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Spillsbury Live

Erstellt von Franky, 28.06.2003, 15:22 Uhr · 2 Antworten · 682 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von Franky

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    Nachdem das Konzert in Köln kürzlich verletzungsbedingt ausfallen mußte gibt es nun neue Termine :

    30.09.03 (Dienstag) in der KuFa Krefeld
    14.08.03 Köln, Kantine POPKOMM, L'Age D'Or Jubiläumsabend
    19.07.03 Frankfurt Space Place Open Air



    http://www.spillsbury.de/start.html

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von Industriemädchen

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    Folgender Bericht + Interview findet sich in der neuen Intro.
    ( www.intro.de )


    Spillsbury
    Die Stillen Stars [24.06.03]
    Gitarre


    Spillsbury haben ihre fünfzehn Minuten Ruhm eigentlich schon gehabt. Der aufmerksame Leser wird sich erinnern. Ihre erste gleichnamige EP letztes Jahr wurde nämlich bereits so sehr abgefeiert, dass einige von dem Dexy’s-Midnight-Runners-Syndrom sprachen. Im Sinne von: Die haben ihr ganzes Potenzial ja in einer 6-Track-Single verschossen. Da kann doch wohl keine Platte mehr kommen, die den vorgefertigten Ansprüchen noch wirklich gerecht würde. Sie wurden im Intro (#95) immerhin schon in einer Story zusammen mit Mia. und Concord abgehandelt. Aus heutiger Sicht natürlich ein Affront, denn da wurde etwas zusammen in eine Schublade gesteckt, was in Wirklichkeit gar nicht zusammenpasst. Denn während Mia, zugegebenermaßen wohl eher unfreiwillig, neben dem Indie-Publikum mittlerweile auch den MTV-”Dismissed” schauenden BWL-Studenten mit David-Beckham-Frisur ansprechen, wenden sich Spillsbury an ein wütenderes, weniger Style-fixiertes Publikum. Und das klingt doch schon eher nach Punk. Aber jetzt mal alles der Reihe nach.

    PROLOG

    Man könnte fast sagen, dass Spillsbury mir und meinen Freunden schon so manchen Abend gerettet haben. Betrachten wir als Epizentrum der hedonistischen Ausuferungen unserer Interessengemeinschaft einen versifften Bandproberaum mit angegliedertem Wohnzimmer in Köln-Deutz, der immer mal wieder als Refugium dient, wenn es keine vernünftigeren Alternativen und/oder aufregenderen Räusche gibt. Dieses Wohnzimmer wiederum ist ausgestattet mit einer richtig guten Anlage und leider der meiner Ansicht nach schlechtesten CD-Sammlung der Welt – sodass man als Eingeladener quasi schon gezwungen ist, hin und wieder seine eigenen Sachen in besagte Anlage zu schmuggeln, wenn man nicht den ganzen Abend Chris Isaak hören möchte. Die dort stattfindenden Partys wurden durch Mundpropaganda schnell zu einer Legende. So Studio 54 für Asoziale und Rheinländer. Spillsbury sind hier natürlich auch schon rauf und runter gespielt worden, und der Raum hat immer dermaßen getobt, dass sogar ein mit der Band persönlich bekannter Journalist regelmäßig im Delirium bei ihnen anrief, um mitzuteilen, wie geil denn ihre Songs gerade kommen würden.

    Höhepunkt des Molochs an Party und Distanzlosigkeit war das Intro Intim im Januar dieses Jahres mit Robots In Disguise und eben Spillsbury im in unmittelbarer Nähe liegenden Gebäude 9. Beide sollten nach dem Konzert geschickt in den Proberaum gelotst werden, denn unser Plan war: Hallo Celebritys bzw. hallo Künstler ...! Hey, wurde sich gedacht, die werden bestimmt ganz schön überrascht gucken, wenn die sehen, wie hoch es hier so hergeht zu ihrer Musik, wie ihr Entwurf innerhalb der Pop-Crowd so erlebt wird. Rezeptions-Ästhetik live. Im Endeffekt waren Spillsbury schließlich aber auch nur da, um nach einer Viertelstunde wieder zu gehen, völlig verschreckt durch diese atavistischen Zustände, die sie da vorfanden und die ihr Sound angeblich heraufbeschwören würde. Offiziell angegebener Grund war Müdigkeit. Und das von einer Band, die die wachste Musik der Saison macht.

