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Slipknot

Erstellt von waschbaer, 15.05.2002, 21:16 Uhr · 10 Antworten · 1.856 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von waschbaer

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    Oh Mann, ich habe heute eher zufällig im Radio einen Titel der Band "Slipknot" gehört. Angeblich soll der Amokläufer von Erfurt ein großer Fan dieser Band gewesen sein.

    Gut, ich bin kein Psychologe, aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass man nach dem permanenten Hören dieser aggressiven Musik mit Texten, die man wohl als gewaltverherrlichend bezeichnen darf, irgendwann durchdreht.

    Ich habe früher auch AC/DC und Iron Maiden gehört, aber bin nicht ausgerastet. Auf der anderen Seite sind AC/DC und Iron Maiden nicht nur wesentlich melodiöser als diese Band, sondern sie sind auch von den Texten her noch normaler.

    Langsam kann ich echt nachvollziehen, weshalb sich Tipper Gore (Ehefrau von Al Gore) dafür einsetzt, dass weniger Gewalt in Filmen und Musiktexten produziert werden soll.

    Sehe ich das zu populistisch oder denken andere genauso???

  2.  
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  3. #2
    Sven Hoëk
    Benutzerbild von Sven Hoëk
    ja, zu populistisch! Es gibt keinerlei Belege, dass mediale Gewalt zu realer Gewalt fürht. Wir sind doch schließlich keine Pawlow'schen Hunde!

    Sven Hoëk
    (aka Olli)

  4. #3
    Benutzerbild von waschbaer

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    ... und was ist damit???

    http://www.spiegel.de/kultur/gesells...194999,00.html

    ein kleiner Auszug aus dem Artikel:

    Nur wenige Experten bezweifeln heute noch, dass die Darstellung von Gewalt im Einzelfall ganz reale Gewalt hervorrufen kann - zu erdrückend sind die Selbstauskünfte der Täter und die Belege der Ermittler, die etwa nach den Schulmorden in Paducah (Kentucky, 1997), in Jonesboro (Arkansas, 1998), in Littleton (Colorado, 1999), im sächsischen Meißen (1999), im bayerischen Brannenburg (2000) und jüngst in Erfurt zusammengetragen wurden.

  5. #4
    Benutzerbild von waschbaer

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    Schade, der angegebene Link funktioniert nicht. Ich versuche es nochmals.

    http://www.spiegel.de/kultur/gesells...194999,00.html

  6. #5
    Benutzerbild von waschbaer

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    weiß leider auch nicht, weshalb er den Link nicht nimmt. Wer den Artikel nachlesen will, muss sich halt die Zeile rauskopieren.

  7. #6
    Sven Hoëk
    Benutzerbild von Sven Hoëk
    du musst links solcher art in tags setzten [ URL ] .... [ /URL ] (ohne die Leerzeichen.

    Aber ich kenne alle möglichen Studien (ich studiere selbst Soziologie) und kann dir versprechen: Es gibt keinen plausiblen Beleg für die Wirkung von Filmen / Musik / ... auf die Psyche. Ein interessantes Interview zu dem Thema war gestern in der Frankfurter Rundschau:

    http://www.fr-aktuell.de/fr/aktuell/t0000003L.htm

    Sven Hoek
    (Gewaltfanatiker)

  8. #7
    Benutzerbild von
    @ Waschbaer

    Sorry, aber sich auf den Spiegel zu beziehen und auch auf die meisten anderen Medien (vor allem TV) ist in dieser Sache kein guter Rat. Es ist ja auch bei den Computerspielen eine gnadenlose Hetzjagd im Gange, die einfach an den tatsächlichen Ursachen vorbeigeht. Das gleiche trifft auf bestimmte Musikrichtungen zu, die immer wieder als Opferlamm geschlachtet werden. Die Leichen sind noch nicht ganz kalt, da haben die Medien sich wieder auf die althergebrachten Alibi-Ursachen eingeschossen. Man könnte bald meinen, die Berichte wurden schonmal vorgeschrieben und es wird dann je nach Anlass nur noch Ort, Zeit und Name des Attentäters eingetragen.

