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Rolling Stone-Ranking: die 500 besten Alben aller Zeiten

Erstellt von bubu, 14.01.2004, 13:10 Uhr · 66 Antworten · 7.671 Aufrufe

  1. #21
    Benutzerbild von Torsten

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    @ Closelobster:

    Hat etwas gedauert, aber dein Posting 019 kann ich nicht unbeantwortet stehen lassen...
    Über Geschmack läßt sich bekanntermaßen nicht, oder super streiten.
    In meinem Posting 016 geht es aber weniger um Geschmack als vielmehr um den Hinweis auf gewisse Erfahrungen und Beobachtungen, die dem Ranking des "Rolling Stone" deutlich widersprechen.

    Zunächst möchte ich bemerken, dass ich mich nicht ohne Grund lediglich als ABBA-Sympathisanten bezeichne - mit denen, die man gemeinhin als echte Fans bezeichnet, habe ich wenig gemeinsam. Des weiteren habe ich bis vor ca. drei Jahren noch genau die gleiche Auffassung wie du und viele andere vertreten: Zunächst mal kommen die Beatles und dann lange nix mehr. Und danach kann man dann vielleicht irgendwann gnädigerweise über die Schweden-Truppe sprechen.

    Ausgangspunkt für meine veränderte Sicht der Dinge war die bekannte ABBA-Dokumentation der BBC. Zu diesem Zeitpunkt besaß ich wie viele andere auch nur eine "Best Of"-Compilation dieser Band und hatte mir über ihren Stellenwert nie eingehendere Gedanken gemacht.

    Nachdem mich die erwähnte Doku einigermaßen beeindruckt hatte, begann ich, mich mit ABBA näher zu beschäftigen. Also die Alben zugelegt und der Musik intensiver gelauscht. Infos gesammelt, Biographie gelesen. Was aber am wichtigsten war: Ich fing an, die Bedeutung dieser Band für unseren modernen Alltag zu beobachten. Und siehe da: Im Gegensatz zu den Pilzköpfen waren ABBA fast allgegenwärtig. Ob im Supermarkt, in Bistros, in Internet-Cafés oder sonst einem öffentlichen Ort - die Musik der Schweden übertraf in ihrer gespielten Häufigkeit die der Engländer bei weitem.

    Zusätzlich stellte sich heraus, dass es in meinem Umfeld bei den Leuten um die 30 oder jünger ebenfalls ein deutliches Missverhältnis gab zwischen den vorhandenen ABBA- und Beatles-Tonträgern: Hatte von Letzteren höchstens jeder Zehnte eine CD im Regal stehen, waren es bei ABBA immerhin knapp die Hälfte der Leute. Wohlgemerkt: Hier handelt es sich in der Regel um durchschnittliche Musik-Konsumenten - also keine Personen, die sich so wie wir etwas ausführlicher mit der Materie beschäftigen.

    Was uns, Closelobster, in der Bewertung der beiden Bands unterscheidet, ist weniger der Geschmack (obwohl unsere musikalischen Präferenzen sicher stark differieren - siehe Tauschrunde... ). Vielmehr sind es offensichtlich die Definition bzw. die Faktoren, die wir für die musikhistorische Einordnung heranziehen.

    Für die Entwicklung der Popmusik sind die Beatles selbstverständlich die wichtigste und wohl auch innovativste Kapelle gewesen - daran kann es keinen Zweifel geben. Und selbst der eingefleischteste ABBA-Fan wird einsehen müssen, dass es seine Lieblinge ohne die Beatles niemals gegeben hätte (nebenbei: die Rolling Stones wahrscheinlich auch nicht!). Die Beatles sind für die Popmusik also quasi das, was der Erfinder des Verbrennungsmotors für die moderne Zivilisation darstellt.

    Ergo: Es liegt nicht in meiner Absicht, den Stellenwert der Beatles und die Qualität ihrer Musik zu schmälern. Wofür ich allerdings sehr wohl plädiere, ist eine Neubewertung aus heutiger Sicht, der Korrektur von verklärenden Klischees und bis heute kursierenden Vorurteilen.

