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80er ungleich 80er

Erstellt von Lutz, 24.11.2002, 18:17 Uhr · 36 Antworten · 3.665 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von Lutz

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    Hi Folks!

    Ich habe mir eben die aktuelle Folge von Extratour (November 1988) reingezogen und mir fiel richtig auf das die Klamotten und auch die Musik mir tendenziell immer weniger gefallen, je "juenger" die Extratour-Folgen werden:

    Heinz-Rudolf Kunze - Wehr dich

    (so la la...)

    Les Rita Mitsouko & The Sparks - Singing in the Shower

    (der einzige Lichtblick - noch schoen 80's maessig, IMO)

    Yazz - Stand up (for your Love Rights)

    (IMO sogar schon 90er Feeling)

    Tiffany - Radio Romance

    (s.u.)

    Frank Ryan - You You

    (blub)

    Vielleicht meinen ja einige, wenn sie von den grausamen Entgleisungen der 80er sprechen, eher so Ende der 80er. Und da kann ich nur zustimmen. Als Beispiel sei nur mal der Auftritt von Tiffany "Radio Romance" genannt:
    Optisch fuer mein Geschmack (z.B. diese Jeans, diese Haare) eine mittlere Katastrophe und auch musikalisch ueberhaupt nicht mein Fall. Ich kann gar nicht so genau meinen Finger drauf legen - aber irgendwie ist das Feeling ganz anders als zu Beginn der 80er (z.B. 1983) was fuer *mich* so der Inbegriff diese Jahrzehnts ist...

    Modemaessig als auch musikalisch waren z.B. Heaven 17 (Let me go) , OMD (Maid Of Orleans) oder Ultravox (Vienna) einfach sahne - gefaellt mir auch heute noch in jeder Beziehung wenn ichs mir auf Video anschaue....
    Aber alles (Styling sowie Musik) ist eben klar von den *fruehen* 80ern gepraegt.

    Ich denke es koennte auch einfach eine Altersfrage sein (ich war nur in der ersten Haelfte der 80er noch Teenie ) Die heute so 26jahrigen haben vielleicht ein voellig anderes Bild der 80er... Vielleicht sind das auch diejenigen die den Anfang der 80er (und das Feeling) naturgemaess noch gar nicht mitbekommen haben?

    Was meint ihr? Seht ihr auch diesen Gegensatz? Vielleicht kann man diesen Unterschied auch nur sehen, wenn man altersmaessig eben das komplette Jahrzehnt bewusst aufsaugen konnte?

    Lutz

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von Babooshka

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    Sehe ich genauso. Ich war wie du auch bloß in den ersten paar Jahren der 80-er Teenager und wie ich an anderer Stelle schon mal schrieb, bei mir waren die 80-er mit all ihrem typischen Feeling 1987 vorbei. Abgesehen von meinem persönlichen Lebenseinschnitt (Umzug von Berlin nach München) war dies aber auch die Zeit, wo sich ganz allgemein etwas änderte. Erinnerst du dich noch an die ständige Angst, die uns im Nacken saß, dass jeden Moment die Atombombe fallen könnte? Diese Angst war Teil des Feelings der Anfangs-80-er und sie wurde allmälich weniger, je weiter das Jahrzehnt fortschritt, um schließlich ganz wegzufallen, und zwar tatsächlich im letzten Jahr der 80-er mit der Maueröffnung.

    Wie Dieter Rehnen so schön in seinem Buch schrieb: Bis ca. 1988 waren die 80-er von einer gewissen Schwermut aufgrund der Atomkrieg-Angst geprägt, was sich ja auch in Mode (schwarz, schwarz und schwarz), Musik (The Cure, Anne Clark und Co.) und Tanz ("Kartoffelsammlertanz" mit sparsamen Bewegungen) äußerte. Danach jedoch kamen unsere jüngeren Geschwister, die Anfang des Jahrzehnts Kinder waren, ins Teenageralter und alles änderte sich. Acid-House, eine ganz andere Musikform, kam auf, die Kids zogen sich nicht mehr schwarz an, sondern trugen plötzlich Smileys auf dem T-Shirt und folgten beim Tanzen dem Aufruf "throw your hands up in the air and party like you just don't care". Die politische Lage hatte sich etwas entspannt, die Begriffe SS20 und Pershing II fielen nicht mehr in jeden Nachrichten und so verloren unsere jüngere Geschwister die Angst vor Krieg.

