Seite 2 von 15 ErsteErste 12345612 ... LetzteLetzte
Zeige Ergebnis 11 bis 20 von 146

Cd nicht mehr im Handel = Filesharing & MP3

Erstellt von Lumpi, 18.05.2003, 18:32 Uhr · 145 Antworten · 9.316 Aufrufe

  1. #11
    Benutzerbild von falkenberg

    Registriert seit
    27.04.2003
    Beiträge
    926
    Die Musikindustrie könnte es so leicht haben - wenn sie sich mal ein bisschen bemühen würde. Die haben massenweise altes Material, das sie verkaufen könnten, wenn sie sich um angemessenen Vertriebswege bemühen würde. Das Internet braucht man dafür nur zum Bestellen. Alles, was auf CD erschienen ist, müsste doch bei den Plattenfirmen als .wav-Datei rumliegen. Die könnten doch einfach komplette CDs , die nicht mehr erhältlich sind, als CDR anbieten. Für einen Preis von vielleicht 20 Euro wäre es doch vertretbar, auf Kundenwunsch eine CDR zu brennen und mit Cover (als Ausdruck nur Vorder- und Rückseite) zuzusenden. Die Rechte sind doch eh abgeschrieben und kosten fast nix mehr. Demjenigen, der die Cd selbst brennen will, könnten sie die .wav-Datei und die Bilddatei fürs Cover zuschicken. Da würden die doch massig dran verdienen. Und hätten noch den Vorteil der Marktforschung. Weil sie genau mitkriegen, wenn eine alte Veröffentlichung aus irgendwelchen Gründen so gefragt ist, dass eine reguläre Neuauflage lohnen könnte.

    Das funktioniert natürlich nur bei Sachen, die es mal als CD gegeben hat. Aber gerade die frühen CDs, die nach kurzer Zeit in der Versenkung verschwunden sind, sind doch so schwer zu bekommen.

    Für aktuelle Veröffentlichungen sehe ich das nicht so ganz. Wer nur 5 Titel pro Jahr haben will, ist für die Musikindustrie sowieso völlig uninteressant.

    Das mit dem Anhören von CDs sehe ich etwas anders. Eine wirklich gute CD ist mir doch mehr als 15 Euro wert. Also kaufe ich lieber etwas großzügig, bevor ich was verpasse.

  2.  
    Anzeige
  3. #12
    Benutzerbild von dj.forklift

    Registriert seit
    02.01.2003
    Beiträge
    834
    musicwasmyfirstlove postete
    Es ist vielmehr nur ein TONDOKUMENT,
    damit man es wenigstens hören kann.
    ***
    Tondokument hin oder her, nenne es wie du willst, es ist und bleibt ein urheberrechtlich geschütztes Werk. Die Vervielfältigung eines solchen garantiert dem/den Urheber(n) gewisse Rechte. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Und Rechte kann man gerichtlich geltend machen.
    Ich müßte lügen, wenn ich sage, daß ich nix sauge. Aber auch ich sauge mir nur wirklich das, wo ich der Meinung bin, daß Aufwand und Nutzen in einem gewissen Verhältnis stehen. Um beim o.g. Exile-Beispiel zu bleiben. Auch ich habe mir mehrere Versionen gesaugt. Die beste habe ich dann am PC noch nachbearbeitet. Auch ich bin der Typ der sagt: Wenn die Qualität stimmt, dann zahle ich. Ich bin ohne weiteres bereit, einen Download gegen Geld zu akzeptieren, wenn alles paßt (Wir DJs haben dann den Vorteil, daß wir das ja als Werbungskosten geltendmachen könnten )
    Die GEMA hat auf alle Fälle ein Künstlerverzeichnis. Abgerechnet wird über die LC-Nummern auf den Tonträgern. Wie das genau geht bin ich überfragt. Früher hat sich da kein Schwanz drum gekehrt, wenn Du von Vinyl eine Kopie auf Polyester gemacht hast, für's Autoradio, für Camping oder so. Heute geht alles schneller und in besserer Qualität und CD-Player mit Radio gibt es schon so ab 40 Eu. Das Problem ist auch, daß sich die verschiedenen Plattenfirmen, Verlage und sonstwas wohl nicht auf eine gemeinsame Strategie einigen können/wollen.

