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Arbeitskampf bei AEG in Nürnberg

Erstellt von PostMortem, 15.12.2005, 20:06 Uhr · 21 Antworten · 2.143 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von PostMortem

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    Nachdem die Electrolux-Konzernleitung bekannt gegeben hat, das AEG-Stammwerk in Nürnberg zu schließen, befindet sich die Belegschaft den vierten Tag in Folge im "wilden Streik".

    Werksschließungen dieser Art, laufen letztendlich ja immer nach dem gleichen Muster: Die Wut kocht hoch, die Belegschaft entfesselt sich von der Arbeitskampfführerschaft des Betriebsrats, der Betriebsrat verhält sich gesetzes- und streikrechtskonform und verliert zunächst die Kontrolle über die Kollegen, die Hitze kühlt ab, die Leute reissen murrend die letzten Monate bis zur Schließung ab, holen sich ihre Kündigung und gehen zum Arbeitsamt bzw. heute ja zur Arbeitsagentur.

    Ich denke, wir werden das auch bei AEG wieder so sehen, weil wir es selbst bei Riesenwerksschließungen wie Krupp Rheinhausen so gesehen haben.
    Warum eigentlich?

    Zumindest wenn ich noch mitten im Leben stehe und nicht etwa nur noch kurz bis zur Rente überbrücken muss, helfen mir ein paar Monate mehr oder weniger doch auch nicht weiter und schon gar nicht über die Schwierigkeiten einer Arbeitsplatzsuche unter heutigen Bedingungen hinweg.

    Ich wäre in einer solchen Situation vermutlich extrem "revoluzzermäßig" drauf und würde nach wenigen Tagen oder Wochen sehr enttäuscht feststellen, dass sich die Reihen der einstmals ja sooooo entschlossenen Kollegen lichten und viele mit einem "bringt ja eh alles nix, man kanns nich ändern" wieder an die Arbeit machen, damit sie geordnet zur Schlachtbank geführt werden können.

    Von mir aus könnten die zusehen, wie sie von jetzt auf gleich ihre 1,4 Mio. Waschmaschinen woanders produzieren, ich würde ihnen die Zeit nicht geben, die Fertigungen schön planmäßig und geordnet nach Polen zu verlagern und womöglich noch dabei mitzuhelfen oder gar irgendwelche Polen in Nürnberg einzulernen. Alles auf eine Karte: Entweder die überlege es sich nochmal oder sie sollen mit ihrer Entscheidung glücklich werden - nur ohne mich. Ob ich dann jetzt stempeln gehe oder erst in ein paar Monaten, ändert doch über die Dauer eines Lebens betrachtet, nicht gerade viel. Im schlimmsten Fall fliegt man, geht stempeln und kann sich früher in Vollzeit der Arbeitsplatzsuche widmen, als der große Schwung der Leute, die zur endgültigen Schließung gehen müssen.

    Schon als Konsument werde ich peinlich genau darauf achten, dass mir keine Pseudo-Marke (wie sie AEG bald sein wird) des Aussaugerkonzerns Electrolux mehr ins Haus kommt. Wenn die hier verkaufen wollen, sollen sie gefälligst auch hier was produzieren. Opels, die nur noch aus Polen kommen, würde ich schließlich auch nicht kaufen.

    PM

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von falkenberg

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    Dieses Verfahren der Arbeitgeberschädigung hat leider einen kleinen Haken: Wer selbst kündigt, kriegt kein Arbeitslosengeld. Darauf werden wohl die wenigsten verzichten wollen. Außerdem muss auch ein Arbeitnehmer Kündigungsfristen abwarten. Bleibt nur noch die Möglichkeit der vorsichtigen Sabotage oder auch nur Arbeitsverweigerung. Das Risiko einer verhaltensbedingten Kündigung ist aber erheblich, außerdem versaut man sich das Arbeitszeugnis. Die Arbeitnehmer sind wirklich praktisch machtlos.

