Seite 2 von 10 ErsteErste 123456 ... LetzteLetzte
Zeige Ergebnis 11 bis 20 von 93

Abba, Modern Talking und die Sache mit den Ohrwürmern

Erstellt von Torsten, 25.11.2002, 15:25 Uhr · 92 Antworten · 7.031 Aufrufe

  1. #11
    Benutzerbild von Lutz

    Registriert seit
    11.10.2002
    Beiträge
    6.814
    @Torsten

    Voraussetzung für meine Wertschätzung seichter Pop-Lala ist allerdings, dass sie eben sofort ins Ohr geht und vor allem selbst geschaffen wurde und nicht geklaut ist.
    Bohlen klaut ja nur bei sich selbst - Die Kunst aus einem Song 20 zu machen.

    Und genau hier liegen die Unterschiede zwischen z. B. Modern Talking und der furchtbaren Sülze, die seit einigen Jahren die Charts durchsetzt: Während einem die Melodien der Bohlen-Tracks in aller Regel sofort im Ohr kleben bleiben, muss man einem die Mucke von heute ersma dutzendfach per VIVA, MTV oder Supermarktbeschallung in die Gehörgänge prügeln, bis sie halbwegs bleibenden Eindruck hinterlässt.
    Also fuer mich sehe ich da keinen Unterschied. Modern Talking fand ich in den 80ern bescheiden und auch noch heute. Weder damals noch heute bleibt von denen irgendwas bei mir kleben... Ich seh da auch keinerlei qualitativen Unterschied zu der Sosse von heute. Wenn die 80er nur aus Bohlen Zeugs bestanden haette, waere es fuer mich das musikalisch schlimmste Jahrzehnt ueberhaupt gewesen.

    Stichwort Qualitaet: Vielleicht stimme ich in sofern mit Dir ueberein, dass ich Qualitaet nicht mit Kompliziertheit eines Songs gleichsetzen wuerde. Oft sinds gerade die einfachen Songs die genial sind. Oder man schafft es wie ABBA, recht aufwendige Arrangements, federleicht rueber zu bringen. *Das* ist dann die Kroenung. BTW: Letzteres haben einige Bands gemerkt als sie versucht haben ABBA Songs zu covern - ist gar nicht so leicht....

    Lutz

  2.  
    Anzeige
  3. #12
    Engel_07
    Benutzerbild von Engel_07
    @hyperfex
    Wenn ich die Manics mit Kitsch in Verbindung bringe, dann meine ich die oft sehr pathetische Note in ihren Songs! Ich finde es klasse, andere finden es wahrscheinlich extrem nervig

    Und dass die Mukke von System Of A Down nicht für jedermann sofort eingängig ist, denke ich ist auch klar, oder


    @all
    Zum Thema Eintagsfliegen: ich denke nicht, dass es früher weniger Eintagsfliegen gab! Nur die Lieder dieser Eintagsfliegen hatten eher das Zeug zum Evergreen, als das heutige Gedudel!

    Und zu Modern Talking muß ich noch anmerken, dass die uns früher auch wie blöd um die Ohren gehauen wurden, nur damals waren es noch die Radiostationen und nicht die Vivas und MTVs! Und so blieb einem das doch irgendwann im Ohr hängen!

  4. #13
    Benutzerbild von freddieflopp

    Registriert seit
    11.09.2002
    Beiträge
    1.024
    Was soll man dazu noch anmerken? Ist ja schon fast alles gesagt.

    Für mich ist Musik schon immer eine Sache des Herzens gewesen.

    Das ist auch nicht anhand einer bestimmten Musikrichtung festzumachen, sondern nur auf zwei Kategorien beschränkt:

    Gefällt mir oder eben nicht.

    Das geht dann von Klassik bis Hip Hop.
    Von all diesen Glaubenskriegen der einzelnen Richtungen halte ich gar nichts.
    Im Laufe der Zeit ändert sich der Geschmack zudem, sodaß ich immer wieder auf der Suche nach Sachen bin, die früher überhaupt nicht mein Ding waren.

  5. #14
    Benutzerbild von Torsten

    Registriert seit
    05.10.2001
    Beiträge
    6.613
    Oh Mann, dass mit Splitten der Postings wird langsam zu einer üblen Gewohnheit. Lieber Heiko, kann man das nicht ändern, indem man die maximale Länge der Beiträge ausdehnt???

    Teil 1:

    Da ich meine Texte immer vorschreibe, kann ich in diesem Beitrag nur auf die Postings 002 bis 008 eingehen...

    Zunächst einmal danke für die grundsätzlichen Komplimente zu diesem Thread. Da mir das Thema aber auch sehr am Herzen liegt, hab ich mir mir dieses Mal auch besonders Mühe gegeben...

