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Klartext!!!

Erstellt von bamalama, 25.07.2005, 15:40 Uhr · 78 Antworten · 38.487 Aufrufe

  1. #21
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    Wir verwalten das Ende der Rockmusik...


    HEINZ RUDOLF KUNZE ist zweifellos einer der besten deutschen Rockpoeten. Seine Karriere begann 1980, als der junge Germanist die Bühne des Würzburger Pop-Nachwuchs-Festivals betrat. Mit einer Gitarre auf einem Barhocker sitzend und vom Piano begleitet, spielte er um die Gunst der Jury. Und das mit großem Erfolg! Neben den Veröffentlichungen von in Deutschland längst etablierten Musikern, wie z.B. Udo Lindenberg, Herbert Grönemeyer oder Marius Müller Westernhagen, werden plötzlich auch seine Alben ganz vorne im Regal einsortiert. Anfangs wurde der Dylan-Fan wegen seiner nicht selten kritischen Texte von der eigenen Plattenfirma noch als "Der Niedermacher" bezeichnet. Doch diese Bezeichnung wird ihm nicht gerecht. Er ist ein Rockpoet - ein Musiker, der die hohe Kunst beherrscht, mit Worten umzugehen. Seine Songs leben, haben Inhalt und Aussagekraft. Der richtig große Durchbruch gelang 1985 mit dem Album "Dein ist mein ganzes Herz". Die gleichnamige Single wurde zu einem der größten Hits des Jahres.
    Neben seinen musikalischen Aktivitäten ist er auch als Buchautor und Musical-Übersetzer bekannt. Bereits 1978 wurde Kunze mit dem Literatur-Förderpreis seiner Heimatstadt Osnabrück ausgezeichnet. Im Laufe der Zeit sind fünf Bücher mit eigens verfaßten Prosatexten und Gedichten erschienen.
    Jetzt feiert Heinz Rudolf Kunze sein 25-jähriges Jubiläum als Musiker. Ein Viertel-Jahrhundert in dem er 25 Alben, diverse Sampler und 40 Singles veröffentlicht hat. Viele Gründe, um mit ihm einmal ausführlich über seine Karriere zu plaudern. Am 02. März 2006 sprachen wir mit Heinz Rudolf Kunze.


    Hallo, Heinz Rudolf. Schön, dass du einen Augenblick Zeit hast und uns Rede und Antwort stehen möchtest. Wie geht es dir?
    Danke, den Umständen entsprechend.

    Vor noch gar nicht allzu langer Zeit gab es ein Jubiläum: 25 Jahre Heinz Rudolf Kunze. Darf man noch gratulieren?
    Ja sicher! Das Jubiläum bezieht sich doch auf die Jahreszahl und nicht auf einen einzelnen Tag. Das ist ein Vorgang, der noch nicht abgeschlossen ist. Auch wenn es in diesem Jahr weniger musikalische Aktivitäten gibt, sondern mehr literarische. Ich mache gerade eine Lese-Tour, deren Termine über dieses Jahr verteilt sind, und ich bin im Studio mit der Band. Wir bereiten dort ein neues Album vor.


    Es gab ein Jubiläums-Konzert, das im vergangenen Herbst auch auf DVD erschien. Hast du diesen Höhepunkt auch noch anders gefeiert?
    Es waren bei dem Konzert ja schon viele Gäste dabei. Das haben wir nach dem Auftritt hinter der Bühne noch weiter gefeiert. Es gab aber keine andere größere Party. Im Grunde war das auch ein bisschen geschummelt, denn wir mussten das Jubiläums-Konzert aus fernsehtechnischen Gründen schon im Dezember 2004 aufnehmen, damit es 2005 erscheinen konnte. Sonst hätte es das Team vom Rockpalast, das das Konzert aufgezeichnet hat, zeitlich nicht geschafft.

    Du hast die Plattenfirma gewechselt - und das nach erst 25 Jahren. So lange ist heute nur noch selten ein Musiker bei einem Label unter Vertrag. Welche Gründe hatte die Trennung?
    Die WEA hat sich in den letzten Jahren völlig umstrukturiert und auch den Besitzer gewechselt. Da hatte man dann doch irgendwie das Gefühl, dass man in die Strategie nicht mehr reinpasste. Ich hätte das Album "Das Original" eigentlich noch bei der WEA machen müssen. Wir haben den Vertrag aber dann aufgelöst, und ich habe mir ein anderes Label gesucht, wo ich besser hingehöre. Mit der BMG habe ich, im Vergleich zur WEA, immerhin ein größeres Label gefunden, bei dem ich nun bin.

    Du hast es schon angesprochen: Ein Album mit dem Titel "Das Original" ist im letzten Jahr veröffentlicht worden. Der Titel hält, was er verspricht. Ein richtiges Kunze Album. Deine Fans lieben es. Welche Stärken und welche Schwächen siehst du in diesem Werk?
    Tut mir leid, ich kann darin keine Schwächen sehen. Das ist sehr typisch und ich fand, es war sehr an der Zeit, dieses Album zu machen. Nach den beiden Vorgängern war mal wieder ein typisches Kunze-Album dran.

    Schrauben wir die Zeit mal zurück zu den Anfängen: 1980 bist du bei einem Nachwuchsfestival aufgetreten. Danach ging alles sehr schnell. Beschreib uns mal kurz, wie das damals alles mit deiner Karriere begann.
    Das Stichwort ist "kurz", ja? Wenn ich das lang machen sollte, würde das alleine ein Buch füllen. Entdeckt hat mich die ganze Branche damals auf einmal. Sie waren damals alle da. Als ich an dem Abend von der Bühne ging, hatte ich sechs Angebote für einen Plattenvertrag und konnte mir einen aussuchen. Das war eine sehr ungewöhnliche Situation, die es nie wieder in Deutschland gegeben hat. Es war der Höhepunkt der Neuen Deutschen Welle und die Plattenfirmen haben alles eingekauft damals. Die waren total drauf fixiert, alles unter Vertrag zu nehmen, was deutsch sang. Ich passte ja auch nur teilweise unter den Begriff NDW, aber das hat sie nicht weiter gestört.

    Trotzdem du 1980 begonnen hast, professionell Musik zu machen, gelang dir der Durchbruch erst viel später. Zeit, die Musikern heute kaum noch eingeräumt wird. Bei dir hat sich das in dich gesetzte Vertrauen ausgezahlt. Stimmt es, dass dir der Fünf-Jahres-Vertrag, den du am Anfang deiner Karriere unterschrieben hast, die nötige Zeit zur Entwicklung eingeräumt hat?
    Ja, absolut! Das kann ich ganz kurz und knapp beantworten. Das ist sicherlich eine Chance, von der junge Leute heute nur träumen können.

    Hast du bei der Arbeit an dem Album "Dein ist mein ganzes Herz" gewusst, dass diese LP ein Erfolg werden würde? Oder geahnt?
    Es hat wenig Sinn, mit Worten wie "wissen" oder "ahnen" zu spielen. Planbar ist dieses Gewerbe nie. Sicherlich sprachen einige Indizien dafür. Wenn der berühmte Conny Plank und diverse Leute bei der Plattenfirma ein gutes Gefühl haben, ist das eine gute Vorraussetzung, aber keine Garantie. Wenn man merkt, dass die Sekretärin der WEA den Song "Dein ist mein ganzes Herz" auf dem Flur schon summt, bevor die Platte erschienen ist, dann denkst du: "Das könnte was werden".

    Mit Erfolgen wie "Dein ist mein ganzes Herz" oder "Finden Sie Mabel" verbinden dich die Leute nach wie vor. Stört es dich, dass man immer von Songs spricht, die 20 Jahre alt sind, und nicht von jüngerem Material, wenn dein Name fällt?
    Nein, es stört mich nicht. Aber es ist natürlich schade, wenn man soviele Sachen veröffentlicht hat und dann nur auf die paar wenigen reduziert wird. Aber so hat man wenigstens eine "Hausnummer" bei den Leuten. Das schlimmste wäre, wenn man gar keine hätte.

    Wo liegt für dich persönlich der Unterschied zwischen den 80ern und heute, was die musikalische Entwicklung betrifft? Warum findet man in den aktuellen Charts so wenig Qualität, wo früher Woche für Woche so viele tolle Songs erschienen sind?
    Ich glaube, die Rockmusik ist in ihrem Endstadium angekommen. Es ist schon so viel Gutes in den 50ern, 60ern, 70ern, 80ern und 90ern gemacht worden. Wir verwalten allmählich das Ende der Rockmusik. Sie ist ausgereizt, denn man kann mit einer Gitarre, einem Bass, einem Schlagzeug und einem Keyboard nur so und soviel machen, und nicht unbegrenzt arbeiten. Es kann keine harte Band geben, die besser ist als Led Zeppelin oder Black Sabbath. Es liegt schon soviel Qualität vor.

    Du machst sehr anspruchsvolle Texte und komponierst schöne Melodien dazu. Deine Songs vermitteln immer eine Botschaft. Würde ein Heinz Rudolf Kunze heute noch in die Musik-Charts passen?
    Ich kann seit 15 Jahren Chart-Material nicht mehr ertragen. Ich finde, das ist Gehirnkrebs. Dass ein solch eleganter Entertainer wie Robbie Williams von vielen Leuten ernst genommen wird, sagt alles über die heutige Musikszene aus. Er ist doch nichts weiter als ein eleganter Pausenclown.

    25 Jahre auf der Bühne, zahlreiche Alben und Singles veröffentlicht, Bücher geschrieben, und vieles mehr... Was hast du vor deiner Zeit als professioneller Musiker gemacht?
    Ich habe Abitur gemacht und studiert: Lehramt für Gymnasien. Das habe ich auch abgeschlossen, den Beruf aber nie ausgeübt. Das nochmal deutlich für die ganzen Idioten, die mich immer "Ex-Lehrer" nennen: Ja, ich hab den Beruf gelernt, ihn aber nie ausgeübt!

    Was kaum jemand weiß ist, dass du viele Musicals ins Deutsche übersetzt hast. Welche Musical-Übersetzungen stammen denn aus deiner Feder?
    Ich habe die Übersetzungen für "Les Miserables", "Miss Saigon", "Joseph" und "Rent" gemacht, außerdem eine freie Bearbeitung für "Shakespeare´s Sommernachtstraum", sowie ein eigenes Musical mit dem Titel "Poe - Pech und Schwefel" geschrieben.

    Für die Serie "Little Amadeus", die auf KiKa läuft, hast du den Titelsong getextet, und du singst ihn auch. Wird das jetzt das nächste Projekt von dir, Musik für Kinder zu machen, oder ist es eine einmalige Sache?
    Den Song habe ich mitgetextet. Ich bin also Co-Texter. Das war nur eine einmalige Sache.

    Was wird in Zukunft von dir zu erwarten sein? Die 25 wird doch hoffentlich nicht das letzte Jubiläum sein, das du feiern wirst, oder?
    Es wird ein neues Album geben. Es erscheint nächstes Jahr, und die Arbeiten daran haben bereits angefangen. Außerdem wird es den zweiten "Shakespeare" für die Herrenhäuser Festspiele, die jedes Jahr in Hannover stattfinden, geben.

    Ich danke dir für die Zeit, die du dir genommen hast, um dieses Interview hier möglich zu machen. Möchtest du noch selbst ein paar Worte an unsere Leser richten?
    Ich möchte den Leuten meine Homepage empfehlen (www.heinzrudolfkunze.de, Anm. d. Red.). Sie können sich dort meine Veröffentlichungen anzugucken und meine Empfehlungen lesen. Ich gebe dort immer häppchenweise Einblick in meine doch inzwischen recht umfangreiche, private Plattensammlung. Ich schreibe Kritiken dazu - manchmal auch recht deutliche. Ich kann das den Leuten wirklich nur ans Herz legen.

    http://www.music-pleasuredome.de/

  2.  
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  3. #22
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    Lange Zeit war es still um die Band, die 1987 für ihren Welthit "(I Just Died) In Your Arms" für den Grammy nominiert worden war. Jetzt gibt es ein Lebenszeichen. Die CUTTING CREW ist wieder da!
    Mitte der 80er war die Geburtsstunde von Cutting Crew. Gegründet von Nick van Eede (Gesang) und Kevin MacMichael (Gitarre), wurde das musikalische Projekt durch Colin Farley (Bass) und Martin "Frosty" Beedle (Drums) verstärkt. Die Jungs hatte gleich mit ihrer ersten Single, dem bereits genannten "(I Just Died) In Your Arms", großen Erfolg. Die Single platzierte sich in den UK Charts auf Platz 4, und sogar in den US Billboard Charts konnte die Nummer landen. Über Nacht war die Cutting Crew raketenartig aufgestiegen und zählte fortan zur Creme de la Creme des internationalen Pop-Bizz. Drei Studio-Alben entstanden zwischen 1986 und 1992. Mit Singles wie "I´ve Been In Love Before" und "The Scattering" konnte man weitere Hits platzieren. Doch dann kam es, wie es bei vielen Größen aus den 80ern kam: Anfang der 90er war Schluss. Es wurde still. Diverse Solo-Projekte starteten, man spielte bei anderen Musikerkollegen mit oder setzte sich einfach zur Ruhe. Der viel zu frühe Tod von Gitarrist und Gründungsmitglied, Martin MacMichael, im Dezember 2002, war wohl der absolute Tiefpunkt in der Bandgeschichte.
    Heute, 14 Jahre nach Veröffentlichung der letzten Studio-LP von der Cutting Crew, kehrt Nick van Eede zurück auf die Bühne. Mit einer neuen Besetzung, einer neuen LP ("Grinning Souls") und einer ausgedehnten Live-Tour (auch durch Deutschland) startet Cutting Crew wieder durch. Am 02.04.2006 sprachen wir mit Nick über seine neue LP und über die Vergangenheit.

    Cutting Crew ist eine englisch-kanadische Poplegende! In den 80ern feierte die Band weltweit Erfolge mit ihren Hits "(I Just) Died In Your Arms" und "I´ve Been In Love Before". Eine Grammy Nominierung als "Beste Neue Band" krönte den bis dahin kometenhaften Aufstieg der Musiker. Die Single "(I Just) Died In Your Arms" erreichte weltweit die ersten Chartplätze, u.a. als Nr. 1 in den USA, Deutschland, Japan und England.
    Nach dem 1992er Album "Compus Mentus" begann für die Fans die endlos lange Wartezeit auf neue Songs. Die Band pausierte. Der inzwischen verstorbene Gitarrist Kevin MacMichael spielte zusammen mit Robert Plant, und Sänger Nick van Eede als Gast bei verschiedenen anderen Musiker-Kollegen. Nick schrieb in dieser Zeit außerdem weiter an neuen Songs.
    Im Januar, 14 Jahre nach Veröffentlichung des letzten Studio-Albums, erschien ihr neues Werk "Grinning Souls". In neuer Besetzung liefert Cutting Crew eine zeitlose Rock-Pop Produktion ab, auf dem sich kantiger Rock mit melodischen Mainstream-Songs abwechselt. Die LP entstand unter Mitwirkung von Terry Brown, der schon das #1 Hit-Album "Broadcast" produzierte.
    Im Februar tourte Cutting Crew durch Deutschland. Außerdem feiert die Band in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen. Eine lange Schaffensphase mit Höhen und Tiefen, die viele Fragen aufwirft. Am 02. April gab uns Sänger und Gründungsmitglied, Nick van Eede, Antworten auf diese Fragen:


    Hallo Nick! Schön, dass ich wir dich für ein Interview auf Music-Pleasuredome haben. Wie geht es dir?
    Ich grüße dich. Mir geht es sehr gut. Ich bin derzeit ein wenig müde davon, den ganzen Tag für das Konzert in London nächste Woche zu proben.
    Im letzten Jahr hatte ich etwas Panik, als ich wegen Herzproblemen für ein paar Tests ins Krankenhaus mußte. Aber jetzt ist alles wieder ok. Man wird eben nicht jünger, was???