    Blicken wir doch mal ganz sachlich zurück: Der Erfolg und die Anziehungskraft der Beatles beruhten neben ihren Hits noch auf ganz anderen Gründen. Man denke an die von ihnen forcierte kulturelle Revolution und an ihre musikalischen Experimente. Oder an die Hysterie, die sie auslösten, weil sie auf ihre Weise die ersten waren, die eine Alternative zum amerikanischen Rock'n'Roll boten. So war in einem Artikel des "Daily Mirror" damals völlig zu Recht zu lesen:

    "Und es ist offensichtlich, warum diese vier frechen, energiegeladenen Jungs aus Liverpool so einen Mordserfolg haben: Sie sind jung und neu. Sie sind temperamentvoll und vergnügt. Was für ein Unterschied zu den selbstmitleidigen Jammerlappen, die ihre liebesverlorenen Hymnen hinschmachten, aus den gemarterten Untiefen ihrer lauwarmen Herzen. Die Beatles sind Wirrköpfe. Sie haben Haare wie Scheuerlappen - aber es ist gewaschen, es ist supersauber."

    Die Beatles hatten schlichtweg das Glück, zum richtigen Zeitpunkt auf der großen Bühne des Pop zu erscheinen. Zum damaligen Zeitpunkt hatte die britische Öffentlichkeit nämlich wenig zu lachen - politische Skandale dominierten die Schlagzeilen zuhauf. Und in genau diese depressive Phase brachen die Beatles mit ihrer unverschämt lebensbejahenden Attitüde, die rundum Fröhlichkeit verbreitete.

    ABBA haben zu keinem Zeitpunkt ihrer Karriere von ähnlichen Begleitumständen profitiert. In der Öffentlichkeit galten sie als eine Sauber-Band, deren Songs von Anfang an auch die Elterngeneration mitsang. Sie waren das genaue Gegenteil von dem, was Pop eigentlich sonst immer zu sein hat(te): Provokation und Abgrenzung von den Älteren. Ihre einzige Waffe - abgesehen von der harmlosen Erotik, die die beiden Mädels ausstrahlten - war ihre Musik. Es waren die Melodien, die sich für immer ins Gedächtnis der Menschen brannten und dort unauslöschlichen Bestand haben werden.

    Daran ist nicht zu rütteln: Für nachfolgende Generationen ist es völlig uninteressant, welche Verdienste, welche Geschichten, welche Mythen sich um einen Künstler ranken. Das Einzige, was in der Folgezeit zählt, ist die Frage, wie sehr die Musik in den Köpfen und den Herzen späterer Jahrgänge Wurzeln schlägt. Und in dieser Hinsicht haben ABBA nach meiner Beobachtung mittlerweile alle anderen Protagonisten des Pop deutlich abgehängt - was sich wahrscheinlich für lange Zeit nicht ändern wird. Leider werde ich die Richtigkeit dieser Behauptung in diesem Leben aber wohl nicht mehr belegen können...
    "Yesterday" übertrifft alleine mit Radioeinsätzen weltweit alle anderen jemals veröffentlichten Titel. Und auch an die weltweiten Verkaufszahlen und Chartplazierungen kommt keiner der ABBA-Titel an die genannten der Beatles ran. Und das jetzt nur mal bei den Chartplazierungen, Kritikerstimmen und sonstige Polls mal völlig unbeachtet.
    Thema Verkaufszahlen: Da wird es Zeit, mal ganz sachlich zu relativieren. Zunächst die ganz nüchterne Gegenüberstellung der Daten: ABBA kommen bis heute auf über 350 Millionen verkaufter Tonträger, bei den Beatles sind es nach meiner Information ca. dreimal so viel, also deutlich über eine Milliarde. Insofern scheint das Rennen hier also schon gelaufen zu sein.

