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Gedanken zur VHS-Kassette

Erstellt von Chris P., 07.03.2009, 09:53 Uhr · 68 Antworten · 15.339 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von Chris P.

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    Gedanken zur VHS-Kassette

    Nun muß ich doch mal versuchen, ob man in diesem Forum auch von Windows 3.11 und 16-Bit-Browser aus posten kann. Falls nicht bzw. falls alles unlesbar ankommt, sorry ;-). Falls posten möglich ist, wäre es sehr schön.
    Im Folgenden ein schon älterer Beitrag von mir (ca. 3 Jahre). Mittlerweile exisitert die erwähnte Videothek nicht mehr und auch die Stadtbücherei hat analog stark "ausgemistet". Den Text finde ich trotzdem noch zutreffend.

    Ich möchte mich im folgenden, kurzen Text in beispielhafter Weise dem Thema VHS-Kassetten vs
    digitaler Revolution im 21. Jahrhundert mit einigen zeitgeistkritischen Gedanken widmen.

    Eine Sache, deren Grund mir nicht ersichtlich ist: warum wurde die VHS und der Videorekorder
    derart umfangreich völlig vom Markt und auch aus dem Interesse der Öffentlichkeit verdrängt? Es
    war ein System, dass ja deutlich über 20 Jahre lang auf dem Massenmarkt vertreten war, in all der
    Zeit völlig ausreichend war, bis es nach einer digitalen (Werbe-?) Revolution plötzlich zum obsoleten
    "Schrott" oder gar zum "Sondermüll" (Zitat Filmzeitschrift Cinema) erklärt wurde.

    Schaut man z.B. in Filmzeitschriften, dann liest man dort, dass man den echten Cineasten doch
    nur an seiner hochwertigen DVD-Sammlung erkennt. Was aber ist mit Cineasten mit einer
    hochwertigen VHS-Sammlung, welche ihre Schätze nicht digitalisieren und dann die alten "Medien"
    der Filme auf den analogen Müll werfen wollen? Ich weiß gar nicht, ob es noch welche gibt - in der
    Öffentlichkeit zumindest nicht mehr. So habe ich z.B. im Web keine einzige Webseite gefunden,
    die sich positiv mit der VHS auch als erhaltenswertes Zeitdokument beschäftigt (gibt es welche?).

    Die Zeit des Plattenspielers ist eigentlich schon "länger" abgelaufen, als die des VHS-Rekorders -
    und trotzdem findet man in Geschäften noch deutlich mehr Plattenspieler zum Verkauf, als
    Videorekorder. Scheinbar war die digitale Revolution im Bezug auf die Entfernung der VHS in der
    öffentlichen Meinung weit effizienter und erfolgreicher. Sich Platten anzuhören gilt weiterhin als
    stilvoll, sich VHS anzusehen gilt jedoch mittlerweile als völlig veraltet und sinnbefreit. Wieso?

    Was mich auf das Thema gebracht hat, war eine Beobachtung in der Stadtbücherei vor einigen
    Tagen. Dort gibt es eine große Auswahl an VHS, die über Jahre angesammelt worden sind. Da die
    finanziellen Mittel begrenzt sind, wird der VHS-Bestand auch weiterhin deutlich größer sein, als der
    Bestand an aktuellen DVDs. So haben wir insgesamt 4 Regale mit deutschen VHS und eine lange
    Regalwand mit englischen OV-VHS. Natürlich jede Menge Filme mit Stil jenseits des Mainstreams.
    Das DVD-Regal nimmt sich dazu im Vergleich bisher noch recht schmal aus.

