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Schlechteste / Beste Grand Prix Sieger

Erstellt von waschbaer, 06.06.2003, 19:02 Uhr · 33 Antworten · 3.740 Aufrufe

  1. #31
    Benutzerbild von Torsten

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    @ falkenberg:

    Ich denke mal, mit den folgenden zwei Zitaten dürfte die Frage nach der verwendeten Sprache in Brighton beantwortet sein. Zunächst eine kurze Passage aus dem Buch "L'Allemagne Deux Points - Ein Kniefall vor dem Grand Prix":

    "Als der Grand Prix ins Leben gerufen wurde, ging man selbstverständlich davon aus, dass alle teilnehmenden Länder Lieder in der eigenen Landessprache entsenden würden. Ein solcher Sprachpatriotismus wich allerdings immer mehr den kommerziellen Anreizen eines Sieges bei der Mutter aller audiovisuellen Sangesschlachten. ABBA erkannten 1974, dass ein schwedischsprachiges Lied es sehr schwer haben würde - das Quartett aus IKEA-Land sang 'Waterloo' konsequenterweise komplett auf Englisch."

    Und im Booklet der 2001er-Remaster-Serie des Albums "Waterloo" ist zu lesen:

    "On April 6, ABBA performed the English version of 'Waterloo' in The Eurovision Song Contest finals in Brighton, England."

    Übrigens sei auf die wirklich hervorragenden "Liner Notes" in dieser aktuellen Remaster-Serie hingewiesen, die jeweils eine ganze Flut an Infos zur Entstehungsgeschichte der Alben bzw. der einzelnen Titel enthalten. So heißt es zu der damaligen Zwickmühle, zwischen "Waterloo" und "Hasta Manana" den Grand Prix-Beitrag auswählen zu müssen:

    "Repeatedly hearing the Spanish phrase 'Hasta Manana' - meaning 'See you tomorrow' - on his holiday, gave Stig the idea for the title. He dictated the lyrics over the telephone so that ABBA could go into the studio and record it as soon as possible. Whereas Agnetha and Frida had shared the lead vocals on 'Waterloo', 'Hasta Manana' became a solo number for Agnetha. She drew inspiration from her teenage idol, Connie Francis, to find the right mood for the interpretation.

    When Stig returned home from his holiday it was only one day left before the entries to the Swedish selections for the Eurovision Song Contest had to be submitted. But which song to choose? Both were strong, but 'Hasta Manana' was a little closer to what the audience expected from a contest entry.

    In the end, 'Waterloo' was chosen precisely because it broke with the 'dramatic ballad' tradition of the competition. ABBA decided that they were going to put a rock'n'roll spin on the Eurovision Song Contest. It turned out to be exactly the right choice. At the Swedish selections, held on February 9, 1974, ABBA came out the victors with a margin of almost 100 points over the runner-up. The previous year's panel of music experts had been replaced with a cross section of the Swedish public, which may have something to do with the outcome."


    ABBA beglückten die Musikhörer also u. a. mit Texten, die mal flux über Telefon angeordnet wurden. Und genau aus solchen Gründen werden sie wohl auch auf ewig die "Kings Of Pop" bleiben...

    Im Booklet des "Ring Ring"-Albums ist übrigens ein bemerkenswerter Rekord erwähnt: In den damals kombinierten schwedischen Single- und Albumcharts stand für zwei Wochen lang die schwedische Version der gleichnamigen Single auf Platz 1, die englische auf Platz 2 - und das dazugehörige Album auf... na klar, 3!

    In diesem Zusammenhang noch eine kleine Korrektur: "Ring Ring" wurde bei der 73er-Vorausscheidung nicht Zweiter, sondern gar nur Dritter...

    Abschließend sei noch darauf hingewiesen, dass die schwedischen Versionen von "Waterloo", "Ring Ring" und "Honey Honey" als Bonustracks auf den ersten beiden Remastered-Alben enthalten sind. Hört sich immer wieder recht amüsant an...


    @ Lutz::

    Ich brauch gelegentlich tatsächlich etwas länger. Kann in gewissen Situationen aber auch von Vorteil sein...