    Aber: Man bedenke zunächst mal die Tatsache, dass die Beatles ca. 12 Jahre zeitlichen Vorsprung haben, denn beide Bands gelten ja als so genannte "All Time Sellers". Hinzu kommt erschwerend, dass die Beatles in ihrer Zeit nicht mal ansatzweise die musikalische Konkurrenz hatten, wie sie ABBA ihrerzeit vorfand. Die 70er waren das Jahrzehnt, in dem sich der Pop ausdifferenzierte und diverse musikalische Genres hervorbrachte - man denke vor allem an Hardrock, Punk, Disco, Funk, Rap, Wave und alle Arten elektronischer Musik. Und trotz all dieser innovativen Strömungen, gegen die ABBA damals regelrecht bieder gewirkt haben müssen, haben sie sich dennoch behauptet. Die 60er dagegen waren aus heutiger Sicht im Prinzip nur die "Anlaufphase" des Pop, in der die Beatles lediglich in den Rolling Stones und mit Abstrichen einigen Bands wie den Beach Boys ernsthafte Konkurrenz hatten. Da war es für absolute Ausnahmetalente also noch wesentlich einfacher, den großen Reibach zu machen.

    Hinzu kommt ihr revolutionärer Status, den ich weiter oben bereits beschrieben habe - ein immenser Faktor im Hinblick auf Marketing und dadurch erzielte Verkaufserfolge. Ein weiterer Grund ist die Tatsache, dass ABBA im Gegensatz zu den Beatles bis auf wenige Ausnahmen in den USA - also dem größten Musikmarkt des Planeten - auch aufgrund ihrer Aversion gegen Tourneen und Bühnenauftritte keinen nennenswerten Erfolg hatten. Wer in den USA dauerhaft Platten verkaufen will, muss sich dem Publikum zeigen - und zwar nicht nur an Ost- und Westküste, sondern auch im zentralen Inland. Darauf haben ABBA nie Lust gehabt und den nordamerikanischen Markt bewusst vernachlässigt. Dafür waren sie dann in Australien wiederum unerreicht erfolgreich - ein 1977 im dortigen TV ausgestrahltes Live-Konzert hatte höhere Einschaltquoten als die Mondlandung. Wobei sich die besondere Liebe der Australier zu ABBA wohl auch daraus begründet, dass sich hier zwei Außenseiter miteinander solidarisierten - der kaum beachtete fünfte Kontinent entwickelte eine ganz besondere Beziehung zu der am meisten verspotteten Band ihrer Zeit.

    Noch zwei weitere Punkte: Von den Beatles gibt es meines Wissens weltweit wesentlich mehr unterschiedliche Tonträger (vor allem diverse Compilations) zu kaufen, die für die große Zahl an Fans interessant sind. Allein hierin steckt ein nicht zu unterschätzendes, zusätzliches Verkaufspotenzial.

    Und: Man darf nie vergessen, woher ABBA stammen. Für Bands aus so kleinen Ländern wie Schweden war es schon immer schwierig, sich auf dem weltweiten Markt durchzusetzen. Die Beatles hingegen kamen aus einem der beiden Länder, welche seit jeher in einer Art privatem Ryder Cup die internationalen Charts unter sich ausmachten. Auch dies ist ein gravierender Vorteil, und zwar nicht nur aufgrund der perfekten und akzentfreien Beherrschung der Sprache, in der internationaler Pop stattzufinden hat: Englisch.

    Wenn ich all diese Punkte in Betracht ziehe, erinnert mich ein Verkaufszahlen-Vergleich zwischen den Beatles und ABBA an einen Skisprung-Wettbewerb, bei dem der eine starken Aufwind, der andere aber sehr ungünstige Bedingungen vorfindet. Insofern kann mich die Diskrepanz zwischen den Plattenverkäufen schon längst nicht mehr beeindrucken.
    Vergleiche hinken zwar immer, besonders bei diesen beiden Bands, aber nur mal als Beispiel:

    ABBA: Größte Hits: Dancing queen, Mamma Mia, Take a chance on me
    Beatles: Größte Hits: Yesterday, She loves you, I wanna hold your hand, Hey Jude
    Dieser Vergleich hinkt schon deshalb, weil eine Auflistung von gerade mal drei bzw. vier Titeln nach der Bemerkung "größte Hits" im Falle dieser beiden Bands der blanke Hohn ist - beide bieten gleichwertige Klassiker am Fließband. Eine eventuell auf Verkaufszahlen beruhende Einstufung ihrer Songs deckt sich in keinster Weise mit dem, wie die Menschen heute auf diese Musik reagieren. Gerade bei ABBA und den Beatles können sich viele gar nicht entscheiden, welcher Titel ihnen denn eigentlich der liebste ist.