    Persönlich gesehen muss ich sagen, ich hatte auch eine gewisse Angst vor dem Krieg. Aber ich war trotzdem weitestgehend gut drauf als Teenager, tanzte wild zu den ganzen anderen Hits der Zeit, weil mir der Kartoffelsammlertanz zu fad und die Musik allgemein zu schwermütig war (ich mochte dennoch einige Stücke).

    Wenn ich mit anderen Leuten "meiner Generation" über die 80-er rede oder mich in anderen Foren unterhalte, stelle ich fest, dass die Leute, die heute Mitte-Ende 30 sind, ganz genau so denken wie wir: Es gab zweierlei 80-er, nämlich die Anfangs- und die Endjahre. Wobei die Anfangsjahre teilweise noch sehr von den 70-ern beeinflusst waren.

  4. #3
    Benutzerbild von DeeTee

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    Hallo!
    Bezogen auf die Musik der 80er hatten wir das Thema auch schon hier.

    Na denn so: http://www.die-80er-jahre.de/forum/s...ime=1038165648
    Grüße!
    DeeTee

  5. #4
    Benutzerbild von DeeTee

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    Ach ja, im übrigen stimme ich Euch zu. Dies war 'mal besonders bemerkenswert, als ich mein erstes Auto hatte. Das war 1988. Ich habe damals auch ab und zu jüngere Mitschüler auf dem Weg zur Schule mit genommen. Ich war 19, mein Beifahrer etwa 15 Jahre alt. Im Radio lief eine Cassette mit Fischer Z "Cruise Missiles". Nach einigen hundert Metern wurde ich gefragt, was denn das für öde Musik sei und ob icht mal was Anständiges einschmeissen könne. Weder die Gruppe noch der Titel waren dem ein Begriff

    Die 80er haben imho spätestens im Winter 1986/87 geendet.

    DeeTee

  6. #5
    Benutzerbild von Lutz

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    @Babooshka

    Ich finde es total interessant das man das "gefuehlte" Ende der 80er offenbar, voellig unabhaengig voneinander, fast aufs Jahr genau uebereinstimmend festlegen kann. Dabei war ich fast noch ein "Spaetentwickler". Ich habe die duestere Phase erst so ab 85-86 "bekommen". Bei uns in Hamburg nannte sich das uebrigens "Pilzesuchen" Davor dominierte bei mir eher so eine romantische, wenn auch bei Zeiten etwas melancholische, Lebensfreude die musikalisch in Bands wie Icehouse oder Men At Work ihren Ausdruck fand. Aber das Damoklesschwert des Atomkriegs habe ich auch immer gespuert. Es fand ja auch musikalisch z.B. bei Ultravox (Dancing With Tears In My Eyes) oder auch Men At Work (It's A Mistake) satt. Dieses Gefuehl kann glaube ich nur jemand wirklich verstehen der das damals selbst erlebt hat - es ist kaum in Worten auszudruecken. Und was man so im nachhinein erfahren hat, war die atomare Bedrohung ja kein Hirngespinst und auch Tschernobyl hat mich nicht wirklich ueberrascht. Mir war schon 1980 klar, welche enormen Risiken mit der Kernenergie verbunden sind, immer im Kopf: "Du wirst Deinen Kindern *nicht* sagen muessen: Ich habe nichts gewusst und getan"

    BTW:

    Mich, selbst ein hartgesottener Computer-Daddler, erschreckt uebrigens teilweise mit welcher verspieltheit die Giga-Generation mit den heute schon photorealistischen 2. Weltkriegs und Tschernobyl-Daddel-Szenarien umgeht. Ich halte sowas fuer *wesentlich* problematischer als das angeblich ach so schlimme indizierte Game "Carmageddon 2", aber das nur mal am Rande...

