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Arbeitslosenzahl über 5 Millionen-Grenze gestiegen!

Erstellt von 666meng666, 02.02.2005, 00:07 Uhr · 17 Antworten · 997 Aufrufe

  1. #11
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    SonnyB. postete
    Ansonsten bin ich der (zugegeben radikalen) Meinung: von den 5 Millionen sind 3 Millionen zu dumm (faul, blöd wasauchimmer) sich richtig zu bewerben. Was wir manchmal für Bewerbungen bekommen ... *kopfschüttel* ... da ist ein Lebenslauf auf einer rausgerissenen Rechenheftseite noch das wenigste.

    Kleines Beispiel: Wir suchen eine Filialvertretung. Die Anzeige war 2 Wochen geschaltet. Zeitung UND Arbeitsamt. Bewerbungen: 11 ...Zum Gespräch geladen: 6 ...Der Rest aussortiert wegen: zu alt (55 aufwärts ... junge Mode), mehr als 5 Rechtschreibfehler in einem Satz oder Bewerbung auf Rechenkästchenpapier (Servietten hatten wir auch schon ).
    Zum Gespräch erschienen: 2 !!! Eine davon hatte nicht viel Zeit, da sie ihre Kinder aus der Schule abholen musste
    Die immer wieder zu hörende Ansicht "Es gibt (annähernd) genug Jobs, nur leider nicht genügend gute Leute dafür" ist in einer Marktwirtschaft unlogisch!

    Wenn die Unternehmer irgendeines Bereiches wirklich Bedarf an vielen Arbeitskräften haben, gehen sie, sobald die besten Kandidaten vom Arbeitsmarkt weg sind, ganz schnell mit ihren Ansprüchen runter, nehmen zur Not auch die zweit- und drittklassige Bewerber. Das sind einfach die Gesetze des Marktes: Man kann nur dann wählerisch sein, wenn man auch wirklich die Wahl zwischen vielen verschieden Anbietern hat. "Gut genug" oder nicht - das ist marktwirtschaftlich/betriebswirtschaftlich gesehen immer relativ!


    Daß Ihr 6 Kandidaten gleich als "zu dumm" oder aus sonstigen Gründen aussortieren konntet, lag doch nur daran, daß Ihr in zwei Wochen 11 Bewerbungen auf 1 Stellenausschreibung bekommen hattet und entsprechend wählerisch sein konntet. Auch wenn alle Bewerber top gewesen wären, hätte es 10 von ihnen nichts genützt: Ihr brauchtet eben nur einen neuen Mitarbeiter. Und so sieht es z. Z. eben fast überall aus. Die Diskussionen auf die Themen Bewerbungungstraining, Motivation und Qualifizierung lumzulenken, führt an der Arbeitsmarkt-Problematik vorbei, weil es eben insgesamt einfach nicht genügend Jobs für alle gibt!

  2.  
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  3. #12
    Benutzerbild von SonnyB.

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    Die Luftgitarre postete
    SonnyB. postete
    Ansonsten bin ich der (zugegeben radikalen) Meinung: von den 5 Millionen sind 3 Millionen zu dumm (faul, blöd wasauchimmer) sich richtig zu bewerben. Was wir manchmal für Bewerbungen bekommen ... *kopfschüttel* ... da ist ein Lebenslauf auf einer rausgerissenen Rechenheftseite noch das wenigste.

    Kleines Beispiel: Wir suchen eine Filialvertretung. Die Anzeige war 2 Wochen geschaltet. Zeitung UND Arbeitsamt. Bewerbungen: 11 ...Zum Gespräch geladen: 6 ...Der Rest aussortiert wegen: zu alt (55 aufwärts ... junge Mode), mehr als 5 Rechtschreibfehler in einem Satz oder Bewerbung auf Rechenkästchenpapier (Servietten hatten wir auch schon ).
    Zum Gespräch erschienen: 2 !!! Eine davon hatte nicht viel Zeit, da sie ihre Kinder aus der Schule abholen musste
    Die immer wieder zu hörende Ansicht "Es gibt (annähernd) genug Jobs, nur leider nicht genügend gute Leute dafür" ist in einer Marktwirtschaft unlogisch!

