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Abba, Modern Talking und die Sache mit den Ohrwürmern

Erstellt von Torsten, 25.11.2002, 15:25 Uhr · 92 Antworten · 7.035 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von Torsten

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    Der Text ist wieder zu lang, splitte ihn also wieder in zwei Teile...

    Teil 1:


    Kürzlich hatte ich mit einigen Freunden eine lange und sehr angeregte Grundsatzdiskussion zum Thema Popmusik, die so interessant war, dass ich sie in diesem Forum auch gerne lostreten würde...

    Kernfrage des Ganzen war: Ist simpel gestrickte, eingängige Kommerz-Popmusik wirklich weniger wert als anspruchsvolle Werke, die aufwändig komponiert und produziert sind?

    Meine Meinung dazu: Grundsätzlich nein – wenn seichter Kommerzpop gewisse Kriterien erfüllt, hat er für mich einen mindestens genauso hohen Stellenwert wie die Musik, die angebliche „Kenner" immer als das einzig Wahre deklarieren wollen.

    Und das Zauberwort hierbei lautet ganz simpel: Melodie!

    Die Melodie eines Songs ist für mich nach wie vor das Wichtigste überhaupt – wenn sich Musik nicht sofort harmonisch in meine Gehörgänge schleicht, hat sie es bei mir schon mal sehr schwer. Glücklicherweise bekommt man als jemand, der viel Musik hört, irgendwann ein Gespür dafür, in welchen Fällen sich ausgiebigeres und wiederholtes Hören lohnt, damit man auch nicht sofort eingängige Produktionen irgendwann zu schätzen weiß.

    Doch dies hat natürlich auch irgendwo seine Grenzen, und diese werden eben durch den persönlichen Geschmack gesetzt.

    Wie kontrovers dieses Thema diskutiert werden kann, macht z. B. die Musik von Modern Talking deutlich. Für viele gelten die Produktionen von Dieter Bohlen ja geradezu als Teufelswerk, das man nach deren Ansicht gesellschaftlich ächten sollte.

    Bekanntlich stoßen sich die Kritiker ja dabei immer vor allem an der ewig gleichen Machart, die den Modern Talking-Titeln zugrunde liegt (“Medley auf Raten“, wie das mal jemand genannt hat). Auch das Auftreten von Bohlen und Anders selber gab und gibt denjenigen, die sie nicht leiden können, immer wieder wunderbare Munition in die Hände.

    Allerdings fällt mir im Gegensatz dazu ein Satz ein, den Thomas Gottschalk vor einiger Zeit in einem Interview mal aussprach: “Man kann an der Modern Talking-Mucke so viel herumkritteln, wie man will – aber wenn mehrere Millionen Menschen auf diesem Planeten über etliche Jahre hinweg deren Platten kaufen und dafür sorgen, dass sie mittlerweile zu den weltweit zehn erfolgreichsten Pop-Acts gehören, muss da doch irgendwas dran sein...“

    Was da „dran“ ist, liegt eigentlich auf der Hand: Die erfolgreichen Modern Talking-Stücke haben allesamt einen immens hohen Ohrwurm-Faktor. Und da greift auch der Vorwurf nicht, dass das ja alles gleich klingt: Natürlich sind Beat, Sound und die Stimmen jedes Mal quasi identisch – aber das Entscheidende an einem Pop-Song, nämlich die Melodie, ist eben immer unterschiedlich!

    Und deshalb gilt für mich: Jemand, der es schafft, Melodien zu kreieren, die sich sofort in den Köpfen von Millionen Menschen festsetzen und dort quasi unauslöschlichen Bestand haben, verdient mindestens genauso viel Respekt wie jemand, der sich den „anspruchsvollen“ Klängen widmet, sozialkritische Texte zusammenreimt und fünf Instrumente beherrscht.

    Voraussetzung für meine Wertschätzung seichter Pop-Lala ist allerdings, dass sie eben sofort ins Ohr geht und vor allem selbst geschaffen wurde und nicht geklaut ist.