    Und @Lumpi, nochwas. Dein Vergleich von oben mit den Bauern und den Feldern ist Mist. Der Bauer, der das Feld verwildern läßt. ist und bleibt Eigentümer des Feldes:

    § 903 BGB: Der Eigentümer einer Sache kann, soweit nicht das Gesetz oder Rechte Dritter entgegenstehen, mit der Sache nach Belieben verfahren und andere von jeder Einwirkung ausschließen.
    ...
    Lies dir das mal gut durch!

  4. #13
    Benutzerbild von
    @ dj.forklift

    Das ist genau der Punkt. So sehr ich die "ich nehme doch niemandem was weg, die wollen damit ja gar kein Geld mehr verdienen"-Einstellung auch verstehen kann, so wenig ändert das letztendlich daran, dass ich deshalb als Nicht-Rechteinhaber nicht einfach entscheiden kann, wie deshalb mit der Sache zu verfahren ist. Zumindest muss ich mir bewusst sein, dass es dadurch nicht besser wird was ich tue. Ich habe ja nichts dagegen, ich würde heute auch kaum einem eifrigen Internet- und Computernutzer glauben, dass er noch nie ein MP3 File gesaugt hat. Aber es gibt daran eben einfach nichts schönzureden. Es ist wie mit dem Apfel den man dem Bauern vom Baum klaut. Es sieht zwar keiner und man wird auch (normalerweise) nicht erwischt, aber das heisst nicht, dass es deshalb auch ok ist.

    Ich würde gerne mal einen Blick in die Abstellräume und Keller einiger Leute werfen. Die brauchen den Kram ja offensichtlich nicht mehr, aber ich könnte da sicher einiges noch gut von gebrauchen. Also nehme ich mir das dann einfach mal mit nach Hause, ich schade ja keinem damit, benutzt ja keiner mehr das Zeug ;-)

    Ich kann auch das "Preisargument" nicht mehr hören. CDs werden niemals billig genug sein, als das es nicht verlockender wäre, die Liedchen für lau aus einer Tauschbörse zu saugen, solange dahinter einfach kein Unrechtsbewusstsein steckt. Eine Ware kostet was sie kostet, entweder man kauft sie oder man lässt es. Bei einer kw/h Strom sagt man auch nicht "Ey, wenn Strom malwieder zu nem' vernünftigen Preis zu haben ist, dann mache ich auch malwieder Licht an". Es gibt eben keine Alternative zu Strom... Bei Musik meint man, man hätte plötzlich eine Verhandlungsposition- und Basis, da man sich eine alternative geschaffen hat. Das ist allerdings nicht mehr und nicht weniger als Erpressung. Genauso gut könnte ich zu VW gehen und sagen: "Macht den Passat endlich billiger, sonst klaue ich einen!". Niemand würde ernsthaft erwarten, dass darauf jemand eingeht. Bei Musik komischerweise schon...

    Wer sie klaut, der sollte auch dazu stehen. Es ist egal aus welchem Grund man es tut, bei Musik gibt es so etwas wie "Mundraub" nicht. Wenn die Musikfirmen nicht verkaufen wollen, ist das ihr gutes Recht. Wer sich den Krempel trotzdem zieht hat ihn geklaut. Da gibts einfach nichts drumherumzureden. Es wäre ehrlich das zuzugeben und entspräche sowieso nur der Wahrheit. Wer das nicht tut, lügt sich m. E. selbst was in die Tasche.

    Letztendlich wäre es aber trotzdem ein feiner Zug der Musikindustrie, wenn sie Stücke die älter als 10-15 Jahre sind, für die private Nutzung sozusagen als "Freeware" deklariert. Letztendlich ist Musik eben auch ein Stück Kultur und wenn Teile davon unzugänglich verschwinden, ist das natürlich schade. Genau dieses Problem haben ja heute auch die Betreiber von Spielearchiven für 80er Jahre Heimcomputer. Die meisten Rechteinhaber gibt es schon gar nicht mehr. Wenn diese Sachen niemand archivieren und anbieten würde, würden sie sang- und klanglos in der Versenkung verschwinden. Dabei werden diese Dinge in gar nicht so ferner Zukunft, einmal ein gar nicht so unwichtiges Zeugnis unserer Kultur sein, nicht weniger wichtig jedenfalls als Grimms Märchen es für uns sind.