    Wenn die Unternehmer irgendeines Bereiches wirklich Bedarf an vielen Arbeitskräften haben, gehen sie, sobald die besten Kandidaten vom Arbeitsmarkt weg sind, ganz schnell mit ihren Ansprüchen runter, nehmen zur Not auch die zweit- und drittklassige Bewerber. Das sind einfach die Gesetze des Marktes: Man kann nur dann wählerisch sein, wenn man auch wirklich die Wahl zwischen vielen verschieden Anbietern hat. "Gut genug" oder nicht - das ist marktwirtschaftlich/betriebswirtschaftlich gesehen immer relativ!


    Daß Ihr 6 Kandidaten gleich als "zu dumm" aussortieren konntet, lag doch nur daran, daß Ihr in zwei Wochen 11 Bewerbungen auf 1 Stellenausschreibung hattet und entsprechend wählerisch sein konntet. Und genau daß verweist darauf, daß eben zur Zeit insgesamt zu wenig Jobs gibt.
    Eben !!! Nur 11 Bewerbungen auf 1 Stelle. Der Briefkasten in der Personalabteilung müsste doch eigendlich überquellen, oder ? "Juhu, ein Job ist frei." (Ironie)

    Und von 6 geladenen hätten doch alle erscheinen müssen, oder ?

    Und wenn dann die Arbeitgeber die zweit- oder drittklassigen nehmen, dann heisst das bei uns: die überstehen nicht mal 1 Monat Probezeit oder sind dann dafür verantwortlich wenn es heisst "Service-Wüste". Die sind dann nämlich nicht für den Verkauf geeignet und machen es dem Kunden schwerer.

    Klar gibt es zu wenig Jobs ... keine Frage, aber ich sag ja auch: Bei der Anzahl von Arbeitslosen hätten sich doch mehr bewerben müssen als 11 Leutchen. Es hätten auch mehr zum Gespräch erscheinen müssen als 2.

    Das wollte ich damit sagen.

  4. #13
    Benutzerbild von 666meng666

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    Eben !!! Nur 11 Bewerbungen auf 1 Stelle. Der Briefkasten in der Personalabteilung müsste doch eigendlich überquellen, oder ? "Juhu, ein Job ist frei." (Ironie)

    Und von 6 geladenen hätten doch alle erscheinen müssen, oder ?

    Und wenn dann die Arbeitgeber die zweit- oder drittklassigen nehmen, dann heisst das bei uns: die überstehen nicht mal 1 Monat Probezeit oder sind dann dafür verantwortlich wenn es heisst "Service-Wüste". Die sind dann nämlich nicht für den Verkauf geeignet und machen es dem Kunden schwerer.

    Klar gibt es zu wenig Jobs ... keine Frage, aber ich sag ja auch: Bei der Anzahl von Arbeitslosen hätten sich doch mehr bewerben müssen als 11 Leutchen. Es hätten auch mehr zum Gespräch erscheinen müssen als 2.

    Das wollte ich damit sagen.
    Ich denke, dass es halt viele Leute gibt, die einfach nicht arbeiten gehen wollen. Weiter sind auch einige Beispiele bekannt, wo sich Hausfrauen als arbeitslos melden, aber gar nicht erst vor haben arbeiten zu gehen, sich aber das Arbeitslosengeld gerne nicht entgehen lassen wollen.

    Ich denke man sollte aber nicht alle über einen Haufen kehren. Vergangenes Jahr bin ich auch arbeitslos geworden, aber völlig unverschuldet aus gesundheitlichen Gründen. Es ist für mich enorm schwer wieder einen Job zu bekommen, da ich aus gesundheitlichen Gründen auch nicht jeden x-beliebigen Job machen kann. Bei einem Job, bei dem ich mich beworben hatte, schrieb mir der Personalchef, dass für die Stelle ca. 600 (!) Bewerbungen eingegangen seien und das war jetzt noch nicht mal irgendein Luxusjob.