    Und genau hier liegen die Unterschiede zwischen z. B. Modern Talking und der furchtbaren Sülze, die seit einigen Jahren die Charts durchsetzt: Während einem die Melodien der Bohlen-Tracks in aller Regel sofort im Ohr kleben bleiben, muss man einem die Mucke von heute ersma dutzendfach per VIVA, MTV oder Supermarktbeschallung in die Gehörgänge prügeln, bis sie halbwegs bleibenden Eindruck hinterlässt.

    Und da die heutigen Melodien eben kaum noch jemanden hinterm Ofen hervorlocken, setzen die ganzen Marketingstrategen gerade bei Kommerz-Pop fast ausschließlich auf die visuelle Präsentation, was dann auch die Schwemme dieser ganzen gelackten Boys- und Girlgroups erklärt – und deren Musik klingt dann wirklich ständig gleich, weil einem jeder Titel zum einen Ohr rein- und zum andern wieder rausgeht!

    Nun gibt es ja Zeitgenossen, die bei der Kritik an der heutigen Charts-Mucke immer darauf verweisen, dass es ja nun weiß Gott auch noch Musik abseits der Hitparaden gibt. Damit haben sie Recht – und doch wieder nicht: Der Zustand der Popwelt und der Gesellschaft lässt sich trotz einiger Widrigkeiten und Manipulationen rund um die Charts dennoch genau von diesen ablesen.

    Und so ist es nur logisch, dass in einer Welt, in der nur noch der schnelle Erfolg zählt und nichts von dauerhaftem Bestand ist, auch in den Musik-Charts zum größten Teil Wegwerfprodukte zu finden sind, nach denen schon nach kurzer Zeit kein Hahn mehr kräht. Beweisen kann ich’s nicht, aber nach meinem Gefühl hat’s noch vor 15 Jahren längst nicht so viele One-Hit-Wonder gegeben wie heutzutage.

    Dazu kommt, dass mittlerweile ein derart immens hoher Anteil der kommerziell erfolgreichen Titel auf altem, geklautem Material basiert, dass man sich mittlerweile vorkommt, als wäre man in einer Zeitschleife gefangen...

    Aber zurück zum Thema Ohrwürmer: Besonders witzig finde ich es, wenn Leute, die bestimmte Interpreten angeblich auf den Tod nicht leiden können, auf einmal ganz unbewusst deren Melodien vor sich her pfeifen. Vor einiger Zeit beispielsweise passiert bei einem Kumpel, der hauptsächlich House-Musik hört und “diese ganze Charts-Scheiße“ eigentlich hasst wie die Pest – aber das “Win The Race“ von Modern Talking nicht aus seinem Kopp bekam...

    Als ich daraufhin fragte, ob ihm dieser Titel im Unterbewusstsein nicht vielleicht doch irgendwie gefällt, meinte er: “Wahrscheinlich ja, aber mich ekelt der Gedanke an, dass das Teil von diesen beiden Schwachmaten stammt!“

    Tja, und so erklärt sich dann auch die große Resonanz, die in diesem Forum denjenigen Threads zuteil wird, in denen es um die musikalischen Lieblings-Peinlichkeiten geht...
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    --

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von Torsten

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    Teil 2:

    Und wenn’s um das Thema Ohrwürmer geht, landet man irgendwann zwingend auch bei den unerreichten Weltmeistern dieser Disziplin: ABBA. Für mich sind die vier Schweden schlicht und ergreifend die beste Pop-Band aller Zeiten; rein objektiv betrachtet, gebührt dieser Titel aufgrund der Verkaufszahlen und der innovativen Kraft ihrer damaligen Produktionen zwar wohl den Beatles, aber die Melodien und Harmonien der ABBA-Songs sind für mein Empfinden auch von den vier Pilzköpfen nicht erreicht worden...

    Ein englischer Musik-Jounalist hat die Bedeutung ABBA's für die Popwelt mal ganz treffend beschrieben: "Wenn ein Alien auf der Erde landen und fragen würde: 'Was ist Popmusik'?, würde ich ihm einfach ABBA-Platten in die Hand drücken – und sonst nichts. ABBA sind das nicht weiter teilbare Atom, der Kern der europäischen Pop-Musik."