    Aber was kann man beobachten: die Leute drängen sich zum DVD-Regal, der erste Schritt fast
    jedes ankommenden Ausleihers führt dorthin. Kiddies laufen unter "Krass, DVD"-Rufen ohnehin nur
    dorthin. In den VHS-Regalen bleiben fast alle Filme stehen und setzen Staub an, fast niemand leiht
    dort mehr aus (zumindest nach meinen Beobachtungen, auch was die große Zahl der nun ständig
    vorhandenen Filmen betrifft). Wenn man dann einen Blick auf die "Scheibchen" wirft, sind diese
    meist uninteressanter als viele der unbeachteten Kassetten im VHS-Bereich - natürlich nur meiner
    bescheidenen Meinung nach.

    Ich habe mir beispielsweise auf Kassetten ausgeliehen: Buster Keaton - "The General", der geniale
    Jacques Tati - "Die Ferien des Monsieur Hulot" und von Alan Pakula "To Kill A Mockingbird" mit
    Gregory Peck. Und ich bin da völlig zufrieden mit Inhalt und Qualität und Bild. Warum auch nicht.
    Ich habe drei hochwertige Filme, warum sollte das Medium VHS stören?

    Wobei gerade "Monsieur Hulot" in einer 97-Minuten-Fassung wohl ein Film ist, den IMO kaum ein
    Zuschauer, der mit modernem Filmstil aufgewachsen ist, länger als 25 Minuten "aushalten" wird ;-).
    Er ist einfach völlig langsam, völlig ziellos und völlig entspannt in seiner komödiantischen Brillanz.
    Wie auf imdb jemand geschrieben hat: "A Film about things we have lost..." Anschauempfehlung,
    aber sicher definitiv Geschmackssache. Sehr zu empfehlen auch Buster Keaton im deutlich
    hektischeren "General" und über "Mockingbird" braucht man wohl nicht viele Worte zu verlieren.

    Ich schweife ab, zurück zum Thema. Die zweite Beobachtung betrifft mal wieder unsere lokale
    Videothek. Seit einigen Wochen werden jetzt alle, wirklich alle, VHS zum Preis von je EUR 1,-
    verkauft, um Platz für all die kewlen DVD-Blockbuster zu schaffen. Ich habe mich umfangreich dort
    bedient, u.A. "Apocalypse Now" in der 1983er-VHS-Fassung (funktioniert noch immer problemlos,
    stabile, schwere Kassette in VHS/Betamax/V2000-Standardhülle :-)) Da fragt man sich aber schon
    wieder, warum man dort Filme wie "Apocalypse Now" und andere Perlen preislich gesehen jetzt in
    die gleiche Wühlkiste wirft, wie "Bikini Party Summer VII" und Co.

    Es muss wohl am Medium liegen, daß niemand mehr will. Die Qualität der Filme darauf ist
    Nebensache. In einer Zeit, in der alles nur in einen digitalen Riesenpool geworfen wird und als
    Schnipsel seiner Identität als filmisches Dokument beraubt wird, wohl normale Prozedur. Nebenbei
    trifft das Schicksal ja auch DVDs - so findet man Filme wie 2001 oder Citizen Kane ebenfalls in
    manchen Supermarkt-Wühlkisten neben Aerobic-Scheibchen. Und bin ich denn der einzige, den
    dieser Umgang mit Kultur (sei sie nun analog oder digital "verpackt") äußerst stört?

    Persönlich gefällt hier auch diese "selbstverständliche Gleichmacherei" nicht wirklich. Da gibt es
    nun Kassetten von 1982 bis 2004, von einer halben Stunde Lauflänge bis 3 Stunden, von lustigen
    Kindercartoons und unbekannten B-Filmchen bis hin zu preisgekrönten Werken, die in so mancher
    Favoritenliste auf den ersten Plätzen stehen. Und trotzdem wird alles für je EUR 1,00 aus dem
    Lager "geschaufelt" und verramscht. Da sollte man zwar einerseits froh sein, Klasse für wenig Geld
    zu bekommen, andererseits zeigt es aber wenig Respekt gegenüber der Individualität eines Filmes.

