that also you never had the wish to tell the people what you thought about the government like for example The Blow Monkeys or The Style Council did?

    Kim: No, because I always thought, after all, we all voted them in. I think there is a lot said about any society gets the leader they deserve. And they are doing a job that I would rather not do myself. I wouldn’t want to be Tony Blair for anything, putting my family on the line like he does. I’d be very scared to have my children as a subject to the danger that he is putting his children into. Apart from that, I think that politicians also have a job that is easy to mock. It’s easy for people to say how better they would do it, but if they think they can, my advice would be: “Go and fucking do it!” (Laughs)

    PB : Was there a time when you desperately wanted to leave the music business?

    Kim: Yeah, when I got married in 1996. Hal and I wanted to have a family, and I thought this is probably not going to happen if I’m trying to catch up with my music career. Also I got a bit bored, so I thought, great, I’ve got a new name, I’m Mrs. Fowler now. I’ve put it on all of my cheque books and passport and driving licence. It felt like the police had given me a new identity, and I thought, what am I going to do with it? I knew that it was a real opportunity to have something else to happen for my life instead of all this predictable writing, recording, maybe having a hit, maybe not having a hit. I hated having a life that was so mapped out. I wanted to have a clear sheet in which I could invent new things. And ever since then, each year is a clear sheet, which is really exciting. It has given me back energy that I hadn’t have for years. A lot of it is focused towards my children, but another bit is also focused towards gardening. I’ve just been awarded a gold medal at the Chelsea Flower Show which is the ultimate accolade of any horticulturalist. If people didn’t understand my love of gardening before, I think that now they finally understood that this has been a real focus for me. And it’s something really good and positive for me, and gives me tons more energy for the musical part of my life as well. Actually I’ve never been busier since I got married. My life has gone in fast gear, and I’m frequently quite exhausted by it, but I love it.

    PB : Do you have pity on singers like Adam Ant, who couldn’t cope with the fact that they don’t get as much attention now as they used to get?

    Kim: Adam Ant is probably the only one that I have that kind of feeling about, because I think he would have been destined to be one of the great late in life performers. If he was performing now singing those fantastic songs, he would be really good. Tony Denton once tried to get him on one of these tours and Adam flipped out and had to be sectioned. I think he is quite a fragile person and I don’t think there is any chance that that is ever going to happen, which is a real loss. There is such a niche for him to be there and sing those songs. It’s a real tragedy because he is so unique. He’s the one artist that I would give almost anything to see him get back on track.

    PB : Apart from Nena who you have already mentioned are there any other friendships with musicians that stood the test of time?

    Kim: All the friendships that stood the test of time were from before I was famous. They all have been maintained. But I have also made a lot of new friends with old acquaintances from the 80’s, people like Nik Kershaw, Carol Decker, Martin Fry and Glenn Gregory from Heaven 17. I know all of them now, whereas back in the 80’s, I was buying all their records and was a little bit in awe of them.

    PB : I think what you currently have in common with Kylie Minogue is the fact that everybody seems to like you. Even in the 80’s people weren’t embarassed to buy a Jesus And Mary Chain record and a Kim Wilde record at the same time. Were you and are you aware of that?

    Kim: Not overly. But if I’m in front of an audience, I really do feel this great warmth from people. It’s very obvious because they make it known somehow, which is lovely.

    PB : I would like to ask you a real teen magazine question: Have you ever considered an image change and going back to your natural dark hair?

    Kim: I did when I was pregnant, but very soon I had this longing to be blonde again. I just couldn’t deny it. I was really happy when I went to the hairdresser and became blonde again. In my book, blondes definitely have more fun.

    PB : A lot of musicians have already written their autobiography. Is this something you plan to do as well at some point?

    Kim: No, because I would find it a very difficult thing to do. Also my memory is really crap, even if people remind me. If I think about the things that have amused me in the past, I usually think you had to be there. All the other stuff is far too personal and I don’t want my children to read it. Even when you’re a public person, there are still some things that need to be private. I don’t think it would be a good idea to give that kind of control away.

    PB : Back in the 90’s, some people thought it was kind of cool to make fun about the 80’s. By now, this has changed a lot. Are you happy hearing new bands like Client, Fischerspooner, Franz Ferdinand or Goldfrapp picking up on the 80’s again?

    Kim: Yeah, I think it’s great to see the 80’s being represented and referenced as well. And my sister Roxanne who has been recording for a few years now also does music that strongly references 80’s sounds. As you said, in the 90’s, the 80’s were laughed at quite a lot, but now there is a new respect for what happened then. I have to admit that I was a bit negligent of the 80’s too, but now I’m embracing them as well. I’m very proud to be able to be the new original in town, saying that I was there first. Now I’ve come back to claim my crown (Laughs).

    PB : Thank you


  7. #6
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    Interessantes Interview auf "sueddeutsche.de" mit ABBA-Mann Björn Ulvaeus: http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/255/57198/5/

    "Sie dürfen nicht glauben, dass wir bloß lachend über Wiesen gehüpft sind."

    Noch heute werden geschätzte 3000 ABBA-Platten täglich verkauft. Björn Ulvaeus ist einer dieser fantastischen Vier, der heute mit Privat-Jet zu irgendwelchen Terminen reist. Im Interview wirkt er mal wie ein Schlossermeister in der Frühstückspause, dann wieder schwedisch-sachlich. Ein Gentleman des gehobenen Tingeltangel, eben.