    Interessant an ABBA ist im Nachhinein vor allem der Wandel ihres Images. In den 70ern gab es – grob beschrieben - ja eine ganz versnobte Trennung in der Musikwelt: Entweder man hörte Rock-Musik à la Queen oder Led Zeppelin – oder eben Pop wie ABBA. Bei Anhängern der härteren Gangart galt die Schweden-Truppe als Feindbild Nummer Eins; dieser zuckersüße Sound hatte nichts Revolutionäres, nichts Rebellisches, nichts Verruchtes – sowas konnte, sowas durfte vielen damaligen Zeitgenossen einfach nicht gefallen...

    Und heute? Mittlerweile ist die Zahl der Musiker, die ABBA damals am liebsten geschlachtet hätten und ihnen heutzutage tiefen Respekt zollen, schier endlos. Wenn ihnen selbst ein Malcolm McLaren, der Macher der 5ex Pistols, geradezu ehrfurchtsvolle Kommentare widmet, mutet das fast schon absurd an – zeigt aber, dass für echte Liebhaber der Musik auch harmonischer, eingängiger Alltags-Pop einen hohen Stellenwert haben kann.

    Für mich sind versnobte Trennungen jeglicher Art in der Musik schon immer kein Thema gewesen. Das mag daran liegen, dass ich im Laufe meiner Kindheit und Jugend die unterschiedlichsten Stile und Genres mitbekommen und deren Highlights zu schätzen gelernt habe. Ich muss auch kein Anhänger irgendwelcher Lebensphilosophien sein, um Gefallen an bestimmten Interpreten zu finden – entweder es macht beim Hören "klick" oder nicht. Viele angebliche "Musik-Liebhaber" sind mir in dieser Hinsicht viel zu verkopft...

    Außerdem halte ich es für wichtig, bei der Beurteilung von Künstlern eine objektive und eine subjektive Betrachtung gelten zu lassen: Es gibt Interpreten, deren Werke mir zum größten Teil einfach nicht gefallen – aber von denen ich weiß und sage, dass es trotzdem erstklassige Musiker sind. Beispiele hierfür sind Prince, Oasis oder The Cure – alles Könner ihres Fachs, nur eben nicht mein Geschmack!

    Und wenn man zu dieser differenzierten Beurteilung in der Lage ist, wird man auch ABBA den entsprechenden Respekt entgegenbringen können. Wenn mir jemand sagt, dass ihm diese Musik nicht gefällt, ist das völlig in Ordnung - wenn aber jemand meint, dass sei einfach nur "beschissene Musik", dann frage ich mich, welche Kriterien er zur Beurteilung von Musik heranzieht...

    In diesem Zusammenhang übrigens nochmals eine kurze Bemerkung zu Dieter Bohlen: Ich habe absolutes Verständnis dafür, wenn manch einer einen Kotzreiz bei dessen Produktionen bekommt – dennoch sollte man zumindest seine Fähigkeit anerkennen, absolut eingängige Popmucke komponieren zu können. Und als Wegwerfprodukt kann man seine erfolgreichen Hits schon gar nicht bezeichnen: Da kann man seinen Allerwertesten drauf verwetten, dass die Melodien von "You're My Heart, You're My Soul" oder "Cheri Cheri Lady" noch viele Jahre überleben werden...

    Irgendwo habe ich mal in diesem Forum den Kommentar gelesen: "Sorry für Modern Talking – das haben wir wirklich nicht gewollt!". Tja, wenn "wir" das nicht gewollt haben – wer hat dann all die Platten gekauft? Ob die Bohlen-Hasser es nun wollen oder nicht: Modern Talking gehört zu den 80ern wie die Mafia zu Italien...

    Im Übrigen würde ich auch niemals in einer Welt leben wollen, in der es nur anspruchsvolle Musik gibt. Musik ist doch für die unterschiedlichsten Stimmungen gedacht – und wer fühlt sich schon immer gleich? Es gibt eben oft genug Momente, wo man einfach mal ohne großes Nachdenken ganz unbeschwert mitsingen und –pfeifen möchte – und dafür taugt seichte Pop-Lala nun mal am besten. Und wenn einem danach ist, kann man sich ja dann getrost wieder der anspruchsvolleren Variante widmen – ich frage mich, warum sich das für manch einen offensichtlich ausschließt...