    Im Februar warst du auf einer etwas größeren Deutschland-Tour. Wie war´s? Welche Eindrücke hast du sammeln können?
    Ich kann ganz ehrlich sagen, dass das die beste Spass-Tour war, die ich je gemacht habe. Einige Abende haben wir nicht einmal Hundert Leute in der Halle gehabt, aber wir haben jeden Abend (!!!) mindestens drei Zugaben geben müssen. Es ist eben eine ganz neue Band mit ganz neuen Liedern. Wir spielen natürlich auch die alten Hits. Aber wir versuchen jeden Song ein bißchen anders zu arrangieren, so dass du sehr überrascht wärst, wenn du die Songs von früher her kennst. Außerdem spielen wir ein paar sehr interessante Coverversionen. So arbeiten wir auf der Bühne z.B. mit Mandolinen, Akkordeon und dreckig-guten Rock-Gitarren!

    Wirst du in der nächsten Zeit nochmal auf die Deutschen Bühnen zurückkehren?
    Wir haben bereits eine weitere Tour für Juni diesen Jahres geplant. Wir werden dann mit all den Fussball-Fans im Lande sein. Das klingt doch interessant, oder?
    Die Fans können alle Informationen zu dieser Tour und weitere wissenwerte Neuigkeiten auf unserer brandneuen Webseite unter www.cuttingcrew.biz finden.

    Nachdem ihr 1992 das Album "COMPUS MENTUS" veröffentlicht habt, wurde es sehr still um euch. Warum habt ihr euch eine so lange Pause genommen?
    Ich war in diesem Musik-Geschäft viele Jahre lang aktiv, und ich dachte immer, sobald eine Band erfolgreich ist, würde sie ein bisschen mehr Macht und Kontrolle haben. Aber unglücklicherweise ist das nicht der Fall - besonders in Amerika. Die Leute waren so wählerisch, dass es mich verrückt gemacht hat und jedes Projekt letztlich das Doppelte an Zeit verschlang. Jeder weiß, dass, sobald man in die Charts kommt und man eine Art Profil hat, man immer in Bewegung bleiben muss. Aber nach all den Jahren des Wartens wurden wir immer wieder aufgehalten und verloren viel Boden unter den Füssen. Das "Compus Mentus" Album wurde schon einen Monat nach seiner Veröffentlichtung gekillt, und ich glaube, es hatte eigentlich nur in Deutschland eine echte Chance. So kam es, dass dieses Album ein echtes Sammlerstück wurde. Meiner Meinung nach beinhaltet dieses Album einige unserer besten Lieder, und ich befinde mich gerade in Verhandlungen mit der Virgin, dass wir dieses Album als Download auf unserer Webseite anbieten dürfen.
    Kevin und ich entschlossen uns dann im Jahre 1993 die Band aufzulösen, und er stieg dann in der Band von Robert Plant ein. Das war schon erstaunlich, ihn dann auf der Bühne zu sehen, wie er Led Zeppelin Songs spielte... besonders im Hinblick darauf, dass er nie ein großer Fan dieser Musik war. Aber Robert und er verliebten sich musikalisch ineinander und Kevin war eine tragende Säule des Albums "Fate of Nations".
    Ich fing dann an in Canada zu arbeiten, was heute sowas wie meine zweite Heimat geworden ist. Ich arbeitete als Manager für Bands. Eine von diesen Gruppen ist inzwischen sehr erfolgreich und hat diverse Nominierungen und Preise bekommen. Sie spielen übrigens als Support für SAGA im Mai auf der Deutschland-Tour. Der Name dieser Band ist MIR und sie war die Studioband bei den Aufnahmen zu meinem aktuellen Album.

    Was hast in der Zeit ohne Cutting Crew sonst noch gemacht?
    Ich war bei einem Verlag als Texter tätig und hatte ein total anderes Leben, indem ich Songs für andere Bands geschrieben habe, z.B. für Marillion und - man glaubt es kaum - für Cher. Und für viele andere Künstler habe ich auch Songs geschrieben. Irgendwann zog ich dann nach Barbados in die Karibik, ließ mich dort nieder und genoß für vier Jahre das Paradies dort. Es war das erste Mal, dass ich im Stande war richtig viel Zeit mit meiner Tochter zu verbringen, die in der Zeit groß geworden ist, als ich mit Cutting Crew ständig unterwegs war. Am Ende schien alles ein bisschen leer. Die Plattenindustrie und die Bands entschieden sich nur noch beschissene Songs zu veröffentlichen, so dass ich all die guten Songs für mich behalten konnte... ha ha!!!!
    Ich habe auch eine Deutschland-Tour mit "Night of the proms" gemacht. Das war eine tolle Sache, besonders weil ich bis dahin seit Jahren nichts mehr live gemacht hatte. Ich war jeden Abend vor 15000 Leuten auf der Bühne, zusammen mit den Simple Minds, Foreigner, einem kompletten Symphonie-Orchester und einem Chor. Ich glaube, diese Erfahrung war mit ein Grund für die Entscheidung, wieder selbst zu singen und für mich Songs zu schreiben.

    Dann hast du die Cutting Crew wieder neu gegründet. Wer spielt jetzt mit dir zusammen als Cutting Crew?
    Wir haben in Canada dann das neue Album aufgenommen, und es ist nur richtig, dass ich nun eine komplett Britische Band habe. Mit mir zusammen spielen Sam Flynn (Eurythmics, Roachford) an den Keyboards, Tom Arnold (Steve Harley Band, Stomp) am Schlagzeug und Jamie Robinson (MIR, Jimmy Rankin Band) an den Gitarren und der Mandoline. Wir haben das komplette Album in nur drei Wochen eingespielt und es war unglaublich harte Arbeit. Aber ich muss sagen, ich habe verdammt gute Mitschnitte von der Tour auf CD. Den Kommentaren auf meiner Webseite zu urteilen, hatten die Deutschen bei den Konzerten eine großartige Zeit. Ihr hattet schon immer einen sehr guten Geschmack... ha ha ha

    Das neue Album ist inzwischen auch erschienen. Ich habe es gehört und ich muss sagen, es ist etwas komplett anderes als man es von euren Songs aus den 80ern gewohnt ist. Was hat dich zu dieser Art Musik gebracht?
    Ich war eigentlich schon immer der Rocker in der Band. Ich habe zwar die Songs geschrieben, aber der Sound von Cutting Crew kam immer von Kevin, Colin und Frosty. Das waren großartige Musiker, die den typischen Stil geprägt haben, der dir bekannt ist. Aber ich habe immer versucht, es etwas härter klingen zu lassen. Vor Cutting Crew spielte ich in einer Band namens THE DRIVERS, eine etwas schwungvollere, dreiköpfige New Wave Band, bei der ich Gitarre spielte. Ich muss sagen, es war eine Freude auf meinem neuen Album, und besonders live auf der Bühne, endlich wieder selbst Gitarre zu spielen. Ich habe das Album mit Terry Brown produziert, mit dem ich schon in den 80ern gut zusammen gearbeitet habe, als er "(I Just) Died In Your Arms" und die ersten sieben Alben von RUSH produzierte. Es war jetzt meine Chance, Songs direkt aus meinem Herzen zu schreiben und aufzunehmen, die Themen behandeln, die sehr persönlich und mir sehr nah sind. Ist es nicht das, was einen Songwriter ausmacht? Ich bin sehr stolz auf das neue Album, und das letzte was ich tun wollte ist ein Album zu veröffentlichen, das so klingt wie von einem alten Arsch aus den 80ern, der sich seine Gitarre wieder umgeschnallt hat. Ich glaube, das ist mir gelungen. Darüber kann der Hörer jetzt selbst urteilen!

    Diese LP war seit Jahren überfällig und du hast damit eine starke Arbeit abgeliefert. Wie lange hast du gebraucht, bis die Arbeiten daran beendet waren?
    Eines der Hauptdinge, die in meinem Leben im Laufe der letzten drei Jahre passiert sind, war die jämmerliche Tatsache, dass Kevin MacMichael, mein bester Freund, Gitarrist und Mitbegründer der Cutting Crew, leider verstorben ist. Ich vermisse ihn so sehr! Er war der Grund, warum ich nach Canada zurückgegangen bin um die letzten sechs Monate seines Lebens bei ihm zu sein. Es war eine außergewöhnliche Erfahrung und als wir ihn dann zu Grabe getragen haben, ging ich nach Barbados zurück. Mir war dann klar, dass es Zeit war, mit dem Rumsitzen aufzuhören und wieder anzufangen, Lieder für mich zu schreiben, sie selbst zu singen und für euch zu spielen. Es interessiert mich nicht, ob das nun arrogant klingt, weil es aufrichtig so gemeint ist! Das ist es ja gerade, dass manchmal Dinge passieren, die dein Leben verändern. Ich schrieb die 12 Lieder für das neue Album in ungefähr zwei Monaten und flog zurück zu Nova Scotia. Dort fing ich sofort an, mit alten Freunden von Kevin und mir und dieser fantastischen jungen Band, genannt MIR, die Platte aufzunehmen. Ich habe keine Demos aufgenommen. Ich spielte die Songs zusammen mit den Jungs und wir nahmen sie so lebensnah wie möglich auf. Ich glaube, dass zeigt sehr deutlich die Energie und Ambitionen, die in dieser Arbeit stecken. Mir hat jemand gesagt, das Album hat mehr von Embrace/Athlete/Starsailor als von Cutting Crew. Es hat all die Gefühle, die ich rüberbringen wollte. Es hat aber auch diese speziellen 80er Momente mit Cross Fades und ebenso die Feinheiten für die Kopfhörer-Freaks... you know who you are!

    Lass uns in die 80er zurückreisen. Was hast du vor Cutting Crew gemacht?
    Ich trat mit einer dreiköpfigen Band in den heißesten, verschwitztesten und übelst riechensten Läden von London und dem Süd-Osten von England auf (das war die Zeit von The Jam, Squeeze und XTC). Plötzlich hatten wir einen Plattenvertrag bei der RCA in Canada und hatten einen Single Hit mit "Tears on your Anorak". Du weißt, was ein Anorak ist?
    Wir hatten bei einem sehr seltsamen Label unterschrieben, was uns quer durch Canada in einem Jet flog, um Videos zu drehen ohne bis dahin einen Hit zu haben. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, das war schmutziges Geld.
    Aber das wichtigste dabei war, dass ich Kevin MacMichael traf, als wir in Halifax, Nova Scotia spielten. Er und seine Band waren die Vorband von uns bei diesem Konzert. Ich habe bis dahin noch nie einen so guten Gitarristen spielen sehen, und er kam nach der Show vorbei um Hallo zu sagen. Er meinte, dass es toll wäre, mal einen Australier kennenzulernen und ich mußte so lachen. Ich fragte ihn nach seinem Namen und er sagte "Kevin". Ich fragte nach seinem Nachnamen. Er hat mich wohl nicht richtig verstanden und er sagte wieder "Kevin". Das war die Nacht, als ein Australier Kevin Kevin traf. Am Ende des Abends versprachen wir uns, in Verbindung zu bleiben. Ein Jahr später kam er dann nach England, mit einer Gitarre und einer kleinen Tasche mit Klamotten. Das war dann der Anfang von Cutting Crew.

    Erinnerst du dich noch, wie "(I Just Died) In Your Arms" entstanden ist? Wie kam die Idee zu diesem Song?
    Oh ja!!! Ich habe ein Jahr darauf gewartet, dass meine Freundin zu mir zurück nach Hause kam. Am Ende tat sie das auch. Wir haben eine wirklich geile Nacht zusammen verbracht und ich wachte am anderen Morgen mit dem Song in meinem Kopf auf, der mein Leben für immer verändern sollte... und die Nacht brachte neben dem Song auch noch eine fabelhafte Tochter, Lauren, hervor.
    Ich habe den Song innerhalb von drei Stunden geschrieben und spielte insgesamt acht Gitarren-Parts um die Identität der Melodie zu unterstreichen. Ein Jahr später hat Kevin all diese acht Teile in ein einziges Gitarrenstück umgewandelt. Er beklagte sich darüber monatelang, vollbrachte aber offensichtlich einen großartigen Job. Er sei dafür gesegnet.

    Gerade dieser Song hat euch großen Erfolg gebracht. Offensichtlich gehörst du nicht zu den Musikern, die ihre großen Erfolge von damals heute nochmal als Remake veröffentlichen. Sehe ich das richtig?
    Ich habe nur einmal die Genehmigung für eine fantastische Coverversion gegeben. Es ist eine echt wummernde House-Version die richtig Spass macht, veröffentlicht von "Ministry Of Sound". Ich glaube, ein kleiner Hit... yipeeee!!!

    Abgesehen von "(I Just Died) In Your Arms": Was war für dich der größte Erfolg für dich und Cutting Crew?
    Ich wurde ein richtiger Rock Star als ich 27 Jahre alt war ha ha ha... Ich hing eine lange Zeit in diesem Musikgeschäft rum. Ich habe diesen Ritt genossen, hasste aber absolut diese ganze einhergehende, korporative Scheisse. Rockpalast in Deutschland zu spielen war großartig. Der Auftritt live bei der Johnny Carson Show in America war schrecklich, als da 42 Millionen Leute vor den Fernsehern saßen und uns zuschauten. Unser Auftritt in der ersten Stand-Up Show in Taiwan war cool. Nach 20 Jahren ist es mehr als erfreulich zu wissen, dass fünf oder sechs meiner Lieder heute noch immer überall auf der Welt gespielt werden. Wieviel mehr Erfolg kann ein schmuddeliger Gitarrenspieler aus Brighton mit krächzender Stimme haben?