  4. #3
    Benutzerbild von frasier

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    PostMortem postete
    Schon als Konsument werde ich peinlich genau darauf achten, dass mir keine Pseudo-Marke (wie sie AEG bald sein wird) des Aussaugerkonzerns Electrolux mehr ins Haus kommt. Wenn die hier verkaufen wollen, sollen sie gefälligst auch hier was produzieren. Opels, die nur noch aus Polen kommen, würde ich schließlich auch nicht kaufen.
    Dann bleibt nur zu hoffen, daß z. Bsp. Japaner oder Amerikaner nicht auch so denken und weiterhin Made in Germany kaufen.

  5. #4
    Benutzerbild von PostMortem

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    falkenberg postete
    Dieses Verfahren der Arbeitgeberschädigung hat leider einen kleinen Haken: Wer selbst kündigt, kriegt kein Arbeitslosengeld.
    Wer sagt das jemand kündigen soll? Niemand soll kündigen!
    Ein Arbeitszeugnis muss zudem wohlwollend auf den über die gesamte Beschäftigungszeit erbrachten Leistungen basieren und darf sich nicht auf einmalige Vorfälle beziehen.

    Wogegen die Arbeitnehmer in diesem Land hingegen tatsächlich immer machtloser werden, ist die Tatsache, dass es immer schwieriger wird, selbst mit besten Zeugnissen einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Nur wer - wie ich - sehr mobil und flexibel ist, hat noch akzeptable Chancen.

    Was bringts also im Zweifelsfall, heutzutage als nicht so mobiler Mittvierziger mit Kindern so ein mieses Spiel mitzuspielen und aus Angst n' paar Monate zu duckmäusern, wenn am Ende zwar ein tolles Zeugnis, aber eine 15jährige Arbeitslosenkarriere mit nahtlosem Übergang in die Frührente mit saftigen Abschlägen folgt? Wenn sowieso schon das unvermeidliche feststeht, kann ich auch alles auf eine Karte setzen und einen richtig harten Arbeitskampf hinlegen - eigentlich hat man nichts mehr zu verlieren, außer ein paar Monaten Schonfrist vor ALG I & II, die rückblickend betrachtet, einmal nicht mehr viel Bedeutung haben werden. Sie taugen nur dazu, das unvermeidlche noch ein paar Monate vor sich herzuschieben und zu verdrängen.

    Wie gesagt, ich verstehe das nicht. In diesem Land wird sich immer beklagt, wird immer auf "die da oben" geschimpft. Aber wenns drauf ankommt, wird immer gekniffen. Während die Franzosen mal eben ruckzuck mit ihren LKWs Grenzübergänge und Autobahnen dichtmachen, kackt man sich hier schon beim Betreten einer "Betreten Verboten"-Rasenfläche wegen möglichem Landfriedensbruch in die Hose. Wenn nicht jeder kleine Mann und jede kleine Frau nur an ihr vermeintliches eigenes Schäfchen denken würde, das mit o. g. Wohlverhalten meistens auch gar nicht ins Trockene zu bringen ist, wenn die Leute sich mal nicht so aufspalten lassen würden, dann ließe sich da einiges organisieren, das die außer Kontrolle geratenen globalisierten Kraken nicht so einfach wegwischen könnten.

    Aber so war das früher schon.... Wenn auf irgendeiner Hütte die Lichter ausgingen, gabs zwar ein bisschen Solidarität von den Konkurrenz-Belegschaften, aber so laut war die auch nicht, denn eigentlich war man ja froh, dass es einen nicht selbst erwischt hat und man so ggf. nochmal zu ein bisschen mehr Arbeit im eigenen Werk kommt.

    So haben sich alle Belegschaften soweit dezimieren lassen, dass sie sich heute alles gefallen lassen müssen.

