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MADONNA

Erstellt von Overpower, 05.09.2002, 20:24 Uhr · 450 Antworten · 40.038 Aufrufe

  1. #181
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    Richtig gut fand ich Madonnas Musik nur um 1985 herum, also als sie gerade ihren großen Durchbruch hatte (und auch heute, im Rückblick auf die letzten 20 Jahre ihres Schaffens sehe ich das so). Meine Madonna-Lieblingssongs aus der Phase:
    - "Material Girl"
    - "Into the Groove"
    - "Crazy for You"
    - "Gambler"
    - "Borderline"

    Ihr ´86er-Album "True Blue" hatte ich mir zwar noch gekauft, die Platte fand ich aber schon nicht mehr so spannend. Lediglich "Live to tell" war wirklich herausragend (heute finde ich den Song sogar noch besser als damals). Ende der 80er fand ich dann noch "Express Yourself" sehr gut.

    In den 90ern hab ich ihr Schaffen dann nur noch ganz am Rande wahrgenommen. Nur ihr Cover von "American Pie gefiel mir wirklich.

    Grundsätzlich finde ich, daß Madonna eine gute Sängerin ist, v. a. wenn sie etwas tiefer singt (wie etwas bei "Live to Tell") und eine gute Live-Performance bietet (zumindest nach einen Konzert, welches ich um ´89/´90 im TV gesehen hab, zu urteilen).

    Allerdings fehlten bei ihren Singleveröffentlichungen in den letzten 15 Jahren die überzeugenden Melodien, die den Unterschied zwischen "ganz netter" Radio-Durchlauf-Ware und bleibenden Pop-Klassikern ausmachen. Hinzu kommt, daß ihre Musik auch vom Sound her nicht mehr neu, originell und aufregend war - vielmehr ist sie ja ab "Vogue" (1990) nur noch den den Disco-Trends hinterhergelaufen - und daß sie es versäumt hat, mal eine längere Pause einzulegen, so daß es bei ihren Neuveröffentlichungen auch nie einen spannungsteigernden "Comeback!"-Faktor gab. Stattdessen hat sie versucht, im Gespräch zu bleiben, indem sie 5exuelle Tabus brach, die es gar nicht mehr gab, und sich immer gewollter als 5ex-Ikone stilisierte - ohne zu merken, daß sie dabei zunehmend als "alternde, verzickte Diva" rüberkam.

    Daß sie mit ihrer neuen CD allen Berichten zufolge wohl auf Retro-Disco-Sound setzt, ist erstmal recht erfreulich (es hätte ja auch ein R´n´B-Album werden können! *g*) Nur ist eben Retro-Disco längst ein allgemeiner Trend und die erste Single-Auskopplung ist ausgerechnet ... eine 60%-Coverversion eines Disco-Klassikers! Auch wenn das alles wieder "ganz nett" (d. h. hör- und tanzbar) sein wird - einen Ausnahme-Status wie in den mittleren und späten 80ern wird Madonna auch damit nicht wiedererlangen.

  2.  
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  3. #182
    Benutzerbild von italomaster

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    bamalama postete
    ]wie kommst du darauf, dass ich 90er-sounds mag ? dass das album sehr "down to date" klingt, ist mir letzendlich wurscht. ich habe das nur deshalb kritisch erwähnt, weil MADONNA doch bei den unkritischen fans ständig als königin der innovation gefeiert wird, dabei beweist sie mit diesem album wieder einmal das gegenteil.
    Da gebe ich Dir voellig Recht! Das sehe ich sowieso nur bei wenigen ihrer VÖ's...!

    italomaster posteteaber was ist mit der letzten BOBBY O CD....?! Da waren einige Sounds alles andere als fresh...).
    bamalama postetedas letzte BOBBY "O"-album war doch eher 80´s-like.
    Findest Du? Ich denke, dass manche Sounds sehr billig nach mid90s Dance klingen. Aber die Kompositionen klingen so schoen nach 80ern....
    bamalama postete
    aber mal ganz unabhängig davon: inzwischen solltest du wissen, dass für mich die melodie an erster stelle steht. wenn diese stimmt, dann ist mir die musikrichtung völlig egal. die neuen MADONNA-songs lassen mich melodiemässig aber leider absolut kalt.
    Weiss ich ja, weiss ich ja. Aber so belanglos fand ich die Melodien nicht. Wie gesagt, mal sehen, wie ich das finde, wenn ich die CD bewusst gehoert haben werde....

