Seite 2 von 3 ErsteErste 123 LetzteLetzte
Zeige Ergebnis 11 bis 20 von 21

Die Krise des Pop?

Erstellt von bubu, 11.02.2004, 10:57 Uhr · 20 Antworten · 1.690 Aufrufe

  1. #11
    Benutzerbild von DeeTee

    Registriert seit
    19.12.2001
    Beiträge
    1.928
    @Torsten:
    Deinen Beitrag habe ich eben erst entdeckt. Sehr schön! Dem würde ich zustimmen! (ausgenommen das letzte Bolz-Zitat, wo er es sich imho etwas zu einfach macht).

    Vielleicht erleben wir gerade die McKinseynianisierung der Musik. Geld muss es bringen und das, bitte schön, möglichst effizient.

    DeeTee

  2.  
    Anzeige
  3. #12
    Benutzerbild von frankzuege

    Registriert seit
    30.09.2003
    Beiträge
    83
    Wer mithelfen will, dass sich was ändert, schaut hier:

    http://www.savemusic.de/news.php

    GRUSS FRANK

  4. #13
    Benutzerbild von ihkawimsns

    Registriert seit
    23.02.2004
    Beiträge
    3.938
    Aber irgendwie scheint selbst die gegenwärtige Pop-Industrie eine Krise durchzumachen - und das gewiss nicht nur aufgrund von Musik-Piraterie.

    In der Chart-Show konnte man ja hören, dass von "Major Tom" damals 90.000 Stück und noch mehr AM TAG. Heute ist ein Titel schon ganz weit oben dabei, wenn er sich 90.000 mal IM MONAT verkauft.

    Könnte das nicht einfach nur daran liegen, dass die Leute wirklich keinen Bock mehr auf aktuellen Pop haben? Wenn es mal mehr als zehn gute Pop-Stücke im Jahr gäbe, käme ein Küblböck bestenfalls noch auf Platz 70... um kurz darauf arbeitslos zu sein.

  5. #14
    Benutzerbild von frankzuege

    Registriert seit
    30.09.2003
    Beiträge
    83
    Hallo alle aus`m Forum!

    Hab grad`ne Liste neben mir zu liegen, was ich in ... umwandle:
    Rah Band - Clouds across the moon
    Ray Parker Jr. - Jamie
    Riccardo Fogli - Storie i tutti i fogli
    Ryan Paris - Dolce Vita
    Sandra - On the tray
    Savage - Only you
    Sheryl Lee Ralph - In the Evening
    The Limit - Say jeay
    usw.
    80s forever.....

    Scheiß Radio, scheiß TV, es wird immer schlimmer!!!!!

  6. #15
    Benutzerbild von Torsten

    Registriert seit
    05.10.2001
    Beiträge
    6.613
    @ Die Luftgitarre:
    Die meisten meiner Freunde hören eher Alternative-/Rock-Sachen und mich hat das früher, in den 90ern, immer so fertig gemacht, daß man mit der Kritik an der neueren Popmusik bei denen auf völliges Unverständnis stieß, so von wegen: "Na in den 80ern gab es doch auch schon die Boygroup-Scheiße, da hießen die dann eben Duran Duran!"
    Beruhigend, dass ich mit meiner Wahrnehmung nicht ganz allein dastehe...

    Auch ich habe genügend Leute in meinem Umfeld, die bei Kritik an aktueller Popmusik entgegnen: "Unsinn! Hör' doch mal was anderes als diese Mainstream-Scheiße!" Worauf ich dann regelmäßig antworte, dass ich mich nun mal nicht zu einem anderen Musikgeschmack zwingen kann – wenn mir das Gros "alternativer" Musik nicht gefällt, kann ich das leider nicht ändern.

    Zum Vergleich "Boygroup-Scheiße" und Duran Duran: Klar, wer solche Bands wie die um Sänger Simon Le Bon schon damals nicht abkonnte, schmeißt sie natürlich auch leichtfertig mit in den Pott der ganzen Knackarsch-Combos, die seit den 90ern die Charts bevölkern. Für mich als Mainstream-Hörer gibt's da aber einen ganz entscheidenden Unterschied: Bis auf ein paar wenige Titel der Backstreet Boys, die mit Max Martin einen sehr passablen Songwriter hatten, haben die Hits der modernen Boygroups keinerlei zeitlosen Wiedererkennungswert und bieten allesamt eine gruselig eintönige Soße.