    Was ist in Zukunft von dir noch zu erwarten? Werden deine Fans jetzt wieder regelmäßig etwas von dir hören?
    Die neue Internetseite ist wirklich klasse und wir haben "Myspace" und das Gästebuch. Es ist die Zukunft, sich im Internet zu präsentieren, und ich habe vor, viele Dinge dort für euch zum Hören bereit zu stellen. Einige Songs aus der Vergangenheit und neuere Songs von Cutting Crew... Demos, Videos und echt tolle Raritäten. Ich glaube wirklich, dass die Musikwelt jetzt in einer besseren Situation ist, als sie es früher war, wo die Plattenfirmen zu viel Kontrolle hatten. Jede Band, gut oder schlecht, hat jetzt eine Chance... Als alter Kerl an alle jungen Musiker: Schreibt weiter Songs und laßt euch niemals hinterfragen, ob ihr dazu fähig seid oder ob es originell ist. Das liegt jetzt komplett im Auge des Betrachters. Denn in der Vergangenheit haben die Macher mit ihrer Veröffentlichungs-Politik verdammt nochmal total falsch gelegen!

    Ich wünsche dir alles Gute und viel Glück für die Zukunft. Wir werden uns auf deiner Tour im Juni wiedersehen. Willst du selbst noch ein paar Worte an unsere Leser richten?
    Es ist großartig, wieder da zu sein... Wenn ihr Lust habt, hört mal in mein neues Album auf www.cuttingcrew.biz rein. Wir sehen uns im Juni!!!! Euer Nick van Eede

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  4. #23
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    Definitiv nicht von Italo Disco beeinflußt...

    THE TWINS, das sind Ronny Schreinzer und Sven Dohrow aus Berlin. Zwei Musiker und ihr Projekt, das in den 80er Jahren mit Hits wie "Ballet Dancer" und "Not The Loving Kind" nicht nur in Deutschland auf sich aufmerksam gemacht haben.
    Der Werdegang liest sich recht ungewöhnlich. Heute katapultiert ein einziger Hit einen Künstler in die Top 10 der Charts und verschwindet nach nur kurzer Zeit wieder aus dem Gedächtnis der Musikfans. Bei den Twins hat der Erfolg zuerst etwas auf sich warten lassen; dafür sind sie aber schon 26 Jahre aktiv und konnten im letzten Jahr ihr Jubiläum feiern. Man kann wohl ohne Zweifel behaupten, dass THE TWINS fast jedem Musikfan der 80er Jahre noch heute in Erinnerung sind - für ihre Anhänger waren sie sowieso nie weg. Das ist auch kein Wunder, denn mit besagtem "Ballet Dancer" landete das Duo aus Berlin einen Megahit, der noch heute in vielen Diskos und im Radio gespielt wird.
    Doch damit nicht genug. THE TWINS haben ein eigenes Studio und arbeiten dort auch für andere Musiker.
    Sven und Ronny leben heute immer noch in Berlin. Sie geben als THE TWINS regelmäßig Konzerte und sind eine der fanfreundlichsten Kapellen im Lande. Das wird spätestens dann deutlich, wenn man weiß, dass sie in Eigenregie bis jetzt fast ihren kompletten Backkatalog mit reichlich Bonusmaterial für ihre Fans neu aufgelegt haben. Ohne diesen Einsatz würden viele Twins Fans noch heute nach den begehrten Platten suchen.
    Eine 26-jährige Bandgeschichte wirft natürlich viele Fragen auf. Fragen, die man sich am besten aus erster Hand beantworten läßt. Am 05. April sprachen wir mit Ronny Schreinzer...


    Hallo Ronny! Nachträglich noch alles Gute zum 25-jährigen Jubiläum im letzten Jahr.
    Vielen Dank. Es ist ja schon was außergewöhnliches, ein 25-jähriges Band-Jubiläum zu feiern. Die meisten Bands kommen ja nicht mal annähernd so weit.

    Ich freue mich, dass wir endlich auch die "Twins" für ein Feature bei uns zu Gast haben, und du für ein kleines Gespräch Zeit hast. Dir ging es ja im letzten Jahr nicht so gut, oder? Was war los?
    Naja, man könnte fast sagen, kleine Ursache große Wirkung. Ich hatte beim Anheben eines Kartons eine blöde Bewegung gemacht und mir dadurch einen Bandscheibenvorfall zugezogen. Das war eine sehr schmerzhafte Angelegenheit, und es hat über ein halbes Jahr gedauert bis es ausgeheilt war. Das ist übrigens auch der Grund weshalb unsere "Live in Sweden" DVD erst in 2006 erscheint. Wir hatten eigentlich geplant, sie schon letztes Jahr im Herbst zu veröffentlichen.

    Diese Frage ist euch sicherlich schon häufiger gestellt worden. Für all unsere Leser, die es noch nicht wissen: Warum heißen die "Twins" eigentlich "Twins"? Zwillinge im eigentlichen Sinne sind du und Sven doch nicht wirklich.
    Als Sven und ich anfingen die ersten Titel zu komponieren, hatten wir noch keinen Namen. Erst kurz bevor wir diese ersten Songs einer Plattenfirma vorspielen wollten, fingen wir an, uns was zu überlegen. Wir wollten uns einen Namen zulegen, durch den so ein bisschen klar wird, dass es sich um zwei Musiker handelt die alles allein machen, also komponieren, texten, einspielen, produzieren usw... So kamen wir dann irgendwie auf Twins.

    Im vergangenen Sommer ist eine neue CD erschienen. Jetzt folgt - wie du schon erwähnt hast - die DVD. Ist neben dem Konzertmitschnitt noch Zusatzmaterial zu erwarten. Wenn ja, was?
    Auf der DVD ist außerdem noch ein 25-minütiger Reisebericht enthalten, mit kleinen Interviews, Ausschnitten aus der Probenarbeit und Soundcheck.

    Habt ihr eine feste Besetzung, mit der ihr live zusammenspielt oder wechselt diese auch?
    Wir haben da seit einiger Zeit eine feste Besetzung. Und zwar sind das Steffanie Heller (Vocals), Carolin Stronk (Vocals), Enrico Horn (Keyboards) und unser Tonmann Michael Ebner.

    Warum habt ihr euch Schweden ausgesucht, um einen Livemitschnitt für eine CD- und DVD Veröffentlichung zu machen? Warum nicht die Heimat?
    Das hatte keinen besonderen Grund. Wir hatten ein paar Monate zuvor schon einige Probeaufnahmen bei einem Konzert in Dresden gemacht und waren der Meinung, das machen wir jetzt mal in voller Länge. Das Schweden Konzert stand halt als nächstes an.

    Ein richtiges Studio-Album lässt nun schon knapp 13 Jahre auf sich warten. Kommt demnächst eine neue LP von euch in die Läden?
    Dazu kann ich derzeit noch nichts sagen.

    Was wird die Fans denn erwarten, wenn sie das neue Werk zu Hause endlich in den Player legen können?
    Also, es gibt schon ein paar neue Songs, und da sind auch ein paar modernere Elemente mit drin. Aber im großen und ganzen klingt es wieder wie Twins.

    Warum seid ihr so lange nicht für "The Twins" im Studio gewesen? Eine so lange Zeit ist doch recht ungewöhnlich, gerade im Hinblick darauf, dass ihr in den vergangenen Jahren auch live aktiv gewesen seid.
    Wir haben nebenbei auch noch andere Aktivitäten, und es hat sich für uns einfach nicht ergeben, ein neues Album aufzunehmen. Wir haben jedoch immer nebenher weiter komponiert, so dass sich mittlerweile einiges "angesammelt" hat.

    In diesem Jahr ist es ein Vierteljahrhundert her, dass euer Debüt-Album "Passion Factory" erschienen ist. Kannst du dich noch daran erinnern, wie das alles losging? Wie war das so in der Anfangszeit?
    Also, das ging ja mit den Twins Anfang der 80er Jahre los, und da waren elektronische Instrumente - zumindest für uns - noch etwas sehr Neues und Spannendes. Wir haben uns in der Anfangszeit, von den Möglichkeiten die man mit Synthesizern hatte, in einer Art mitreißen lassen, die dazu führte, dass die Songs anfänglich eigentlich durch die Sounds und Effekte initiiert wurden. Das heißt, dass ein Song nicht primär durch eine Melodie Idee entstand, sondern durch einen Effekt oder Sound sozusagen "ausgelöst" wurde. Auf späteren Alben war es dann eher umgekehrt, so dass wir zuerst den Song im Rohbau zusammensetzten und uns dann im Verlauf des Produzierens erst Gedanken über die Sounds und Effekte machten. Im Rückblick muss ich aber sagen, dass die erstere Art der spannendere Weg ist um einen Song zu komponieren. Die spätere Arbeitsweise ist ein wenig trockener, weil kalkulierter.

    Eure Single "The Desert Place" war 1981 nicht nur hierzulande recht erfolgreich. Auch in den US-Billboard Dance Charts konnte sich die Platte platzieren. War das aus deiner Sicht schon der große Durchbruch oder siehst du den eher mit dem Erfolg von "Ballet Dancer" zwei Jahre später?
    Die Billboard Dance Charts sind ja - soweit ich weiß - keine Verkaufscharts, sondern eine Art Beliebtheitsskala, die auf Umfragen bei den DJ's basiert. Insofern war es zwar schon ein tolles Gefühl, da mit dabei zu sein, aber als Musiker bist Du erst richtig happy wenn's dann auch in den Verkaufscharts klappt, denn Du lebst ja auch davon. Und wenn Du keine Platten verkaufst, kannst Du alles relativ schnell wieder vergessen. Insofern bedeutet Erfolg dann auch Platten verkaufen, davon leben können und die nächste Platte in Angriff nehmen zu können. Und so war's dann ja auch bei uns.

    Nach der ersten LP habt ihr euch einen Texter mit ins Boot genommen. Wieso habt ihr das nicht weiterhin selbst gemacht, und wie kam es zu dieser erfolgreichen Zusammenarbeit?
    Für uns als deutsche Band mit englischem Gesang war es von Anfang an sehr wichtig, dass wir da keine Quatschtexte mit Grammatikfehlern in Umlauf bringen. Wir hatten in den siebziger Jahren reichlich deutsche Bands erlebt, bei denen das so war, und wir wollten uns unbedingt wie eine internationale Band anhören. Bis heute hören wir immer wieder von den Fans, dass sie ganz erstaunt waren, als sie erfuhren, dass wir eine deutsche Band sind. Bei der ersten LP hatten wir auch schon mit einer Amerikanerin zusammen gearbeitet, die unsere selbst geschriebenen Texte sozusagen redigierte. Unseren späteren Texter Tim Dowdall hatten wir eher durch Zufall kennen gelernt. Wir haben probeweise einige Songs mit ihm gemacht und seine Texte haben uns auf Anhieb so gut gefallen, dass wir fortan mit ihm sehr erfolgreich weitergearbeitet haben.

    Als die Italo-Disco Welle hier in Deutschland auf dem Höhepunkt war, platzierten sich auch die "Twins" mit "Ballet Dancer" ganz oben in den Charts. War der Song von der Musik, die damals aus Italien kam, beeinflusst?
    Nein, das muss ich ganz klar und vehement verneinen.

    Wer waren und sind überhaupt eure musikalischen Vorbilder?
    Als wir mit Twins anfingen, waren das Gary Numan, Human League und Depeche Mode. Generell kann man sagen, vieles was so Anfang der Achtziger aus England an neuen Synthiepop Bands kam.

    Über den Umweg Italien ging es hierzulande erst richtig rund mit euch. In Italien seid ihr zu diesem Zeitpunkt erfolgreicher gewesen als in Deutschland, oder?
    Ja, das stimmt. Die Italiener waren wohl für unsere Musik offener. In Deutschland war es zu dieser Zeit sehr schwer eine neue Band zum Erfolg zu führen, zumal es sich dabei ja um eine Band aus dem eigenen Land handelte.

    Eure alten Veröffentlichungen können fast ausschließlich noch gekauft werden. Stimmt es, dass ihr für die Re-Releases selbst verantwortlich gewesen seid, und dass es ohne euren Einsatz gar keine Neuauflagen gegeben hätte?
    Das ist richtig. Die Plattenfirmen machen den weiteren Vertrieb selbstverständlich von den Verkaufszahlen abhängig. Bei uns hatten sie da wohl einige Bedenken. So haben wir denen angeboten, es selbst zu machen, und es war für uns die richtige Entscheidung. Das Problem ist natürlich auch, dass die Fans sich im allgemeinen an uns wenden und fragen, wo man denn diese oder jene CD noch erwerben kann. Die Plattenfirmen bekommen das dann gar nicht mit und können Bedarf und Nachfrage gar nicht einschätzen.

    Kommt noch mehr von euren alten Platten als Neuauflage in nächster Zeit heraus?
    Ja, als nächstes kommt eine Doppel-CD mit dem Titel "12" Classics And Rare Tracks" raus. Der Veröffentlichungstermin wird der 21 April 2006 sein. Genaue Infos gibt's auf unserer Webseite (www.the-twins.de / Anm. d. Red.). Weitere Veröffentlichungen sind ebenfalls in Arbeit.

    Wäre es da nicht auch mal an der Zeit, eine DVD mit allen Videos von "The Twins" zu veröffentlichen?
    Ja das stimmt. Wir besitzen zwar auch fast alle Masterbänder hierfür, es gibt aber möglicherweise Probleme mit den Rechten, und deshalb können wir zur Zeit nicht sagen, ob da noch mal was veröffentlicht wird.

    Was hörst du im Moment selbst für Musik? Was ist z.B. die letzte CD, die du dir gekauft hast?
    Ich höre eigentlich abwechselnd viele verschiedene Sachen. Zum Beispiel interessiere ich mich sehr für Filmmusik. Meine Lieblingskomponisten sind Klaus Badelt (z.B. Time Machine oder Pirates of the Caribbean u.a.), Hans Zimmer (z.B. Batman Begins oder Tears of the Sun u.a.) und Joe Hisaishi (z.B. Howl's Moving Castle, Spirited Away, Hana-Bi). Ansonsten sehe ich mir sehr gern Rock/Pop Konzerte auf DVD an.

    Vor einiger Zeit war eine Coverversion von eurem Hit "Ballet Dancer" in den Charts. Gecovert hat ihn das Projekt "Masterblaster". Wie gefiel dir diese Version?
    Diese Version gefiel mir hauptsächlich deshalb, weil Turbo B. so ein brachialer Rapper ist. Der hat echt Dampf dahinter. Ansonsten war's ja eher das übliche "Samstag Abend Rave Disko"-Gedudel. Trotzdem fühlen wir uns sehr geehrt, dass Songs von uns gecovert werden.

    Ich danke dir für dieses Gespräch. Ich wünsche dir und deinem Kollegen viel Erfolg für die Zukunft und alles Gute. Möchtest du an unsere Leser selbst noch ein paar Worte richten?
    Vielen Dank auch von unserer Seite. Zu den Lesern und Fans kann ich nur wieder sagen, dass sie der Grund sind, weswegen es uns nun schon seit 26 Jahren gibt. Es ist nach wie vor toll, aus aller Welt (meist per e-mail) immer wieder die Resonanz von den Fans zu bekommen. Vielen Dank dafür!

    http://www.music-pleasuredome.de/

  5. #24
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    In naher Zukunft wird das Internet eine Space Jukebox...