    Es ist meiner Meinung nach sehr traurig, dass in diesem Staat alle über einen Kamm geschoren werden. So hat jemand, der absolut NULL BOCK auf Arbeit hat, keinerlei Nachteile gegenüber mir und andersherum gesehen ich auch keine Vorteile gegenüber einer solchen Person. Das finde ich nicht richtig!

  5. #14
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    Torsten postete
    In einem marktwirtschaftlich organisierten System wird es immer Gewinner und Verlierer geben, zumal gewinnorientiertes Wirtschaften naturgemäß auf Rationalisierung und damit der Vernichtung von Arbeitsplätzen ausgerichtet ist.
    Diese Problematik der Wegrationalisierung von Arbeitsplätzen durch Automatisierung ist letztenendes noch viel bedeutsamer, als die immer diskutierte Thematik der Arbeitsplatzverlagerung in Billiglohnländer: Gäbe es die Globalisierung und Billigarbeiter in den Schwellenländern nicht (oder würde man dort höhere Löhne einführen), wären viele der jetzt von der Arbeitsplatzverlagerung betroffenen Industriezweige einfach längst vollautomatisiert! Unternehmer vergleichen ja nicht nur Arbeiter verschiedener Länder, sie vergleichen auch immer die billigsten Arbeiter mit den Kosten einer möglichen Automatisierung.

    Aber solange der Einsatz von Arbeitnehmern in den Schwellenländern einfach noch kostengünstiger ist als der von Maschinen, wird die Problematik der Automatisierung in der öffentlichen Wahrnehmung natürlich durch das Thema Lohndumping überlagert.

  6. #15
    Benutzerbild von PostMortem

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    Die Luftgitarre postete
    Torsten postete
    In einem marktwirtschaftlich organisierten System wird es immer Gewinner und Verlierer geben, zumal gewinnorientiertes Wirtschaften naturgemäß auf Rationalisierung und damit der Vernichtung von Arbeitsplätzen ausgerichtet ist.
    Diese Problematik der Wegrationalisierung von Arbeitsplätzen durch Automatisierung ist letztenendes noch viel bedeutsamer, als die immer diskutierte Thematik der Arbeitsplatzverlagerung in Billiglohnländer: Gäbe es die Globalisierung und Billigarbeiter in den Schwellenländern nicht (oder würde man dort höhere Löhne einführen), wären viele der jetzt von der Arbeitsplatzverlagerung betroffenen Industriezweige einfach längst vollautomatisiert!
    ....
    Aber solange der Einsatz von Arbeitnehmern in den Schwellenländern einfach noch kostengünstiger ist als der von Maschinen, wird die Problematik der Automatisierung in der öffentlichen Wahrnehmung natürlich durch das Thema Lohndumping überlagert.
    Ich war einige Jahre im Controlling eines großen deutschen Automobilzulieferers tätig. Nach meiner Erfahrung wird aus Deiner angestellten Rechnung in der Praxis eher umgekehrt ein Schuh: Würden sich nicht viele hochautomatisierte (Voll-Automatisierung gibts ein Glück nirgends) Fertigungen in Deutschland überhaupt noch rechnen, wäre die Produktion entweder weniger automatisiert längst in den Schwellenländern gelandet oder nach Osteuropa verlagert worden. Die hochautomatisierten Fertigungen brauchen auch höher qualififiziertes Facharbeiterpersonal um qualitativ einwandfreie Ware mit möglichst wenig Ausfallzeiten zu produzieren. Das traut man den Südamerikanern und den Schwellenländern Asiens nicht zu.