    Dave

  5. #14
    Benutzerbild von Torsten

    Registriert seit
    05.10.2001
    Beiträge
    6.613
    @ djforklift & Dave Bowman:

    Mit euren Beiträgen 011 und 012 liefert ihr ein schönes Beispiel dafür, wie man eine Debatte durch die geschwungene Gesetzeskeule plätten kann. Interessanterweise kommen die juristischen Argumente allerdings immer erst dann zum Vorschein, wenn sich vorherige Einwände als sachliche Eigentore erwiesen haben...

    Vorab der Hinweis, dass sich meine folgenden Ausführungen lediglich auf CDs/Tonträger beziehen, die im Handel nicht mehr erhältlich sind. Alles andere soll hier ausdrücklich ausgeklammert werden.

    Dave fordert mehr Ehrlichkeit gegenüber sich selbst ("Wer sie klaut, der sollte auch dazu stehen."). Gut, nach eurer Definition gebe ich dann unumwunden zu: Ich bin kriminell. Ich kopiere mir nämlich gelegentlich – für den Eigenbedarf – nicht mehr käufliche CDs. Allerdings kann ich bei diesem Eingeständnis müde in mich hineinlächeln. Und zwar, weil in diesem konkreten Beispiel der Begriff "kriminell" völlig seinen rationalen Eigenwert verliert. "Kriminell" kann nach logischem Menschenverstand nur das sein, was anderen schadet. Dass dies hier nicht der Fall ist, dürften diverse Beiträge deutlich gemacht haben.

    Dennoch der fast schon mit Pawlowschem Reflex geäußerte Hinweis: "Ja, aber in Paragraph xyz, Absatz 123 steht blablabla." Völlig ungeachtet dessen, ob das überhaupt Sinn macht, was da so steht. Völlig ungeachtet dessen, ob diese Gesetzeslage nicht dringendst einer Überarbeitung bedarf.

    Nun könnte man mir entgegenhalten: "Hey, okay, nix gegen 'ne entsprechende Reform. Bis dahin haste dich aber an geltendes Recht zu halten." Tatsächlich? Oder ist es nicht vielmehr so, dass die entsprechenden Verantwortlichen erst durch die Zuwiderhandlungen einer größeren Masse dazu gedrängt werden können, zu handeln? So blauäugig kann doch keiner sein, als dass er glaubt, ohne entsprechenden Nachdruck hier zum Erfolg zu kommen. Da gibt's in der Musikindustrie viel zu viele Pfründe zu verteidigen.

    Ich fänd's klasse, wenn sich ein Haufen Menschen zu einer entsprechenden Petition zusammenraufen würde und das Problem somit auf legalem Wege gelöst werden könnte! Das ist derzeit aber Träumerei.

    Wenn sich alle Menschen jederzeit immer an geltendes Recht halten und dieses unwidersprochen als die ultima ratio hinnehmen würden, dann... ja, dann Nacht Mattes. Mein Freund Christoph würde dann immer noch in einem Staat namens DDR leben. Das Kopieren von nicht käuflichen CDs ist doch nix anderes als die Rebellion des kleinen Mannes, der sonst durchaus bereit wäre, für offiziell zu erstehende Ware auch Geld zu bezahlen. Wer angesichts solcher Zustände allen Ernstes am Ende immer auf's Gesetz verweist, muss sich fragen lassen, ob es ihm eigentlich noch um die Sache (= Musik!) an sich geht.

    Ganz, ganz grausam sind in solchen Debatten dann auch Sätze à la "Ja, wenn das alle machen würden. Wenn wir uns alle nicht mehr an geltendes Recht halten, hamwa bald Anarchie!" Sprüche, die in Bezug auf Kopien unkäuflicher CDs utopischer nicht sein könnten – es wird immer nur eine Minderheit von Musiksammlern sein, die an den ollen Kamellen in astreiner Qualität so sehr interessiert ist. Genauso, wie es auch immer nur ein paar Leute sind, die sich gelegentlich mal 'nen Maiskolben vom Acker eines Bauern stibitzen. Jedenfalls hab ich noch nie was von Landwirten gehört, die Pleite machten, weil ihnen die Leute die Ernte unter'm Trecker weggeklaut haben...

    Besonders lustig aber wird's, wenn man sich mal Gedanken darüber macht, wieso wir überhaupt die Möglichkeit haben, Musik zu kopieren. Da schmeißt die Industrie seit Jahren massenweise CD-Brenner auf den Markt – mit der Erwartung, dass alle Menschen ganz, ganz brav sind und sich nur ein paar eigens erstellte Compilations zusammenlöten? Ich lach mich tot – wie dämlich und heuchlerisch kann man denn sein? Ich erinnere mich daran, dass bei der Bundeswehr die Leute, die ihre Spinde nicht abschlossen, nach Diebstählen hinterher genauso auf'n Sack bekamen wie der Dieb selbst. Hab' ich damals nicht so ganz kapiert, diese Regelung. Hier in unserer Diskussion drängt sich mir diese Maßnahme aber wieder sehr schnell auf...

