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80er ungleich 80er

Erstellt von Lutz, 24.11.2002, 18:17 Uhr · 36 Antworten · 3.658 Aufrufe

  1. #21
    Benutzerbild von
    @ Babooshka

    Ich verstehe schon was Du meinst / Ihr meint. Aber wo steht geschrieben, dass ein Jahrzehnt geradlinig zu verlaufen hat? Und wer hat das Recht festzulegen welcher Teil des Jahrzehnts nun gerade typisch war und welcher eigentlich schon gar nicht mehr dazu gehörte? Es gibt auch nicht wenige Einflüsse bis 1981/1982 die man noch ganz locker als Ausläufer der 70er sehen könnte. Und zwischen 83 und 87 fanden dann also die wahren 80er statt? Is ja sehr kurzatmig gewesen dieses "Jahrzehnt"... Rückblickend müsste man dann vielleicht auch sagen, dass das erste Jahrzehnt unseres frischen Jahrtausend schon am 11.9.2001 endete und der Rest im Prinzip schon 2010 war.... Natürlich würde man das nicht, rückblickend wäre man dann so großzügig zu sagen, dass alles vor dem 11.9.2001 eigentlich noch zum 20. Jahrhundert gehört und das neue Jahrtausend so richtig erst am 11.9.2001 begann, denn von da an galt die 911-Zeitrechnung und die (wird) sollte den Rest dieses Jahrzehnts prägen. Das ist selbstverständlich, schließlich hatte das neue Jahrzehnt gerade erst angefangen, da kann man noch keinen Cut zum nächsten machen. Aber wer sagt, dass man das bei 1986, 87 oder 88 kann? Nur weil sich da etwas veränderte? Aber ok, gar kein Problem. Dann sind die 68er aber auch eigentlich 70er...

    Wenn darüber hinaus jetzt noch eine Diskussion losgeht wer seine 80er mehr liebt und ob man dafür ein bestimmtes Geburtsdatum nicht überschritten haben darf, kauf ich mir ne' Zeitmaschine! :-9

    QBert

  2.  
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  3. #22
    Benutzerbild von Babooshka

    Registriert seit
    15.11.2002
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    Moin QBert, auch schlaflos, was?

    Ich verstehe schon was Du meinst / Ihr meint. Aber wo steht geschrieben, dass ein Jahrzehnt geradlinig zu verlaufen hat?
    Wäre ja langweilig, wenn's so wäre!

    Und wer hat das Recht festzulegen welcher Teil des Jahrzehnts nun gerade typisch war und welcher eigentlich schon gar nicht mehr dazu gehörte?
    Das legt jeder für sich selber fest, würde ich sagen, ohne dass es allgemeingültig ist. Es ist nur recht auffällig, dass viele von uns hier das Jahrzehnt auf die selbe Art und Weise einteilen, rein vom Lebensgefühl her.

    Es gibt auch nicht wenige Einflüsse bis 1981/1982 die man noch ganz locker als Ausläufer der 70er sehen könnte.
    Absolut und auf jeden Fall! Vieles, dass in die 80-er gepackt wird, ist weit in den 70-ern entstanden. Laut 80-er Show sollen tatsächlich die Waltons und Biene Maja typisch 80-er sein - mir hat's die Fußnägel aufgerollt. Nun ja, vieles, was ich aus meiner Kindheit in den 70-ern kenne, ist in Wirklichkeit auch schon aus den 60-ern, da werde ich mal nicht meckern...

    Und zwischen 83 und 87 fanden dann also die wahren 80er statt? Is ja sehr kurzatmig gewesen dieses "Jahrzehnt"...
    So fühlte es sich zumindest an, ja. Für mich und eben auch für viele andere meines Jahrgangs. Das ist ja gerade das Witzige, dass wir da jahresmäßig fast gleich empfinden.

    rückblickend wäre man dann so großzügig zu sagen, dass alles vor dem 11.9.2001 eigentlich noch zum 20. Jahrhundert gehört und das neue Jahrtausend so richtig erst am 11.9.2001 begann, denn von da an galt die 911-Zeitrechnung und die (wird) sollte den Rest dieses Jahrzehnts prägen.
    Das kann schon sein. Warten wir's ab! Aber ebenfalls wie viele andere hier, habe ich die 90-er irgendwie weniger intensiv gelebt und auch nicht so gemocht.