    In Osteuropa sieht das mittlerweile anders aus. Dort findet man seit dem Fall der Mauer hervorragend ausgebildetes Personal mit Verdiensten die 1/3 und weniger des deutschen Facharbeitergehalts betragen. Seitdem wandert eine Produktion namhafter deutscher Produzenten nach der anderen ins benachbarten Osteuropa (selbst Siemens wollte mit seiner Mobiltelefon-Fertigung ja aus NRW dort hin).

    D. h. wir müssen mit unseren hochautomatisierten Fertigungen nicht Schwellenländer schlagen, sondern auch unsere Nachbarn in Osteuropa die ebenso gut ausgebildete Fachkräfte mit kleineren Gehaltswünschen haben. Schaffen wir das nicht, gehen die Fertigungsstraßen eben ab nach Polen, Tschechien, Ungarn & Co

    Es ist also nicht unser Unglück, sondern unsere einzige Chance unsere Fertigungen so modern wie möglich zu halten (was passiert, wenn das Management das bewusst oder fahrlässig unterlässt, sieht man am Beispiel Opel Bochum hervorragend). Immerhin bieten diese Betriebe Arbeitsplätze. Weniger als bei manueller Fertigung (die in vielen Bereichen auch kein Zuckerschlecken war und ist), aber es sind gute Arbeitsplätze und sie sind nicht futsch! Das Problem ist nur: Weil Deutschland so verkrustet ist und nicht mehr wächst, entstehen keine neuen Branchen und Jobs in diesem Land, die die andernorts wegrationalisierten Arbeitnehmer mit ihrem KnowHow begierig aufnehmen würden. Vor 30 Jahren war das noch ganz anders.

    Tatsächlich hat Deutschland aber seit den 80er Jahren so ziemlich jeden neuen Sektor mit dem Potenzial massenweise Arbeitsplätze zu schaffen verpasst oder aufgegeben. Es blieben die typischen alten deutschen Branchen.... Automobil, Maschinenbau etc. Doch die stehen unter Rationalisierungsdruck.

    Das Heil wurde in der "Dienstleistungsgesellschaft" gesucht. Klar, dass das nicht gutgehen konnte. Kein Land kann davon leben, dass sich alle gegenseitig die Haare schneiden. Heute sind die Luftblasen "Informationsgesellschaft" und "Innovationsstandort" Lieblingsfloskeln der Politik. Doch auch die werden es nicht richten. Innovation braucht Forschung und Entwicklung. Doch Entwicklung und Forschung folgen der Produktion - das kann man nun sogar im Spiegel nachlesen. Die fixe Idee, dass der ärmere Rest der Welt nach Plänen und Ideen aus Deutschland produziert ist absurd. Das KnowHow und das Verbesserungspotenzial baut sich dort auf, wo das Produkt ist. Und wie gesagt... gerade die Osteuropäer haben es nicht nötig entwicklungstechnisch für immer am deutschen Reissbrett zu hängen. Diese Arbeitsplätze folgen den Arbeitern genauso nach Osten, wie immer mehr IT-Entwickler-Arbeitsplätze nach Osteuropa und Asien verschwinden. Alles was uns da noch schützt ist ausgerechnet unsere gute alte deutsche Sprache und die damit bestehende Barriere - aber wir arbeiten ja hart dran sie zu verenglischen.

    Der gemeine Deutsche hat keine Lust sich mit solchen Themen zu beschäftigen. Er hat kein Interesse daran. Deshalb brauchts jetzt bei der 5 Mio. Marke auch keine Hysterie. Als Mitte der 80er 2 Mio. Arbeitslose als Horrorvision an die Wand gemalt wurden und zum Untergang der Republik hochstilisiert wurden, hat es schon keinen großen Effekt gehabt (mal abgesehen von regionalen Besonderheiten, wie der Solidarität der Menschen im Ruhrgebiet mit den Kruppianern in Rheinhausen beim 160-Tage-Streik und den Thyssen-Stahlkochern in Hattingen). Bis heute kamen mit riesigen Schritten ständig hunderttausende und Millionen Arbeitslose hinzu. Jeder hat sich längst dran gewöhnt. Die Arbeitslosenquote ist diese gewohnte Hiobsbotschaft vom Arbeitsamt alle paar Wochen. Selbst heute, wo plötzlich auch immer mehr Besserverdiener und Gebildete in ihren Kreisen einen frisch gebackenen Arbeitslosen im Bekanntenkreis haben, lenkt sich die Sorge höchstens auf einen selbst. Da geht keiner auf die Straße.... und es hat auch in Zukunft niemand vor. Und wenn wir 10 Mio. Arbeitslose hätten. So isser eben der Deutsche. Du kannst 5 Mio. Menschen arbeitslos vergammeln lassen, aber wehe Du gehst im Park auf den Rasen !!!!!