    bamalama postete
    p.s.: zu den vorab erschienenen kundenrezensionen aüssere ich mich an dieser stelle besser nicht...
    Ich auch nicht - deren Aussagekraft ist ja wohl zum

  4. #183
    Benutzerbild von italomaster

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    bamalama postete
    ]wie kommst du darauf, dass ich 90er-sounds mag ? dass das album sehr "down to date" klingt, ist mir letzendlich wurscht. ich habe das nur deshalb kritisch erwähnt, weil MADONNA doch bei den unkritischen fans ständig als königin der innovation gefeiert wird, dabei beweist sie mit diesem album wieder einmal das gegenteil.
    Da gebe ich Dir voellig Recht! Das sehe ich sowieso nur bei wenigen ihrer VÖ's...!

    italomaster posteteaber was ist mit der letzten BOBBY O CD....?! Da waren einige Sounds alles andere als fresh...).
    bamalama postetedas letzte BOBBY "O"-album war doch eher 80´s-like.
    Findest Du? Ich denke, dass manche Sounds sehr billig nach mid90s Dance klingen. Aber die Kompositionen klingen so schoen nach 80ern....
    bamalama postete
    aber mal ganz unabhängig davon: inzwischen solltest du wissen, dass für mich die melodie an erster stelle steht.
    Weiss ich ja, weiss ich ja. Aber so belanglos fand ich die Melodien nicht. Wie gesagt, mal sehen, wie ich das finde, wenn ich die CD bewusst gehoert haben werde....

    bamalama postete
    p.s.: zu den vorab erschienenen kundenrezensionen aüssere ich mich an dieser stelle besser nicht...
    Ich auch nicht - deren Aussagekraft ist ja wohl zum [/quote]

  5. #184
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    Nebenbei finde ich das neue Video ausgesprochen peinlich! Die jungen Leute, mit denen sie da auf dieser Party tanzt ... spontaner Gedanke: Irgendwo unter den jungen Leuten steht ihre Tochter und denkt: "Oh nein, Mama, Du hast doch versprochen, oben in der Wohnung zu bleiben!!!"

  6. #185
    Benutzerbild von ChiMag

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    POPSTAR MADONNA

    Ein letzter Kraftakt?

    Von Andreas Borcholte

    Mit einem Werbeaufwand von mehreren Millionen Euro und einem neuen Image als Disco-Queen will es Madonna noch einmal wissen: Die 47-jährige Sängerin, die schon mehrfach die Popkultur neu definierte, spielt ihr perfektes Spiel mit den Massen vielleicht zum letzten Mal.

    Wann immer sich Madonna neu inszenierte, legte sie sich zielgerichtet auf einen neuen Typ fest: Da gab es das mit Ketten und Kruzifixen behängte Girlie, das im Clip zu "Like A Virgin" als Braut posierte; da gab es das burschikose Mädchen, das von "La Isla Bonita" träumte, und den blonden Vamp mit dem Spitzen-BH von Gaultier. Es gab auch den Monroe-Verschnitt und die esoterische Brünette mit der Henna-Malerei auf den Händen. Es folgte das 5exy Cowgirl und zuletzt die politisch Aktivierte mit dem Guevara-Barett.
    Und nun? Nach mehr als zwei Jahrzehnten, in denen Madonna gleich mehrfach der Popkultur ihren Stempel aufdrückte, gibt es jetzt zwei Persönlichkeiten auf einmal: Im britischen "Harpers"-Magazin posiert die Sängerin als elegante Landlady und erzählt von Kindererziehung ohne Fernsehen, Ehe-Disziplin und makrobiotischer Ernährung. Gleichzeitig zeigt sie sich im Videoclip zu ihrer neuen Single "Hung Up" als Disco-Queen mit pinkfarbenem "Flashdance"-Trikot und blonder Fönwelle. Die Popwelt ist verwirrt: Welches ist die echte Madonna?