    Man könnte über das Ganze sogar noch eingehender philisophieren. Man stelle sich vor, es gäbe keine Möglichkeiten, Musik zu kopieren. Dennoch haben die Menschen skandalöserweise immer noch den Drang, Geld zu sparen. Also leihen sie sich die Platten gelegentlich von denjenigen aus, die sie haben. Gut, ist kein vollwertiger Ersatz für den eigenen Besitz der Scheiben, aber die meisten hören ja sowieso nicht so regelmäßig intensiv Musik, als dass das Ausleihen für sie keine Alternative wäre. Tja, dann müsste man von Seiten der Industrie ja eigentlich auch das Ausleihen verbieten – denn dadurch gingen ihr ja auch die Bilanzen kaputt (angeblich). Man müsste eigentlich alle Möglichkeiten ausräumen, durch die Menschen Dinge miteinander teilen können – nix anderes ist letzten Endes nämlich das Kopieren unkäuflicher Platten. Das Auto einem Freund borgen? Vergiss es. Fahrgemeinschaften? Werden sofort abgeschafft. Gemeinsame Videoabende? Illegal, alle sollen sich den Film gefälligst selbst ausleihen. Usw. usf. Manch einer mag den Zusammenhang nicht erkennen, aber rein rational gedacht verhält es sich so.

    Übrigens: Das System des Kapitalismus basiert in erster Linie auf der Knappheit von Ressourcen. Hier gilt der Code: In den Besitz einer Sache kommt derjenige, der das entsprechende Geld hat, der Rest geht leer aus. Und das ist auch gut so. Dieses von allen stillschweigend akzeptierte Prinzip sorgt im Großen und Ganzen für Ruhe und Ordnung, ansonsten würde wirklich Anarchie herrschen.

    Im Falle von nicht mehr käuflichen Tonträgern aber entscheiden nicht das Portemonnaie, sondern ganz andere Faktoren über den Besitz der begehrten Ware (Ausnahme: Auktionen). Und die entsprechenden Produkte sind zu ihrer Zeit ja in aller Regel auch nicht mit der Absicht in geringer Auflage erschienen, um einen gewissen Teil der Konsumenten auszuschließen. Sondern nur, weil es damals eben noch nicht genügend Käufer gab. Es liegt in der Natur der Sache, dass die zu spät Gekommenen sich benachteiligt fühlen und alle Möglichkeiten ausschöpfen, dennoch an die gesuchten Scheiben heranzukommen. Wer diesen menschlichen Faktor ignoriert, muss sich nicht wundern, wenn illegale Praktiken fröhliche Urständ feiern.

    Es bleibt, wie es ist: Solange ich nicht die Möglichkeit bekomme, alte CDs wieder offiziell kaufen zu können, werde ich mich anderer Wege bedienen. Dafür mag man mich dann gerne kriminell oder gewissenlos schimpfen, das nehme ich gerne in Kauf. Aber wieso sollte ich mir über die Einwände von Leuten Gedanken machen, die sich jeglicher menschlich-logischen Argumentation verschließen?

  6. #15
    Benutzerbild von
    @ Torsten


    @ djforklift & Dave Bowman: Mit euren Beiträgen 011 und 012 liefert ihr ein schönes Beispiel dafür, wie man eine Debatte durch die geschwungene Gesetzeskeule plätten kann. Interessanterweise kommen die juristischen Argumente allerdings immer erst dann zum Vorschein, wenn sich vorherige Einwände als sachliche Eigentore erwiesen haben...

    Letzteres ist - was mich angeht - ziemlicher Blödsinn, dazu musst Du Dir nur die hier im Forum bereits vorhandenen Threads zu Thema anschauen. Und letztendlich kannst Du es drehen und wenden wie Du willst, in einem Rechtsstaat kommst Du ohne Gesetze nicht aus. Und letztendlich habe ich hier nicht den Paragraphenreiter gemacht, sondern einfach nur darauf hingewiesen, dass in einem Land wie diesem, Eigentum einen gewissen Wert besitzt und damit auch gewisse Rechte. Und dazu gehört eben auch, dass jeder mit seinem Eigentum verfahren kann wie er will und eben gerade nicht jeder mit fremden Eigentum machen kann, was er will.