    Seltsam: Björn sieht jetzt so aus wie Benny früher aussah. Kräftig, mit Bart. Eben erst ist er in Brüssel gelandet, mit dem Privatjet. Was er natürlich keinesfalls raushängen lässt. Kurz frischmachen, dann ein paar Interviews geben, dann hinüber zur Mehrzweckmusicalhalle, wieder mal eine Premiere von "Mamma Mia!" eröffnen. Grußworte sprechen. Winken. Ach, einer muss es ja machen! Björn repräsentiert den Weltkonzern "ABBA". Nett, dass er dabei eher wie ein Schlossermeister wirkt. Nur Blaumann und Bierflasche fehlen. Die Augen lachen. Kurz. Dann guckt er wieder schwedisch sachlich.


    Herr Ulvaeus, Ihre Band ABBA war die zweiterfolgreichste Musikgruppe aller Zeiten...

    Die Beatles, das wollen wir mal nicht vergessen, waren die Nummer eins. Ehre, wem Ehre gebührt!

    Aber Ihnen gebührt auch Ehre. Mein Handy zum Beispiel erkennt das Wort "Abba". "Beatles" jedoch nicht.

    Das glaub' ich Ihnen nicht. (Zum Beweis wird "Abba" eingetippt, worauf im Display "Abba" erscheint, dann "Beatles", worauf "afau" erscheint) Schmeichelhaft. Vielleicht ist Abba Eban gemeint, der israelische Politiker und Autor.

    Wieviele Platten haben Sie verkauft?

    Ich weiß es nicht.

    Jetzt sagen Sie schon.

    Wenn ich es wüsste, würde ich es sagen.

    350 Millionen?

    So viele waren es, glaub' ich, nicht.

    Sondern?

    Keine Ahnung. Eine unvorstellbare Menge. Sogar für mich unvorstellbar.

    Sie bräuchten doch nur auf Ihrem Kontoauszug nachzuschauen.

    Plattenverkäufe sind doch nicht alles. Wenn ich Ihnen jetzt eine Zahl nenne – was sagt das? Erfolg bemisst sich an künstlerischer Leistung. Die entscheidende Frage ist, ob Musiker Spuren hinterlassen, ob sie andere beeinflussen.

    Wen hat ABBA beeinflusst?

    Da fällt mir niemand ein. Wir waren zwanghaft perfektionistisch. Heute geben sich Musiker ja schon zufrieden, wenn sie einen guten Refrain haben. Wir plagten uns so lange, bis der Refrain und alle Strophen sehr gut waren.

    Und wer hat ABBA beeinflusst?

    Ganz klar: Die Beatles!

    Wer noch?

    Die Beach Boys. Alte schwedische Volkslieder. Mozart. Verdi. Und Elvis.

    Mozart, Verdi?

    Sie arbeiteten ähnlich melodieorientiert wie wir.

    Und Elvis?

    Alle wollten so sein wie er. Er war vielleicht nicht der beste, aber sicher der einflussreichste Musiker. Obwohl er seine Lieder nicht selbst geschrieben hat. Aber wie der singen konnte! Und tanzen! Im Grunde war das ein dahergelaufener Junge, der von sich selbst behauptete, er sei der König. Und alle verhielten sich tatsächlich wie seine Untertanen. Fröhliche Untertanen. Die Beatles hat man respektiert für ihre ausgefeilten Kompositionen, ihr geniales Songwriting. Aber Elvis hat man geliebt, weil er Elvis war.

    Waren Sie traurig, weil ABBA nie auch nur annähernd so viel Respekt bekamen wie die Beatles oder Elvis? Sie wurden nicht selten verlacht und verspottet.

    Gut, in den 70er-Jahren machten die Kritiker keinen Hehl daraus, dass sie uns für Kommerz-Idioten hielten. Das hat gelegentlich weh getan. Mittlerweile erkennen jedoch auch die schärfsten Gegner an, dass wir zwei, drei ganz passable Songs hinbekommen haben.

    Aber die Einträge in den einschlägigen Musik-Lexika sind immer noch recht schmal. Ich schätze mal: neun Seiten Beatles, eine dreiviertel Seite ABBA.

    Es gibt diesen Satz: Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Mit Qualität verhält es sich genauso. Ich will den Verfassern von Musik-Lexika nicht vorschreiben, für wie relevant und kulturhistorisch bedeutsam sie ABBA einzuschätzen haben.

    Der Mangel an Respekt, hatte der vielleicht mit der Garderobe zu tun?

    Ich verstehe nicht ganz, was Sie meinen.

    Nun, es gab eine Diskrepanz zwischen der Erlesenheit der Arrangements und den, wie soll ich sagen: leicht fragwürdigen Anziehsachen...

    Mit Verlaub: Das waren solide, mitunter sogar hochwertige Stoffe. Der Schnitt war einwandfrei. Für die Mode damals kann ich ja nichts.

    Was außerdem gegen ABBA sprach, war die Fröhlichkeit.

    Wieso?

    Abendländische Künstler müssen, wenn sie ernst genommen werden wollen, leiden. Ihr Elend sublimieren sie dann zu Kunst. Bei Ihnen schien die Kunst eher das private Glück zu verdoppeln. Wie haben Sie es geschafft, so anti-sublimatorisch gut drauf zu sein?

    Stellen Sie sich vor, Sie sind mit der Frau, die Sie über alles lieben, und mit Ihrem besten Freund und der Frau, die er über alles liebt, in einer Band. Und Sie dürfen den ganzen Tag Musik machen. Das ist eine feine Sache. Da läuft man nicht durch die Gegend und denkt, Gott, mir geht's schlecht, ich bring' mich um.

    Sie haben aus Liebe Musik gemacht. Liebe war Produktionsmittel, Rohstoff?

    Liebe und Freundschaft. Das waren die beiden Säulen. Ohne die Gefühle, die wir füreinander hatten, wäre ABBA nie entstanden. Aber Sie dürfen nicht glauben, dass wir bloß lachend über Wiesen gehüpft sind. Das Fundament war harte Arbeit. Früh aufstehen, komponieren, texten, am Abend alles wegwerfen, weil man merkt, dass es nichts taugt.

