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Klartext!!!

Erstellt von bamalama, 25.07.2005, 15:40 Uhr · 78 Antworten · 38.506 Aufrufe

  1. #11
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    Boytronic & Major Records

    Liebe Gemeinde!

    Wir freuen uns, Euch bekannt geben zu dürfen, dass ab heute der teilweise lange Zeit vergriffene und gesuchte Backkatalog von BOYTRONIC sowie einige Highlights des Labels Major Records bei uns im Shop zum legalen Download zur Verfügung stehen.

    Hinter beidem steht HAYO LEWERENTZ, der nicht nur eine treibende Kraft hinter Boytronic, sondern in seiner Vergangenheit auch für Chartbreaker wie U 96 verantwortlich war…

    Die Geschichte von Boytronic beginnt allerdings ohne Hayo Lewerentz.

    Gegründet wurde diese bis heute eigentlich untypische deutsche Synthi-Pop-Band 1983 von Peter Sawatzki und Holger Wobker – mehr als loses Projekt, dessen erstes Album „The Working Model“ – nicht zuletzt aufgrund des Hits „You“ zu einem bahnbrechenden Erfolg wurde.

    Da Boytronic fast zeitgleich mit Depeche Mode ihre Karriere begannen, kann ihnen kaum Epigonentum vorgeworfen werden – dennoch waren ihre Vorlieben für prägnante, kurze und perfekte Popsongs a la Vince Clarke schon hier spürbar und gemahnen – vor allen Dingen vokalistisch – retrospektiv sogar an die erst Jahre später die Bühne betretenden Erasure.

    Die musikalischen Einflüsse waren – ähnlich wie bei den Pet Shop Boys z.B. – auch Italo-Disco, in diesem Fall besonders die Produktionen von Bobby Orlando (Flirts, Divine etc.), der auch das zweite, heute zum absoluten Sammlerstück avancierte Album „The Continental“ (1985) produzierte.

    Nach diesem Album löste sich die Band zunächst auf und wurde erst 1988 – nach etlichen Streitereien mit der ehemaligen Plattenfirma – in der Besetzung Hayo Lewerentz, Bela Lagonda and Mark Wade wieder belebt, mit der die Alben „Love For Sale“ und „The Heart And The Machine“ entstanden.

    Holger Wobker und Peter Sawatski arbeiteten zeitgleich an einem neuen Projekt namens A Feather On The Breath Of God, das aufgrund des Krebstodes von Peter Sawatski nie realisiert wurde.

    Erst Anfang 2000 fanden sich Holger Wobker und Hayo Lewerentz zusammen, um das Album „Autotunes“ (2002) aufzunehmen.

    Somit wurde der Kreis zwischen den zwei komplett differenten Besetzungen geschlossen…

    Hayo Lewerentz betreut heute den kompletten Boytronic-Backatalog und fasst die Historie zusammen…

    HAYO LEWERENTZ: „Die Grundidee von Boytronic war bei ‚The Working Model’ nicht die einer Band, sondern die eines Projekts.
    Peter Sawatzki z.B. war nie wirkliches Mitglied der Band, sondern einer der Songschreiber. Durch den Erfolg von ‚The Working Model’ wurde Boytronic dann zu einer Art Band, doch das war zu Beginn nie so geplant.“

    Retrospektiv verblüfft die für die damalige Zeit sehr intensive Beschäftigung und Adaption von Italo-Disco und dem aufkeimenden Synthi-Pop….

    HAYO LEWERENTZ: „Das war alles Musik, die wir zu der damaligen Zeit sehr viel gehört haben.
    Holger z.B. war ein großer Fan der Flirts – und das hat sich auch daraufhin kanalisiert, dass das zweite Album ‚The Continental’ zum Teil von Bobby Orlando produziert wurde. Es ist ganz einfach: Man findet etwas gut – und daraus resultiert, was man macht, wie man es macht – und mit wem.“

    Im welchen Kontext haben sich Boytronic seinerzeit gesehen… ?

    HAYO LEWERENTZ: „Ich weiß, dass einige Leute Parallelen zu Erasure ziehen, was aber in diesem Fall absurd ist, weil es Erasure zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gab.
    Ich kann dazu auch nicht ganz so viel sagen, weil ich erst zu der Band gekommen bin, kurz nachdem ‚The Continental’ fertig gestellt worden ist.
    Es war damals eine sehr absurde Situation: Holger war der Sänger, der Name gehörte aber dem Produzenten und ich wurde gefragt, ob ich das Projekt weiterführen möchte.
    Ich habe eingewilligt, weil das meine Musik war.
    Das Ergebnis waren die Alben „Love For Sale“ und „The Heart And The Machine“
    Holger und ich haben uns damals kennen gelernt, doch er hatte zu jener Zeit absolut keine Lust mehr auf Boytronic und ist für Jahre in ein Kloster verschwunden…“

    Trotz und gerade wegen dieser personellen wie auch musikalisch sehr wechselhaften Phasen blieb der Sound von Boytronic recht unverwechselbar und autark…

    HAYO LEWERENTZ: „Wir haben nie versucht, uns an irgend etwas ranzuhängen oder Teil einer Bewegung zu sein. Ich bin musikalisch relativ offen und höre mir alles an – von Gothic bis zu den Sachen, die in den Charts sind.
    Sowohl ich als auch Holger haben uns da nie eingeschränkt und wir hören von Klassik bis hin zu folkloristischen Sachen fast alles.
    Es interessiert uns also nicht nur die Elektronik – und ich denke, das hört man unserer Musik auch an. Wir fühlen uns nicht als Teil der Synthi-Pop-Szene – auch wenn wir dort hinein gehören…“

    Vielleicht hat der Erfolg auch damit zu tun, dass sich Boytronic auch heute noch in erster Linie als klassische Songwriter sehen…

    HAYO LEWERENTZ: „Ich glaube fest an gute Songs – und der Schlüssel zu jeder Art von guter Musik ist der Song. Ich bin zwar überhaupt kein Hardrock-Fan – doch auch in dem Genre gibt es Songs, die großartig sind, ebenso wie es ganz tolle Schlager gibt.
    Die würde ich mir zwar nicht kaufen, aber ich kann erkennen, wann ein Stück in sich ein guter Song ist. Selbst bei vielen deutschen Hip-Hop-Sachen gibt es hin und wieder sehr gute Songs, die auffallen, selbst, wenn es nicht meine Musik ist.“

    Wie würde Hayo einen guten Popsong definieren?

    HAYO LEWERENTZ: „Zunächst bleibt er im Ohr hängen. Dann hängt sehr viel von der Interpretation ab.
    Wenn du einen Sänger mit einer eigentümlichen Stimme hast, kannst du einen guten Song einfach besser transportieren. Und ein guter Song ist immer in sich schlüssig, besitzt eine eigene Logik. Alles, was darin vorkommt, gehört und passt zusammen. Aber auch das ist subjektiv. Es gibt auch viele Leute, die denken, dass Dieter Bohlen gute Songs schreibt. Das finde ich nicht. Mein Hauptkriterium für einen guten Song ist, dass ich ihn noch mal hören möchte.“

    Das perfekte Songwriting mag auch einer der Gründe sein, dass Boytronic auch noch heute – mehr als 20 Jahre nach ihren großen Erfolgen – immer noch einen unangefochtenen Kultstatus besitzen und ihre Alben horrende Liebhaberpreise erzielen.

    Wie erklärt sich Hayo dieses Phänomen?

    HAYO LEWERENTZ: „Wenn ich das mal wüsste. Ich mache mir häufig diese Gedanken und frage mich, warum gerade aus den 80er Jahren so viele Kultsongs und Kultbands kommen – mehr als aus jeder anderen Epoche.
    Schaust du in die 70er Jahre, so gibt es nur wenige – und in den 90er Jahren so gut wie gar keine.
    Es mag daran liegen, dass gerade in den 80er Jahren sehr viel probiert wurde. Es gab neue Sounds, die ersten Sampler- und es wurde eine Klangkultur geschaffen, die es vorher so nicht gab.
    Es wurde Musik gemacht, mit Instrumenten, die heute gar nicht mehr üblich sind.“

    Aus diesem Grund funktionieren auch die Remixe dieser Songs aus dieser Zeit meist nicht…

    HAYO LEWERENTZ: „Natürlich nicht. Das liegt nicht unbedingt daran, dass die neuen Sachen schlechter sind, sondern dass das Original durch die damaligen neuen Sounds eine eigene Magie besitzt. Übrigens Sounds, die heute kaum noch jemand hat!
    Die Soundkultur wird heute nicht mehr groß geschrieben – obwohl man ehrlicherweise sagen muss, dass dies durch die Menge, Masse und Möglichkeiten heute sehr schwer geworden ist.
    Es verschleißt sich sehr schnell. Es gibt heute zwar Analog-Freaks, die die ganzen alten Geräte wieder anschließen, aber die aus diesen Dingern auch nicht mehr rausholen, was nicht schon in der Vergangenheit besser gemacht wurde.“

    Was ist für Hayo das persönliche Highlight der Boytronic-Historie?

    HAYO LEWERENTZ: „Dass ich mit Holger 2002 das Album „Autotunes“ aufnehmen konnte!“


    Hayo Lewerentz betreibt mittlerweile das Label Major Records, das nicht nur den kompletten Back-Katalog von Boytronic verwaltet, sondern mit Künstlern wie Celluloid, Ultrafox und vor allem Leeloo Kobayashi ein sehr vielfältiges, höchst divergentes und spannendes Programm neuer elektronischer Musik offeriert…
    Nach welchen Kriterien werden die Künstler ausgewählt?

    HAYO LEWERENTZ: „Ganz schlicht gesagt. Wir setzen uns hier zusammen und entscheiden nach unserem persönlichen Geschmack. Anders kann man ein Label meiner Meinung nach nicht führen. Wir legen sehr viel Wert darauf, dass eine Band auch live auftritt. Insofern haben wir mit Celluloid einen klassischen Anfangsfehler gemacht. Das ist eine Band, die in Marseille sitzt, die aber leider gar nicht spielen und mit denen wir kaum Promotion machen können. Und man kann nicht endlos Anzeigen schalten.
    Wir möchten Bands, die von sich aus gerne live spielen, es professionell machen wollen und die wir – ganz persönlich und subjektiv – gut finden.
    Wir schielen dabei auch nicht auf die Charts, obwohl wir ab und zu auch ein bewusstes Kommerzprodukt machen, um den Laden zu finanzieren. Der rote Faden ist aber, hochwertige elektronische Musik zu veröffentlichen.“

    Eines dieser hochwertigen Produkte ist zweifelsohne das Album „Playthings“ von Leeloo Kobayashi alias Andreas Thein, früher Musiker bei Propaganda…

    HAYO LEWERENTZ: „Ich kenne Andreas bereits seit 15 Jahren, noch aus Boytronic- und U 96-Zeiten.
    Wir haben Anfang der 90er mal eine gemeinsame Single produziert – und im letzten Jahr rief er mich an und sagte, dass er ein Album bei sich ein der Dachstube produziert hätte.
    Ein schwieriges Thema – aber ein Album, das Zeit braucht und das nicht unbedingt beim erste Hören funktioniert…“

    Hayo Lewerentz hat so ziemlich alle Höhen und Tiefen des Business durchlebt : Boytronic, Erfahrungen mit Major-Labels, Charts-Erfolge mit U 96 – und nun das eigene Label Major-Records….

    Wie sieht er die Branche heute, welchen Wert hat Musik heute überhaupt noch?

    HAYO LEWERENTZ: „ Gerade ein Independent-Label kann seinen Platz heute nur noch mit sehr anspruchsvollem Material finden.
    Durch U 96 habe ich ja auch die andere Seite kennen gelernt. Trotz Major-Deal und vielen verkauften Platten habe ich erlebt, wie limitiert man da ist und wie versucht wird, hinein zu reden.
    Das haben sie zwar nicht geschafft, aber versucht wurde das ohne Ende.
    Und zwar auf eine Art, wo du das pure Kotzen kriegst. Und als dann die U 96-Verkäufe einbrachen und die ganze Major-Industrie ohnehin nur noch am Schwimmen war, haben wir die Notbremse gezogen. Immerhin produzieren wir das Zeug selber – und ich muss mir von keinem A & R dieser Welt sagen lassen, dass meine Platte Scheiße ist.“


    http://www.boytronic.com
    http://www.majorrecords.de

  2.  
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  3. #12
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    In diesen Tagen feiert sie ihr 20-jähriges Jubiläum als Solo-Künstlerin: C.C. Catch! In den 80´ern räumte sie richtig ab, und wohl jeder Besucher einer Diskothek in den 80´ern hat auf ihre Songs getanzt. Mehrere Alben und Singles sind erschienen - sie war Dauergast in den Charts. In den 90´ern nahm sie sich eine Auszeit vom Musikbusiness und zog nach England. 1998, als die Disco-Fox Welle auf dem Höhepunkt war, kam sie zurück um mit der CD "Best of ´98" erneut in die Charts einzusteigen. Damit nicht genug: Die CD erreichte Gold-Status!
    7 Jahre nach ihrer letzten CD kommt in diesen Tagen ein neuer Silberling in die Läden. Eine CD, randvoll mit ihren Hits. Dazu viele Remixe und Megamixe. Als kleines Bonbon liegt dieser CD auch eine DVD bei, die alle ihre Videos aus den 80´ern beinhaltet. Diese CD ist der Startschuss für ein Comeback, auf das ihre Fans lange gewartet haben. Endlich ist sie wieder da, die schöne gebürtige Niederländerin. Sie und ihre Musik sind im In- und Ausland gefragter denn je, insbesondere in Spanien und Ost-Europa.
    Anlass genug um mit ihr über viele Dinge von früher und heute zu plaudern. Dies taten wir am 05. September 2005:


    Hallo C.C. Catch. Schön, dass Du unser Gast bist und mit uns über deine Musik und andere Dinge plaudern möchtest. Erstmal Herzlichen Glückwunsch zu deinem Jubiläum "20 Jahre C.C. Catch".
    Vielen Dank!

    Wie geht es dir und was machst du derzeit?
    Mir geht es sehr gut. Ich schreibe neue Songs für mein neues Album.

    Jetzt im September erscheint eine neue CD von dir. Erzähl uns etwas darüber.
    Das Album heißt "Catch the Hits" und enhält neue Remixe und alle Video-Clips aus den 80ern, die bisher noch nie veröffenlicht wurden.

    Wird es auch wieder ein Album von dir geben mit neuen Songs?
    Ich schreibe zur Zeit neue Songs. Ein neues Album ist für nächstes Jahr geplant. Aber man weiss ja nie, was die Zukunft bringt. Wir werden sehen.

    Vor etwas über einem Jahr hast du bei Pro 7 an der „Comeback Show“ teilgenommen. Eigentlich hättest du das doch gar nicht nötig gehabt, vor einer Jury aufzutreten, in der teilweise Leute gesessen haben, die selbst überhaupt kein Talent haben. Wie siehst du die Sache jetzt nach einem Jahr? Hat dir persönlich diese Erfahrung etwas gebracht?
    Man hört nie auf zu Lernen und die Erfahrung hat mich stärker gemacht. Die Unterstützung von meinen Fans und Zuschauern hat mich sehr berührt.


    Der Zuschauer hat sich nicht selten über total unqualifizierte „Bewertungen“, nicht nur deiner Auftritte, ärgern müssen. Du warst Profi genug, um das gelassen hinzunehmen. War das auch mit ein Grund, warum du dort freiwillig ausgestiegen bist?
    Ich wurde krank, und das hat mich daran gehindert weiter an der Show teilzunehmen. Dafür war ich nachher auch dankbar!

    Gehen wir zurück zu den Anfängen: 1985 war dein großer Durchbruch mit der Single „I can loose my heart tonight“. Was hast du davor gemacht? Warst du da auch schon musikalisch aktiv?
    Ich habe in einer Deutschen Mädchen-Band namens "Optimal" gesungen.

    Ist davon eigentlich etwas auf Platte erschienen oder war das eher mehr im Amateurbereich angesiedelt?
    Es wurden zwei Singles veröffentlicht, auf denen ich mitgesungen habe. Einmal "Optimal" und dann noch "Er war magnetisch". Dann noch eine Dritte, aber da war ich schon nicht mehr dabei.

    Wie ist es damals zu der Zusammenarbeit mit Dieter Bohlen gekommen?
    Ich hatte einen Auftritt mit "Optimal" als mich Dieter Bohlen dabei gesehen und gehört hat. Er bat mich in sein Studio und da habe ich meine erste Single "I can loose my heart tonight" aufgenommen.

    Und warum habt ihr eure Zusammenarbeit 1989 nach so vielen Erfolgen beendet?
    Ich wollte gerne an den Songs mitschreiben, mich künstlerisch weiterentwickeln. Das wollte Dieter aber nicht. Da habe ich die Zusammenarbeit beendet.

    Nach der Auflösung eurer Zusammenarbeit hast du 1989 ein Album mit dem Titel „Hear what I say“ veröffentlicht. An diesem Album war auch Andy Taylor von Duran Duran beteiligt. Was war sein Part an diesem Album?
    Er hat drei Songs auf dem Album produziert. Bei dem Song "Backgirl" hat er auch im Background mitgesungen.

    Du hattest dabei noch weitere Gäste, nicht wahr? Wer war an diesem Album noch beteiligt?
    Viele bekannte Musiker und die anderen Produzenten arbeiteten schon mit U2, Paul McCartney, George Michael und Simply Red zusammen.