    Die eigentliche Pointe kommt ja noch: die Videothek versucht dieses Angebot mit EUR 1,00 nun
    seit Wochen - nur vermutlich scheint außer mir niemand mehr die Kassetten haben zu wollen, wie
    sich an dem fast gleichbleibenden Bestand zeigt. So werden viele Filme davon wohl im Endeffekt
    auf der Müllkippe landen, wobei es mancher Trash zugegeben auch verdient hat ;-).

    Und wie oben gesagt: ich verstehe den Grund dafür nicht. Warum will diese Filme niemand mehr?
    Weil sie nicht digital durchgefiltert und in Bild und Ton überarbeitet sind? Erinnert mich an einen
    herablassenden Satz, den ich neulich mal in einem Schnickschnackforum gelesen hatte: "Wer sich
    heutzutage noch Filme mit Stereoton anschaut, dem ist echt nicht mehr zu helfen..." - oder so
    ähnlich. Was soll man dazu bzw. dagegen noch sagen?

    Natürlich lässt die optische Qualität der VHS-Filme mit den Jahren nach, auch wenn viele meiner
    Bänder aus den 80ern noch problemlos laufen. Vielleicht gehört dieses Nachlassen aber auch mit
    zu einem Alterungsprozess, der den Filmen eine eigene Note gibt. Digitales Material bleibt immer
    gleich und für viele Leute auch immer gleich beliebig und verfügbar.

    Material auf Band verändert seine Art und das sicher nicht immer zum Positiven. Vielleicht tragen
    aber manche der Schwächen eines älteren Bandes auch mit zum Stil eines Filmes bei bzw.
    unterstreichen dessen Note als Dokument einer früheren Zeit.

    Digital bereinigte Hochglanzbilder mit Superduperton und Features aller Art tun das IMO nicht. So
    gesehen kann eine Kassette, die vielleicht nach über 20 Jahren noch immer ihre ursprüngliche
    Aufgabe erfüllen kann, in mehrerlei Hinsicht ein interessantes Stück Medium sein: als ein Beispiel
    für eine gewisse Vergänglichkeit des Mediums, darüber hinaus auch als ein Beispiel für eine
    durchaus eigenständige Wirkung als Zeitdokument, als ein konkret greifbares Objekt "Film" mit
    soundsoviel Zentimeter Kantenlänge und als Beispiel für Zurückhaltung und Reduzierung auf das
    Wesentliche.

    Und das ist in einer Zeit von Gigabyte-Datenmassen und Webseiten mit Abertausenden abrufbarer
    Filme und Videoschnipsel vielleicht mit der wichtigste Faktor. Irgendwie bringen mich diese
    Überlegungen wieder zurück zu der Wirkung, die ein Film wie "Ferien des Monsieur Hulot" oder
    auch hat. Ich kann aber nun auf Anhieb nicht wirklich formulieren, wieso.

    Das nur als ein paar kurz formulierte Gedanken zu dem Thema. Man sollte das Ganze nicht als
    Fortschrittsfeindlichkeit sehen, sondern als kritische Gedanken zum Zeitgeist.
    Meinungen und Kommentare aller Art sind gerne willkommen.

    Chris

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von PostMortem

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    AW: Gedanken zur VHS-Kassette

    Zitat Zitat von Chris P. Beitrag anzeigen
    Natürlich lässt die optische Qualität der VHS-Filme mit den Jahren nach, auch wenn viele meiner
    Bänder aus den 80ern noch problemlos laufen. Vielleicht gehört dieses Nachlassen aber auch mit
    zu einem Alterungsprozess, der den Filmen eine eigene Note gibt. Digitales Material bleibt immer
    gleich und für viele Leute auch immer gleich beliebig und verfügbar.

