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20 Jahre "Nevermind" – ääähm ja?!

Erstellt von bubu, 22.09.2011, 16:55 Uhr · 55 Antworten · 3.374 Aufrufe

  1. #31
    Benutzerbild von Juju

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    AW: 20 Jahre "Nevermind" – ääähm ja?!

    Zuallererst: Als ich hier reinschrieb, dachte ich nicht, dass das ein Wissenschaftsthread werden sollte. Im Unterforum "Small Talk" sowieso nicht. Folglich hatte ich den Thread auch eher als lockeren Laberthread verstanden. Logisch, dass ich nicht so pingelig auf das Threadthema starrte.

    Ich frage mich unterdessen, warum man den mutmaßlichen "Trubel" um das Album so furchtbar ernst nehmen und verkrampft diskutieren muss. Wer hatte denn damals wo reagiert? Grunge gibt es seit den Mitt-/End-80ern. Und keine Socke hatte sich darum gekümmert. Das wurde doch erst durch die Industrie so groß. Dann musste plötzlich jeder abgelatschte Hosen und Holzfällerhemden tragen. Ich sehe das eher wie Lutz & Luftgitarre bezüglich der begrenzten Auswahl. Techno war damals der Feind. Blieben letztlich nur Hip Hop, Eurodance oder Britpop übrig. Ein Teil davon drang nicht einmal in das Bewusstsein der Massen vor (etwa Industrial Rock oder die neue Welle deutscher Grufti-Combos). Madchester und Shoegazing gingen den Bach hinunter, Trip Hop, Drum & Bass, Big Beat, IDM etc. gab es zu dieser Zeit noch nicht bzw. wurden sie nicht bewusst als Musikbewegungen wahrgenommen. Ich schätze, da war es nicht sonderlich schwer, sich als Jugendlicher für den lässigen Grunge zu entscheiden.

  2.  
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  3. #32
    Benutzerbild von PostMortem

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    AW: 20 Jahre "Nevermind" – ääähm ja?!

    Zitat Zitat von Dr. Peter Venkman Beitrag anzeigen
    Ich finde Jujus Renegade Posting bringt keine neuen Erkenntnisse zur musikhistorischen Einordnung Nirvanas. Dass in der Musik nie etwas aus dem Nichts entsteht, ist eine Binse. Postings nach dem Motto: Band XY hat das Gleiche aber vor 35 Jahren auch schon mal gemacht, daher ist Band YX überbewertet, sind ziemlich sinnlos und in meinen Augen meistens nur Klugscheißerei.
    Ich finde es hingegen ganz interessant darauf hingewiesen zu werden. Wir den 1980ern verbundenen fühlen uns ja auch nicht selten dazu genötigt, hinsichtlich der Flut von Cover-Versionen und Verwurstungen von 80er-Hits darüber aufzuklären, dass es diese Songs schonmal gab. Leider haben wir selbst damals wohl nicht so richtig mitbekommen, wieviele 80er Hits eigentlich seinerzeit Cover-Versionen älterer Nummern waren. Ähnlich ist es bei Bands an sich. Ich finde nichts verwerfliches daran, wenn z. B. daran erinnert wird, dass Rammstein von Oomph! inspiriert worden sind und nicht etwa umgekehrt. Es hilft die Dinge richtig einzuschätzen. Es ist ja nicht verwerflich sich inspirieren zu lassen und damit riesen Erfolge zu feiern. Aber es erfährt eben eine andere Wertschätzung etwas wirklich begründet zu haben.