    Ganz abgesehen davon, dass sich damalige "Boygroups" in der Regel noch aus sich selbst heraus formten und nicht von gewieften Strippenziehern im Hintergrund zusammengebastelt wurden. Zudem scheinen die Mitglieder solcher Bands hinsichtlich ihrer Optik heutzutage einem Klonlabor zu entspringen und bilden somit ein visuelles Äquivalent zu ihrer eintönigen Mukke.
    Zur Erklärung der Krise des Pop: Vielleicht ist es normal, daß die besten Werke eines Genres immer am Anfang, kurz nach der Definition dieses Genres, entstehen und spätere Künstler dem dann kaum noch was hinzufügen können.
    Dieser Verdacht dämmert mir auch immer wieder, und bubu hat diese Hypothese ja kürzlich im Thread "Der am meisten überschätzte Rock-/Pop-Act" ebenfalls vertreten:
    Da ich ja Biologie studiert habe, komme ich nicht umhin, Parallelen zur Evolution zu sehen und hier auch zu ziehen. Am Beginn einer Entwicklung stehen immer viele neue ganz verschiedene Grundentwürfe. Da ist auch noch die Zeit, Sachen völlig aufzugeben und umzukrempeln, schließlich wurde noch nicht so viel Zeit und Energie in sie investiert. Hat sich ein (Organismus-)Konzept aber mal grundsätzlich bewährt, wird es nicht mehr grundlegend neu überarbeitet, sondern im Laufe der Zeit immer feiner variiert und weiter angepasst. Never change a winning team. Und mit einem radikal neuen Konzept ganz von vorne anzufangen ist zwar einerseits reizvoll, weil man die Chance hat, eine Lücke zu füllen und viel zu gewinnen. Aber man kann auch viel verlieren, schließlich muss man sich gegen andere schon vorhandene und gut laufende Konzepte bewähren.

    Ähnliches spielte sich bei der Entwicklung der Computer und (Betriebssystem-)Software ab. Am Anfang wurde noch direkt an den Wurzeln operiert und programmiert. Aber solch eine Erfolgsgeschichte wie Windows wird mit großer Wahrscheinlichkeit keine radikalen Brüche mehr erleben. Es sei denn, die (technischen) Vorzeichen ändern sich dramatisch.

    So ist wohl auch die Evolution der Musik(industrie) dazu übergegangen, Erfolgsgeschichten nur geringfügig abzuwandeln bzw. neu aufzugießen. Wahre Innovations-Quantensprünge lassen auf sich warten.
    Ich befürchte, dass bubus Schlussfolgerung zutrifft. Aber was heißt das: "Wahre Innovations-Quantensprünge lassen auf sich warten."? 10 Jahre? 50 Jahre? 100 Jahre? Das wird natürlich niemand beantworten können. Und sollten wir tatsächlich noch Zeugen eines solchen Entwicklungsschubs werden, darf man annehmen, dass uns das Ergebnis dieser Neuerungen nicht mehr besonders zusagen wird...
    Das hängt davon ab, wie man die Tätigkeit des Komponisten sieht: Erschafft er die Melodien oder findet er sie unter den zahlenmäßig begrenzten Variationsmöglichkeiten des Genres?
    Gute Frage, die ich aber auch nicht zu beantworten vermag. Als ich gegenüber Christoph, der als Orchestermusiker sein Geld verdient, vor einiger Zeit am Telefon meine laienhafte Vermutung äußerte, dass die zeitlos guten Melodien möglicherweise größtenteils schon "verbraucht" seien, entgegnete er, dass es rein notentechnisch noch Millionen von bisher unentdeckten Variationen geben müsste – und die aktuelle Stagnation schlicht ein "Kreativitätsproblem" sei.

    Auffällig ist aber, dass auch den alten Hasen aus der Branche, die einst regelmäßig zeitlose Klassiker lieferten, seit Jahren kein rechter Geniestreich mehr gelingen will. Bestes Beispiel: Elton John. An die Hitqualitäten von "Rocket Man", "Crocodile Rock", "I'm Still Standing" oder "Nikita" kommt doch schon seit Jahren keine seiner Produktionen mehr heran; der letzte Titel, den ich in diese Reihe mit einordnen würde, ist "Sacrifice" – und das war 1990!

