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Die Krise des Pop?

Erstellt von bubu, 11.02.2004, 10:57 Uhr · 20 Antworten · 1.693 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von bubu

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    Sch...Coverversionen!
    Britney statt Madonna
    Macho-Bumm-Bumm-Hip-Hop überall
    Immer weniger Melodien von immer weniger Songschreibern
    Und zu all dem der "neue" Trend: Superstars aus der Retorte

    In zahllosen Threads dieses Forums klang es schon an – viele aus unserer Generation empfinden heutige Musik als zunehmend einfallslos, fließbandmäßig und degeneriert.

    Ist es wirklich so schlimm?
    Werden wir nur alt?
    Ist es ein Problem der Musikindustrie?
    Haben sich einfach die Geschmäcker geändert
    Ist es die Gesellschaft?

    Hier ein schöner und provokanter Artikel aus der heutigen taz, der mich zum Nachdenken angeregt hat und mit dem ich eine Diskussion über dieses große Thema anstoßen möchte (etwaige Zeichenfehler bitte ich zu entschuldigen, die OCR-Software arbeitet nicht ganz sauber).


    Patient Pop

    Popmusik heute? Oder wie Lemmy sagt: "Was ist in all die debilen jungen Arschlöcher gefahren?" Jaja. Wer nur lang genug von der Krise des Pop redet, der redet den Pop in die Krise. Gut so

    VON ARNO FRANK

    Pop? In der Krise? Es ist dieser Tage nicht uninteressant, zu diesem heiklen Thema ein waschechtes Rockviech zu konsultieren. Jemand wie Lemmy von Motörhead beispielsweise. Ein umgänglicher Mensch, der seit mehr als 25 Jahren immer wieder denselben Song variiert und seinen Frieden mit dem Kommerz gemacht hat - aber hochgeht wie eine Tretmine, wenn er auf TV-Formate wie "Pop Idols" angesprochen wird: "Wir wissen doch alle, dass Kapitalisten böse sind. Aber was zum Teufel ist in all die debilen jungen Arschlöcher gefahren, die diese Scheiße mit Genuss fressen?"

    Jaja, gewiss. Aber: Wettbewerbe im Stil von "Industrie sucht den Superstar" gab's im US-Radio schon in den Fünfzigerjahren lang bevor der Songwriter als authentischer auteur wahrgenommen und nachgefragt wurde. Echte Stars wie Frank Sinatra oder Elvis Presley haben keine nennenswerte Note selbst geschrieben, sondern nur interpretiert, was ihnen ihr damaliger Colonel Bohlen eben diktierte.
    Was den Status solcher Größen legitimierte, das war der Stempel ihrer Persönlichkeit im diffusen Schmelz der Stimme. Sie waren Kinder ihrer Zeit und sind längst musealisiert - während die Plattenfirmen die Depots nach Verwertbarem durchforsten. Im Plattenladen oder in der MP3-Tauschbörse kann man so leicht den Eindruck bekommen, ein Jimi Hendrix wäre nach seinem Tode wesentlich produktiver gewesen als zu Lebzeiten.

    Dass es tragischen Strebern wie dem vom fordistischen Fließband der Musikindustrie gepurzelten Alexanders Klaws an Authentizität und Kreativität gebricht, kann ernsthaft weder ihm vorgeworfen noch der Popmusik als Agonie ausgelegt werden. Wenn Adorno mit der Beobachtung richtig lag, dass sich das Niveau der Sprache einer Gesellschaft dem Niveau ihres jeweils einfältigsten Teilnehmers anpasst, dann brauchen wir uns über die bestürzende Qualität der heutigen Charts nicht zu wundern. Wenn die populäre Musik wirklich ein Patient ist, so sind Gestalten wie Klaws oder die No Angels nur lästige Pickel an ihrem Hintern.

    Darüber hinaus aber wird es als Menetekel empfunden, dass die vitale Regenerationskraft des Pop von der permanenten Präsenz des Immergleichen verklebt wird wie der Filter eines Freibads von den Haaren der Schwimmer. Auch Unsinn. Der Mainstream kennt zahllose Zuflüsse und Abflüsse, aber kein Reinheitsgebot.

    Ein Beispiel: Gerade weil die MTV-Show "The Osbournes" uns an der Dekonstruktion einer randständigen Kultfigur teilhaben lässt, arbeitet sie an deren Wiedergeburt in unser aller Mitte, vollendet durch den Auftritt von Ozzy in der Fernsehsendung "Wetten dass ...?!": Und alle verzweifelten Versuche, Bewährtes zu bewahren, petrifiziert den Pop und führt geradewegs ins Mausoleum der "Rock 'n Roll Hall of Fame".

