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80 Gründe gegen die 80er

Erstellt von Sven Hoëk, 17.04.2002, 20:14 Uhr · 16 Antworten · 1.937 Aufrufe

  1. #1
    Sven Hoëk
    Benutzerbild von Sven Hoëk
    zu lesen in Jugle World. Ich zitiere:
    "Achtzig Gründe gegen die Achtziger


    Ein erbaulicher Essay über die Wiederentdeckung eines verlorenen Jahrzehnts. von naatz (der)

    Es war 1980 und der Knabe, der ich war, sagte sich: »1980 - Die Zukunft.« Unrecht hatte ich nicht, doch das, was kommen sollte, war ein Jahrzehnt sowohl töricht wie Drosophila Melanogaster, die mir den Abidurchschnitt vermieste, als auch sinnlos und schön wie eine Lobotomie.

    Nachdem die Achtziger in den Neunzigern wie ein 100 Jahre alter Witz erschienen, erfand der Mensch in den Wirren der auch als Millennium bekannten neuartigen 1000jährigen Epoche das Revival. Man raucht wieder Reval und trägt ekelerregende Kleidungsstücke wie Lederkrawatten, die beim Bügeln verschmurgeln wie die Fliege, die ich in den Siebzigern meinem selbstgebauten Zimmervulkan als Opfer darbot. Ehedem stockhässliche Mädchen sehen nun aus wie die junge Minogue und hören ungestraft das musikalische ëuvre einer Nena, die bereits in ihren »besten« Jahren geistig abbaute und heutzutage Fremdwörter wie Chocma oder so ähnlich benutzt. Ich habe Nena immer gehasst. Seit sie der ewigen Bravo anvertraute, man heiße sie »Nena«, weil dit auf Spanisch »Mädchen« heißen tun würde, verstand ich, dass sie niemals wusste, wovon sie sprach, und so ist es heute noch.

    Doch nicht allein Nenchen raubt uns den Nerv, nein, sämtliche Schwachmaten des Achtziger-Jahre-Musikbusiness krabbeln aus ihren Höhlen und trällern synthetisch wie binäre Kampfstoffe einher. Spitze dieses Frevels ist der Popschwesterboy Marc Almond, der denkt, die Deppen von Rosenstolz fänden ihn voll gut. Tatsächlich findet Rosenstolz es voll gut, mit ihm Geld zu verdienen. Bekömmlich ist ihre Musik für Zenbuddhisten und Zahnärzte. Kompatibel eben für alle Schichten des Volkes. Das ist ein höchstgefährlicher Ansatz, denn immer, wenn alle was voll gut finden, steht die Demokratie auf der Kippe.

    Damals, zu zehrenden Zeiten schulischer Zerwürfnisse, war ich natürlich für den Nato-Doppelbeschluss. Alle meine Schulkameraden hielten das jedoch für ekelhaft und fanden das Gegenteil voll gut. Nachdem ich mein Hausaufgabenheft mit heiteren Zeichnungen der nukleares Höllenfeuer schürenden SS 20 vollkritzelte und es meinem Herrn Lehrer zur Lektüre überließ, fand der mich auch nicht mehr voll gut.

    Immerhin war der herrliche Kalte Krieg der Achtziger ein willkommener Anlass, mich über meine Ich-geh-zum-Kirchentag-und-hol-mir-ein-Palituch-und-ein Kind-weg-Kameradinnen zu belustigen. Dumm waren sie, kannten weder Bauxit, welches bei der Aluminiumverhüttung anfällt, noch Verhütung. Zum guten Glücke erlebte ich die Achtziger im goldenen Westen, studierte behutsam die Bild-Zeitung und wusste Bescheid. Da gerade unsere bucklige Verwandtschaft in der Zone dieses nützliche Blättchen nicht kannte, tut es kein Wunder, wie sich die Dinge in Bezug auf das heute so elende Achtziger-Revival auswirken sollten.