    Ist dies nun ein weiterer Hinweis auf oben erwähnte These? Oder gehen Musikern, die über Jahrzehnte hinweg im Geschäft sind, irgendwann naturgemäß die Ideen aus, weil sie an ihre persönliche Kreativitätsgrenze stoßen? Billy Joel soll vor einigen Jahren genau aus diesem Grunde seine Karriere als Popkünstler beendet haben – er war schlicht zu der Einsicht gelangt, mit dieser Form der Musik nichts mehr zu sagen zu haben. Man denke fernerhin an das gegenteilige Beispiel der Beatles oder ABBA, deren Songs bis zum Schluss nicht an Qualität einbüßten – aber beide Bands waren auch nur verhältnismäßig kurz aktiv, nämlich um die acht Jahre.

    Zumindest stimme ich nach meiner Beobachtung mit dem überein, was ABBAs Björn Ulvaues einst mal aussprach:

    "Ein Popkünstler, ein Popkomponist kann nur für eine gewisse Zeit das Auge, das Ohr, die Gedanken der jungen Menschen erreichen. Diese Zeit haben wir gehabt; wenn man es künstlich verlängern will, geht es daneben."

    Eine Künstlerin wie Madonna, die nunmehr seit über 20 Jahren Erfolge feiert, stellt insofern eine Ausnahme dar, als dass ihr Gespür für Trends und deren Umsetzung in die eigene Musik ihr bis heute eine kaum nachlassende Popularität bescherten. Nichtsdestotrotz bin ich auch bei der "Queen Of Pop", die dieses Jahr 46 wird, schon seit geraumer Zeit der Meinung, dass sie als Popkünstlerin abtreten sollte. Ihre Auftritte in jüngster Vergangenheit muten aufgesetzt jugendlich an und sind nach meinem Empfinden nur noch einen Hauch davon entfernt, peinlich zu wirken.

    In Anbetracht ihrer letzten zwei Alben stellt sich allerdings die Frage, ob es mir selbst nicht auch peinlich sein sollte, dass eine 13 Jahre ältere Frau einen fortschrittlicheren Musikgeschmack besitzt als ich...

    Denn am Ende läuft vielleicht doch alles nur auf das alte Klischee hinaus: Wir werden alt...

  7. #16
    Benutzerbild von Christoph

    Registriert seit
    10.10.2001
    Beiträge
    3.330
    Nach dem von Torsten angesprochenen Telefonat habe ich nochmal darüber gegrübelt, wie das ist mit "Melodienerfinden". Die mathematische Möglichkeit, von der (theoretisch!) die Rede war, schliesst natürlich auch alle Kombinationen ein, die für uns "normale" Hörer katastrophal klingen dürften. Die für uns fremde Musik aus anderen Teilen der Welt funktioniert letztlich auch nur mit Tönen und Instrumenten, die uns auch zur Verfügung stehen. Aber auch wenn man die für uns "nicht ohrfreundlichen" Möglichkeiten herausrechnet, bleiben trotzdem unzählige Möglichkeiten offen.

    Aber auch ich vermute, dass viele "einfache" eingängige Melodien schon entdeckt sind. Als Beispiel sei mal das Gitarrenriff der Rolling Stones aus "satisfaction" genannt. Auf zwei (!) unterschiedlichen Akkorden wird eine Melodie aus drei (!) verschieden Tönen von einem (!) Instrument gespielt - und trotzdem ist es auf der ganzen Welt bekannt und ein Hit gewesen. Alles was so ähnlich klingt, dürfte als Plagiat erkannt werden. Wobei hier die Schwierigkeit sicher darin besteht, dass mit sehr wenig Mitteln ein eingängiges Riff erfunden wurde. Je länger eine Melodie, je vielfältiger die Intrumentierung, umso mehr Möglichkeiten der Abwandlung gibt es, und es fällt auch leichter, das Ganze dann so zu variieren, dass der Vorwurf des Plagiats ausbleibt.

    Aber leider nicht mal das wird versucht! Es wird noch nicht mal genial geklaut! Es wird einfach ein moderneres Instrument (ist der Computer ein Musikinstrument? Grrrrr!!!!) genutzt und eine austauschbare Stimme drauf projiziert (damit es auch niemandem weh tut), und der Hörer ist entzückt, weil er das Original (unbewußt!) kennt.