    Irgendwann zahlen wir noch Geld dafür, dass wir Arbeiten kommen dürfen

    frasier postete
    PostMortem postete
    Schon als Konsument werde ich peinlich genau darauf achten, dass mir keine Pseudo-Marke (wie sie AEG bald sein wird) des Aussaugerkonzerns Electrolux mehr ins Haus kommt. Wenn die hier verkaufen wollen, sollen sie gefälligst auch hier was produzieren. Opels, die nur noch aus Polen kommen, würde ich schließlich auch nicht kaufen.
    Dann bleibt nur zu hoffen, daß z. Bsp. Japaner oder Amerikaner nicht auch so denken und weiterhin Made in Germany kaufen.
    Ach frasier, was ist denn das für ein Unsinn! Diese Anti-Nationalisten-Reflexe in solchen Diskussionen nerven einfach nur noch! Ich habe NIRGENDS geschrieben "Deutsche, kauft nur bei Deutschen!", nur um das mal klarzustellen. Natürlich sind wir eine Exportnation und das wollen wir auch bleiben. Dazu gehört allerdings auch, dass dann auch noch "made in germany" produziert wird. Das hört in diesem Fall ja auf, um die Produktion nach Polen zu verlagern (was noch "toller" wird, wenns durch deutsche Steuermittel direkt oder über die EU-Töpfe finanziert wird!). Deshalb hat Dein Einwand mit meiner Kritik herzlich wenig zu tun. Denn wens so weiter ginge, könnte sowieso bald kein Japaner oder Amerikaner mehr "made in germany" kaufen. Diese Entwicklung ist KRANK. Gesund ist Handel zwischen Nationen und so ist es auch gesund, wenn Amerikaner und Japaner deutsche Waren kaufen und wir amerikanische und japanische Waren. Krank ist es, deutsche Produktion nach Polen zu verlagern, damit Deutsche ihre deutschen Traditionsmarken, die Deutschland groß gemacht haben, "made in polonia" kaufen können und die Arbeitslosigkeit hierzulande genauso wie die Marge des Herstellers steigt - und zwar solange bis Deutschland nicht nur als Arbeits-, sondern auch als Absatzmarkt zusammenbricht, was dann auch für die kurzfristig und verantwortungslos handelnden Konzerne unschöne Folgen hat. Diese Entwicklung ist krank und wenn Du das nicht so siehst, dann erkläre bitte warum und komm doch nicht mit so platten Phrasen, die mir etwas unterstellen, was ich nicht geschriebn habe..... Ganz im Gegenteil, habe ich hier in "Geiz ist Geil"-Threads schon zu Genüge erklärt, warum es deutsche Arbeitsplätze sogar eher sichern kann, Produkte aus guten Handelspartnerländern wie Japan oder den USA zu kaufen (Kurz: Kaufe ich in Deutschland japanische Produkte, kauft Japan deutsche Anlagen etc. => Viele Billiglohnländer sind in diesem ausgleichenden Maß dazu bis heute nicht in der Lage, weshalb der Kauf von Produkten aus Billiglohnländern oft eine einseitige Förderung von Arbeitsplätzen ist und deshalb genau da die Grenze haben muss, wo an sich hochwertige Produkte, die dort zum Billiglohn gefertigt werden, zum Hochpreis von dort zu uns kommen, um die Marge weiter zu steigern).

    Übrigens ist die Aussage "Dann bleibt nur zu hoffen, daß z. Bsp. Japaner oder Amerikaner nicht auch so denken und weiterhin Made in Germany kaufen." schon in sich falsch. Denn es gibt wohl kaum eine Nation, die beim Kauf von Waren patrotischer vorgeht, als die US-amerikanische. Ohnehin gehen viele Länder hier viel nationalistischer vor, als wir nationalgefühlsgestörten Deutschen. Vorteil für sie: Es war ganz selbstverständlich, dass ausländische Anbieter dort Werke gebaut haben, um den Markt aus dem Inland heraus zu erobern. Würde Toyota nicht im großen Stil in den USA produzieren, würden heute sehr wahrscheinlich nicht so viele Amerikaner ihren Hintern in japanischen Autos durch die Gegend kutschieren. Bei den Briten ist es kaum anders. Wir Deutschen machens genau andersrum, kaufen nur noch nach Geiz ist Geil und scheren uns nicht drum, wo der Kram her kommt und das wir unsere eigenen Jobs damit killen.