    An dieser Stelle soll natürlich auch das Konzert nicht unter den Tisch fallen, welches stattfand. Spillsbury gehen live so dermaßen ab nach vorne, dass man immer wieder geneigt ist, zu denken: noch viel weiter nach vorne kann das jetzt aber echt nicht mehr gehen – sonst fällt man ja vornüber. Nach Beendigung des Sets bekam ich im Foyer folgende Gesprächsfetzen zweier distinguierter Musikhörer mit: “Ey, die Sängerin sah ja schon echt geil aus, aber die hätte mal was Cooleres anhaben können, vielleicht ‘n Rock oder so.” Sprach es und guckte dann noch wie blöde ob der eigenen Debilness, die ihn da eiskalt und ziemlich locker von hinten überrumpelt hatte. Womit wir ja auch wieder beim Style-Faktor wären, den Spillsbury, für diese Art von Musik eher untypisch, bewusst außen vor lassen. Schließlich gibt es ja Bands, die sich von befreundeten Mode-Labels extra für ihre Auftritte einkleiden lassen.

    “Es sollte ja auch die Musik im Vordergrund stehen, das ist uns schon sehr wichtig. Ich habe nichts gegen Style, aber so etwas wie mit dem Mode-Label würde ich mir, wenn überhaupt, überlegen, wenn ich über Jahre hinweg erfolgreich Musik gemacht hätte und meine Rolle da irgendwie neu definieren wollte. Aber jetzt reduziert zu werden auf die junge, stylische Sängerin wäre einfach nicht mein Ding”, wird Zoe später dazu sagen.

    STAGE DIRECTION

    Den Ort des Interviews stellt ein ziemlich schickes Café in einem ziemlich schicken Viertel von Köln dar. Da, wo das Label L’Age D’Or früher mal seine Künstler zu Interviews hinschickte. Oldschool, das wieder aufzugreifen. Zoe Meißner und Tobias Asche sitzen in der oberen Etage, wir sind alleine. Es geht erst mal ganz klar um die Songs, die kommende Platte: Aufgenommen wurde “Raus” zusammen mit Chris von Rautenkranz Anfang dieses Jahres im Soundgarden Studio zu Hamburg. Auf dem Album befinden sich auch die sechs Stücke, die bereits als “Spillsbury”-EP herauskamen, damals noch von Tobias zu Hause selbst produziert. Was also hat sich bei den Songs geändert? Tobias: “Wir haben jetzt die einzelnen Spuren noch mal neu mit Chris abgemischt, die Gesänge halt neu gemacht, Bass und Gitarren. Die Qualität ist natürlich schon viel besser, wenn man das im Studio macht.”

    Es ist mehr Fläche drin und mehr Bass, die Beats klingen dumpfer, weniger nach Drumcomputer, was aber nicht heißen soll, dass Spillsbury ihren Hang zu einem gewissen Dilettantismus gänzlich abgelegt hätten. Der Gesang wirkt irgendwie abgehackter und ist dadurch energischer als vorher. Und zwar energischer im Sinne von wütender, man hört, da möchte jemand was sagen. Es ist nicht so dieser Tomte-Spot (von der “Du Weißt, Was Ich Meine”-Platte), zum Beispiel bei Pantera das Gefühl zu haben, hier schreit dich gerade jemand an, und man wird doch eh schon so oft angeschrien, sondern es vermittelt eher: Hier ist jemand, mit dem ich gerne mitschreien würde. Merkwürdigerweise scheinen die beiden Pole Pop und Punk in gleichem Maße nach vorne bewegt worden zu sein, ohne dass das eine dem anderen dabei über die Füße gestolpert wäre. Interessant ist auch, dass die Songs immer die gleiche Geschwindigkeit haben, der Beat sich nie zu ändern scheint, und der ist auch noch ganz schön schnell in der Minute. Und dass trotzdem jeder Song anders klingt, weil ihm immer irgendjemand einen Sack mit einer völlig neuen Melodie über den Kopf stülpt.