    Danach war es leider sehr lange ruhig um dich. Das haben deine Fans sehr bedauert. Was hast du in der ganzen Zeit gemacht, in der du musikalisch nicht aktiv warst?
    Ich habe damals meine spirituelle Reise gestartet und viel meditiert und Yoga gemacht. Außerdem habe ich in der Zeit meine eigenen Songs geschrieben.

    Mitte und Ende der 90´er war eine riesige Disco-Fox Welle in Deutschland. Dort wurden u.a. auch regelmäßig deine alten Hits gespielt. Hast du damals von dem beständig großen Interesse an deiner Musik etwas mitbekommen?
    Nein, ich habe zwischen 1989 und 2002 in England gewohnt.

    Du bist live sehr viel unterwegs, hast Fans auf der ganzen Welt und gibst Konzerte in mehreren Ländern. Wird es demnächst auch wieder eine größere Tour geben?
    Ich bin bis ins nächste Jahr unterwegs auf Tournee. Aber leider nicht in Deutschland.

    Ich danke dir für dieses tolle Interview. Möchtest du selbst noch ein paar Worte an deine Fans und unsere Gäste auf Music-Pleasuredome.de richten?
    Ich möchte mich herzlich bei allen meinen Fans für ihre Unterstützung bedanken. Follow your heart and make your dreams come true!!!

  4. #13
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    Nach über einem Jahr trat DIETER BOHLEN am 11.09.2005 wieder erstmalig in einer TV-Show auf, er war zu Gast bei Beckmann. Dort konnte man einen sichtlich gut gelaunten und souverän wirkenden Dieter Bohlen beobachten, dem die "kleine Auszeit" scheinbar ganz gut bekommen ist. Es gab auch einige kleine Neuigkeiten.

    Nachdem Bohlen und ein gut vorbereiteter Beckmann sich freundschaftlich per Du begrüßten, ging es nach ein bisschen Smalltalk auch schon gleich mit dem ersten Thema los.

    Zuallererst wurde erwartungsgemäß die Geburt von Maurice Cassian angesprochen. "Sensationell. Ist ein total neues Gefühl, ich konnt' mich da so genau gar nicht mehr daran erinnern, wie schön das eigentlich wirklich ist, alles mitzumachen", entgegnete Dieter auf die Frage Beckmanns, wie er sich als frischgebackener Vater fühle. Außerdem gab Dieter bekannt, dass er schon einige neue Songs für seinen Sohn komponiert habe.

    Danach ging es weiter mit beruflichen Sachen der letzten Jahre. Warum Dieter nach dem riesigen Erfolg des Bestsellers "Nichts als die Wahrheit" unbedingt noch das zweite Buch "Hinter den Kulissen" schreiben musste, wollte der Moderator wissen. "Wenn ich 'ne Goldader draufgepiekt hab', und 1 Million Bücher und 300.000 Hörbücher, also, das ist die erfolgreichste Autobiografie aller Zeiten gewesen. Ich hatte einfach das Gefühl, ewig verdienen die Zeitungen an meinen Geschichten, schreib' ich das selber und steck' doch die Kohle lieber selber ein. Was ich nicht wusste, ist, dass die gesamten Anwälte dieses Planeten auf mich niederstürzen." Auch gab Dieter zu, dass er das zweite Buch zurückziehen wollte. "Ich hatte irgendwie so ne Intuition, mensch, vielleicht läuft das doch nicht so."

    Kurz darauf kamen die beiden dann auch noch auf Thomas Anders zu sprechen. Bohlen betonte, dass er "nicht nett zu Thomas Anders" war. "Das Problem ist ja, ich hab mich ja von Thomas damals nicht getrennt, weil alles so toll war. Das beendet man dann ja wirklich nur, wenn da wirklich Sachen passieren, wo man sagt: Es geht nicht mehr. Ich hätte es nur nicht in ein Buch schreiben sollen höchstwahrscheinlich. Das war ein Fehler."

    Beckmann wollte dann wissen, wie die Wellenbewegung in Bohlens Karriere - mal geht seine Beliebtheit rauf, mal wieder komplett runter - zustande kommt. "Ich habe keine Angst davor, die Wahrheit zu sagen", kommentierte Dieter gelassen. "Und wenn die Wahrheit vielleicht eben gerade nicht angesagt ist - oder dass nicht so ankommt, was ich gerade sag' - da kann ich natürlich nichts dafür. Und ich riskier natürlich immer alles."

    "Ich hab' solche Sachen nicht so im Griff wie meine Musik. Bei der Musik weiß ich immer ganz genau, das musste machen, das nicht, so und so funktioniert das. Schuld bin nur ich, ich übernehm da auch immer voll die Verantwortung. Und dann muss man eben sehen, dass man das im dritten Buch eben vernünftig hinkriegt. Warum soll ich nicht n' drittes Buch schreiben?"

    Anschließend ging es noch einmal um Modern Talking und ob es nicht doch noch mal irgendwann ein Comeback des Pop-Duos geben wird, fragte Beckmann. "Na 100 %ig nicht, aber das hat jetzt nichts damit zu tun, dass diese Geschichte mit Thomas war. Ich hatte gerade "TV Makes The Superstar" gemacht mit Modern Talking, das war 'n toller Hit. Und darauf hat' ich gewartet auch - sag' ich ganz ehrlich - um einen vernünftigen Absprung zu schaffen." Den Gedanken, dass "zwei ältere Herren, die in die Jahre gekommen sind, da noch irgendwie Disco-Hits aus den 80ern singen", empfindet Bohlen als "blöde und peinlich".

    Beckmann sprach Bohlen dann auf die Vorwürfe von Frank Farian an, der behauptete, dass Bohlen auf seinen Platten nicht selbst gesungen hat. "Das hat mich tief getroffen, muss ich ganz ehrlich sagen. Und ich wusste auch nicht, wie ich der Sache Herr werden soll."

    Zu Bohlens Entlastung hat die GVL eine Jury zusammengestellt, um die Vorwürfe gegen Bohlen zu prüfen. Dieter habe dann 20 Minuten die Parts von "Cheri Cheri Lady" bis hin zu "TV Makes The Superstar" der Experten-Jury vorgesungen. "Einstimmig, haben alle gesagt, es wär eindeutig, dass ich diese Titel gesungen hätte. Damit ist die Sache dann für mich dann auch beerdigt gewesen, auch für die GVL."

    Auch zum Vorwurf, er habe Lieder geklaut und Melodien abgekupfert, nahm Bohlen Stellung. "Dann gibts auch ganz tolle Gutachter, die ham' sich dann zusammengesetzt - auch Musikwissenschaftler - und es wurde alles niedergeschlagen. Es war eindeutig, dass keiner von diesen Titeln geklaut ist. Jeder kann bei der Gema anrufen. Ich habe bis zum heutigen Tage nicht einen einzigen Cent abgegeben, sondern alle Nummern sind völlig Bohlen-Nummern, werden immer Bohlen-Nummern bleiben und nichts ist geklaut."

    Die gecancelte Zeichentrickfilm-Produktion seiner Autobiografie "Nichts als die Wahrheit" "wird irgendwann kommen bei RTL, ich schätze mal Anfang nächsten Jahres, wenn DSDS3 läuft", so Bohlen. "Ich find's besser, wenn er bei RTL läuft, und wir ham', sag' ich mal 4 - 5 Millionen Zuschauer, das ist doch okay. Dann kommt noch 'ne DVD, dann ist RTL da auch raus aus der Geschichte - also finanziell - und dann ist das für alle Beteiligten voll cool. Wär der jetzt genau bei DSDS1 rausgekommen und ins Kino gekommen, dann hätt's gepasst. Aber das Wichtigste in dieser Branche ist Marketing und Timing natürlich. Und wenn das Timing nicht stimmt - und jetzt hätt's nicht gestimmt - dann kannst du das nicht machen."

    Was Bohlen aus den letzten zwei Jahren gelernt habe, wollte Beckmann wissen. "Dass es nichts schöneres gibt, als 'ne Freundin zu haben, die man echt lieb hat. Ich hab' das früher nie genossen. Ich hab' nie genossen, dass ich 'n schönes Haus hab'; dass ich 'ne schöne Freundin hab'; dass ich viel Geld hab'; dass ich jetzt 4 Kinder hab'; dass ich tolle Eltern hab'; dass ich tolle Freunde hab'.

    Auf die Frage, wo Dieters Ehrgeiz geblieben sei, antworte Bohlen: "Ich wollt' immer super erfolgreich mit der Musik sein. Ich hab', glaub' ich, 140 Titel in die Charts gekriegt, ich hab' 600 Titel in die Alben-Charts gekriegt. Das hat vor mir keiner, wird auch nach mir höchstwahrscheinlich keiner hinkriegen - und das reicht mir, ehrlich gesagt."

    "Das, was ich auf jeden Fall nicht machen werde, ich werd' dieses Mal keine Titel schreiben für DSDS", ließ Bohlen auf Beckmanns Anfrage nach weiteren zukünftigen Projekten verlauten. Ob man es ihm verboten habe, fragte Beckmann. "Nee, also umgekehrt. Ich möchte die Leute beurteilen und denen helfen. Aber ich möchte nicht wieder in solche Situationen gedrängt werden wie mit Elli, wo die Künstlerin da ist, die eigentlich gar nicht mit mir arbeiten will, ich an die Künstlerin überhaupt nicht glaube und sag', Elli, das wird nie was.

    "Wenn da irgendeiner gewinnt am Ende und zu mir kommt und sagt, Dieter, der einzige Produzent oder Komponist, den ich mir vorstellen könnte für meine Arbeit, bist du, dann würd' ich sagen ja, aber sonst schreib' ich da keine Note."

    Angesprochen auf Küblböck: "Wenn der da bei Big Brother im Schlamm rumwühlt mit irgendwelchen Z-Promis, dann ist das kein Entertainment mehr, dann ist das Schwachsinn. Daniel hatte 'n Potenziel und das hat er meines Erachtens verspielt. Daniel hätte so 'ne Verrückten-Sendung haben müssen wie Elton oder wie 'n Stefan Raab noch crazier und hätte Fernsehen machen müssen und völlig Gaga-TV. Aber nicht so 'ne Scheiße irgendwie, also dieses ganze Dschungel-Müll und Big Brother und son' Kack."

    Ob Bohlen dann in der dritten DSDS-Staffel noch die Autorität früherer Tage habe. "Mehr als alle anderen auf jeden Fall", so Bohlen selbstsicher. "Sag' mir irgendeine andere Person, die das besser beurteilen kann, ob jemand was da in diesem Medien-Zirkus machen kann oder nicht, ich wüsste keinen."

    Kurz kam auch noch eine geplane Zusammenarbeit mit Schlager-Sängerin Vicky Leandros zu Sprache. "Ich hab' ihr Titel geschickt und sie fand die ganz toll, und jetzt muss man mal gucken."

    Zum Schluss ging es noch einmal um Estefania. "Und ich seh' das einfach nicht ein, dass mir ewig die Medien im Kreuz liegen und immer sagen, du musst jetzt heiraten, ich möchte heiraten, wenn ich das will, ja."

    "Wenn ich heirate, möchte ich da heiraten, wo eben gerade keiner ist." Auf die Frage, ob dann irgendwann geheiratet wird, gab es von Dieter ein kurzes "Ja".

  5. #14
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    Neue Töne im neuen Jahr...

    WANG CHUNG startete 1980 noch unter dem Namen HUANG CHUNG. Jack Hues, Nick Feldman (alias "Nick De Spig") und Darren Costin (alias "Darwin") gründeten zusammen mit einem Freund die Band und nahmen kurze Zeit später vier Live-Stücke für das Label 101 Records auf. Das war der Start einer sehr erfolgreichen Bandgeschichte. Die Band unterzeichnete 1982 als eine der ersten Europäischen Acts einen Plattenvertrag beim Amerikanischen Label GEFFEN Records und änderte seinen Namen in WANG CHUNG ab. 1984 stürmten sie die Charts mit den Hits "Dance Hall Days" und "Don´t Let Go". Und das weltweit!!!
    Eine ganze Menge Singles und vier Alben wurden zwischen 1982 und 1989 veröffentlicht. Viel Material über das es sich zu reden lohnt. Also sprachen wir am 06. Oktober mit der Stimme von WANG CHUNG, Jack Hues, über die erfolgreiche Zeit in den 80´ern und über das, was WANG CHUNG heute machen. Los geht´s....

    Hallo Jack. Herzlich willkommen bei Music-Pleasuredome.de. Schön, dass du dir die Zeit für ein Interview genommen hast. Wie geht es dir? Was machst du im Moment?

    Im Augenblick bin ich mit zwei Projekten sehr beschäftigt. In den 90´er Jahren war ich als Produzent tätig. Während dieser Zeit entdeckte ich meine große Liebe zu der Musik von Miles Davis und Thelonious Monk. Ich glaube, dass die Spontanität ihrer Aufnahmen für mich ein fabelhaftes Gegenmittel für die langen Stunden war, die ich mit Computern im Studio gearbeitet habe. Im Jahre 2003 begann ich mit einigen Jazzmusikern in meinem Heimatort Canterbury zu Jammen und meine eigene Version des "Jazz" zu schreiben. Im Jahre 2004 überredete ich Chris Hughes dazu ein Album mit mir zu produzieren. Chris produzierte bereits unser Album "Points On The Curve" und viele große Alben von Tears for Fears, Adam & the Ants, Electric Soft Parade, Robert Plant und Paul McCartney. Wir machten die Aufnahmen zu diesem Album in einem Studio in Bath und einen weiteren Song im Januar diesen Jahres. Das Album enthält alle neuen Kompositionen von mir. Es wird gerade abgemischt und gemastert. Jetzt suchen wir dafür einen Vertrieb. Die Band heißt "The Quartet" und ist ein dauerhaftes Projekt. Wir spielen z.B. diesen Monat in Canterbury, proben viel und schreiben immer noch neue Stücke. Es ist ein Projekt, das ich sehr liebe und das mich sehr stolz macht.

    Dein Leben als professioneller Musiker begann schon in den 70´ern. Lange Zeit bevor du mit WANG CHUNG große Erfolge feiern konntest. Was hast du genau gemacht, bevor du HUANG CHUNG gegründet hast?

    Ich begann Gitarre zu spielen, als ich 8 Jahre alt war. Inspiriert von den BEATLES. Als ich die Schule verließ beschloß ich, Musik an der Universität zu studieren. Aber zu dieser Zeit mußte man klassische Musik studieren und ich hatte keinen blassen Schimmer was diese Musik betraf und auch kein Interesse an dem Stil der Musik. Trotzdem bekam ich einen Studienplatz am Goldsmiths College in London und ich verliebte mich sehr schnell in die klassische Musik. Ich war dann wirklich von dieser Musik besessen! Ich kaufe mir auch heute noch viele klassische CDs. Die letzte CD war eine neue Aufnahme von Beethovens Opus 127 und Opus 132 vom Hagen Quartett. Ich liebe die Austro-Deutsche Klassik-Tradition von J.S. Bach und auch von Berg & Webern. Mich fasziniert die Genauigkeit und Schönheit auf dieser CD vom Hagen Quartett.
    Ich machte dann ein Aufbaujahr an der könglichen Musikhochschule, studierte Komposition und elektronische Musik. Am Ende dieses Studiums fühlte ich mich ziemlich verwirrt. Sollte ich nun weiter klassische Musik machen oder in den Rock-Bereich gehen? Das war so etwa 1977 als der Punk in England "explodierte". Diese Musik hätte zu dem, was ich auf dem College gemacht habe, nicht entgegengesetzter sein können. Aber irgendwie mochte ich den viszeralen Reiz daran und begann mit Bands rumzuhängen. Ich traf dann Nick Feldman durch eine Anzeige im "Melody Maker", in der er Musiker suchte. Wir gründeten dann verschiedene Bands und schließlich auch HUANG CHUNG, mit der wir dann auch unseren ersten Plattenvertrag abgeschlossen haben. Das war 1980.

    Von 1980 bis 1982 hieß die Band HUANG CHUNG. Ab 1982 nanntet ihr die Band dann WANG CHUNG. Was bedeutet der Name und warum habt ihr ihn geändert?

    Als wir bei Geffen Records unterzeichnet haben, spielten wir mit dem Gedanken, den Namen der Band zu ändern. David Geffen riet uns aber dazu, den Bandnamen beizubehalten. Jemand anderes erzählt uns dann, dass Huang im Amerikanischen wie Wang klingt. Warum also schreiben wir unseren Namen dann nicht einfach W-A-N-G? Das taten wir dann auch.
    Was die Bedeutung des Namens angeht, so möchten sich deine Leser einfach auf der Seite www.wangchung.com einmal umsehen, wo sie die Dinge über den Namen und seine Bedeutung herausfinden können, die sogar ich nicht wußte.

    Erzähl uns etwas über die ersten Stunden nach der Gründung von HUANG CHUNG. Wie kam es dazu und was war die Idee?

    Nick und ich hatten gerade unsere Band "57 Men" aufgelöst. Bassist Lee Gorman spielte später bei Bow-Wow-Wow, der Sänger Glen Gregory gründete dann Heaven 17. Nick Feldman, Darren Costin (der auch bei "57 Men" mitgespielt hat), einer meiner Freunde von Goldsmiths und ich wollten fortan etwas zu Viert machen. Statt live zu spielen waren wir eine reine "Studio Band" und verschickten Demobänder was uns einen Deal mit einem kleinen Idepentent Label namens "Rewind" einbrachte. Die Idee war eine Band zu gründen, die so qualitativ hochwertige und erfolgreiche Alben produzieren würde wie in der Vergangenheit z.B. die Beatles mit "St. Pepper" und dem "Weissen Album" oder Bowie´s "Station To Station" und "Low". Ich empfand das Live-Spielen immer schwierig und als einen Kompromiß mit der Arbeit im Studio. Ich denke nicht, dass irgendwer etwas Entgegengesetzteres gemacht hat als wir.