    Im Übrigen: Mit "Dancing Queen" kann sich in meinen Augen kein anderer Popsong auf diesem Planeten messen - egal, was irgendwelche Zahlen von Radioeinsätzen aussagen. Das bemerkt man freilich erst dann, wenn man sich mit diesem Song im Speziellen und ABBAs Musik im Allgemeinen näher beschäftigt. Eingängigkeit, Zeitlosigkeit und Perfektion des komplexen Arrangements wurden in dieser vollendeten Mischung von keinem anderen Songwriter erreicht.

    ABBAs Schicksal ist es bis heute, dass sie gnadenlos unterschätzt werden - dein Posting ist nur ein weiteres Beispiel für diese bedauerliche Tatsache. Was wurden sie nicht schon verspottet für die vermeintliche Einfachheit ihrer Songs - ohne dass die Leute kapierten, dass genau das die schwierigste musikalische Disziplin ist. Dass genau das der Grund ist, warum ihre Melodien bis in die hintersten Winkel dieses Erdballs vorgedrungen sind. Ein Kommentar aus der kürzlich gesendeten MDR-Doku über ABBA bringt es meines Erachtens genau auf den Punkt:

    "Ich denke, ihre Musik wird immer weiterleben. Ich vergleiche sie jedes Mal mit Bach und Beethoven. Sie sind die klassische Musik unserer Zeit - man wird sich immer an sie erinnern. Besonders auf meinen vielen Reisen fällt mir das auf. Manchmal höre ich ihre Musik, die von dem Royal Philharmonic Orchestra in London gespielt wird; manchmal höre ich sie auf einer Flöte, gespielt in den Anden; und manchmal höre ich sie auf einem Bambusinstrument auf Bali. Sie ist also weltweit und ich denke, jedermann kann eine Melodie für sich finden, die er mag - auch wenn er den Text nicht kennt oder die Wörter nicht versteht. Er fängt trotzdem an zu singen oder sich zu erinnern."
    The Beatles sind und bleiben die wichtigste Band, die diese Welt je gesehen hat und ich glaube nicht, daß es jemals wieder eine Band geben wird, die die Musikwelt derart umwirft und neue Wege beschreitet.
    Richtig: Sie waren die wichtigste Band, denn dem Erfinder einer Sache kommt naturgemäß eine elementare Bedeutung zu. Das heißt aber nicht, dass er nun für alle Zeiten als Bester seiner Zunft gelten muss. Denn wo steht eigentlich geschrieben, dass der Lehrer in der Folgezeit nicht irgendwann von einem seiner Schüler übertroffen werden kann? Wieso soll der Faktor "Einfluss" allen Ernstes ewiglich als wichtiger erachtet werden als die Frage danach, wie sehr sich die Musik auch bei nachfolgenden Generationen bewähren wird? Die Tatsache, dass jemand eine bestimmte Idee als Erster hatte, bedeutet noch lange nicht, dass spätere Genies weniger wert sind!

    Was für dich lächerlich klingen mag, ist für mich eine Tatsache: Die besten Songschreiber des zwanzigsten Jahrhunderts heißen nicht John Lennon und Paul McCartney. Sie heißen auch nicht Irving Berlin, Andrew Lloyd Webber, Bob Dylan, Leiber & Stoller, Holland / Douzier / Holland, Elton John, Prince, Michael Jackson oder sonstwie. Sondern sie heißen ganz unspektakulär Björn Ulvaeus und Benny Andersson.