    Wer in den 80ern die Kultfilme "Ferris macht blau" oder "Das Geheimnis meines Erfolges" gesehen hat, der kennt auch den Song "Oh Yeah". Stammzuschauer der TV Sendung "Formel 1" haben immer noch den Superhit "The Race" im Ohr. Im Werbefernsehen konnte man den Spot einer bekannten Automarke, untermalt mit dem Song "Squeeze Please", sehen. Hinter jedem dieser Songs steckt die schweizer Gruppe YELLO.
    Es gibt inzwischen 15 Alben und unzählige Singles, die die Formation über all die Jahre veröffentlicht hat, und das nächste Album steht schon in den Startlöchern. Über drei Jahrzehnte waren die Macher von YELLO, Boris Blank und Dieter Meier, nie müde und veröffentlichten in regelmäßigen Zeitabständen ein neues Werk, ohne dabei langweilig zu werden. Jedes Album ist anders und doch typisch YELLO.
    Wer glaubt, die Musiker von YELLO seien nur in Sachen Musik unterwegs, der irrt. Dieter Meier ist seit einiger Zeit Eigentümer einer Farm in Argentinien, auf der er biologisch angebaute Nahrungsmittel züchtet und in der Schweiz verkauft. Außerdem fotografiert er, schreibt ein Buch und bastelt - wie oben schon erwähnt - zusammen mit Boris Blank derzeit an einem neuen Album. Nicht ohne Stolz präsentieren wir Ihnen heute unseren neuen Gast auf Music-Pleasuredome. Über 30 Jahre Musikgeschichte und private Projekte sprachen wir am 23. Mai 2006 mit Dieter Meier, der Stimme von YELLO.

    Hallo Herr Meier! Sie sind nur sehr schwer zu erreichen - immer unterwegs. Womit sind Sie im Moment beschäftigt und wohin geht es als nächstes?

    Im Augenblick bin ich dabei, ein Buch mit Essays herauszugeben und einen Spielfilm fertigzustellen. Für die Postproduction fahre ich deshalb im Juni nach Los Angeles, wo ich mein eigenes Studio habe.

    Viele Musiker haben sich während oder nach ihrer Karriere ein zweites Standbein gesucht. Sie haben inzwischen mehrere Projekte, mit denen Sie sich beschäftigen und wo Sie aktiv sind. Unter anderem sind Sie Eigentümer einer Biofarm in Argentinien. Wie ist es dazu gekommen?

    Biologischer Anbau hat mich schon immer fasziniert. Argentinien bietet dazu ideale Voraussetzungen.

    Erzählen Sie uns bitte etwas mehr über diese Farm.
    Meine wichtigsten Erzeugnisse sind Sonnenblumen, Soya, Getreide, Mais, Leinsamen und natürlich biologisches Fleisch.


    Sie vertreiben die Bioprodukte über Ihren Laden in Zürich, und über www.ojo-de-agua.ch findet man Sie auch im Internet. Sind Ihre Erzeugnisse nur in der Schweiz erhältlich oder auch über die Grenzen hinaus?
    Das Fleisch ist nur in der Schweiz erhältlich, die anderen Produkte erhält man in ganz Europa, allerdings nicht unter meiner Marke "Ojo de Agua".

    Ist Ojo De Agua noch ausbaufähig - wie sehen die Planungen für die Zukunft aus?

    Ich werde unter dem Namen "Ojo de Agua" biologische Fertigprodukte (Convenience food) herstellen und bin mit mehreren Grossverteilern in der Planung.

    Ihr populärstes Produkt ist aber zweifelsohne YELLO. Seit letztem Jahr gibt es die sechs wichtigsten Alben Ihrer Band als Neuauflage. Erschienen sind sie mit reichlich Bonusmaterial und in überarbeiteter Form. Wie kam es zu diesen Neuauflagen?

    Neue Technologien machen es möglich, die Musik transparenter und dynamischer zu mastern, ohne den Alben ihre ursprüngliche Originalität zu nehmen.

    Wird es bald auch wieder ein Album mit ganz neuen Songs geben?

    Unser nächstes Album ist für den Herbst 2006 geplant.

    YELLO feiert bald 30-jähriges Jubiläum. Ist eine große Feier geplant?

    Wie jede richtige Diva versuchen wir, Geburtstagsfeste dieser Art zu vermeiden.

    Wie haben Sie und Boris Blank sich kennen gelernt?

    Bei einem Avantgarde-Plattenladen waren wir beide Kunden. Der Besitzer hatte ein kleines Label mit dem Namen "Perifery Perfume" und veröffentlichte meine ersten Soloprojekte. Boris Blank hat dort seine Musik vorgespielt, und der Plattenhändler hat uns sofort verheiratet.

    Welche Bedeutung steckt hinter dem Namen YELLO? Wie ist er entstanden?

    YELLO könnte der Name eines Kinderspielzeugs sein. Da wir im biblischen Sinne werden wollen wie die Kinder, ist YELLO ein Programm.

    Sie waren aber auch schon vor Ihrer Zeit mit YELLO musikalisch aktiv. Erzählen Sie uns bitte etwas über Ihre ersten Schritte als Musiker, insbesondere über Ihre Band "The Assholes".

    The Assholes waren eine Gründung von Ronnie Amsler, der mit dem Namen sagen wollte, dass man als Musiker aus der Schweiz immer das Asshole ist, weil man international keine Chance hat. Ich bin als Gastsänger mit den Assholes aufgetreten und habe in einer gepflegten Mischung aus Englisch und einem nicht mehr existierenden Suaheli-Dialekt meine Stimmaktionen vorgetragen.

    Nach dem dritten Album verließ Carlos Peron die Band. Was macht er heute und haben Sie noch Kontakt?

    Carlos Peron weiss, wieso er die Band verlassen musste. Ich habe gehört, dass er sich, dem Zeitgeist folgend, spezialisiert hat, für Hardcore-SM-Sessions die Soundtracks zu liefern. Ich hoffe, das stimmt und ernährt seinen Mann.

    Yello hat die Geburtsstunde der Compact Disc miterlebt. Sofort nach Markteinführung erschienen auch Ihre Alben auf CD. Wird Yello als Zukunft- und Technik orientiere Gruppe diesem Medium treu bleiben oder sich irgendwann komplett auf das Internet konzentrieren?

    In naher Zukunft wird das Internet eine Space Jukebox, aus der man nicht einmal mehr auf einen Speicher herunterlädt, sondern Musik nach Bedarf streamt und mit seiner Telefonrechnung bezahlt. Es wird immer Klangfetischisten geben, die Musik in höchster Qualität abspielen wollen. Für diese Leute wird irgend ein Tonträger digital hochaufgelöste Klänge bereithalten. Wir konzentrieren uns nicht auf den Transport unserer Musik, sondern einzig und allein auf die Musik selbst.

    Jetzt haben wir über Nahrungsmittel und Musik gesprochen, die Sie mit hohen Qualitätsansprüchen anbieten. Aber es gibt auch noch andere Arten der Kunst, die Sie praktizieren, wie z.B. Fotographie.

    Zur Musik bin ich aus Not gekommen, weil ich die Soundtracks zu meinen frühen Experimentalfilmen selber herstellte und zum Teil live aufgeführt habe. Meine ersten Auftritte als Artist fanden in Museen und Kinos statt, wobei ich zu dieser Zeit Fotos und Filme vorallem als konzeptionelle Ideenträger verwendet habe. Nach Ausstellungen in Kunsthäusern, an der Documenta 5 und Präsentationen an Filmfestivals (Cannes, Knokke, Taormina, Berlin) hat mich dann YELLO, die Musik, die Videos und natürlich die Promotion ziemlich in Anspruch genommen.

    Ich danke Ihnen für dieses Gespräch. Ich wünsche Ihnen alles Gute für die Zukunft und viel Glück bei all Ihren Projekten. Möchten Sie noch ein paar Worte an unsere Leser richten?

    Ich freue mich, dass die Musik von YELLO immer noch, auch von jungen Leuten, oft und gerne gehört wird, und glaube, dass die "provinzielle Bergdistel" aus der Schweiz nach dem Number One Billboard Dance Hit in den USA, den wir diesen Frühling hatten, auch in Zukunft fröhliche Blüten treiben wird.

    http://www.music-pleasuredome.de/


    26.05.06 PLAYLIST mit TOFFI:
    SAMANTHA FOX - "i wanna have some fun", MEL & KIM - "something special", BOYTRONIC - "maxi", V.A. - "eurovision song contest athen 2006" (2 CD), VANESSA - "vanessa", BANANARAMA - "drama", THE HUMAN LEAGUE - "hysteria", S.O.S. BAND - "sands of time", CHINA CRISIS - "working with fire and steel", HUBERT KAH - "sound of my heart", PET SHOP BOYS - "fundamental" (2 CD), CLAUDIA BRÜCKEN - "love: and a million other things" ---> ZAKK

  6. #25
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    MIDGE URE ist einer der großartigsten Musiker der letzten 30 Jahre. Wie kaum ein anderer war er in Bands (Ultravox, Visage) und als Solokünstler gleichermaßen erfolgreich. Egal wo er mitgewirkt hat, seine Handschrift ist überall erkennbar.
    Als Midge Ure am Ende der 70er Jahre bei der Gruppe ULTRAVOX einstieg, wußte definitiv keiner, daß diese Band mit ihren Songs ein Meilenstein der Musikgeschichte werden würde. Hits wie z.B. "Vienna", "Hymn" und "Dancing With Tears In My Eyes" eroberten die Charts im Sturm und sind heute noch oft gespielte Klassiker. Neben Ultravox arbeitete er fleißig an weiteren Projekten. So entstand unter seiner kreativen Federführung die Band VISAGE, die mit "Fade To Grey" einen der erfolgreichsten Songs der 80er abgeliefert hat. Mit Bob Geldof zusammen erschuf er das Projekt BAND AID und das Mega-Live-Event LIVE AID, zu denen er die damals angesagtesten internationalen Künstler zusammen für einen guten Zweck ins Studio und auf die Bühne holte. Nach seinem Ausstieg bei ULTRAVOX begann seine Solokarriere, die ebenfalls mit Erfolgen nur so gepflastert war. Mit Liedern wie beispielsweise "If I Was", "Dear God" oder "Breathe" war er Stammgast in den Hitparaden der ganzen Welt.
    Ein bewegtes musikalisches Leben. Und er ist immer noch aktiv. Was macht Midge Ure gerade? Was plant er? Viele Fragen, die wir ihm am 01. Juni 2006 gestellt haben und die er uns ausführlich beantwortet hat.


    Hallo Midge! Im letzten Jahr hat es für dich ein paar Auszeichnungen gegeben. Du wurdest von der Queen mit dem "OBE" (Officer In The Most Excellent Order Of The British Empire) geehrt und hast einen Ehrendoktortitel von der Universität Aberdeen verliehen bekommen. Nachträglich noch unsere Glückwünsche dafür. Was bedeuten dir diese Ehrungen?
    Es ist immer schön, wenn einem auf die Schulter geklopft wird. Ich hätte nie wirklich daran gedacht, daß mir sowas passieren könnte. Darum war es eine riesige Überraschung, als der Brief vom Premierminister bei mir ankam. Nach dem ersten Schreck fühlte ich mich wirklich zufrieden, besonders weil es sowohl für meine Band/Live Aid als auch für meine Musik war. Der Ehrendoktortitel bedeutet für mich, daß ich nun mehr Buchstaben um meinen Namen herum habe als in ihm selbst!

    Du arbeitest gerade an einem neuen Album. Wie ist der Stand der Dinge? Wie viele Songs hast du schon aufgenommen?
    Das ist eigentlich nicht die Art, wie ich arbeite. Ideen und Gefühle für einen Song kommen mir irgendwann und ich fertige einen "Soundscape" an, wovon einige Ideen in einen oder mehrere Songs einfließen, andere wiederum nicht. Ich setze mich also nicht mit der Gitarre hin, schreibe ein Lied und nehme es dann von Anfang bis Ende auf. Ich suche immer nach Grooves und Vibes die sich gut anfühlen und aufregend sind.

    Du bist in all den Jahren nicht auf der Stelle stehen geblieben. Musikalisch hast du dich stets weiterentwickelt. Wie werden deine neuen Songs klingen?
    Ich würde mir wünschen, daß es eine Weiterführung des letzten Studioalbums "Move me" wird. Sicher ist, daß die Songs, die ich bis jetzt aufgenommen habe, dieses Gefühl momentan vermitteln. Aber man kann sich da nicht eher sicher sein, bis die Arbeit wirklich beendet ist. Manchmal diktieren Lieder ihre eigene Richtung.

    Machst du den größten Teil der Arbeit an deinem Album wieder alleine oder wer wird da noch mit eingebunden?
    Ich weiß es im Moment wirklich noch nicht! Es hängt viel davon ab, wie sich die Dinge entwickeln während das Album entsteht. Es gibt viele Talente, auf die ich zurückgreifen kann, aber wir müssen einfach mal abwarten und sehen, wie sich die Dinge entwickeln.

    Nach vielen Jahren, in denen du in verschiedenen Bands gespielt und Projekte erschaffen hast, bist du jetzt schon über viele Jahre lang ein reiner Solokünstler. Eine Frage, die viele Fans beschäftigt: Wird es irgendwann eine Wiedervereinigung von ULTRAVOX geben?
    Es ist, wie ich immer sage: Das wäre das gleiche, als wenn du deine Ex-Frau noch einmal heiraten würdest. Ich meine, welchen Sinn würde das machen? Eine Menge Bands, die ein Comeback gestartet haben, haben das aus den falschen Gründen getan, und ich entdecke da kaum musikalische Gründe.

    Hast du noch Kontakt zu deinen ehemaligen Kollegen von Ultravox?
    Nicht wirklich. Gelegentlich spreche ich noch mit Chris (Bassist Chris Cross, Anm. d. Red.), aber das war´s dann auch schon.

    In den 70er Jahren war Ultravox eine reine Glam-Rock Band. Als du dazu gestoßen bist, hat sich der Stil komplett geändert. Was hast du eigentlich vor deiner Zeit bei Ultravox gemacht?
    Oh, eine Menge Zeug. Alle wahrscheinlich auch aus gutem Grund in Vergessenheit geraten!

    Ende der 70er bist du von Schottland nach London umgezogen. War London ein wichtiger Aspekt für deinen musikalischen Erfolg?
    Du mußtest damals wirklich in London sein, wenn du von der Musikindustrie ernstgenommen werden wolltest. Das war einfach der Ort, wo all die wichtigen Leute waren. Das war der Grund, warum es so wichtig war, dort hinzugehen. Nicht der Ort selbst, es waren die Leute und die Szene. Allerdings wohne ich seit Anfang der 90er nicht mehr in London. Es ist eine tolle Sache, wenn du ein Single bist, aber als Familienvater werden für dich andere Sachen wichtiger.