    Ich roll das Feld einfach mal von hinten auf:

    @ waschbaer:

    "Persönlich gefallen mir Dieter und Thomas auch nicht, aber man muss einfach anerkennen, dass ihre Musik zu einem gewissen Grad 'zeitlos' ist, weil sie eingängig ist und ins Ohr geht."

    Genau das habe ich in meinem Posting zum Thema Modern Talking ausdrücken wollen – nicht mehr und nicht weniger...


    "Besonders interessant (...) ist, dass sie sämtliche Genres der damaligen Zeit beherrschten." [ABBA]

    Die musikalische Vielfalt von ABBA ist in der Tat bewundernswert, da kann man bei näherer Betrachtung eine konsequente künstlerische Entwicklung beobachten. Was man ebenfalls nicht unterschätzen darf, ist der Umstand, dass sie sich in den 70ern in einem sehr vielfältigen Musikmarkt behaupten mussten (z. B. die in diesem Jahrzehnt entstandenen oder ihre Blütezeit erlebenden Stile wie Hardrock, Punk, Disco usw.) – da hatten es beispielsweise die Beatles in den 60ern wesentlich leichter...


    "Diese Fähigkeit, fast alle Altersschichten anzusprechen, haben meines Erachtens nur sehr wenige Künstler."

    Ja, das ist wirklich ein Phänomen bei ABBA. Der Grund dafür aber liegt wohl in dem, was ich im letzten Absatz meines Beitrags geschrieben habe: Der größte Teil ihrer Songs hat eine fröhliche und lebensbejahende Grundstimmung – so, wie es der skandinavischen Mentalität entspricht.

    Übrigens erklärt sich daraus auch die unglaubliche Popularität der vier Schweden in Australien (ein damals im TV übertragenes Konzert hatte höhere Einschaltquoten als die Mondlandung!): Die Bewohner des fünften Kontinents sind von ihrem Charakter her auch wesentlich freundlicher, bescheidener und unprätentiöser als ein Großteil des restlichen Planeten (wer z. B. die Olympischen Spiele in Sydney verfolgt hat, weiß, was ich meine).

    Logisch auch, dass ABBA - gemessen an ihren sonstigen internationalen Verkaufszahlen - dafür in den USA relativ wenig Erfolg hatten; für die selbstverliebten Amis muss eben alles immer groß, hart oder cool sein. Ein Musikjournalist hat das mal ganz klar auf den Punkt gebracht: "Ich denke, der Grund für ABBA's Misserfolg in den Staaten ist, dass ihre Musik völlig frei von Funk ist. Sie spielen nordländischen Pop – das kommt in Europa an, aber nicht in den USA. Selbst Country-Musik ist ein bisschen funky, egal wie deformiert. Ein bisschen Funk muss dabei sein, um dort Erfolg zu haben. Und ABBA sind hundertprozentig funk-frei."


    "Als mich meine Großmutter mal gebeten hat, für den Altentag "Maid of Orleans" für sie zu überspielen, war für mich der Beweis hierzu angetreten."

    Da würde mich dann mal das damalige Alter deiner Oma interessieren; OMD zu hören, finde ich für unsere Großeltern-Generation schon erstaunlich – Respekt! Wobei man allerdings auch sagen muss, dass "Maid Of Orleans" eine ganz außergewöhnliche melodiöse Kraft hat – für mich einer der fünf schönsten Popsongs der 80er...


    "Die Unterscheidung zwischen anspruchsvoller und nicht anspruchsvoller Musik zu treffen halte ich für sicherlich schwerer, als zwischen zeitlos und "wird-hoffentlich-bald-in-der-Versenkung-verschwinden-und-nie-mehr-wieder-auftauchen".

    Da sprichst du wirklich einen ganz entscheidenden Punkt an: Ich persönlich bewerte Musik schon lange nicht mehr nach Anspruch, sondern nach Langlebigkeit. Musik, die über Jahrzehnte hinweg die verschiedensten Generationen begeistert, kann einfach nicht nur schlecht sein – über eine so lange Zeit hinweg trennt sich immer die Spreu vom Weizen...

    Gruppen wie die Beatles oder ABBA haben für mich auf jeden Fall die Bedeutung, die in der klassischen Musik den Werken von Mozart, Beethoven oder Strauss zuteil wird – sie werden noch lange, lange Zeit immer ihre Fangemeinde haben. Übrigens auch witzig: Die Walzer und Polkas von Strauss, die ich gelegentlich auch gerne höre (ich sag nur Erich Kunzel!), wurden zu dessen Lebenszeit genauso kritisiert, wie das in den 70ern bei ABBA der Fall war...


    "Ich halte es damit, dass Abba und OMD für mich zeitlos sind und mir gefallen, Modern Talking hingegen mir nicht so gefällt, aber wohl auch zeitlos ist und einen sehr geschäftstüchtigen und auch geschäftsfähigen Macher hinter sich hat. Und auch dies ist anerkennswert."