    Interessant ist die weiter oben gemachte Feststellung, daß der "Alternative" Hörer sicher gar nichts von der Krise des Pops mitbekommt. Logo, auch der reine Klassikhörer bekommt davon nichts mit - schliesslich ist es ja auch die Krise des Pop!

    Ich bin schon der Auffassung, dass die Krise noch gar keine ist, solange der Konsument weiter die Scheben aus den Läden trägt. Erst eine Konsumverweigerung (klingt streng, ich weiß) dürfte Hilfe bringen, dazu gehört auch die Abkehr von gängigen und hier kritisierten Radio - und Fernsehformaten. Leider lässt dich diese Abkehr nicht deutlich feststellen: für viele ist die aktuelle Musik immerhin einen CD-Rohling oder eine Flatrate wert, so schlecht kann also das Produkt doch nicht sein!

    Dazu kommt, dass in Deutschland offenbar die Kaufkraft sinkt. Dem steht dann eine Fülle von neuen Veröffentlichungen (VÖ) täglich gegenüber, der Mensch ist aber weder finanziell in der Lage noch generell darauf vorbereitet, all das zu verarbeiten. Warum soll er eine CD kaufen, die er bestenfalls in der 25. Stunde eines Tages hören kann? Dass dann pro VÖ weniger Umsatz herausspringt, ist doch logisch! Weniger wäre hier sicher mehr, denn die Kosten hat ein Label trotzdem.

    Im aktuellen Spiegel ist gerade wieder zu lesen, dass die gegenwärtige Situation immerhin große Chancen für unabhängige kleine Plattenfirmen birgt. Und wenn ein Künstler gut ist und es schaffen will, dann schafft er es auch. Diese Hoffnung habe ich immer noch!

    Gruß
    Christoph

  8. #17
    Benutzerbild von DeeTee

    Registriert seit
    19.12.2001
    Beiträge
    1.928
    @Christoph: Schöner Beitrag!
    Die "Krise des POP" ist da - wobei das die Musik der Gegenwart bzw. aus meiner Wahrnehmung die Pop-Musik der Letzten 15 Jahre umfasst. Seitdem die Computerisierung in der Musik quasi zum Standard geworden ist, gibt es auch einfach einen Grund weniger, sich anzustrengen und den letzten Schliff bei der Komposition bzw. der Einspielung auch wirklich hinzuzufügen. Die computerisierte Überarbeitung und das Abmixen werden's dann schon glattbiegen. Ist ja auch billiger, als die Zeit für die perfekte Einspielung zu opfern. (Galoppierende Markwirtschaft halt - siehe mein vorheriges Posting!). Und die Allgegenwart der Werbekultur ist auch ein neueres Phänomen: das "Stars machen" hat es in dieser billigen Offensichtlichkeit früher auch eher selten gegeben (oder der Erfolg war geringer, mit Ausnahmen).

    Was ist zu tun?
    Ich kaufe vorwiegend gebrauchte CDs bzw. über Ebay. Ich schaue nicht ins TV (sehr selten) und höre kaum noch Radio (Beim Abwaschen und beim Autofahren mache ich eine Ausnahme. Und beim Radiowecker: NDR2 lässt mich wirklich aufstehen; ist wohl mehr eine Flucht )

    Und ich stelle fest, dass, nachdem bei mir auch eine gewisse 80-Pop Übersättigung eintritt, Jazz auch eine schöne Musik ist, in der es viel zu entdecken gibt. Im Moment läuft gerade "Stefanie Schlesinger" im Hintergrund. Aber ich fand auch die angeswingten und angejazzten POP-Sachen a la Matt Bianco, Shakatak, Fritz Brause oder Working Week schon immer gut. Und bei Jazz gibt es schöne kleinere Labels, z. B. Enja.

    Insofern stimme ich Christoph ausdrücklich zu: Konsumverweigerung liegt bei mir zunehmend vor, letztlich eine Form von Reaktanz.