    Popmusik hat das Monopol zur Produktion von Zeichen abgegeben - und zwar ausgerechnet an die Produzenten von unbeseelten Konsumgütern. Der Kulturphilosoph Norbert Bolz sprach unlängst davon, dass der
    "Kunde keine Güter, sondern Geschichten, Gefühle, Träume und Werte" kaufe. Man suche diese Gefühle eben nicht mehr in Büchern oder Filmen, sondern in Konsumgütern. Als Apple-Gründer Steve Jobbs Anfang der Achtzigerjahre seine Vorstellungen vom ersten Macintosh-PC formulierte, war seine einzige Forderung: Das Ding solle funktionieren wie ein Bob-Dylan-Song.

    Wer nur lang genug von der Krise des Pop redet, der redet den Pop in die Krise. Gut so, denn dort gehört er hin. Sie ist sein eigentliches Element. Wer Ohren hat zu hören, der hört, dass es selten so viel so gute neue Musik gab wie heute.

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von DeeTee

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    Und was will uns Herr Arno Frank nun mitteilen? Dass er über Fragmente von Kulturwissen verfügt und diese sprachelegant reproduziert: "authentisch", "legitimiert". "musealisiert", "fordistisch", "Menetekel", "Dekonstruktion", "petrifiziert", "das Monopol zur Produktion von Zeichen". Jetzt wird noch etwas Adorno und Norbert Bolz als Authorität hinzugemischt, weil Lemmy, Ozzy und Jimi intellektuell wohl nicht ganz hinreichend sind.

    Das Ganze ist in etwa so aussagekräftig wie das ZEIT-Feuilleton - n.

    Nicht bestreiten möchte ich allerdings, dass Adorno und Bolz aufmerksame Beobachter ihrer Zeit sind/waren.

    dass es selten so viel so gute neue Musik gab wie heute
    Ach?! Nur bemerkenswert, dass in dem Artikel nicht ein Beispiel dafür genannt wird. Und wo bleibt diese gute neue Musik? Im Radio und im Fernsehen ist sie zumindestens nicht zu hören. Geheime Info-Kanäle nur für (Musik-)Feuilletonisten? Oder sind es die bösen von neokapitalistischen Marketing-Wächtern gegängelten Musikredakteure, die diese wirkliche gute und neue Musik nicht ihren Hörern zumuten dürfen; etwa um zu verhindern, dass der Abgrund zwischen Anspruch und musikalischen Realität in den Medien noch offenkundiger wird?

    Ich sage es einfacher: Dieser Artikel, Herr Frank, ist einfach nur schlecht! Und um Adorno zu berücksichtigen, spreche ich hiermit auch die einfältigen Teilnehmer an: Dieser Artikel ist Hirnwichserei!

    Schönen Tach noch!
    DeeTee

  4. #3
    Benutzerbild von Christoph

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    bubu postete
    ... Wer Ohren hat zu hören, der hört, dass es selten so viel so gute neue Musik gab wie heute.
    Mag sein! Allerdings ist es sicher auch kein Wunder, dass es bei der Masse an Veröffentlichungen (VÖ), die es täglich gibt, zwangsläufig auch gute Sachen gibt!
    Mein Problem ist aber, dass meine Ohren kaum Gelegenheit bekommen, diese gute Musik zu entdecken. Die Radiostationen spielen nämlich stündlich den gleichen Brei, die interessanten Sachen finden hier in Mitteldeutschland (mdr jump, mdr sputnik, Radio SAW, Radio PSR, Hitradio Soundso, ...) einfach nicht statt. Dazu kommt, dass die technische Seite es nahezu unmöglich macht, überhaupt noch Radio zu hören (hier meine ich HÖREN): jeder Titel ist wer weiss wie hoch ausgepegelt, dazu die Filter und Kompressoren der Stationen - da alles die gleiche Lautstärke bekommt, kann das Ohr nicht mehr differenzieren. Die Unterhaltung (besser: Berieselung) findet unbewusst statt, oder es bereitet mir nach einer Weile echte Kopfschmerzen!

    Gute Musik verstaubt im Laden! Man muss sich schon sehr kümmern, um auf interessante VÖ zu finden. Ein Lichtblick war immerhin, dass die Coldplay Single "clocks" als Single des Jahres einen Grammy bekommen hat. Der normale Radiohörer wird diesen Titel aber nie zu Gehör bekommen, denn diese Art der Musik hat im (mitteldeutschen?) zielgruppenorientierten Radio keinen Sendeplatz.