    Natürlich ist die Frage müßig, denn wann hat es uns je interessiert, wer oder wie die echte Madonna ist? Die New Yorker Göre, die inzwischen mit Ehemann Guy Ritchie und den Kindern in London residiert, war stets Projektionsfläche für die Sucht nach Zeichen und Codes der popkulturell Bewegten in mittlerweile zweiter Generation. Ihre vielfachen Wandlungen, oftmals ehrfürchtig "Neuerfindungen" genannt, waren immer Bündelungen untergründiger Mode- und Trendströme, die von Madonna kongenial personifiziert und massentauglich gemacht wurden. Ob Tüllbänder im Haar oder Cowboystiefel und Chaps - was Madonna an Stilmitteln am Leibe trug, war wenig später auf den Straßen als Jedermann-Mode zu sehen.

    So wird dieser Herbst im Zeichen der knallbunten Glitzer-Mode stehen. Wohl niemand würde sich trauen, eine Agnetha-Faltskög-Frisur zu tragen, gäbe Madonna nicht ihre Absolution. Ihr Markenzeichen - und der Schlüssel zu ihrer langjährigen Vormachtstellung in der Popwelt - ist das Setzen von Trends, nicht das Aufspringen auf bereits fahrende Züge. Das Gespür der professionellsten Frau im Showgeschäft für den Zeitgeist scheint untrüglich, zu Not kreiert sie ihn einfach selbst. Spätestens seit ihrem letzten Comeback mit "Ray Of Light" (1998) ist Madonna eine Pop-Ikone, von der selbst Andy Warhol nicht zu träumen gewagt hätte.

    Doch alle sieben Jahre ändert sich der Mensch, sagt der Volksmund. Warum soll das nicht auch für Madonna gelten, die sich mit ihrer Parallel-Inszenierung als gutbürgerliche Übermutter allmählich auf eine Rolle als elder stateswoman des Pop vorzubereiten scheint. Bei ihren jüngsten Auftritten in Lissabon (MTV Europe Music Awards) und Mannheim ("Wetten, dass...?") verblüffte sie zwar noch mit einer aufregenden Performance, die Epigonen wie Gwen Stefani alt aussehen ließ, aber wie lange kann man mit beinahe 50 noch glaubhaft das jugendliche, biegsame 5exsymbol verkörpern?

    Nicht mehr lange. Sogar ihr Ehemann ließ sich angeblich schon zu leiser Kritik hinreißen und meinte, sie sei inzwischen zu alt für ihren "5ex-Fummel". Die Gattin patzte prompt zurück, sie ziehe an, was sie wolle. Doch auch der Komiker Ali G. lästerte bei der Verleihung der MTV Awards und meinte, in Madonna einen Transvestiten erkannt zu haben. Die Zeichen mehren sich.

    So ist "Confessions On A Dancefloor", Madonnas morgen erscheinendes neues Album, vielleicht als letztes Aufbäumen gegen den drohenden Rücktritt zu betrachten. Es ist eine elektrisiert pumpende Tanzplatte geworden, produziert nicht wie zuletzt von dem Franzosen Mirwais, sondern von dem Engländer Stuart Price, der als Les Rythmes Digitales unter anderem die Elektro-Hymne "Jacques Your Body" schuf. Die sanfte Hinwendung zum Singer/Songwriterpop des letzten Albums "American Life" scheint durch diesen Angriff auf den Tanzmuskel konterkariert zu werden. Böse Zungen mögen behaupten, das neue Album solle sich einfach besser verkaufen als das letzte, das Madonnas Stammhörerschaft mit politischen Botschaften verwirrte.
    Worin die im Album-Titel avisierte Beichte auf dem Tanzparkett besteht, wird nach einem Dutzend Songs nicht ganz klar, denn die Texte drehen sich einmal mehr um Liebe und die Durchsetzung der eigenen Vorstellungen gegen den Partner oder Lover - Madonna war immer schon Egozentrikerin und Narziss. "Like it or not", raunzt sie im Schlusslied. In "Jump" reflektiert sie die eigene Karriere mit dem Refrain "Was it all worth it/ How did I earn it/I guess I deserve it/ Nobody's perfect".