    Dass die Band über so eine Herangehensweise funktioniert, ist nicht verwunderlich, denn schließlich haben Zoe und Tobias schon zusammen in einer Gitarrenpunkband namens One Thirty gespielt. Auch wenn das Duo inzwischen mit dem typischen Bandprinzip gebrochen hat und eher unter dem Label “elektronische Musik” läuft, steckt in seinen Songs immer auch ein bisschen Ramones drin, und wahrscheinlich ist es gerade das, was die beiden von den anderen zur Zeit omnipräsenten deutschsprachigen Elektropop-Bands unterscheidet und damit auch weit interessanter macht.

    War das so, dass euch reine Gitarrenmusik irgendwann nur noch gelangweilt hat?
    Zoe: Nicht wirklich gelangweilt, aber irgendwann gab es einfach schon diese Idee, mal was anderes zu machen, und wir haben angefangen, mit dem Drumcomputer rumzuspielen.


    Ich fand es ja ziemlich komisch, dass ihr so per se in dieses NDW-Revival eingereiht worden seid, da eure ganze Art, Musik zu schaffen, schon eine andere ist. Ihr arbeitet ziemlich minimalistisch, meistens mit zwei Instrumenten, und eure Musik ist trotz Beats und Drive auch nicht wirklich auf Tanzbarkeit angelegt.
    Tobias: Lustig, dass du das sagst, weil wir genau das mittlerweile immer öfter hören. Ich weiß auch gar nicht genau, wer damals überhaupt damit angefangen hat, uns in diesem NDW-Ding zu sehen. Aber du hast Recht, die Bands, die da immer als Verweise genannt werden, haben wir ja nie wirklich gehört, bzw. kennen sie noch nicht einmal. Wir haben ja auch viele Sachen aus der Gitarrenpunkschiene übernommen, aus der wir ursprünglich kommen.

    ANGRY YOUNG WOMAN

    Ein Königreich also der Überinterpretation. Da darf natürlich auch die lyrische Ebene nicht fehlen. Wie heißt es so simpel und treffend im Info-Material: “Sie können die Sprüche, die Frau Meißner singt, an jede Wand malen. Und es ist wirklich nicht übertrieben, zu sagen, dass in jedem der 13 Songs mindestens ein guter Slogan versteckt ist, der sich lohnt, auswendig gelernt und gebrüllt zu werden.”

    “Denn ich habe keine Küche, und ich weiß nicht, ob ich eine brauch, wozu? / Meine Meinung sagen kann ich dir auch hier, und das geht so / Nimm jetzt bitte meine Hand und sprich mir nach: Ich bleibe hier / Auch wenn es vielleicht ein Fehler ist, ich will kein Kaffee nur noch Bier.”
    (Spillsbury, “Jona”)

    Die Themen der Platte liegen bei aller Vielschichtigkeit ja doch auch sehr dicht an dicht. Seht ihr eine Art agitierendes Leitmotiv, das sich durch das ganze Album zieht?
    Tobias: Zunächst sicher Zeit an sich: wie man sie nutzt. Und damit verbunden auch die eigene Energie, im Sinne von “etwas machen”, auf die Beine stellen.
    Zoe: Und Hedonismus. [lacht]


    Ganz klares Adoleszenz-Topos ist natürlich auch Aufbruchstimmung. Also nur mal gedacht an “Raus Aus Dieser Stadt”.
    Tobias: Wobei das ja ambivalent ist, auf der einen Seite natürlich dieses “weg aus dieser Stadt hier”, aber nicht, ohne auch generell wieder als ein Impuls gedacht zu sein, selbst aktiv zu werden.