    Nach bubus Eröffnungstext ist dieser Aspekt sicher nur eine Möglichkeit, die Krise zu erklären. Was den ganzen Coverkram angeht, da vergeht mir die Lust mich zu äussern, denn da handelt es sich um uferlose Auswüchse. Allerdings habe ich neulich von "mad world" (Tears For Fears) eine wirklich klasse Neuaufnahme gehört: auf Radio Eins, einem Sender aus Brandenburg!

    Frustrierte Radiogrüße
    Christoph

  5. #4
    Benutzerbild von tommunich

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    Gute aktuelle Musik findet man - man muß nur suchen...
    Auch in der schnellebigen heutigen Radiolandschaft kommt das Eine oder Andere Talent hervor. Meist wird zwar dann das eine Lied zu Tode gespielt, aber sind wir uns doch ehrlich - zum Musik machen gehört neben einer einträglichen Melodie ein guter Interpret, der sich auch durch Entertainment-Qualitäten auszeichnet...
    Auf was will ich hinaus ? Es gibt "Entertainer" wie Robbie Williams, der meiner Meinung den "Großen" aus der guten alten Zeit in nichts nachsteht und dann gibts daneben auch stille gute Performer wie - festhalten - Ben.
    Der hat es bei der deutschen Chart-Show ausgekostet live singen zu können... Ich hab kaum neue Leute gesehen, die an diese beiden rankommen.

    Ergo - es gibt auch gute junge Künstler. Das immerwährende Aufwärmen alter Sachen ist doch in vielen Bereichen üblich (denkt mal an alles was mit "Retro-Design" daher kommt) und m.E. auch legitim...

  6. #5
    Benutzerbild von Topas12

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    ich frag mich im Netz immer durch und hab schon einiges interessantes gefunden nur ist das alles nicht hitparadentauglich und somit schwer zu finden. u. anderem die Gruppe Eskobar die mal bei einer Filmmusiksuche rauskam ist auch nicht ganz schlecht

  7. #6
    Benutzerbild von D-Joy

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    Naja ich find schon dass die Popmusik in der Spitze schwächer geworden ist. Es mag ja mehr Veröffentlichungen als früher geben und dass dan darunter zwangsläufig auch gute Sachen sind lässt sich nicht vermeiden. Aber Top-Hits gibt es einfach nicht mehr. Ich mach das mal an den deutschen Singlecharts fest, die ich seit 1990 beobachte und kenne. Wie's in den 80ern war, das sei mal dahingestellt. Aber selbst in diesem 13jährigen Zeitraum lassen sich viele Trends erkennen.

    Zu Beginn der 90er gab es noch eine Zeit, als es in einem Jahr nur 7 No. 1-Hits gab. Ich nehm da jetzt mal das Beispiel 1992. Da waren es:
    Salt'n'Pepa mit "Let's Talk About 5ex" (3 Wo.)
    U 96 mit "Das Boot" (13 Wo.) !!!!
    Mr. Big mit "To Be With You" (4 Wo.)
    Snap! - "Rhythm Is A Dancer" (10 Wo.)
    Dr. Alban - "It's My Life" (10 Wo.)
    Inner Circle - "Sweat" (12 Wo.)
    Captain Hollywood Project - "More And More" (3 Wo.)
    Zudem kamen noch weitere TOPS, die es aber nicht auf die 1 geschafft haben (Michael Jackson - Black Or White z.B. 9 Wochen Platz 2!!!).