    PM

  7. #16
    Benutzerbild von SonnyB.

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    @meng

    in welchem Beruf suchst du denn ?

    Ich finde es auch übel, daß eine Minderheit (auch 49% sind eine Minderheit ) darunter leiden muss, daß unser Sozialstaat ausgenutzt wird. Das hatte sich der alte Bismarck sicher anders vorgestellt.

    Aber da sind wir schon beim Thema ALU und Sozialhilfe

  8. #17
    raabi2000
    Benutzerbild von raabi2000
    Zum Thema Gehalt in z.B. osteuropäischen Staaten, von denen viele schon jetzt oder bald zur EU gehören werden, habe ich folgenden Artikel im Handelsblatt gefunden:

    Löhne werden in Mitteleuropa schnell steigen

    Von Dirk Ewert

    Das Lohnniveau zwischen alten und neuen EU-Staaten wird sich mittelfristig angleichen. Eine starke Zuwanderung aus dem Osten in den Westen ist hingegen unwahrscheinlich.



    FRANKFURT. Die Erweiterung der EU nach Osteuropa erscheint den westlichen Nachbarn häufig als arbeitsmarktpolitisches Schreckgespenst. Sie öffne die westeuropäischen Arbeitsmärkte dem Zustrom “billiger” Arbeitskräfte aus den Beitrittsstaaten und gefährde die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Arbeitnehmer, so die pauschale Befürchtung. Der direkte Vergleich zwischen Ost- und Westeuropa untermauert dieses Szenario auf den ersten Blick: Die Gehälter in den EU-Beitrittsstaaten weisen im Vergleich zu Westeuropa noch immer ein deutliches Gefälle auf, wie das Beispiel der Länder Polen, Ungarn und Tschechische Republik zeigt.

    Während ein kaufmännischer Leiter in Deutschland im Durchschnitt jährlich 130.000 Euro verdient, sind die Gehälter in der Tschechischen Republik mit 77.000 Euro, in Polen mit 64.000 Euro und in Ungarn mit 57.000 Euro deutlich niedriger. Dabei spielt die Branche, in der die Manager beschäftigt sind, eine immer geringere Rolle. Die Funktion ist mittlerweile in Vergütungsfragen entscheidend.

    Bei den Arbeitern wird die Diskrepanz in der Entlohnung noch deutlicher. In der Tschechischen Republik, Polen und in Ungarn verdienen Arbeiter nur etwa ein Drittel ihrer deutschen Kollegen. Angestellte erzielen in der Tschechischen Republik rund die Hälfte der deutschen Durchschnittsgehälter, in Polen 40 Prozent und in Ungarn sogar nur 30 bis 35 Prozent.

    Trotz des Gehaltsgefälles ist ein erheblicher Anstieg der Zuwanderung von Arbeitskräften von Ost nach West unwahrscheinlich. Neben den rechtlichen Hürden der Beitrittsvereinbarungen, die eine Beschäftigung von Arbeitnehmern aus den neuen EU-Ländern in Westeuropa erst nach Ablauf einer Frist von sieben Jahren vorsehen, sprechen auch wirtschaftliche Argumente gegen eine solche Entwicklung. Eine Zuwanderung ist zwar bereits im Gange, es sind aber westeuropäische Unternehmen, die den Arbeitnehmern in Osteuropa entgegenkommen.