    Material auf Band verändert seine Art und das sicher nicht immer zum Positiven. Vielleicht tragen
    aber manche der Schwächen eines älteren Bandes auch mit zum Stil eines Filmes bei bzw.
    unterstreichen dessen Note als Dokument einer früheren Zeit.
    Nein, das kann ich so nicht unterstreichen. Der Alterungsprozess analoger Medien stört mich durchgehend, egal ob es um die Musikkassette, den Kleinbildfilm oder die Videokassette geht. Dabei gehöre ich auch zu den wenigen "die ich kenne", die noch über 100 Videokassetten im Regal stehen haben. Allerdings wächst nur noch mein DVD-Bestand, denn es geht mir lediglich um den Film und den wollte ich schon immer in bestmöglicher Qualität genießen, daher hat man ja z. B. auch mal in 6-Kopf-Stereo-Videorekorder investiert. Wenn es bald HD-Videos zu bezahlbaren Preisen und in guter Auswahl aus dem Netz gibt, werde ich vielleicht gar keine Medien mehr kaufen, sondern nur noch Dateien. Der einzige Grund warum dieser Markt noch gebremst wird ist der verzweifelte Versuch vorher noch mit der Blue Ray Disc abzukassieren. Wenn dieses Medium endlich auch gescheitert ist und die Filmindustrie merkt, dass sie den Fehler der Musikindustrie zu wiederholen beginnt, dann gehören DVD und BD bald genauso wie die VHS-Kassette zum alten Eisen.

  4. #3
    Benutzerbild von Chris P.

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    AW: Gedanken zur VHS-Kassette

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Wenn es bald HD-Videos zu bezahlbaren Preisen und in guter Auswahl aus dem Netz gibt, werde ich vielleicht gar keine Medien mehr kaufen, sondern nur noch Dateien.
    Eine sicher verlockende Möglichkeit, aber ich persönlich sehe einen Film eben auch immer als ein Objekt von materieller Substanz. Und als solches möchte ich es greifen und betrachten können, sei es nun (bevorzugt) als VHS mit Spuren ihrer langjährigen Geschichte oder auch als DVD.

    HD-Filme als Dateien sind dann die reine Entstofflichung und eine Sammlung mit vielfältigen materiellen Eigenschaften wird zur Festplatte. Da bleibt dann IMO auch der Gedanke "Mir geht es um den Film" schnell mal auf der Strecke, denn ein Film oder anderes Medium wird so zum Tropfen im digitalen Ozean, mit nicht mehr Identität als einem Dateinamen. Ich kenne Leute, die terabyte-weise Filmmassen auf dem Rechner haben und denen die Frage nach einem einzelnen "Schatz" nur noch ein müdes Achselzucken entlockt. Ich halte das irgendwie für prinzipiell gefährlich. Kann mir nicht passieren, mein Betriebssystem läßt maximal 2 GB pro Partition zu ;-).

    Meine VHS-Sammlung geht im Moment wohl auch an die 100 Kassetten, aber ich bin immer noch bemüht, sie zu vergrößern. Denn lieber steht ein guter Film (selbst mit schlechterem Bild) bei mir im Regal, als das die Kassette in irgendeinem Keller, Garage oder Müllhaufen verrottet.

    Chris

  5. #4
    Benutzerbild von Dark_Lord

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    AW: Gedanken zur VHS-Kassette

    Obwohl ich alte Videogeräte sammle und auch selber repariere, kann ich verstehen, warum sie vom Markt verschwunden sind.