    Stimmt es, dass WANG CHUNG die ersten Europäischen Künstler auf dem Amerikanischen Geffen-Label waren?

    Elton John und John Lennon waren zu der Zeit schon bei denen unter Vertrag. Das waren ja auch Europäer. Wir waren die erste "unbekannte" Band, die dort unterschrieben hat.

    WANG CHUNG hatte einige Chart-Erfolge - auch in Deutschland. Die größten Hits waren wohl "Dance Hall Days" und "Everybody Have Fun Tonight". Kannst du uns etwas über "Dance Hall Days" erzählen?

    Es wurde 1982 geschrieben und damals auch schon veröffentlicht. Er wurde 1984 aber erst in einer überarbeiteten Version zum Hit. Wie ist dieser Song entstanden?
    Als ich mit dem College fertig war, verdiente ich teilweise mein Geld mit Gitarren Unterricht in Schulen. Eines Tages wartete ich auf einen Schüler, der seine Stunde vergessen hatte. Ich erinnere mich, dass ich in den 20 Minuten dieser Unterrichtsstunde damit begann, die ersten Kompositionen für "Dance Hall Days" auszuarbeiten. Ich verbrachte dann viel Zeit damit, den Liedtext fertigzustellen. Aber die Essenz des Songs kam erst später. Ich hatte gerade Nabokovs "Lolita" gelesen. Der Name der Haupt-Figur in dem Roman, Dolores Hayes, vermischt sich mit dem "Dance Hall Days" Reim. Ich denke, dass mich die Musik versuchen ließ Lowell George hier zu imitieren.

    Warum wurde der Song nicht schon für HUANG CHUNG ein Hit und erst viel später für WANG CHUNG?

    Wir haben den Song schon als HUANG CHUNG aufgenommen, aber er war nicht perfekt ausgearbeitet. Tim Freese Green produzierte uns damals und er hatte eine komische Einstellung zu dem Lied. Wir entließen ihn dann und schafften es, aus unserem Vertrag mit Arista Records rauszukommen. Wir wechselten dann zu Geffen Records, wo wir das Lied mit Chris Hughes und Ross Cullum als Produzenten nochmals neu eingespielt haben. Eine insgesamt wesentlich glücklichere Erfahrung.

    1985 machte WANG CHUNG den Soundtrack zu dem Film "Leben und Sterben in L.A.". Wie sind die Produzenten des Films bei ihrer Wahl auf WANG CHUNG gekommen?

    Ich war damals zu Besuch bei einem Freund von der Universität in seiner Wohnung, als plötzlich das Telefon klingelte. Eine Amerikanische Dame fragte nach mir und sagte "William Friedkin würde gerne mit Ihnen über die Musik zu seinem nächsten Film sprechen. Kann er Sie unter dieser Nummer in etwa einer halben Stunde erreichen?". Ich weiß bis heute nicht, wie die an die Telefonnummer von meinem Freund gekommen sind. Ich wartete auf den Anruf und Billy sprach mit mir über den Film und dass er den Song "Wait" als Hauptthema seines Films einsetzen wollte. Er fragte mich, ob ich mehr Musik wie diese schreiben könnte. Natürlich sagte ich sofort "Ja!".

    HUANG CHUNG waren vier Musiker. Was wurde aus den anderen Mitgliedern? Warum war WANG CHUNG bei Veröffentlichung des 89er Albums nur noch ein Duo?

    Dave Burnand (alias Hogg Robinson) verließ die Band nach dem Arista Album. Er ist ein sehr begabter Texter und ich denke, dass es nach seiner Meinung in der Band zu wenig Spielraum für seine Kunst gab. Er verließ die Band um das elektronische Musikstudio an der königlichen Musikhochschule zu führen. Ich glaube, dass er jetzt in einer hohen Position in der Verwaltung dieser Institution ist. Darren Costin stieg nach der amerikanischen Tour zum "Points On The Curve" Album aus, um seinen eigenen Weg zu gehen. Er arbeitet heute in der Film- und Musikszene mit vielen coolen Leuten zusammen.

    Nach der Veröffentlichung des Albums "Warmer Side Of Cool" im Jahre 1989 wurde es sehr still um WANG CHUNG - auch hier in Deutschland war von euch nichts mehr zu hören oder zu lesen. Was ist der Grund für diese doch sehr lange Auszeit?

    Das Album "Warmer Side Of Cool" zu machen war sehr anstrengend und der Mangel an Erfolg war sehr frustrierend. Weder Nick noch ich wollten danach den Versuch wagen, ein neues Album zu machen. Im Nachhinein betrachtet hätten wir das aber vielleicht tun sollen. Wir beschlossen dann, Solo-Projekte starten zu lassen.

    Was hast du in dieser Zeit gemacht?

    Ich habe die Musik zu einem weiteren Film von Bill Friedkin mit dem Titel "The Guardian" gemacht. Später dann ein Solo-Album bei Columbia Records, das nie erschienen ist. Ich machte Soundtracks für ein paar HBO Filme und ein Album mit Tony Banks wo ich Gitarre spielte und sang. Für das Album habe ich auch einige Sachen mitgeschrieben. Ich co-produzierte ein "Definition Of Sound" Album mit Chris Hughes, produzierte ein Album mit "Arkana", schrieb Songs für "Arturo", arbeitete mit Kiki Dee zusammen und machte eine Menge anderer Dinge. In der ganzen Zeit schrieb ich aber auch Songs für mich selbst.

    Und was macht Nick Feldman heute?

    Nick gründete die Gruppe "Promised Land" mit Jon Moss und sie machten ein Album auf EPIC Records. Dann nahm er einen Job im A&R Bereich bei Warner Brothers an. Heute arbeitet er für Sony/BMG.

    Jetzt die wichtigste Frage: Existiert WANG CHUNG noch?
    Nick und ich sind immer noch sehr gute Freunde. Also: Ja, Wang Chung gibt es noch!

    Für die meißten Fans war das Best-of Album von 2002, "The best of Wang Chung", das letzte Lebenszeichen von euch. Können die Fans in Zukunft mit neuen Songs von euch rechnen?

    Wie ich bei der ersten Frage schon gesagt habe, arbeite ich derzeit an zwei Projekten. eins ist die Gruppe "The Quartet". Das andere ist das neue WANG CHUNG Album. Nick und ich haben uns vor etwa 18 Monaten dazu entschlossen, ein neues Album aufzunehmen und wir arbeiten seit dieser Zeit fleißig daran. Im Juni diesen Jahres waren wir zu der NBC TV Sendung "Hit Me Baby One More Time" in Los Angeles eingeladen. Dieser großartige Zuspruch für das, was wir mit WANG CHUNG gemacht haben, hat unsere Absicht, das Album fertigzustellen, zementiert. Wir arbeiten seitdem noch intensiver und verbringen eine Menge Zeit mit der Arbeit an dem neuen Album. Der Stil der neuen Songs wird unverkennbar WANG CHUNG sein, sie werden aber auch modern und zeitgenössisch klingen. Die Fans werden es mögen und wir hoffen, auch neues und jüngeres Publikum ebenso damit ansprechen zu können. Wir rechnen mit einer Veröffentlichung des Albums im Sommer 2006.

    Ich bedanke mich herzlich für dieses tolle und ausführliche Interview. Möchtest du selbst noch ein paar Worte an unsere Leser richten?

    Euch vielen Dank für die Zeit, die ihr euch genommen habt um mit mir in Kontakt zu treten und an eurem Interesse an der Band und unserer Musik. Danke auch an die Leute da draußen! Ohne das Wissen darüber, dass es euch gibt und ihr immer noch die alten Songs gerne hört, könnten wir das neue Album gar nicht machen. Wir waren in den 80´ern leider nie live in Deutschland zu sehen. Aber das geschieht vielleicht mit dem neuen Album.
    Ich bin sehr glücklich, in meinem Leben Musik machen zu können. Der Erfolg mit Wang Chung hat mir erlaubt, innerhalb der Musik viele verschiedene Pfade zu betreten und vielen Genres nachzugehen. Ohne die Unterstützung der Fans und all jener Leute, die unsere Alben gekauft haben und noch heute genießen, hätte ich nicht die Freiheit gehabt, in der Musik so viel erkunden zu können. Also danke ich euch wirklich allen und ich versichere euch, dass das neue Album die lange Wartezeit echt wert war!
    Vielen Dank
    Jack

  6. #15
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    Meine Lieblingssänger sind Amsel und Drossel

    Pop. Zwölf Jahre nach ihrem letzten Album feiert Kate Bush mit „Aerial“ ein umjubeltes Comeback. Der SZ gab sie eines ihrer raren Interviews.

    Sie haben zwölf Jahre für Ihr neues Album benötigt, andere veröffentlichen in diesem Zeitraum sechs. Ängstigt Sie das?

    Man kann die Frage auch umdrehen. Warum veröffentlichen die anderen in der gleichen Zeit so unglaublich viel? Von meiner Perspektive aus ist es unmöglich, sechs oder sieben Alben in zwölf Jahren zu veröffentlichen, die inhaltlich konstant auf hohem qualitativen Niveau bleiben. Ich brauchte für meine ersten sieben Alben 16 Jahre. Die habe ich praktisch ausschließlich in Aufnahmestudios verbracht, seit ich 17 war. Nach meinem letzten Album brauchte ich dringend eine Pause, weil ich mit der Platte rückblickend nicht zufrieden bin.

    Ist es nicht riskant, dann gleich ein Doppelalbum wie „Aerial“ zu veröffentlichen?

    Eigentlich nicht. „Aerial“ ist ja in das eher songorientierte, erste Album „A Sea Of Honey“ und in das Konzeptalbum „A Sky Of Honey“ unterteilt. Insgesamt umfassen beide CDs zusammen eine Länge von gut 80 Minuten. Ich hätte daraus auch eine einzelne CD machen können. Aber ich möchte, dass die Hörer sich nach 80 Minuten nicht erschlagen fühlen.

    Markiert Ihre lange Pause auch eine Abkehr von der Absurdität des Showgeschäfts?

    Nein, denn ich habe mich nie als Teil dessen gesehen. Ursprünglich wollte ich nur ein Jahr pausieren, um eine Distanz zwischen mir und meiner Musik zu schaffen. Na ja, daraus wurden dann zwölf. Die ununterbrochene Zeit im Studio führte in den ersten 16 Jahren meiner Karriere zu einem Stillstand in meiner persönlichen Entwicklung. Wir alle brauchen hin und wieder Abstand zu dem, womit wir uns am liebsten beschäftigen. Ich habe die zwölf Jahre unter anderem zum Mutterwerden genutzt. Jede Mutter eines kleinen Jungen weiß, wie sehr einen das Muttersein persönlich weiterbringt.

    Für den Titel „Aerial“ gibt es gleich mehrere Bedeutungen. Was bedeutet der Titel für Sie?

    Höhe. „Aerial“ markiert für mich eine Ebene, auf der man sich über den Dingen befindet und herunterschauen kann.

    Wäre das nicht auch die perfekte Beschreibung für Ihren Platz in der Musiklandschaft?

    Es wäre anmaßend, wenn ich Ihnen zustimmen würde. Ich denke über meinen Stellenwert in der Pop geschichte gar nicht nach. Es interessiert mich einfach nicht.

    Welche Relevanz räumen Sie der Musik als Kunstform in Zeiten von schneller Verfügbarkeit der Unterhaltung noch ein?

    Eine sehr große. Mein Gott, die Welt schreit doch geradezu nach emotionaler, qualitativ hochwertiger Fütterung! Für meine Musik muss man sich Zeit nehmen. Sie erschließt sich meist nicht beim ersten Hören. Das ist natürlich riskant. Aber warum benutzt man überhaupt ein Kunstmedium wie die Musik, wenn man nicht mutig und fortschrittlich arbeiten möchte und bereit ist, Risiken einzugehen? Der Wert von Kunst bestand für mich immer im emotionalen Ausdruck des Autors oder Malers. Durch die Flachheit und den Wegwerfcharakter der heutigen Popkultur wird die emotionale Qualität immer mehr aus unserem Leben herausgesogen. Ich fühle mich fast schon verpflichtet, diesem Umstand etwas Emotionales entgegenzusetzen.

    Worin liegt das größte Missverständnis über Kate Bush?

    Es frustriert mich, dass ich kontinuierlich als Einsiedlerin dargestellt werde. Ich bin keine Einsiedlerin, ich führe ein völlig normales Leben. Ich habe mich nun mal dagegen entschieden, mein Dasein in der Musikindustrie oder in der Showbiz-Welt mit all ihren Abgründen zu fristen. Überzogene Egos, Machtgier, Geldgier, Neurosen, Psychosen, Sarkasmus, Zynismus – all das brauche ich nicht zum Leben. Ich finde es erschreckend, dass einige Kollegen und Musiker-Freunde nicht mal wissen, wie sie eine Waschmaschine bedienen können.

    Singen Sie tatsächlich mit den Vögeln im Titelstück „Aerial“?

    Ja, zumindest habe ich versucht, ein menschliches Äquivalent zum Vogelgesang zu finden. Ich liebe den Gesang von Vögeln sehr. Vielleicht gerade deswegen, weil er sehr emotional klingt, ohne dass er uns durch eindeutige Worte unsere Vorstellungskraft nimmt. Früher bin ich oft nach meinen Lieblingssängern gefragt worden. Darauf habe ich dann immer geantwortet: die Amsel und die Drossel. Die meisten hielten das für einen Scherz, aber es ist mein Ernst. Am Anfang der zweiten CD, die zwölf Stunden zwischen vier Uhr am Nachmittag und vier Uhr in der Nacht darstellt, hört man Waldtauben. Die assoziiere ich mit Nachmittagsstimmung, weil ich sie als kleines Mädchen immer zu dieser Zeit gehört habe.

    Warum eigentlich lehnen Sie die meisten Interview-Wünsche ab?

    Alles, was ich der Welt zu sagen habe, steckt in meiner Musik. Direkt und ohne Blockade. Wer meine Platten gehört hat und sich gefragt hat, wie ich wohl wirklich bin, kennt die Antwort schon.

    Das Gespräch führte Michael Loesl.

    Quelle: http://www.sz-online.de/nachrichten/....asp?id=993278 & SCHUBSER

  7. #16
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    Das wiederveröffentlichte Album "The Working Model" und die Compilation "Maxi" brachten zuletzt, nach Jahren wieder etwas Licht in die Geschichte von Boytronic. Nachdem vieles vom Backkatalog der Band nur noch schwer und zu horrenden Preisen erhältlich ist, geht man auch mit dem zweiten, 1985 erschienen, Album "The Continental" diesen Weg und veröffenlicht es über das eigene Label Major Records erneut. Was Holger und Hayo zu dieser Zeit zu sagen haben, erzählen sie im folgenden Interview und riskieren schon erste Blicke in die Zukunft.

    Nach "The Working Model – Reverse" und "Maxi" steht den Fans mit "The Continental – Replace" ein weiteres Stück Boytronic Geschichte bevor. Wie betratet ihr heute selbst das Album mit reichlich zeitlichen Abstand?

    Holger: Es ist ein Stück meiner Vergangenheit zu dem ich uneingeschränkt stehen kann, aber es ist trotzdem Vergangenheit... Dennoch freue ich mich über die erneute Veröffentlichung.

    Wie stark haben die Anfragen seitens der Fans diese Wiederveröffentlichung beeinflusst oder hat es euch auch immer selbst in den Fingern gejuckt, dieses Werk, wie auch "The Working Model", wieder zugänglich zu machen?

    Hayo: Die Nachfragen der Fans sowie auch die exorbitanten Preise für das Album im Internet haben uns hauptsächlich dazu bewegt, das Album wieder zugänglich zu machen. Außerdem haben wir uns ja mit dem neuen Album auch wieder eine Menge Zeit gelassen und konnten so ein wenig die Zeit überbrücken.

    Ein großer Teil der Käuferschicht hört mit Sicherheit "The Continental" zum ersten Mal. Inwieweit nimmt man heute positive Resonanz anders auf als damals - zu Zeiten von Bravoartikeln und Top Of The Pops? Kann man heute Meinungen anders betrachten, da sie vielleicht ein Stück weg ehrlicher sind?

    Holger: Positive Resonanz ist immer was tolles und bestätigt einen – im Großen wie im Kleinen. Wenn du eine Mail aus z.b. Schweden bekommst in der dir ein Fan berichtet, wie Boytronic Songs sein Leben begleitet haben, und er beschreibt das in allen Einzelheiten (wie kürzlich geschehen), dann macht einen das schon ein bisschen stolz und man hat das Gefühl jemanden erreicht zu haben. Diesen direkten Draht zu unseren Fans hatten wir früher nicht in dem Masse, als es das Internet noch nicht gab und wir noch bei einer großen Plattenfirma waren.

    Gab es zu Feedback zu "The Working Model Reverse" und "Maxi" von Leuten die bisher nur "Autotunes" kannten?

    Hayo: Nein, ich persönlich kenne keinen, der nur "Autotunes" kannte, was aber nicht heißt, dass es so jemanden da draußen geben könnte.

    Wenn ich nach dem Booklet gehe, handelt es sich bei den Bonustracks "Stupid Guy" und "Wie ein Blitz" um neuere Songs von euch? Wie sieht es mit den anderen beiden Bonussongs aus und warum die Entscheidung diese vier Songs noch mit auf die "Replace Version" zu nehmen?