    Das ist selbstverständlich, schließlich hatte das neue Jahrzehnt gerade erst angefangen, da kann man noch keinen Cut zum nächsten machen. Aber wer sagt, dass man das bei 1986, 87 oder 88 kann? Nur weil sich da etwas veränderte? Aber ok, gar kein Problem. Dann sind die 68er aber auch eigentlich 70er...
    Siehe oben. Es ist so ein Feeling und es ist bemerkenswert, dass es mehrere haben. Also muss doch da was dran sein!

    Wenn darüber hinaus jetzt noch eine Diskussion losgeht wer seine 80er mehr liebt und ob man dafür ein bestimmtes Geburtsdatum nicht überschritten haben darf, kauf ich mir ne' Zeitmaschine! :-9
    Au ja bitte, und lass mich dann mitreisen!
    Aber mal ehrlich, mir fällt das wirklich öfter auf, dass Leute, die in den 80-ern schon Twens wurden, schwärmerischer über ihre Jugend in der Zeit reden. Andersrum, ich war in den 70-ern Kind und unterhalte mich in einem anderen Forum viel mit 70-er Kids. Dort sind auch so einige, die dieses Jahrzehnt wieder ganz anders erlebt haben, eben weil sie so 6 bis 10 Jahre älter sind als ich. Natürlich ist das Lebensgefühl jeweils anders, wenn man in einem Jahrzehnt Kind ist oder Teenager oder junger Erwachsener und so sind auch die Erinnerungen unterschiedlich. Mit Auf-den-Kopf-Spucken nach dem Motto "pfff, was weißt du Hosenscheißer denn schon davon" hat das meiner Meinung nach nichts zu tun. Im Gegenteil, auf diese Weise kann man seine unetrschiedlichen Erinnerungen zusammentragen!

  4. #23
    Benutzerbild von Lutz

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    QBert postete
    Was seid ihr denn eigentlich immer für Spalter? Dieses Thema ist nicht totzukriegen. Aber unnötig wie ein Kropf! Reichts nicht, dass wir alle die 80er mögen?
    Qbert, wo andere nur absurde Vergleiche anstellen hast Du mit Deinem geradezu kultigen Posting dem Thread einen Sinn gegeben! Denn nur Du kannst erkennen, und ich glaube ich kann hier für alle sprechen, was für uns relevant und interessant ist! Ich glaube an dieser Stelle ist ein riesen Dankeschön fällig Qbert! Warum können nicht alle so konstruktiv und inspirierend posten? Man merkt richtig mit welcher Freude Du in dieses Thema einsteigst. Ich wollte diesen Thread sogar schon vom Moderator komplett löschen lassen bis Dein Posting kam!

    Lutz

  5. #24
    Benutzerbild von
    @ Lutz

    Gutes Beispiel für den Sarkasmus einer beleidigten Leberwurst.

    Babooshka ließ sich jedenfalls auf meine Meinung ein und ich glaube es war weder zu seinem, noch zu meinem Schaden. So kanns auch gehen! Und ich bleibe dabei: Diese ständige Abgrenzung ab und bis wann irgendwas oder irgendwer in den 80ern besser war als alles andere gefällt mir nicht und das würde ich auch immer wieder sagen/schreiben. Freude zu bereiten ist dabei nicht meine vordringlichste Aufgabe. Wenn das nicht erwünscht war, hättest Du eben nicht in die Runde fragen sollen, was man dazu meint und ob man einen Gegensatz sieht. Wenn das ein rhetorische Frage war und nur "Ja" als Antwort erlaubt war, bin ich sicherlich fehl am Platz. Ich habe meine Meinung jedenfalls in zwei weiteren Absätzen und einem weiteren Posting begründet und ich glaube wenn man denn will, kann man sie immerhin nachvollziehen. D. h. ja nicht, dass man sie teilen muss. So wie ich Deine nicht teile...