    Das ist schon allein eine Frage von Aufwand und Kosten. Damals waren Laser für CD und DVD Präzisionsteile aus aufwendiger Fertigung mit hohem Ausschuss... heute sind sie Standardware. Und was steckt noch in einem CD- oder DVD-Player? So gut wie nichts. Ein paar Zahnräder für die Schublade, ein Motor der die Scheibe auf richtige Drehzahl bringt und noch eine Transportschnecke für den Laser... Dazu eine "Tüte Chips" für ein paar Cent, verstreut auf einer Platine. --- und jetzt guck mal im Vergleich dazu einen Videorekorder. Mit rotierenden Videoköpfen erreicht man eine Bandgeschwindigkeit, für die das Band bei stehenden Köpfen wie dem Mono-Tonkopf oder dem Tonkopf bei Audio-Kassettenrekordern das Band mit vielen Zentimetern pro Sekunde laufen müsste (und somit binnen kürzester Zeit aufgebraucht wäre). Das setzt aber schon voraus, dass man das Band erst mal aufwendig einfädeln muss. Das Band muss mit konstanter Geschwindigkeit abgespielt werden, und das auch noch so, dass der rotierende Kopf immer genau die schräg stehende Spur trifft (übernimmt ein Capstan-Motor mit aufwendiger Regelung) und dann auch noch wieder aufgewickelt werden. Das analoge Bild will auch noch weiterverarbeitet werden, da es für Consumer-Videokassetten auf das nötigste reduziert wird. Deshalb kosten auch die letzten verbliebenen Videorekorder, und sogar der Billigschund von Funai, inzwischen 90 Euro und mehr, während viele Markenhersteller (und nicht nur "Chinakracher") schon gute DVD-Player für 50 Euro anbieten. Das gleiche bei der "Software". Die Fertigungskosten für eine Kassette sind höher, die Replikationskosten sind höher (Kopierwerk mit Kopierrekordern die sich auch abnutzen), ...

    Die Technik ist über die Jahre zudem stark verschlimmbessert worden. Guck mal in einen VHS-Rekorder aus den 80ern rein. Schweres Alu-Druckguss-Chassis, ein Haufen Mechanik aus richtig dicken Kunststoffzahnrädern (oftmals haltbarer als Metall in diesen Situationen) sowie Metall- und Alu-Guss Mechanikteile. Dazu mehrere Platinen, alle kreuz und quer miteinander verbunden, mit vielen analogen Bauteilen. Wenn da was kaputt ist und man hat ein wenig Ahnung, dann tauscht man das entsprechende Mechanik- oder Elektronikteil aus und gut ist. Irgendwann hat man angefangen, die viele diskrete Elektronik in Chips zu packen, was zwar der Bildqualität oft zuträglich war und das Gerät billiger machte, eine Reparatur der Elektronik ist dadurch immer unmöglicher geworden (einen Transistor, einen Kondensator oder eine Delay-Line hat man immer bei einem Elektronik-Händler gefunden, einen Spezial-Chip des Rekorderherstellers, da ist man chancenlos, und selbst wenn will der erst mal eingelötet werden als SMD-Bauteile. Also bei Elektronikproblem Mainboard-Tausch, Ersatzteil drei mal so teuer wie der Rekorder. Auch die Mechanik ist nicht gerade aufwendiger geworden, im Gegenteil, irgendwann hat man auch da Sparpotential erkannt. Stanzblech-Laufwerke, die hochtrabend als "Tiefzieh-Stahl-Chassis" (letzte Generation Panasonic) verkauft werden, Zahnräder, die so dünn sind, dass sie vom Angucken durchbrechen, ... Da entpuppte sich ein S-VHS Bolide zum 4-stelligen Euro-Preis schnell als Wegwerf-Ware, also wehe dem, es tritt ein Defekt auf.

    Und immer die Bandsalat-Gefahr. Ich würde auch sagen, Videokassetten mit Band sind "Kinderresistenter" als DVDs, da sie nicht zerkratzen können (kommt jedoch Dreck hinein, kann der natürlich durchaus das Rekorder-Innere zerstören). Aber bei DVDs gibt es keinen Bandsalat. Aber das hätte man vermeiden können, wenn man der DVD ein Cartridge-System nach DVD-RAM Vorbild verpasst hätte. Aber das war vermutlich nicht nur zu teuer (je Medium/Je Player) sondern würde ja auch den Neuverkauf von zerkratzten DVDs hemmen. Bei BluRay hat man inzwischen ja sogar den dünnen Lack (bei CDs noch auf der Labelseite zu finden) auf die Datenseite gepackt und das dicke Substrat (bei der CD auf der Datenseite, bei der DVD und HD-DVD dank symmetrischem Sandwich-Aufbau auf beiden Seiten zu finden) auf die Labelseite. Das heißt, da kann man dann nicht mal mehr Kratzer rausschleifen und rauspolieren wie bei der CD oder DVD, weil man direkt durch den Lack durch ist.