    Es mag ja durchaus Fakt sein, dass fast alle Attentäter der Massaker (und auch hier geht man schnell den Medien auf den Leim und plappert nach. Von Amokläufen kann man hier aber gar nicht sprechen, denn derart geplante Taten sind per Definition einfach keine Amokläufe) bestimmte Musikrichtungen bevorzugten oder sowohl Killerspiele als auch Gewaltvideos in Mengen konsumierten. Doch wird hier schlicht und ergreifend Ursache und Wirkung verkehrt. Wer Aggressionspotenzial hat, hat natürlich auch das Bedürfnis dieses irgendwie auszuleben. Nichts liegt näher, als sich dann Slipknot anzuhören und Counterstrike zu spielen um zu ballern was das Zeug hält. Doch jene Millionen von ethisch-moralisch gefestigten Leuten, die sich höchst friedlich vor ihre Steroanlage setzen um Slipknot zu hören oder vor ihren PC um ein Stündchen Counterstrike zu spielen, werden nicht plötzlich zu aggressiven Gewalttätern. Wer umgekehrt Ricky Martin hört, wird ja auch nicht automatisch zum Latin Lover. Gerade jene Jugendlichen, die nach dem Konsum eines Action-Films im Kino etwas breitschultriger aus dem Kino kommen als sie hinein gegangen sind, werden nicht plötzlich zu Tätern die reale Gewalt ausüben. Und genauso werden sie nicht plötzlich gewalttätig, nur weil sie Slipknot gehört haben. Solche Texte hören Jugendliche doch nun wirklich nicht aus Geilheit auf Gewalt (sonst wären sie auch alle artig bei der Bundeswehr um endlich real zu ballern!), sondern um sich von Eltern abzunabeln (ich bin jetzt erwachsen und echt krass drauf, schreibt mir bloss nix mehr vor!) und sicherlich auch, um ein wenig den Frust des Erwachsenwerdens auszuleben. Jegliche Art von Eingriffen der Politik, entweder per Verbotsgesetz oder durch Drängen darauf, dass die Industrie eine "freiwillige" Selbstbeschränkung eingeht ist eine scheinheilige Art und Weise von den realen Problemen abzulenken und vor allem auch eine Bevormundung der erwachsenen und mündigen Bürger. Es stellt staatliche Zensur da, die ich auf keinen Fall akzeptieren kann, will und werde (eher wandere ich 30km über die Grenze aus). Stattdessen sollte man lieber fatal fehlentwickelte Landesschulgesetze aufheben (Thüringen nach 12 Jahren Schule ohne Abschluss), statt eine öffentliche Jugendeinrichtung nach der anderen zu schließen mal neue eröffnen, Zukunftsperspektiven bieten und statt über Pisa zu labern endlich etwas tun (übrigens auch von den jammernden Eltern, die ständig nach Politikern rufen... Computerausrüstung beispielsweise kann man auch per Elternverein selbst finanzieren, Sponsoren suchen, spenden etc. statt sich immer nur aufzuregen und auf den Staat zu schimpfen => Der ist nunmal PLEITE!). Aber leider wird man wohl erst merken, dass man Kinder trotzdem noch großziehen und vor allem erziehen muss, wenn alles verboten ist was vom eigentlichen Problem ablenkt und manchem mündigen und friedlichen Bürger ein bisschen Spaß macht. Man sollte auch langsam akzeptieren, dass die Politk auf manche Dinge keinen Einfluss hat. Es gibt Menschen die psychisch krank sind und irgendwann anderen Schaden zufügen. Das lässt sich nicht per Gesetz verbieten. Die Welt ist eben nicht so friedlich und das Leben nicht so ungefährlich wie man es sich manchmal vormacht. Und niemand kann dagegen etwas tun, das gehört zum Leben einfach dazu. Wenn sich darüber alle etwas bewusster wären, würden manche Menschen vielleicht ganz anders leben. Aber einige wollen lieber Slipknot und Counterstrike verbieten, als sich das klar zu machen.

    Q*Bert

    P.S.: Übrigens weder Counterstrike-Spieler, noch Slipknot-Fan

  9. #8
    Benutzerbild von DeeTee

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    @sven hoevels: Als Soziologie-Student solltest Du schon allein aus wissenschaftstheoretischen Gründen vorsichtiger sein mit mit All-Aussagen:

    Sven schrieb:
    Es gibt keinerlei Belege, dass mediale Gewalt zu realer Gewalt fürht
    Doch, es gibt eine Reihe von Studien, die solche Zusammenhänge recht deutlich nahelegen, wobei natürlich eine letzte Beweiskraft unvermeidbarerweise fehlt.