    Die osteuropäischen Staaten haben schon heute die wirtschaftlichen Chancen des Beitritts erkannt und schaffen die erforderlichen Anreize für die Ansiedlung von Firmen aus dem Westen: Steuererleichterungen, Subventionen und die vergleichsweise niedrigen Personalkosten machen Investitionen für Unternehmen aus den alten EU-Staaten interessant. Westeuropäische Firmen denken über eine Gründung bzw. den Ausbau von Produktionsstandorten oder Vertriebsniederlassungen vor Ort nach. Auch lokalen Firmen eröffnet die Erweiterung des Wirtschaftsraumes größere Absatzchancen. Die Folge: Die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften in Osteuropa steigt und belebt die Arbeitsmärkte in den jeweiligen Ländern.

    Die stärkere wirtschaftliche Verflechtung der Regionen wird nicht ohne Auswirkungen auf die Gehaltsstrukturen bleiben. Mit der Öffnung der einzelnen Länder hin zu einem Wirtschaftsraum Europa werden sich die Gehaltsniveaus mittel- bis langfristig angleichen. Dabei ist die Orientierung der Ostgehälter am westlichen Standards wesentlich wahrscheinlicher, als umgekehrt.

    Zwar ist zu erwarten, dass der Mittelwert der Gehälter in den EU-Staaten durch die Osterweiterung zunächst absinken wird. Die bisherigen Entwicklungen zeigen aber, dass sich die Gehaltsentwicklung in den Staaten mit den niedrigsten Durchschnittsgehältern am “alten” Mittelwert Westeuropas orientiert. Das hat zum einen personalpolitische Gründe: Firmen, die in Osteuropa expandieren, setzen zunächst meist Mitarbeiter aus dem Westen in Schlüsselpositionen ein. Im Laufe der Zeit übernehmen lokale Mitarbeiter diese Funktion. Interne Programme erhöhen die Qualifikationen der Belegschaft insgesamt, so dass auch die Gehälter steigen. Diese Anpassung erfolgt meist über variable Vergütungsbestandteile, deren Anteil in Osteuropa vergleichsweise höher liegt als im Westen. Generell verdienen Manager und Arbeiter bei internationalen Firmen deutlich besser als bei lokalen Unternehmen. Ihr Gehalt liegt im Durchschnitt 15 Prozent über dem Mittelwert des jeweiligen Landes.

    Neben den Entwicklungen bei den Unternehmen spielen auch volkswirtschaftliche Effekte des EU-Beitritts eine wesentliche Rolle bei der Annäherung der Gehaltsniveaus in den europäischen Regionen. Die Öffnung der osteuropäischen Länder hin zum EU-Wirtschaftsraum führt zu einem Anstieg der Preise, der sich in steigenden Gehältern und damit insgesamt höheren Personalkosten fortsetzt. Für Polen, Ungarn und die Tschechische Republik etwa sind für 2003 und 2004 die höchsten Gehaltssteigerungsraten in Europa zu erwarten, jeweils rund 5 Prozent. Bereits jetzt ist der Gehaltsunterschied zu westlichen EU-Staaten mit niedrigen Lohnstrukturen, wie beispielsweise Spanien und Portugal, nicht mehr allzu groß. So verdient heute ein kaufmännischer Leiter in Spanien im Schnitt jährlich 10.000 Euro mehr als sein Kollege in der Tschechischen Republik.

    Unterstützt wird dieser Trend zur Vereinheitlichung durch die gemeinsame Währung. Die Einführung des Euro in den Beitrittsstaaten schafft eine verlässlichere Vergleichsbasis für Gehälter, indem sie die durch Währungsunterschiede bestehende latente Intransparenz bei den Personalkosten aufhebt. Darüber nivelliert der EU-Beitritt Unterschiede in den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Bisher bestehende regionale Unterschiede bei Steuern und Subventionen, wie etwa Zonenrandförderungen und unterschiedliche Gewerbesteuern, werden im Zuge der Vereinheitlichung ausgeglichen.