    Nochmals zurück zu ABBA: Als Björn Ulvaeus kürzlich in der Talkshow von Beckmann zu Gast war, ist mir an einer Stelle des Gespräches förmlich die Kinnlade heruntergefallen. Dass ABBA im Laufe der letzten 15 Jahre gelegentlich millionenschwere Angebote für Revival-Auftritte bekommen haben, wusste ich – aber dass ihnen vor zwei oder drei Jahren für eine einjährige Comeback-Tournee mit ca. 100 Konzerten die Summe von einer Milliarde Dollar (in Zahlen: 1.000.000.000!) geboten wurde, war mir nicht bekannt. Eine Milliarde Dollar – wenn es noch eines weiteren Beweises bedurfte, welchen Stellenwert die Band für die Musikwelt hat, dürfte er spätestens hiermit erbracht worden sein...

    Umso bewunderswerter, dass sie selbst dieses unvorstellbare, aber seriöse Angebot ausgeschlagen haben – das zeugt von wahrer Größe. Wenn man sich mal anschaut, wie viele Altstars schon vor etlichen Jahren besser aufgehört hätten – da ist eine solche Einstellung in der Branche ja fast schon die Ausnahme!

    Als vor einigen Tagen im Zusammenhang mit dem in Deutschland gestarten Musical "Mamma Mia einige ABBA-Specials im Fernsehen gezeigt wurden, kam in mir die große Wehmut auf – unweigerlich machte sich dieses "Früher war alles besser"-Gefühl breit. In diesem Kontext dürfte dieser Satz aber wirklich stimmen: Für mich haben ABBA nach ihrem Ende 1982 ein Loch in der Popwelt hinterlassen, das bis heute nicht mal ansatzweise geschlossen wurde.

    Ich bin ein riesiger Fan der 80er-Musik, habe auch viele 90er-Platten in meinen Regalen stehen – aber die langfristige Faszination der ABBA-Produktionen erreicht nach meinem Empfinden kein Künstler dieser Dekaden. Das liegt vor allem daran, dass die Musik der vier Schweden zum größten Teil eine unbeschwert-fröhliche Ausstrahlung hat, wie man sie in der Pop-Welt seit Anfang der 80er nicht mehr findet; seit dieser Zeit muss alles irgendwie cool, revolutionär, trendy, hart, funky oder sonstwas sein. Diese eigentlich sehr affektierte Attitüde der Popmusik wird schon lange als "normal" empfunden; es gibt mittlerweile kaum noch jemanden, der von "schöner" Musik spricht – denn er würde in aller Regel sofort verlacht werden...

    So, dies war meine Liebeserklärung an ABBA und gute, seichte Pop-Lala. Was ist eure Meinung?
    --
    --

  4. #3
    Benutzerbild von Lutz

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    Moin Torsten!

    Vorweg nochmal die Frage: Wann startest Du Den angekuendigten "Frauentypen" Thread?

    Mensch - gegen Deine Postings verkuemmern ja meine zu Chat-Zweizeilern Ich freu mich aber immer das Du Dir so viel Zeit nimmst, und die Muehe machst alles ausfuehrlich zu beschreiben. Wenn was neues von Torsten kommt, hat man immer ordentlich was zu lesen

    Leider hab ich jetzt gerade nicht so viel Zeit und beschraenke mich (zunaechst) mal auf einen Absatz der mir besonders ins Auge stach:

    Allerdings fällt mir im Gegensatz dazu ein Satz ein, den Thomas Gottschalk vor einiger Zeit in einem Interview mal aussprach: “Man kann an der Modern Talking-Mucke so viel herumkritteln, wie man will – aber wenn mehrere Millionen Menschen auf diesem Planeten über etliche Jahre hinweg deren Platten kaufen und dafür sorgen, dass sie mittlerweile zu den weltweit zehn erfolgreichsten Pop-Acts gehören, muss da doch irgendwas dran sein...“
    Die Bild Zeitung verkauft sich auch wie warme Semmeln. Ist sie deshalb automatisch gut?