    Gehen wir nochmal zum Anfang zurück. Erzählen Sie von Ihrer ersten Begegnung mit Benny.

    Das war im Sommer 1966, an dem Abend, bevor wir zum Militärdienst mussten. Es gab eine Abschiedsparty. Dort sah ich ihn zum ersten Mal. Wir waren uns gleich sympathisch und freundeten uns an.

    Gab es nicht kurz zuvor schon eine Begegnung? Von Auto zu Auto.

    Ja, ich fuhr mit den Jungs von meiner Band durch die Gegend. Ich war ja damals Gitarrist bei den Hootenany Singers. Benny spielte Keyboard bei den Hep Stars. Beides in Schweden ziemlich bekannte Folk-Gruppen. Nun, jedenfalls hält an einer Kreuzung ein Auto neben unserem. Es sind die Hep Stars. Wir kurbeln die Scheibe runter und rufen "Party in Linköping!" Das Problem war: Die verstanden statt "Linköping": "Lidköping". Und sind dorthin gefahren.

    Wie weit liegt Linköping von Lidköping entfernt?

    Ungefähr 300 Kilometer.

    Die Hep Stars sind 300 Kilometer hin und 300 Kilometer wieder zurückgefahren?

    So war es.

    Was, wenn die Hep Stars in Lidköping geblieben wären? Die hätten auch sagen können: Den Stress tun wir uns nicht an.

    Tja.

    Dann hätten Sie sich nie kennen gelernt?

    Sehr wahrscheinlich nicht.

    Wegen eines einzigen Buchstabens.

    Wegen eines einzigen Buchstabens.

    Worauf ich hinauswill: Ist Ihnen jemals der Gedanke gekommen, dass eine höhere Macht wollte, dass Sie sich treffen?

    Hm. Sie meinen: der liebe Gott?

    Ja. Oder das Schicksal.

    Ich habe Bauingenieurswesen studiert. Hoch- und Tiefbau, verstehen Sie. Mein Weltbild ist eher technisch geprägt. Ich kann mit Schicksal wenig anfangen.

    Kurz nachdem Sie Benny kennen lernen, trifft er Frida und verliebt sich unsterblich. Sie treffen Agnetha und verlieben sich unsterblich. Wenn das kein Schicksal ist, was ist es dann? Zufall?

    Ich gebe zu, dass das alles merkwürdig gelaufen ist. Aber wissen Sie, was das Merkwürdigste ist? Es hat Jahre gedauert, bis wir mal auf die Idee kamen, dass wir ja zu viert Musik machen könnten. Obwohl wir alle vier Musiker waren! Frida feierte als Jazz-Sängerin Erfolge, Agnetha war in der Hitparade, mit einem tollen selbstkomponierten Popsong. Wir wohnten nah beieinander, saßen fast jeden Tag zusammen und machten gemeinsam Urlaub. Aber meinen Sie, es wäre uns eingefallen, eine Band zu gründen?

    Sie haben versucht, sich gegen Ihr Schicksal zur Wehr zu setzen. Dabei ist das Zwei-glückliche-Paare-Konzept doch geradezu zwingend. Super-Happy-Pop.

    Heute würde jeder Marketing-Chef ausflippen, wenn ihm sowas Geniales einfiele. Aber bei uns war es ja kein Konzept. Es war halt so.

    Auf manchen Fotos sahen Sie aus wie eine pazifistische Siebziger-Jahre-Landkommune. Wie die fleischgewordene Utopie des unentfremdeten Lebens. Waren ABBA links?

    Kaum. Was mich angeht: Ich war bestimmt der unpolitischste Mensch der Welt. Ich wollte nur Musik machen. Das war meine Utopie.

    Was genau war das Ziel?

    Die perfekte Melodie zu finden. Ein guter Koch kocht eine Soße ja auch so lang, bis das Wasser vollständig entwichen und nur noch der reine Geschmack übrig ist. Die Essenz. In diese Idee steigerten Benny und ich uns total hinein. Wir haben musikalisch genauso viel Aufwand betrieben wie irgendwelche Experimental-Jazz-Freaks, nur dass es bei uns eben um ganz normale Radiopopsongs ging. Oft waren wir zermürbt und entnervt. Denn die perfekte Melodie ist genauso schwer zu realisieren wie der perfekte Mord.

    Wie passt solche Besessenheit zur Mentalität eines Bauingenieurs?

    Der Prozess des Songwritings teilt sich auf in zwei Phasen. Erst mal müssen Sie eine Idee haben. Das ist das Schwierigste. Sie sitzen vor der Höhle eines Drachen und warten darauf, dass der Drache endlich rauskommt. Da können Sie nicht zwischendurch Mittagspause machen oder ein Nickerchen. Der Drache könnte sich ja genau in dem Moment zeigen. Phase zwei ist die Ausführung der Idee. Das ist Konstruktionsarbeit, durchaus vergleichbar mit dem, was ein Bauingenieur macht. Da kommt es mir zugute, dass ich ein durch und durch rationaler Mensch bin.

    ABBA-Songs sind als Gefühlsstimulationsmaschinen ähnlich perfekt konstruiert wie Volvo-Motoren. "The Winner Takes It All" zum Beispiel: "I was in your arms / Thinking I belonged there / I figured it made sense / Building me a fence / Building me a home ..." Ich weiß nicht, ob es Sie interessiert, aber: Immer, wenn das Wort "fence" fällt, treten mir verlässlich und unweigerlich Tränen in die Augen, und zwar unabhängig von der momentanen Stimmung.

    Das ist ein Kompliment. Danke.