    War Nirvana überbewertet oder ist Nirvana eine tolle Band gewesen. Sondern das Thema bleibt nach wie vor: Wieso hat die Welt auf Nirvana und Nevermind so reagiert wie sie reagiert hat und warum reagiert die Welt heute noch auf Nevermind so wie sie reagiert.
    Mich interessiert Nirvana lustigerweise erst wirklich seit die Band nicht mehr existiert bzw. weil ehem. Mitglieder riesen Erfolge mit ihren neuen Bands und Projekten (allen voran die Foo Fighters) feiern und es interessant ist wieviele Fäden zu Nirvana führen. Diese ganze Grunge-Welle war für mich damals eine ziemlich gruselige Zeit und ich hatte immer das Gefühl gleich holen alle Leute in drogengeschwängerter Luft ihre Rasierklingen raus und schneiden sich gegenseitig die Pulsadern auf bis es spritzt. Das war mir zu negativ und Kurt Cobain's eigener Weg zeigt das ja auch. Es war eine harte Zeit um musikalisch über die Runden zu kommen, wenn man weder mit Grunge noch mit Techno viel am Hut hatte. Es wurde eigentlich erst mit dem Entstehen von Viva Zwei und der breiteren Öffentlichkeit für Alternative-Sachen für mich wieder besser. Heute ist das einfacher. Bei Napster findet sich immer noch ne gute Scheibe, egal was die Welt gerade sonst hört.

  4. #33
    Benutzerbild von bubu

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    AW: 20 Jahre "Nevermind" – ääähm ja?!

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Es war eine harte Zeit um musikalisch über die Runden zu kommen, wenn man weder mit Grunge noch mit Techno viel am Hut hatte.
    Interessant, dass ihr das seinerzeit alle so empfunden habt: entweder Techno oder Grunge. Zwar fand ich damals Techno auch abscheulich, aber ich habe Grunge weder als Gegenbewegung dazu noch als einzige Alternative empfunden. Es ist ja nicht so, dass jegliche andere Musik, die jemals produziert wurde, damals plötzlich verschwunden war. Stellt sich die Frage, ob zur Identifikation von Jugendlichen immer nur Neues taugt, Neues nicht zwingend inhaltlich, sondern lediglich "neu auf den Markt gekommen".

  5. #34
    Benutzerbild von PostMortem

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    AW: 20 Jahre "Nevermind" – ääähm ja?!

    Zitat Zitat von Dr. Peter Venkman Beitrag anzeigen
    Interessant, dass ihr das seinerzeit alle so empfunden habt: entweder Techno oder Grunge. Zwar fand ich damals Techno auch abscheulich, aber ich habe Grunge weder als Gegenbewegung dazu noch als einzige Alternative empfunden. Es ist ja nicht so, dass jegliche andere Musik, die jemals produziert wurde, damals plötzlich verschwunden war. Stellt sich die Frage, ob zur Identifikation von Jugendlichen immer nur Neues taugt, Neues nicht zwingend inhaltlich, sondern lediglich "neu auf den Markt gekommen".
    Wenn man es so betrachtet, brauchte ich Musik damals wie heute nicht zur Identifikation oder um irgendeiner Gruppe oder Subkultur anzugehören. Ich wollte einfach eine gute Zeit haben, manchmal auch einfach die passende Musik zur vorliegenden Stimmung parat haben. Das kennt denke ich jeder. Und was sich zwischen 1988 und den beginnenden 1990ern musikalisch abspielte, war ja im Prinzip schon eine kleine Durststrecke. Wer davon geprägt war, zehrte von den Ikonen der Siebziger und frühen bis mittleren 1980er. Danach kam Eurodance, Pop von der Stange, Boygroups und Rap aus dem amerikanischen Ghetto.

    Der Zugang zu Musik war damals für mich noch ein anderer. Ich kannte keine Hardcore-Musikfreaks und man schlug sich in den CD-Abteilungen der Kaufhäuser und bei WOM durch, um auf irgendwas aufmerksam zu werden was abseits des VIVA- und MTV-Mainstreams noch existierte. Viel anderes als Nirvana, Mark Oh und Charly Lownoise & Menthal Teo fand da damals ja kaum noch statt. Und als dieser ganze Eurodcance-Firlefanz endlich abflaute und die schlechtesten Boygroups in der Versenkung verschwanden, kam zwar endlich wieder handgemachte Musik mit echten Instrumenten und echten Musikern (an sich eine tolle Sache), aber eben das siffige Depri-Grunge-Gerocke. Grunge und Techno waren auf Jahre der Mainstream, wurden überall bis zum Erbrechen gedudelt.