    Insofern gehe ich auch völlig konform mit dem, was in der ABBA-Biographie am Ende eines Kapitels so herrlich pathetisch ausgesprochen wird:

    "ABBAs Musik ist noch immer herausragend. Das meiste zumindest. So gut wie alles. Nicht die Kostüme, nicht die Frisuren, und ganz gewiss nicht die Bärte. Die Arrangements und die Produktion bisweilen nicht. Aber diese Songs... diese gottgleichen Songs. Egal zu welcher Zeit, welcher Ära, an welchem Ort: Sie sind ganz oben. Die Besten. Die absolut Besten."

    Darüber sollten sich Zeitgenossen, die solch versnobte Rankings erstellen, vielleicht doch mal ein wenig Gedanken machen!

  2.  
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  3. #22
    Benutzerbild von Closelobster

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    @ Torsten:

    ich möchte mal eins klarstellen: mir geht es in KEINSTER Weise dar, ABBA mieszumachen oder ihnen nicht den gehörigen Respekt zu bieten, den sie zweifellos verdienen. Auch ich war ABBA-Fan (und ich mag ihre Musik heute noch) und zähle ABBA zu den 5 wichtigsten Acts, die die Welt je gesehen hat. Ich mag die Beatles und ABBA, aber aufgrund meiner persönlichen Vorlieben stehen eben Johnpaulgeorgeandringo an erster Stelle. Daß sich meine Ansicht da mit dem der Rolling Stone-Leute deckt, obwohl ich nicht gerade ein Freund von Kritikern bin (ich mach mir mein eigenes Bild) ist so und gut ist.

    Ich werde noch detaillierter auf Deinen Post eingehen.

  4. #23
    Benutzerbild von Muggi

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    @Torsten

    Brilliant, brilliant, brilliant!

    Ich habe selten so etwas Fundiertes und Beeindruckendes zum Thema Musik gelesen. Dafür gibt es Irgendwie hab ich in diesem Thread ein Deja Vu nach dem anderen gehabt. Zum einem, weil ich vor etwa 5 oder 6 Wochen diese "Rolling Stone"-Liste in meiner "Internetheimat", dem Depeche Mode-Forum zur Diskussion gestellt habe. Da gab es ähnliche Diskussionen, auch über "Die Platte hab ich, diese nicht und warum die und die andere nicht". Leider existiert der Thread nicht mehr, da bei uns das Autopruning des Forums bei vernachlässigten Threads nach etwa 4 Wochen gnadenlos zuschlägt.

    Was den geringen Anteil neuerer Musik in dieser Liste angeht, kann ich es in gewisser Weise nachvollziehen. Wie Torsten in anderem Zusammenhang schon schrieb, die Möglichkeit, Musikgeschichte zu schreiben, neue Dinge zu "erfinden" war in früheren Jahrzehnten in gewissen Maße "einfacher", da es nicht wie heute praktisch alles gab. Da brauchte man nur ein neues Instrument in die populäre Musik einzufügen und schwupps, konnte man sich als Pionier fühlen! Wenn man also mal als Maßstab anlegt, inwieweit Alben spätere Bands und Musikstile beeinflußt haben - ja da hatten die 60er oder 70er wirklich mehr zu bieten!

    Meine Kritikpunkte an dieser Liste sind eher anderer Art. Zum Ersten das Aufnehmen von Compilations. Das sind keine regulären Alben, haben dort also nichts verloren. Zum zweiten sind 500 Alben viel zu viel. Was macht der Platz 325 einen Unterschied zur Nummer 437? Ich selbst besitze zwar nur etwa 50 der aufgeführten Platten, lege ich aber den "Innovationsmaßstab" an, hätte ich ein häufigeres und vor allem besser plaziertes Auftereten von Kraftwerk erwartet, denn keiner wird wohl den Pionierstatus und vor allem den musikalischen Einfluß dieser Truppe bestreiten.