    Überhaupt durchweht ein kräftiger Hauch Melancholie die eigentlich schönen Popsongs des Albums, die konsequent mit Stampfbeat, technoidem Stakkato und den nicht unbedingt neuesten Elektro-Sounds zerhackt werden. An mehreren Stellen blitzen die von Daft Punk vor Jahren etablierten Vocoder-Stimmen hervor, "Isaac" spielt gar mit den inzwischen allgegenwärtigen Ethno-Elementen und arabischen Gesängen.

    Erstmals zitiert sich Madonna auch selbst. Der Refrain von "Push" klingt wie der rückwärts abgespielte Chorus des Achtziger-Jahre-Hits "Like A Prayer"; "Get Together" erinnert an naive Frühwerke wie "Lucky Star". Man merkt schon: Zumindest auf musikalischer Seite kann hier - anders als bei den letzten drei Alben - von State of the Art keine Rede mehr sein. Madonna scheint sich eher anstrengen zu müssen, um den Dancefloor noch mit Leben zu füllen, auch wenn sie in einem Lied bekräftigt: "I make you feel better".

    Vielleicht will sie vor allem, dass es ihr selbst besser geht. Mit dem Alter, mit der Mutterrolle, mit dem Ehemann, den sie, wie sie in einem Interview sagt, "aus den falschen Gründen geheiratet" hat - und mit dem langsamen Abschied aus dem Rampenlicht zugunsten der distinguierten Landlady.

    Fünf Millionen Dollar soll allein die Marketing-Kampagne für "Confessions On A Dancefloor" gekostet haben. Mit diesem finanziellen Kraftakt spielt sie ihr perfektes Spiel der Selbstvermarktung und -Inszenierung nun erneut durch. Man sollte es genießen, es könnte das letzte Mal sein.
    http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,384168,00.html

  7. #186
    Benutzerbild von Torsten

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    Treffender Artikel, wie ich meine.

  8. #187
    Benutzerbild von Rantanplan

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    Absolut, spricht mir aus der Seele!

  9. #188
    Benutzerbild von Vonkeil

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    hm, bin wohl der einzige der in das neue album bedingungslos verliebt ist...

    komischerweise ist auch mein gesamtes umfeld der selben meinung...
    und madonna hat dank "hung up" in einem meiner freunde einen neuen fan gefunden - der liebt dieses lied total.

    ist wohl so - über die neue depeche mode ist ja auch nur gemeckert worden. das tun sie halt gern, die deutschen!

    absolute polarisation. hab ich ja schon mal gepostet hier.

  10. #189
    Benutzerbild von Lion

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    Und hier eine sehr positive Kritik des neuen Albums:

    http://www.sueddeutsche.de/,kulm2/ku...kel/104/64040/

    Madonna

    Außer Kontrolle

    Auf ihrem neuen Album „Confessions On A Dancefloor“ kommt die wandelbare Sängerin wieder bei sich selbst an. Auf einmal ist klar: So und nicht anders muss die wahre Madonna sein.
    Von Tobias Kniebe



    Genauso muss es sich anfühlen, wenn ein neues Madonna-Album im Laden steht. Wohin man auch geht, sie liegt einem in den Ohren, wo man auch einschaltet, sie ist gerade dran.

    Das Kleinhirn ist schon ganz durchlöchert von den spitzen Synthesizer-Arpeggios, die ihre Single permanent mit Hochdruck durch die Gegend schießt – und eigentlich spielt es keine Rolle, dass man diese Soundfetzen längst unter Abba abgespeichert hatte. Oder doch?

    Einerseits führt zwar kein Weg an der Feststellung vorbei, dass Madonna mit ihrem Hit „Hung Up“ schon wieder diese gewisse Unentrinnbarkeit erreicht hat, die sie erst zu Madonna macht – aber andererseits wirkt dieser Triumph momentan nur geborgt.
    Die Hälfte der Tantiemen landet schließlich in Schweden, wo sich zwei ältere Herren namens Benny und Björn vermutlich höchst unbeeindruckt über die Bärte streichen: Auf die paar Millionen kommt es nun auch nicht mehr an.