    Heute ist es für mich einfacher sich dem Mainstream zu entziehen. Kleine Bands haben heute viel bessere Möglichkeiten sich selbst zu vermarkten, selbst professionell CDs zu produzieren und bei Napster & Co ist jede noch so kleine Combo zu finden, die irgendwann mal auf irgendeinem kleinen Label was veröffentlicht hat. Viele von denen klingen heute besser und machen insgesamt bessere Musik, als so einige Star-Kombos vor 20 Jahren. Aber sie haben eben keinen Zugang zu den Mainstream-Medien, wollen ihre Qualitätsansprüche dafür vielleicht auch einfach nicht aufgeben. Und was als Konsument heute anders ist: Hat man bei Napster & Co einmal einen Einstieg in die Musik-Gefilde abseits des Mainstream gefunden, findet man immer weitere Bands und klasse Musik ohne danach gesucht zu haben. Die bösen Datenspione der Onlineplattformen zur Analyse des Nutzerverhaltens machen es möglich. Es war damals schwieriger sich dem Mainstream zu entziehen und mit deutlich mehr Kenntnis und Aufwand verbunden an weniger bekannte Künstler und ihre Musik zu kommen. Heute sind es ein paar Klicks, damals war man sozusagen schnell im Tal der Ahnungslosen. Wie gesagt, erst mit Viva Zwei hatte man als Normalo plötzlich ein Schaufenster in die "alternative" Musikwelt, die bis dahin kaum Beachtung fand.

    Heute ist vieles was ich gerne höre längst wieder Mainstream. Kings of Leon, Muse, Editors usw. Es hat ja auch lange genug gedauert...

  6. #35
    Benutzerbild von Laschek

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    AW: 20 Jahre "Nevermind" – ääähm ja?!

    Der Erfolg von Nevermind bewirkte m.E. dass mal wieder ein frischer Wind in der Mainstream Rockmusik wehte. Das weitverbreitete typische Gehabe des unnahbaren Rockstars bekam einen Gegenpol. Die neuen Stars wirkten zumindest "volksnaher", ich konnte mich mit einem Curt Cobain eher identifizieren als mit einem Axl Rose (obwohl ich G'n'R auch gut fand/finde). Als er sich umbrachte war ich echt geknickt, obwohl ich auch nicht soo der Überfan von Nirvana war.
    Möglicherweise kam das daher dass viele Grungebands ihre Wurzeln in Punk und Hardcore hatten wo der Kult um die eigene Person in der Regel nicht so ausgeprägt war. Deshalb Holzfällerhemden und "simplere" Songs anstatt Spandexoutfits und selbstverliebtem Gitarrensologegniedel.
    Auch finde ich dass mit "Smells Like Teen Spirit", gleichgültig was man von dem Song hält, nach langer Zeit mal wieder ein richtiger Rockklassiker geschaffen wurde der auch in 30 Jahren noch auf Rockcompilations drauf sein wird. Falls es dann sowas überhaupt noch gibt

  7. #36
    Benutzerbild von SonnyB.

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    AW: 20 Jahre "Nevermind" – ääähm ja?!

    Ich habs bisher hier nicht gelesen: Ich stelle mir die Frage, ob das Album auch gefeiert werden würde wenn Herr Kurt Donald Cobain noch leben würde. Wahrscheinlich nicht. Der Hype entstand doch erst nach seinem Ableben. Und an Altersschwäche ist der ja nu nicht verschieden.
    Da kommen viele Faktoren zusammen: Der Herr ist tot... die Musikrichtung war neu... das Album wurde damals geschickt vermarktet. Dem relativ neuen Medium Internet sei Dank.

    Mal abgesehen davon, daß zu irgendwelchen runden Todestagen immer was gefeiert wird und als "neuaufgelegte-Exklusivbox-Sammlung-gabsvorhernicht-Edition" auf den Markt geworfen wird.

    Wartet mal ab. In ein paar Jahren wird Thriller genauso gefeiert.