    Das gäbe es heute nicht mehr. Denn heut kommt eine neue CD auf den markt, wird vier Wochen vor Veröffentlichung schon auf den diversen Kinder-Musiksendern sag ich mal wie Viva rauf- und runtergedudelt, parallel dazu brennt die PR-Maschinerie den Namen der Band jedem der hören und sehen kann ins Gehirn und schwupp - haben wir wieder einen Neueinstieg auf der 1!! Dass der dann nur eine oder zwei Wochen da oben bleibt juckt die Macher scheinbar überhaupt nicht. Ziel - so scheint es - ist es, mit der Platte in einer oder zwei Wochen genügend GEwinn zu machen, damit man dann den nächsten Act nach oben pushen kann. Die Qualität der Songs leidet aber meiner Meinung sehr darunter. Viele dieser Songs kann man bereits nach zwei Wochen nicht mehr ausstehen. ICh nehm da mal die neue "Top-Gruppe" von RTL 2 Overground als Beispiel. Ihre erste Single (das allein ist schon ein Witz) schoss nach wochenlangem Anschub durch TV SHow und Werbung auf PLatz 1 der Charts, um nach 7, 8 Wochen in den Tiefen der Charts zu versinken. Der Song ging mir nach einmal Hören direkt ins Ohr und man hatte das kurzzeitige Gefühl, einen Superhit im Ohr zu haben. Nach zwei Wochen ging einem der Schnulz so auf den Zeiger, dass man mit Brechreiz zum Arzt musste.... Und heute hört man von den Siegern der Popstar - The Battle - Staffel nix mehr.
    Ich finde das alles sagt schon etwas über die sinkenden Qualität der derzeitigen Poplandschaft aus. Erst, wenn die Musikindustrie dermaßen kollabiert und einsieht, dass ihre eigene Geschäftsstrategie Mitschuld daran trägt, dann werden wir vielleicht wieder zunehmend gute Musik zu hören bekommen. Vielleicht auch dann wieder von echten Musikern und nicht von gutaussehenden Pop-Marionetten wie Alexander Klaws und Konsorten...

    Aber bis dahin....

    Wir werden sehen!!
    MFG


    D-Joy

  8. #7
    Benutzerbild von Torsten

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    "Die Krise des Pop" - eine Behauptung, deren Richtigkeit schlicht eine Frage des Standpunktes ist...

    Ich vermute: Diejenigen Musikhörer, die sich seit jeher hauptsächlich für Musik abseits der Hitparaden interessieren, werden diese Krise kaum bis gar nicht bemerken. Für Fans dessen, was man so wunderbar allumfassend als "Alternative" bezeichnet, dürfte es nach meiner Einschätzung kaum Probleme geben, auch heute noch reichlich gute Musik zu entdecken.

    Dumm nur, wenn man wie ich leider zu der Fraktion gehört, die zu 70 bis 80 Prozent auf eingängigen, meist mainstream-orientierten Pop steht: Zeitlos gute Produktionen, wie sie es von den 50ern bis Anfang der 90er zuhauf gab, muss man mittlerweile mit der Lupe suchen - und wird meist dennoch nicht fündig. Vielleicht werde ich aber tatsächlich alt und kann mich nur mit der Prioritätensetzung aktueller Pop-Mukke nicht anfreunden: Wenn nunmehr nicht mehr neue, harmonische Melodien das Maß aller Dinge sind, sondern eben Sound, Rhythmus und visuelle Präsentation, dann entspricht das einfach nicht mehr meinen Vorstellungen guter Pop-Lala. Und schon gar nicht dessen, was ich immer noch als oberstes Qualitätsmerkmal für Popmusik ansehe: Langlebigkeit. Was seit einiger Zeit den Mainstream-Pop kennzeichnet, ist nach meinem Empfinden aber eine Fast-Food-Mentalität, deren Gründe in scheinbar nur noch rein wirtschaftlichen Interessen zu liegen scheinen.

    Eines hat sich aber bis heute nicht geändert: Die Charts als Spiegel ihrer Zeit. Wer wissen will, was in einer Gesellschaft so los ist, muss nur einen Blick in die Hitparade werfen. Und da wir mittlerweile eine Gesellschaft sind, die von sich selbst chronisch gelangweilt ist, drückt sich das auch entsprechend in unzähligen Cover-Versionen, Retortenbands und Pseudo-Stars aus, die die Hot/Heavy Rotations bevölkern.

    Eine Feststellung aus dem von bubu zitierten Text halte ich für entscheidend:
    Popmusik hat das Monopol zur Produktion von Zeichen abgegeben - und zwar ausgerechnet an die Produzenten von unbeseelten Konsumgütern.
    Auch ich habe seit geraumer Zeit den Eindruck, dass das, was früher mal den Kernpunkt von Popmusik bildete, heutzutage kaum noch eine Rolle spielt: jugendliches Rebellieren und der Wille zur Abgrenzung. Aber das ist auch nur zwangsläufig, denn das, was mein Liebling Norbert Bolz in einem seiner Bücher konstatiert, halte ich in Bezug auf unsere moderne Gesellschaft für zutreffend:

    "Die Leidenschaften des politischen Lebens haben sich beruhigt; alle Interessen haben als gemeinsamen Nenner die Aufrechterhaltung des status quo. Das Gesellschaftssystem stellt sich auf Dauer, indem es alle politischen Kräfte neutralisiert; dadurch werden alle Lebensenergien abgespannt.