    Bingo – so sehe ich das auch. Und einige Modern Talking-Songs gefallen mir bis heute, und daran wird sich auch nie etwas ändern...


    @ Engel_07:

    "Also der Vergleich zwischen Modern Talking und ABBA hinkt in der Tat ein wenig! Modern Talking sind in erster Linie erfolgreich, weil ein verdammt guter Produzent und Geschäftsmann dahinter steht, der natürlich auch musikalisch ist und wahrscheinlich weitaus musikalischer, als seine Produkte es vermuten lassen. Denn "Wenig" als "Viel" erscheinen zu lassen, ist gar nicht so einfach!"

    Hehe, der letzte Satz dieses Zitats ist so witzig wie wahr...

    Allerdings habe ich in meinem Posting auch keinen direkten Vergleich zwischen ABBA und Modern Talking gezogen – da liegen vom handwerklichen Können ja nun wirklich Welten dazwischen. Das Einzige, was sie verbindet, ist eben die Tatsache, dass sich ihre Hits gnadenlos in die Gehörgänge und ins Gedächtnis fressen – und das schafft von der heutigen Produzentengeneration so gut wie keiner mehr!


    "Früher war ich in dieser Hinsicht auch wesentlich intoleranter! Aber die Erfahrung zeigt, dass es nichts bringt, sich darüber aufzuregen (das gilt jetzt für alle möglichen Interpreten, nicht nur für M.T.!)."

    Yo, dieses Phänomen habe ich bei mir und einigen anderen Zeitgenossen in meinem Alter auch feststellen können: Man entwickelt nach einer Weile eine angenehme Gelassenheit gegenüber dem Musikgeschmack anderer – ohne natürlich seine Kritikfähigkeit zu verlieren!


    "ABBA hingegen hatten mit Björn und Benny zwei (wie ich finde) geniale Musiker, die wunderbare Songs im Kitschgewand der 70er (auch die 80er-Songs waren noch so gestrickt) präsentierten."

    Schön und richtig formuliert! Von dem Kitsch-Faktor ihrer oftmals an Geschmacklosigkeit kaum zu überbietenden Klamotten ganz zu schweigen...


    "Wie DEETEE schon sagte, hatten sie etwas zu erzählen und verstanden es, ihre Geschichten musikalisch entsprechend stimmungsvoll zu interpretieren!"

    Wenn ich da an das unglaublich traurige "The Winner Takes It All" denke – wirklich heftig, wie sie da ihre Gefühlslage offen legten. Benny hat in der Doku "The Winner Takes It All" ja erzählt, dass speziell dieser Song für ihn als Texter eine wunderbare Gelegenheit war, die Scheidung von Agnetha zu verarbeiten. Und dass sie dann das Verständnis und die Courage hatte, seine Sicht der Dinge dann gesanglich umzusetzen, ist sicher auch nicht selbstverständlich...


    " Ich bin auch "anfällig" für Ohrwürmer."

    Da frage ich mich: Gibt es überhaupt jemanden, der dagegen absolut immun ist? Kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen – und wenn es so wäre, könnte man denjenigen ja eigentlich als emotionalen Krüppel bezeichnen!


    "Es ist eben immer Kitsch gegen Kopfmusik!"

    Genau, und ich finde es schade, dass mancheiner diese beiden Fronten gegeneinander ausspielen möchte – für mich haben beide ihre Daseinsberechtigung!


    @ DeeTee:

    "Es ist wie mit Negerküssen. Einen mag ich, vielleicht noch zweie, aber bei dem dritten wird mir schlecht. Abba hingegen ist da mehr wie schwedisches Smörrebrod-Essen (...)."

    Netter Vergleich, DeeTee! Bezogen auf Modern Talking vertrage ich dann allerdings ohne weiteres auch sechs oder sieben Negerküsse – ungefähr so viele Titel gefallen mir von denen nämlich...


    "Abba haben ein Lebensgefühl (bzw. mehrere) ausgedrückt! Ob das auch für Modern Talking gilt???"

    Höchstens für das Lebensgefühl von Dieter Bohlen: "Ich zeig euch jetzt mal, wie flux ich erfolgreiche Mucke zusammenschustern kann, mit der man steinreich wird..."
    --
    --

  6. #15
    Benutzerbild von Torsten

    Registriert seit
    05.10.2001
    Beiträge
    6.613
    Teil 2:

    @ hechicero:

    "Eines fehlt mir aber - man kann noch solange drüber streiten: Beim Thema Geschmack findet man nun mal keinen gemeinsamen Nenner. Denn letztlich ist Musik doch eine Kunstform, wie es Bücher oder Gemälde auch sind. Man soll sich daran erfreuen."