    Wie haben Sie als durch und durch rationaler Mensch das Ende von ABBA erlebt?

    Es ging nicht mehr weiter in dieser Konstellation. Ganz simpel.

    Die Liebe war weg?

    Die Liebe war weg.

    Schlimm, oder?

    Alte Dinge müssen verschwinden, damit neue Dinge entstehen können. Benny und Frida und Agnetha und ich heirateten ja sehr jung. Das geht selten gut. Wir haben uns dann im Lauf der Jahre, wie man so sagt, auseinander gelebt. Ein banales Faktum. Tausenden und Abertausenden Ehepaaren geht es so. Und vergessen Sie nicht: Frida und Agnetha sind sehr, sehr gutaussehend, während Benny und ich, nun ja, keine klassischen Schönheiten sind.

    "If you wanna be happy for the rest of your life...

    ... never make a pretty woman your wife." Exakt!

    Könnte es nicht sein, dass...

    Ich weiß, was Sie jetzt sagen wollen. Dass es Schicksal war. Dass unsere Mission beendet war. Dass die höhere Macht die Lieder, die sie von uns haben wollte, bekommen hat!

    Und?

    Wissen Sie was, vielleicht haben Sie sogar Recht. Ich halte es für nicht völlig unplausibel.

    Sehen Sie.

    Gerade fällt mir ein, dass wir mit ABBA in Tokio waren, ein arabischer Prinz, der im selben Hotel wohnte, ließ uns ausrichten, dass er uns unbedingt treffen wolle. Wir fanden uns also zum vereinbarten Zeitpunkt in der Bar ein, aber der Prinz kam und kam nicht. Nach anderthalb Stunden schickte er einen Bediensteten vorbei, der sich im Namen des Prinzen entschuldigte und um Verständnis bat: Es sei der unumstößliche Wille Allahs, dass der Prinz an diesem Abend ein Bad nehme.

    Der Prinz hat sein Schicksal in die eigene Hand genommen. Er wollte lieber in die Wanne.

    Davon würde ich ausgehen. Aber oft ist ja auch nicht restlos klar, in wessen Händen das Schicksal nun liegt. Zum Beispiel begreife ich bis heute nicht, warum wir uns kurz vor der schwedischen Grand-Prix-Vorentscheidung 1974 plötzlich gegen "Hasta Manana" entschieden haben – und für "Waterloo". Im Jahr zuvor waren wir mit "Ring Ring" rausgeflogen. Diesmal wollten wir unbedingt gewinnen. "Hasta Manana" war eine todsichere Grand-Prix-Nummer. Dachten wir. Bis zuletzt. Aber dann starteten wir doch mit dem riskanten "Waterloo". Und "Waterloo" war unser Durchbruch. Weltweit. Zufall oder Schicksal? Auf jeden Fall seltsam. Nein, Sie haben mich überzeugt: Schicksal!

  8. #7
    Benutzerbild von knochn

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    das interview macht die band ja direkt symphatisch...

  9. #8
    Benutzerbild von Torsten

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    knochn postete
    das interview macht die band ja direkt symphatisch...
    Ich muss doch sehr bitten. Wie kann man die Band denn nicht sympathisch finden?

  10. #9
    Benutzerbild von bamalama

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    NEIL TENNANT (PET SHOP BOYS):

    Pet Shop Boys im Panzerkreuzer
    ERSTELLT 29.07.05, 07:03h

    Seit über 20 Jahren brillieren die Pet Shop Boys mit unwiderstehlichen Synthie-Pop-Hits. Christian Bos sprach mit Sänger Neil Tennant (51) über das bislang ambitionierteste Projekt der Band: eine Filmmusik zu Sergej Eisensteins „Panzerkreuzer Potemkin.

    KÖLNER STADT-ANZEIGER: Als ich meiner Mutter erzählte, dass ich Neil Tennant interviewe, wusste sie nicht, wer die Pet Shop Boys sind. Aber sie kannte „Go West“ aus dem Fußballstadion.

    NEIL TENNANT: Ja, das singen sie hier auch. Ich verfolge Fußball nicht, aber Chris [Lowe, die andere Hälfte der Pet Shop Boys] ist großer Arsenal-Fan. „Go West“ wurde als Stadionhymne zuerst in Italien gesungen und wanderte dann über Deutschland nach England. Für uns kam es aus dem Nichts. So was kann man nicht planen.

    Die Pet Shop Boys vertonen indes weitab vom Stadion das Stummfilm-Meisterwerk „Panzerkreuzer Potemkin“. Wie kam es dazu?

    TENNANT: Vor zwei Jahren erzählte mir der Direktor des Institute of Contemporary Art, dass sie die Möglichkeit hätten, etwas auf dem Trafalgar Square zu veranstalten. Früher war der Platz oft Schauplatz großer politischer Demonstrationen. Weshalb der ICA-Direktor an „Panzerkreuzer Potemkin“ dachte. Die Pet Shop Boys sollten den Film neu vertonen. Wir schlugen dann vor, das Ganze als kostenloses Konzert mit Live-Musik zu veranstalten.

    Hätten Sie sich „Panzerkreuzer Potemkin“ ausgesucht?

    TENNANT: Nein, ich dachte mir, was für eine seltsame Idee. Das war schon eine Herausforderung. Wir guckten uns einige Male den Film an, ohne Ton. Dann setzten wir uns hin und schrieben die Musik. Das dauerte drei Monate.

    Schließlich arbeiteten Sie mit dem deutschen Komponisten Torsten Rasch zusammen.