    Tatsächlich materialisierte es sich bereits Ende der achtziger Jahre, 1989, um genau zu sein. Unsere Zonenmenschen trugen die sozialistische Version der Achtziger mittels ihrer mineralelementgeschleuderten Stonewashed-Nietenhosen geradewegs hinüber in die verzweifelt geboren werden wollenden Neunziger. Dieser, auch als Zonewashed bekannte Ausbund einer nicht aufgeklärten Klientel schnürte uns nicht allein das Bäuchlein, sondern auch die Kehle zu.

    Derweil die Achtziger bereits mit dem Verbot von Formel 1-Turbomotoren inmitten ihrer selbst ein jähes Ende gefunden hatten, glaubten die Besiegten nun aufgrund ihrer abstoßenden Opferhaltung, ihre angebliche Freiheit mittels technischer Sensationen des Westens manifestieren zu müssen. Man kaufte massenhaft elektrische Musik, denn man wusste seit der Elektrifizierung der Sowjetunion, dass Elektrik den Sieg bringt. Unbemerkt von Milliarden Westdeutscher revivalte das eine Volk wie von Sinnen. Nachholbedarf war da, Republikflüchtlinge wollten immer jemanden nachholen.

    Mit dem Anbruch des neuen Jahrtausends jedoch bemerkten findige Trendforscher, dass Ostler und Wessis noch immer nicht zusammengefunden hatten. Außer jene, die auf den Schwachsinn vom Super-Ostzonenliebhaber reinfielen und sich einen Zonen5exsklaven halten. Um das Volk endlich zu einigen, besann man sich auf die angeborene Achtziger-Jahre-Fixierung der Ostdeutschen. Die war ein munterer Automatismus. Weiter als bis zu den Achtzigern hatte die Zone es ja nie gebracht. Da auch der Großteil der Westdeutschen dämlich genug ist, sich aus Nostalgie die neue Nena oder Eighties Compilations zu kaufen, fand man den gemeinsamen Nenner.

    Revivaln war wieder mal urst krass. Immerhin hatte man bewusst auf seltsame Auswüchse der Achtziger verzichtet. Auf schwulen Rockabilly etwa, den die Smiths in eben jenem Jahrzehnt erfanden, oder unsinkbare sowjetische U-Boote. Man muss sich nur einmal diese widernatürlichen Boulevard-Magazine im Fernsehen anschauen. Die dort zu Wort kommenden Abwinkelemente sind stets östlicher Provenienz, tragen hochtoupierte H-Frisuren und hören gern Genesis. Das ist nicht schön. Hätten wir es nur in den Neunzigern zuwege gebracht, ein für allemal die Nineties zu erfinden. Alles was von diesen Jahren von 1990 bis 1999 bleibt, ist Heinrich Breloers überschätzte Mann-Biografie. Blühende Mannschaften statt blühender Landschaften. Herrschaften!

    Nun ja, seit ich damals, 1980, die Zukunft schaute, hätte ich mir nicht träumen lassen, ein Vermögen an Solidaritätsvaluta ins Zonenländchen zu zahlen. Mit meinem Geld erstehen junge Nazis Brennstoffe, um Ausländer anzuzünden. Erbärmlich.

    Immerhin gab es auch positive Seiten der Achtziger. Ich begann, Tabakszigaretten zu verköstigen, hatte auch mal 5ex, fror jedoch erbärmlich, da ich gewahrte, nackt zu sein. Fand kein Eichenblatt, erstand die Heizdecke erst in den Neunzigern, doch auch sie nutzte mir nichts, da ich zu jung war, unten zu liegen, und das Mädchen darauf bestand, mir obläge die Bringeschuld.