    Grüße!
    DeeTee

  9. #18
    Benutzerbild von freddieflopp

    Registriert seit
    11.09.2002
    Beiträge
    1.023
    Folgende Punkte gebe ich als Anregungen in die Runde:

    In der Chart-Show konnte man ja hören, dass von "Major Tom" damals 90.000 Stück und noch mehr AM TAG. Heute ist ein Titel schon ganz weit oben dabei, wenn er sich 90.000 mal IM MONAT verkauft
    1. Die "Baby Boomer" (geburtenstarke Jahrgänge) Generation, die für die gigantischen Verkäufe in den 70er und zumindest einen Teil der 80er Jahre verantwortlich war, ist inzwischen auch jenseits der 30, und für die aktuelle Musik als Kaufpotential völlig weggebrochen. An den Preisen für diese Artikel liegt das sicherlich nicht, die waren zu der Zeit auch nicht gerade Geldbeutel schonend.

    Hab grad`ne Liste neben mir zu liegen, was ich in ... umwandle
    Und ich stelle fest, dass, nachdem bei mir auch eine gewisse 80-Pop Übersättigung eintritt
    2. Das eigentlich verwunderliche daran finde ich, daß die schlauen Marktstrategen der Musikbranche (bis auf ganz wenige Ausnahmen Bsp."EAMS Lesser" (gibt´s leider seit Jahren nicht mehr) noch immer nicht auf die Idee der Ausschlachtung ihres riesigen Backkataloges gekommen sind.
    Der Markt und das Kaufpotential wäre sicherlich vorhanden. Aus diesem Grunde kann sich ein Bedauern um die Krise der rückläufigen Plattenverkäufe einfach nicht einstellen - selbst Schuld.

    Könnte das nicht einfach nur daran liegen, dass die Leute wirklich keinen Bock mehr auf aktuellen Pop haben?
    Dazu kommt, dass in Deutschland offenbar die Kaufkraft sinkt
    2. Sicherlich gibt es auch heute noch Millionen die sich für Musik interessieren. Es kann jedoch nicht übersehen werden, daß bei uns eine totale Übersättigung in allen Lebensbereichen, ein gigantisches Überangebot im täglichen Leben umgibt und das vorhandene Geld nur einmal ausgegeben werden kann. Das ist zumindest ein Grund für die sogenannte Musik-Piraterie. Man möchte ja andererseits auch nicht auf irgendwas verzichten müssen.

    Im Gegensatz dazu stellte sich die Situation in den 70er und z.T. 80er gänzlich anders dar.
    Es gab diese Möglichkeiten einfach nicht (zumindest für die breite Käuferschicht). Da fiel die Entscheidung relativ einfach.

    Insofern stimme ich Christoph ausdrücklich zu: Konsumverweigerung liegt bei mir zunehmend vor, letztlich eine Form von Reaktanz
    3. Sicherlich ist es auch für den Konsumenten heute nicht einfach noch den Überblick zu bewahren bzw. der alltäglichen Manipulation entgegen zu treten. Aber auf der anderen Seite beobachte ich, daß sich immer mehr Menschen dieser Werbebranche einfach verweigern.
    Schaue ich ins TV oder höre Radio kommt mir immer gleich der Neueste Hit entgegen. Hält man sicher ab mal die Haltbarkeitsdaten dieser vermeintlichen Supertitel vor Augen, weiß man eigentlich gleich was von der ganzen Sache zu halten ist.
    Es geht heutzutage in der Regel leider gar nicht mehr um die Musik ansich, sondern nur noch um die kommerzielle Ausschlachtung dessen Umfeldes.
    Da muß doch selbst der naivste Zeitgenosse irgendwann der täglichen medialen Verarschung auf den Trichter kommen.

    Auffällig ist aber, dass auch den alten Hasen aus der Branche, die einst regelmäßig zeitlose Klassiker lieferten, seit Jahren kein rechter Geniestreich mehr gelingen will. Bestes Beispiel: Elton John
    4. Das haben solche Leute doch auch gar nicht mehr nötig. Die sind einfach nur satt. Das soll jetzt nicht als Vorwurf verstanden werden. Aber geht es nicht uns Allen nicht ähnlich. Da würde ich doch auch nur noch das machen zu dem mir gerade der Sinn steht. Zudem gebe ich zu bedenken, daß man sich auch menschlich weiterentwickelt. Es ist doch sicherlich auch nachzuvollziehen, daß diese wenigen Giganten der Musikgeschichte sich der heutigen Musikwirtschaft freiwillig entfernen.
    Viele der früheren sogenannten Superstars betätigen sich auch heute, fernab von jeglicher Medienpräsenz oder Kommerz, noch musikalisch. Einfach aus Spaß an der Sache ohne große kommerzielle Ambitionen, allerdings in der Regel nur noch bei kleinen unabhängigen Labeln.