    Genau das meinte ich ja mit meinem Satz: "Doch dies hat natürlich auch irgendwo seine Grenzen, und diese werden eben durch den persönlichen Geschmack gesetzt." Worum es mir geht, ist eigentlich nur eine differenzierte Beurteilung – was mir nicht gefällt, muss ja nicht automatisch schlecht sein. Es gibt auch etliche Frauen auf der Welt, die definitiv attraktiv sind – aber eben nicht mein Typ...


    "Sie sind in erster Linie kein Gebrauchsgegenstand, der einen bestimmten Zweck erfüllen soll."

    Tja, wenn man die Sache mal ganz nüchtern und analytisch betrachtet, muss man sagen: Gerade komnmerzielle Musik hat einen Zweck – nämlich den, uns den Alltag etwas zu versüßen. Es ist ja auch nichts dagegen zu sagen, dass man bestimmte Songs dazu "missbraucht", gute Laune zu bekommen – das ist doch im Gegenteil ein Riesenkompliment an den Künstler...

    Ich verstehe aber, was du meinst: Musik ist eine Kunstform, und Kunst ist immer eine emotionale Angelegenheit. Und da die Gefühle der Menschen nun mal verschieden sind (Gott sei Dank, sonst wären wir ja alle nur Roboter), wird Musik eben auch unterschiedlich wahrgenommen und beurteilt – und somit entsteht eben das, was man gemeinhin als "Geschmack" bezeichnet.

    Entscheidend ist aber auch ein weiterer, von dir angesprochener Aspekt:

    "Und somit sind wir auch in diesen Dingen ein Produkt unserer Umwelt, welche uns prägt. Der eine hat halt Gruftie-Freunde und mag Cure. Der andere geht jede Woche in die Disco und mag Bohlen oder Abba."

    Wie wahr, wie wahr. Und deshalb bin ich wie gesagt auch froh, im Laufe der Jahre durch verschiedene Umfelder auch unterschiedliche Musikstile mitbekommen zu haben, sodass ich da eine doch recht ordentliche Bandbreite habe. Ich würde mich zwar ohne weiteres als 70prozentigen Mainstream-Hörer bezeichnen, bin aber immer wieder für Tipps dankbar, mit denen ich meinen Horizont erweitern kann...


    "Heute kann man sich die Songs am PC zusammenklicken. Das kann funktionieren, ist aber meist so seelenlos, wie es ein am PC aus Einzelstücken zusammengeklickter Roman wäre."

    Darauf hatte ich ja kürzlich am Ende meines Beitrags "Und wieder mal ein Altstar... hingewiesen – was die heutige Musik-Software leistet, ist wirklich unglaublich. Aber in der Tat: Charme, Seele und Charakter kann man nicht programmieren...

    Vielleicht wäre auch mal ein eigener Thread interessant, in dem man handgemachte und elektronische Musik miteinander vergleicht. Wenn ich da an solche Genies wie Yello denke... Eigentlich dürfte man nur noch solchen Könnern die elektronischen "Wunderwaffen" in die Hand drücken – dann würde uns eine Menge erspart bleiben... (jaja, Lutz, ich weiß, auch Modern Talking hätte dann nie das Licht der Welt erblickt... )


    "Eine andere Meinung habe ich, wenn Du sagst, sie "müsse sofort ins Ohr gehen". So oft habe ich schon Songs gehört, die ich anfangs achtlos wegzappte und nachher genial fand."

    Klar, die hat man immer. Aber machen wir uns nix vor: In der Regel ist es wie beim Einkaufen – was einem als erstes gefällt, wird oftmals nach langer Stöberei letztendlich doch gekauft. In diesem Zusammenhang fällt mir auch ein Satz von Benny Andersson ein: "Der Kern eines guten Pop-Songs muss einfach sein.". Genau: Wie im sonstigen Leben auch sind die einfachen Dinge in aller Regel die besten...

    Ein gutes Beispiel für das Gegenteil ist dann zum Beispiel das "Telegraph Road" von den Dire Straits: Rein künstlerisch ist dieses Stück für mich mit der genialste Track der 80er – wie man über 14 Minuten dermaßen komplex gestalten kann, wird mir immer ein Rätsel bleiben. Aber ich musste es damals auch mindestens fünfmal hören, um seine Qualität zu erkennen...


    @ Lutz:

    "Vorweg nochmal die Frage: Wann startest Du Den angekuendigten "Frauentypen" Thread?"

    Is ja jut, Jung... kommt bald. Ist schon in Vorbereitung...


    "Die Bild Zeitung verkauft sich auch wie warme Semmeln. Ist sie deshalb automatisch gut?"

    Na, auf dieses Argument habe ich natürlich schon gewartet...