    (...)

    Die Zeit, da Geschichte mit Großbuchstaben geschrieben wurde, ist nun endgültig vorbei. Geschichte ist heute nur noch ein Farbspektrum der Modepalette. Man könnte von einer Placebo-Version der Geschichte sprechen. Was sich in der Welt ereignet, erscheint als kaleidoskopischer Bilderwechsel, und Hollywood ist die Schule dieser 'imagification' der Geschichte. (...) Und im Recycling der Mode kehren die Jahrzehnte wieder, in denen wir geboren wurden.

    (...)

    Wenn die Zivilisation erst einmal in ihrem Grundriss fertig ist, dann gibt es keine Geschichte im eigentlichen Sinne mehr. Wir leben nun in einer Welt fortwährender Veränderungen, in der nichts anders wird."


    Genau so empfinde ich das, was derzeit vor allem den Mainstream-Pop kennzeichnet: Kaum Wille zur Veränderung, sondern das fortwährende Beschreiten ausgetretener Pfade. Sorgten Spaß an Provokation und Abgrenzung einst noch für musikalische Vielfalt und Innovation, steht für die heutigen Protagonisten des Pop meist eine Turbo-Karriere und schnellstmöglicher finanzieller Erfolg im Vordergrund. Wohlgemerkt: Ruhm und Geld wird auch vor 30 oder 40 Jahren schon viele an einem Leben als Popstar gereizt haben. Aber da musste man sich das meist noch erarbeiten, auch wenn es natürlich auch schon seit den 60ern genügend Marionetten gab, denen man Liedchen auf den Leib schneiderte. Nur hielt sich das damals prozentual noch in Grenzen, sodass auch der Mainstream-Hörer genügend Abwechslung vorfand.

    Ach ja, eins noch: Auch für die Musikindustrie gibt es natürlich die "Krise des Pop". Allerdings denken die Verantwortlichen dabei bezeichnenderweise eher an Tauschbörsen und CD-Brenner...

  9. #8
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    1.204
    Torsten postete
    Ich vermute: Diejenigen Musikhörer, die sich seit jeher hauptsächlich für Musik abseits der Hitparaden interessieren, werden diese Krise kaum bis gar nicht bemerken. Für Fans dessen, was man so wunderbar allumfassend als "Alternative" bezeichnet, dürfte es nach meiner Einschätzung kaum Probleme geben, auch heute noch reichlich gute Musik zu entdecken.

    Dumm nur, wenn man wie ich leider zu der Fraktion gehört, die zu 70 bis 80 Prozent auf eingängigen, meist mainstream-orientierten Pop steht: Zeitlos gute Produktionen, wie sie es von den 50ern bis Anfang der 90er zuhauf gab, muss man mittlerweile mit der Lupe suchen - und wird meist dennoch nicht fündig. "
    Genau das ist der Punkt! Der Mainstream-Pop ist schlechter geworden.

    Die meisten meiner Freunde hören eher Alternative-/Rock-Sachen und mich hat das früher, in den 90ern, immer so fertig gemacht, daß man mit der Kritik an der neueren Popmusik bei denen auf völliges Unverständnis stieß, so von wegen: "Na in den 80ern gab es doch auch schon die Boygroup-Scheiße, da hießen die dann eben Duran Duran!"



    Zur Erklärung der Krise des Pop: Vielleicht ist es normal, daß die besten Werke eines Genres immer am Afang, kurz nach der Definition dieses Genres entstehen, und spätere Künstler dem dann kaum noch was hinzufügen können. Das hängt davon ab, wie man die Tätigkeit des Kompnisten sieht: Erschafft er die Melodien oder findet er sie unter den zahlenmäßig begrenzten Variationsmöglichkeiten des Genres?

  10. #9
    Benutzerbild von kathrin

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    322
    krise des pops?

    jep. ich "durfte" soeben auf radio saw die coverversion von simon & garfunkels "sounds of silence" hören. soviele kotzsmilys gibt's garnicht, wie hierfür notwendig sind. total aufgepo(e)ppt und völlig daneben.

    , falls falsches thread; notfalls bitte 'rüberschieben.

  11. #10
    Benutzerbild von Topas12

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    Tja Torsten
    dat is wirklich blöd für dich. Mich kümmern die Charts im Prinzip gar nicht mehr, dank des Internets gibts doch eigentlich genügend andere interessante Sachen ( die hätten wir sonst nie zu hören bekommen)

    Topas12

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