    Und so wundert es mich auch nicht, dass z. B. Toyota auch im letzten Jahr 250 Mio $ in eine Motorenfabrik in Huntsville gesteckt und 300 Arbeitsplätze geschaffen hat und Ford 350 Mio $ im walisischen Bridgend investiert und 600 neue Arbeitsplätze geschaffen hat, während wir in Deutschland dran gewöhnt sind, dass wir arbeitsplatztechnisch nur noch Aderlass betreiben, weil das heutzutage eben vermeintlich normal, die Marktwirtschaft sowieso schon am Ende und der Kollaps nah ist..... => klar, wenn man es einfach so passieren lässt.

    PM

  6. #5
    Benutzerbild von frasier

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    PostMortem postete
    Ich habe NIRGENDS geschrieben "Deutsche, kauft nur bei Deutschen!", nur um das mal klarzustellen.
    PostMortem postete
    Wenn die hier verkaufen wollen, sollen sie gefälligst auch hier was produzieren.
    Außerdem ist nicht die Globalisierung "krank" sondern der Standort Deutschland. Hohe Energiepreise, hohe Lohnzusatzkosten, Bürokratie, betriebliche Mitbestimmung, verhältnismäßig geringe Arbeitszeiten und kompliziertes oder sogar abschreckendes Steuersystem sind nunmal große Wettbewerbsnachteile.

    Wäre man da wettbewerbsfähiger, hätten Unternehmen ala Elektrolux wesentlich weniger Gründe zur Verlagerung, wenn überhaupt.

  7. #6
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    frasier postete
    PostMortem postete
    Wenn die hier verkaufen wollen, sollen sie gefälligst auch hier was produzieren.
    Rätsel:

    Erkenne den Unterschied in der Aussage:

    1) Wenn die hier verkaufen wollen, sollen sie gefälligst auch hier was produzieren.

    2) Wenn die hier verkaufen wollen, sollen sie gefälligst auch hier produzieren.

    und denk nochmal drüber nach was ich geschrieben und in Post 003 präzisiert habe.

    Und ich tue es hier nochmal: Es ist ein Unterschied, ob VW hier Autos verkaufen will und den Polo in Spanien bauen lässt, den Jetta in Mexiko, den Golf, den Passat und den Phaeton hier oder ob VW hier Autos verkaufen will und alle Autos in Tschechien von Skoda bauen lässt, um sie hier teuer als VW zu verkaufen.

    Außerdem ist nicht die Globalisierung "krank" sondern der Standort Deutschland. Hohe Energiepreise, hohe Lohnzusatzkosten, Bürokratie, betriebliche Mitbestimmung, verhältnismäßig geringe Arbeitszeiten und kompliziertes oder sogar abschreckendes Steuersystem sind nunmal große Wettbewerbsnachteile.
    Es gibt große Unternehmen in Deutschland, die hier in Deutschland mit deutschen Standorten eine Umsatzrendite von über 30% oder sogar über 40% erwirtschaften. Du kannst das deshalb nicht so allgemein sagen. Das haben ja mittlerweile sogar die Manager kapiert, nachdem sie den ausgewiesen guten Standort (internationale Standortvergleiche kommen eben nicht zu den vernichtenden Ergebnissen, die Rogowski-Nachbeter immer in die Welt tragen wollen), Anfang der 90er zu Tode geredet haben und sich hinterher selbst drüber erschrocken haben.