    QBert

  6. #25
    Benutzerbild von Babooshka

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    Locker bleiben, Jungs. Fakt ist, dass für viele von uns 1. die typischen 80-er erst so um 1982 richtig begonnen (da zu Anfang noch sehr stark 70-er beeinflusst) und 2. Ende 1986-Anfang 1987 wieder zu Ende waren. Mit Betonung auf "typisch". Ob jene Zeit nun besser war als der Rest, das ist eine andere Sache. In der Tat habe ich die Jahre 1987-1989 in den hintersten Windungen meines Hirnkastls verschwinden lassen, aber aus rein persönlichen Gründen. Was damals so in meinem Leben los war, hätte auch in den 90-ern passieren können. Hätte ich, sagen wir mal, ein normales Leben geführt in der Zeit, hätte ich sicher auch positive Erinnerungen. Nur eben den Gedanken: irgendwas war im letzten Drittel anders als vorher.

    Also, Love& Peace, please!

  7. #26
    Benutzerbild von Torsten

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    Mag sein, dass die mittleren Jahre des 80er-Jahrzehnts für viele stellvertretend für diese Dekade sind. Fakt ist aber auch, dass es die hier genannten Unterschiede in fast allen Jahrzehnten gab und es daher der ganz normale Lauf der Dinge ist. Beispiel 70er-Jahre: Die erste Hälfte war noch von der Hippie-Ära geprägt; als der Vietnam-Krieg beendet war, widmete sich die Jugend dann wieder den angenehmeren Dingen des Lebens. Nicht ohne Grund entstand die Disco-Welle ab ca. 1975; und da es in dieser Zeit weltpolitisch nicht wirklich viel Empörendes gab, ward ab 1977 dann der Punk geboren, der in seiner dümmlich-provokanten Attitüde gegen alle möglichen innergesellschaftlichen Zustände aufmucken wollte.

    Ab Anfang der 80er verschmolz dies dann mit der weit verbreiteten Stimmung gegen die atomare Aufrüstung. Weltuntergangs-Szenarien wurden in den schillerndsten Farben ausgemalt, und so entstanden dann eben auch eher düster-romantische Musikstile wie New Wave oder New Romantic.

    Und als viele dann in der zweiten Hälfte der 80er merkten, dass die angeblich so akute Bedrohung vor allem eine große Massen-Hysterie war und die politische Lage sich entspannte, schlug das Lebensgefühl auch nun wieder mehr in Richtung Spaßgesellschaft aus. Es gab mehr so genannten Kaugummi-Pop à la S/A/W, und das war für die sozialkritisch konditionierten Musikhörer der ersten 80er-Hälfte dann das deutliche Zeichen dafür, dass es abwärts geht.

    Ich habe diese ganze Aufregung um die atomare Bedrohung schon damals nicht nachvollziehen können. Für mich war klar, dass so schnell keiner der beiden Supermächte auf die Idee kommen würde, mal flux auf den Knopf zu drücken - so mir nichts, dir nichts gibt sich von einigermaßen klar denkenden Politikern keiner mal eben so dem kollektiven Selbstmord hin. Zumal beide Seiten aus der wirklich bedrohlichen Lage in der Kuba-Krise gelernt hatten und kaum daran interessiert gewesen sein dürften, sich abermals in ein solches Szenario zu begeben.

    Von daher war der damals viel kritisierte NATO-Doppelbeschluss von 1979 de facto ein Garant für Stabilität, so pervers das vielleicht auch in den Ohren eingefleischter Pazifisten klingen mag. Nicht umsonst gilt Helmut Schmidt, der diesen Beschluss forcierte, unter Polit-Kennern als der mit Abstand intelligenteste und weitsichtigste Kanzler, den diese Republik bis heute hatte.

    Ich habe mich in meinem Verwandtenkreis mal bei Leuten umgehört, die aufgrund ihres höheren Alters die erste Hälfte der 80er deutlich bewusster miterlebt haben. Fast einhelliger Tenor ist, dass die in diesem Thread beschriebene atomare Bedrohungslage längst nicht als so schlimm empfunden wurde, wie es hier teilweise geäußert wird. Und Tschernobyl? Klar, in den ersten Tagen machten viele auf betroffen und wollten es schon immer gewusst haben: Die Welt geht unter! Komisch nur, dass die meisten (und auch ich damals) schon nach kurzer Zeit wieder zur Tagesordnung übergingen und den angeblichen Super-GAU als das einstuften, was er tatsächlich war: Ein in diesem Ausmaß singuläres Ereignis, bei dem ein völlig marodes Kernkraftwerk in die Luft flog.