    Dave fordert mehr Ehrlichkeit gegenüber sich selbst ("Wer sie klaut, der sollte auch dazu stehen."). Gut, nach eurer Definition gebe ich dann unumwunden zu: Ich bin kriminell. Ich kopiere mir nämlich gelegentlich – für den Eigenbedarf – nicht mehr käufliche CDs. Allerdings kann ich bei diesem Eingeständnis müde in mich hineinlächeln.

    Das ist eben immer eine Sache des persönlichen Maßstabs. Es gibt sogar immer wieder Forderungen gewisser Gruppierungen, die einen Ladendiebstahl bis z. B. 150 Euro zur Ordnungswidrigkeit herabstufen wollen. Die lächeln beim Klau eines Videorecorders also ebenso müde in sich hinein, wie Du beim "schwarzbrennen" einer CD, und das obwohl sie sogar jemanden unmittelbar schädigen. Sollen wir nach solch subjektiven Kriterien also nun festlegen was noch Rechtens ist und was nicht? Wohl kaum...

    Und zwar, weil in diesem konkreten Beispiel der Begriff "kriminell" völlig seinen rationalen Eigenwert verliert. "Kriminell" kann nach logischem Menschenverstand nur das sein, was anderen schadet. Dass dies hier nicht der Fall ist, dürften diverse Beiträge deutlich gemacht haben.

    Nein, haben sie nicht. Nehmen wir als Beispiel die momentan hereinbrechende Flut von DVD-Neuveröffentlichungen uralter 60er, 70er und 80er Jahre Schinken. Diese Filme lagen z. T. über 40 Jahre irgendwo rum und jeder hätte sagen können: "Ach komm, die kann man doch schwarz kopieren, das schadet doch niemandem". Es konnte schlichtweg aber gar keiner wissen, dass Warner & Co. diese Uralt-Filme nochmal im "Nice-Price" Bereich als DVD in die Regale stellen wird - und sie verkaufen sich wirklich, dass kann man in jedem Supermarkt beobachten wo so eine DVD-Angebots-Pappbox steht. Nichts anderes ist es bei Musiktiteln die seit einiger Zeit und damit auch momentan nicht erhältlich sind. Niemand kann sagen, ob die Musikkonzerne in 10 Jahren auf einem neuen Medium einmal eine 10er "wasfür ein Medium auch immer"-Compilation mit allen jemals erschienenen Pop-Titeln der Jahre 1981 bis 1990 machen. Das ist nur ein Beispiel! Es soll aber heute keiner behaupten, er hätte die Weisheit mit Löffeln gefressen und wisse genau das er niemanden schädigen kann, weil irgendwelche Titel ja nie mehr kommerziell verwertet werden.

    Es ist ja sogar bei manchen alten 80er Computerspielen heutzutage wieder problematisch geworden die ROMs für Emulatoren anzubieten, nachdem die Dinger auf Handys neu verwurstet werden. Da hat jahrelang auch jeder gemeint, es würde niemanden mehr interessieren. Doch, jetzt tut es das eben doch wieder.

    Dennoch der fast schon mit Pawlowschem Reflex geäußerte Hinweis: "Ja, aber in Paragraph xyz, Absatz 123 steht blablabla." Völlig ungeachtet dessen, ob das überhaupt Sinn macht, was da so steht. Völlig ungeachtet dessen, ob diese Gesetzeslage nicht dringendst einer Überarbeitung bedarf.

    Du magst es Dir in diesem Fall sicherlich wünschen das es so ist, damit Du mir wiedermal den pawlowschen Hund unter die Nase reiben kannst, damit liegst Du aber meilenweit daneben. Ich bin sicherlich alles andere als Obrigkeitsgläubig. Und was Sinn macht oder nicht, kannst Du im Fall von Gesetzen genauso wenig allein an Deiner Meinung fest machen.

    Das Kopieren von nicht käuflichen CDs ist doch nix anderes als die Rebellion des kleinen Mannes, der sonst durchaus bereit wäre, für offiziell zu erstehende Ware auch Geld zu bezahlen. Wer angesichts solcher Zustände allen Ernstes am Ende immer auf's Gesetz verweist, muss sich fragen lassen, ob es ihm eigentlich noch um die Sache (= Musik!) an sich geht.