    Lutz

  5. #4
    Benutzerbild von hechicero

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    Hey Torsten, das war ja mal wieder ein herrlicher Erguß. Danke für dieses Posting.
    Grundsätzlich sind viele Deiner Behauptungen nicht falsch.
    Eines fehlt mir aber - man kann noch solange drüber streiten: Beim Thema Geschmack findet man nun mal keinen gemeinsamen Nenner. Denn letztlich ist Musik doch eine Kunstform, wie es Bücher oder Gemälde auch sind. Man soll sich daran erfreuen.
    Sie sind in erster Linie kein Gebrauchsgegenstand, der einen bestimmten Zweck erfüllen soll (okay, man soll vielleicht noch danach tanzen können, aber Ihr wißt, wie ich das meine).
    Wann ist also ein Gemälde schön ??? Wenn ich erkenne, was der Maler gemalt hat ??? Wenn ich mich entspannen kann, wenn ich es ansehe ??? Wenn es "cool" aussieht ??? Oder wenn es besonders rar und teuer ist ???
    Meist wird uns doch im Leben von irgendwem beigebracht, was gut ist und was nicht. Sei das der Kunstlehrer, Eltern, Geschwister - es gibt immer einen, der zu einem bestimmten Gebiet mehr weiß und mehr zu sagen hat, als man selber weiß.
    Keiner ist so autodidaktisch, daß er sich all dieses Wissen selber aneignen könnte. Und somit sind wir auch in diesen Dingen ein Produkt unserer Umwelt, welche uns prägt. Der eine hat halt Gruftie-Freunde und mag Cure. Der andere geht jede Woche in die Disco und mag Bohlen oder Abba.

    Grundsätzlich habe ich vor jedem Künstler Respekt. Deswegen muß ich Prokofjew nicht mögen, auch wenn mein Kunstlehrer dreimal sagt, daß er ein großer ist. Wenn mir Smetana nunmal besser gefällt.......
    Ist doch Geschmackssache oder ?

    Genauso sehe ich das mit ABBA und Cure. Leute, die einfach dahinreden, daß das shit sei - wieso sollte ich die vom Gegenteil überzeugen wollen ? Vielleicht haben sie sich nie damit beschäftigt und eine vorgefertigte Meinung übernommen oder aber sie sind Besserwisser und reden nur so daher.

    @Torsten
    Auch ich kenne große Bands, die ich als groß anerkenne, auch wenn ich selber sie nicht so mag. Das beste Beispiel sind die Beatles. Ich respektiere sie unendlich, mag viele Ihrer Songs, anerkenne ihre Pionierfunktion - muß ich sie mir deswegen anhören - NEIN !!!!

    Problematisch ist allerdings, daß Musik früher einen gewissen Handwerkscharakter hatte. Man mußte zumindest ein Instrument spielen können, um darauf zu musizieren. Das schloß von vornherein aus, daß jemand, der völlig unmusikalisch ist, Musik produziert hat.
    Später gabs elektronische Musik...naja, vielleicht mußte man wenigstens Klavierspielen können.

    Heute kann man sich die Songs am PC zusammenklicken. Das kann funktionieren, ist aber meist so seelenlos wie es ein am PC aus Einzelstücken zusammengeklickter Roman wäre.

    Und da sind wir am Punkt: Vielen der heutigen Charttitel fehlt eine Seele. Es sind nur Hüllen, Staffage für die Bühnen- und/oder Videopräsentation. Und wenn es denn eine Seele sein muß, so holt man sich eine bei Bryan Adams, Don Henley oder Mike Oldfield.
    Es ist heute einfach zu simpel und billig, "Musik zu machen".

    Ich hoffe, Ihr versteht mich und "die musikalische Seele".
    Nicht immer - da gebe ich Torsten recht, erschließt sie sich einem gleich. Manchmal dauert es etwas. Eine andere Meinung habe ich, wenn Du sagst, sie "müsse sofort ins Ohr gehen". So oft habe ich schon Songs gehört, die ich anfangs achtlos wegzappte und nachher genial fand.