    Und das sollte nun stellvertretend für die Zukunft sein? Eine Welt, in der man ständig mit der Angst im Nacken herumläuft, als nächster verstrahlt zu werden? Nee, das war für mich nie ein Thema. Nur, weil in der Vergangenheit schon etliche klapprige und verrostete Autos folgenschwere Unfälle produziert haben, kommt ja auch kein Mensch auf den Gedanken, nie wieder in ein Auto zu steigen...

    Tschernobyl war wahrscheinlich sogar notwenig, um die Atomenergie in der Folgezeit deutlich sicherer zu machen - der Mensch lernt ja meistens nur aus Fehlern. Und solange es keine ernsthafte Alternative zu dieser Art der Energiegewinnung gibt, halte ich sie leider für ein notwendiges Übel. Langfristig bin ich auch für die Abschaffung, aber man muss realistisch bleiben und einsehen, dass es wohl noch ein paar Jahre dauern wird.

    Übrigens: Der Song "Tschernobyl" von Wolf Maahn ist für mich eines der übelsten Produkte von Betroffenheits-Geseire, die die 80er hervorgebracht haben. Um's mal mit den Worten von Roger Willemsen zu sagen: Da kommt mir der Kotz hoch! Wahrscheinlich bildet sich der Kerl heute noch ein, mit diesem zeigefingernden Bullshit irgendwas erreicht zu haben - dabei gibt's nix Schlimmeres als Musiker, die tatsächlich glauben, mit solchen Botschaften die Welt zu verändern!

    Dann lieber das sinnfreie Mitsäuseln von Tiffany-Songs...

    Nee, liebe Leute, eines dürfte klar sein: Die heutige Weltlage stellt eine wesentlich größere Bedrohung dar, als es die 80er jemals sein konnten. Damals gab es eine klare Ost-West-Konfrontation und eine Art symmetrischer Feindschaft: zwei Weltmächte im machtpolitischen Schwanzvergleich. Die Situation war einfach und klar, der Feind war jederzeit lokalisierbar.

    Seit einiger Zeit aber hat der internationale Terror die Schreckensherrschaft an sich gerissen: Man kan nunmehr an keinem Ort und zu keiner Zeit mehr sicher sein, nicht selbst Opfer irgendwelcher fundamentalistischer Irrer zu werden. Es gibt eben nix Gefährlicheres als Menschen, denen der eigene Tod schnurzegal ist - gegen Selbstmordattacken ist kein Kraut gewachsen. Der Feind ist nicht greifbar, nicht mal zu erahnen - mein Nachbar über mir könnte theoretisch schon an der nächsten Bombe brüten. Ich selbst mache mir auch darüber keine großen Gedanken, denn sonst würde man ja wahnsinnig werden. Aber im Vergleich zu heute war die Situation in den 80ern ein harmloses Kinderspiel!

    Themenwechsel!

    Was die "modischen Entgleisungen" angeht: Wenn ich mir Fotos und TV-Bilder aus der ersten 80er-Hälfte anschaue, so stehen die damaligen Schrecklichkeiten denen der späteren Jahre in keinster Weise nach. Vorher war's eher düster, später blendend bunt - beides kam in derart extremer Ausprägung daher, dass sich nun weiß Gott keine Phase über die andere lustig machen braucht. Das wäre ja ungefähr so, als würde Saddam Hussein von Adolf Hitler sagen, dass dieser ein schlechter Mensch gewesen sei...

    Stichwort Musik: Diejenigen, die das Ende der 80er so um 1987 festlegen, stoßen sich ja bekanntlich vor allem an der damals aufkommenden Techno-Welle, die in Projekten wie Bomb The Bass, M/A/R/R/S oder Coldcut ihren chartstauglichen Anfang nahm. Wenn einem diese Art der Musik nicht gefällt, ist ja nichts dagegen zu sagen - aber die 80er sind nun mal auch das Jahrzehnt, in dem die elektronisch erzeugte Musik ihren Siegeszug um die Welt antrat. Und dazu zählen eben auch Bands wie Heaven 17, OMD oder Ultravox, sodass auch diese Protagonisten - und wenn nur ungewollt - dazu beigetragen haben, dass sich daraus später verschiedenste Mutationen bildeten.