    Wer Musikkopien zur Rebellion des kleinen Mannes hochstilisiert, der hasst wahrscheinlich auch Microsoft und verschmort AOL-CDs. Also bitte, jetzt wollen wir mal auf dem Teppich bleiben...

    Besonders lustig aber wird's, wenn man sich mal Gedanken darüber macht, wieso wir überhaupt die Möglichkeit haben, Musik zu kopieren. Da schmeißt die Industrie seit Jahren massenweise CD-Brenner auf den Markt – mit der Erwartung, dass alle Menschen ganz, ganz brav sind und sich nur ein paar eigens erstellte Compilations zusammenlöten? Ich lach mich tot – wie dämlich und heuchlerisch kann man denn sein?

    Ich halte eher den Bezug zwischen Brennerherstellern und Musikindustrie für dämlich. Sony ist in dieses Dilemma zwar reingerutscht (heute einerseits MI, andererseits auch Brennerhersteller), aber die HPs, LGs, Philips' und Mitsumis dieser Welt hatten und haben mit der Musikindustrie nichts am Hut, weswegen Philips z. B. ja auch gegen die kopiergeschützten CDs wettert und darauf verweist, dass sie sich eigentlich nicht mehr CD nennen dürfen. Genauso wie HP & Co. gegen Urheberrechtsabgaben Sturm laufen. Ich kann doch also nicht das Geschäft der einen Industrie nehmen und sagen: "Hey, dass macht ja das Geschäft der anderen Industrie kaputt, wie doof kann man denn sein?". Das hat auch mit Heucheln absolut nix zu tun.

    Es bleibt, wie es ist: Solange ich nicht die Möglichkeit bekomme, alte CDs wieder offiziell kaufen zu können, werde ich mich anderer Wege bedienen. Dafür mag man mich dann gerne kriminell oder gewissenlos schimpfen, das nehme ich gerne in Kauf. Aber wieso sollte ich mir über die Einwände von Leuten Gedanken machen, die sich jeglicher menschlich-logischen Argumentation verschließen?

    Weil für gewöhnlich nicht alles wirklich unlogisch ist, was Dir nur unlogisch erscheint. Für mich ist es logisch, dass der Eigentümer entscheidet was mit seiner Sache passiert. Wenn Dir das unlogisch erscheint, musst Du Dir schon bessere Argumente einfallen lassen als "aber der macht doch nix mehr damit" oder "ich schade ja keinem". Denn Eigentum ist ein hohes Gut und mit solchen "ich hätte aber gerne"-Argumenten lässt sich keine Enteignung rechtfertigen und auf nichts anderes laufen Deine Forderungen hinaus. Dann können wir aus der BMG auch das "Kombinat volkseigene Musikproduktion" machen und aus Steuermittelln produzierte Mucke umsonst verteilen. Da kannst Du das so machen wie Du es Dir vorstellst. Aber nicht mit privatwirtschaftlichen Unternehmen, die jederzeit das Recht und die Möglichkeit haben müssen mit dem Eigentum, dass nur durch ihre Investitionen überhaupt geschaffen wurde, nach Belieben zu verfahren und wenn die Zeit dafür gekommen ist, damit Geld zu verdienen, Eigentümer/Aktionäre zufriedenzustellen und dadurch Arbeitsplätze zu sichern, ggf. auch zu schaffen. So ist das nunmal in diesen Breitengraden... und das ist auch gut so. Und deshalb ist es auch nur logisch, dass es Gesetze gibt, die Eigentum (auch geistiges) unter besonderen Schutz stellen.

    Du kannst ja mal Heiko fragen, wie happy es ihn machen würde, wenn mal eben jemand "www.die-80er-jahre.de" komplett kopiert und als sein Werk unter anderer URL veröffentlicht. Heiko hätte große Probleme einen wirklichen Schaden geltend zu machen um das zu unterbinden, denn er verdient hier kein Geld. Trotzdem würde rein "menschlich-logisch" jeder sagen: Das gehört sich nicht! Und deshalb genießt auch sein Werk genau den Schutz, den die o. g. Produktionen genießen. So einfach ist das... und gilt im übrigen sogar für Deine Postings. Allein dadurch, dass Du sie geschrieben hast, genießen sie Urheberrecht und nur Du darfst entscheiden was damit passiert. Überholtes Recht? Ich glaube kaum!