    Ich kannte ein amerikanisches Mädel, das nur »Hmm, Koke Koule, das schmeckt wörklich gut!« sagen konnte, und las Tempo, die beste Zeitschrift der Welt, die in den Neunzigern wiederum unter dem Titel Spiegel Reporter revivalt wurde. Heute bleibt uns nurmehr eine Micky Maus-Version der wahren Achtziger. Vielleicht sind die Sixties demnächst einmal wieder dran. »Revivalt Disney!« werde ich dann ausrufen und hoffen, das Micky Maus-Heft werde wieder so sein wie früher und nicht so pseudomodern wie die Relaunch-Fassung, die ich mir heute zulegte. Auch so ein Achtziger-Revival - viel Make-up, wenig Inhalt.

    Viele trachten danach, die Achtziger zu verklären und verfassen Büchlein. Doch ich bin nur Generation Golf, weil ich einen fuhr. Herrn Geissens »80er-Show« ertrage ich nicht, da Nena dort zu Gast ist. Ich vermisse wenige Eigenheiten der Achtziger. »Falcon Crest« z.B., eine heitere Serie, bei welcher im Gegensatz zu »Dallas« oder »Denver« nicht einer bös' ist und die anderen lieb, sondern alle bös' sind und einer lieb. Wie bei Kim Il Sung. Stolz bin ich jedoch noch heute ob der Tatsache, das langsamste Mofa der Welt pilotiert zu haben. Nicht einmal die eingetragenen 25 Stundenkilometer erreichte es und überwand den Luftwiderstand beileibe nicht.

    So lässig die Entdeckung der Langsamkeit zelebrieren kann heutzutage wohl nur ein Alex Yoong. »Höhe: Bodenhöhe!« rief ich mir selbst zu, um mich zu vergewissern, ob diese, 1923 horrende, Geschwindigkeit mich vom Boden abheben ließe. Noch heute bin ich mit beiden Füßen auf dem Boden geblieben, obschon ich ein verdammt raffinierter Bursche bin, den viele beneiden.

    So langsam wie die Welt an mir vorbeizog, da ich mit Vollgas einherbrauste, wird das Achtziger-Revival vergehen. Doch was lange weilt, wird endlich obsolet. Vollendete Zukunft, das ist 1980.


    ------------------------------------------------------------------------
    Jungle World, Bergmannstraße 68, 10961 Berlin, Germany
    Fax ++ 49-30-61 8 20 55
    E-Mail: redaktion@jungle-world.com "
    Zitatende (steht alles hier: http://www.jungle-world.com/_2002/17/24a.htm )

    Sven Hoëk

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von DeeTee

    Registriert seit
    19.12.2001
    Beiträge
    1.928
    Mit Verlaub: Hirnwichserei!

    DeeTee

    (Sorry für die vulgäre Ausdrucksweise.)

  4. #3
    Benutzerbild von UnknownPleasure

    Registriert seit
    06.02.2002
    Beiträge
    374
    Ähm...ja. Und???

    Wenn ich den o.g. Artikel nicht vollständig nachvollziehen kann, bin ich entweder
    - zu blöd
    - zu alt
    - zu Wessi?

    Aber das mit den SS-20 war luschtig, doch.

  5. #4
    Sven Hoëk
    Benutzerbild von Sven Hoëk
    na ja, ist halt die Jungle World (immer links, selten ernst)

    Sven Hoëk

  6. #5
    Benutzerbild von Torsten

    Registriert seit
    05.10.2001
    Beiträge
    6.613
    In Ansätzen teilweise witzig, hat man jedoch eher den Eindruck, dass dort jemand krampfhaft sein mühsam erlerntes Vokabular präsentieren will. Abgesehen vom Inhalt, ist dieser Text ätzend pseudo-intellektuell verfasst und die Wortwahl zum größten Teil dem Thema schlicht und ergreifend nicht angemessen ...

  7. #6
    Benutzerbild von new-waver

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    455
    gähn...... was??? schon zuende?? hab grad so schön geschlafen!