    Hayo: "Stupid Guy" und "Wie ein Blitz" entstanden beide Anfang diesen Jahres als Titel für ein geplantes neues Album, welches sich jetzt aber musikalisch etwas anders entwickelt hat...also bot es sich an, diese Titel mit auf die "Continental" zu koppeln. "Change of Heart" war mal eine B-Seite von "Man in a uniform" und nie auf CD erhältlich und "Fetish" ist ein Instrumental Titel der zweiten Boytronic Besetzung, den wir ganz passend fanden.

    Ich habe mir zur Vorbereitung des Interviews "The Continental" und "Autotunes" mehrmals angehört. Zwei gänzlich unterschiedliche Alben, aber eindeutig als Boytronic zu erkennen. Gibt es für euch selbst einen roten Faden, der die Werke von Boytronic durchzieht und wo wird es mit zukünftigen Material hingehen?

    Hayo: Wenn du wir seit 20 Jahren an einem Thema arbeitest, ist es zwangsläufig so, dass du einen Sound hast oder eine Art Songs zu schreiben, die deine Persönlichkeit wiederspiegelt und die dir einen unverwechselbaren Touch gibt.

    Holger war ja für die frühen Boytronic Sachen verantwortlich und ich war an der zweiten Ausgabe beteiligt...Jetzt arbeiten wir seit 2001 zusammen und jeder bringt irgendwie seine Person und seine Vorlieben mit ein...

    Wie weit sind die Arbeiten an einem neuen Album vorangeschritten? Angekündigt war es ja schon für Anfang diesen Jahres...!?

    Hayo: Das Album ist quasi fertig und muss nur noch gemischt werden. Holger hat den größten Teil der CD diesmal alleine geschrieben, da ich sehr viel mit meinem neuen Label Major Records zu tun habe. Die Veröffentlichung ist nun für März 2006 geplant.

    Neben "The Continental" gibt es noch weiteres, nicht weniger Interessantes zu erfragen. Für die aktuelle Single "Here I Go Impossible Again" von Erasure habt ihr beispielsweise zwei Remixe anfertigen dürfen. Wie kam dieser Kontakt zustande und wie kann man sich diese Zusammenarbeit vorstellen?

    Hayo: Der Kontakt kam über Ingo Möller von Re-flexion zustande, mit dem ich eine Compilation unter dem Titel „Elektrisch“ entwickelt habe, die im Februar erscheint und auf der sich Remixes von diversen bekannten und auch weniger bekannten Künstlern aus dem Elektro Bereich befinden werden. Ich habe daraufhin bei Mute sowohl Erasure als auch Client zum remixen angefragt und bekam (nach Einsendung eines Showreels) auch das O.K. Als die Erasure Mixes fertig waren, die ja eigentlich nur für unsere Compilation geplant waren, bekam ich die Anfrage von Mute, ob es o.k. wäre, dass sie die Mixes auf die Erasure Single bzw. DVD koppeln könnten. Das habe ich natürlich nicht abgelehnt...

    Ein weiteres Projekt wäre die Zusammenarbeit von dir Holger und Hans Johm als Beachhead. Wie wird es nach der EP „Drowning Tonight“ weitergehen?

    Holger: Na, eigentlich ist es ja noch ein kleines Geheimnis, aber Hans wird zukünftig auch bei Boytronic mitwirken (Im Studio und auch auf der Bühne). Wir haben für das neue Album schon einige Songs zusammen geschrieben.

    Hayo, dein Label Major Records hat mit LeeLoo Kobayashi (einst Propaganda Mitglied) und Ultrafox (mit Mitglieder der Sneaker Pimps) neben sehr ausgewählten Artisten auch eine recht kommerziell ausgerichtetes Raster. Was ist der Grundgedanke von Major Records und wie wählst du die Künstler aus?

    Hayo: Ich wähle ausschließlich nach meinem persönlichen Geschmack aus und versuche, auch kommerzielle Produkte zu machen, mit denen ich neue interessante Sachen mitfinanziere. Da ich mein Label "fulltime" betreibe und davon leben muss, bin ich natürlich gezwungen auf die Wirtschaftlichkeit zu achten.

    Es wird aber auch in Zukunft soviel wie möglich auf interessante neue Musik aus dem elektronischen Sektor fokussiert bleiben.

    Wahrscheinlich wird für viele mit "The Continental – Replace" ein Jahr zuende gehen. Wie sah euer Soundtrack für 2006 aus, welche Musiker/Bands haben euch durch das Jahr begleitet?

    Hayo: Ich habe viele CDs gekauft von jungen neuen Bands aus dem Elektrobereich wie Chikinki z.B., aber auch bewährtes wie die neue Depeche Mode CD, die ich persönlich toll finde - vor allen Dingen die Dave Gahan Songs..., Erasure natürlich und...X-Perience, für deren neues Album ich zur Zeit 4 Titel produziere.

    Wie sehen eure weiteren Pläne für 2006 aus?

    Hayo: Ich werde versuchen mein Label weiter voran zu bringen und möglichst viele gute CDs zu veröffentlichen.Ausserdem plane ich ein Album mit meinem Projekt "The Pocket Orchestra", dass bisher als reines Remixer Projekt fungierte.

    Holger: Das neue Boytronic Album promoten und vielleicht ein paar mehr Auftritte als bisher. Angebote gibt`s ja genug...

    Von mir soll es das gewesen sein. Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg.

    Interview: Thomas Tröger & Boytronic [Holger Wobker]
    November 2005

    Boytronic:

    Holger Wobker
    Hayo Lewerentz

  8. #17
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    folgendes interview ist zwar bereits ein jahr alt, die deutsche übersetzung steht allerdings erst seit einem monat im netz:

    Interview mit AGNETHA FÄLTSKOG am 18. Dezember 2004:

    Interviewer: Lasse Bengtsson



    Agnetha stellte keine Bedingungen für das Interview und die Fragen wurden vorher nicht mit ihr abgesprochen.



    Es wurde das Lied "Om tårar vore guld"

    angespielt.

    L.B.: Als ich am nächsten Tag gefahren bin, hörte ich diesen Song und auch Deine anderen Songs, Hi Agnetha!

    A.F.: Hi Lasse.

    L.B.: Und ich dachte, was für schöne Lieder Du geschrieben hast.

    A.F.: Ja, das habe ich.

    L.B.: Wie ist das heute?

    A.F.: Vieles ist hier drin, in mir (zeigt auf ihr Herz)

    L.B.: Aber Du komponierst jetzt nichts?

    A.F.: Nein, ich komponiere nicht viel in diesen Tagen.

    L.B.: Warum nicht?

    A.F.: Es ist so, als ob alles während dieser Zeit aus mir raus gegangen wäre. Ich war sehr produktiv mit meiner Musik und den Texten und ich bekam viel Inspiration dadurch.

    L.B.: Aber sie sind so traurig, warum?

    A.F.: Ich weiß es nicht. Später schrieb jemand anders die Texte. Ich wurde zu kritisch.

    L.B.: Warst Du das?

    A.F.: Ja, ich war sehr kritisch.

    L.B.: Warst Du immer schon kritisch mit Dir selbst?

    A.F.: Ja, sehr, ganz besonders als ich anfing, meine eigenen Texte zu schreiben.

    Viele finde ich nicht mehr so gut. Sie sind sehr naiv.

    L.B.: Aber dieses Frühjahr hast Du ein neues Album nach langer Zeit veröffentlicht.

    A.F. Ja.

    L.B.: Was denkst Du, wenn Du jetzt „If I thought...“ hörst?

    A.F.: Es ist gut.

    L.B.: Was waren die Gründe als Du Dich dazu entschlossen hast, ein Album raus zu bringen?

    A.F.: Nun, es war ein ziemlich langer Prozess. Es hat zwei, drei, vier Jahre gedauert, bis wir anfingen, meine Idee umzusetzen und mit den Aufnahmen begannen. Ich fühlte, dass ich noch nicht alles getan hatte und dass ich ein neues Album machen wollte. Ich liebe diese 60er Songs und wir hatten sehr viel Spaß damit. Es war ein nostalgischer Trip für mich und alte Lieder, die ich vergessen hatte, kamen zurück zu mir. Diese Lieder waren so kraftvoll für mich und natürlich erinnert man sich dann auch an Ereignisse, die zu dieser Zeit in deinem Leben geschehen sind.

    L.B. Was ist es, was einen Song für Dich kraftvoll macht?

    A.F.: Diese Songs kamen als ich im Teenager-Alter war. Da ist man sehr sensibel für so etwas.

    L.B.: Wie warst Du als Teenager?

    A.F.: Nun, ich denke, wie alle Teenager.

    Da waren Jungs und Träume und ich habe da schon gearbeitet. Mit 15 Jahren begann ich, in einem Tanzorchester zu singen und wir fuhren viel herum und spielten.

    L.B.: Kannst Du Dich daran erinnern, was in dieser Zeit Deine Träume und Gedanken in Bezug auf Musik waren? Was waren Deine musikalischen Ziele?

    A.F.: In diesen Tagen wollte ich nur auftreten, weil ich fühlte, dass ich eine Stimme hatte und es machte Freude, die Leute zu unserer Musik tanzen zu sehen. Doch später war meine Ambition, vielleicht mal eine Platte aufzunehmen. Mein Traum war es, eine Sängerin zu werden.

    L.B.: Warum wolltest Du das?

    A.F.: Nun es war wohl in Verbindung damit, dass ich eine Stimme hatte, viele sagten mir das und dann wusste ich, wie man Songs komponiert und manchmal auch Texte schreibt und fühlte, dass das mein Job war.

    L.B.: Aber Du warst nicht schüchtern in diesen Tagen oder?

    A.F.: Ich war sehr schüchtern.

    L.B.: Wirklich?

    A.F.: Ja, ich bin es noch heute. Es ist wahrscheinlich deswegen, weil ich mich nicht so gut fühle, ein solches Interview zu geben. Das steht nicht oben auf meiner Wunschliste (lacht).

    L.B.: Und trotzdem tust Du es?

    A.F.: Ja, und doch tue ich es. Wahrscheinlich, weil ich nicht komisch erscheinen möchte. Wenn ich etwas Neues mache, möchte ich auch darüber sprechen. Aber wenn man zu nahe an mein Privatleben heran kommt, beginne ich mich unwohl zu fühlen.

    L.B.: Aber was war der Grund, diese Isolation zu durchbrechen oder wieder an die Öffentlichkeit zu treten?

    A.F.: Ich war ein bisschen nervös. Weil es so viele Jahre so war, wusste ich nicht, ob meine Stimme noch da war und es war am Anfang schwierig mit meiner Stimme, aber sehr einfach, eine Angst vor dem Mikrofon aufzubauen, weil du ihm so nahe bist, wenn du singst, dass jedes Geräusch und jeder Atemzug gehört werden kann. Es ist sehr viel Technik mit dabei.

    L.B.: Hast Du sehr hohe Ansprüche an Dich selber?

    A.F.: Ja, habe ich.

    L.B.: Wurde darüber gesprochen, dass Du Dich mehr der Öffentlichkeit zeigen sollst?

    A.F.: Ich machte ganz deutlich klar, dass ich dies und das tun kann, aber dass ich nicht reisen möchte und keine Fernsehauftritte wie in der Vergangenheit machen möchte. Das laugt mich einfach aus und ist zu schwierig für mich. Ich denke, jeder hat das verstanden.

    L.B.: Deshalb hast Du auch keine öffentlichen Interviews und Pressekonferenzen gegeben?

    A.F.: Ja, weil es einfach zu viel wird und ich möchte das nicht mehr tun.

    L.B.: Was ist das, was Dich so auslaugt?

    A.F.: Nun, ich weiß es nicht. Es ist alles sehr nervenaufreibend und sehr aufregend. Natürlich möchte ich immer ein gutes Image von mir geben. Aber oft geht nicht alles so wie man es möchte. Und Medien sind auch eine Belastung des Images. Oft passiert es, dass ein falsches Bild wieder gegeben wird. Dann muss ich versuchen, es richtig zu stellen und zeigen wie ich wirklich bin. Das ist sehr viel Stress.

    L.B.: Denkst Du, dass die Medien ein schlechtes Bild von Dir geben?

    A.F.: Ja, ich denke schon. Mal mehr und mal weniger. Es wurde viel Falsches berichtet.

    L.B.: Hast Du ein Beispiel?

    A.F.: Nun, was kann ich sagen...

    Ich habe so vieles erlebt.

    L.B.: Was war das Schlimmste?

    A.F.: Ich weiß nicht, was das Schlimmste war. Aber eine Sache war, als wir auf dem Rückweg von England nach Hause waren, reiste ich mit dem Bus, weil ich Angst vorm Fliegen hatte. Auf dieser Reise hatten wir einen Unfall. Der Bus überschlug sich und ich wurde aus dem Fenster geschleudert. Es war eine große Story in der Presse. In dieser Zeit machte ich einen Film mit Gunnar Hellström „Raskenstam“. Sie schrieben, dass ich schwanger sei. Dann interviewten sie viele Ärzte und schrieben „Kann ein Fötus verletzt werden, wenn man in einen Unfall verwickelt ist?“ Aber es war nur in dem Film, in dem ich eine schwangere Frau spielte. Aber das wurde in die Realität übernommen und die Leute glaubten, dass ich wirklich schwanger war. Und das sind diese falschen Storys, die die Leute glauben, wenn sie immer wieder ein Image präsentiert bekommen. Es wurde auch über mich geschrieben, dass ich mich einschließe und auf der Insel isoliere. Aber das habe ich nicht. Sie haben das erschaffen. Das ist nicht so.

    L.B.: Wenn Du Dich so unverstanden fühlst, wie würdest Du Dich dann beschreiben?

    A.F. (lacht): Das ist sehr schwierig für mich zu sagen. Aber ich denke, ich bin immer noch die Person, die ich schon immer war. Sehr bodenständig. Natürlich habe ich auch meine Launen, aber ich bin eine freundliche Person, normal. Neugierig auf das Leben und ich mag keinen Stress. Ich versuche, es sehr ruhig um mich herum zu haben. Es ist nicht so einfach heutzutage. Ich bin schnell gestresst und ich bin eine ängstliche Person.

    L.B.: Worüber machst Du Dir Sorgen?

    A.F.: Über alles... (lacht) Nein, nicht über alles, aber ich werde schnell ängstlich in bestimmten Situationen. Ich habe Angst, dass etwas jemandem geschieht oder so etwas. Ich nehme schnell Dinge persönlich. Ich bin eine Tierliebhaberin. Es fällt mir schwer, Bilder von Tieren und Kindern zu sehen, die misshandelt werden. Damit kann ich gefühlsmäßig nicht umgehen.

    L.B.: Nun, Vilma hat verstanden, dass Du eine wirkliche Tierliebhaberin bist.

    A.F.: Ja, sie ist sanft und liegt hier auf dem Boden.

    L.B.: Ja, sie mag Dich. Aber das Gerede über die Garbo, das magst Du nicht, was ich verstehen kann.

    A.F.: Nein, das ist etwas, was ich nie gesagt habe. Aber das haben die Medien erfunden, nun, warum sie das haben, weiß ich nicht. Es ist wahrscheinlich deswegen, weil ich mich nicht so offen zeige. Gewöhnlich sage ich, ich bin lieber ein Original als eine schlechte Kopie.

    L.B.: Ich frage mich, warum Du diesem Interview zugestimmt hast. Denn wie ich jetzt verstanden habe, ist es nicht ganz einfach für Dich.

    A.F.: Nein.

    L.B.: Erzähle mir, was passiert ist.

    A.F.: Ich versuchte, sehr konsequent zu sein und ich bekam viele Rückfragen, nicht nur aus Schweden, auch aus dem Ausland. Ich denke, es ist viel schwieriger ein Interview in Englisch zu geben, wenn man die Sprache nicht richtig beherrscht. Aber das ist mein Fehler.

    L.B.: Denkst Du, dass Englisch ein Problem ist?

    A.F.: Ja, das ist es. Ich mag es nicht mehr sprechen. Und was passiert, wenn ich ein Interview gebe ist, dass 9 10 Andere mich auch haben möchten.

    L.B.: Wie verläuft ein Tag in Deinem Leben?

    A.F.: Nun, diese Tage sind sehr ruhig. Mir macht es Spaß, an der frischen Luft zu sein. Ich gehe viel Spazieren. Ich verbringe viel Zeit mit meinen Kindern und ich habe auch ein Enkelkind und das ist eine unglaubliche Erfahrung. Sie wird bald vier Jahre alt. Das ist eine unglaubliche Freude, wirklich. Dann lese ich ein bisschen und sehe Fern.

    L.B.: Was liest du?

    A.F.: Ich lese nicht so viele Bücher wie ich sollte. Aber ich lese Zeitungen und ich mag gerne informative Fernsehprogramme sehen und Dinge, wo ich etwas lernen kann.

    L.B.: Schaust Du Dir auch Kinofilme an und welche Musik hörst Du?

    A.F.: Ich sehe nicht so viel fern, aber manchmal gehe ich ins Kino. Hier ist ein Kleines (lacht). Es kommt sehr selten vor, dass ich ins Kino gehe. Es ist schon eine Weile her, als ich das letzte Mal dort war.

    L.B.: Hast Du einen Film gesehen, an den Du Dich erinnern kannst und den Du mochtest?

    A.F.: Nein, aber es gibt viele, die ich gerne sehen würde. Ich bin etwas hinterher.

    L.B.: Welchen zum Beispiel?

    A.F.: Zum Beispiel "Moulin Rouge" mit Nicole Kidman. Ich würde den gerne sehen, aber habe ich noch nicht.

    L.B.: Gehst Du öfter nach Stockholm? Kannst Du Dich da frei bewegen und zwischen den anderen Leuten herum laufen?