  10. #19
    Benutzerbild von frankzuege

    Registriert seit
    30.09.2003
    Beiträge
    83
    Hallo 80er Professoren!

    Ich bin der Meinung, daß immer noch gute Hits
    produziert werden, nur bekommt der mögliche Konsument
    davon nichts mit. Der Grund dafür ist die Gleichschaltung
    der Medien auf nur ganz bestimmte Titel. Dies wird von
    denen damit begründet, daß dies die Konsumenten und Werbe-
    kunden hören wollen. Früher haben sich die Moderatoren
    das wirklich Beste, nach ihrem Geschmack rausgesucht
    und so kam es, daß man auf dem einen Sender mal dies und
    auf dem anderen Sender mal das gehört hat. Im NDR gab es
    vor knapp 20 Jahren mal eine Sendung die hieß SOULTRAIN.
    Jede Woche nur eine Stunde, aber Sound vom feinsten. Vor
    3 Monaten habe ich die damalige Moderatorin Ruth R. an-
    gemailt, zwecks einer Titelsuche, ob es da noch Tracklisten
    von geben würde. Die gab es natürlich nicht mehr, aber sie
    hat die ganzen Platten noch zu hause, was heißt, daß sie
    wohl alles ihr privates gespielt hat !!!!!!!!!!!!!!!!
    Jeder von uns muß sich SEINE Hits heute regelrecht suchen.
    Einige gute werden nur sehr selten gespielt und wenn man
    sie nicht gerade zufällig mal gehört hat, sind sie für immer
    verschwunden. Dazu zähle ich zB. aus dem letzten Jahr
    Weekend Players mit 21th Century und Laith Al Deen mit Traurig
    oder aus dem vorletzten Jahr Madmoiselle mit How do you love
    me (Video ed.)

    Gruß Frank

  11. #20
    Benutzerbild von bubu

    Registriert seit
    29.05.2002
    Beiträge
    1.632
    Warum sind die ganzen Charts voller Covertitel? Weil die Lieder einfach gut waren.

    Gut, nun fragen wir uns, warum werden keine oder nur wenig gute neueSongs erfunden?

    Vier Möglichkeiten:

    a) alle guten Melodien sind mehr oder weniger schon verbraucht
    b) es gibt immer weniger talentierte Mainstream-Musiker
    c) talentierte Musiker erhalten kaum noch eine Chance nach oben zu kommen
    d) die Nachfrage nach neuen guten Songs sinkt

    Ich glaube, von allem trifft etwas zu, wobei ich glaube, von ersteren weniger als von den letztern beiden.

    Zu a)
    Wie schon gesagt, die Kombinationsmöglichkeiten von Tönen sind unendlich. Zudem glaube ich, dass uns eine gewisse Präferenz für manche Melodien oder Tonkombinationen angeboren ist (habe ich im "Überschätzte Rock-/Pop-Act-Thread" schon geschrieben), die immer funktionieren werden (wohlgemerkt: ich rede vom Mainstream. Dass es individuelle Geschmäcker gibt, steht natürlich außer Frage).

    Nun kann man sich fragen: ist die Anzahl dieser angeborenen und von einer breiten Masse als angenehm empfundenen Melodien oder Tonkombinationen endlich oder nicht? Ich glaube eher nicht, doch wenn sie es sein sollte, ist sie immer noch verdammt groß. Neue Songs bauen im Prinzip auf größeren schon funktionierenden Musikbausteinen auf und variieren diese immer neu. Manche Kombinationen bewähren sich besser als andere, weswegen die Möglichkeit besteht, dass andere "aussterben", also in Vergessenheit geraten. Äußern würde sich das in einer immer glatt gebügelteren Musik, die fast schon antiseptisch anmutet. Für mich ein sehr gutes Beispiel hierfür ist die Musik von Modern Talking. Da werden quasi nur noch die reinen Schlüsselreize bedient. Das Analogon von Modern Talking im Essen wären die reinen Aromastoffe, die man zusammenmixt.

    Zu b)
    Wurde auch schon angesprochen. Zunehmende Technisierung der Musik führt dazu, dass man sich mehr mit den Fertigungsprozessen der Musik beschäftigt als mit der Musik selber.