    Kommen wir nun zum Thema ABBA und Beatles. Ich höre zugegebenermaßen beide sehr gerne und hab auch von beiden alle Alben Dem von Torsten Gesagten kann man gar nicht viel hinzufügen, höchstens mal der Hinweis, dass es selbst in einem zum Teil recht intoleranten Forum (ist manchmal wirklich so!) wie dem "Exciter" durchaus auch ABBA-Fans gibt. Ich hab mich dort etwas ausführlicher über Songs und Alben ausgelassen, wen es interessiert:

    http://www.depechemode-forum.de/phpB...ic.php?t=13621


    Nochmal zum Ranking: In gewisser Weise kann ich es verstehen. Mit der Musik gehts bergab und nix anderes sagt die Liste aus. Mit "Sgt. Pepper" gewinnt der übliche Verdächtige (kann alternativ gelegentlich auch "Pet Sounds" sein). Bei dem besten Song aller Zeiten steht schließlich auch immer "Stairway To Heaven" vorn. Vielleicht sollte man das alles nicht so bierernst nehmen.

  5. #24
    Engel_07
    Benutzerbild von Engel_07
    Torsten postete
    (...) was in der ABBA-Biographie am Ende eines Kapitels so herrlich pathetisch ausgesprochen wird:

    "ABBAs Musik ist noch immer herausragend. Das meiste zumindest. So gut wie alles. Nicht die Kostüme, nicht die Frisuren, und ganz gewiss nicht die Bärte. Die Arrangements und die Produktion bisweilen nicht. Aber diese Songs... diese gottgleichen Songs. Egal zu welcher Zeit, welcher Ära, an welchem Ort: Sie sind ganz oben. Die Besten. Die absolut Besten."
    Das steht wirklich so in der Biographie??? Das kann ich kaum glauben, denn gerade die Arrangements machen doch einen ABBA-Song erst zu einem ABBA-Song! Sehr merkwürdig!

  6. #25
    Benutzerbild von Edimes

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    Einzige deutsche Band, wie zu erwarten KRAFTWERK:

    http://www.rollingstone.com/features...n.asp?pid=2400

    Eddy

  7. #26
    Benutzerbild von Torsten

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    @ Muggi:
    Brilliant, brilliant, brilliant! Ich habe selten so etwas Fundiertes und Beeindruckendes zum Thema Musik gelesen.
    Danke für die Blumen. Habe mich in dieses Thema aber auch besonders reingehängt, weil ich gewisse Erfahrungen mal deutlich aussprechen wollte...

    Ob mein Posting brilliant ist, bleibt abzuwarten - Closelobster und bubu haben bereits Einspruch angekündigt...


    @ Engel_07:
    Das steht wirklich so in der Biographie??? Das kann ich kaum glauben, denn gerade die Arrangements machen doch einen ABBA-Song erst zu einem ABBA-Song! Sehr merkwürdig!
    Es heißt ja auch lediglich "bisweilen nicht". Auch bei ABBA war längst nicht alles perfekt, speziell bei den ersten beiden Alben. Da wollen wir hier doch mal nicht zu sehr verklären, oder...

  8. #27
    Benutzerbild von bubu

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    @Torsten
    Aber: Man bedenke zunächst mal die Tatsache, dass die Beatles ca. 12 Jahre zeitlichen Vorsprung haben, denn beide Bands gelten ja als so genannte "All Time Sellers". Hinzu kommt erschwerend, dass die Beatles in ihrer Zeit nicht mal ansatzweise die musikalische Konkurrenz hatten, wie sie ABBA ihrerzeit vorfand. Die 70er waren das Jahrzehnt, in dem sich der Pop ausdifferenzierte und diverse musikalische Genres hervorbrachte - man denke vor allem an Hardrock, Punk, Disco, Funk, Rap, Wave und alle Arten elektronischer Musik. Und trotz all dieser innovativen Strömungen, gegen die ABBA damals regelrecht bieder gewirkt haben müssen, haben sie sich dennoch behauptet. Die 60er dagegen waren aus heutiger Sicht im Prinzip nur die "Anlaufphase" des Pop, in der die Beatles lediglich in den Rolling Stones und mit Abstrichen einigen Bands wie den Beach Boys ernsthafte Konkurrenz hatten. Da war es für absolute Ausnahmetalente also noch wesentlich einfacher, den großen Reibach zu machen.
    Hallo Torsten,
    ich freue mich zu sehen, dass du - in gewohnter Manier - den "Schock" des 180. Platzes von Abba mit einem gut geführten Angriff verarbeitest

