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Frühe DFÜ, Mailboxen und Akustikkoppler

Erstellt von vg8010, 26.02.2003, 22:46 Uhr · 4 Antworten · 1.970 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von vg8010

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    Soviel ich sehe, werden Mailboxen und Akustikkoppler in anderen Threads nur nebenbei erwähnt... Deshalb hier die Frage: Wart ihr schon früh in der DFÜ aktiv, und wenn ja wie und mit welchen technischen Mitteln?

    Mein eigener Einstieg begann damit, dass in meinem Computerclub ein Akustikkoppler günstig verkauft wurde. Das muss so 1985 oder spätestens 1986 gewesen sein. Das Gerät war ein Sonic mit 300bps (die damals auch noch mit 300 Baud übertragen wurden). Da ich damals schon meinen Atari ST in Betrieb hatte, kannte ich auch die Telefonnummer einer Mailbox, nämlich derjenigen, die von der österreichischen Atari-Zeitschrift XEST betrieben wurde.

    Die ersten Einwählversuche scheiterten jämmerlich, weil jedes Mal nach wenigen Sekunden die Verbindung abriss. Nach langen Versuchen hielt die Verbindung dann einmal lang genug, dass ich den Sysop zu Hilfe rufen konnte - das Mailboxprogramm hatte eine kleine Chatfunktion, mit der man online mit dem Sysop kommunizieren konnte. Er war glücklicherweise zugegen und gab den entscheidenden Hinweis: Die damals üblichen Posttelefone verwendeten Kohlemikrofone, die im Betrieb zu verklumpen begannen und daher nicht mehr die für Datenübertragung erforderliche Tonqualität boten. Glücklicherweise gab es einen Workaround: Wenn man den Telefonhörer stark schräg hielt, dann verzögerte das den Verklumpungsprozess. Ich konnte das anfangs nicht glauben, aber es funktionierte wirklich: Von einem kleinen Bücherstapel schräg gehalten, arbeitete der Sonic-Akustikkoppler seither weitgehend einwandfrei, und Verbindungen hielten bis zu zwanzig Minuten durch.

    Die Mailboxen arbeiteten damals weitgehend nach demselben Schema: Sie hatten einen Telefonzugang, soll heißen: einen Telefonzugang, d.h. es konnte immer nur ein Anwender online sein, und bei den beliebteren Mailboxen musste man oft lange warten, bis die Leitung frei wurde. Zu bedienen waren sie meist über Textbefehle und Textmenüs, und Funktionalitäten gab es drei: 1) Man konnte anderen Benutzern derselben Mailbox private Mails schreiben; 2) Man konnte in öffentlichen Foren Nachrichten lesen und selbst welche hinterlassen; und 3) man konnte in Dateibereichen Dateien zur Verfügung stellen bzw. verfügbare Dateien auf den eigenen Computer übertragen.

    Vernetzung zwischen Mailboxen war zu meiner Beginnzeit noch ausgesprochen unüblich, auch wenn damals das Fidonet schon sehr aktiv war und hinter den Kulissen das Internet schon existierte (damals natürlich noch ohne WWW), in Europa jedoch nur für Firmen- und für Universitätsangehörige und noch lange nicht für private Interessierte oder gar die breite Öffentlichkeit erreichbar. Das Fidonet jedenfalls entzog den Standalone-Mailboxen recht rasch die Grundlage, bis seinerzeit ihm nach langer Zeit der Parallelexistenz vom Internet die Grundlage entzogen wurde.


    DFÜ-Hardwaremäßig war der erste erste große Fortschritt der Umstieg auf ein richtiges Moden, ein [b]Supra 2400[b]. Es war volle 2.400 bps schnell, was nur dadurch möglich war, dass es den fehleranfälligen, aber legalen Weg der akustischen Ankoppelung umging und direkt ans Telefonnetz angeschlossen war. Dieses Anschließen hatte mir ziemliches Kopfzerbrechen bereitet, denn erstens war es ziemlich illegal, und zweitens war es praktisch unmöglich, einen zur Runddose der Post kompatiblen Stecker aufzutreiben - dem Hersteller der Originalteile hatte die Post den Verkauf an Dritte untersagt. Zeitgerecht hatte sich dann aber doch ein fernöstlicher Hersteller erbarmt und in kleineren Mengen postkompatible Stecker erzeugt. Dem Supra-Modem folgten mit artigem Respektsabstand erst ein MNP5-Modem, dann ein übliches 9.600-er, später ein ebenso übliches 28.800-er-Modem, also eher Einheitsbrei.