    Jetzt aber: Das Album. „Confessions On A Dancefloor“. Einmal tief Luft holen. Kurz überlegen. Und sicherheitshalber gleich mal selbst ein Geständnis vorwegschicken.

    Dieser Autor gehört zu einer Generation, die ihr romantisches Erwachen in den frühen bis mittleren achtziger Jahren erlebte, und dieses Erwachen wird für immer an bestimmte äußere Zeichen gebunden sein: An eine gewisse Art des damals herrschenden Synthesizer-Einsatzes, an eine gewisse Form der Mädchenfrisur, heute würde man sie vielleicht die fedrige Porno-Welle nennen, und an gewisse Schlüsselreize wie rosa Aerobicsuits und weiße Stulpen an Frauenbeinen – und eben an das Auftauchen von Madonna.

    Killertracks fürs nächste halbe Jahr

    Es kann daher sein, dass er nach mehrtägiger Beschäftigung mit der neuesten Madonna-Inkarnation, die viele dieser Schlüsselreize jetzt wieder bedient, nicht mehr ganz zurechnungsfähig ist, dass er gerade auf einer Ebene manipuliert wird, die sich dem wachen Bewusstsein entzieht. Es hilft aber nichts, ein Urteil muss her. Also los.

    Es dauert exakt zwei Lieder, bis „Confessions On A Dancefloor“ das Gefühl hinwegfegt, das neueste Madonna-Revival sei nur von Abba geborgt. Wer „Hung Up“ momentan nicht aus dem Hirn kriegt, ist im Grunde noch in der Aufwärmphase, er wird gerade erst weich geklopft für drei, vier Killertracks, die noch das nächste halbe Jahr dominieren werden.

    Damit pulverisiert Madonna nicht nur ihr letztes Werk, das glanzlose „American Life“. Auch „Music“ wird klein und kleiner, je länger man lauscht, dann erscheint auf einmal das eigentlich hochangesehene „Ray of Light“ wie prätentiöser Quark für Kritiker, schließlich lösen sich die ganzen introspektiven und balladesken neunziger Jahre in Luft auf.

    Dann greift der Schwund sogar auf die späten achtziger Jahre über, bis schließlich ein Monument im Weg steht, an dem es kein Vorbeikommen gibt: „True Blue“, das beste Madonna-Album überhaupt.

    Mit anderen Worten: Dies könnte das Tollste sein, was Madonna seit zwanzig Jahren gemacht hat! Noch zwei Wochen Bewährungsprobe im Dauereinsatz, dann sollte auch der Konjunktiv aus dem Satz gestrichen sein.

    Zu süß. Zu eng. Zu rosa.

    Schon jetzt aber sieht die Reise, die Madonna bis hierher geführt hat, über weite Strecken wie ein Irrweg aus. Es war eine Reise hin zum „guten Geschmack“, zur Selbstverfeinerung und zur angeblichen spirituellen Reifung, weg von der Straßengöre mit den musikalischen Killerinstinkten, hin zur britischen Landhaus-Lady mit Kabbala-Bewusstsein und pseudoenglischem Akzent.

    Jedes Mal, wenn man ihr wieder ein Stück „reifes Künstlerinnentum“ bescheinigte, war ein Teil des originären Madonnentums verloschen – und konnte, wie man im Rückblick sieht, durch nichts annähernd Gleichwertiges ersetzt werden.

    Man hört diese neuen Songs und wundert sich, wie freundlich man in den letzten Jahren über die Banalität ihrer „ernsten“ Texte hinweggesehen hat, wie willig man minimalistische Arrangements und zerhackte Gitarrenriffs als weltbewegende Neuerungen akzeptierte.
    Jetzt legt sie ein unwiderstehliches, überbordendes Disco-Meisterwerk wie „Sorry“ hin, mit einer geborgten Basslinie von den Jackson Five, die aber erst hier ihren perfekten Ort findet, mit eingesprochenen Kommentaren, die an „La Isla Bonita“ erinnern, und auf einmal ist klar: So und nicht anders muss die wahre Madonna sein.