    Du hast ein gut gewobenes Plädoyer für die vier Schweden gehalten - Hut ab. Ohne weder ein großer Beatles-, geschweige denn ein Abba-Kenner/-Fan zu sein, und ohne allzu tief in diese Diskussion um den Titel "Wer war denn nun größer?" einsteigen zu wollen (hey, es ist immer noch "nur" ein blödes Ranking einer Zeitschrift, die ihre besten Jahre längst hinter sich hat), teile ich einen Punkt in deiner Argumentation nicht - auf ihm basiert aber ein gewichtiger Teil davon.

    Du schreibst, dass die Beatles sich zu ihrer Zeit in den 60ern nicht in einer solch ausdifferenzierten Musiklandschaft behaupten mussten wie Abba in den 70ern. Das mag sein, dass es viele Stilrichtungen noch nicht gab, bzw. sich noch nicht so zementiert hatten, allerdings unterschlägst du, dass es in den 60ern eine ganze Menge mehr exzellenter bzw. sehr guter Bands (oder Musiker) gab, als die von dir lediglich aufgeführten Rolling Stones oder Beach Boys (die übrigens zu meinem völligen Unverständnis bei dem Rolling-Stone-Ranking so weit oben landeten - dies begründe ich jedoch als die Kulturverdrossenheit eines amerikanischen Magazins, das sich wahrscheinlich noch immer darüber grämt, dass die Beatles eine britische und keine US-amerikanische Band waren...).
    Da gab es noch The Who, The Doors, Cream, The Animals, The Kinks, Bob Dylan und Jimi Hendrix, Creedence Clearwater, Janis Joplin und viele andere. Also so ganz musikalische Einöde waren die 60er nun doch nicht. Na klar war keine einzige davon so groß wie die Beatles, bzw. hatte deren durchschlagenden Erfolg, aber sie waren da. Die Beatles entstanden nicht im Nichts, sondern wuchsen genau wie viele andere Bands mit Blues-Scheiben von Idolen wie Elmore James, Muddy Waters und wie sie nicht alle hießen auf.

    Weiterhin heißt es immer, die Beatles seien eine so geniale Pop-Band gewesen. Sie waren meiner Meinung aber viel mehr als das: sie waren eine geniale Pop-Band und eine geniale Rock-Band und eine geniale Blues- bzw. Rhythm&Blues-Band - obendrein experimentierten sie noch mit klassischen, indischen und psychedelischen Sounds bzw. Musik herum, auch dies immer mit Bravour. Es war ihre musikalische Vielseitigkeit, die sie so auszeichnete. Abba war eine geniale Pop-Band war eine geniale Pop-Band war eine geniale Pop-Band. Punkt.

    Torsten, selbst du als eingefleischter Abba-Fan, oder besser gesagt: Sympathisant - geh' doch einfach mal in dich und frag' dich doch mal ganz unvoreingenommen: welche drei großen Alben (keine Best-Ofs!) fallen dir bei dem Namen Beatles ein und welche bei dem Namen Abba?

    Bei den Beatles fällt mir da auf Anhieb das Weiße Album, Abbey Road und die so vielzitierte Sgt. Pepper ein. Wenn ich weiter dächte, könnte ich auch noch die Revolver, Rubber Soul und die Help aufzählen.

    Und bei Abba? So lange ich mir auch den Kopf zerbreche: kein einziges !