    Link: http://idw-online.de/public/pmid-27015/zeige_pm.html

    Dort heißt es unter anderem: "Gewalthaltige Computerspiele machen Kinder aggressiv - unter bestimmten Bedingungen. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie mit 280 Kindern von Dr. Clemens Trudewind und Dr. Rita Steckel (Arbeitsgruppe für Motivations- und Emotionspsychologie, Fakultät für Psychologie der RUB). Bei den untersuchten 8- bis 14-Jährigen zeigte sich deutlich, dass das Einfühlungsvermögen (Empathie) für Mitleid erregende Bilder unterschiedlich ausgeprägt ist - je nach Bindungssicherheit der Kinder zu den Eltern und je nach Inhalt eines zuvor gespielten Computerspiels."

    Und

    "Intensive Gewaltspielerfahrung führe dauerhaft zu einer Abschwächung der Empathiebereitschaft im Sinne einer emotionalen Abstumpfung, so die Bochumer Wissenschaftler. Dies beeinträchtige auch langfristig den wichtigsten Hemmfaktor für aggressives Verhalten."

    Unbestritten bleibt, dass sich Ereignisse wie in Erfurt nicht monokausal erklären lassen.

    Grüße!
    DeeTee

  10. #9
    Benutzerbild von
    DeeTee postete
    @sven hoevels: Als Soziologie-Student solltest Du schon allein aus wissenschaftstheoretischen Gründen vorsichtiger sein mit mit All-Aussagen:

    Sven schrieb:
    Es gibt keinerlei Belege, dass mediale Gewalt zu realer Gewalt fürht
    Doch, es gibt eine Reihe von Studien, die solche Zusammenhänge recht deutlich nahelegen, wobei natürlich eine letzte Beweiskraft unvermeidbarerweise fehlt.
    Etwas nahezulegen ist natürlich kein Beleg. Und das es einen Anteil von Jugendlichen gibt, der z. B. durch falsche Erziehung und schlechte soziale Verhältnisse anfälliger ist durch äußerliche Einflüsse eine größere Gewaltbereitschaft zu entwickeln ist sicherlich nicht zu bestreiten. Wir reden hier allerdings *auch* von Erwachsenen (und Sven generell von der menschlichen Psyche und nicht speziell von Kindern) und auch den erwachsenen, mündigen Bürgern (siehe z. B. CDU/CSU-Wahlprogramm) will man solche Dinge (Spiele und Videos, die CDU nennt in Stellungnahmen allen Ernstes als Beispiele für verbotswürdige Filme die Titel "Scream" und "Ich weiss was Du letzten Sommer getan hast"!!!!!) verbieten. Dabei ist unter "informierten Menschen" längst klar, dass das weder Tragödien wie die in Erfurt verhindern wird, noch etwas an den tatsächlichen Ursachen für solche Taten ändert. Und selbst der nicht selten (vor allem von Eltern ohne jeglichen Einblick in die Materie - was allein schon für sich beweist, dass diese Eltern sich nie dafür interessierten was ihre Kinder eigentlich so den ganzen Tag machen, sonst wüssten sie besser Bescheid über Counterstrike & Co.) als gottgegebene Fakt, dass Jugendliche negativ von solchen Spielen beeinflusst werden, wird nicht selten widerlegt. Die größte Studie hierzu fand in Australien statt und lief über 4 Jahre (http://<a href="http://www.usk.de/Au...ralien.PDF</a>). Etwas umfangreicheres und gründlicheres hat es auf der ganzen Welt in diesem Bereich noch niemals gegeben. In die derzeitige Medienlandschaft passt es natürlich auch nicht, dass gerade in diesen Tagen eine Studie des Instituts für Medien und Kommunikation an der Universität Oslo zum gleichen entwarnenden Ergebnis kam. Das wird von unseren ach so objektiven Medien einfach unterschlagen, denn es passt nicht ins Konzept - erst Recht nicht der Politik, die sich mit diesem populistischen Hauruck-Patentrezept bei der "nicht eingeweihten" und leicht zu befriedigenden Masse profilieren will. Im übrigen braucht man sich die sog. "Experten" in Deutschland nur einmal in den derzeit zahlreichen TV-Interviews anzuschauen und anzuhören. Da sind sehr viele Psychologen dabei, die offensichtlich von Tuten und Blasen keine Ahnung haben. Würden Ärzte so operieren, wie diese Psychologen ihre Analysen betreiben, würde vermutlich jeder zweite Patient während einer OP versterben.
    Darüber, dass während über so einen Unsinn diskutiert wird, jährlich hunderttausende an den Folgen von Nikotin und Alkohol verrecken, lasse ich mich schon kaum noch aus, denn es bringt nichts. Die meisten Menschen sind selbst abhängig von dem Zeug und der Staat verdient gut dran. Gleichzeitig fördern die gleichen Politiker die Massentierhaltung, Tierversuche und schicken 18jährige Soldaten an die Waffen. Da fragt man sich doch, wer hier gewalttätiger ist, ein säugetierfressender Stäuber oder z. B. ein vegetarischer Zivi und Computerpixel-Erschießer, der selbst Fliegen im Zimmer nicht breitklatscht, sondern vosichtig hinausgeleitet! Sowas solls geben...