  8. #7
    Sven Hoëk
    Benutzerbild von Sven Hoëk
    Oha, man gut, daß ich den nich geschrieben habe

    Sven Hoëk

  9. #8
    Benutzerbild von Gosef

    Registriert seit
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    1.484
    Torsten postete
    In Ansätzen teilweise witzig, hat man jedoch eher den Eindruck, dass dort jemand krampfhaft sein mühsam erlerntes Vokabular präsentieren will. Abgesehen vom Inhalt, ist dieser Text ätzend pseudo-intellektuell verfasst und die Wortwahl zum größten Teil dem Thema schlicht und ergreifend nicht angemessen ...
    Oh, das erinnert mich stark an nen Kollegen von mir, einer von der Sorte, die Du so hasst: Anzug- und Schlipsträger, hält sich für sehr professionell...usw. Die Typen sind hier oft genug beschrieben worden. Die Texte, die der Mann verfasst, schwanken zwischen ärgerlich, dumm und hochnotpeinlich...
    Einmal hat er auch von der Geschäftsleitung eins auf den Deckel bekommen und hat einen Text nachträglich als "Nur für den internen Gebrauch" definieren müssen...hihi.
    Gruß
    Gosef

  10. #9
    Benutzerbild von Kazalla

    Registriert seit
    05.10.2001
    Beiträge
    2.129
    Alao in meinen Augen schreit das da oben förmlich nach Satire.Man sollte den Knaben zur 80er Schow auf RTL einladen,wird vielleicht Herrn Geissen mal richtig die Fremdwörter um die Ohren hauen dass der heulend aus´m Studio rennt!!!
    Scheint der neue Star am Comedy Himmel zu werden.;-)

  11. #10
    Benutzerbild von
    Hi,

    tja, ich wollte mich noch nicht dazu äußern. Was soll ich auch zu nem' Knilch schreiben, der die 80s mit Taufliegen und Stirnlappenentfernungen gleichsetzt.
    Was soll ich von nem' Knilch halten, der für sein persönliches Verhalten und Versagen auch in fortgeschrittenem Alter noch keine Verantwortung zu übernehmen bereit ist ("...die mir den Abidurchschnitt vermieste..."?).
    Was soll ich denn Ernst von dem nehmen, was so ein Knilch schreibt?

    Immerhin verstand er, der der endlichen Jungle World anvertraute, man heiße ihn »naatz (der)«, dass Nena niemals wusste, wovon sie sprach.
    Diese Gabe ist ihm also gegeben, leider fehlt ihm wohl die Einsicht, dass er seinem Hassobjekt nacheifert. Und wie soll man es nennen, wenn "naatz" (ich würde hier auch eigentlich angesichts des Dargebotenen eher auf "das naatz" als auf "der naatz" plädieren) eine zwar umstrittene, aber doch verdiente Künstlerin ob ihres Fremdwort-Gebrauches kritisiert, wenn er dann selbst ein solches "ëauvre" aufbietet? Ist es Inkonsequenz, mangelnde Selbstreflektion oder einfach nur Dummheit?

    Da wundert es auch nicht, dass der Tabakkonsum, der ja bekanntlich nicht selten im Krebstod endet, zum wenigen Positiven hochstilisiert wird. Das der "auch als Zonewashed bekannte Ausbund einer nicht aufgeklärten Klientel" im Gegenteil gänzlich unbekannt ist, erst recht nicht. Was soll man dem naatz also noch glauben. Er begeht offensichtlich Geschichtsfälschung oder aber er spricht bei der angeblichen Schönheit der Lobotomie tatsächlich aus Erfahrung. Doch es gibt Hoffnung für der/die/das/den/dem "naatz", immerhin erlangt auch er die Selbsterkenntnis, die der (tatsächlich) bekannte erste Weg zur Besserung ist: "Viele trachten danach, die Achtziger zu verklären".
    Nun denn, hauptsache der Depp denkt nicht, wie angeblich Marc Almond, wir fänden ihn voll gut ;-)

    Q*Bert

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