    Ich bin gespannt, wie dieser Thread weitergeht, denn einen Konsens, "Schuldige" oder Gute und Schlechte gibt es hier m.E. nicht.
    So far.

  6. #5
    Benutzerbild von Lutz

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    @hechicero

    Der eine hat halt Gruftie-Freunde und mag Cure. Der andere geht jede Woche in die Disco und mag Bohlen oder Abba.
    Und wieder ein anderer mag Cure und Abba, wuerde aber eine Darmspiegelung 5 Sekunden Modern Talking vorziehen. Mir faellt es sowieso schwer ABBA und Modern Talking in einem Satz zu nennen. Insofern gehe ich mit Dir konsens, Torsten, dass ABBA einfach klasse Popmusik ist. Ich mochte Abba als kleiner Knirps in den 70ern und mag sie immer noch sehr.

    BTW: Es laeuft immer mal wieder eine grossartige (BBC?) Doku ueber ABBA in den Dritten. UNBEDINGT ansehen - das gilt nicht nur fuer ABBA Fans....

    So und nun muss ich schon wieder los

    Lutz

  7. #6
    Benutzerbild von DeeTee

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    Vorweg: Torsten -> gut wie immer!!!

    Um es kurz zu fassen: Es gibt gute Pop-Musik-Lala. Und ich teile Torstens KO-Kriterium: Das Stück muss in die Ohren gehen, spätestens nach dem 3. Hören.
    Was wir heute haben, ist aber vor allem "Pop" und "Lala"; das was Musik ausmacht - und ABBA hat genau eben dieses - geht (zu) vielen Musik-Dummies einfach ab.
    Der erste Titel von Modern Talking war gar nicht schlecht - als Einzelstück und nur als Einzelstück. Es ist wie mit Negerküssen. Einen mag ich, vielleicht noch zweie, aber bei dem dritten wird mir schlecht. Abba hingegen ist da mehr wie schwedisches Smörrebrod-Essen: es dauert von um 19.00 bis 24.00 und ist entsprechend abwechslungsreich (um im Bild zu bleiben). Außerdem kommt bei den Titeln von Abba auch sachlich etwas mehr rüber. Abba haben ein Lebensgefühl (bzw. mehrere) ausgedrückt! Ob das auch für Modern Talking gilt??? (Wie der Name schon sagt ... eher wohl nicht.)

    Grüße!
    DeeTee

  8. #7
    Engel_07
    Benutzerbild von Engel_07
    Also der Vergleich zwischen Modern Talking und ABBA hinkt in der Tat ein wenig! Modern Talking sind in erster Linie erfolgreich, weil ein verdammt guter Produzent und Geschäftsmann dahinter steht, der natürlich auch musikalisch ist und wahrscheinlich weitaus musikalischer, als seine Produkte es vermuten lassen. Denn "Wenig" als "Viel" erscheinen zu lassen, ist gar nicht so einfach!

    Dass die Melodien eingängig sind, kann man wohl kaum bestreiten, aber das ist manchmal verdammt lästig ! Wer es hören will, soll es hören! Früher war ich in dieser Hinsicht auch wesentlich intoleranter! Aber die Erfahrung zeigt, dass es nichts bringt, sich darüber aufzuregen (das gilt jetzt für alle möglichen Interpreten, nicht nur für M.T.!). Na ja, wenn ich auf einer Party nur Musik zu hören bekomme, die mich nervt, werfe ich schon noch die ein oder andere Tomate.

    ABBA hingegen hatten mit Björn und Benny zwei (wie ich finde) geniale Musiker, die wunderbare Songs im Kitschgewand der 70er (auch die 80er-Songs waren noch so gestrickt) präsentierten. Wie DEETEE schon sagte, hatten sie etwas zu erzählen und verstanden es, ihre Geschichten musikalisch entsprechend stimmungsvoll zu interpretieren! Die musikalischen Zutaten variierten aber von Lied zu Lied.

    Beide Interpreten haben in der Tat eingängige Melodien veröffentlicht. Ich bin auch "anfällig" für Ohrwürmer. Da gibt es halt zwei Arten von Ohrwürmern: die einen nerven mich etwas, die anderen nerven meine Mitmenschen, wenn ich sie summe!