    Die Frage bei solch langfristig erfolgreichen Phänomenen ist nicht, ob sie gut sind, sondern wozu. Dass die "Bild" nach journalistischen, intellektuellen und auch ethischen Maßstäben so ziemlich das Letzte ist, wissen wahrscheinlich mindestens 50% der Leute, die sie lesen. Aber: Wenn man einfach nur eine grobe Übersicht über's aktuelle Weltgeschehen und diverse Sport-Ergebnisse haben will, ist die Bild-Zeitung für Leute, die zum Lesen nicht allzu viel Zeit haben, ein durchaus akzeptables Instrument. Dass ein nicht unerheblicher Anteil der Bevölkerung ihre Meinungsbildung über dieses Blatt betreibt, ist äußerst bedauerlich – aber ich würde mich ärgern, wenn ich die zwei oder drei Male im Jahr, wo ich preiswerten Lesestoff für 'ne Busfahrt brauche, es nicht mehr kaufen könnte...

    Und genauso muss man einfach den "Nutzwert" von Modern Talking beurteilen: Nach rein künstlerisch hochwertigen Maßstäben kann man diesen eben nicht messen. Hier werden keine sinnvollen Texte gesungen, hier beherrscht kaum einer ein "anständiges" Instrument, der Sound ist immer gleich – und dennoch kriegt man diese verdammten Melodien nicht aus der Birne. Wenn du dagegen völlig resistent bist, kann man das vielleicht bewundern – ich bin da ganz simpel gestrickt und schäme mich nicht, hin und wieder "Brother Louie" vor mich her zu pfeifen...

    Denn solange ich noch in der Lage bin, "the best of both worlds" zu genießen, mache ich mir da um mich selber keine Sorgen, hihi...


    "BTW: Es laeuft immer mal wieder eine grossartige (BBC?) Doku ueber ABBA in den Dritten. UNBEDINGT ansehen - das gilt nicht nur fuer ABBA Fans...."

    Da kann es sich eigentlich nur um die von mir schon angesprochene Doku "The Winner Takes It All" handeln, die ich mir mittlerweile sicher schon zehnmal reingezogen habe – ist vor allem aufgrund der vielen Hintergrund-Infos wirklich absolut empfehlenswert...


    "Ich bin ja ABBA gegenueber sehr wohlwollend eingestellt (s.o.) Aber wir sollten beim Thema Stellenwert schon differenzieren. Also wenn man den Stellenwert nur nach den Verkaufszahlen bemisst, und dieser Eindruck koennte beim obigen Absatz entstehen, muesste Modern Talking ja zum Besten gehoeren was die POP Musik in den letzten 20 Jahren hervorgebracht hat."

    In meinem von dir genannten Zitat ging es um das Angebot für die Konzerttournee, nicht um die Verkaufszahlen. Sicher begründet sich die gigantische Summe vor allem aus der Tatsache, dass ABBA seit ihrem Ende 1982 nie wieder zusammen aufgetreten sind – aber es dürfte ebenso sicher sein, dass der einzige Pop-Act, für den eine ähnliche Summe geboten werden würde, die Beatles sind (zumindest theoretisch, praktisch ist das ja leider nicht mehr möglich)...

    Übrigens habe ich mal eine ganz grobe kaufmännische Überschlagsrechnung gemacht und festgestellt, dass die Veranstalter locker zwei oder drei Milliarden Dollar zahlen könnten und wahrscheinlich immer noch in der Gewinnzone wären...


    "Wenn sie nun live wieder alles aufwaermen wuerden waere das nicht mehr dasselbe. ABBA koennte nur verlieren."

    Das sehe ich ganz genauso, und Benny hat im Interview bei Beckmann ja auch gesagt, dass man sie so in Erinnerung behalten sollte, wie man sie von damals kennt. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass ein ReUnion-Auftritt von ABBA sicher die größte Sensation wäre, die die Popwelt seit langem gesehen hat; auch rein gesanglich hätte ich da keine großen Bedenken. Nur würden da eben vier über Fünfzigjährige auf der Bühne stehen – und wie peinlich das anmutet, wissen wir ja spätestens seit den Auftritten der Rolling Stones...
    --
    --

  7. #16
    Benutzerbild von Lutz

    Registriert seit
    11.10.2002
    Beiträge
    6.814
    @Torsten

    "Vorweg nochmal die Frage: Wann startest Du Den angekuendigten
    "Frauentypen" Thread?"

    Is ja jut, Jung... kommt bald. Ist schon in Vorbereitung...
    Prima. Das wollte ich ja nur hoeren. Die Welt, aeh, das Forum wartet naemlich drauf das dieses Thema in dem ultimativen Thread behandelt wird


    BTW: Kann es sein Das Du aus dem Raum Koeln stammst ("jut", "Jung") oder
    liege ich da jetzt voellig falsch?