    Wäre man da wettbewerbsfähiger, hätten Unternehmen ala Elektrolux wesentlich weniger Gründe zur Verlagerung, wenn überhaupt.
    Gegen grandiose Steuergeschenke, laschen Umweltschutz und Dumpinglöhne, kann man mit einem entwickelten Hochlohnland eben nicht konkurrieren, wenn es nur um die höchstmöglich erzielbare Marge geht und man außer Acht lässt, dass zur Erreichung einer höchstmöglichen Marge durch Produktion eines Hochpreisproduktes im Billiglohnland (wo sich der erzeugende Arbeiter das selbst produzierte Produkt oftmals nicht leisten kann) auch ein Abnehmer im Hochlohnland gehört. Den wird es aber eben immer seltener geben, solange jeder einzelne Konzern diesen Weg geht. In Summe werden auch sie den Preis dafür zahlen und müssen sehen, dass sie die Konsumflaute durch den Personalabbau in ihren geschätzten Absatzmärkten selbst verursachen.

    Die höchste durch den tollsten Kostenvorteil nach Verlagerung frisierte Marge lässt sich eben nicht realisieren, wenn niemand das billig produzierte Hochpreisprodukt konsumiert. Dann bleiben nur noch Kosten....

    PM

  8. #7
    Benutzerbild von DeeTee

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    frasier postete
    Außerdem ist nicht die Globalisierung "krank" sondern der Standort Deutschland. Hohe Energiepreise, hohe Lohnzusatzkosten, Bürokratie, betriebliche Mitbestimmung, verhältnismäßig geringe Arbeitszeiten und kompliziertes oder sogar abschreckendes Steuersystem sind nunmal große Wettbewerbsnachteile.
    Scheiße! Mann, frasier, wirst Du von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft direkt bezahlt oder glaubst Du den Mist, den Du da schreibst?!?! Reine Propaganda des Arbeitgeberverbandes!

    Willst Du die Energiepreise senken?
    Willst Du die Lohnzusatzkosten (Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Krankenversicherung) senken?
    Soll die Bürokratie entfallen?
    Willst Du die betriebliche Mitbestimmung abschaffen?
    Willst Du die Arbeitszeit erhöhen?
    Über das Steuersystem ließe sich verhandeln

    Dann sind wir wieder auf den gesellschaftlichen Stand von irgendwo zwischen 1870 und 1930.
    Alle diese Maßnahmen lassen sich praktisch nicht rational begründen, folglich muss man sie als "goldenen Sachzwang" verkaufen. An Sachzwängen ist ja niemand mehr Schuld, es sind ja Sachzwänge.
    Sorry, die Konsequenz müsste sein, dass die Gewerkschaft veröffentlicht, welche Electrolux-Produkte in Deutschland verkauft werden und diese dann entsprechend zu boykottieren werden. Für Electrolux muss die scheinbare Rationalisierungsmaßnahme teurer werden als die Produktionsverlagerung.

    (Den Polen sagt man übrigens heute schon, wir können in der Ukraine billiger produzieren. Den Ukrainern sagt, dass man in Bangladesch billiger produzieren könnte. Danach kommt die Wiedereinführung der Leibeigenschaft. ).

    DeeTee (flickt seinen Kragen zusammen )

  9. #8
    Benutzerbild von PostMortem

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    DeeTee postete
    Willst Du die Energiepreise senken?
    ..... zumal die hohen Energiekosten eben nicht hauptsächlich wegen irgendwelcher Förderprogramme erneuerbarer Energien bestehn (wobei auch ich meine Probleme mit mancher verteuernder grünen Politik der Rot/Grünen Jahre habe) oder wegen der Ökosteuer (die ich in der Form, in der sie eingeführt wurde trotzdem für falsch halte - *DAS* hätte man ausnahmsweise wirklich mal wegen des Standortwettbewerbs auf EU-Ebene regeln müssen und nicht die 1000 anderen Dinge, die man aus Bequemlichkeit dorthin abschiebt), sondern wegen des gleichen raffgierigen Verhaltens eines Teils der Wirtschaft selbst: Der Energiewirtschaft. Und so ist es ja auch nicht die Politik, die z. B. die energieintensiven Aluminium-Hütten in Deutschland retten kann, sondern es sind die Energiekonzerne. So hat E.ON sich in Dinslaken ja bewegt und mit dem CORUS-Konzern eine vertragliche Lösung gefunden. In Hamburg kann man das offenbar nicht - das liegt aber zum Teil sogar am Inhaber, der offenbar unbedingt schließen will und jegliche andere Lösung ablehnt, sogar Kaufangebote von Untrnehmen, die sich eine lukrative Produktion in Hamburg immer noch vorstellen können.