    A.F.: Oh ja, das tue ich, absolut. Aber natürlich werde ich manchmal beobachtet.

    L.B.: Was passiert, wenn Du in der Öffentlichkeit auftauchst?

    A.F.: Eigentlich nicht viel. Ich merke, dass Leute reagieren und mich erkennen. Aber oft ist es sehr nett. Manchmal kommt mir jemand nahe, wenn ich in einem Restaurant bin und fragt nach einem Autogramm. Aber das sind keine Probleme. Das ist keine Aufregung.

    L.B.: Denkst Du, es ist unangenehm in der Öffentlichkeit in einer großen Stadt zu sein?

    A.F.: Nein, nicht so sehr. Es macht sehr viel Spaß, einkaufen zu gehen und Leute zu treffen und das tue ich auch.

    Früher sagte ich immer, es ist schön, wenn es ruhig ist und ich dachte, zu viele Geräusche sind in der Stadt.

    L.B.: Bist Du geräuschempfindlich?

    A.F.: Ja, ich bin sehr empfindlich, ganz besonders, wenn viele Geräusche gleichzeitig um mich sind. Dann bin ich unglaublich gestresst.

    L.B.: Woher kommt das? War das schon immer so?

    A.F.: Nein, es ist etwas, dass immer öfter passiert. Ich kann sehr laut Musik hören, aber mit verschiedenen Geräuschen kann ich nicht umgehen. Da bin ich sehr sensibel.

    L.B.: Was bedeuten Dir Tiere?

    A.F.: Tiere? Tiere bedeuten viel. Sie schenken einem Harmonie und es ist schön, sie um sich zu haben.

    L.B.: Hast Du eine besondere Beziehung zu Tieren? Kannst Du mit ihnen sprechen?

    A.F.: Ja, auf eine Weise denke ich, ich kann. Es besteht eine Art Verstehen zwischen uns, weil in meiner Umgebung sehr viele Pferde sind.

    L.B.: Kannst Du hören, was sie sagen?

    A.F. (lacht): Nun, das wäre vielleicht zu viel. Wahrscheinlich sollte ich sagen,, dass ich mit Pferden sprechen kann, weil ...

    L.B.: Aber meistens?

    A.F.: Meistens ja. Und ich bin in einer guten Lage. Es kann sehr schön sein, zu den Pferden zu gehen und ein bisschen mit ihnen zu sprechen.

    L.B.: Ist es schwierig für Dich, neue Kontakte zu Freunden zu knüpfen?

    A.F.: Schwierig? Das ist eine harte Frage. Es kann sein. Man weiß nie richtig, was Menschen über Dich denken und vielleicht haben sie ein falsches Bild von dir. Ich habe kein großes Bedürfnis, eine große Gruppe von Freunden zu haben. Wahrscheinlich bin ich eher eine Einzelgängerin.

    Ich vergleiche mich oft selbst mit dem Bullen Ferdinand, der unter dem Baum sitzt. So ist es wahrscheinlich ein bisschen das Selbe.

    L.B.: Bist Du jetzt vorsichtig mit fremden Leuten? Wir haben in der Presse darüber gelesen.

    A.F.: Nun, das ist auch ein unerfreulicher Aspekt des Berühmtseins. Und ich teile dieses Problem mit sehr vielen Menschen aus den unterschiedlichsten Kategorien. So bekam ich viele Briefe von Leuten, die mir Tipps gaben.

    L.B.: Von überall auf der Welt?

    A.F.: Ja, man muss sie aussortieren. Man darf das nicht persönlich nehmen. Nicht alle Briefe, die ich bekomme, sind nett.

    Aber es ist wichtig, das nicht persönlich zu nehmen.

    Aber dass du verstehst, dass das eine Person ist, die sich nicht gut fühlt.



    L.B.: Der Mann, der Dich belästigt hat, verfolgt er Dich noch?

    A.F.: Ich weiß nicht, ob ich viel darüber sprechen kann. Ich glaube nicht, dass ich das möchte. Ich kann das aus Sicherheitsgründen nicht tun. Deshalb möchte ich aufhören.

    L.B.: Ist das etwas, was Dich ärgert?

    A.F.: Ja, das tut es. Man fängt an zu hadern in verschiedenen Situationen. So kann man viel durchmachen und dass fühlt sich oft sehr unfair an. Es ist sehr viel, was mit dem Erfolg kommt.

    L.B.: Waren Deine Kinder davon betroffen?

    A.F.: Nein, ich denke, die Dinge sind gut gelaufen. Aber natürlich war es für sie oft nicht so einfach als sie kleiner waren. Denn wir wurden eine Scheidungsfamilie. Sie waren sehr jung. Sie waren erst 5 und 1 Jahr alt. Aber das ist schon lange her.

    L.B.: Aber wenn Du zurückblickst, würdest Du Dinge anders machen? All diese Dramen um Dich herum und die Hysterie über Agnetha Fältskog überall.

    A.F.: Nun, das ist nichts, was ich selbst herbeigeführt oder kalkuliert habe, dass ich geheimnisvoll wirken wollte. Das ist ein Image, das geschaffen wurde, ist vielleicht nicht wünschenswert. Aber das ist nicht meine Sache, hier zu sitzen und zu sprechen. Aber je älter man wird, desto mehr gibt man von sich selber.

    L.B.: Wie meinst Du das?

    A.F.: Nun, Du kannst über Dinge sprechen, über die du früher nicht sprechen konntest, weil du fühlst, dass du deine Lebenserfahrungen teilen möchtest. Das kann Dir vielleicht zeigen, dass ich wirklich nicht so geheimnisvoll oder fremd bin, aber ich bin eine ganz normale Person.

    L.B.: Können wir das so deuten, dass Agnetha mehr in die Öffentlichkeit zurückkommt?

    A.F.: Nein, das passiert nicht (lacht).

    L.B.: Wie erklärst Du Dir heute das Phänomen von ABBA?

    A.F.: Es bedeutet unglaublich viel für uns alle und selbstverständlich bin ich sehr dankbar, dass ich ein Teil davon sein durfte und dass alles so gut gegangen ist. Es war unglaublich viel Arbeit in den 10 bis 12 Jahren und es ging alles so schnell. Hätte ich es etwas langsamer machen können, hätte ich 5 Jahre weiter machen können. So hätte ich es gemacht.

    L.B.: Die Dinge etwas langsamer machen es länger ausdehnen?

    A.F.: Ja, genau.

    L.B.: War es so, dass alles zu viel wurde?

    A.F.: Ja, es war sehr intensiv.

    L.B.: Was war am schwierigsten?

    A.F.: Das waren die Reisen.

    L.B.: Weil Du solche Angst vor dem Fliegen hattest?

    A.F.: Ja.

    L.B.: Noch?

    A.F.: Ja, ich habe noch Angst vor dem Fliegen. Das ist auch etwas, das man in der Presse lesen konnte. Und das ist diese Angst, über die ich früher sprach, dass eine Katastrophe passiert oder etwas Ähnliches. Das fühle ich. Es ist nicht, dass ich nicht die Fähigkeit habe zu verstehen, wie sicher das Fliegen ist. Aber es ist die Unsicherheit in mir selbst, wenn ich dort sitze, dass da nichts ist, was ich tun kann. Und vielleicht ist das so, weil ich eine Person bin, die alles kontrollieren möchte.

    L.B.: Bist Du das? Möchtest Du die Kontrolle über Dinge haben?

    A.F.: Ja und es ist schwierig, das loszulassen. Aber ich denke, dass ich in vielen Dingen versuche zu lernen, Unterschiede zu machen. Vielleicht werde ich eines Tages wieder Fliegen, das weiß man nie.

    L.B.: Wann bist Du das letzte mal geflogen?

    A.F.: Ungefähr vor 15 Jahren, denke ich.

    L.B.: Bist Du sicher?

    A.F.: Ja. Vielleicht 10.

    L.B.: Also bist Du nie ins Ausland gereist?

    A.F.: Nein, aber man kann auch mit dem Auto reisen.

    L.B.: Aber was war das Schönste mit ABBA? Was ist deine schönste Erinnerung?

    A.F.: Es war auch viel Freude. Wir teilten alle die Aufregung, bevor wir auf die Bühne gingen und wir waren alle sehr nervös. Es fühlte sich gut an, dass wir alle vier das miteinander teilten und alles gemeinsam trugen. Und wenn einer sich krank fühlte, hat der Andere ihn gepuscht und tat mehr auf der Bühne. Frida und ich hatten verschiedene Tonlagen und obwohl wir auf der Bühne zur gleichen Zeit Konkurrentinnen waren, halfen wir uns beim Singen.

    L.B.: Es wurde manchmal über Feindschaft zwischen Dir und Frida gesprochen. War das so?

    A.F.: Nein, das ist wieder ein Ding der Medien. Die meiste Zeit waren wir in vielem übereinstimmend. Aber, bei zwei verschiedenen Persönlichkeiten passiert es natürlich, dass wir irritiert über die Qualitäten des Anderen waren und wir waren verschieden. Wir hatten auch unterschiedliche Leben, weil wir uns zu unterschiedlichen Zeiten von unseren Partnern trennten. Björn und ich trennten uns während der Jahre mit ABBA und wir machten danach weiter. Dann hatten wir unsere kleinen Kinder, die erst 5 und 1 Jahr alt waren und die ganze Zeit sehnte ich mich zu ihnen nach Hause. Und es war sehr schwer, und wir taten das, was wir taten. Aber wir waren nicht die ganze Zeit weg. Wir waren lange Perioden Zuhause, um die Zeit mit den Kindern zu verbringen, was eine Kontrastsituation von den Luxushotelzimmern und Tourneen zurück zum Abwasch und den Kindern darstellte.

    L.B.: Gibt es einen besonderen Moment, Agnetha, der besonders schön war?

    A.F.: ja, das war wohl da, als wir mit Waterloo gewannen. Das war wirklich unglaublich.

    L.B.: Vermisst Du das alles heute nicht?

    A.F.: Nein, das tu ich nicht.

    L.B.: Das war eine klare Antwort.

    A.F. (lacht): Nein, das tu ich nicht. Aber es ist schön, auf alles zurück zu blicken. Manchmal kann ich es wirklich nicht fassen.

    Es fühlt sich wie ein anderes Leben an, wie ein anderer Teil meines Lebens und so ist es wirklich.

    L.B.: Was war der Grund, warum ABBA sich getrennt haben?

    A.F.: Es war, weil wir dachten, dass es nicht mehr so viel Spaß macht. Ich weiß, dass wir damals gerade eine LP aufnahmen. Es fühlte sich nicht mehr so an wie in der Vergangenheit. Wir waren geschieden, beide Paare, und es war nicht mehr das Selbe. Aber wir machten trotzdem nach unseren Scheidungen weiter.

    L.B.: Aber es war nicht so gut nach den Scheidungen, meinst Du das?

    A.F.: Nein, das war es nicht.

    L.B.: Was ist der beste Song, den ABBA aufgenommen haben?

    A.F.: Der beste Song? Ich denke „The winner takes it all“.

    L.B.: Warum?

    A.F. (lacht). Er ist so komplett. Er hat einen guten Fluss, vom Anfang bis zum Ende und dann denke ich, der Song ist sehr gut. Ich denke, der Text ist ausgezeichnet.

    L.B: Er hat eine ziemlich traurige Botschaft.

    A.F.: Ja, das hat er. Aber ich mag so etwas singen.

    L.B.: Ja?

    A.F.: Ja, ich mag solche Texte interpretieren.

    L.B. Hab ich das richtig verstanden, dass Du denkst, dass ABBA im Studio besser waren als auf der Bühne?

    A.F.: Ja, das ist richtig. Aber das ist wieder meine Selbstkritik. Ich mag uns nicht auf der Bühne sehen. Es macht mir mehr Spaß, uns zu hören als uns zu sehen.

    L.B.: Bist Du heute noch in Kontakt mit den Anderen?

    A.F.: Ja, bin ich.

    L.B.: Björn?

    A.F.: Natürlich. Er ist der Papa meiner Kinder.

    L.B.: Wie oft seht Ihr Euch?

    A.F.: Meinst Du wir als Gruppe?

    L.B.: Nein, Björn.

    A.F.: Nun, ich weiß nicht. Ich führe kein Buch darüber (lacht). Aber es passiert öfter, seit wir ein Enkelkind haben.

    L.B.: Verdienst Du noch Geld mit ABBA?

    A.F.: Ja.

    L.B.: Viel?

    A.F.: Ja, genug für mich zum Leben.

    (Lacht) und ich verdiene auch Geld.

    L.B.: Auch wenn Björn und Benny das Geld als Songschreiber verdienen, gibt es ein regelmäßiges Einkommen für den Rest von ABBA?

    A.F.: Ja. Und wir haben auch unsere Sachen gemacht. Frida hat auch Singles, was sage ich, Soloalbums, wie ich aufgenommen und so verdienen wir auch unser Geld.

    L.B.: Was bedeutet Geld für Dich?

    A.F.: Das ist ein sehr sensibler Bereich. Also sage ich, was ich immer sage: Ich möchte nicht über Geld, Politik und ich möchte nicht über Religion sprechen. Das sage ich auch jetzt (lacht).

    L.B.: Warum ist es so ein sensibler Bereich?

    A.F.: Du musst eine so gute Antwort geben, dass die Leute Dir auch glauben, was Du sagst.

    Weil es eine Sache ist, in einer Position zu sein, in der Du Geld hast und jemand anders ist in einer Position, der kein Geld hat. Also muss man sich in eine Position begeben, in der das Geld einen guten Ausgleich schafft. Wenn man das nicht tut, geht es nicht. Was versuche ich da zu sagen?

    L.B.: Du fängst an, dem Ganzen näher zu kommen.

    A.F. (lacht): Aber ich bin glücklich, dass alles so gut verlaufen ist. Wenn ich sagen würde, dass Geld mir nichts bedeutet, dann würde man mir nicht glauben und denken, dass ich lüge, weil das natürlich doch so ist. Ich lebe ein Leben, in dem ich mir alles kaufen kann, was ich möchte, im Gegensatz zu einer armen Person. Aber Du kannst arm und reich in so vielen verschiedenen Dingen sein. Es hat nicht immer nur mit Geld zu tun. Aber Du kannst reich sein, weil Du ein reiches Leben mit so vielen Erfahrungen hast. Und ich bin wohl so eine Person. Ich bin heute die selbe Person wie damals, als ich jung war. Ich lebte sehr sparsam mit meiner Mutter und meinem Vater. Als ich aufwuchs, hatte ich kein eigenes Zimmer. Also weiß ich, wie es sich anfühlt nicht arm zu sein, aber auch nicht zu haben, was man vielleicht gerne hätte.

    L.B.: Was wird mit Agnetha Fältskog in der Zukunft passieren?

    A.F.: Nun, wer weiß das? Ich weiß es nicht. Manchmal fühle ich, dass das wahrscheinlich das letzte Album war, das ich gemacht habe. Doch dann weiß ich, wie ich sein kann und neue Ideen bekommen kann und ich weiß, dass da viele sind, die es gut fänden, wenn ich wieder meine eigenen Songs schreiben würde.

    L.B.: Ja, das denke ich auch. Wirst Du es tun?

    A.F. (lacht): Nein, ich kann nichts versprechen. Ich mache keine Versprechen mehr.

    L.B.: Das Buch „Wie ich bin“ kam 1996 heraus. Die Autorin hat nun angekündigt, dass sie das Material, was nicht für das Buch verwendet wurde, veröffentlichen wird. Was denkst Du darüber?

    A.F.: Es wäre schrecklich, wenn sie das tun würde. Aber ich weiß nicht, was im Moment passiert. Aber es ist eine schreckliche Sache, wenn sie das veröffentlichen würde. Wenn man zusammen an einem Buch arbeitet, erzählt man Dinge im Vertrauen. Wir haben sehr intensiv an diesem Buch gearbeitet und über viele verschiedene bedeutungsvolle Dinge gesprochen. Und ich erzählte viel, das nicht zum Buch gehörte und jetzt wahrscheinlich veröffentlicht wird.

    L.B.: Bist Du mit ihr in Kontakt, um darüber zu sprechen?

    A.F.: Nein und das möchte ich auch nicht. Meine Anwälte werden das tun, leider. Ja, so kann es gehen.

    L.B.: Bist Du heute eine glückliche Person?

    A.F.: Das sind keine leichten Fragen (lächelt).

    L.B.: Sie sollten alle nicht einfach sein.

    A.F.: Ja, ich bin mit vielen Dingen glücklich. So kann ich es für mich beschreiben. Reicht das?

    L.B.: Nun wirst Du etwas für uns lesen. Es ist etwas über das neue Jahr. Warum hast Du das gewählt?

    A.F.: Nun, ich fand ein kleines Buch und ich wollte nichts singen.

    L.B.: Leider.

    A.F.: Dafür lese ich etwas. Ich fand ein Gedicht von Dan Andersson. Es heißt „Das neue Jahr“ und so geht es:



    Sie liest das Gedicht.



    L.B.: Wie wirst Du Weihnachten feiern?

    A.F.: Ich werde ausspannen und die Zeit mit meinen Liebsten und Nahesten verbringen. Wahrscheinlich esse ich Weihnachtsschinken und Lachs.

    L.B.: Frohe Weihnachten, Agnetha, und danke, dass Du diesem Interview zugestimmt hast.

    A.F.: Das gleiche für Dich und danke, dass Du gekommen bist.