    Hat sich die Szene in London im Vergleich zu früher sehr viel verändert?
    Ja, es hat sich extrem verändert. Alle Leute, die ich in London kannte, sind inzwischen in den Westen von England gezogen.

    In all den Jahren deiner Karriere hast du in Bands gespielt oder Projekte ins Leben gerufen. Arbeitest du heute wieder an irgendeinem Projekt oder gar nicht mehr?
    Ich arbeite immer an neuen Projekten! Ich arbeite gern an vielen verschiedenen Dingen, aber sie müssen sich meinem Familienleben und anderen Engagements inzwischen unterordnen.

    Bei dem großen Spektakel LIVE AID im Jahre 1985 bist du neben Bob Geldof einer der beiden Organisatoren gewesen. Im Jahre 2005 gab es eine Zweitauflage dieses LIVE AID Projektes mit dem Namen "Live 8". Was waren deine Aufgaben bei dieser Neuauflage?
    Ich war in die Organisation des Konzertes im schottischen Murrayfield eingebunden. Außerdem war ich natürlich mit der ganzen zusätzlichen Arbeit beschäftigt, die mit der BAND AID Stiftung entstanden ist, und die mich nach wie vor zeitlich stark in Anspruch nimmt.

    Wo siehst du die Unterschiede zwischen den 80ern und heute, was die Musikszene betrifft?
    Das ist eine schwere Frage. Man muß sich über eine längere Phase immer weiterentwickeln, aber die Welt ist heute eine ganz andere geworden. Sie ist weniger naiv.

    Wünschst du dir die Zeit von damals manchmal zurück?
    Ich glaube, es ist produktiver wenn man im Heute lebt. Natürlich gibt es einige Dinge, die ich anders machen würde, wenn ich die Zeit nochmal erleben könnte. Andere Entscheidungen treffen, andere Wege wählen... Aber späte Einsicht ist eine wunderbare Sache!

    Wo siehst du die Vorteile der heutigen Zeit für deine Arbeit?
    Oh, das ist einfach zu beantworten! Als ich damals angefangen habe, die ersten Platten aufzunehmen, hatte ich keine Wahl, außer massenhaft Geld in Studiomieten zu investieren. Der Druck, die Platte in kurzer Zeit aufzunehmen, weil jede Stunde im Studio richtig viel Geld gekostet hat, war enorm. Heute kann ich ein Aufnahmegerät im Rucksack mit mir herumtragen und immer dann etwas aufnehmen, wann und wo immer ich will und mich die Stimmung packt.

    Möchtest du heute nochmal ein Newcomer in der Musikszene sein?
    Absolut nicht! Die Infrastruktur für Bands, zum Erlernen ihres Handwerks, ist einfach nicht mehr da. Ich spielte zu Hause in Schottland mit 14 Jahren in verschiedenen Gruppen. Das war nicht immer toll, aber es gab mir die Gelegenheit, mein Handwerk zu lernen. Dann haben wir das Problem mit dem gegenwärtigen Zustand der Musik-Industrie. Sie pumpen Unsummen an Geld in einen Künstler, und lassen ihn dann irgendwann wieder fallen, wenn seine erste Platte nicht gleich Platinstatus erreicht. Sie geben einem Künstler heute keine Chance auf Langlebigkeit und übernehmen ihm gegenüber keine Verpflichtungen mehr.

    Die Fussball WM geht in wenigen Tagen los. Interessierst du dich für Fussball?
    Nö, gar nicht! In Glasgow aufwachsend, war Fußball eine Freizeitaktivität die auf der religiösen Trennung der Stadt basierte, und ich jemand, der sich frei bewegen wollte. Ich habe das Gitarrespielen vorgezogen!

    Ich danke dir für deine Zeit und die Antworten auf die Fragen. Alles Gute und viel Erfolg für deine neue Produktion. Möchtest du den Lesern noch etwas sagen?
    Keep it real!


    16.06.06 PLAYLIST:
    KEANE - "under the iron sea", GARY NUMAN - "the fury (Extended)", THE KILLERS - "hot fuss", DEAD OR ALIVE - "mad, bad and dangerous to know", SCRITTI POLITTI - "provision", DARYL HALL & JOHN OATES - "12 inch collection", YOKO ONO - "starpeace", AMANDA LEAR - "incognito", AZUL Y NEGRO - "suspense", ---> TOFFI: MADONNA - "i´m going to tell you a secret" (DVD & CD), FANGORIA - "arquitectura efimera deconstruida" (2 CD & DVD) ---> ---> ZAKK

  7. #26
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    Interview mit Nick Beggs

    Digger talks to Nick Beggs, founder of Kajagoogoo, the band who hit the dizzy heights in 1983 with their synth pop with hits like 'Too Shy'. What has Nick got to do with Spandau Ballet's saxophonist Steve Norman's bottom? Are dwarves safe when Nick is around? Who is this John Lemon chap who keeps getting inside Nick's head and filling it with songs? Why is Digger on Nick's hit-list and what is Nick's reaction to Digger's incessant, continuous, relentless, never-ending and remorseless interrogation? Some answers to some of these questions can be found somewhere within the following article. Read on, if you dare.



    Digger: Who were your musical influences?

    Nick: My earliest influences were YES and any of the progressive rock bands of the 70s. In my opinion, they are still the most important musical movement ever.


    Digger: If you could create a supergroup of musicians, living or dead, from America and Britain, who would be in it and why?

    Nick: I'd have Jaco Pastorious on wash board. Chris Squire on swanie whistle. Pat Metheny on stylophone. Chester Thompson on spoons. Keith Emerson on hair and make up.

    Digger: What albums are you listening to at the moment?

    Nick: The new Daft punk album 'Human after all.' Everything by Imogen Heap. And John Mayer.

    Digger: Who are your favourite songwriters?

    Nick: Imogen Heap. Bono. Oh and Nik Kershaw is writing the best stuff he's ever done right now.


    Digger: Being very young at the time, how did you cope with being recognised everywhere you went and with the incessant publicity in the early 80s?

    Nick: I ran very fast. No one could ever catch up with my spindly legs. I can even out run the tax office officials.


    Digger: How have you and the guys changed in the last 25 years?

    Nick: Well, we all have more grey hair but at least we have hair. I'm certainly more laid back than I was. And Stuart is more wealthy than he's even been due to his hard work. As for Steve. He underwent a full 5ex change and likes to be referred to as Stephanie now.

    Digger: Where did the name Kajagoogoo come from?

    Nick: From the depths of my twisted mind.

    Digger: When composing, how does it work for you? Is there a light bulb in your head? Do the words come first? Or the title? Or the subject? Or the melody? Do you have to work hard at it? Be in the right mood? In the right environment? Or do songs come form anywhere at any time in many ways?

    Nick: Inspiration is very hard to find it's true, so I've resorted to ripping off other peoples' ideas. Also for extra lyrical depth I've been taking the help of an ancient spirit guide named John Lemon. Through various séances John has imparted a plethora of songs into my subconsciousness. As for what comes first really depends on Johns' frame of mind at the time. At the moment I'm working on a new tune called Captain Paprickas' dispossessed primary aortic valve club group.

    Digger: What are your happiest memories from the early eighties?

    Nick: Well eating Boy George's' eye liner pencil ranks quite high in the happy memory ratings. And then there's the time that Spandau Ballet and I had tattoos done. Did you know that Steve Norman had my face on his arse?

    Digger: Do you have any regrets regarding Kajagoogoo and their huge short-term success compared to their enduring success with the die-hard and new fans?

    Nick: I never regret anything other than being born.


    Digger: With touring and performing, recording and writing, how do you juggle the different disciplines?

    Nick: Mainly drugs. Oh and group 5ex. I find dwarves most accommodating and highly agreeable before a taxing schedule. It seems to give me the focus I need.

    Digger: What are the highlights and low-lights of touring for you?

    Nick: Well? It's quite hard to find dwarves. But the 5ex and drugs are ten a penny.

    Digger: Are there regional and country variations in your reception?

    Nick: Yes. But swearing seems to be pretty much the same the world over.


    Digger: Do you tailor your act for America or Europe or Japan?

    Nick: I have no dressmaking experience. Though my father once starched his hat.

    Digger: How would you describe your friendship and musical alliances with the other members of the band?

    Nick: Well Steve farts a lot and Stuart has a big nose............... Quite close really.

    Digger: How do your wife and children deal with you and your musical profile?

    Nick: The counseling bills are quite high. But I feel it's all worth it now we've managed to stop the boys setting fire to their hair at bed time.

    Digger: What do you consider your biggest achievements and what would you still like to accomplish?

    Nick: Honestly speaking just having two sons who don't set their hair a light last thing at night would be a personal triumph.


    Digger: How do you consider the state of British music today when compared to the sixties and seventies and eighties?

    Nick: The 60s was about self awareness, breaking wind and flowers. The 70s were about drugs, 5ex and accessorising. The 80s were about hair and synthesizers. And that's about it really. I hope I didn't leave anything out.

    Digger: Do you think technology and computers help or stifle musical creativity and ability?

    Nick: They are an amazing help. But the secret is to remember to turn them on.

    Digger: Who are your favourite musicians?

    Nick: Ronald Regan did a great album during his time as president. But by far my favourite coupling was the Thatcher/Regan Box Set album. I think it sums up the spirit of the 80s as only a box set album can do.

    Digger: Who have been your biggest inspirations in life? Your heroes and heroines in any walk of life.

    Nick: Oh the endless questions! Will they never end? They hem me in like the voices in my head. What must I do to be free of the endless questions?

    Digger: What makes you laugh, what makes you sad and what makes you angry?

    Nick: There you go again! Don't you think I've had enough of the puerile twoddle? No one ever asks me questions about things I'm interested in. I'm a 5exual pervert with an I.Q. of a million and you want to know what makes me angry? Ok! OOk! I'll play it your way. When my wife says, " No 5ex tonight. That makes me really angry! I'm still angry. I can feel the anger coursing through my......!"

    Digger: If you hadn't been a musician, what would you have been?

    Nick: A Gynecologist! Or a Minister. I've always felt a great kindredness to both professions. They are not as different as you might think my son.

    Digger: Do you consider yourself nostalgic or do you usually look ahead?

    Nick: No! And only when I'm driving!

    Digger: Do youngsters often come to your gigs and approach you, knowledgeable and appreciative
    of your work?

    Nick: Yes but that doesn't make me a bad person!


    Digger: Steve Priest of Sweet, Dave Hill of Slade, Rob Davis of Mud all wore outrageous clothes and jewellery.
    Were any, or all, of these responsible for influencing your showy image in the band?

    Nick: I hold everyone personally accountable for my life and you have just been added to the top of the list.

    Digger: What are your current projects and what do you have lined-up for the future?

    Nick: I'm working on a model of all 5 members of Kajagoogoo, made out of match sticks. Once all the gluing is complete I'll move onto the sanding and then the painting. Would you like to see it? You seem to understand.

    Digger: Please choose ten words or short phrases to describe yourself.

    Nick: Trowel, acquiescent, Tintagel, Velociraptor. I'm a good little doggie! Woof! Woof! x


    http://www.retrosellers.com/features120.htm

  8. #27
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    Sein bürgerlicher Name ist Chris Hamill. Er war gerade einmal 16 Jahre alt, als er seine ersten Schritte im Musikgeschäft machte. Chris gewann damals einen Gesangswettbewerb im "Wigan Casino" in Wigan, Lancashire (England). Mit 18 zog es ihn dann nach London - wie viele englische Künstler vor und nach ihm auch. Er nahm Unterricht in Gesang und Klavier und spielte in einigen unbekannten Bands. Laut eigener Aussage sparte er damals jeden Penny für das Schreiben von Songs und die Aufnahme von Demobändern. Seine Mühe wurde belohnt. Ein kleines Indi-Label ("Angel Records") veröffentlichte seine ersten beiden Solo-Singles ("It´s Christmas" und "Angel") - noch unter seinem bürgerlichen Namen. Über das in England berühmte Musikermagazin "Melody Maker" inserierte er und suchte eine Band. Die Gruppe mit Namen "Art Nouveau" las diese Anzeige und lud ihn zu einem Vorsingen ein. Ein Jahr später wurde aus "Art Nouveau" die Gruppe "Kajagoogoo" und aus Chris Hamill der Frontmann "LIMAHL". Die Band unterzeichnete einen Vertrag bei EMI und ihre erste Single "Too Shy" (produziert von Nick Rhodes von Duran Duran) wurde zum Million-Seller und zur Nr. 1 in mehreren Ländern. Weit über 4 Millionen Singles wurden verkauft.
    Die "Ehe" zwischen Limahl und Kajagoogoo hielt jedoch nicht lange. Kurz nach der Tour zum Album "White Feathers" wurde er von den übrigen Musikern kurzerhand vor die Tür gesetzt. Während die verbliebenen Mitglieder der Band versuchten, auch ohne Limahl weiterhin erfolgreich zu sein (es blieb auch nur bei dem Versuch), veröffentlichte Limahl seine erste Solo-Single mit dem Titel "Only for love". Der Song wurde ein Hit, genauso wie sein erstes Solo-Album "Don´t suppose". Nur ein Jahr später schrieb Limahl Musikgeschichte! Mit dem Titel "Neverending Story" hatte er 1984 einen Welthit. Der Song war die Titelmelodie zum gleichnamigen Kinofilm "Die unendliche Geschichte" und eine Nr. 1 in 17 Ländern der Erde. Die 80er waren Limahls Jahrzehnt.
    Jetzt ist er zurück! Seine Comeback-Single "Tell Me Why" ist seit Ende Mai im Handel erhältlich. Ein Lied mit einer persönlichen Geschichte. Limahl ist derzeit in Deutschland auf einer groß angelegten Promotion-Tour unterwegs. Am 9. Juni trafen wir einen freundlichen und aufgeschlossenen Mann und sprachen mit ihm über seine neue Platte und über seine Karriere.


    Hallo Limahl! Schön, dich bei Music-Pleasuredome begrüßen zu dürfen. Was machst du im Moment?
    In den nächsten vier Wochen reise ich 6000 Kilometer quer durch Deutschland. Ich habe TV-, Radio- und Pressetermine sowie viele Autogrammstunden. Die Leute z.B. bei Autogrammstunden in Kaufhäusern von Angesicht zu Angesicht treffen zu können, ist großartig und sehr interessant.

    Es ist jetzt 14 Jahre her, daß du deine letzte CD veröffentlicht hast. Was hast du in all der Zeit gemacht?
    Ja, das ist eine lange Zeit her. In den 90ern habe ich als Produzent gearbeitet. So kam es, daß ich hinter den Kulissen tätig war, so wie ein Fußballer nach seiner aktiven Zeit zum Trainer oder Manager oder ein Schauspieler zum Regisseur wird. Das war wohl eine normale Entwicklung. Damit war ich in den 90ern beschäftigt. Damals hat sich kein Mensch mehr für Musik oder Künstler aus den 80ern interessiert. Das Wiederaufleben der 80er begann in England erst 1997.