    In Sachen Bildqualität trauere ich den meisten alten Systemen keine Träne nach. Ich hätte mir gewünscht, dass sich ED-Beta (ein Standard Definition Betamax-Nachfolgesystem mit über 600 Linien Auflösung, ein paar wenige Geräte finden sich in den USA und Japan als NTSC-Gerät, ein paar noch weniger Geräte in Saudi-Arabien als PAL-Gerät) oder Laserdisc (inkl. HiVision/Muse für HDTV) durchsetzen und noch weiter verbessert (höhere Datendichte, dass endlich mal ein Film auf iene Seite passt) durchgesetzt hätten.

    Was Alterung angeht, kann ich gerne auf durchlaufende Störzeilen durch beschädigte Bänder und ähnliches verzichten. Klar, gewisse Störungen gehören zu alten Filmen dazu, aber das sind keine VHS-Störungen. Charlie Chaplin ohne Filmschmutz und Graining? Wo kämen wir da hin? Aber auf neumodische VHS-Störungen kann ich da verzichten ;-) Aber Filmschmutz und Graining werden aus solchen Klassikern ja auch auf DVD nicht entfernt. Sie werden eher noch besser sichtbar. Es ist bei mir eher so, dass mich die Technik fasziniert, ich weiß, dass die große Zeit vorbei ist und ich mich lieber noch mit ein paar intakten Geräten eindecke, und vor allem es immer noch viele Sachen auf VHS gibt, bei denen eine DVD-Release nicht zu denken ist. Außerdem finde ich private Aufnahmen auf Video besser aufgehoben als auf DVD (ständige minimale Verschlechterung auf analogem Video statt Totalausfall bei nicht-mehr-Lesbarkeit auf einer DVD, die in der Zwischenzeit ihren Verfall nicht bemerkbar gemacht hat, weil bei digitalen Formaten immer die Fehlerkorrektur eingreift), weshalb ich zwar alle Schätzchen auf DVD überspiele (Schonung häufig angesehener Medien und Geräte, etwas Bildrestauration, Urlaubsvideos ggf. schneiden, und bequemer ist es auch noch wegen Szenen-Anwahl), aber die Originale immer behalte.

  6. #5
    Benutzerbild von Laschek

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    AW: Gedanken zur VHS-Kassette

    Wenn ich heutzutage in Fachzeitschriften oder den entsprechenden Ecken des Internets gucke dann kriege ich immer mehr den Eindruck dass es immer mehr Leuten nur noch um den technischen Aspekt eines Filmes geht (Auflösung, Kontrast, Ausstattung der DVD/Blue Ray, usw.).
    Sind das noch die zitierten "Cineasten"?
    Blättert man mal in alten Cinema Heften aus der Zeit der Videokassetten und schaut sich die Besprechungen an dann geht es da in erster Linie oder gar ausschliesslich um den Film als solchen.
    Ist doch also kein Wunder dass keiner VHS Tapes für einen EUR kauft.
    Ich würd sie wahrscheinlich auch nicht kaufen obwohl ich von der Technikseite auch nicht sonderlich anspruchsvoll bin, aber speziell bei Verleihexemplaren würde ich doch einen mir zu hohen Abnudelungsfaktor erwarten. Ausserdem finde ich 'ne DVD von der Handhabung her wesentlich bequemer (und es passen mehr in's Regal ). Wenn dann noch (vernünftiges) Bonusmaterial mit drauf ist soll es mir recht sein, wenn nicht ist es aber auch egal, manche geben ja Punktabzug bei nicht vorhandenem Bonus .
    Hergeben werd ich meinen Videorekorder aber jedenfalls nicht (sammle ja auch "Retrotechnik") und letztes Jahr hab ich mir ja doch zwei Tapes für ein Handgeld auf dem Flohmarkt gekauft, Eurythmics und Bob Marley live .