    Nach dem Interview sagte Lasse Bengtsson, dass er ganz vergessen hatte, sie zu fragen, ob ein Mann in ihrem Leben eine Rolle spielen würde. Er tat dies nach dem Interview und Agnetha sagte:

    Ich lebe mein Leben als Single. Aber ich habe viele Freunde und darunter sind auch viele Männer.

  9. #18
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    Auf die Frage "Gibt´s die denn noch?" kann man nur eine einzige Antwort geben: Ja, es gibt sie noch, und es hat sie immer gegeben! Alphaville - der Name steht für eine der erfolgreichsten Deutschen Synthie-Bands aller Zeiten. Wer kennt nicht ihre Hits wie "Big in Japan" oder "Forever Young"? Es dürfte draußen im Lande kaum jemanden geben, an dem diese Meilensteine der Musikgeschichte vorbei gegangen sind.
    Der große Durchbruch gelang 1984. Alphaville aus Münster, damals in der Besetzung Marian Gold, Bernhard Lloyd und Frank Mertens, stieg mit ihrer ersten Single "Big in Japan" kometenhaft auf. Das Album "Forever Young" wurde ein Mega-Erfolg und verkaufte sich nicht nur hierzulande sehr gut.
    Marian Gold ist das letzte verbliebene Gründungsmitglied. Er und seine Bandkollegen haben inzwischen eine eingeschworene, weltweite Fangemeinde. Ihre Musik ist eine Mischung aus Pop, Rock, Jazz und Klassik, perfekt ergänzt mit von Marian Golds Stimme unverwechselbar interpretierten Lyrics. Diese Mischung bescherte der Band über all die Jahre viele Erfolge und Auszeichnungen. Zahlreiche Singles und Alben wurden veröffentlicht, und die Band spielt heute noch immer Live-Shows - vor etwas über einem Jahr erst noch eine Jubiläums-Tour durch Deutschland und das Europäische Ausland. Sie sehen also: Es gibt auf die Frage "Gibt´s die denn noch?" wirklich nur eine einzige Antwort...
    Alphaville feierte 2004 sein 20-jähriges Jubiläum. Vor einem baldigen Ende der Geschichte müssen die Fans keine Angst haben: Marian Gold ist noch lange nicht am Ende seines Weges. Über seine lange Karriere und über die Zukunft von Alphaville haben wir mit Marian am 16. Januar 2006 gesprochen.

    Seit der Einführung unseres redaktionellen Teils auf Music-Pleasuredome waren schon einige Stars, die in den 80´ern groß geworden sind, bei uns zu Gast. Mit Marian Gold begrüßen wir nun jemanden, der mit seiner unverwechselbaren Stimme und zusammen mit seiner Band Alphaville die 80´er Jahre mit geprägt hat. Mehr noch: Der auch international Erfolge hatte und dem Publikum im Ausland eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat, dass aus Deutschland nicht nur gute Autos und Bier kommen.
    In diesem Jahr wird die Gruppe Alphaville 22 Jahre alt. So lange ist es schon her, dass wir fasziniert vor dem Radio gesessen und zu den Klängen von "Big in Japan" mitgesummt haben. 22 Jahre, in denen er mit ALPHAVILLE (aber auch solo) musikalisch aktiv und erfolgreich war.
    Eine lange Zeit, die viele Fragen aufwirft. Fragen zur Vergangenheit und auch zur Zukunft von Marian und Alphaville. Am 16. Januar sprachen wir mit ihm, um ein paar Antworten auf die vielen Fragen zu bekommen:


    Hallo Marian. Schön, dass du die Zeit für ein Gespräch gefunden hast. Wie geht es dir?

    Danke der Nachfrage. Es geht mir hervorragend.

    In den 80´ern, als Alphaville groß rausgekommen ist, hattet ihr euren Wohnsitz alle in Münster. Hast du noch Verbindungen in deine alte Heimat? Wo wohnst du jetzt?

    Ich pendele zwischen Berlin und London. Ein Großteil meiner Bandkollegen wohnt in England und da wir mitten in den Vobereitungen für das neue Alphaville-Album im kommenden Herbst stecken, bin ich sehr oft auf der Insel. Mit Münster verbinden mich jede Menge schöner Erinnerungen, weil das sozusagen die Wiege von Alphaville ist. Ich bin allerdings kein gebürtiger Münsteraner, sondern stamme aus Herford in Ostwestfalen.

    Weg aus dem Münsterland. Wie kam es zu diesem Ortswechsel? Hat dein Umzug etwas mit deiner Musik und deiner Karriere zu tun gehabt?

    Das lag daran, dass wir vorher in Berlin gelebt haben und dort jede Menge Kontakte zu Künstlern, Verlegern und Plattenfirmen hatten. Als es mit Alphaville losging, lag es auf der Hand, dorthin zurückzukehren.

    Was hast du vor deiner Zeit bei Alphaville beruflich gemacht? Bist du da auch schon in Sachen Musik unterwegs gewesen?

    Nach der Schule hab ich meine Zukunft mehr in der Malerei gesehen, aber ab 1977, mit Beginn der Punk-Ära, verlagerte sich mein Interesse sehr rasch auf die Musik. Über Wasser gehalten habe ich mich mit allen möglichen Jobs: Maloche auf Baustellen, für einen Zirkus, mit Möbelrestaurationen, Jahrmarktsjobs, auf Bauernhöfen etc., bis dann 1984 unsere erste Single rauskam.

    Du bist mit Alphaville nach wie vor Live unterwegs. Wer zählt jetzt eigentlich aktuell – neben dir – zur Alphaville Besetzung und ist das eine feste Besetzung oder wechselt sie?

    Martin Lister spielt die Synthesizer, David Goodes die Gitarren und Pierson Grange das Schlagzeug.

    Was ist aus deinen ehemaligen Bandkollegen geworden? Was machen die eigentlich jetzt? Hast du zu denen noch Kontakt?

    Ich hab noch sehr engen Kontakt zu Bernhard Lloyd, der als Musikproduzent und als Mitglied der Band Atlantic Popes in der Nähe von Berlin wohnt. Rick Echolette lebt mit seiner Familie in Südfrankreich. Frank Mertens hab ich aus den Augen verloren.

    Bis 1992 oder 1993 habt ihr kaum Konzerte gegeben. In den 80´ern – meines Wissens – gar nicht. Wieso eigentlich?

    In den 80´ern waren wir einfach zu schlechte Instrumentalisten, als dass wir unser Können einem Publikum hätten zumuten können - so dachten wir jedenfalls. Alphaville war ursprünglich ein reines Studioprojekt. In der Abgeschiedenheit eines Studios konnten wir unsere Tracks in Ruhe zusammenbasteln. Unsere Vorbilder waren Bands wie Kraftwerk, OMD oder Human League, die ähnlich wie wir angefangen hatten, mit Maschinen Musik zu produzieren. Wozu eine Menge Phantasie gehört aber eben keine herausragenden Fähigkeiten an "natürlichen" Instrumenten. Der Begriff "Dilettant" war für uns eine Ehrenbezeichnung. Es gab damals in Berlin so eine Stilrichtung, die nannte sich "Geniale Dilettanten", denen fühlten wir uns par definitionem noch am ehesten verbunden, Bands wie "Der Plan" oder Künstler wie Max Goldt. Wir hielten das für eine geile Idee. Elektronische Popmusik mit ambitionierten Inhalten, Texten zu besetzen. Und dann waren Synthesizerbands für mich auch noch eine logische Fortführung dieser ganzen Punkphilosophie, zumindest Anfang der Achtziger. Und New Wave war die Weiterentwicklung von Ideen, die ich von Bowie, Cockney Rebel oder Roxy Music her kannte. Mit der Veröffentlichung unseres zweiten Albums "Afternoons In Utopia" planten wir eine monstermäßige Bühnenumsetzung, eigentlich ist das Album sowas wie eine Pop-Oper. Aber das Projekt scheiterte an technischen und finanziellen Bedingungen. Und so dauerte es dann, abgesehen von vereinzelten Gigs im Tempodrom oder in der Waldbühne (in Berlin), noch einmal sieben Jahre bis zu unserer ersten echten Tournee.

    Wird es in naher Zukunft auch wieder ein neues Studio-Album von Alphaville geben? Wie wird das neue Album klingen? Wird es Veränderungen geben?

    Wie gesagt, wir arbeiten dran. Ich bin ganz zufrieden mit dem Songwriting. Ein paar der neuen Stücke spielen wir bereits in unserem Live-Programm. Dadurch bekommt man immer wieder gute, zusätzliche Ideen für die letztendliche Umsetzung in der Produktion. Ich hoffe, dass wir die Alphaville Tradition fortführen können, uns nicht zu wiederholen. Für mich ist jedes neue Album ein Experiment, in dem es darum geht, für mich neues zu entdecken und das mit der Musik rüberzubringen. Oder, wie mal jemand über ein neues Album von uns geschrieben hat: "Nichts hat sich geändert. Alles ist anders".

    Ihr habt 2001 das Album „Forever Pop“ veröffentlicht, das 13 Remix Versionen eurer Hits beinhaltet. Wie stehst du generell zu Coverversionen, an denen die einstigen Interpreten nicht mehr beteiligt sind, und die seit einigen Jahren in rauen Mengen veröffentlicht werden?

    Da gibt es zum Teil grauenhafte Sachen, und das ist industrielle Massenware. Das hat teilweise nichts mehr mit Musik zu tun. Es gibt aber auch sehr schöne, einfühlsame Neuinterpretationen, wie z. B. "Halo" auf dem Depeche Mode Remix-Album oder eben "Summer In Berlin" und "Summer Rain" auf der "Forever Pop".

    Die Musik hat sich seit den 80´ern weiterentwickelt. Was hat sich für euch seit eurem Durchbruch verändert? Habt ihr inzwischen eine andere Arbeitsweise?

    Einerseits hat sich alles verändert. Alphaville gehört zu der ersten Generation von Pop-Bands, die maßgeblich im Kontext mit der technischen Weiterentwicklung von Musikinstrumenten und Aufnahmetechniken stehen. Vergleiche die Technik von damals mit der von heute, und Du hast ein ungefähres Bild vom Umfang dieser Veränderungen. Andererseits ist die Technik aber nur ein Teil des Ganzen. Wenn sich etwas nicht verändern darf im Kopf eines Künstlers, dann ist das seine Hingabe, seine obsessive Beziehung zur Musik, zu seiner Phantasie und daraus resultierend, sein manchmal geradezu destruktives Verhältnis zu sich selbst. Mich öden Leute an, die sagen, wieviel toller, ehrlicher und wahrer die Musik früher mal gewesen sein soll und wie scheisse heutzutage angeblich alles ist. Die gucken zuviel Fernsehen und gehen auf keine Konzerte. Und wahrscheinlich kaufen sie sich auch keine neuen CDs mehr, sondern nur noch Best Of Compilationen.

    Welche Art von Musik hörst du privat denn gerne?

    Zur Zeit höre ich viel von "Roter Sand", die sind einfach toll. Dann noch Joel Veitch. Auch die Videos sind unglaublich. Und das neue Album von Brian Eno. Dann noch "Porcupine Tree", "Robbie Williams", "Coldplay", "Rammstein", "Klaus Schulze", "Fettes Brot", "Wolfsheim", "Xavier Naidoo"... Mehr fällt mir im Moment nicht ein, aber es gibt noch mehr. Ach ja, Randy Edelman und Groove Armada. Aber die sind nicht wirklich neu. Und von den alten Sachen natürlich "Pink Floyd".

    Konsumierst du Musik ausschließlich oder sammelst du sie auch?

    Ich sammle nicht, aber es sammelt sich so an.

    Viele eurer alten Platten und CDs sind heute sehr gesuchte und rare Sammlerstücke. Bevorzugt werden Maxi Versionen eurer älteren Hits gesucht. Wird es da irgendwann einmal eine Zusammenstellung dieser Mixe geben?

    Kann schon sein. Im Moment bin ich allerdings mehr mit der Zukunft beschäftigt.

    Ich danke dir für dieses Interview und wünsche dir alles Gute für die Zukunft

    Danke, das wünsche ich euch auch!

    Möchtest du selbst noch ein paar Worte an die Leser richten?

    Ich grüße alle Alphaville Fans da draussen. Keep the good things rolling!

    QUELLE: http://www.music-pleasuredome.de/

  10. #19
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    neues interview mit GARY NUMAN anlässlich der veröffentlichung seines neuen albums jagged:

    After nearly 30 years in the record industry, Gary Numan has seen every high and low possible. Once the 10-million-selling pin-up boy of the late seventies synthesiser revolution, by the end of the decade Numan found himself creatively and financially bankrupt.

    However, a decade's worth of dark, yet powerful gothic synth-rock excursions has seen him slowly claw his way back into the spotlight. A belated 6 years on from his acclaimed y2k comeback album, Pure, Numan returns with Jagged.

    Gary Numan: Sorry, I’m sucking a cough sweet so that’s why I sound a bit funny.

    Got a cold have you? Oh, a stinker for about a month.

    Everyone seems to have it at the moment. Yeah I know, fucking hell, it won’t go away!

    Actually I’ve got a good cure for that, have you ever heard of this stuff called Echinacea? No.

    Go down the health food shop, it’s a herbal remedy – it's a really good boost for your immune system. Oh, all right I’ll give that a try, nothing else has worked.

    Ok, so let’s go right back to the early days, prior to the formation of Tubeway Army, when you were maybe 16 or 17 years old what sort of music were you listening to at the time? I was a massive T-Rex fan for most of my young life and then I got into David Bowie after that, but I didn’t get into him until after he finished the whole Ziggy Stardust thing so I kind of missed out on the best bit.

    At the time, was there any electronic music around that acted as an impetus for you? Not at those times, I don’t really remember who was around too much but I would imagine people like Yes or Rick Wakeman, the kind of thing that was all pompous and grandios 2000-note-per-second synth solos and I just didn’t see anything in it at all. So my only exposure to synthesisers, apart from a tiny little bit of Kraftwerk, which I didn’t fully grasp at the time - although I did like it, was all that prog-rock stuff really, which turned me completely away from it, I saw nothing in it whatsoever.

    They used synthesisers in the same way you would play a guitar. Yeah, completely. It wasn’t about sound and building up atmospheres, it was all about instead of having a guitar sound we’ll have Rick going [makes funny noise] and dressing like a wizard, which didn’t really work for me.

    You’ve often related the story of when you first discovered a synthesiser that was left over in a studio, have you ever wondered how your career would have turned if you hadn’t found that Minimoog? Yeah, many times [Laughs].

    What sort of direction do you think you would have taken? Would you have carried on with the punk stuff, because sooner or later you would have obviously fallen across synthesisers? It’s difficult to say really. The punk thing for me was only a means to an end anyway; I only did it to get a contract in the first place. The only punk band I ever really liked was the 5ex Pistols and they weren’t even a typical punk band really cos most punk bands were a thousand miles an hour and The 5ex Pistols were more medium tempo. Where I’d have gone is so hard to say, I honestly don’t know – I know it wouldn’t have been punk, and without the onslaught of keyboards that I got into then it would have been a guitar-based thing. There were lots of opportunities to do interesting things with guitars; I don’t think it had to be synthesisers so hopefully I’d have come up with something. People have played Are ‘Friends’ Electric? on guitar only, in fact I’ve heard a better version coming out soon actually by a man that’s just died – it’s on Cooking Vinyl.

    Is it good? It was good actually, it’s surprising that he could get away with it; I’d always though of it as a keyboard-only tune and didn’t think it would work any other way. So it might have been that I could have come up with a similar way of songwriting by sticking with the guitar, but I doubt it. I really do think that stumbling across that synthesiser was the thing that made it all possible for me and even without that my chances of success were gonna be minimal. They were fucking minimal with it, but even more minimal without it.

    I suppose somebody like The Human League would have come along and been the first to actually popularise synth music, and maybe you would have seen that and tried your hand? It could well be, it really could. My actual favourite synth band at that time would have been Ultravox, before Midge Ure – the John Foxx original band. I thought they were brilliant, they were like a blueprint for me to do what I was doing – I just wanted to sound like Ultravox.

    And of course after the massive success that you did have… in fact I actually went to one of your concerts – I think it was at Wembley Arena in 1981. I was only about 12 or 13 at the time. Can you actually remember that far back, the atmosphere of that gig? Oh, yeah, yeah, easy. Those particular shows were my supposed retirement shows; I genuinely felt at the time that was going to be the end of it, which didn’t last long, but the way I felt at the time about all the things that had happened in the previous two years – the getting famous and the way I reacted quite badly to that - for me it was a hugely emotional thing.

    First of all, my ultimate dream was to play at Wembley, so to be there and then to realise that I’m not gonna ever be there again was really emotional. When the gigs were finished I remember walking back out onto the stage on my own when everyone had gone home and stood at the front thinking “what the fuck have I done?” and not really sure it was the right thing to do. Just really young, really overwhelmed by everything that had happened, doing my best to get on top of it and just doing a really bad job of it. If I’d have just kept me mouth shout and done the gigs, taken a break to get used to fame without the spotlight on me and then come back at my own pace, it would have been a far more mature thing to do have done, but of course I wasn’t.


    You weren’t mature. I was just an overgrown kid really. I was still living at home when I did Wembley, with me mum [Laughs]. I can’t remember for sure, but yeah, unworldly to a ridiculous degree.

    Can you describe the actual feeling of going on the stage and seeing 10,000 fans in front of you – can it be put into words? The easiest way probably for people to understand it is if you can imagine what it must be like to be a small god. Not the big one [laughs]. Just a little one that’s kind of idolised in your own little part of the galaxy. I can’t imagine how else to describe it to people, you’re talking about a massive amount of people – the car park outside was full of coaches that have come from all over Europe and they’ve all come because of you, and that makes you feel very special. Pressure comes with it obviously, but as soon as you walk out on the stage, just by you being there the place erupts and it’s deafening, absolutely deafening – the noise can overpower the biggest PA systems. It’s just an amazing thing to have experienced, y’know I loved it, absolutely loved it. And I think it was that more than anything on the night that made me think, why did I not wanna do this anymore?