    Was die "anspruchsvolle" Musik angeht, sehe ich das, wie Torsten: mal brauche ich ABBA, mal höre ich viel lieber Led Zeppelin! Oder, um das Ganze mal ins heute zu übersetzen: mal brauche ich Manic Street Preachers, mal höre ich viel lieber System Of A Down. Es ist eben immer Kitsch gegen Kopfmusik!

    Dass Malcolm McLaren ABBA respektiert, finde ich gar nicht so abwegig, er war doch schon immer ein Trendsetter! Edelweiss fand er damals auch toll und sagte, damals in einem Interview, sie seien die einzige derzeitige Band, die er akzeptieren könne!

    So, jetzt muss ich erstmal Pause machen und schauen, was Ihr noch so geschrieben habt

  9. #8
    Benutzerbild von Lutz

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    @Torsten

    Nochmals zurück zu ABBA: Als Björn Ulvaeus kürzlich in der Talkshow von Beckmann zu Gast war, ist mir an einer Stelle des Gespräches förmlich die Kinnlade heruntergefallen. Dass ABBA im Laufe der letzten 15 Jahre gelegentlich millionenschwere Angebote für Revival-Auftritte bekommen haben, wusste ich – aber dass ihnen vor zwei oder drei Jahren für eine einjährige Comeback-Tournee mit ca. 100 Konzerten die Summe von einer Milliarde Dollar (in Zahlen: 1.000.000.000!) geboten wurde, war mir nicht bekannt. Eine Milliarde Dollar – wenn es noch eines weiteren Beweises bedurfte, welchen Stellenwert die Band für die Musikwelt hat, dürfte er spätestens hiermit erbracht worden sein...
    Ich bin ja ABBA gegenueber sehr wohlwollend eingestellt (s.o.) Aber wir sollten beim Thema Stellenwert schon differenzieren. Also wenn man den Stellenwert nur nach den Verkaufszahlen bemisst, und dieser Eindruck koennte beim obigen Absatz entstehen, muesste Modern Talking ja zum Besten gehoeren was die POP Musik in den letzten 20 Jahren hervorgebracht hat.

    Und da waeren wir wieder bei ABBA.

    Man wuerde ABBA unrecht tun wenn man ihren Stellenwert nur ueber die reinen Verkaufzahlen bemessen wuerde. Nein u.a. ihre aufwendigen Arrangements - die aber trotzdem immer leicht erscheinen, wahre Pop Perlen, machen ihren Wert aus.

    Das weiss auch Bjoern der das monstroese Tour-Angebot abgelehnt hat. Den er weiss das ABBA, wie jeder andere Band, ein bestimmtes Zeitfenster hatte das fuer ihre Musik bestimmt war. Wenn sie nun live wieder alles aufwaermen wuerden waere das nicht mehr dasselbe. ABBA koennte nur verlieren. Was aber natuerlich nicht heissen soll das man ihre Platten (und das ist was voellig anderes als eine Reunion) nicht immer hoeren wird.

    Lutz

  10. #9
    Benutzerbild von waschbaer

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    Hochinteressanter Artikel. Kompliment vor allem auch der sprachlicher Ausdrucksfähigkeit.

    Mir geht es in vielerlei Hinsicht ähnlich wie Torsten. Persönlich gefallen mir Dieter und Thomas auch nicht, aber man muss einfach anerkennen, dass ihre Musik zu einem gewissen Grad "zeitlos" ist, weil sie eingängig ist und ins Ohr geht. Das heißt jetzt noch nicht, dass ich mir ein Platte von den beiden kaufen würde. Mir geht es aber auch so, dass man gewisse Melodien der beiden sicherlich unbewusst wieder im Kopf hat. Und mal ehrlich: Würden manche Titel als Instrumentals veröffentlicht werden (und vielleicht im Arrangement ein bisschen varriieren), dann hätte ich mit Sicherheit eine Platte der beiden im Schrank.