    Wenn ich mit anderen Leuten "meiner Generation" über die 80-er rede oder mich in anderen Foren unterhalte, stelle ich fest, dass die Leute, die heute Mitte-Ende 30 sind, ganz genau so denken wie wir: Es gab zweierlei 80-er, nämlich die Anfangs- und die Endjahre. Wobei die Anfangsjahre teilweise noch sehr von den 70-ern beeinflusst waren
    Ja, genauso habe ichs auch erlebt. Ich bin in einer Hinsicht noch ein Kind der 70er - Genesis mit Peter Gabriel uebt auf mich immer noch eine starke Faszination aus, obwohl ichs eigentlich gar nicht mehr hoere (Supper's Ready, Lamb Lies Down On Broadway).
    Diesen Stil konnte ich fuer mich in den 80ern uebrigens bei Marillion wiederfinden, auch wenn die Parallelen natuerlich eher in der Form zu finden sind.

    Schoene Story, DeeTee:

    Ich war 19, mein Beifahrer etwa 15 Jahre alt. Im Radio lief eine Cassette mit Fischer Z "Cruise Missiles". Nach einigen hundert Metern wurde ich gefragt, was denn das für öde Musik sei und ob icht mal was Anständiges einschmeissen könne. Weder die Gruppe noch der Titel waren dem ein Begriff
    Waere ne tolle Szene fuer einen Film, die eigentlich *alles* sagt. Dabei wart ihr nur vier Jahre auseinander... Aber in dem Alter sind das oft Welten...

    Ich hatte mal ein Schluesselerlebnis mit nem gleichaltrigen Freund - ist noch gar nicht so lange her. Wir unterhielten uns ueber Werbung, Konsumterror und Pipapo, bezogen dabei auch den John Carpenter Streifen "Sie Leben" (Stichwort: KONSUMIERE) ein. Seine Freundin, (so 22) meinte nur ruhig und ernst: Wieso? Werbung ist doch gut!

    Lutz

  7. #6
    Benutzerbild von Lutz

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    Nachtrag:

    Die Moderatoren von Extratour wirken ja etwas steif - ich glaube das wirkte auch schon damals so.... Die Sendung an sich mochte ich aber immer sehr gerne... Was voellig rausstach war Hape. Seine Chaos-Reportage, in der angesprochenen Sendung, von so nem Presseball (o.ae.) wirkt auch heute noch taufrisch und saukomisch! Kerkeling ist einfach klasse!

    Mal schaun wie die Sendung nachher (heute nacht) ist. Ist Hape oefters dabei?

    Lutz

  8. #7
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    Hallo,

    Eure Diskussion hier bezieht sich ja im Kern auf die Frage, wo man für die 80er eine Zäsur hinsichtlich Gesellschaft & Zeitgeist ansetzen könnte. Hierzu mal die Wahrnehmung von jemand, der 1985 11 Jahre und 1989 15 Jahre jung war:

    Das Öko-, Atom- und Friedensgejammer, um es mal respektlos so zu nennen *g*, hab ich schon nicht mehr mitbekommen. Für mich war damals (1983; ich war 9) "99 Luftballons" einfach nur ein peppiges Lied und "War Games", als er dann auf Video kam, einfach nur ein spannender Film. Und auch bei vielen anderen Dingen (etwa dem Kinderhörspiel "Konferenz der Tiere" oder der "3???"-Folge "Riff der Haie") ist mir der (von den "Neuen Sozialen Bewegungen" herrührende) friedensbewegte bzw. öko-Aspekt erst später im Rückblick so richtig bewußt geworden.

    Und auch danach, so um 1986, hat mich dieser pessimistische 80er-Zeitgeist nicht so recht erwischt. Tschernobyl? Jaja, soll schlimm irgendwie sein. Aber das Essen schmeckte nicht anders als vorher, man bekam auch keine Pestbeulen oder so und nach ein paar Wochen war das Thema doch wieder vergessen. Und die alternativ angehauchte Haus-der-Jugend-Sozialpädagogin war mir schon deshalb suspekt, weil sie sich nicht die Achseln rasierte...

    Und Ende 80er war, wie ihr ja auch sagt, der ganze pessimistische Zeitgeist sowieso mega-out.

  9. #8
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    Wo also die Zäsur aus meiner Perspektive?

