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Nubanos

Vergleich Kaffeewerbung 80er Jahre und heute

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von am 07.08.2013 um 11:06 (2707 Hits)
Name:  Kaffee genießen am Abend.jpg
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Wenn jemand heute eine Kaffeemaschine kauft und bestellt - denkt er dann an den Duft frischen Kaffees, der alles andere vergessen lässt, oder eher an die interessanten technischen Features moderner Automaten? Das ist eine spannende Frage, die sich etwa bei der Betrachtung eines Tchibo-Werbespots aus 1987 stellt, den Nostalgie-Fans auf YouTube untergebracht haben:



Der junge Mann auf seinem Fahrrad kann alles andere, die Welt und sein Mädchen, links liegen lassen, wenn ihn der Duft frisch gerösteter Tchibo-Bohnen ereilt. Ist das heute noch denkbar?

Die moderne Kaffeemaschine und die Werbung dafür

Es ist schon wahr, die "gute alte Zeit" erscheint im Rückblick immer unbefangener gewesen zu sein. Doch erinnern wir uns: Die 1980er Jahre waren auch nicht nur eitel Sonnenschein, es gab Krisen (auch wirtschaftliche) und Probleme wie heute auch, die Kaffeewerbung sollte uns nur ein wenig der Welt entrücken. Vielleicht war das tatsächlich etwas gemütlicher als die heutige, sehr Technik-fokussierte Welt. Andererseits hat sich die Technik nun einmal entwickelt, unseren Alltag angenehmer und leichter gemacht und gleichzeitig zu neuen Werbestrategien geführt. Vergessen wir nicht: In den 1980er Jahren gab es zwar schon das Internet, es war aber sehr unterentwickelt, Privathaushalte nutzten es praktisch nicht. Die Werbung fand im TV und in Printmedien statt. Starke Bilder und Assoziationen mussten her, man "riecht" beim Betrachten des nostalgischen Werbespots tatsächlich frischen Kaffee. Heute klicken wir auf die Beschreibung eines modernen Bosch-Kaffeeautomaten und stellen fest: Interessant, was das Gerät alles liefern kann. Riechen wir dabei auch Kaffee?
Kaffeemaschinen als Sinnbild unserer Zeit

Philosophisch überspitzt könnten wir konstatieren, dass die doch nüchterne Beschreibung eines Kaffeevollautomaten im Internet unseren Blick auf die Gegenwart subsumiert: Wir sind technisiert durch und durch. Was nicht mit hochgradigen Features daherkommt, scheint nichts wert zu sein. Vergleichen wir beispielsweise die 80er Jahre Werbung mit der Werbung eines Kaffeevollautomaten von Bosch, fallen einem sofort die Unterschiede ins Auge:

Bosch Kaffeevollautomat VeroBar - YouTube

Das Produkt und die Funktionalitäten stehen hier sehr stark im Fokus. Man sieht keine glücklichen Menschen, keine fröhliches Treiben in der Natur, keine menschlichen Aktivitäten. Hier wird eher das Gerät im Zoombild und in langsamer Geschwindigkeit präsentiert. Und das nehmen die Käufer heutzutage auch für glaubwürdiger.

In diesem Sinne können wir etwas aus den Werbespots vor einem Vierteljahrhundert lernen, als das Leben irgendwie noch sinnlicher war und nicht der Small-Talk mit den Innovationen des neuesten Handys (oder Kaffeevollautomaten) begann. Übrigens haben das die Hersteller durchaus erkannt und kontern mit überragendem, also sinnlichem Design, wie mit einem Blick auf die Kaffeevollautomaten von Bosch schnell festzustellen ist.

foto:© aleshin - Fotolia.com
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