    Das Zusammenwachsen von West- und Osteuropa zu einem Wirtschaftsraum bringt in der Gesamtschau eher positive Impulse für die Mitgliedsstaaten der EU. Dies gilt für Unternehmen wie für die jeweiligen Volkswirtschaften und regionalen Arbeitsmärkte. Unternehmen, Arbeitnehmer und Politiker sollten die EU-Erweiterung daher als Chance begreifen, die letztendlich ganz Europa wirtschaftlich nützen wird.

    Dirk Ewert leitet bei Towers Perrin den Geschäftsbereich European Data Business. Er ist Experte für die Vergütung von Fach- und Führungskräften innerhalb Europas.

    Quelle:http://www.handelsblatt.com/pshb/fn/relhbi/sfn/buildhbi/cn/GoArt!200012,204675,694903/SH/0/depot/0/
    Demnach sind die Gehaltsunterschiede nur ein relativ kurzfristiger Standortvorteil. Demnach kommt es weit aus mehr auf die Bildung und damit die Qualifikation der Bewerber an. Und da sind uns, auch sehr anschaulich durch die Pisa-Studie dargestellt, einige Ost- und Nordeuropäische Länder weit voraus.

    Weiter stimme ich Sonny vollkommen zu, die Ausbeutung der Sozialsysteme muss stärker überwacht werden, die Kosten für den Staat reduziert und gleichzeitig die Eigenverantwortung für den Bürger erhöht. Wir Deutsche sind es doch gewohnt, dass der Staat durch Gesetze und Verordnungen die Krankenversicherung, die Rente und die Arbeitslosenabsicherung erledigt. Vater Staat trägt uns den Arsch nach, wir brauchen uns um nichts zu kümmern. Das wird zukünftig aber so nicht mehr funktionieren, der Einzelne muss eigenverantwortlich handeln und sich absichern. Sicher werden dabei auch Härtefälle anfallen, aber die bisher betriebene staatliche Fürsorge ist so nicht mehr finanzierbar.

    Damit meine ich nicht ausschließlich das amerikanische Modell, aber auch dort gibt es positive Gesichtspunkte. Da denke ich z.B. an die Flexibilität. Warum soll man nicht einen Job in München antreten, wenn in der "Heimat"-Stadt Düsseldorf nichts zu finden ist. Immer noch besser als Arbeitslos zu sein finde ich, aber viele sind zu diesem Schritt nicht bereit.

    Auf der anderen Seite muss auch die Wirtschaft dazulernen, wenn jemand mal als Projektmanager arbeiten, dann wieder bei einem Schnellrestaurant und sich wieder als Projektmanager bewirbt, ist das in den USA kein Problem, hier in Deutschland ist dies fast unvorstellbar.

  9. #18
    Benutzerbild von 666meng666

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    SonnyB. postete
    @meng

    in welchem Beruf suchst du denn ?

    Ich finde es auch übel, daß eine Minderheit (auch 49% sind eine Minderheit ) darunter leiden muss, daß unser Sozialstaat ausgenutzt wird. Das hatte sich der alte Bismarck sicher anders vorgestellt.

    Aber da sind wir schon beim Thema ALU und Sozialhilfe
    Hi Sonny, ich lege mich da nicht auf einen bestimmten Beruf fest. Wichtig ist halt, dass ich den Job gesundheitlich machen kann und auch einigermassen gerecht bezahlt wird. Aber in erster Linie sollte es nach Möglichkeit was im kaufmännischen Bereich sein, was ich ja auch gelernt hatte.

    Neulich war ich zu einem Vorstellungsgespräch. Dort hat man mir für 190 Stunden pro monat 1500 Euro Bruttogehalt angeboten. Sorry, aber das erinnert mich sehr stark an Sklaverei. Mit dem was ich da bei Steuerklasse I rausbekäme, wäre ich schon zur Mitte des Monats blank.

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