    "Die Bild Zeitung verkauft sich auch wie warme Semmeln. Ist sie deshalb
    automatisch gut?"

    Na, auf dieses Argument habe ich natürlich schon gewartet...

    Die Frage bei solch langfristig erfolgreichen Phänomenen ist nicht, ob
    sie gut sind, sondern wozu. Dass die "Bild" nach journalistischen,
    intellektuellen und auch ethischen Maßstäben so ziemlich das Letzte ist,
    wissen wahrscheinlich mindestens 50% der Leute, die sie lesen.
    Ich habe beim ersten Lesen Deines Postings interessanterweise

    "Dass die "Bild" nach journalistischen, intellektuellen und auch
    ethischen Maßstäben so ziemlich das Letzte ist, wissen wahrscheinlich
    mindestens 50% der Leute, die *hier* lesen"

    gelesen. Du sagst aber das 50% der Leser das wissen und die Zeitung trotzdem konsumieren? Ich will das Fass jetzt hier eigentlich nicht aufmachen, aber mir wuerde allein schon mein Selbstwertgefuehl verbieten ein Zeitung zu kaufen, geschweige denn zu lesen, die ich als das Letzte empfinde. Ich lese im Motorsport Bereich ja auch nicht "Autobildmotorsport" sondern die renommierte schweizer Zeitung "Motorsport Aktuell", die uebrigens nebenbei bemerkt sowohl fuers kurze Lesen zwischendurch als auch fuers tiefergehende Schmoekern taugt. Anspruch und Leichtigkeit muessen also auch bei den Printmedien kein Widerspruch sein. Und das gilt eben auch fuer die POP-Musik. Ich moechte da mal als Beispiele OMD oder Propaganda nennen.

    Aber: Wenn man einfach nur eine grobe Übersicht über's aktuelle
    Weltgeschehen und diverse Sport-Ergebnisse haben will, ist die
    Bild-Zeitung für Leute, die zum Lesen nicht allzu viel Zeit haben, ein
    durchaus akzeptables Instrument. Dass ein nicht unerheblicher Anteil der
    Bevölkerung ihre Meinungsbildung über dieses Blatt betreibt, ist äußerst
    bedauerlich – aber ich würde mich ärgern, wenn ich die zwei oder drei
    Male im Jahr, wo ich preiswerten Lesestoff für 'ne Busfahrt brauche, es
    nicht mehr kaufen könnte...
    Fuer so ein Beduerfnis schaue ich z.B. DSF-Newscenter im TV. Ok, das geht natuerlich nicht im Bus

    "BTW: Es laeuft immer mal wieder eine grossartige (BBC?) Doku ueber ABBA
    in den Dritten. UNBEDINGT ansehen - das gilt nicht nur fuer ABBA
    Fans...."

    Da kann es sich eigentlich nur um die von mir schon angesprochene Doku
    "The Winner Takes It All" handeln, die ich mir mittlerweile sicher schon
    zehnmal reingezogen habe – ist vor allem aufgrund der vielen
    Hintergrund-Infos wirklich absolut empfehlenswert...
    Genau die meine ich!

    "Wenn sie nun live wieder alles aufwaermen wuerden waere das nicht mehr
    dasselbe. ABBA koennte nur verlieren."

    Das sehe ich ganz genauso, und Benny hat im Interview bei Beckmann ja
    auch gesagt, dass man sie so in Erinnerung behalten sollte, wie man sie
    von damals kennt. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass ein
    ReUnion-Auftritt von ABBA sicher die größte Sensation wäre, die die
    Popwelt seit langem gesehen hat; auch rein gesanglich hätte ich da keine
    großen Bedenken. Nur würden da eben vier über Fünfzigjährige auf der
    Bühne stehen – und wie peinlich das anmutet, wissen wir ja spätestens
    seit den Auftritten der Rolling Stones...
    Genau. Und deshalb moechten viele, so auch ich, sie so in Erinnerung behalten wies damals war.

    Noch mal zurueck zu Modern Talking. Ich konnte mir ja einige spitze Bemerkungen nicht verkneifen (und ich habe mich schon zurueckgehalten)
    - trotzdem hast Du wohl den noetigen Abstand um das nicht gleich persoenlich zu nehmen. Und das finde ich klasse - das findet man doch
    recht selten...

    Ich hoffe das bleibt auch noch so wenn Du Posting No 10 von mir gelesen
    hast

    Viele Gruesse aus Hamburch

    Lutz

  8. #17
    Benutzerbild von Lutz

    Registriert seit
    11.10.2002
    Beiträge
    6.814
    Nachtrag:

    Der Einfluss von ABBA reicht sogar bis in die neusten Folgen von Ally McBeal In der gestrigen Episode zitierte Richard Fish einen ABBA Text, um eine aeltere Klientin (Kehllaeppchen!) anzumachen. Hat jemand erkannt welchen? Torsten, schaust Du das nicht auch? BTW: Die Folge wird heute nacht nochmal wiederholt (VOX).