    Willst Du die betriebliche Mitbestimmung abschaffen?
    Willst Du die Arbeitszeit erhöhen?

    Dann sind wir wieder auf den gesellschaftlichen Stand von irgendwo zwischen 1870 und 1930.

    (Den Polen sagt man übrigens heute schon, wir können in der Ukraine billiger produzieren. Den Ukrainern sagt, dass man in Bangladesch billiger produzieren könnte. Danach kommt die Wiedereinführung der Leibeigenschaft. ).
    Ja, da braucht man sich nur die Wanderbewegung der Textilindustrie von West-, über Osteuropa nach China und Indien anschauen. In anderen Branchen läuft das nicht anders.

    Wer allen Ernstes diese Spirale nach unten als Lösung propagiert, kann eigentlich auch direkt nach China ziehen...

    PM

  10. #9
    Benutzerbild von frasier

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    PostMortem postete

    Erkenne den Unterschied in der Aussage:

    1) Wenn die hier verkaufen wollen, sollen sie gefälligst auch hier was produzieren.

    2) Wenn die hier verkaufen wollen, sollen sie gefälligst auch hier produzieren.
    Das ist natürlich ein unheimlicher Unterschied, das ändert alles.

    Du willst also vor jedem Kauf einer ausländischen Marke erst checken, ob die Firma wenigstens noch ein Werk hier hat? Oder sollen es zwei sein? Na gut, eins reicht, sie haben ihren guten Willen gezeigt. Aber wenn es nun nur ein ganz kleines Werk ist? Was dann? Man müsste nach Mitarbeitern rechnen, also über 500 Arbeiter = gut, unter 500 = nicht gut, nicht kaufen.

    Stellst du dir das etwa so vor? Selbst wenn du das wirklich so oder so ähnlich machen solltest, was dir ja freisteht, muss dir wohl klar sein, daß der Otto-Normal-Verbraucher niemals so denken wird.

    Es mag dich ja ankotzen und du wirst es dumm finden, aber der Normalo kuckt nach Preis/Leistung/Qualität und gut is. Und das wird immer so sein wird, weil dieses ökonomische Denken genetisch festgelegt ist. Bei Konsumenten wie bei Unternehmern.

    Es gibt große Unternehmen in Deutschland, die hier in Deutschland mit deutschen Standorten eine Umsatzrendite von über 30% oder sogar über 40% erwirtschaften. Du kannst das deshalb nicht so allgemein sagen.
    Die Durchschnittsrendite beträgt 2-4 Prozent, einzelne Ausnahmen sind deshalb vollständig irrelevant.


    ]Gegen grandiose Steuergeschenke, laschen Umweltschutz und Dumpinglöhne, kann man mit einem entwickelten Hochlohnland eben nicht konkurrieren,
    Das heißt also aufgeben, oder was?

    Man muss sich trotzdem dem Wettbewerb stellen, mit den westlichen Ländern muss man ja auch weiterhin konkurrieren. Irgendwann werden die Kosten auch in den Entwicklungsländern steigen, bis dahin muss man durchhalten, so einfach ist das.

    Tut man das nicht, ist hier bald alles platt.