    TENNANT: Wir wollten unbedingt Streicher. Ich hörte mir zu der Zeit die CD „Mein Herz brennt“ von Torsten Rasch an. Das ist ein Liederzyklus nach Texten von Rammstein, gespielt von den Dresdner Sinfonikern. Normalerweise arbeiten wir mit Pop-Arrangeuren. Wir wollten diesmal aber mit einem Komponisten kooperieren, um herauszufinden, ob wir die Musik interessanter, mit komplexeren Harmonien, gestalten können.

    Waren Sie nicht nervös vor dem Schritt in die Hochkultur?

    TENNANT: Nein, aber ich hatte mit mehr Kritik gerechnet. Doch wir wurden sehr positiv besprochen. Und das Publikum fand es großartig. Die Pet Shop Boys haben immer versucht, Dinge zu tun, die eher ungewöhnlich sind. Viele fanden es scheinbar völlig normal, dass wir so was machen.

    In den 80ern gab es dieses Projekt von Giorgio Moroder, bei dem er Fritz Langs „Metropolis“ neu vertonte.

    TENNANT: (lacht). Ja, das haben mir schon viele erzählt. Ich habe es nie gesehen. Das war, glaube ich, rein elektronisch.

    Und zum großen Teil auf Songs aufgebaut . . .

    TENNANT: In unserer Filmmusik gibt es zwei vollständige Songs und drei oder vier kleinere Song-Bruchstücke. Ich singe also auch.

    Die Pet Shop Boys haben immer den Trend bei Videos gesetzt. Wäre Filmmusik eine neue Option?

    TENNANT: Das ICA hat uns ja wegen unserer engen Verbindung zu bewegten Bildern angefragt. Wir haben bei unseren Shows immer mit Künstlern und Filmemachern gearbeitet. Derek Jarman hat bei unserer ersten Tournee Regie geführt. Aber Filmmusik? Das Tolle an einem Stummfilm-Soundtrack ist ja: Du bist das Einzige, was zu hören ist. Schreibst du den Soundtrack zu einem Tonfilm, musst du dich unterordnen. Leute reden oder schießen über deine Musik. Wir wären höchstens an einer echten Zusammenarbeit interessiert, so wie bei Alfred Hitchcock mit Bernhard Herrmann oder Sergio Leone mit Ennio Morricone.

    Aber die große Zeit der Musikvideos ist definitiv vorbei.

    TENNANT: Es ist keine sehr kreative Zeit für Videos. Du hast nur noch die Wahl zwischen HipHop-Videos, in denen es um Geld geht, die möglichst verschwenderisch aussehen sollen - und Rock-Videos, die das raue Rock ' n ' Roll-Erlebnis vermitteln wollen. Was halt nicht sehr interessant ist.

    Die Pet Shop Boys sah man im Fernsehen zuletzt; wenn auch nur kurz, beim Live 8-Konzert in Moskau.

    TENNANT: Auf dem Roten Platz zu spielen war sehr aufregend. Moskau kam erst in letzter Minute dazu. Wir wussten, dass nicht viel davon im Fernsehen übertragen würde. Aber das gefiel mir. Meine größte Sorge bei Ereignissen wie Live 8 ist, dass die Künstler das nur machen, um flächendeckend im Fernsehen zu erscheinen. Und wir wollten das nicht als Karriere-Schritt nehmen.

    Die Pet Shop Boys begleiten - zusammen mit den Dresdner Sinfonikern - „Panzerkreuzer Potemkin“ live am 3.9. auf dem Bonner Museumsplatz.

  11. #10
    Benutzerbild von bamalama

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    ganz aktuelles interview mit JIM KERR, anlässlich der veröffentlichung des neuen SIMPLE MINDS-albums:

    BS: Welcome Jim.
    JK: It's nice to be here in the flesh. I've been working in Holland and Amercia, but I've been listening to the show on the Internet. Whilst during the promo for this album around the various territories, everyone says 'how do you keep up with new music' and I tell them about this show.

    BS: When did the love affair with Sicily begin?
    JK: We played in Messina in 1982, which is not a beautiful place. The gig was at a football stadium in a port. But you could see the lights of Sicily over the sea. The next day was my birthday, and the promoter took me to the "one of the most beautiful places in the world." It was Taormina and it lived up to its billing. Over the years, I've holidayed there. And met my best friend and business partner Antonio Chemi. I didn't go back for several years.

    JK: I returned five years ago when I was feeling a bit low; it was an instant epiphany: this is my place. It's kind of become home.

    BS: Was it inspiring creatively?
    JK: You won't hear Sicilian music on the album. No mandolins! You wake up in the morning feeling good so it transpires that you'll be positive.

    JK: Antonio's a huge fan of the band, he made everyone nuts playing Simple Minds when he was younger. I was staying at his house: "If we're going to be friends, get rid of the Simple Minds stuff, I'm here to get away from this." And at that time, I was distant from the music. Fast forward six months, I was enthusiastic more, I had Charlie down there, and we were working on songs. I have been reborn in Italy and the music reflects that.

    BS: Where did the songs come from?
    JK: The process began with the tour to promote Cry. The jury's out on the merits of Cry, but I think there's a lot of good songs on it. But it got us on tour again. When we did those dates, we looked at the whole expanse of the back catalogue, and throughout the months of touring, we played more than 60 songs. We actually played Johnny And The Self Abusers songs. I have to give a credit to Andy and Eddie, they came fresh, and said we should play these songs. Charlie and I had grown distant and bored with them. But when we played them, they didn't feel like old songs; there were timeless, classic. We really enjoyed playing these songs again.

    These were the seeds inside us, and we wanted to come up with a classic Simple Minds sounding record: dramatic, cinematic,big emotional pop songs.

    BS: Was the album written in Holland?
    JK: It was written in Sicily and arranged by me, Charlie and Jez Coad; he was great, playing, programming, writing. He plugged the gap that was apparent since Mick MacNeil left the band. Then we went to Holland with the band (Andy, Eddie and Mel) and it was recorded in a way that we used to record. It was based on the live thing, so we lived together, went to the studio at the same time, encourgaged, argued - that was the traditional side. Finally we mixed the record in LA with Bob Clearmountain.