    Lutz

  9. #18
    Benutzerbild von waschbaer

    Registriert seit
    03.03.2002
    Beiträge
    8.370
    @Torsten

    Meine Großmutter war damals schon weit über 80. Ich habe sie Ende der 80er in meinem Wagen einmal zum Arzt gefahren und hatte im Cassettendeck eine Cassette mit diversen OMD-Songs. Zufällig lief gerade "Maid of Orleans" und sie war begeistert. Ich muss allerdings auch zugeben, dass ihr "Electricity" und "Enoly gay" nicht ganz so gefallen haben, aber sie für "Talking loud and clear" durchaus wieder positive Stimmungen entwickeln konnte. Ich habe ihr die Cassette damals überspielt und sie hat beim Altentag ganz freudig mitgeteilt, dass die Cassette Musik enthält, die ihrem Enkel gefällt und sie sich schließlich dafür interessieren muss, was "der Jung` denn so hört".

    Tja, ich mochte meine besagte Oma immer sehr gerne. Sie war für vieles sehr aufgeschlossen (auch für Musik und Literatur). Als ich in den 80ern "Max Frisch" und "Martin Walser" gelesen habe, hat sich meine Oma von mir die Bücher ausgeliehen. Irgendwie schon beeindruckend. Ich hoffe, dass ich im hohen Alter auch mal so tolerant und einfach offen für vieles bleiben kann.

    Ich arbeite übrigens nebenbei als Reiseleiter bei einem großen Busunternehmen. Die Musik, die bei langen Fahrten über den Lautsprecher gespielt wird, ist immer ein Problem. Dem einen gefällt es supergut und die anderen würden am liebsten schon eine schriftliche Beschwerde einreichen, wen gewissen Songs über den Lautsprecher kommen. Meistens löse ich es derart, dass man entweder landestypische Popmusik (Italien -> Eros Ramazotti; Frankreich -> Edith Piaf; Nordengland mit Liverpool -> Beatles) spielt oder man geht einfach auf Greatest Hits sog. zeitloser Musik. Hierbei spielt Abba eine sehr große Rolle. Damit kann ich den Herrn Studienrat auf Platz 17 genauso begeistern wie beispielsweise die pensionierte Fleischereifachverkäuferin auf Platz 37. Andere Interpreten bei denen dies ansatzweise gelingt sind beispielsweise OMD, Chris de Burgh, Mike Oldfield, Barclay James Harvest, Ace of base, Udo Jürgens, Juliane Werding und eben auch Modern Talking. Tja, that´s the way it is.

    Nochmals ein Kompliment bezüglich deiner Wortwahl. Sehr treffend und präzise formuliert. Es ist ein wahrer Genuss diesen Thread zu lesen. Ganz anders als so manche imperiale Entgleisungen.

  10. #19
    Benutzerbild von Torsten

    Registriert seit
    05.10.2001
    Beiträge
    6.613
    Zu den Postings 015 bis 017:

    @ Lutz:

    "Prima. Das wollte ich ja nur hoeren. Die Welt, aeh, das Forum wartet naemlich drauf das dieses Thema in dem ultimativen Thread behandelt wird."

    Kann aber noch ein paar Tage dauern, habe in den nächsten Tagen a bisserl Stress um die Ohren...


    "BTW: Kann es sein Das Du aus dem Raum Koeln stammst ("jut", "Jung") oder
    liege ich da jetzt voellig falsch?"


    Sagen wir mal im erweiterten Kölner Raum – aus Krefeld, um genau zu sein. Und das Krefelder und das Kölner Plattdeutsch haben einige Ähnlichkeiten...


    "Anspruch und Leichtigkeit muessen also auch bei den Printmedien kein Widerspruch sein. Und das gilt eben auch fuer die POP-Musik. Ich moechte da mal als Beispiele OMD oder Propaganda nennen."

    ... und Anspruch und Leichtigkeit müssen auch nicht unbedingt in Personalunion auftreten! Es gibt etliche 3-Sterne-Köche, die gerne auch mal 'ne Currywurst mit Pommes essen – weil sie die simplen Dinge des Lebens dennoch zu schätzen wissen...

    Für meinen Geschmack bist du mir in dieser Hinsicht etwas zu verbohrt. Ich nehme Modern Talking als Musiker im eigentlichen Sinne des Wortes auch nicht ernst, kann mich in manchen Momenten aber dennoch an den Melodien erfreuen...