    The power? I guess it is a kind of a power, but I wouldn’t expect to say, “turn to your neighbour and stab them” and they’d all do it. It’s not a power in that you can actually manipulate people’s decisions, but it’s certainly a power that you can use to arouse a load of good emotions and enthusiasm in people that perhaps they wouldn’t get anywhere else.

    You also had a low point towards the late eighties when the albums weren’t particularly selling well and you had quite a few financial problems. I was wondering if you could explain how the pressure at the time manifested itself? Well you’ve got a career that’s going down the toilet fairly badly, and it’s obviously being done with everybody being aware of it – so you’re publicly failing on an international scale, which is pretty demoralising. Luckily I’ve never been one for a big ego and things like that so I suffered less with that than I think a lot of other people would have done, but nonetheless it’s battering and you mentally have to be unbelievably resilient to live through it without coming out of it unscathed.

    But when you say mentally resilent, was it the financial pressure or people making comments? Everytime you pick up a review or read anything about it it’s all pretty negative and taking the piss; calling you “has-been this, has-been that“, and the opportunities that start to come your way are only to do with playing old songs, they don’t wanna hear any new stuff any more and you’re generally just written off as being "over". I think the resilience part of it for me comes from the fact that am I eternally optimistic, I always have been. If I have car crash, as soon as I get out the wreckage and make sure I’m ok, I‘m thinking, “fucking great, insurance money – I’ll get a better car”. I am able to turn the worst situation either into a strong feeling of vengeance or revenge – which is a huge driving force to be honest – or just able to see the good that might come out of it.

    I’ve always been like that, I’m knocked back at the most for maybe a day, no matter how horrible something is – the exception to that was losing the baby, that was different – that took much longer to get over, but even so, I was still able to take from that the fact that it wasn't meant to happen and we’ll just try again and we will be lucky in the future. And I’ve thought about that about the career, when it was at its absolute lowest and we were selling no tickets to gigs really, the records were selling so badly that they weren’t even making enough money to pay for the recording of them and we were desperately in debt – throughout all of that, I was quietly confident in the back of my mind that if I could just hang on for long enough things would turn around. I never believed for a moment that we were going to be down forever.


    It’s interesting you say that because you’ve often said you have a lack of confidence in the studio sometimes but obviously there was enough confidence there to believe you will make it back? Funnily enough, it’s not confidence in what I’m doing it’s just confidence that things are gonna work out for some reason. I actually don’t have a lot of confidence in what I do; I still don’t to this day. I don’t make an album and put it out and expect people to like it, I’m generally happy and it cheers me up no end when a good review comes in or I get emails from fans saying that they’ve really liked – it picks me up like you wouldn’t believe. So I’m not sitting back full of confidence thinking “I am that good therefore it’s all going to happen for me again”, It was much more childish than that – I’m sitting there thinking, “I’ve absolutely no idea what I’ve got to offer but I’m sure its going to work out for the best cos life will be fuckin’ horrible if it doesn’t, and I don’t believe life is going to be fuckin’ horrible”. In the face of all realistic options, I’m still sitting there with the most childish one - thinking it’s all going to be fine, but it keeps my spirits up.

    Sure, but you’ve been very influential, not only to particular artists but your influence has been generic. If you speak to a lot of techno and hip-hop artists or the whole electronica scene, so many artists have said they’re influenced by Kraftwerk and Gary Numan, so why do you think you should be so self-depreciative of your early music? Yeah, I’m grateful for that I really am – it’s just that when I’m making it I don’t sit back in the studio when I’ve finished the song thinking “this is so great, everyone’s gonna love it”. I sit there thinking, I love it, but I don’t necessarily think that anyone else is going to. I kind of assume Gemma [his wife] will, and even that’s not guaranteed – but beyond that I’m an absolute blank – I have no expectations whatsoever, I have lots of hopes and lots of ambition but no expectations that people are going to like it. I want it to stay like that, I don’t wanna make stuff and think I’m God’s gift to music, I hate people that are like that. So I am happy being humble little me to be honest, because it suits me and it always means that I’m not disappointed too much. When people don’t like it, and there’s been plenty of that over the years, I don’t get crushed by it.

    You say that, but after you wrote massively popular albums such as The Pleasure Principle, then you were writing Telekon – you must have known at the time it was gonna be great? I thought We Are Glass and I Die:You Die were pretty good, but then again I didn’t put them on the album. I thought they were reasonably good singles and I had a good chance with those but what did I pick? [Despairing voice] …I just, I always pick the wrong singles I know that for sure – I’m probably going to do it again now.

    Is it your fault, or label inteference? No, it was me really. In those days when things were going much better nobody interfered with me at all because I was too big, too successful, so they would bend over backwards and do whatever I wanted. But you need someone to say “that’s rubbish Numan - that was a really bad decision and you’ll regret that”, but you get that more when things are starting to go bad and all of a sudden everyone knows what you should have been doing all along. So they weren’t always the right decisions, although I think Cars obviously was. Was This Wreckage a single? A rubbish decision that.

    I loved that particular album but I think something like Remind Me To Smile might have made a better choice? Absolutely, there you go. It would have done much better, ponderous old thing should never have been a single – you should have told me?

    Well, I was only 13 at the time Gary. [Laughs].

    I could have written you a letter but I doubt you’d have paid much attention. [Laughs] No, probably not.

    I heard in an interview you did recently that when you were recording Are’Friends’Electric? you sort of hit a bum note and it turned into the great song it was – but isn’t that how everybody writes music? Oh yeah, but if you change it through a conscious decision and it sounds better, that’s cool, but when you stumble across it because you don’t play very well and hit a bum note and you think that sounds better – that’s an accident. I was trying to explain how I never got big headed because I knew that my whole success was based on the fact that I hit a bum note, so I don’t take a lot of credit for that. So when people talk about me being this sort of influential person and all the rest of it, I think back to the fact of me sitting there at that piano hitting a bum note and I think, “yeah alright” [sarcastic].

    True, but it wasn’t just that song - you wrote a whole album of songs? Yeah, it was more than that. It’s a way to keep myself in check and never let the success I’ve had take over. And the fact that people say that I’m influential and do lots of covers… I mean it would be easy to get really big headed with that and start to think I’m something special and I don’t want to be like that, so I constantly remind myself, "don’t ever forget that your entire career is based on a shitty bum note that you didn’t play very well". I probably mention it too many times actually and I am going to try to stop doing that - it probably annoys the fans.

    Ok, so why did it take 6 years to record a follow up to Pure? Well, the first year or so was spent promoting Pure, so I didn’t really get down to anything at all – and I found the Pure album really difficult to make and I wanted a big old break before I started again. The idea of starting a new album almost felt like I’d much rather climb Mount Everest in a t-shirt - massively daunting. And then I got involved in the whole Artful [Records] thing, I mean I made a really good start on the album, I wrote 25-30 songs in a fairly short space of time – and then we had lots of problems with the label. Then Gemma got pregnant with Raven, and I didn’t want to miss any of that. It wasn’t up until early 2005 that I really did have a consistent period where nothing else was going on that was gonna stop me, the record company problems were all over and I was just able to get on with it. [Gary has a small coughing fit]. Fucking hell.

    Get some Manuka Honey Gary. What?

    Manuka Honey, you literally eat it out of the jar – it's anti-bacterial. How do you know all this stuff?

    I just picked it up off the Internet, but I tried it and it works. I could so do with that.

    Are you concerned that, what with the delay between Pure and Jagged, you might have lost some of the impetus that was built up by the success of Pure? Well yeah, I think I probably lost of all it. As far as I’m concerned I’m pretty much starting again to be honest – that’s how it feels. Whether that’s true or not I’ll wait and see, I might be totally surprised. I am surprised at how much media interest I’m getting; I really didn’t expect that much. The reviews generally have been pretty good, I think the Uncut one’s not so cool, and we’re having problems getting Q to review it at all, but everyyhing else has been really positive, four star reviews. The overseas stuff has been equally fantastic, I must have done about a dozen interviews in Germany, and I really did think I would be scratching to get one or two because of this loss of momentum. What I should have done with the last one was jump on it with both hands and ride off into the distance and really try to do something with it, but what do I do, just sit on my arse for 5 years doing nothing. There were reasons for it, but I’m doing myself no favours.

    But your reputation and history is probably beneficial in that respect. It seems to be; I’m just finding that out now. But how that’s going to relate to people buying it – there was people buying Pure that had never bought a Gary Numan album before. I’ve probably lost most of the new fans that I got 5 or 6 years ago and I’ll either have to find them again or get a load of new ones.

    You should be more optimistic, I mean I bought the new Kate Bush album and it was the first one she’s done for 13 years. It’s absolutely brilliant, and I was always going to wait for it – there’s plenty of other music to listen to in the meantime. Really? But then again you might buy a lot of stuff - that might be different from somebody that only ever bought one album. Pure was a while back and they might have liked it, but since then there’s another 25 new bands in Kerrang each week. Again, I really do hope I’m wrong, but there will never be a gap like this again.

    How important was Ade Fenton’s role in the production of the album? Vital, absolutely brilliant. I did a song with Andy Gray, I did another 4 or 5 with Rob and Monty [Sulpher], and I did another one with Monty on his own. So the album was more than half way through when I started to get problems and realised that I needed another change of producer. There was never any personal grievances, we get on brilliantly, but when you’re waiting 3 months to get a song back, you realise it’s going to take 4 years! I was confident I would get it ready by August and I found out that one of them was going on tour for 3 weeks, so there was a little bit of not quite knowing where I stood, it felt like I was quite low on the priority scale at one point.

    So I decided that it wasn’t working out for various reasons, so I went with Ade on a one-song trial, I gave him a song called Scanner - and when that came back it was brilliant. I’d always wanted the album to be more electronic than Pure, I wanted it to be heavy and dark still but I didn’t think I could progress anymore if Jagged stayed as a guitar-dominated album. When Ade came along it was exactly what I wanted, it was really aggressive and dynamic, very electronic. I didn’t want to try and mix what he was doing with what had been done before – so I decided to keep Andy, Rob and Monti’s versions of the songs for alternative versions of the album, they’re all gonna come out this year so people can decide for themselves. Ade was brilliant, he was really easy to work with, he just had a ridiculous flow of ideas – it almost became a problem. I’d send him a song that had 15-20 parts and he’d send like 50 back, there was so much going on it was going to take me a month to learn what he’d done and it made mixing a nightmare.

    So we had quite a lot of work to do to smooth the differences between us, but with any criticisms I had there was never a flash of ego from him whatsoever, he was working all hours, he gave up all his other work – and he’s very well paid I have to say, he’s quite a successful DJ, but he gave it all up and concentrated on the album. I will work up a song to a fairly finished degree, some more than others – so we’re talking about songs that with another couple days work I could actually release myself, fully produced, proper songs. I send them to him so he has a very good idea of where I want him to go and how I want him to sound, but his brief is simply to make it better, but sometimes in the course of making it better he pretty much got rid of everything that I’d done [laughs], which is a bit insuting but nonetheless he was free to do that, I gave him no restrictions whatsoever. And then all of that comes back to me, and then of course I’ve got the option of putting all my stuff back in again, which basically I did. So you end up with this merged, kind of ultimate version of his ideas and my ideas. We were never actually in the same room at the same time ever – but his contribution to it and the difference that he brought to it is was just great.


    I like the live drumming aspect on Jagged as well, because on Pure, although it’s a decent album, I felt some of the drums were a bit static? Funnily enough, there is live drumming on Pure but Monti’s live drums were then processed, sometimes it’s broken down into samples and looped that way - for timing and all that sort of thing. But they’re certainly not recorded in the same way as on the new one where a drummer’s sitting in the corner playing it and that’s your take.

    It seems to make the tracks flow a bit better as well, y’know? Yeah, I think that. You can just hear the skill of a drummer, which is always better than the skill of a programmer, so I’ll carry on using real drums for the foreseeable future.

    I was looking at your microsite as well, and reading through some of the lyrics on the album, which refer to some of the criticism you’ve received from your own fans recently. How does that permeate into your life? Well nowhere near as much as the song would suggest, but when you write songs you magnify things. It touches my life very very rarely, but on those rare occasions when it does it bothers me hugely. I take comfort in the fact that I’m pretty sure it’s about five people, then the others just get dragged into it, but I think the core troublemakers are only about 4 or 5 people, and it’s probably the same people that bother Trent Reznor, in fact it’s probably the same bloke sitting in a little flat in Grimsby somewhere typing out all this shit and then sending the same email along to as many chatrooms as he can but just changing the name of the artist and the album. So, I don’t actually take it that seriously, what bothers me is when I see other fans that I know have been really good fans for a long time getting involved in it a little bit and that upsets me a lot, because I think they should really know better. Most of these people have met me face to face on many occasions and they know that I’m easy to talk to, I always sign stuff after gigs; I’m actually a reasonably decent sort of bloke.

    Did you use that negativity as a motivational tool for recording the album? No that one no, I tend to use negativity often as a driving force, but not that one. Except for that lyric for the Pressure song, I’ve not really been able to make anything positive out of it, it’s just miserable and depressing, which is rare for me, I can normally turn a big lump of shit into gold dust. There’s something about it, something too close to home that’s just depressing and I just avoid it like the plague wherever possible.

    And also lyrically throughout Jagged, you’re banging on about God quite a bit, as usual…I didn’t mean to do that.

    You’re obviously not banking on going to heaven are you? [Laughs] Good job that; if I am I would be terrified. If there is a heaven I can’t imagine it’s a good place to be. If God is real and I am wrong then God would be the most terrifying creature that’s ever existed – evil.

    But there seems to be a contradiction in your lyrics, on the one hand you’re questioning God’s existance and on the other hand you validate it by talking about his inhumanity? When I’m doing that, I’m talking about it through the mind of people that believe. A lot of the songs talk about “I” and “me”, but it’s not always “me” that I’m talking about, although I nearly always write through the first person - so it’s a writing style that’s a bit confusing I guess. I absolutely do not believe in God, but if you are going to talk about it and get through to people that do believe in it then quite often you talk about it from the point of view of someone that does, therefore you give it a reality and you start to pick holes in the reality.

    And there’s a single coming out to promote the album? It’s looking likely to be the 24th April. I’ve written loads more songs, so when the single comes out I know the main track will be taken from the album but there will be another couple that won’t be.

    And you’re embarking on a tour of about 16 dates in the UK and 10 in Europe is that right? I’ve actually lost count to be honest because it keeps changing, but it’s something like that yeah. We’re actually talking about going back to Europe in October and I am planning on doing this special sort of thing in November where we’re only going to play songs from Telekon.

    Can you tell me about that? I haven’t really finally decided on what’s going to happen yet, but the idea is… I’ve been increasingly concerned about that the fact that I know I concentrate on new stuff a lot and there’s an ever-decreasing amount of old stuff in the set. I don’t want to compromise that at all, but I’m also aware that it could be seen a little bit like sticking my two fingers up at some of the older fans and I really don’t want to do that, but I’ve got my own problems trying to keep the career moving forward and don’t want to get nostalgic, so it is a difficult situation.

    The answer that I’ve come up with, if it works, is just to do a long weekender; two, three or four gigs, where I just play songs from a particular album – and the first one I’m thinking about doing is for Telekon. So we’d do all the Telekon album, plus all the singles that come from it and all the b-sides associated with them. So it could be like 16 or 17 songs, and that would be the gig, and we’d do them in the original way as well, I won’t try to revamp them and do them in the modern Jagged style or Pure style, I’d do them as they were on the record.


    So you’re going to get the analogue gear back out? Well yeah, what I can find of it yeah.

    And would you get the old band members back out? No! Fuck that.

    [Laughs] Why not? Absolutely not, no interest in that at all. First of all, one of them’s dead, another one lives in France, Russell [Bell] I’ve not heard from in years and I think Cedric [Sharpley] hates the ground that I walk on.

    Why would he think that? I don’t know, never asked him. I think he was unhappy about not being in the band anymore. Since the last gig we ever did, he’s never ever spoken to me , not a word. I’ve had one or two emails from Chris Payne in the last 15 years, but these are not the people that I was closest to at the best of times. They were not my favourite band, yeah, we had a really cool time, but in between tours we never saw eachother, they weren’t like friends that I hung out with. Russell a little bit I guess, but I didn’t have a problem with anyone, it’s not like we were enemies either, there was never any rows or upsets at the tours but when the tour finished I wasn’t gonna see them again until we started rehearsing the year after.

    So they were more like just paid session players? Yeah, whereas this band that I have now, I love em’. They’re all like my closest friends and we see eachother all the time, we hang out together, we go on holidays together, it’s absolutely brilliant – it’s a lovely lovely atmosphere and I wouldn’t dream of ever playing live with the old band again. I’m not going to go that far down the nostalgia route for the fans.

    So you’re not going to put those leather jumpsuits back on again then? Nah [Laughs]. I’m not being silly about it, I’m not gonna sort of dye a red streak down me head and become the Gary Numan of 1980, I am what I am now. It’s a very clear signal that I’m trying to accommodate the fact that I’ve got fans from 25/30 years ago and some of them prefer older stuff and some of them prefer newer stuff, it’s a way of trying to keep everybody happy without selling out and comprimising my main ambition which is to push where am I now, because these are the albums I really wanna be playing now – but I do know its alienated a lot people, so by doing these retro gigs I can hopefully keep some people happy, because each year it will be a different album.