    Bitte erzähl uns etwas über deine neue Single.
    Der Titel ist durch eine Zusammenarbeit zwischen drei deutschen Komponisten und mir entstanden. Wir haben den Song letztes Jahr in Hamburg geschrieben. Zwei Wochen später habe ich die Arbeiten am Text abgeschlossen. Zu dieser Zeit hat sich mein Bruder gerade von seiner Ehefrau getrennt. Aus diesem Grund gab es eine ganze Menge Telefonate zwischen meiner Familie und mir. Es war eine sehr traurige Situation. Er hat zwei kleine Kinder und war 18 Jahre mit der Frau verheiratet. Der Song ist eine Geschichte über Scheidung. Nicht meine Scheidung, aber die Scheidung meines Bruders.

    Planst du auch, ein neues Album zu veröffentlichen?
    Ich habe ein paar wundervolle Lieder fertig. Eines davon ist für mich von der Gruppe Rosenstolz geschrieben worden. Er ist bereits aufgenommen. Wir müssen aber mal abwarten, was aus der aktuellen Single wird. Leute, kauft diese Platte - ich steh ganz schön unter Druck (lacht). Im Moment kann ich dazu noch nichts sagen, denn es hängt viel vom Erfolg der aktuellen Single ab. Wenn daraus nichts wird, veröffentliche ich die Songs vielleicht über meine Webseite (www.limahl.com, Anm. d. Red.). Simply Red verkaufen schon seit Jahren ihre CDs über die bandeigene Homepage. Vielleicht mache ich das dann auch. Im Moment kann ich noch nicht sagen, ob meine Plattenfirma mein Album veröffentlichen wird. Ich hoffe es aber. Ich bin wirklich unter Druck, was?

    Seit letztem Jahr gibt es von dir auch eine weitere CD mit dem Titel "All The Hits Plus More" zu kaufen. Sind die Songs auf dem Album Originalversionen oder Remixe?
    Das sind keine Remixe. Es handelt sich dabei um Remakes. Ich mag dieses Album wirklich nicht. Es ist 1989 bei einem kleinen Label entstanden und alle Titel wurden damals neu abgemischt. Ich mag die Versionen nicht. Bitte kauft diese CD NICHT!!! (lacht)

    Deine Fans warten immer noch auf eine Wiederveröffentlichung deiner 80er Alben auf CD. Gibt es eine Chance, daß dieser Wunsch erfüllt wird?
    Das ist eine sehr interessante Frage. Das weiß ich gar nicht. Es gibt aber eine CD Compilation von der Firma Disky. Sie ist 1996 erschienen und heißt "The best of Limahl". Auf dieser CD ist der größte Teil meiner Soloarbeit aus den ersten beiden Alben als Originalversionen, incl. "Neverending Story", zu finden. Es ist ein Greatest Hits Album mit Original Versionen, aber leider wohl nicht in jedem Land erhältlich.

    Vor zwei Jahren hast du an der "Comeback"-Show im Deutschen Fernsehen teilgenommen. Die Sendung hat gezeigt, daß du noch eine Menge Fans hier hast. War das auch ein Grund für dein Comeback?
    Absolut, ja! Einige Leute haben mich für meine Teilnahme an dieser Show hart kritisiert, aber es war für mich die Gelegenheit, in eine solch interessante Situation, zusammen mit Harold Faltermeyer, Coolio, Emilia, Chris Norman und all den anderen tollen Musikern, zu kommen und unter diesem enormen Druck Woche für Woche zu arbeiten. Live singen, sich an die ganzen Texte und Melodien zu erinnern - das war schon fantastisch. Während dieser Zeit habe ich höchstens fünf Stunden pro Nacht schlafen können. Es war ein enormer Druck, aber ich bin sehr glücklich, daß ich diese Show so erfolgreich überstanden habe. Es war halt ein Wettkampf.

    Welche Eindrücke hast du aus dieser Show mitgenommen?
    Vermeide Reality TV Shows!!! Ich mach nur Spaß... Es war eine enorme nervliche Belastung. Und die Show war nicht so schlecht wie das "Dschungel-Camp". Außerdem ist das Live-Singen viel angenehmer als die Aktivitäten in diesem Camp. Ich hab´ diese Erfahrung genossen und bin froh, diesen Wettkampf angenommen zu haben. Ich bin keine 25 Jahre mehr und der Körper hat sich auch verändert, aber ich habe diesen Stress wirklich genossen.

    Im gleichen Jahr hast du auch zum ersten Mal wieder mit deinen alten Kollegen von Kajagoogoo für eine US-TV-Sendung auf der Bühne gestanden. Wie ist es zu dieser "Reunion" (Wiedervereinigung) gekommen?
    Ich bekam einen Anruf von dem Sender VH1, eigentlich um ein ganz normales Interview zu machen. Das war irgendwie genauso wie das mit uns beiden hier zustande gekommen ist. Ich bin also in ein Restaurant in Nottinghill, London, gegangen. Als ich ankam, waren dort über 25 Leute. Kameras, Licht, ein Moderator, Mitarbeiter... eine große Film Crew eben. Und dann fragte ich: "Was geht denn hier ab?". Wir unterhielten uns über dies und das und am Ende sagte der Moderator: "Wir haben eine Überraschung für dich. Der Grund, warum wir dich eingeladen haben ist der, daß wir dich wieder mit deiner alten Band zusammenbringen wollen, um einen gemeinsamen Auftritt zu machen". Er sagte dann noch, daß sie das aufnehmen und auch senden wollten. "Wir werden eine Menge Spaß dabei haben". Ich sagte dann einfach nur: "Ok!".

    Was war das für ein Gefühl, nach all den Jahren wieder mit Kajagoogoo zusammen zu spielen?
    Das war sehr schwierig. Ich habe einige sehr schlechte Berufserfahrungen mit Kajagoogoo gemacht. Das ist einer der Gründe, warum es kein Comeback in der Originalbesetzung gegeben hat. Wir haben diese Show zusammen gemacht und das war´s dann auch. Zwei Wochen nach der Sendung habe ich mich mit der Band zusammen zum Essen getroffen. Wir sprachen über eine Wiedervereinigung aber wir hatten immer noch die gleichen Probleme wie früher miteinander. Das ist ein weiterer Grund, warum daraus nichts geworden ist.

    Es gibt widersprüchliche Meldungen, warum es damals zum Split zwischen dir und der Band gekommen ist. Was war der wirkliche Grund?
    Ich weiß es eigentlich immer noch nicht. Ich bekam damals einen Anruf von unserem Manager. Er sagte zu mir: "Limahl, wir sitzen hier gerade alle zusammen und haben eine Bandbesprechung. Wir haben uns dazu entschieden, ohne dich weiterzumachen". Das war´s.

    Bevor aus dir und den anderen Musikern Kajagoogoo wurde, hieß die Band "Art Nouveau". Was bedeutet eigentlich der Name "Kajagoogoo"?
    Der Name Kajagoogoo bedeutet gar nichts. Wir mochten den Namen einfach, weil er sich so verrückt angehört hat. Einen Sinn hat er nicht.

    Deine erste Solo-Single nach Kajagoogoo war schon recht erfolgreich. Aber mit "Neverending Story" hast du ohne Zweifel Musikgeschichte geschrieben. Wie ist es zu der Zusammenarbeit mit Giorgio Moroder gekommen?
    Gute Frage... Ich war 1983 in Tokyo, Japan und traf dort Giorgio Moroder. Wir sind dann zusammen mit meinem Manager essen gegangen und haben über Gott und die Welt geredet. Sechs Wochen später rief er meinen Manager an und lud mich ein, um diesen Song aufzunehmen.

    Welche Musik hörst du denn gerne? Was ist die letzte CD gewesen, die du dir gekauft hast?
    Madonna´s Album "Confessions On A Dance Floor". Außerdem mag ich die englische Sängerin Katie Melua und das Album von der Gruppe Scissor Sisters.

    Bist du immer noch der heißbegehrte Junggeselle wie in den 80ern oder gibt es inzwischen jemand besonderen in deinem Leben?
    Ja, es gibt jemand besonderen! In Englisch sagen wir: "It´s good to be finally out of the dating game". Ich habe 10 Jahre meine Zeit damit verbracht, mich mit Leuten zu treffen, die sich nur für meinen Erfolg, mein Geld und die Parties interessiert haben, die ich gegeben habe. Jedoch nicht mit der richtigen Person. Ich habe 1993 jemanden kennengelernt, mit dem ich nun schon seit fast 13 Jahren zusammen bin.

    Ich danke dir für die Zeit und deine ausführlichen Antworten. Möchtest du außerdem noch etwas loswerden?
    Ok... Viel Glück für Deutschland bei der WM. Paßt auf: Wayne Rooney ist wieder fit! Englische Fussballfans kommen euch nun besuchen. Bitte haltet Unmengen an Bier bereit (lacht). Ich habe heute noch einen Termin. Den werden wir wohl unterbrechen müssen, denn ich möchte das Eröffnungsspiel gerne sehen.
    Ich bin richtig froh, daß nun auch in Deutschland der Sommer angekommen ist. Ich bin nun schon seit zwei Wochen hier und das Wetter war bisher schrecklich. Jetzt ist es ja endlich schön.


    22.06.06 PLAYLIST:
    AZUCAR MORENO - "baila con lola", PLACEBO - "black market music", SCRITTI POLITTI - "cupid & psyche 85", TIZIANO FERRO - "stop! dimentica" (M-CD), PREFAB SPROUT - "protest songs", MELISSA MANCHESTER - "emergency" (vinyl), AL CORLEY - "the big picture", T.X.T. - "what about you?", IGGY POP - "blah-blah-blah", PLACEBO - "meds", VISAGE - "the anvil", CLAP YOUR HANDS SAY YEAH - "clap your hands say yeah"

  9. #28
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    David Sterry (Gesang/Gitarre), Richard Zatorski (Violine/Keyboard), Alan Johnson (Bass) und Danny Simcic (Schlagzeug) bildeten Anfang der 80er die New-Wave Band REAL LIFE. Die fünf Herren aus Australien unterschrieben einen Vertrag bei Glen Wheatley, der fortan ihr Manager sein sollte. Wheatley hatte schon Künstler wie John Farnham, Little River Band, Australian Crawl und Pseudo Echo unter Vertrag. Die erste Hürde zum Erfolg war genommen. Jetzt fehlte nur noch eine Hitsingle. Die wurde dann von David und Richard geschrieben: "Send Me An Angel". Wheatley bemerkte sofort, daß der Song Hitpotential hatte. Eigens für die Band erschuf er sein Label "Wheatley Records" und veröffentlichte die Single 1983. "Send Me An Angel" wurde für die Auszeichnung "Beste Debüt Single des Jahres" nominiert und das Album "Heartland" mit dem Preis "Bestes Debüt Album des Jahres" bei den australischen Countdown Music Awards ausgezeichnet. Auch den Rest der Welt eroberten die Single und das Album im Sturm. Es folgte eine ausgedehnte Welt-Tournee. Richard Zatorski verließ 1986 die Band und wurde durch Steve Williams ersetzt.
    In Deutschland erschienen bis 1990 mit "Flame" und "Lifetime" zwei weitere Alben, und mit "Send Me An Angel ´89" eine Compilation. In Amerika und Australien war die Veröffentlichungspolitik der Plattenfirma eine andere. Hier erschienen z.B. mit "Let´s Fall In Love" und "So Far" weitere Compilations, die in Europa nicht angeboten wurden. Nach dem "Lifetime" Album legte die Band eine fünfjährige Pause ein.
    Mit "Like A Ghost" wurde 1996 eine selbstproduzierte und limitierte E.P. veröffentlicht und der neue Keyboarder, George Pappas, vorgestellt. Steve Williams hatte Real Life inzwischen wieder verlassen. Diese E.P., die auch musikalisch komplett anders war als das, was man von der Gruppe aus den 80ern kannte, war nur über die bandeigene Webseite erhältlich und die Fans waren begeistert von dem neuen Stil der Band. Aufgrund dieses Zuspruchs entschlossen sich die Musiker, weiteres Material für ein Album zu schreiben. Es folgte 1997 die CD "Happy", sowie eine Tour durch die USA, Deutschland und Australien. Danach verließen Danny Simcic und Allan Johnson die Gruppe und Real Life bestand nur noch aus David Sterry und George Pappas, die 2003 die bisher letzte Real Life CD mit dem Titel "Imperfection" veröffentlichten.
    In Deutschland hat man von vielen der oben beschriebenen Begebenheiten nicht viel mitbekommen. Nur Insider wissen, was sich alles getan hat. Was macht REAL LIFE heute? Wie war das in den 80ern und den 90ern? All diese Fragen wollten wir klären und haben in einem Gespräch mit Sänger und Gründungsmitglied David Sterry am 29.06.2006 viele Antworten bekommen.

    Wer 1983 das Radio eingeschaltet hat und einer der damals noch zahlreichen Radio-Hitparaden gelauscht hat, wurde sofort infiziert: Vom Real Life Virus!
    Die Debüt-Single der australischen Band mit dem Titel "Send Me An Angel" eroberte damals die Hitparaden der ganzen Welt. Fortan spielten die vier Jungs aus Melbourne nicht mehr nur auf den Bühnen ihrer Heimat. Album und Single wurden mit Auszeichnungen nur so überschüttet und es folgte eine gut besuchte Welt-Tournee.
    Zwischen 1983 und 1990 veröffentlichten REAL LIFE mit "Heartland", "Flame" und "Lifetime" drei Alben in Deutschland. Ihre Singles "Send Me An Angel", "Catch Me I´m Falling", "Always" und "Face To Face" landeten allesamt in den Top 100 Single Charts. Auch in den USA, Australien, Japan und dem Rest von Europa war die Band erfolgreich. Sieben Jahre in denen die Gruppe ein wichtiger Bestandteil der 80er Musikszene und eine der bekanntesten Bands dieser Dekade wurden.
    In den 90ern wurde es etwas stiller um Sänger David Sterry & Co. Ihr Musikstil änderte sich nach einer schöpferischen Pause von fünf Jahren, als 1996 das Album "Happy" veröffentlicht wurde. Mit David Sterry sprachen wir am 29. Juni 2006 über die erfolgreiche Zeit in den 80ern, was in den 90ern passierte und was von REAL LIFE noch kommen wird...


    Hallo David. Schön, dich für ein Interview bei uns zu haben. Willkommen bei Music-Pleasuredome.
    Hallo Music-Pleasuredome.