  11. #10
    Benutzerbild von PostMortem

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    frasier postete
    Du willst also vor jedem Kauf einer ausländischen Marke erst checken, ob die Firma wenigstens noch ein Werk hier hat? Oder sollen es zwei sein?
    Wenn eine Firma AEG faktisch aufhört zu existieren und nur noch als "untote" Zombie-Marke der Elctrolux-Polska existiert, ist es nicht besonders schwierig zu sehen, dass eine 499 Euro AEG-Waschmaschine als Abzock-Modell aus Polen kommt und eine 499 Euro Bosch, Siemens oder Miele Waschmaschine nicht. Begreif doch endlich, dass es schon lange nicht mehr um Billigprodukte geht, sondern um die Billigproduktion von Hochpreisprodukten!

    So kompliziert, dies durch entsprechendes Konsumverhalten zu beantworten, ist das ja nun nicht. Wer sich merken kann, dass ein Volkswagen ein deutsches Fabrikat ist und ein Hyundai ein Koreaner, der schafft das auch.... alles andere verstehe ich ehrlich gesagt als Wortklauberei.

    Man muss sich trotzdem dem Wettbewerb stellen, mit den westlichen Ländern muss man ja auch weiterhin konkurrieren. Irgendwann werden die Kosten auch in den Entwicklungsländern steigen, bis dahin muss man durchhalten, so einfach ist das.

    Tut man das nicht, ist hier bald alles platt.
    Es wird noch sehr, sehr lange Entwicklungsländer geben die nachrücken. Diese Logik "irgendwann werden die Kosten auch in den Entwicklungsländern steigen", zieht also nicht und ist doch sehr naiv. DeeTee hat das doch oben schon berichtet und die Wanderzirkus-Entwicklung der Textilindustrie ist doch der Praxisbeweis, der sich nun in anderen Branchen nachvollzieht. Darüber hinaus ist es doch superpraktisch, dass man mit China ein Billiglohnland hat, dass kein "demokratisches Abenteuer" wagt. Dort wird es also bis auf weiteres keine großen Lohnsteigerungen geben, da es keine Arbeitskämpfe geben wird - die sind verboten, das dürfte Deinen Vorstellungen von "Mitbestimmung" ja entgegen kommen. Und selbst wenn dann Tschechien, China, Indien und Co. mal auf unserem Niveau gelandet sind, gibt es in Asien, Südamerika und nicht zuletzt in Afrika noch genug Länder, die sich zu Schwellenländern pushen lassen.

    Sag den Leuten bei AEG in Nürnberg doch gleich, dass sie selbst Schuld sind und das es besser für alle ist, wenn ihre Arbeitsplätze nach Polen abwandern. Du kannst das auch den Leuten sagen, die Ackermann vor die Tür gesetzt hat um den höchsten Gewinn der Deutschen Bank aller Zeiten verkünden zu können. Du kannst das auch den Leuten bei Continental sagen, die erst auf Lohn verzichtet haben um die Wettbewerbsfähigket zu sichern und nun zum Dank kurze Zeit später dafür einfach nur weniger Arbeitslosengeld bekommen werden wenn ihr an sich profitables Reifenwerk geschlossen wird usw. usf.! Hauptsache der Neoliberalismus wird nicht in Frage gestellt und gilt als alleinseeligmachende Gesundungsmaschine von Volkswirtschaften.

    Für mich ist damit Schluss und ich halte es Angesichts der desaströsen Entwicklung heute eher mit Helmut Laakmann, der als Stahlwerksleiter anlässlich der Schließungsbeschlüsse in einer Blut- und Tränenrede der Belegschaft entgegen rief: "Es kann doch nicht sein, dass eine kleine Clique, eine kleine Mafia, mit den Menschen in diesem Lande macht, was sie will - Kruppsche Arbeiter, nehmt jetzt diese historische Stunde wahr, um endlich das auszufechten, was wir ausfechten müssen, für unsere Familien, für unsere Kinder, für die Menschen in diesem Lande, für die Städte." Helmut Laakmann ist hinterher übrigens selbst Unternehmer und Arbeitgeber geworden. So etwas zu denken und als Unternehmer tätig zu werden und zu sein, schließt sich also anscheinend nicht aus.

    PM

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