    Thema "Sprache" bei Grand Prix-Songs: Kürzlich hab ich zum ersten Mal die holländische Version des 75er-Siegers 'Ding-A-Dong' gehört und bin vor Lachen fast vom Sofa gekippt. In der allseits bekannten englischen Variante enthält der Refrain ja das 'Ding-A-Dong' des Titels; auf Holländisch geht das so:

    "Ticke-Tack (...) / Ticke-Ticke-Tacke Dom-Bim-Bam-Bum / Ticke-Tack (...) / Ticke-Ticke-Tacke Dom-Bim-Bam-Bum"

    Unvorstellbar, dass die Truppe aus Käseland diesen Beitrag damals in der Heimatsprache vorgetragen hat...

    Dazu Jan Feddersen:

    "'Ding-A-Dong' galt als Kopie des Vorjahrescoups von ABBA und ward nicht sehr geliebt von eingefleischten Song Contest-Freunden.

    Lag es am Text? An Zeilen wie 'Dinge dong every hour, when you pick a flower, even when your lover is gone, gone, gone, sing ding dinge dong'? Mit Sprachkritik kommt man beim Song Contest wohl nicht weiter. Zutreffend ist wohl, dass die Niederländer das einzige Lied vortrugen, welches nicht drei Minuten nach der Darbietung schon wieder vergessen war. Umgangssprachlich nennt man das Ohrwurm. Aber, wie gesagt: Damals fehlte es an solcher Gerechtigkeit, ein Lied nicht zu verdammen, nur weil es nicht wie eine Zeile von Paul Celan, Thomas Bernhard oder Max Frisch daherkam."


    Und da echte Ohrwurm-Qualitäten das Einzige sind, was ich von einem Grand Prix-Song erwarte, gehört dieser sprachlich rudimentäre Beitrag auch zu meinen Favoriten...

    Übrigens nochma zu meiner Meinung, dass der Grand Prix in den letzten Jahren zu einer äußerst peinlichen Veranstaltung verkommen ist: Nachdem ich kürzlich noch zu bamalama sagte, dass für mich die 70er-Jahre das "goldene Jahrzehnt" des Grand Prix waren, las ich vor einigen Tagen im von ihm ausgeliehenen Buch "L'Allemagne Deux Points - Ein Kniefall vor dem Grand Prix" zufälligerweise dieses:

    "Die hohe Zeit des Grand Prix, das aber sind zweifellos die Jahre 1968 bis 1981, als es ein Band zwischen aktuellem Hitparadenpop und Grand Prix-Beiträgen gibt - eine Verbindung, die ökonomisch und medial sehr viel wirkungsvoller ist als die Zeit der Chansons und folkloristischen Schnulzen davor und die Zeit der extra für den Grand Prix erzeugten Dilettanten und Retortenprodukte danach.

    (...) 1982 war alles vorbei. Der Punk hatte den Pop durchgeschüttelt, neue Richtungen und Einflüsse ließen selbst den Begriff des "Mainstream" unendlich unscharf werden. Alles ging, nichts blieb mehr. Die fernsehgerechte Inszenierung von Popmusik war zu einem Punkt gekommen, an dem das gebaute Umfeld kaum eine Rolle spielt - Hauptsache, es blinkt, kracht, dampft und flackert. Die Grand Prix-Sets ähneln mehr und mehr Disco-Dancefloors, demontieren sich selbst. Das '85er-Set-Design im damaligen 'dekonstruktivistischen' Neon-Stil mit Gitter-Matrix leitet eine Show-Ästhetik ein, die keinen fest umgrenzten Raum mehr kennt, sondern nur noch durch Licht und Effekte begrenzte Flächen.

    Die Diversifizierung von Pop auch im Fernsehen hat den Grand Prix zu einem Testlabor für Retortenbabies und Replikanten werden lassen. Ja, es erscheint einem manchmal, als sei es für die teilnehmenden Länder eine unangenehme, aber unvermeidliche Pflicht gewesen, einen Beitrag bzw. Interpreten ins Rennen zu schicken, so schlecht ist das Niveau. Optische Mätzchen müssen demzufolge von hanebüchenen Darbietungen oder schlicht unerträglichen Songs ablenken: Ewig wabert der Laser und formt die Pyramide, Neonröhren pulsieren in lächerlich grellen Farben, reflektierende Folien und Effektgeräte verströmen die billige Atmosphäre falsch verstandenen Pops.

    Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks ist der Grand Prix mit Teilnehmern so gut bestückt wie nie zuvor. Man fragt sich nur: Warum findet er noch statt? Satellitenübertragung ist heute selbstverständlich; über die Beliebtheit von Songs entscheidet seit mehr als einem Jahrzehnt ein globales Musikfernsehen, das für die kommerzielle Inszenierung von Popmusik die Maßstäbe setzt, denen der Grand Prix hinterherhinkt. Und der europäische Gedanke... nun ja. Wen interessiert schon Europa? Nationale Identität ist gefragt, regionale Autonomie und Folklore im Dienste des Fremdenverkehrs. Pop spielt sich woanders ab; und entgegen allem europäischen Zusammenwachsen bleiben nationale Eigenheiten endscheidend. Das musikalische Spiel ohne Grenzen, die EM des Schlagers kommen als ein Relikt aus einer anderen Zeit daher, das verzweifelt seine Daseinsberechtigung anmahnt.

    Das letzte Bild, das man dafür gefunden hat, ist die 'Unterhaltungstechnik': Lichtgerüste, Kamerakräne, Multivisionswände, Laserprojektionen. Oder man greift in die elektronsiche Trickkiste, um per 'virtueller Studiodekoration' den neu dazugekommenen Kandidaten aus Osteuropa zu zeigen, wo bei den Gründern der Hammer hängt. Da sich moderne TV-Ästhetik längst nicht mehr sauber in Set und Regie aufteilen lässt, haftet jedoch allen TV-Shows nach 'klassischem Muster' etwas Altmodisches an, egal, wieviel Elektronik im Spiel ist. Insofern erscheint das Design des Grand Prix der letzten 15 Jahre einerseits mager, andererseits wirr: Was von 'Ein Lied für...' in den 90ern über die reine Selbstinszenierung von Fernsehen hinausgeht, wird man (wenn überhaupt) wahrscheinlich erst mit einigen Jahren Abstand sagen können..."


    Ein Artikel, den ich nur zehnfach dick unterschreiben kann. Hier wird der entscheidende Punkt besonders deutlich: Der Grand Prix hat einfach nichts, aber auch gar nichts mehr von dem Charme, den er vor allem in den 70ern ausstrahlte. Geblieben ist ein grausiger Mischmasch aus übertriebenem Technik-Pomp und grottigen Beiträgen, die das lieblose Verhältnis der heutigen Musik-Branche zu ihren Produkten verdeutlichen...

  2.  
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  3. #32
    Kinderfresser
    Benutzerbild von Kinderfresser
    Torsten postete
    Haste schonma Originalkommentare amerikanischer Sportreporter bei NHL-Spielen gehört? Wie die dabei die Namen der ganzen Franko-Kanadier aussprechen, ist wirklich nicht mehr feierlich...
    Bislang noch nicht, aber bei der NBA ist die Aussprache der Reporter auch nicht besser. Im übrigen hab ich eh das Gefühl, daß nur wir Deutschen so blöd sind und versuchen Namen wie in der eigentlichen Landessprache auszusprechen.

  4. #33
    Benutzerbild von Lutz

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    @Torsten

    Ich brauch gelegentlich tatsächlich etwas länger. Kann in gewissen Situationen aber auch von Vorteil sein...
    *lol*

    Dann bist Du jetzt aber ein wenig früh dran...

    In puncto ABBA+Sprache ist dann ja wohl alles klar....

    BTW:

    Kommentatoren + Sprache:

    Sehr spaßig war vor einiger Zeit bei IndyCar-Autorennen als die Reporter vergaßen das sie während der Commercial Breaks (in Europa) noch ON THE AIR waren. Ich konnte es mir nicht verkneifen das ins Internet zu stellen:

    Hier z.B. die Versuche von Jason Priestley (genau - der von Berverly Hills blabla) Deutsch zu sprechen (warum er das tat ist ne längere Geschichte):

    http://home.nikocity.de/goerke/german.mp3 (571 KB)

    Lutz

  5. #34
    Benutzerbild von falkenberg

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    @ Torsten

    Nun ist ja alles klar zum Thema Waterloo. Vielen Dank. Interessant auch die Konkurrenz zwischen "Waterloo" und "Hasta Manana". Letzteres ist dann ja offensichtlich völlig unter die Räder gekommen und wurde nicht mal als Single veröffentlicht. Die schwedische Version hat man sich dann gleich gespart (bzw. an Lena Andersson abgetreten).

    Im weitesten Sinne hat es noch einen weiteren Versuch von Abba bei einer Grand-Prix-Vorentscheidung gegeben. 1972 hatten Andersson/Anderson/Ulvaeus den Titel "Säj Det Med En Sång" für Lena Andersson (die später zeitweise als Background-Sängerin bei Abba fungierte)geschrieben. Er landete auf dem dritten Platz.

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