    Was das Thema "Anspruch" in Zusammenhang mit Musik angeht, wundere ich mich immer wieder viel mehr über ein anderes Phänomen: Dass nämlich sehr vielen der so genannten "Musik-Liebhaber" die Qualität der Wiedergabe völlig schnuppe ist. Für mich völlig unbegreiflich, mit was für einer Klang-Soße sich manche Sammler abgeben, die Tausende von CDs in ihren Regalen stehen haben. Dass eine vernünftige (nicht zwingend superteure!) Anlage ein deutlicher Zuwachs an emotionaler Lebensqualität bedeuten kann, ist wohl nur wenigen bekannt...

    Aber auch ich habe irgendwann lernen müssen: Meine Maßstäbe müssen ja nicht auch für andere gelten. Zudem weiß ich selbst aus eigener Erfahrung, dass die HiFi- und High End-Gemeinde ein ziemlich versnobtes Volk ist, deren Mitglieder nicht selten zur Arroganz neigen...

    Deshalb bin ich auch froh, im Laufe meiner persönlichen Entwicklung mit verschiedenen Milieus in Kontakt gekommen zu sein – ich komme sowohl in der rauen Welt der Prolls zurecht als auch mit Menschen, die aus feineren oder behüteten Kreisen kommen. Wenn man die Fähigkeit besitzt, aus allem die positiven Dinge aufzusaugen, kann das die Lebensqualität deutlich steigern!

    Und genauso geht es mir in der Musik auch: Kitsch und Kopfmusik, wie das in diesem Thread schon so treffend genannt wurde, mögen für manch einen unvereinbare Gegensätze sein – ich bin derweil froh darüber, mich an beidem erfreuen zu können (aber wie gesagt: Gewisse Kriterien müssen schon erfüllt sein!)...

    Übrigens kann ich mir auch an einem Tag eine tiefsinnige Literaturverfilmung ansehen – und am nächsten einen schmierigen Porno-Streifen (hallo Heinzelmaennchen! )...


    "Torsten, schaust Du das nicht auch? BTW: Die Folge wird heute nacht nochmal wiederholt (VOX)."

    Dumm gelaufen – leider verpasst (die neuen Folgen find ich aber auch nicht mehr so dolle)...


    @ waschbaer:

    "Meine Großmutter war damals schon weit über 80."

    Unglaublich – über 80 und hört OMD! Und ich habe immer gedacht, meine relativ jungen Eltern seien schon progressiv, weil sie immer wieder mal irgendwas von den aktuellen Dancefloor-Produktionen hören...

    Deine Geschichte mit dem Einsatz der Musik während der Busfahrten ist natürlich ein ganz treffendes Beispiel dafür, wie man nach und nach feststellen kann, welche Musik wirklich massen- und generationenkompatibel ist. Und in dieser Hinsicht haben ABBA ja schon immer ganz vorne gelegen...


    "Nochmals ein Kompliment bezüglich deiner Wortwahl. Sehr treffend und präzise formuliert. Es ist ein wahrer Genuss diesen Thread zu lesen. Ganz anders als so manche imperiale Entgleisungen."

    Und nochmals danke! Aber die Sache mit den imperialen Statements wollen wir hier besser nicht wieder aufrollen...
    --
    --

  11. #20
    Benutzerbild von Heinzi

    Registriert seit
    25.12.2001
    Beiträge
    1.181
    Torsten postete
    [b]Übrigens kann ich mir auch an einem Tag eine tiefsinnige Literaturverfilmung ansehen – und am nächsten einen schmierigen Porno-Streifen (hallo Heinzelmaennchen ! )...
    Har! Har!

    Ich hab's ja immer gewusst... der Torsten... das ist so'n richtig... schmieriger Typ...

    Har! Har!

    Zum Thema des Threads ist im Übrigen ja schon vieles gesagt...

    Vielleicht werd' ich demnächst meinen Senf dennoch beisteuern...

    ... wenn mich meine Mails nicht zu sehr beanspruchen...


Seite 2 von 10 ErsteErste 123456 ... LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. Modern Talking 2.0 ?
    Von Castor Troy im Forum MUSIK ALLGEMEIN / MUSIC GENERAL
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 22.05.2011, 00:30
  2. Modern Talking Demo
    Von Lutz im Forum 80er / 80s - TECHNIK / TECHNOLOGY
    Antworten: 11
    Letzter Beitrag: 07.04.2010, 07:00
  3. Modern Talking
    Von Juergen. im Forum 80er / 80s - DEUTSCH / GERMAN
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 15.08.2007, 13:39
  4. Modern Talking
    Von dikuss im Forum 80er / 80s - MUSIKSUCHE / SOUND SEARCH
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 10.06.2007, 22:53
  5. Modern Talking
    Von dikuss im Forum 80er / 80s - MUSIKSUCHE / SOUND SEARCH
    Antworten: 11
    Letzter Beitrag: 08.02.2006, 23:32