  8. #37
    Benutzerbild von Laschek

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    AW: 20 Jahre "Nevermind" – ääähm ja?!

    Zitat Zitat von SonnyB. Beitrag anzeigen
    Der Hype entstand doch erst nach seinem Ableben.
    Nö. Nevermind kam '91 raus und kurz danach ging der Hype doch schon los. Umgebracht hat sich Curt Cobain 1994, da war noch mindestens ein Album dazwischen welches schon nicht mehr so ankam.

  9. #38
    Benutzerbild von SonnyB.

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    AW: 20 Jahre "Nevermind" – ääähm ja?!

    Zitat Zitat von Laschek Beitrag anzeigen
    Nö. Nevermind kam '91 raus und kurz danach ging der Hype doch schon los. Umgebracht hat sich Curt Cobain 1994, da war noch mindestens ein Album dazwischen welches schon nicht mehr so ankam.
    Ja. Nein. Auch. Vielleicht. Wie auch immer.

    Wie ich schrieb (gemeint ist der aktuelle Hype):
    Da kommen viele Faktoren zusammen: Der Herr ist tot... die Musikrichtung war neu... das Album wurde damals geschickt vermarktet. Dem relativ neuen Medium Internet sei Dank.

  10. #39
    Benutzerbild von bubu

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    AW: 20 Jahre "Nevermind" – ääähm ja?!

    Zitat Zitat von SonnyB. Beitrag anzeigen
    das Album wurde damals geschickt vermarktet. Dem relativ neuen Medium Internet sei Dank.
    Ähm, 1991? Internet?

  11. #40
    Benutzerbild von SonnyB.

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    AW: 20 Jahre "Nevermind" – ääähm ja?!

    Boah... muss ich denn heute alles 2x schreiben?

    Der Hype (damals und heute) erklärt sich aus diversen Ursachen:

    Hype heute, weil eben ein toter "Künstler" und "Nostalgie" für viele Leute, die damals auf Nirvana standen, weil es eine ihrer Teenieerfahrungen war, die Prägte.
    Hype damals, weil die Musikrichtung für die Masse neu war und dank dem damals relativ neuen Internet (E-Mail Verkehr) für die Masse leichter zugänglich war. Auch wenn "Grunge" nicht die Erfindung Cobains ist. Cobain zwar noch lebte aber es eben auch "in" war zu "leiden". Emo kam fast zeitgleich auf (Emo).
    Cobain hat "gelitten" und ist ja auch deswegen dem Sensenmann freiwillig auf die Sense gehüpft.

    So verständlicher? Der Hype damals ist also der Schwanz vom Hype damals. Die Leute, die das Album heute feiern, waren damals Teenies und sind von dieser Musikrichtung geprägt worden. Die Damen und Herren sind heute um die 30 Jahre alt.

    Für mich gehört das zusammen.

    Ich zitiere mal einen Leserkommentar aus dem Artikel im Eingangspost:

    "Nirvana lieferten mit dem Album den Soundtrack für eine Generation, die mit sich selbst nichts anzufangen wusste, der es viel zu gut ging, als dass sie zu irgendwelchen Revolten imstande war; die aber zumindest, und dafür eignete sich Nevermind ideal, mit Aufbegehren und Verweigerung kokettieren wollte."
    Manche von denen sind heute noch so drauf: Sind vom Dorf nach Berlin gezogen, eine Band gegründet und glauben heute noch den Quatsch von vor 20 Jahren. Abends schalten sie die Lichter an ihrem Curt Kobain Schrein ein, blicken andächtig zu ihm auf und klampfen auf ihrer Gitarre.
    Der trifft es für mich perfekt und ich ergänze: Der Soundtrack für eine Generation konnte sich durch das damals relativ neue Internet so richtig verbreiten.

    Ist das jetzt so verständlicher?


    Zitat Zitat von Dr. Peter Venkman Beitrag anzeigen
    Ähm, 1991? Internet?
    Noch nicht für den Privatnutzer, aber schon via E-Mail Verkehr. Und dann ala "guck mal, hat mich ein Freund drauf gebracht. Mussu mal hören".

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