    JK: We'd worked with Bob 20 years ago for Once Upon A Time, he was already a legend then, don't know what he is now! A superlegend [Laughs] It became apparent whilst writing, we thought "this is just up Bob's street." Martin Hanlin really pushed for Bob... but it's hard to go back, because the world's changed, people have changed, but Martin spoke to Bob and Bob was enthusaistic about it.

    BS: What was it like mixing out in LA?
    JK: I wasn't going to go to the mix. Charlie's in with that and Jez Coad. But Charlie got in touch at the last minute and said I should go. I said I only add one or two things to the mix, and Charlie said they were the one or two things that made the difference. So I went out there. Bob works from his home now, and it's tense working, and if you're working from someone's house, it's like being a guest. So I was a bit worried about it.

    JK: But it was a great thing to do. We were keen to see if the songs would strike others - and Bob's a realist, he'll tell you if something is crap. He was saying "you haven't done stuff like this for years - this is great." Whilst we were there, Springstreen was calling up, and visiting the studio, and you felt you were in great hands. It was a validation of the record.

    BS: What about the song Different World?
    JK: Sicily doesn't really influence the music, but this track is the exception, it's a picture postcard.

    BS: What are you listening to at the moment?
    JK: Thanks to Charlie, I was one of the first people to get an iPod. Not only do we share the same taste in music, Charlie loads up my iPod with whatever. So I keep up to date that way. The last big thing to hit me was Anthony And The Johnsons; I first heard it when you played it back in February.

    JK: They were interviewing him on TV, I was really impressed. But I wasn't prepared to hear the voice that appeared a few minutes later when he appeared in concert. When you first heard Brian Ferry and Roxy Music it's a voice from another world, an angel; I get that impression from Anthony And The Johnsons. Morissey's like that as well. I'm not a huge fan of Morrissey and The Smiths, but he's unique; and that's what's going on with Anthony And The Johnsons, it's the uniqueness and it touched me.

    BS: Did you catch U2 for the Vertigo tour?
    JK: I still haven't seen them for this tour. So, no - I hope to catch them.
    BS: What was the bond between Simple Minds and U2?
    JK: We just got on so well as people. Before we met them, we'd shared road crew who said we'd get on like a house on fire. And we have so much in common, musically. There's an idealism as well. And we share the celtic blood.
    BS: What do you think when you see them now? In these huge stadiums. As opposed to in the early 1980s when you both toured, say, Australia?
    JK: Even then you could tell they were phenomaial. We first saw them at Tourhout/Werchter. We went on first and played a gig of our lives - and we took a scalp that night [laughs]. But they'd just got of a plane and were very tired - and the next night we got our arses kicked [laughs]. We had to follow them! Often when Bono came to Glasgow, he'd stay with my parents, and see us. It's hard to judge them when they're that close. But he's the best singer and writer of his generation.
    BS: You know when they played Glasgow they played Promised You A Miracle at the end of one song?
    JK: I'm glad someone remembers the words! I assume when he came to Glasgow he remembered those early days. Whenever I go to a city, I always remember the early days.
    BS: You gave him some political flak recently.
    JK: Simple Minds and U2 share a lot of fans. I used to do this journal on the official website and I'd write what was going through my head that day. I was actually praising Bono -
    BS: It looked like you were having a go at him.
    JK: It was taken out of context. I was calling him a genius. He's 100% genuine. He's restless and he wants to see peace in this time. He's a charmer. And he has a way of seducing. So he was talking to these politians. I just found it a bit much when he called Blair and Brown 'Lennon And McCartney'. In that sense, I was being judgemental. But the tabloids took it and just took that one phrase.
    BS: I asked Bono did they take him seriously. And he said they let me into the White House, so they were taking me seriously.
    JK: But there's a ton of kudos if they hang out with Bono. But it makes them [the politicians] look cool. But don't call them Lennon And McCartney, they're not.

    JK: [Home is] a great calling card for the album. There was a choice of three or four singles which is a good thing. It reminds me of The American. The chrous is very simple. Which is a good thing. The dumbing down of pop. They say artists normally only have two or three themes and the idea of searching has been part of our writing. And we pick it up with this.

    BS: What's the difference between the Jim Kerr of now and the Jim Kerr of 1980/81.
    JK: so much has changed and yet so much is the same. What's gone on in London with the terrorist attacks... When we wrote Empires And Dance we were in a tiny little van in Europe. We'd have the Bider Meinhoff gang in Germany, Red Bridgade in Italy, IRA bombs in Harrods... I'm not belittling what's going on now, which is horrific, but the dynamics are the same... if the riffs in the music are the same, so is life.

    BS: What's the story behind Mighty Joe Moon?
    JK: There was a band in the late 1980s/early 1990s called Grant Lee Buffalo. We were big fans, I'd forgotten about them until Charlie put Mighty Joe Moon on my iPod and I knew I wanted to cover it. There version was acoustic and we've made it a bit more cosmic.

    BS: Have you ever thought about playing an instrument?
    JK: I have great regrets that I didn't do that. For the first few gigs for Johnny And The Self Absuers, I was the keyboard player. [Laughs] Our first gig, we were so loud, but it was only pointed out to me later that I'd forgotten to turn my gear on. I've been so lucky to work with so many talented people: Mick, Derek and then Eddie Duffy, Gillepie, Mel, John Giblin.
    BS: Have you ever tried to learn an instrument?
    JK: No. I'm lazy [Laughs]

    BS: How do you write a song?
    JK: Charlie will give me something, a sketch. We don't write songs in a traditional sence. In the early days, we used to get everyone in the room and jammed. Now Charlie will give me a CD with four or five tracks, and they're usually very atmospheric. And I build something around that.