    Ein vergleichendes Beispiel hierzu: während meiner Studienzeit in den 90ern habe ich beobachtet, dass die Qualität der Referate und Vorträge von Studenten abgenommen hat, weil sich viele immer mehr auf eine perfekte Form kapriziert haben. Ok, man kann darüber streiten, ob da nicht auch der PISA-Einschlag schon spürbar war, aber ich glaube, das war nicht der alleinige Grund. In dieser Zeit hat Microsoft sein Office-Paket dermaßen mit allerlei Sperenzchen und Schnickschnack aufgemotzt, dass das meiner Meinung dazu führte, dass sich die Studis (und übrigens auch Schüler!), wenn sie Protokolle oder Referate geschrieben haben, fast mehr mit der Formatierung von Word-Dokumenten beschäftigt haben, als mit dem eigentlichen Inhalt. Bzw. haben sie vielleicht nicht ihre Zeit darauf vergeudet, sondern sich sogar dahinter versteckt! Klar, eine perfekte Form beeindruckt erstmal, da guckt man dann vielleicht nicht so genau auf den Inhalt.

    Und von den allseits um sich greifenden hohlen seitenlangen Powerpoint-Präsentationen, wo es von Animationen, Musikschnippseln, Überblendungen, Clipart undwasweißichnichtalles nur so wimmelt, will ich hier gar nicht reden (die Marketing- und Werbebranche ist im Erstellen von unerträglichen und dümmlichen PP-Präsentationen der unangefochtene Meister!)

    Und ich denke, genau das ist in der Musik auch passiert. Jeder Depp kann sich an einen Rechner setzen und lernen, wie man die Software bedient (wie sich übrigens auch jeder Depp an ein Mischpult stellen und lernen kann, den DJ zu machen). Ich will nicht bestreiten, dass es auch talentierte Musiker gibt, die beides beherrschen - das Musikkomponieren und das Musikproduzieren, aber ich glaube, die Anzahl der Leute, die gut das Musikproduzieren beherrschen (und wohl glauben, dass das dasselbe wäre wie das Musikkomponieren) hat dramatisch zugenommen!

    Zu c)
    Habe ich ausführlich auch im "Überschätzte Rock-/Pop-Acts" geschrieben: was der Musikindustrie die Covertitel, das sind der Filmindustrie die Serials. Die zunehmende Industrialisierung der Musik und vor allem die Konzentrierung der Labels durch Fusionen etc. hat dazu geführt, dass enorme Geldmengen bewegt werden. Auch hier spielt wieder das ganze Drumherum fast eine größere Rolle als die Musik selber. Eine neue Platte will nicht nur gemacht werden, nein, man muss riesige Werbekampagnen fahren, ein superdupertolles MTV-Video muss produziert werden, usw, usw. Zumindest glauben die Dinosaurier-Musik-Manager, dass das alles sein muss.
    Da ist es doch nur verständlich, wenn die Dinos lieber auf dem Totmelken von Altbewährtem, als dem kostspieligen und riskantem Aufbauen von Neuem interessiert sind.

    Zu d)
    Das hat Christoph sehr richtig gesagt: es gibt mittlerweile so viel, man hat doch einfach gar keinen Überblick und keine Zeit mehr, das alles zu hören. Das Filesharing und CD-Brennen tut sicher auch sein Übriges dazu.

    Im Rock-Bereich, dem ich mich eher zugezogen fühle, hat man übrigens genau dasselbe. Es gibt zwar gute Rock-Bands auch heute, die ihr Handwerk verstehen, vielleicht sogar virtuos, aber es ist eben nichts wirklich Neues. Das ist meiner Meinung nach das letzte Mal in den 90ern passiert, mit sog. Crossover-Bands wie Rage against the Machine, Red Hot Chili Peppers oder den Beastie Boys (von der Hip-Hop-Seite her).

Seite 2 von 3 ErsteErste 123 LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. Amazon Artikelbeschreibungen Krise ?!?!
    Von ICHBINZACHI im Forum MUSIK ALLGEMEIN / MUSIC GENERAL
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 14.02.2010, 08:58
  2. Die Krise des europäischen UNTERHALTUNGSkinos
    Von Die Luftgitarre im Forum 80er / 80s - FERNSEHEN & KINO / TV & CINEMA
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 10.04.2004, 15:16