    Zu Abba kann ich nur sagen, dass Björn und Benny das optimale aus ihrer Zeit rausgeholt haben und es einfach verstanden haben, eingängige Melodien zu kreieren (und das obwohl sie doch angeblich nicht einmal Noten lesen können). Besonders interessant - und das hebt sie meines Erachtens von Dieter und Thomas ab - ist, dass sie sämtliche Genres der damaligen Zeit beherrschten. Balladen (I have a dream), Uptempo-Popsongs (Dancing queen) und auch Club Hits der damaligen Zeit (Does your mother know; Summer night city). Abba schaffte es einfach, von 7 bis 77 fast alle Generationen anzusprechen.

    Diese Fähigkeit, fast alle Altersschichten anzusprechen, haben meines Erachtens nur sehr wenige Künstler. In den 80ern würde ich sagen, dass ansatzweise Chis deBurgh oder vielleicht sogar OMD diese Fähigkeit gehabt haben. Als mich meine Großmutter mal gebeten hat, für den Altentag "Maid of Orleans" für sie zu überspielen, war für mich der Beweis hierzu angetreten. Abba fand meine Oma übrigens auch in Ordnung.

    Sicherlich haben in den 70ern und 80ern viele Band ihre Musik einfach noch "handgemacht" und meines Erachtens war auch die Zahl der musikalischen Eintagsfliegen nicht so groß, aber hier müssen vielleicht auch wir einsehen, dass diese Zeit leider vorbei ist und wir in einer musikalischen Zeit leben, in der es sicherlich immer noch gute handgemachte Musik gibt (die von Torsten bereits erwähnten Oasis oder auch Pulp) zähle ich hier hinzu, aber dass der überwiegende Markt mit Püppchenproduktionen à la Britney oder Hip Hop Gejohle à la Dr. Dre (Yo Motherfucker oder sonstige Kraftausdrücke mit eingeschlossen= oder Eminem angesagt ist. Ich glaube hierbei nicht, dass diese Musik den "zeitlosen Charakter" hat, wie ihn vielleicht Abba oder OMD haben.

    Die Unterscheidung zwischen anspruchsvoller und nicht anspruchsvoller Musik zu treffen halte ich für sicherlich schwerer, als zwischen zeitlos und "wird-hoffentlich-bald-in-der-Versenkung-verschwinden-und-nie-mehr-wieder-auftauchen". Bohlen und Co. würde sicherlich kaum jemand als anspruchsvoll ansehen, aber sicherlich als zeitlos. Abba hingegen hatten meines Erachtens vor allem mit ihren Instrumentalstücken, aber auch mit Stücken wie "The Visitors" oder "Eagle" sicherlich auch anspruchsvollere Stücke. Die Grenze dürfte hier sicherlich bei jedem subjektiv zu ziehen sein. Von den neueren Gruppen und Künstlern scheint bei vielen Leuten "Air" eine Band zu sein, die anerkanntermaßen anspruchsvolle Musik macht. Auch ich habe zwei CDs der Band und finde sie recht hörenswert, aber oftmals ist mir meine Abba-Lieblingsscheibe "Arrival" einfach lieber (weil sie eingängiger ist).

    Nun ja, allen kann man es sicherlich nie recht machen. Wie in der Mode und auch in der Kunst, wird auch in der Musik nie alles auf einen Nenner zu bringen sein. Ich halte es damit, dass Abba und OMD für mich zeitlos sind und mir gefallen, Modern Talking hingegen mir nicht so gefällt, aber wohl auch zeitlos ist und einen sehr geschäftstüchtigen und auch geschäftsfähigen Macher hinter sich hat. Und auch dies ist anerkennswert.

  11. #10
    Benutzerbild von hyperfex

    Registriert seit
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    99
    @ engel07

    ZITAT:
    Was die "anspruchsvolle" Musik angeht, sehe ich das, wie Torsten:
    mal brauche ich ABBA, mal höre ich viel lieber Led Zeppelin! Oder, um
    das Ganze mal ins heute zu übersetzen: mal brauche ich Manic
    Street Preachers, mal höre ich viel lieber System Of A Down. Es ist
    eben immer Kitsch gegen Kopfmusik!

    Manic Street Preachers = Kitsch?
    System Of A Down = Kopfmusik?

    ???


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