    Mit dem Supra-Modem war nicht nur das Qualitätsproblem des Kohlemikrofons umgangen, sondern auch eine ausreichende Geschwindigkeitsreserve für größere Datenexpeditionen gewährleistet. So fand ich meinen Weg ins Fidonet, wo ich etliche Jahre verweilte.

    Parallel zum Fidonet war ich längere Zeit Kunde der kommerziellen Telebox, die auch den Versand und Empfang von Fernschreiben unter einer eigenen Fernschreibernummer ermöglichte, später auch den Faxversand und den Mailaustausch mit dem Internet. Der Zugriff auf die Telebox erfolgte allerdings via Datex-P, sodass ich auch das nutzen und bezahlen musste.

    Abgelöst wurde die Telebox bei mir durch das MSN, soll heißen: Mailbox System Nürnberg(!). Dessen Kunde war ich, bis an der Universität Wien auch Studenten einen erschwinglichen Internetzugang erhalten konnten. Das war allerdings erst in den 90-er-Jahren der Fall, und zwar noch nicht einmal in den ersten Jahren dieses Jahrzehnts.


    Das Internet hielt bei mir erst im Rahmen des Studiums Einzug, und damals war es schon ein rein TCP/IP- und Ethernet-basiertes Online-Medium, in dem Mails via SMTP in Echtzeit zugestellt wurden. Dem Vorteil, dass das Internet im Gegensatz zum Fidonet onlinefähig ist und Online-Dienste wie WWW unterstützt, steht der Nachteil gegenüber, dass auch Dienste, die ihrer Natur nach eigentlich batchfähig wären, praktisch ausschließlich online abgewickelt werden. Nun ja, mit der zunehmend universellen Verfügbarkeit und Erschwinglichkeit von Onlineanbindungen (ADSL, Kabel) ist nicht mehr wirklich ein Nachteil, aber es sei doch gesagt, dass man zu meiner Zeit per UUCP und im Fidonet vollwertige Mail-, News- und Dateiserver betreiben konnte, ohne eine dauernde Onlineverbindung zu besitzen.


    Viele Grüße,
    Christian

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von Lutz

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    vg8010 postete
    Soviel ich sehe, werden Mailboxen und Akustikkoppler in anderen Threads nur nebenbei erwähnt... Deshalb hier die Frage: Wart ihr schon früh in der DFÜ aktiv, und wenn ja wie und mit welchen technischen Mitteln?
    Huch? So ein interessantes Topic und noch kein Feedback?

    1984 mit nem Datenklo (=Sperrholzbrett + zwei Muffen aus dem Sanitärbereich). Das Ganze hing natürlich am C64. BTW: In Hamburg gab's übrigens eine der ersten Mailboxen für die 2 Computer (C64) vernetzt wurden. Na wer weiss wie die heißt? Und vielleicht sogar den Namen des Sysops?

    Lutz

  4. #3
    Benutzerbild von yamaha-dx7

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    moin !

    gibt´s eigentlich noch mailboxen ?

    hatte einmal das glück vom kumpel nen akustik koppler geliehen zu bekommen
    leider ohne anschlußkabel

    das ganze aneinandergesteckt sah dann etwa so aus:
    C64 - RS232-modul - koppler (war leider dann mit den öffnungen nach unten)
    das gute 611 -graue posttelefon schwebte dank zu kurzen kabels irgendwo halb in der luft und dann soll man noch nummern wählen....

    hab sogar mal ein datex - modem gelötet kam aber nie zum Einsatz da kurz darauf meine pc zeit anfing...

    ein paar freunde sind heut noch unterwegs mit dem c64 über cb-funk mit packet radio , angeblich über relais verbindungen in die ganze welt möglich.
    man braucht halt relativ lang für datenaustausch dafür keine gebühren.

    ich vermisse beim dsl die pieptöne beim anmelden
    beim analogen konnte ich schon fast die baudrate raushören ;-)

  5. #4
    Benutzerbild von Lutz

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    Hey das duerfte bei Dir ungefaehr so

    http://home.tiscali.de/webgoe/c64dfue.html

    (graues Telefon, RS232.Modul, etc)

    ausgesehen haben, stimmts?

    Ja es gibt sogar noch ne Box die mit dem C64 betrieben wird. Man kann sich per Telnet einloggen - einfach

    telnet://209.151.141.59/

    anclicken.

    Und die Tornado: www.tecs.de

    gibt's wie ich gerade erfahren habe auch noch...

    Lutz

  6. #5
    Benutzerbild von yamaha-dx7

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    ich glaub ich muss erst mal wieder ein bischen AT befehle üben.....

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