    Und halt, bevor du nun sagst: ja ja, du bist halt kein Abba-Fan und als Rolling-Stones-Fan sind dir die Beatles nun einfach näher. Wäre es wirklich so, dass Abba so geniale, so zeitlose Alben hingelegt hätte, müsste ich sie gerade auch als Nicht-Abba-Fan doch kennen - und wenn es nur die Titel wären, ohne jemals reingehört zu haben. Michael Jacksons Thriller kannte ich auch lange lange bevor ich es selbst zur Gänze gehört hatte nur vom Titel her - als jenes legendäre Album, was sich x-Millionenfach verkauft hatte.

    Ich denke, das wird nicht nur mir so gehen. Ich möchte dich, der du dich in der Vergangenheit oft als Freund von kleinen nicht-repräsentativen Meinungsumfragen im Freundeskreis hervorgetan hast, dazu ermuntern, diese Frage nach den drei großen Alben mal in deinem Bekannten/Freundeskreis zu stellen.

    Und ist es nicht bezeichnend, dass es immer nur die Compilation ist, die von den Schweden konsensual zitiert wird? Bei den Beatles jedoch streitet man sich darüber, welche denn nun die beste aller Scheiben ist.

    Nun gut, man kann jetzt darüber streiten, was man als musikalische Einheit betrachten soll - den einzelnen Song oder ein Album. Nichtsdestotrotz sehe ich es schon als ein Zeichen von Genialität an, wenn man auf einen Schlag zehn oder mehr Songs abliefert, die eine konsistente Gesamtheit darstellen, als peu à peu hier ein Hit, da ein Hit - und seien sie noch so groß.

  9. #28
    Benutzerbild von Muggi

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    Ich muß mich hier noch mal kurz einmischen. Fakt ist, dass die Beatles bis zum Ende ihrer Existenz erfolgreich (im kommerziellen Sinne) waren. Ich habe zwar die einzelnen Chartsplazierungen der Singles und Alben nicht im Kopf, aber ich denke, dass die Beatles ihr Verkaufslevel über die wenigen Jahre ihres Bestehens halten konnten. Das Ende kam ja vielleicht nicht unerwartet, aber dennoch überraschend. Bei ABBA sieht das ein wenig anders aus. ABBA galten überwiegend als Singles-Band. Wenn man sich mal in die Alben einhört, zu Unrecht, wie ich finde. Daher (um mal bei diesem "Lass Dir aus Deinem Freundeskreis spontan 3 Beatles-Alben nennen" zu bleiben) die Gegenprobe: Versuch es mit ABBA-Singles (gleich -Hits) und die Bekannten werden mit Songnamen nur so um sich schleudern. Zum Ende der ABBA-Geschichte Anfang der 80er war der Erfolgszug für die Schweden größtenteils abgefahren, auch wenn sie in der Zeit für mich ihre beste Musik geschrieben haben. Das letzte Album "The Visitors" ist eine Sternstunde der Popmusik und wenn man so will, der würdige Abschied einer großartigen Band. Aber glücklicherweise mag ich ABBA UND die Beatles, so dass ich da keinen Gewissenskonflikt habe.

  10. #29
    Benutzerbild von bubu

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    Muggi postete
    Daher (um mal bei diesem "Lass Dir aus Deinem Freundeskreis spontan 3 Beatles-Alben nennen" zu bleiben) die Gegenprobe: Versuch es mit ABBA-Singles (gleich -Hits) und die Bekannten werden mit Songnamen nur so um sich schleudern.
    Ja sicher werden sie das - aber sie werden noch mehr mit zeitlosen Beatles-Klassikern um sich schleudern.

    Aber diese Diskussion hier ist ohnehin müßig, ich denke wir kommen auch nicht weiter, wenn wir uns darüber streiten, was man als Bewertungsgrundlage nehmen soll - Verkaufszahlen, Chartplatzierungen, Alben-Hits, Single-Hits, etc...
    Der Vergleich der Beatles mit Abba ist meiner Meinung nach ein Vergleich zwischen Äpfel und Birnen. Ihre Musik war unterschiedlich, genau so wie die Epoche in der sie ihre Musik gemacht haben und die wirtschaftlichen, soziokulturellen und musikalischen Umstände.

  11. #30
    Benutzerbild von Muggi

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    Das kann ich so stehen lassen.

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