    Dave

  7. #16
    Benutzerbild von hoodle

    Registriert seit
    04.10.2001
    Beiträge
    1.775
    @Dave: Ich bin ganz deiner Meinung. Ein ganz aktuelles Beispiel aus der Musik-Ecke ist ja das Re-Release von Boytronic - The Working Model Reverse. Die CD hat 20 Jahre auf dem Buckel und war mit Sicherheit nicht mehr im Laden zu kaufen. Das besagte Album wurde mittlerweile, wie auch hier im Board zu lesen, mitsamt einiger Bonustracks wiederveröffentlicht.

    Ausserdem hier noch ein Auszug von einem Interview vom Februar mit Boytronic (Quelle: www.re-flexion.de ). Ich lass das ganze einfach mal mehr oder weniger unkommentiert. Aber gerade beim letzten Satz von Holger treibt es einem doch die Tränen in die Augen. Die Leute denken noch an ihre Fans, und wem hierbei nicht klar wird, was raubkopieren alles kaputtmacht, dann weiss ich auch net, welches Argument überhaupt noch zählen soll. Und jetzt sag nicht, der wahre Fan kauft sich auch das Original, auch wenn er schon die Kopie hat.

    re-flexion: Uns ist zu Ohren gekommen, dass in unmittelbar nächster Zeit Euer Debütalbum bei Strangeways Records und mit diversen Bonusstücken zum dann insgesamt dritten Mal (wieder-) veröffentlicht werden soll - was dürfen die Boytronic Fans erwarten?

    Holger: Ja tatsächlich. Auf Grund der großen Nachfrage sagt man ja wohl gerne. Es gab das Album ja bis dato nur als kleine Auflage bei einem norwegischen Label. Jetzt kommt so ein Art "Working Model De Luxe". Mit neuem Cover und Booklet. Außerdem befinden sich auf der CD neben der original "Working Model" noch acht Bonus Tracks. Es wird „Trigger Track“ in der langen Version drauf sein, „Late Night Satellite“, „Goodbye“, „Hurts“ und „Brillyant“ in der 33 1/3 Version sowie drei Demos aus vergangenen Tagen. Also das volle Programm.

    re-flexion: Des weiteren soll eine Art "12Inch Compilation" in Arbeit sein, damit die seinerzeit nur auf Vinyl erschienen und mittlerweile wirklich raren Versionen beider früherer Boytronic Formationen auf den Markt kommen - wie ist denn da der Stand der Dinge?

    Holger: Ist auch geplant. Wahrscheinlich als Doppel CD. Erst mal kommt die“ Working Model“ und dann eine neue Single - "The Continental" - ein paar Monate später. Dann gibt’s alles wieder im Laden und die Fans müssen keine Unsummen mehr bei Ebay zahlen.

  8. #17
    Benutzerbild von
    @ Hoodle

    Jawoll...... Mir fällt dazu nur noch ein Aspekt ein: Früher hat der kleine Mann "rebelliert", indem er legal und legitim Sender, Plattenfirmen oder sonstwen mit Briefen geflutet hat um Nachfrage zu bezeugen (manchmal hats sogar was gebracht, weil man es dort einfach nicht mehr übersehen konnte, wenn ich mich nicht täusche, ist so sogar die Original Star Trek Serie mal vor der Absetzung gerettet worden) und heute meint er die moderne Form davon sei Diebstahl. ;-)

    Ich habe mir übrigens gestern den Formel 1 Film auf DVD gekauft.... 20 Jahre alt und nun eben doch wieder kommerziell auf dem Markt. Da hätte man mir noch vor 3 Jahren ganz sicher auch Stein und Bein geschworen, dass man niemandem schadet, wenn man den schwarz kopiert und in alle Welt verteilt. Dann hätte ich ihn jetzt schon und hätte die DVD sicherlich nicht gekauft, genauso wie TRON, Planet der Affen, .......

    Dave

  9. #18
    Benutzerbild von Torsten

    Registriert seit
    05.10.2001
    Beiträge
    6.613
    @ Dave Bowman:

    Aufgrund der Länge muss der Text mal wieder gesplittet werden...

    Teil 1:

    "Und letztendlich kannst Du es drehen und wenden wie Du willst, in einem Rechtsstaat kommst Du ohne Gesetze nicht aus."