    In Deutschland gab es in den letzten Jahren nicht viel von euch zu hören. Es war sehr ruhig. Die wichtigste Frage für alle deutschen Fans vorweg: Existiert REAL LIFE noch?
    Ja, die Band gibt es noch. Aber ich bin mir momentan noch nicht ganz sicher, in welcher Formation. Bei den Aufnahmen zum letzten Album waren es nur noch George Pappas und ich, aber Ende letzten Jahres hat sich George dazu entschlossen, aus gesundheitlichen Gründen keine Konzerte mehr zu spielen. Er leidet an Morbus Crohn. Wie dem auch sei, George und ich schreiben weiterhin zusammen neue Songs und Danny Simcic, unser ehemaliger Drummer, möchte wohl auch wieder mitmachen. Ich glaube, daß ich auch Allan Johnson zu einem Comeback bewegen könnte, wenn wir ein paar Auftritte in den USA und Europa klarmachen können. Letztes Jahr im September war ich in Winterbach, um mich mit Leuten von einem Label namens "Unsubmissive" zu treffen, die einen brillianten Remix von "Send Me An Angel" gemacht haben (Herr Peter Hoff). Aber dabei kam nichts weiter heraus. Es war großartig, wieder zurück in Deutschland zu sein, wo wir eine so großartige Zeit bei der Intercord hatten. Außerdem mache ich gerade einige Remixe für Major Records in Deutschland.

    Was ist bei REAL LIFE zwischen dem 1990er "Lifetime" Album und heute passiert?
    Eine Menge Ärger mit der Plattenfirma. Wir waren durch die Aufnahmen für neue Platten und durch die Tourneen immer verhindert und hatten danach einen sehr langen Gerichtsprozeß, den wir gewonnen haben. Aus uns ist eine Independent Band geworden, die zwei ihrer besten Alben mit "Happy" und "Imperfection" aufgenommen hat.

    Aus wem besteht REAL LIFE denn heute noch?
    Aus mir, George und Danny. Denn ich glaube, daß ich George nochmal überreden kann, mit uns auf Tour zu gehen. Er ist im Moment ein richtiger Party-Löwe.

    Was ist aus den ehemaligen Bandmitgliedern geworden? Was machen sie heute?
    Richard Zatorski ist Eigentümer einer Bar in Melbourne. Ich habe ihn aber schon seit Jahren nicht mehr gesehen. Danny Simcic ist als Produzent tätig, Steve Williams arbeitet in einem Musik-Geschäft und verkauft mir immer eine Menge Equipment zu Discount-Preisen und Allan Johnson schläft mit einer Menge Frauen.

    Hast du noch zu allen Kontakt?
    Nein, nur zu Steve, George und Danny.

    Ihr habt vor ein paar Jahren einen Plattenvertrag bei dem US Label "A Different Drum" unterzeichnet, oder?
    Wir sind nicht bei ADD unter Vertrag. Wir haben ihnen nur die Genehmigung gegeben, unsere Alben zu veröffentlichen und für uns Remix-Alben zu machen. Wir mögen sie und auch Salt Lake City.

    Für all die Leute, die euer letztes Album "Imperfection" nicht kennen: Bitte erzähl uns etwas darüber, was die Leute erwartet, die eure CD hören.
    Die Leute erwartet ein unglaubliches Verlangen, danach zu tanzen und mit Känguruhs, Koalas und Wombats Liebe zu machen, während sie der Welt Liebe und Verständnis entgegen bringen. Außerdem ein starkes Verlangen danach, einige Weltmeisterschafts-Schiedsrichter zu verjagen (Anspielung von David auf den zu unrecht gegebenen Elfmeter gegen Australien im Fußball WM Spiel gegen Italien in der 94 Minute, Anm. d. Red.).

    In eurer Musik ist ein Sprung zwischen dem Material aus den 80ern und den letzten beiden Alben "Happy" und "Imperfection". Man kann sogar von einem Stil-Bruch sprechen. Was waren die Gründe für diese totale Veränderung?
    Das ist eine seltsame Frage, denn wir dachten eigentlich, daß unsere Musik eine direkte Weiterentwicklung der Achziger ist. Vielleicht liegt es daran, daß es Alben waren, die wir für uns machen wollten. Ohne eine Plattenfirma, die uns dazu bringen will, "Send Me An Angel" immer wieder neu zu schreiben. Auf unseren Konzerten war bisher aber noch niemand enttäuscht von unserem Programm, das überwiegend "happy" (fröhlich) und "imperfection" (unvollkommen) ist.

    Laß uns etwas in der Zeit zurückreisen. Mit der Single "Send Me An Angel" hattet ihr nicht nur in Deutschland einen Nr. 1-Hit. War der Erfolg des Songs und des dazugehörigen Albums "Heartland" überraschend für euch, oder hattet ihr schon im Gefühl, daß eure Musik die Chance hat, Geschichte zu schreiben?
    Das war eine sehr große Überraschung. Wir haben damals nicht daran gedacht, damit in Australien einen Hit zu landen, geschweige denn damit weltweit Erfolg zu haben. Ich kann es eigentlich immer noch nicht fassen, daß das passiert ist.

    Bitte erzähl uns etwas über die Entstehung von REAL LIFE. Wer hat die Band gegründet und wie kam es zu der Idee?
    Richard hat 1980 über eine Anzeige einen Gitarristen gesucht, der auch Songs schreiben möchte. Darauf hab ich dann geantwortet. Wir beiden allein waren aber noch keine Band und konnten auch niemanden finden, der unsere Songs so aufnehmen wollte. Also rekrutierten wir Allan und fingen an, in Melbourne und Umgebung Konzerte mit Hilfe einer primitiven Rhythmusmaschine (Boss Dr. Rhythm) zu spielen. Irgendwann wurden wir von dieser Maschine richtig krank, und Danny stieg in die Band ein. Wir haben damals sehr hart gearbeitet. Ein Jahr bevor "Send Me An Angel" erschienen ist, haben wir über 300 Shows gespielt.

    Welche Einflüsse spielten damals für die Band eine Rolle?
    Essen und Getränke. Wir waren alle sehr hungrig... Synthesizer, Kraftwerk, Led Zeppelin, The Young Ones, Mädchen, The Stranglers und Claudia Brücken.

    Eure ersten beiden Alben sind seit Jahren - zumindest in Deutschland - nicht mehr erhältlich. "Heartland" gibt es lediglich in Australien als Zweitauflage. Gibt es Pläne, "Heartland" und "Flame" auch für den Rest der Welt wieder zugänglich zu machen?
    Aufgrund der Rechteverhältnisse konnte ich nur "Heartland" für Australien wiederveröffentlichen. Ich hasse das "Flame"-Album aber bringe es vielleicht irgendwann doch nochmal als Zweitauflage raus. Ich suche gerade nach einer Möglichkeit, alle Songs, die wir je gemacht haben, sowie ein paar neue Songs auf eine I-Tunes Seite zu stellen, damit sich die Leute dort runterladen können, was immer sie von all unseren Songs gebrauchen können.

    Was hast du vor deiner Zeit bei REAL LIFE gemacht?
    Um Geld zu verdienen, hab ich Taxis zu Schrott gefahren.

    Was denkst du, wenn andere Künstler Songs von Real Life covern, und wie fühlst du dich dabei?
    Ich fühle mich sehr geschmeichelt, obwohl die meisten Coverversionen einfach schrecklich sind. Mein Favorit ist eine Punk-Version des Songs "Send Me An Angel" von der Gruppe THRICE.

    Was kommt als nächstes für REAL LIFE?
    Die Weltherrschaft, eine Menge Tourneen und eine Menge Currywurst und Bratkartoffeln. Ich möchte das Mädchen heiraten, das ich letztes Jahr in Stuttgart auf der Straße mit einer Geige habe spielen sehen und dann mit ihr glücklich zusammen leben.

    Eine "freie" Frage: Möchtest du noch ein paar Worte unsere Leser richten?
    Seid nett zu jedem, den ihr trefft und paßt auf, daß ihr immer frische Unterhosen anzieht für den Fall, daß ihr von einem Bus überfahren werdet.

    Danke für deine Zeit und deine Antworten. Viel Glück und alles Gute für dich und REAL LIFE.
    Ich danke dir!


    22.07.06 PLAYLIST:
    COCK ROBIN - "i don´t want to save the world", THE SMASHING PUMPKINS - "adore", THE KNIFE - "deep cuts" (CD & DVD), AMANDA LEAR - "tam-tam", FREIHEIT - "romancing in the dark", SONIA - "everybody knows", AZUCAR MORENO - "baila con lola", MAI TAI - "1 touch 2 much", TOBIAS BERNSTRUP - "re-animate me", ALASKA Y DINARAMA - "no es pecado" ---> PARKHOUSE / düsseldorf

  10. #29
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    wurde bereits an anderer stelle gepostet, passt aber auch in diesen thread:

    MARIAN GOLD von ALPHAVILLE

    Marian, Du trittst jetzt gleich beim RT 1 Sommerfest vor 8000 Leuten auf. Bist du nach 22 Jahren im Musikgeschäft immer noch aufgeregt, bevor du auf die Bühne gehst?

    Gold: Ja, irgendwie schon, weil es jedes Mal eine andere Herausforderung ist. Du versuchst die ganze Zeit über, die Kontrolle zu behalten. Es entstehen immer wieder neue Situationen bei der Interaktion mit dem Publikum und wenn du mit einer Band spielst, auf musikalischer Ebene. Das ist einfach spannend und deshalb hast du schon Adrenalin in dir, wenn du auf die Bühne gehst. Es wäre fast unprofessionell, wenn das nicht so wäre – dann sollte man besser aufhören.

    Wie sahen die letzten Jahre aus, es war ja recht still um Alphaville?

    Gold: In den normalen Medien ist es schon seit längerer Zeit ziemlich still. Das liegt einfach daran, dass wir in den regulären Medien seit etwa 1997/1998 nicht mehr so richtig vorkommen. Wir haben in 2000 einen Live-Tonträger veröffentlicht, der auch ganz gut gelaufen ist. Aber wir hatten keine Top 20/ Top 40-Hits in den letzten sechs bis sieben Jahren und da findest du dann einfach in den Medien nicht mehr statt. Wir sind in dieser Zeit aufs Internet ausgewichen und haben unsere Sachen da weiterentwickelt. In 2001 haben wir angefangen mit dem Projekt „Crazy Show“, bei dem wir Musik, die in der Entwicklungsphase war, ins Netz gestellt haben. Man konnte sich das auf unserer Website kostenlos runterladen und mitverfolgen, wie ein Album in allen Produktionsphasen so nach und nach entsteht. Das fertige Produkt haben wir dann anschließend auch als „Crazy Show“ herausgegeben und verkauft. Das ist allerdings in den normalen Charts nicht aufgetaucht.

    Mit „Dreamscapes“ habt ihr 1999 auf acht CD´s eure gesamte Arbeit zusammengefasst. Welche Alphaville Songs sind deine persönlichen Favoriten?

    Gold: Das ändert sich. Was mir immer großen Spaß macht, ist „Carry your Flag“, das ist ein langsames Stück, das wir heute Abend auch spielen werden. Die anderen Nummern sind aber auch große Klasse. Es ist auch ein Unterschied, was ich gern höre und was ich gern spiele. Das muss nicht immer das Gleiche sein.

    Wie entstehen deine Songs, was inspiriert dich? Hast du erst ein Thema, einen Text oder eine Melodie im Kopf?

    Gold: Das ist wirklich bei jedem Song anders. Ich bin nicht so ein strukturierter Arbeiter, der mit einer bestimmten immer gleichen Strategie an die Songs herangeht. Es hängt immer davon ab, was für eine Art von Eingebung du gerade hast. Ob du etwas in der Zeitung liest, eine Melodielinie hast oder ein Textfragment. Die Muse küsst dich – und du gehst ins Studio.

    Du hast einmal gesagt, das 80er Revival geht dir auf den Wecker. Da liegen aber die Wurzeln eurer Musik. Worin unterscheidet sich eure Musik heute von der, die ihr vor 22 Jahren gemacht habt?

    Gold: Ich verleugne keineswegs meine Wurzeln. Es ist nur so, dass mir jede Art von Revival auf den Keks geht. Das ist ein Mumientanz bei dem die Leute noch mal auf die Bühne kommen um sich mit ihren alten Hits ein paar „Märkerchen“ zu verdienen. Ich finde das erbarmungswürdig. Ich möchte ungern in eine gleiche Kiste mit so etwas geworfen werden, weil wir über die ganzen Jahrzehnte hinweg kontinuierlich Alben veröffentlicht haben und das auch weiterhin tun werden. Wir arbeiten weiterhin kontinuierlich an unserer Musik. Was an unserer Musik heute anders ist, kann man schlecht erklären, das kann man nur hören. Aber das etwas anders ist, ist für mich sehr beruhigend, sonst wären die letzten 22 Jahre Stillstand gewesen und das fände ich ziemlich schrecklich. Jedes Album ist für mich ein neues Territorium und ich wünsche mir, dass ich immer wieder neue Dinge erfahre. Es ist ein Wechselspiel zwischen mir und der Musik, die ich mache.

    Einige Stücke der „Crazyshow“-Box wurden per Internet von euren Fans mitgestaltet. Wie darf man sich das vorstellen?

    Gold: Wir bekamen ein wahnsinnig starkes Feedback darauf, als wir unsere Musik ins Netz stellten. Die Leute fanden das ganz toll und es kam in den Mailinglisten die Diskussion auf, dass es noch keinen Titel von Alphaville gäbe, der mit dem Buchstaben Z beginnt. Daraufhin fingen die Leute an, Texte zu schreiben. Dabei war ein Text, den ich wahnsinnig gut fand. Ich habe mich sofort hingesetzt und eine Musik dazu gemacht. Der Song war innerhalb von 10 Stunden fertig und drei Tage später stand er im Netz. Das war echte Interaktion zwischen Fans und Band. Der Song heißt „Zoo“ und ist dann auch auf der „Crazy Show“ gelandet. Das ist bei zwei oder drei anderen Stücken auch so gewesen, z. B. bei „Those wonderful Things“, dass die Leute die Texte dafür geschrieben haben. Wir haben diese Texte dann benutzt. Natürlich haben wir die Rechte daran bei den Leuten gelassen. Das sind nach wie vor deren Texte.
    Du hast sehr viel Fankontakt übers Internet. Wer sind eure Fans oder eure Zielgruppe? Sind das die Fans von früher oder versucht ihr auch die jetzige Generation anzusprechen?
    Gold: Das ist ganz gemischt. Auf unsere Konzerte kommen Leute im Alter von 16 bis 50 Jahren. Als Musiker versuchst du natürlich, jeden zu erreichen. Aber ich glaube, ich war auf meinen Konzerten bisher immer der Älteste.

    Du hast selbst vier Kinder. Spielen sie auch Instrumente oder wollen sogar in deine Fußstapfen treten?

    Gold: Sie sollen beruflich tun, was sie möchten. Wenn sie sich für etwas Künstlerisches entscheiden, z. B. Musiker oder Bildhauer zu werden, ist das völlig in Ordnung. Ich finde, dass man als Eltern die Aufgabe hat, die Anlagen der Kinder zu fördern und sich möglichst von eigenen Wunschvorstellungen zu entfernen. Das ist glaube ich immer ein schwieriger Prozess.