    Spillsburys Texte – überwiegend von Tobias geschrieben – sind oft Momentaufnahmen aus einem sehr juvenilen Blickwinkel, schließlich sind die beiden auch erst 19 und 26 Jahre alt. Es geht immer wieder um Abgrenzung, Dissidenz, darum, die eigene Höhle statt Hölle in der betrogenen Kulturindustrie zu postulieren – ein Power-Cocooning-Umstand, der sie in die Nähe der frühen Tocotronic rückt. Und damit den vielen Lost-Tocos-Fans, die nicht mehr so umarmt werden von den jüngsten Veröffentlichungen der drei, ein neue Plattform bieten, auf der sich dynamisch und narzisstisch selbst gefühlt und wieder erkannt werden kann.

    “Wir wollen nicht mehr für euch da sein, kein Stück näher an euch ran / also lasst uns in Ruhe, lasst uns gehen und unseren Weg alleine machen / wir bleiben lieber einsam, als mit euch über eure schlechten Witze zu lachen.”
    (Spillsbury, “Was Wir Machen”)

    “Alles, was ich will, ist, nichts mit euch zu tun haben.”
    (Tocotronic)

    Tobias: Geplant hatten Tocotronic dieses Unity-Ding so sicher auch nicht. Sicher kommen ein paar unserer Songs auch etwas Slogan-mäßig rüber, aber wir haben bestimmt nicht den Anspruch, dass die Leute demnächst Buttons mit Songtiteln von uns tragen.

    So viel rotznäsiges Ambiente in der eigenen Kunst und im Gespräch, bescheiden wie die stillen Stars bei Elstner. Bei Spillsbury gilt noch der Modus Operandi, dass die Bühne das Leben verdichtet. Und zwar so sehr, dass aus Höflichkeit Trotz und aus Zurückhaltung Energie wird. Zoe und Tobias entstammen einer Generation von Musikhörern, die Punk mit intelligenten Texten nicht wie manche alten Säcke noch über DAF oder die Neubauten kennen gelernt haben, sondern eben über eine Band wie Tocotronic. Was sie so sympathisch macht, ist die Tatsache, dass sie diesen Input musikalisch völlig neu zusammensetzen und somit der Vorwurf des Epigonentums, wie bei anderen deutschsprachigen Neo-Gitarren’n’Slogan-Bands, hier eben nicht zündet. Und das kann man einfach nur mehr als gut finden.



    Autor: Sebastian Ingenhoff

  4. #3
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    Komplette Tourdaten
    19.07. Frankfurt/Main, space place open air
    14.08. Köln, Kantine (Popkomm -> Lado-Jubiläumstour)
    15.08. Köln, E-Werk (Pop Komm -> Introducingfestival)
    16.08. Berlin, Maria am Ostbahnhof (Introducingfestival)
    23.08. Hamburg, Echochamber (Players Party)
    19.09. Hamburg, Phonodrome (Jungle World Party w/Stereo Total)
    25.09. Potsdam, Waschhaus
    26.09. Dresden, Groove Station
    27.09. Halle, Galerie Hühnermanhatten
    28.09. Hildesheim, Kulturfabrik (w/ Mediengruppe Telekommander)
    29.09. Wiesbaden, Schlachthof (w/ Mediengruppe Telekommander)
    30.09. Krefeld, Kulturfabrik (w/ Mediengruppe Telekommander)
    01.10. Bielefeld, Kamp
    02.10. Lingen, Alter Sclachthof
    03.10. Berlin, Volksbühne
    04.10. Hamburg, Phonodrome
    05.10. Hannover, Indiego Glocksee
    06.10. Kassel, K-19
    07.10. Würzburg, AKW
    08.10. Heidelberg, Karlstorbahnhof (tba)
    09.10. Stuttgart, Universum
    10.10. Erlangen, E-Werk
    11.10. A/Wien, Arena
    12.10. München, Feierwerk
    17.10. Frankfurt, Moussonturm
    18.10. Bochum, Matrix

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