    Auch als ich Ende der 80er ein Interesse an der Popkultur der frühen 80er entwickelte steiß ich v. a. auf den Bereich Duran Duran, Spandau Ballett u. a., also eher auf den Popperkram. Mein Bild von der Jugendkultur der frühen 80er war also so ähnlich wie das - im Unterschied dazu aus eigener Anschauung gewonnene - Bild von den Mitt-80ern: Poppig, naiv, unbeschwert und um Pubertätsthemen kreisend.

    Und als ich dann zusammen mit ein paar Schulfreunden während der Oberstufe (also frühe 90er) meinen intellektuell-sozialkritischen Turn hatte, galten mir die 80er Jahre - und zwar komplett!, spätestens aber ab 1982 - als DAS unkritisch-naive Jahrzehnt überhaupt und die 70er als das positive Gegenstück, auf welches man sich jetzt zu besinnen hatte. Unser 68er-Historienspiel, welches wir nun mit Rock-LPs aus den Plattenkisten der Eltern und mit länger werdenden Haaren veranstalteten, wurde stimmungsmäßig noch ergänzt durch die Grunge- und GenerationX-Welle. Und mit Johnny Depp und Winona Ryder war ja auch der melanchonische Typ wieder schwer angesagt.

    So sahen dann für mich die Zäsuren betreff kritisch-pessimistischen Zeitgeist so aus: 1968 - 1982 - 1992.

  10. #9
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    Anmerkung 1: In den frühen und Mitt-90ern hatte ich daher immer ein leicht schlechtes Gewissen, wenn ich 80erPop hörte. *g*

    2: HEUTE im Rückblick und im Blick auf die Gesellschaft (und nicht nur mein Umfeld) wird klar, daß die "92er-Zäsur" eine Zäsur allenfalls in der C&A-Werbung war und in der Preisentwicklung von Flanellhemden waren (der Kurt-Kobain-Effekt!).

    3: Wo man die Zäsur für die 80er ansetzt, ist weniger eine Frage von 1982 oder 1988, sondern eine Geburtsjahrgangs.

    Soweit mein Senf dazu.

  11. #10
    Benutzerbild von Lutz

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    @Luftgitarre

    Also 99 Luftballons habe ich damals auch apolitisch gesehen.

    Stichwort „Gejammer“

    Hey - die Bedrohung war real – das war kein Zufall das viele Songtexte sich damit beschäftigten.....
    Klar wurde Betroffenheit später auch (und gerade in den 90ern) „Popstarmäßig“ designt, aber Anfang der 80er hatte viele völlig zurecht einfach Angst. Auch Tschernobyl kam wie gesagt doch nicht wirklich überraschend...
    Hattest Du das damals wirklich schon wieder nach ein paar Wochen vergessen?

    Und Ende 80er war, wie ihr ja auch sagt, der ganze pessimistische Zeitgeist sowieso mega-out
    Dieser Satz kann *so* nur aus Deiner Altersgruppe kommen.

    Das hatte nun gar nichts mit IN oder OUT zu tun und auch wenig mit „ZEITGEIST“ zumindest so wie dieser Begriff heute oft künstlich herbeigeredet wird. Die politische Lage entspannte sich eben. Das war also keine Modefrage sondern ein Spiegelbild der Weltlage.

    Und als ich dann zusammen mit ein paar Schulfreunden während der Oberstufe (also frühe 90er) meinen intellektuell-sozialkritischen Turn hatte, galten mir die 80er Jahre - und zwar komplett!, spätestens aber ab 1982 - als DAS unkritisch-naive Jahrzehnt überhaupt
    Echt? Das ist ja abgefahren. Dann hättest Du mal in meiner Tutantengruppe (Oberstufe) oder Clique sein sollen. Ich habe es genau gegensätzlich gelebt und erlebt. Kann auch daran liegen das ich öfters mal auf Demos war
    Deine Bewertung würde für mein Empfinden aber sehr treffend auf die 90er passen.

    3: Wo man die Zäsur für die 80er ansetzt, ist weniger eine Frage von 1982 oder 1988, sondern eine Geburtsjahrgangs
    Das sehe ich auch so – aber es gibt sicher noch anderes Aspekte.


    Lutz

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