    Wie ich gelesen habe, soll bald ein neues Album veröffentlich werden und ihr seid auf der Suche nach einer passenden Plattenfirma. Es ist ja manchmal schwierig, einen Kompromiss zwischen Kunst und Kommerz zu finden. Wie viel Kunst würdest du opfern, um die Platte zu veröffentlichen?

    Gold: Da mache ich mir überhaupt keine Sorgen. Wir haben eine Plattenfirma – es ist nicht so, dass wir eine suchen. Wir sind momentan in Verhandlung darüber, wann das Album kommen soll und wann die Arbeit dazu beginnen soll. Das Songmaterial ist da und den Produktionsprozess überlege ich mir jetzt nicht. Es gibt einerseits die Studioarbeit, da arbeite ich nur für mich und versuche, die Musik so zu machen, wie ich sie mir vorstelle. Etwas anderes ist es, wenn ich auf der Bühne bin bzw. wenn wir für die Bühne proben, dann überlege ich mir schon, wie ich die Musik ans Publikum heranbringen kann. Deshalb ist es unheimlich wichtig für einen Musiker, beide Seiten zu kennen – die Live-Seite und die Studio-Seite. Vieles kann man dann bei der Studioproduktion anwenden. Du willst als Künstler einfach an die Leute rankommen. Und wenn du Glück hast, ist das eben auch kommerziell günstig.

    Könntest Du dir vorstellen, auch ein neues Musikvideo zu machen?

    Gold: Ja, sicher. Für eine Single-Veröffentlichung brauchst du einfach ein Video.

    Was würdest Du rückblickend auf deine Karriere heute anders machen?

    Gold: Ich würde heute Vieles anders machen. Es gibt eine Menge Dinge, die dann vielleicht besser gelaufen wären. Ich möchte da keine konkreten Beispiele nennen. Das klingt so, als ob meine Karriere ein Haufen von Irrtümern gewesen wäre. Das ist nicht der Fall. Aber ich gehöre nicht zu den Menschen, die sagen, sie würden nichts ändern. Das Leben ist nicht so. Wenn man ein bisschen älter ist, kann man so gewisse Erfahrungen eben auch günstig einsetzen. Das einzige, was zählt im Leben, ist das was man tut, nicht das was man sagt.

    Gibt es etwas, was du jungen Bands von heute raten würdest?

    Gold: Junge Bands sollten an das glauben, was sie machen und sie sollten nie etwas machen, woran sie nicht glauben. Sie sollten sich nicht von anderen bequatschen lassen.
    Das Interview entstand im Juli 2006.

    +++Das folgende Interview wurde geführt von Nicola Beckers im Rahmen des "RT 1 Sommerfest" am 29.07. in Augsburg.+++


    03.08.06 PLAYLIST:
    ALASKA Y DINARAMA - "diez", VALERIE DORE - "the best of", NINA HAGEN - "in ekstase", NENA - "it´s all in the game", JODY WATLEY - "you wanna dance with me?", LEIF GARRETT - "the collection", GITTE HAENNING - "meilensteine", MADONNA - "erotica", BANANARAMA - "true confessions", ALEXANDER O´NEAL - "hearsay", ROLAND ORZABAL - "tomcats screaming outside", ROXETTE - "dance passion", PLACEBO - "meds" (CD & DVD), MATIA BAZAR - "meló", YOKO ONO - "onobox" (6 CD)

  11. #30
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    DIETER BOHLEN verbringt seinen Urlaub in Spanien, er ist „ein absoluter Mallorca-Fan". „Ich habe hier alles, was ich brauche", sagt der 52-Jährige, während seine Lebensgefährtin Estefania in Deutschland ist. Die Mallorca Zeitung, das Schwesterblatt der Rundschau, empfing der Komponist bei einem Glas Sekt.

    Von Brigitte Kramer

    Sie verbringen Ihren Urlaub in Cala Ratjada, einem eher flippigen Ort. Was zieht Sie dorthin?
    Ich habe drei jugendliche Kinder, die wollen Party. Ist ja auch klar, wenn man so jung ist - die sind jetzt 16, 17 und 20 -, da will man was erleben.

    Wann müssen die denn abends zu Hause sein?
    Es sind doch Ferien.

    Um Mitternacht?
    Mit 20? Da kann man keinem mehr sagen, wann er nach Hause muss.

    Machen Sie sich keine Sorgen?
    Wir sind ja zusammen unterwegs. Wir stehen dann am Tresen, mit Bodyguards, und haben super Vorteile in den Discos. Aber ich möchte nicht über meine Kinder sprechen.

    Das ist Privatleben?
    Nein, das hat mit Privatleben nichts zu tun. Aber stellen Sie sich vor, denen passiert etwas, hier laufen so viele Beknackte rum ? Jeder, der auf der Insel lebt, hat doch ´ne Geschichte.

    Wie verbringen Sie die Tage?
    Abends essen gehen. Danach geht´s auf die Piste, bis fünf Uhr morgens. Gegen elf Uhr stehen wir auf.

    Kochen Sie auch mal?
    Ja, Tee. Beim Ei wird´s schwierig.

    Ihre Küche wird nicht schmutzig.
    Das stimmt, ich bin ein pflegeleichter Gast, beschwere mich nicht, mache nichts schmutzig. Es gibt ja Leute, die sich beklagen, wenn das Klopapier nicht gerade in der Halterung hängt. So bin ich nicht.

    Zeigen Sie keine Ermüdungserscheinungen morgens um sechs?
    Nö.

    Sie sind ein Nachttier?
    Ein Tag- und Nachttier. Ich stehe auf 24 Stunden. Das Leben ist schnell vorbei. Fünf Stunden Schlaf reichen. Es gibt ja nichts Schwieriges zu tun.

    Wer ist für Sie ein Superstar?
    Man muss irgendetwas Besonderes haben, damit die Leute nicht nur einen Hit gut finden. Robbie Williams ist bestimmt nicht der beste Sänger.

    Aber er ist ein Superstar?
    Ein absoluter!

    Wer noch?
    Die Alten. Peter Alexander ist ein Superstar. Auch Grönemeyer.

    Stört es Sie, dass Sie immer mit Ihren Sprüchen zitiert werden?
    Nö, dass man sich ständig neu erfinden muss. Die Sprüche reichen schon nicht mehr, da muss endlos was Neues passieren.

    Sie fühlen sich angesprochen, wenn das Publikum etwas Neues will?
    Man muss sich alle zwei Jahre neu erfinden. Das ist es doch, warum man so viel Erfolg hat. Ich könnte jetzt auch wie Thomas Anders in Kasachstan stehen und „You´re my Heart, You´re my Soul" zum tausendsten Mal singen. Ich kann das nicht, ich sterbe. Das ist eine Beleidigung für meine Intelligenz. Ich arbeite gerade an einem neuen Musical, das ist eine 20-Millionen-Produktion, Dieter Bohlens Leben. Das ist was Neues.

    In welcher Form sind Sie daran beteiligt?
    Ich bin nie mit Geld drin, nur mit Ideen. Die anderen bezahlen, ich denke mir was aus. Wenn das meine 20 Millionen wären, dann könnte ich nicht mehr frei denken, dann wäre ich, glaube ich, gehemmt.

    Dann würden Sie sich alles zweimal überlegen.
    Ja, und Sie wissen ja, die erste Idee ist die beste. Man darf keine Angst haben vor dem Verlieren.

    Haben Sie das Skript Ihres Lebens schon geschrieben?
    Es ist die bekannte Geschichte: Kleiner Junge aus Ostfriesland sitzt da mit dem Traum, Musiker zu werden. Lernt eines Tages Thomas Anders kennen, das läuft alles nicht, Tragödien ohne Ende. Dann auf einmal Modern Talking, Feldbusch, Naddel ? da ist so viel Spannung, da kann man so viele Geschichten erzählen ? da wollen Menschen keine neuen Figuren, die wollen Feldbusch, Naddel und Thomas Anders sehen.

    Es werden keine Geheimnisse gelüftet?
    Nein, die Leute wären enttäuscht, wenn das nicht exakt so wäre, wie sie es kennen. Ich finde nicht, dass das Publikum erzogen werden sollte. Man muss spüren, was die Leute haben wollen, und ihnen das geben.

    Gibt es eigentlich eine inoffizielle Version Ihres Lebens?
    Kann man ja jeden Tag in der „Bild-Zeitung" lesen.
    Die inoffizielle Version?
    Was? Nein, es gibt bei mir keinen Unterschied zwischen offiziell und inoffiziell. Mein Leben ist so, wie es Deutschland kennt. Etwas überspitzt vielleicht. Wenn man in einem Macho-Kasten liegt, dann wird man immer ein Macho sein. Da kann ich 600-mal den Frauen die Tür aufhalten und jeden Einkaufsbeutel über die Straße schleppen, ich werde immer ein Macho bleiben. Da kommt man nicht raus.

    Da sind Sie machtlos?
    Völlig.

    Sie platzieren doch die News.
    Quatsch, meine Anwälte sind nonstop damit beschäftigt, die Zeitungen zu verklagen. Jede Woche 20, wir gewinnen jeden Prozess, seit vier oder fünf Jahren, aber es ändert sich nix.

    Aber Sie lieben Deutschland und die Deutschen?
    Ja.

    Ist Häme nicht typisch deutsch?
    Glaub ich nicht. Ich habe dieses Jahr am Strand das Gefühl, dass die Deutschen supergut drauf sind. Obwohl es ja extrem teuer ist. Wenn eine Familie sich an den Strand legt, dann ist sie direkt 20 Euro los, für die Liegen, den Schirm ? Wie eine normale Familie sich das hier noch erlauben kann. Ich meine, 1.500 netto, das ist der Durchschnittsverdienst! Wenn mir schon die Halsschlagader pocht, wenn ich morgens die Liegen bezahlen muss, möchte ich nicht wissen, wie es einer normalen Familie geht.

    Wo haben Sie als Kind Urlaub gemacht?
    Gar nicht. Meine Eltern hatten eine Firma. Wenn Papa aus der Firma gegangen ist, stand die Firma still, dachte er jedenfalls. Meine Mama war im Büro. Vielleicht mal drei, vier Tage Timmendorfer Strand, mit Mama, mehr gab´s nicht.

    Und Ihr erster Urlaub?
    Ja, da bin ich mit einer Freundin nach Mallorca gekommen. Da habe ich mir einen Roller gemietet, ohne Bremsen, weil das der billigste war, und dann haben wir die Insel erkundet. Dieses Jahr machen wir das nicht. Es ist nur Party angesagt. Meine Kinder wollen Mädels und Jungs kennen lernen.

    Sind Ihre Kinder Ihre Fans?
    Nein, meine größten Feinde. Die kritisieren mich ständig. Die sagen eigentlich immer Nein. Soll ich ein Buch machen? Nein. Soll ich „Deutschland sucht den Superstar" machen? Nein.

    Sagen die Ihnen auch, was Sie anziehen sollen?
    Die finden so ziemlich alles scheiße.

    Das ist das Alter.
    Wahrscheinlich. „Deine Haare sehen furchtbar aus, mach mehr Gel rein", oder „Die Badehose geht überhaupt nicht, die ist ja gelb". Manche Sachen kriegt man einfach nur durch die Kinder mit, die Trends.

    Hören Sie auf Ihre Kinder, wenn Sie einkaufen gehen?
    Ich gehe nicht einkaufen.

    Wie ??
    Bei mir kommen die Klamotten in Kartons an. Seit 20 Jahren kaufe ich nichts mehr. Die Firmen schicken mir das. Ich weiß nicht, wie die Marken alle heißen. Was ich nicht mag, kriegen meine Kinder, das sind meistens die guten Sachen.

    Sie sind Werbeträger ?
    Einen besseren finden die nicht. Ich sitze den ganzen Tag im Fernsehen rum und dann in der „Bild-Zeitung". Da können die sich doch freuen: Die Verkaufskurven steigen senkrecht nach oben, die Leute reißen denen die Ware aus den Regalen, so schnell können die gar nicht produzieren.

    Wird Ihnen da nicht schwindelig?
    Nein, das ist eben so.

    Gute Einstellung.
    Ja, wenn das dann vorbei ist, ist es eben vorbei. Aber darauf warte ich schon 20 Jahre, dass das vorbei ist. Das prophezeit man mir schon seit 1983: Nächstes Jahr ist es vorbei. Meine erste Nummer eins hatte ich 1984, dann meinte die Plattenfirma: Ja, das war´s jetzt.

    Und Sie haben das geglaubt?
    Nee, die können ja glauben, was sie wollen. Ich bestimme, wann ich aufhöre. Wenn ich mich jetzt langsam hinlegen würde, dann wäre es auch okay. Ich bin jetzt 52, ich habe das 30 Jahre lang gemacht. Aber ich finde Fernsehen 5exy, ich mag Fernsehen. Da kann man so schnell so unheimlich viel bewegen. Wenn ich jetzt gleich in die Disco gehe, dann sagen mir die Leute „Eh, das fand ich so scheiße, was du da gesagt hast". Ein Typ hat mir erzählt, er hätte ins Sofa gepinkelt bei sich zuhause, als er „Deutschland sucht den Superstar" sah und meine Sprüche hörte. Oder wie toll sie den oder den Spruch finden ? Hey, ich hatte 140 Titel in den Charts, bin der erfolgreichste Komponist aller Zeiten, aber keiner hat je zu mir gesagt: Ich finde das toll, dass du 800 goldene Schallplatten gemacht hast. Nein. Scheiß-Spruch, das finden die toll.

    Verletzt Sie das?
    Nein. Wenn das so ist, dann ist das eben so.

    Das ist deutsche Mentalität.
    Sie haben so eine Negativ-Art. Die haben einfach ein anderes Wertesystem. Für die ist ein Spruch mehr als eine Nummer eins. Das muss man erstmal in seinen Kopf kriegen. Dann mache ich eben Sprüche, wenn es das ist, was die toll finden. Das hat mich früher immer sehr getroffen. Den Echo, den Bambi, den Dings, den Dangs, da sagt keiner was. Die auf der Straße, die mich interessieren, die reden gar nicht darüber. Die öffentliche Aufmerksamkeit, die kriegst du mit was anderem. Die Leute wollen Super-Super-Scheiße. Man kann die Menschen nicht ändern.


    12.08.06 PLAYLIST:
    AZUL Y NEGRO - "el color de los exitos", ORBITAL - "orbital II", KYLIE MINOGUE - "rhythm of life / shocked" (2 CD), HUBERT KAH - "c74 collection" (CD-R), THINKMAN - "the formula", ASCII. DISCO - "ascii. disco", MECANO - "mecano", JANET JACKSON - "all for you (DVD Edition)" (CD & DVD) ---> PAUL --> THE B-52´S - "cosmic thing", DIANA ROSS - "ross", ALICE - "park hotel", DANIELA MERCURY - "o canto da cidade"

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