    Over The Top. Out Of Control. Wie ganz früher eben: Ein bisschen zu süßlich, zu eng im Schritt, zu rosa, zu Spandex, zu Pornofrisur. Ihre Meisterschaft liegt in einer Sphäre, die mit gutem Geschmack gerade nicht zu begreifen ist, in der unstillbaren Sehnsucht der Vorstadtdisco, im großen, hormonüberladenen, berauschenden Jenseits der Peinlichkeit. Dort tobt sie jetzt wieder herum, als sei sie niemals weg gewesen.

    „Once upon a time, there was a boy, there was a girl“, singt sie in „Forbidden Love“, noch so einem unfassbaren Song. Genau darum ging es, als sie uns zum ersten Mal das Herz gebrochen hat, und darum geht es jetzt wieder, als sei alles noch genau wie damals.

    Cool? Neu? Wurscht!

    Da mischt sich Erste-Liebe-Pathos mit wunderbarer Traurigkeit, mit Vocoder-Chören und in den höchsten Registern tirilierenden Synthie-Ornamenten, die an New-Romantic-Ritter à la Alphaville erinnern.

    Nach den herrschenden Dancefloor-Gesetzen, die sich längst zum undurchdringlichen Kodex verworren haben, ist diese Gesamtmischung eigentlich verboten, fragwürdig und degoutant.

    Jetzt mit so einem Song zu kommen, ist so ziemlich das Gegenteil der üblichen Madonna-Strategie: Immer haarscharf dem neuesten Trend hinterher, immer mit dem heißesten Produzenten an Bord.
    Stuart Price aka Les Rythmes Digitales, ihre neueste Songschreiber-Geheimwaffe, ist weder heiß noch kalt, nur ein romantischer Einzelgänger, dessen wahres Potenzial man bisher nicht einmal ahnen konnte.

    Gemeinsam schworen sich die beiden dann wohl, dass ihnen alles Neue und Coole jetzt zur Abwechslung mal wurscht wäre.

    „Confessions On A Dancefloor“ wird genau deshalb alles verändern. Nicht zuletzt bringt die Platte den kompletten Rest der elektronischen Szene in Erklärungszwang: Wenn wieder Musik möglich ist, die so brillant, überzeugend und unverfroren auf die mächtigsten und niedrigsten Instinkte des Dancefloors zielt, was soll dann bitte die Verzagtheit des herrschenden Gefrickels?

    Es geht um Direktheit und unentschuldbaren Spaß. Es geht um Romantik, die nicht mehr so lange durch irgendwelche Filtersysteme gejagt werden muss, bis sie jede Sprengkraft verloren hat, und es geht um Magie.

    Zerlegt man „Hung Up“ in seine Bestandteile, bleibt nicht viel mehr als ein Abba-Sample und eine Frau, die ungeduldig vor dem Telefon wartet und irgendwann die Nase voll hat – die ausgelatschte Grundsituation jeder Beziehungskomödie. Die Zauberkraft, die dieses Album ausstrahlt, wird sich so nicht erfassen lassen – und sie ist am Ende alles, was zählt.

    Warum Madonna in Interviews so wahnsinnig verspannt wirkt, ob ihr 47 Jahre alter Hintern mit diesem rosa Aerobicsuit aus dem Video wirklich noch passend bekleidet ist, was jüdische Rabbis zu einem ihrer Songs sagen, dessen Text ohnehin völlig obskur bleibt – wen interessiert das schon?

    Sie hat uns hier wieder Momente des reinen musikalischen Glücks geschenkt, das ist alles, was zählt – und genauso muss es sich anfühlen, wenn ein neues Madonna-Album im Laden steht.

  11. #190
    Benutzerbild von schubser

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    Vonkeil postete
    hm, bin wohl der einzige der in das neue album bedingungslos verliebt ist..
    nönö ich kenn da noch einen

    und die Süddeutsche bringts sehr gut aufm Punkt...meiner Meinung nach....

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