  7. #6
    Benutzerbild von Chris P.

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    AW: Gedanken zur VHS-Kassette

    Zitat Zitat von Laschek Beitrag anzeigen
    Wenn ich heutzutage in Fachzeitschriften oder den entsprechenden Ecken des Internets gucke dann kriege ich immer mehr den Eindruck dass es immer mehr Leuten nur noch um den technischen Aspekt eines Filmes geht (Auflösung, Kontrast, Ausstattung der DVD/Blue Ray, usw.).
    Sind das noch die zitierten "Cineasten"?
    Blättert man mal in alten Cinema Heften aus der Zeit der Videokassetten und schaut sich die Besprechungen an dann geht es da in erster Linie oder gar ausschliesslich um den Film als solchen.
    Es war glaube ich auch letztes Jahr in einer Cinema, daß mal im Vorwort stand, daß die VHS-Sammlung nun im Jahr 2008 zum "Sondermüll" geworden ist.

    Und sowas finde ich immer mehr als daneben, wenn ein Medium, das eine bestimmte Zeitschrift quasi jahrzehntelang "begleitet" und unterstützt hat, nun im Sinne des Zeitgeistes derart runtergeputzt wird - Bildqualitäten und digitale "Fortschritte" hin oder her.

    Chris

  8. #7
    Mumie
    Benutzerbild von Mumie

    AW: Gedanken zur VHS-Kassette

    Zitat Zitat von Chris P. Beitrag anzeigen
    Es war glaube ich auch letztes Jahr in einer Cinema, daß mal im Vorwort stand, daß die VHS-Sammlung nun im Jahr 2008 zum "Sondermüll" geworden ist.

    Und sowas finde ich immer mehr als daneben, wenn ein Medium, das eine bestimmte Zeitschrift quasi jahrzehntelang "begleitet" und unterstützt hat, nun im Sinne des Zeitgeistes derart runtergeputzt wird - Bildqualitäten und digitale "Fortschritte" hin oder her.

    Chris
    Ich denke das kommt evtl. auch da her,das eine jüngere Generation in die Redaktionen nachgerutscht ist und die haben selten einen Bezug zu alten Geräten.
    Ich habe auch noch 2 Videorecorder,einer davon ist ein Siemens,Baujahr 1987.Er läuft noch ohne Probleme(der einzige Nachteil ist,das er keinen "Hypertuner" hat,dadurch kann ich damit nicht mehr alle Kanäle aufnehmen).
    Deswegen habe ich mir zusätzlich einen der letzten Löwe-Videorecorder gekauft.

  9. #8
    Benutzerbild von Fatalist

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    AW: Gedanken zur VHS-Kassette

    Zitat Zitat von Chris P. Beitrag anzeigen
    Es war glaube ich auch letztes Jahr in einer Cinema, daß mal im Vorwort stand, daß die VHS-Sammlung nun im Jahr 2008 zum "Sondermüll" geworden ist.

    Und sowas finde ich immer mehr als daneben, wenn ein Medium, das eine bestimmte Zeitschrift quasi jahrzehntelang "begleitet" und unterstützt hat, nun im Sinne des Zeitgeistes derart runtergeputzt wird - Bildqualitäten und digitale "Fortschritte" hin oder her.

    Chris
    Naja, ich würde da nicht dramatisieren. Die VHS Kassette verhält sich zur DVD wie die mechanische Schreibmaschine zu einem heutigen Computer. Klar, kann man mit dem Computer auch Texte schreiben...