    BS: Who is the keyboard player on this tour?
    JK: We don't know 100%. It doesn't look like it'll be Andy. There's so much we want to do in 2006: we have to do a live DVD; we'd like to do an unplugged with Charlie, Andy and Eddie. So Andy will be preparing arrangements for the tour. But we're talking to Mark Taylor, and he'll pick up where Andy leaves off. Musicianship is crucial, but you have to get on, it has to be fun.

    BS: Eddie, being new, tends to inject young enthusaism. But one of the contants is Mel. How highly do you rate him?
    JK: I think Mel lost confidence, and Andy and Eddie have really helped him get that confidence back. I've had periods like that. But you can feel Mel on this record. I remember the early days of recording this, and I could see Mel was nervous, which was novel and endearing. But we had to say the right things and then he was off... flying.. And when I'm having doubts, he'd say you should do it like this...

    JK: They're a hell of a band... not a lot of people know that Andy and Eddie are great drummers, Eddie can sing great... we have a great armoury.

    BS: You haven't guested with many people recently
    JK: I do get asked. But I like to do things 100%. I have to relate to the song and the people I'm working with. Plus we're consumed with what we're doing.
    BS: If you could wave a magic wand, who would you duet with? One male, one female.
    JK: I've been really lucky, I've sung with my heroes. I'd like to sing with Chrissie Hynde, and there's a song I've got in mind. Male? Prince! Sign O' The Times! Someone smaller than me [Laughs]

    BS: What's the story behind Dots On The Shell?
    JK: Yothu Yindi are an Australian group, hugely popular. The main guy is an activitst. When I was in Germany a few years ago, I got asked to sing with them, in a studio in Munich. This song was written by Neil Finn and it's called Dots On The Shell. Neil had written it after talking to Yothu Yindi - one of the guy's mothers would dive for the deepest shells, and then sell the shells for a living.

    BS: Originally called Jeweller To The Stars, why was The Jeweller (Part Two) included on the album? Was it a standout track?
    JK: There's been songs in our past that wouldn't go away. Don't You (Forget About Me) was one - the rest is history!

    JK: We did an album called Our Secrets Are The Same that ended up in a legal dispute, and did not get released until last year. It was great to see the album see the light of day. I think the record has a lot of charm, But it's flawed. It wasn't recorded well, the arrangements were wrong. But Space, Jeweller and Death By Chocolate are our finest moments, and Jeweller was the biggest pop song. So, after hearing it on the box set, people would ask where they could get it. We thought, why don't we play it again, get Mel on it, and it could be a bonus track. But once Charlie came up with additional riffs, it was a much better arrangement, and when we selected the songs for the album, it was screaming out to be included.

    BS: What's your favourite Simple Minds album?
    JK: It always changes.
    BS: Do you play your albums?
    JK: I don't play any of my albums until it comes time to tour - you listen to relearn the words.
    BS: Favourite gig?
    JK: It's easy to talk about the iconic gigs: Mandela, Live Aid, Wembley. But it was the back road gigs in the real early days and there was only 12 people there. But you knew something had happened, you were making progress, you were estatic. Those big gigs, you were already the big cheese, the people had made up their minds that they loved you.
    BS: Did that change as you got bigger and started play the arenas and 50,000 people?
    JK: Simple Minds are a real broad range of talents. They let us do different kinds of music, and it has different appeal. Some appealed to journalists, and we were a cult. And when we wanted to do pop music we did Don't You (Forget About Me) and Alive And Kicking.
    BS: But did you compromise the music to play big areans?
    JK: If only it was that easy. We werent't talented enought to have a masterplan. Take New Gold Dream, we were playing every night, and becoming a rock band, and the success would get us on these big festivals, in front of 50,000 people. We were watching Van Morrison and Neal Young playing - they weren't getting past the first 100 people - I thought what's the point if you can't get to the back of the place? But then the opening song was Waterfront which was as if it was designed to reach the people at the back.

    BS: You know you're going to be written of "a big stadium band from the 1980s". Does that annoy you?
    JK: I hate it. But what can you do? But I don't think anyone owes us anything like a level playing field. Lose sleep over it? No - we don't. But if was slated, wyould I be suicidal? I think not.

    JK: We've worked with Sean Kelly, a Scotsman who went to London many years ago. He was in Those French Girls, I was consumed with jealousy - they're going to make it, and we'll be forgotten. But it never happened for them, and after many years, he turned up in The Surfing Brides who've toured with us. He comes up with songs we wished we'd have written and should have written. And when we play them, we feel like we've written them.

    JK: There's so little fresh you can say about Bowie and Ziggy Stardust. But I'd forgotten the song was so short. The album, Ziggy, lasts 38 minutes. Black And White 050505 (which is not a Pizza Hut hotline [laughs]), is also about 42 minutes, which was standard in the old days of vinyl. And some people are saying [the album's] great, it's compact, it's focused.

    JK: CDs are normally 13 or 14 tracks... and I'm struggling to find a CD of 13 or 14 tracks which is great all the way through. We were influenced by these classic albums; 38 minutes, 9 or 10 songs, is plenty. We came out with a bundle of songs; we chose the songs how they hung together with the other songs. But we have another album half written up our sleeves [from the ideas left over].

    BS: Where would you put a blue plaque for Simple Minds?
    JK: If the Mars Bar still existed, it was the place it came together for us.
    BS: What do you remember of the Satellite City gig?
    JK: Steele Pulse were a regge band, a John Peel favourite. Johnny And The Self Abusers had cut a name for itself in Scotland, there was a lot of people who wanted to see what we'd do next. I remember being on stage with Pleasantly Disturbed and Act Of Love (which started the set), we came off-stage celebrating, and there was a knock on the door, and a cub reporter called Billy Sloan came in: "That was fantastic, you guys are going to be huge"
    BS: And you didn't believe me!