    Talking of the older stuff, will you be re-releasing some of the old concerts on DVD? Yeah, I had a meeting about that on Friday. The Wembley one is going to be the first of them, and we’re hoping to get that ready in time for those gigs in November, because it seems sensible that if you’re going to do a retro weekender, which is the Telekon album, the most suitable DVD to promote is actually the Wembley DVD. And they found a whole load of footage for a round the world flight that I did that was never ever seen, and they actually think they’ve got enough to put together a mini 30-minute documentary about that, which we could add to the Wembley video as well.

    And will there be any back stage stuff on the Wembley video? No, in those days you didn’t have DVDs and the concept of extra features just wasn’t done. An album was 40 minutes long, maximum, because that’s all you could get on vinyl, you did a video and you filmed the show. Remember, in those days it cost a billion squid to film one minute of video, so the idea of recording extra footage to give away was absolutely unthought of. So unless you were actually making a documentary about a particular tour, which would involve more than just the gigs, that’s all we have. I don’t think there’s a minute of anything but the gig itself, but if there is and we can find it then I will definitely use it, but I’m absolutely convinced there’s nothing like it.

    And you also did one of the first ever videos didn’t you? Is that likely to be re-released on DVD? I hope so, the problem is the originals have all been lost or stolen. With a lot of this stuff, Beggars Banquet stored it and then they sub-leased it out to other people so the masters just got lost, so it’s difficult to track a lot of this stuff down. We know we’ve got Wembley, from a laserdisc, so that is going to be the first, and while that’s going through the process we can try and track down the rest of them.

    I loved the images on the cover art for the first 3 albums, especially Replicas and The Pleasure Principle; do you have any unseen photos from those sessions Yeah, there are lots of photos from the sessions; again they’ve been put in boxes and put in the back of garages for 20-odd years and are pretty much in a rubbish state. When I was moving house a few weeks ago, I came across quite a lot of those things and they were in a shit state. They’ve been in the back of a wooden shed for the best part of 15 years, but it might be that we can go through and sort them out. The idea for the Wembley DVD that I thought was really cool was that we should make the Wembley programme the booklet for the DVD. But erm, yeah at every session you do take hundreds of photographs so they’re all there. So if they’re savable and I can salvage any of those then it would be good to use them again.

    So, for the future you’re busy promoting Jagged now, and you say we won’t have to wait as long for another album? No, I’m also doing an album at the moment with Andy Gray and I’m doing some guest vocals for Ade Fenton’s own album, which should be coming out later in the year. But the idea is to pretty much start with a new one as soon as these tours are finished.

    And there is any direction in the back of your mind that you’re thinking of going in? The first thing that pops into my head is just doing a better version of Jagged, but as time goes by sometimes you realise that’s not really acceptable and there would need to be a bigger move than that, and also as time goes by whatever vibe you were into is gone. If the next one is much closer to Jagged then I might have to make more of a conscious effort to make it different, then again I might not want to, I might be happy to do an improved version of Jagged. Because I’m very technology based, when new technology comes along, which is fairly often, that tends to lead you in different directions because it can do things and make sounds you haven’t used before. I’m on Pro Tools now anyway, so there’s an ongoing flow of new plug-ins coming in.

    And you have your two baby daughters as well; would you encourage them to go into the music business? Yeah, I mean I can help them through the downside of it; I mean I didn’t have anyone to help me - I just had to go and suffer through it and make my own mistakes. There’s certainly so many good things in it, I still think it’s the best job in the world.

    I can’t think of many people who have had much more experience than you, all the highs and lows? No, not really [Laughs].

    Well, thanks for the chat, hope your cold gets better. Yeah, me too. I’m going to try your drugs soon!


  11. #20
    Benutzerbild von bamalama

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    neues interview, für jeden verständlich:

    GARY NUMAN - über "Jagged" und die Szene allgemein

    Anlässlich der bevorstehenden Veröffentlichung seines neuen Albums „Jagged“, hatte ich die Gelegenheit, ein sehr interessantes Telefoninterview mit Gary Numan zu führen. Natürlich freute ich mich sehr darüber, denn Gary ist noch einer von der „alten Garde“, ein Pionier des Technopop (wie diese Musikrichtung in den 80ern genannt wurde) und später auch ein Verfechter des guten Synthpops bis hin zu Industrial-Klängen. Sein letztes Album „Pure“ liegt nun mittlerweile 5 Jahre zurück und endlich gibt es Neuigkeiten vom Numan-Klan aus England.

    re-flexion: Gary, dein neues Album klingt wieder einmal sehr düster, ist voller interessanter Melodien, schön-schräger Sounds und krachiger Refrains. Wie würdest du heute deine Musik kategorisieren?


    Gary Numan: Nun, viele nennen diese Art von Musik vielleicht Industrial. Ich nicht. Dazu ist sie meiner Meinung nach nicht hart genug. Andere würden sagen Elektrorock. Es ist schwer eine Schublade dafür zu finden.


    re-flexion: Viele Leute hier in Deutschland würde die Musik wohl am ehesten „Dark Wave“ nennen.


    Gary Numan: Hey, das klingt cool. Gefällt mir. Ich schreib es mir gleich mal auf!


    re-flexion: Seit deinem Album „Sacrifice“, welches 1994 herauskam hat sich deine Musik stark verändert. Sie bekam einen viel härten, bedrohlicheren Touch. Warum? Und was willst du den Hörern mit deinem neuen Album „Jagged“ vermitteln?


    Gary Numan: Die Musik hat sich geändert nachdem ich 1992 ein wirklich richtig schlechtes Album („Machine & Soul“) herausgebracht hatte. Das war echt der Karrieretiefpunkt. Ich hatte keine Idee, wie es weitergehen sollte. Ich wusste nicht über was ich singen wollte, was ich schreiben wollte, wie ich auszusehen hatte. Dann kam die Selbstfindungsphase, ob ich überhaupt im Musikbusiness bleiben sollte oder was ich sonst so tun sollte.
    Also fing ich wieder an Musik zu machen – allerdings mehr als Hobby. Ich habe dann meine Songs in meinem eigenen kleinen Studio vorwiegend selbst geschrieben, produziert und abgemischt. Bis dahin stand ich ständig unter dem Druck, Musik fürs Radio machen zu müssen. Diese Musik kam jedoch nicht wirklich von Herzen.
    Also entschied ich mich Musik zu machen, die wirklich von Herzen kam, dafür allerdings etwas düsterer war. Dies ist nun mittlerweile das vierte Album in diesem Stil und es fühlt sich wirklich gut an, wieder Musik zu produzieren, ohne auf die Radiotauglichkeit Rücksicht nehmen zu müssen.


    re-flexion: In der News-Sektion auf deiner Website konnte man über die letzten Monate lesen, dass es technische Probleme beim Produzieren von „Jagged“ gab und das Album immer und immer wieder verschoben wurde. Bist du nun 100%ig zufrieden mit dem Endprodukt?


    Gary Numan: Ich bin absolut zufrieden mit dem Endprodukt. Aber es war ein steiniger Weg bis zur endgültigen Fertigstellung des Albums. Ich fing an, das Album mit Andy Gray, einem erfahrenen Dance-Produzenten, aufzunehmen. Wir haben einen Song zusammen gemacht und dann ist er umgezogen in eine große Villa im Süden Englands und war plötzlich verschwunden.
    Ich musste aber das Album fertig kriegen. Ich fing dann an, die Songs wieder mit demselben Team zu produzieren wie ich es auch schon beim letzten Album „Pure“ getan hatte. Daraus resultierten schnell drei bis vier Songs. Danach fand ich mich ständig in die verschiedensten Projekte involviert und ich war viel zu selten mit dem Produzenten-Team im Studio.
    Ein Freund von mit, ein bekannter Techno-DJ, hatte tolle Ideen für das Album, und so schrieb ich auch mit ihm ein paar Stücke. Er hatte sehr gute Ideen, hatte aber noch nie eine Platte produziert. Deshalb haben wir zusammen einige der bisher aufgenommenen Stücke nochmals komplett überarbeitet und neue Versionen eingespielt. Dazu kam noch, dass meine Frau Gemma und ich ein Baby bekamen.
    Und im letzten Jahr bekamen wir noch ein zweites. Da wollte ich natürlich keine Sekunde von verpassen vom ersten Schritt bis zum ersten Wort. In meiner Kindheit hatte mein Vater schwer zu arbeiten und hat mich sehr selten gesehen. Dieses Schicksal wollte ich meinen Kindern nicht zuteil werden lassen. Ich habe zu dieser Zeit quasi aufgehört am Album zu arbeiten und habe mich ganz als Familienvater gefühlt.


    re-flexion: Ja, ich erinnere mich an Zeiten in den späten Siebzigern und frühen Achtziger, in denen du teilweise sogar zwei Alben pro Jahr veröffentlicht hast...


    Gary Numan: Gemma und ich planen kein weiteres Kind (lacht!). Deshalb wird das nächste Album garantiert schneller kommen als das letzte. Es ist für Ende des nächsten Jahres angedacht.


    re-flexion: Auf dem Album „Jagged“ benutzt du oft die Singtechnik mit etwas ruhigeren Strophen an welche sich ein krachiger Refrain anschließt. Warum?


    Gary Numan: Ich habe diese Technik auch schon auf dem letzten Album „Pure“ angewandt. Mich fasziniert diese wechselnde Dynamik mit fast träumerischen Versen und dem massiven Refrain. Dieses Gefühl live zu vermitteln macht mir unheimlich Spaß – wenn das Publikum dann bei den Refrains richtig mitgeht. Live ist auch die Lichtshow speziell darauf abgestimmt. Ich mag diese Technik einfach. Vielleicht ist es für ein Album tatsächlich ein wenig viel und man bräuchte mehr Variationen, aber mir gefällt es eben sehr gut so!


    re-flexion: Um ein paar Songs deines neuen Albums hervorzuheben, muss man sagen, dass speziell „Melt“, „Blind“ und natürlich „In A Dark Place“ tolle Refrains haben während der Song „Jagged“ von einer verzerrten Stimme dominiert wird. Welches sind deine Lieblingssongs und wird es eine Singleauskopplung geben?


    Gary Numan: Lustig, dass Du das fragst. Bis zum heutigen Abend müssen wir uns für eine Single entschieden haben. Der Track „In A Dark Place“ wird wohl das Rennen machen.


    [b]re-flexion: Ich kann diesen Song absolut empfehlen!


    Gary Numan: Also hast Du Dich schon für eine Single entschieden? (lacht!) Okay, wir werden ins Cover der Single folgendes drucken: „Wenn Euch der Song nicht gefällt, beschwert Euch bei Frank von re-flexion!“ (lacht!)
    Naja, speziell wenn du ständig mit deinem Studioteam zusammenhängst und die Lieder immer und immer wieder hörst, verlierst du irgendwann den Überblick. Jeder favorisiert einen anderen Song.
    Ich z.B. mag „Pressure“ unheimlich gerne. Ich denke, es ist ein toller Song, um ein Konzert zu beginnen und wir werden dies bald bei ein paar Konzerten in England ausprobieren.


    re-flexion: Die Methode, deine Musik aufzunehmen erscheint sehr modern. Früher hast du stark auf analoge Synthesizer gesetzt und diese wie kein anderer eingesetzt. Greifst du nach wie vor auf deine Polymoogs, Minimoogs oder ARP Odysseys zurück?


    Gary Numan: Ich habe noch einen Minimoog. Ein tolles Instrument! Außerdem habe ich auch noch einen Oberheim OBX. Das ist wirklich mein Lieblingssynthesizer. Das Problem wäre nur, dass ich ein riesiges Lager für die Synthies bräuchte, denn ich hatte quasi für jedes Album neues Equipment.
    Die letzten vier Alben wurden mit komplett unterschiedlicher Studiotechnik aufgenommen. Wir hatten beispielsweise „Radar-Machines“ und nun arbeiten wir mit „Pro Tools“. Deshalb ist es schwer, das komplette Equipment aufzuheben.


    re-flexion: Ich habe gelesen, dass du nach Jahren mal wieder einen „echten“ Drummer und sogar ein Cello auf deinem Album erklingen lässt.


    Gary Numan: Ja, auf ein paar Songs hat Jerome Dillon von den Nine Inch Nails die Drums gespielt. Außerdem konnte ich den Cellisten Martin McCarrick (ehemals Siouxie & The Banshess und Therapy?) für ein paar Lieder gewinnen. Ich finde, echte Drums bringen auch live den richtigen Sound; besser und kräftiger als jede Drummaschine.


    re-flexion: Warum heißt das Album „Jagged“ (gezackt)? Man könnte jetzt sagen, es ist eher ein Album mit Ecken und Kanten und nicht mit geradliniger Partymusik darauf.


    Gary Numan: Der Albumtitel rührt eher daher, dass die Songtexte von absolut kaputten Menschen handeln. Ich schreibe über absolut verabscheuungswürdige Menschen, die beispielsweise Kinder oder Tiere misshandeln, Kriege anzetteln oder auf perverse 5exspiele stehen. All das spiegelt der Titel „Jagged“ wider.


    re-flexion: Ich habe gehört, dass du auch eine Europatour planst. Seit 2001 haben wir dich nicht live in Deutschland erlebt.


    Gary Numan: Wir werden eine kurze Europatournee im Mai machen. Wir wollen sehen wie die Resonanz ist. Wir werden dann auf ein paar Festivals spielen und außerdem eine kurze USA-Tournee anschließen. Wenn die Reaktion gut ist, kommen wir anschließend wieder zurück nach Europa und machen eine größere Tour.
    Die Sache ist immer die, dass eine Tournee viel Geld kostet. Da ich ja nun kein Megaseller mehr bin, ist so etwas immer mit einem gewissen Risiko verbunden.


    re-flexion: Wenn ich so Deine Konzert-Playlisten aus England und Deutschland vergleiche, fällt auf, dass du in England teilweise sehr seltenes und anderes Material spielst als in Deutschland. Auch die Leute in Resteuropa wollen Songs wie „The Aircrash Bureau“, „Noise Noise“ oder „Observer“ hören...


    Gary Numan: Tatsächlich? Ich hätte nicht gedacht, dass es Leute gibt, die diese Songs außerhalb von England kennen. Bei unserer Playlist im Ausland sind wir bisher immer auf Nummer Sicher gegangen, haben speziell neues Material mit alten Hits und Live-Favoriten vermischt.
    Aber ich werde darüber nachdenken. Ich denke, dass es tatsächlich ein Fehler ist, zu sehr englandbezogen zu spielen und den Rest von Europa etwas zu vernachlässigen. Ich gelobe Besserung! (lacht!)

    re-flexion: Obwohl das Album noch nicht offiziell veröffentlich ist, bekommst Du schon gute Kritiken dafür. Was hältst Du davon, dass manche Leute heutzutage lieber die neuen Songs aus dem Internet runterladen und über Ebay alte Bootlegs tauschen?


    Gary Numan: Mit dem An- und Verkauf von altem „Gary-Numan-Kram“ über Ebay habe ich keine Probleme. Anders ist es beim Raubkopieren oder illegalen Downloaden. Wie ich ja schon erwähnte, bin ich mittlerweile nicht mehr der Topseller. Und solche Leute müssen auch ihr Brot verdienen. Ich verdiene es eben nun mal mit Plattenverkäufen und solche Leute machen es einem natürlich schwer.


    re-flexion: Zurückblickend kann man sagen, dass du dir für deine früheren Alben jedes Mal ein neues Image ausgedacht und einen neuen Look kreiert hast. So warst du mal ein Gangster („I“, „Assassin“), mal ein Krieger („Warriors“), mal ein Typ aus einem Science-Fiction-Film. Benötigst du nach wie vor ein Image oder bekommen die Fans jetzt den puren Gary Numan?


    Gary Numan: Nun, je älter ich wurde, desto mehr wusste ich, wie ich aussehen wollte. Die Klamotten, die ich auch auf den Plattencovern sowie auf der Bühne trage entsprechen schon dem, wie ich auch privat rumlaufe. Ich denke, dass mir eben die Farbe schwarz am besten steht. Es ist also nicht mehr nötig, sich ständig wechselnde Outfits auszudenken!


    re-flexion: Gary, wie du sagst machst du deine eigene Musik egal ob hip oder out. Vor einiger Zeit hattest du auch einen Top 20 Hit mit „Rip“ und warst sogar bei Top Of The Pops. Denkst du es ist möglich, heutzutage noch einen Top Hit zu landen ohne auszusehen wie Robbie Williams?


    Gary Numan: Es ist heutzutage natürlich total schwierig. Da ich ja nun keine radiotaugliche Musik mache und auch meine Texte sehr schwer verdaulich sind, rechne ich nicht mehr mit einem Tophit. Dafür müsste sich die Musikszene zu sehr umkrempeln. Vielleicht passiert ja so was mal, aber ich sehe da eher wenig Chancen.


    re-flexion: Macht es dich im Hinblick darauf eher stolz oder ärgerlich, wenn Leute mit Sequenzen aus Deinen Songs - wie beispielsweise die Sugababes mit „Freaks Like Us“ - große Hits einfahren?


    Gary Numan: Es macht mich natürlich stolz, dass ich solche Leute in irgendeiner Weise beeinflussen konnte. Trotzdem behagt mir diese Musikszene nicht. Hin und wieder sind mal ein paar Lichtblicke dabei - siehe z. B. Depeche Mode. Aber im Großen und Ganzen hat die Musikszene ihren Glanz verloren.


    re-flexion: Vielen Dank für das interessante Interview und viel Erfolg mit dem neuen Album.

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