    Aber all die Unzulänglichkeiten des Magnetbandes! Ich war schon mit meinem ersten VHS Rekorder nicht zufrieden. Es war mir ein Horror, dass Bänder lautstartk zurückgespielt werden müssen, die Bildqualität überzeugte mich nie, die Kapazität eines Bandes, die richtige Positionierung vor der Aufnahme und und und.

    Die Cinema zieht ja nicht das Ansehen der Technik nachträglich in den Schmutz, sondern bezeichnet sie als das, was sie aus heutiger Sicht bedeutet. Wenn sich Schallplatten länger halten, dann hat das offensichtliche Gründe, aber wenn ich das Filmmaterial, dass ich auf eine billige Terabyteplatte kopieren kann mir als VHS hinstellen wollte, würde das jeden ästhetischen Anspruch an Wohnkultur beleidigen. Deswegen würde ich die Bezeichnung "Müll" durchaus unterstreichen. Müll im Sinne von Platzverschwendung an ein flüchtiges Medium.

    Vom DVD/Blueray/HDD-Recorder-Kauf alleine wird die Filmsammlung natürlich nicht zur Cinemathek. Klar wären mir auf der einsamen Insel 1000 gute VHS Filme meiner Wahl lieber als 1000 Mainstream DVDs aus den Charts

  10. #9
    Benutzerbild von Chris P.

    Registriert seit
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    AW: Gedanken zur VHS-Kassette

    Zitat Zitat von Fatalist Beitrag anzeigen
    Wenn sich Schallplatten länger halten, dann hat das offensichtliche Gründe, aber wenn ich das Filmmaterial, dass ich auf eine billige Terabyteplatte kopieren kann mir als VHS hinstellen wollte, würde das jeden ästhetischen Anspruch an Wohnkultur beleidigen. Deswegen würde ich die Bezeichnung "Müll" durchaus unterstreichen. Müll im Sinne von Platzverschwendung an ein flüchtiges Medium.
    Naja, wenn die Kassetten in einem Schrank stehen, dann weiß man wenigstens, wo sie sind. Ob sich eine Sammlung nicht in eine Wohnkultur einfügen ließe, hängt wohl auch von den Gegebenheiten ab. Man würde doch z.B. auch nicht seine geschätzten Bücher wegwerfen, weil sie Platz brauchen und stattdessen nur noch dünn-genormte Bücher in den Schrank stellen oder gleich allen Text auf Festplatten ziehen. Oder würde man heutzutage?

    Und welches Medium ist flüchtiger: eine Ladung Filme auf stabilen Kassetten aus den 80ern oder eine Ladung Filme auf einer billigen Terabyte-Platte?

    Chris

  11. #10
    Benutzerbild von Fatalist

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    AW: Gedanken zur VHS-Kassette

    Naja, den Vergleich zu Büchern kann man sicher ziehen, nur da empfindet jeder anders. Eine umfangreiche (gelesene!) Bibliothek zeichnet dich auf den ersten Blick als Kulturmenschen aus und ist nicht hässlich, kann sogar dekorativ sein. Eine VHS-Wand verleiht mit all der billigen Plastik und den bunten Farben jedem Zimmer den Charme einer 90er-Jahre-Videothek. Aber das kann ja zum Glück jeder für sich entscheiden, ob ihn VHS-Kassetten, DVD Sleeves oder Bücher im Wohnzimmer stören :-) Manche Leute sollen sogar noch CD-Ständer in den Zimmerecken haben...

    Eine TB Platte ist unbestritten flüchtiger als Magnetbänder. Aber bei lächerlichen Preisen von unter 100€ für eine solche ist selbst schuld, wer nicht auf Redundanz setzt. Ich persönlich verteile alle Daten je nach Wichtigkeit auf bis zu drei externe Platten und eine davon lagert weit außerhalb der Wohnung. Auf eine TB Platte passen mindestens 150 DVDs, unkomprimiert. Als divx Film in super Qualität noch viel mehr. Das sind irgendwann nur noch Cent-Beträge pro Film.

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