    BS: You looked self conscious - welded to the microphone. You looked like you'd rather be 200 miles away. What gave you the confidence to front a band?
    JK: I'd always push things to get them together. I'd be good at finding missing pieces: a van, a rehearsal place, I was great at pushing people on to do stuff. But we never found a singer. I'd pick the songs we want to learn; it wasn't instintive - do, get up, perform. But there was an element of that.
    BS: On the Harrahs video, for the second album, you still looked frightened.
    JK: I avoided the hearing monitor for years: it looked daft and nerdy. But I was forced to use them with the orchestra [for Night Of The Proms]. It sounded incredible, and then I was full of confidence; I could hear my voice and the audience. It wasn't like that in the early days; every fifth gig was good sound, otherwise you were struggling to hear yourself. But after doing it night after night, technically getting good, and people were giving us a good reception. Appaluse was the very oxygen we needed. It was like pouring petrol on the flame?
    BS: What are you like 5-10 mintues before a gig?
    JK: Hours before I'm pretty much alone. I don't know how Bono can do all this extra stuff then go on stage. But I feel I have energy on stage, but that's because I do absolutely nothing beforehand. I've just reserved energy. The 10 minutes before I'm with the guys; and they're not quiet!

    BS: You're a Glasgow band. Do you keep up with the Glasgow scene?
    JK: The last ten years there's always been something of note; it wasn't the case when we were starting out. As a Glasgwegian I take pride in that, even if it's not a band I like: Chemical Underground, Belle And Sebastian and stuff like that; and for the last few years Franz Ferdinand. I bought the album instantly because the hype was omipressent, some people said there was elements of Simple Minds and there's a guy who looks like Charlie, but they don't sound like Simple Minds; but there's a determination, a conviction that reminds me of Sons And Fascination/New Gold Dream that felt we were going places, and they certainly do. El Precidente made the biggest impression; the tunes made the first impression. I thought it was a great tune, it's a hit.

    BS: Dolphins is the epic six minute finish to the album. How did it come about?
    JK: Four years ago Charlie came up with this piece. We did Night Of The Proms... the jury's still out on that one, it was described as naff, Eurovision... but we liked the people who were organising it. We were only on 20 minutes a night. So during the day, Charlie had set up a small studio with Andy in a hotel room. One of the tunes that came up was Dolphins. It reminded me of sonic signals, it sounded like the sounds mammals make under the sea - probably smoking too much [laughs] - but I had a picture of the deep blue sea. But the title Dolphins? It could be too twee.

    JK: But the song seemed to write itself. It's a song about a man who goes to the water's edge, and wants to finish it. He sees the dolphins, and doesn't say 'Oh Dolphins, I've changed my mind', he wants to go deep with them. It's obscure. You come up with the words, it's not about something in particular...
    BS: What about the line 'Dolphins drag me down?'
    JK: I'm saying the character wants to go to the final resting ground. And that's his way out.

    BS: That's the standout track. How do approach a vocal?
    JK: I have to mention Jez who produced. But Jez helped to capture the atmosphere that Charlie was conjuring up and Jez got the early demos better technically and didn't lose nothing on the way. There was a lot of interference on the demo vocal, and the first take was instanteous, and you need to work with a producer who's courageous and will go with it. And with Stay Visible, it was a valve mic, you had to sing one to warm it up... and then when you try to sing it properly, you lose the edge.
    BS: Do you know when you've nailed it?
    JK: I do - whether I can convince everyone else is another thing. When you get goose bumps you know you've got it. Experience has told us that you can never really recapture goose bumps.
    BS: Looking back, what were your best vocals?
    JK: There are great vocals on Good News From The Next World, there's a track called Seven Deadly Sins. But I've finally got the voice I've always wanted. In the past, I'd do things, I'd be pleased with, but all round, I wanted something else. But there's a liberation, this is me, switch on the mic. The strength comes from that, and that's happening now, I like the way it sounds.

    BS: You gave me the cassette of Life In A Day when it came out. When you think of the vocal on Someone? It's a world away.
    JK: It was done at Abbey Road. We'd done these demos which got us the deal. In retrospect, the demos were really good. Eventually a host of record companies wanted to sign. Went with Arsita and John Leckie. We worked in Abbey Road... Derek Forbes walked through Abbey Road thinking I'm home! How cocky! I was freaked out. I was looking at the Harpisord used from Lucy In The Sky With Diamonds - it's real then. In hindsight, we should've stayed in Glasgow and recorded the album at Ca Va. But we'd played the songs too much, and some of the life had gone out of them. When I hear the voice, I sound petrified.

    JK: I thought I'd be hiding [in embarasment] - the energy was amazing. Mick's playing that stuff live. Brian McGee on drums - sounds great, the energy's amazing. We were far from estastic about the album, but you can see we were on a mission.
    BS: What did you think when you got your record though? On vinyl with the artwork? JK: It wasn't a real moment. No. I wasn't a glorious debut. I think the strength of the demos, there was a glorious debut in them.... but before it was released, I thought we'd missed out, so we were keen to get onto the next one.
    JK: It's a point in the future when you look back. It's really important - the mistakes are crucial, you learn more from failure than success. There's a tendency to look at albums as separate things but they're all part of the journey.

    BS: Gigs?
    JK: It's happening in 2006. There's a few promotional things, and there's a mini-gig happening in Lisbon at the end of August. And we'll play some new songs from the album. But the whole of new year will be playing live... starting in January.

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