    Sorry an Waschbaer für die Zweckentfremdung dieses Slipknot-Threads, aber die Themen hängen durch Erfurt ja unmittelbar zusammen und ich bekomme bald ein Magengeschwür, wenn ich tagtäglich in den Medien sehe, dass sich dieses Land, dass sich demokratisch schimpft, bald diktatorischer Methoden bedienen will, um unsere "Freiheit" zu retten. Das übertrifft an Zynismus und blindem Aktionismus locker die Aktionen nach dem 11. September. Leider scheint die breite Masse das nicht zu merken.

    Und an jene, die vielleicht wieder der Meinung sind, dass sowas in diesem Forum nicht den richtigen Platz hätte kann ich nur appelieren: Solche Themen müssen überall Platz haben, denn sie beeinflussen unser ganzes Leben und nicht nur abgrenzbare Teilbereiche. Und tatsächlich hatte eine solche zensorische Bewegung in den 80s schon einmal einen Höhepunkt. Die ersten Computerspiele wurden indiziert (heute lachhaft wenn man sich die Titel anschaut) und in Videotheken gab es massenweise Razzien und Beschlagnahmungen von "geächteten" Videos. Mancher erinnert sich vielleicht dran und stimmt mir spätestens jetzt zu: selbst dieses Thema hat etwas in einem 80s Forum verloren. Danke!

    Q*Bert

  11. #10
    Benutzerbild von
    Ach ja, einen nur zu Slipknot habe ich auch noch...... also zurück zum Thread-Thema! Das die Medien nach dem Massaker jeden unwahren Mist gedruckt haben, ist manchem vielleicht aufgefallen (vonwegen bei Counterstrike müsste man Schulmädchen erschießen usw.). Das gleiche gilt auch für Slipknot. Irgendein Journalist verbreitete die "Tatsache", dass Robert S. Slipknot gehört habe und diese Band angeblich den Titel "School Wars" herausgebracht hätte. Dazu wurden auch ein paar vermeintlich echte Textzeilen zitiert. Fakt ist aber, dass es von der Band keinen derartigen Titel gibt. Eine einzige Suche, z. B. über Google, hätte das schnell klargestellt. Klasse Rechereche von den Medien! Einen anderen zitierten Titel gibt es hingegen tatsächlich "People = Shit". Das wurde dann ins Bild passend als menschenverachtend dargestellt. Tatsächlich ist gerade diese Behauptung aber der Witz des Jahrhunderts. Hört man sich diesen Song mit einer vorgefertigten, eingeimpften Meinung an, kommt er wohl so rüber. Kennt man den Background der Band und hat "Slipknot" vor "Erfurt" schonmal gehört, weiss man, dass diese 9 Typen, solche Titel schreiben, weil sie selbst diejenigen waren, die von anderen Menschen immer verachtet und runtergemacht wurden. Diese Songs sind als Spiegel und Quittung an die Gesellschaft gerichtet. Ich mag diesen lauten, lärmenden Stil nicht und ich werde mir auch keine Slipknot-CDs kaufen. Aber irgendwelche Leute als potentielle Amokläufer hinzustellen, nur weil sie Slipknot-Musik hören, kann nur intoleranten Spiegel-Redakteuren einfallen, die den ganzen Tag "Michelle" auf NDR4 hören. Witzig nur, dass die das gleiche wie Slipknot macht: Ihre privaten Erfahrungen und Erlebnisse in irgendwelchen Songs verbraten und interpretieren. Bei braven Blondchen mit operierten Brüsten ist das ok, neun von der Gesellschaft enttäuschte Jungs aber sind das personifizierte Böse... Na' dann gute Nacht Meinungsfreiheit.

    Übrigens sind alle Slips meiner Freundin auch nach dem Hören von Slipknot völlig unverknotet gewesen. Ich nehme das als Beweis dafür, das mich die Musik nicht negativ beeinflusst hat... :-)

    Q*Bert

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