    Überhaupt: In den USA z. B. dürfte die Entwicklung der 80er deutlich anders gesehen werden. Denn dort entstand seit 1983 das, was wenig später als House (hauptsächlich Chicago House und Detroit Techno-House) das große Ding in den Clubs wurde. Ab 1987 schwappten die Einflüsse dieser tanzorientierten Musik dann auch in die europäischen Hitparaden und bildeten den großen Gegensatz zur üblichen Pop-Mucke. Im Grunde genommen wurde hier schon die Einstellung deutlich, die Westbam später mit seinem Track "No More Fucking Rock'n'Roll" zum Ausdruck brachte: Ablösung der Rock- und Popkultur als führende Stilrichtung und Hinwendung zu durchweg technoiden Sounds. Tja, und wenn man sich die kommerzielle Musiklandschaft der letzten Jahre so anschaut, dürfte dieses Vorhaben wohl (leider?) gelungen sein...

    Mein Fazit: Ich schätze die 80er in all ihren Variationen genauso wie die 70er mit ihren unterschiedlichsten gesellschaftlichen und künstlerischen Strömungen. Eine Einteilung in besser / schlechter oder typisch / untypisch halte ich für unangebracht subjektiv und kann daher QBerts Position durchaus nachvollziehen...
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  8. #27
    Benutzerbild von
    Torsten postete
    Ab Anfang der 80er verschmolz dies dann mit der weit verbreiteten Stimmung gegen die atomare Aufrüstung. Weltuntergangs-Szenarien wurden in den schillerndsten Farben ausgemalt, und so entstanden dann eben auch eher düster-romantische Musikstile wie New Wave oder New Romantic.

    Nicht zu vergessen der verölte Kormoran und die Ahnung bald nur noch mit Gasmaske vor die Tür in eine abgeholzte Welt gehen zu können... Ja, wir hatten und haben unsere Umweltprobleme. Aber diese zum allgegenwärtigen Weltuntergangsszenario gepeitschte Hysterie (vonwegen: "Ich kann ja sowieso nichts ändern, aber ich schmiere wenigstens hier für unseren WWF-Ortsverein die Brötchen für die vierteljährliche Podiumsdiskussion im Haus der Kirche!!!") ging mir damals schon genauso auf den Geist (ich hatte schließlich unter den Lehrern und Lehrerinnen zu leiden, die offenbar häufig besonders anfällig für übertriebenes Gutmenschtum sind) wie scheidungsgeschädigte Kindergärtnerinnen die völlig übermotiviert hinter jedem kleinen blauen Fleck einen prügelnden Vater wittern. Siehe auch: http://www.amazon.de/exec/obidos/ASI...427451-6962102

    Ich habe mich in meinem Verwandtenkreis mal bei Leuten umgehört, die aufgrund ihres höheren Alters die erste Hälfte der 80er deutlich bewusster miterlebt haben. Fast einhelliger Tenor ist, dass die in diesem Thread beschriebene atomare Bedrohungslage längst nicht als so schlimm empfunden wurde, wie es hier teilweise geäußert wird.

    Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich diese Stimmung als Schüler erlebt und empfunden habe. In jedem zweiten US-Streifen gings um "nationale Sicherheit", viele Zeitschriften titelten nicht selten mal mit dem einen oder anderen Atompilz und an allen möglichen Stellen klebten "Atomwaffenfreie Zone"-Aufkleber. In der Schule schauten wir "The day after" und gelesen haben wir irgend ein Buch das von einem flüchtenden Mädchen und seinem Bruder nach einer AKW-Explosion handelt. Viele haben sich davon mächtig beeindrucken lassen. Es war nicht selten, dass ein Mitschüler sich da so dermaßen reinsteigerte, dass er die anderen während der Pause mit seinen Gedanken zum nahenden 3. Weltkrieg für seine Weltuntergangssekte i.G. missionierte. Ich trat hinzu und erklärte warum ich dies für völlig aus der Luft gegriffen halte und man nicht alles glauben müsse, was in "Wargames" gezeigt werde oder übersensible Lehrer uns weissmachen wollen, um uns auch ja zu guten Menschen zu machen. Ich erntete Kopfschütteln und ein betont besorgtes "Der hat Recht und Du bist ein Idiot". Wenn es um solche Themen geht, ist das auch bis heute so geblieben. *g* Man hat einfach keine Chance, gegen die vermeintlich gut-anständig-besorgte Einstellung zu sein und zu argumentieren. Man wird immer verlieren. Leider habe ich dabei nicht selten den Eindruck, dass die Mehrheit der Leute aus Mitläufern besteht, die sich eine vorgefertigte Meinung und damit Überbesorgtheit zu eigen Machen. Kritisch ist aber wer sich selbst kritische Gedanken macht und nicht der, der kritisch allem gegenüber steht was ihm als schlecht eingetrichtert worden ist... Sie werden immer marschieren, heute eben gegen den Mobilfunk oder andere unsichtbare "Bedrohungen". Ich glaube, dass ist ein Erbe der 70er und 80er Jahre und es ist mit Schuld an der andauernden pessimistischen Grundeinstellung der "heutigen" Deutschen gegenüber der Zukunft. Es sind "meine" geimpften Schulkollegen von damals die heute die Meinung mit prägen...

    [...]

    Mein Fazit: Ich schätze die 80er in all ihren Variationen genauso wie die 70er mit ihren unterschiedlichsten gesellschaftlichen und künstlerischen Strömungen. Eine Einteilung in besser / schlechter oder typisch / untypisch halte ich für unangebracht subjektiv und kann daher QBerts Position durchaus nachvollziehen...

    Das ist ja auch nicht immer so, also mach ich ein Kreuzchen im Kalender *g*

    QBert

  9. #28
    Benutzerbild von Dazzle

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    604
    Eh,
    ein bisschen spießig seid Ihr schon, oder?
    Warum seht Ihr diese Vergangenheit nicht etwas lockerer?
    Also, der ganze atomare Scheiss hängt heute NICHT mehr in meinem Bewusstsein,
    auch in bezug damaliger Erinnerungen nicht.
    In meiner persönlichen, vielleicht eingeschränkter Sichtweise und Erinnerung,
    sind die 80er für mich das Jahrzehnt des Balzens, Fi..ens und des Spass habens. Ganz einfach!
    Ich habe das Jahrzehnt von 12 - 22 erlebt, habe also so gut wie alles bewusst mitbekommen,
    aber im Nachhinein ist es für mich die Dekade der Partys, der (Un-)Mode und - natürlich - der Musik. Das schliesst das o.g. mit ein!

    So denn...

  10. #29
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    @ Dazzle

    Wenns darum geht neben dem Spaß den Ernst nicht zu vergessen und mir ein paar mehr Gedanken um die Dinge zu machen die mich umgeben als der Durchschnitt, bin ich auch heute noch "spießig". Ich glaube aber eher, dass Du der Vergangenheits-Romantik erliegst oder Dich eben damals nur für Spaß interessiert hast. Rückblickend erscheinen fast alle Dinge nicht so schlimm und die spaßigen Erlebnisse prägen das Gesamtbild. Das ist uns Menschen so mit auf den Weg gegeben, damit wir nicht wahnsinnig werden. Deswegen müssen wir aber doch keine Spießer sein, nur weil wir über den Stellenwert der Atom-Angst diskutieren...

    QBert

  11. #30
    Benutzerbild von Dazzle

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    @QBert,
    Sorry, ich wollte hier niemandem auf den Schlips treten,
    ich habe auch den hier >< vergessen!

    QBert postete
    Rückblickend erscheinen fast alle Dinge nicht so schlimm und die spaßigen Erlebnisse prägen das Gesamtbild.
    Ich denke, da hast Du, was die 80er und mich angeht, den Nagel auf den Kopf getroffen...
    Es gab auch für mich negative einschneidende Erlebnisse, Gefühle und Erfahrungen in den 80ern, na klar, im Nachhinein mit knapp 15 oder mehr Jahren Abstand aber wird es das Fun-Jahrzehnt für mich bleiben.

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