    Da kann und will ich dir auch nicht widersprechen. In Bezug auf unser konkretes Thema aber von Zuwiderhandlungen einzelner auf die große Anarchie zu schließen, kann nun wirklich nicht als Argument dienen. Vor allem dann nicht, wenn es um Gesetze geht, die längst veraltet sind und sich zunehmend als untauglich erweisen.

    Dass gerade die Musikindustrie nur durch den Widerstand bzw. dem illegalen Verhalten der Konsumenten in ihrem Handeln beeinflusst werden kann, belegt sehr deutlich auch die Debatte um den CD-Kopierschutz. Mal ganz abgesehen davon, dass ein Kopierschutzverfahren, welches die Wiedergabequalitäten einer CD negativ beeinflusst, dem festgelegten Red-Book-Standard zuwiderläuft und somit eigentlich selbst illegal ist, bringt es den Käufern und vor allem den Händlern nichts als Ärger ein. Letztere sind dann die besonders Leidtragenden, weil sie von Tausenden Kunden mit entsprechenden Beschwerden drangsaliert werden. Und selbstverständlich kann davon ausgegangen werden, dass viele der Reklamationen nur vorgegeben werden, um eine bereits kopierte Scheibe wieder zurückzugeben. Die Angepissten sind am Ende die ehrlichen Käufer, die sich mit minderwertigen CDs herumschlagen müssen. Würden die Kunden bzw. die Händler dagegen nicht Sturm laufen und würde die Möglichkeit der Reklamation nicht so zahlreich missbraucht werden, würden die Konzerne wohl kaum zum Umdenken bewegt werden können...


    "dass in einem Land wie diesem, Eigentum einen gewissen Wert besitzt und damit auch gewisse Rechte. Und dazu gehört eben auch, dass jeder mit seinem Eigentum verfahren kann wie er will und eben gerade nicht jeder mit fremden Eigentum machen kann, was er will."

    Da spricht du genau den Punkt an, der in dieser Diskussion den eigentlichen Knackpunkt darstellt. Die Rechte an den Titeln, um die es hier geht, liegen eben derzeit bei Firmen, die die entsprechenden Aufnahmen in ihren Kellern verrotten lassen und sich um eine Neuveröffentlichung einen feuchten Dreck scheren (aus welchen Gründen auch immer). Nun muss man das Ganze einmal grundsätzlich hinterfragen: Warum hat denn eine Plattenfirma die Rechte an einem Titel? Natürlich deshalb, um hinsichtlich der gewerblichen Verwertung juristisch abgesichert zu sein. Es muss ja schließlich ein bestimmtes Unternehmen den "Zuschlag" erhalten, um Wildwestmethoden auf dem Musikmarkt zu verhindern.

    Hier entsteht nun das Dilemma: Die Rechte bleiben natürlich auch dann noch Eigentum, wenn sie kommerziell nicht mehr genutzt werden. Und hier sollte vom Gesetzgeber ganz schnell umgedacht und Musik als kulturelles Erbe zum "Volksgut" erklärt werden. Denkbar wäre folgendes Modell: Solange die Rechte an Musiktiteln kommerziell verwertet werden und die Tonträger weiterhin käuflich zu erwerben sind, bleibt alles beim Alten. Sobald dies aber nicht mehr der Fall ist, sollte der Gesetzgeber die betroffenen Titel quasi für "vakant" erklären. Im Zeitraum dieser Vakanz dann gelten die Titel als "ausgeschrieben", d. h. die Rechte müssen vom alten Eigentümer zum Verkauf freigegeben werden. Ebenfalls wird erklärt, dass private Kopien der Originaltonträger in dieser Phase legal sind, da niemand absehen kann, ob die Rechte überhaupt jemals wieder einen Besitzer finden. Damit wird die allgemeine Zugängigkeit gewährleistet und somit im Interesse des Allgemeinwohls gehandelt.

    Dass gelegenlich dochma die Ratio über starre Gesetzesvorlagen siegt, zeigt ein Gerichtsurteil, das vor einiger Zeit bezüglich einer Internet-Adresse ausgesprochen wurde. Da hatte sich eine vermeintlich clevere Privatperson seinerzeit die Rechte an "www.shell.de" gesichert. Es kam, wie es kommen musste: Dem großen Öl-Konzern Shell stieß dies sauer auf, weil viele Leute im Netz natürlich immer erst mal genau diese Adresse eingaben, wenn sie zur Seite des Unternehmens wollten - und auf der belanglosen Homepage einer Privatperson landeten. In einem Prozess entschied nun das Gericht, dass in diesem Fall der Eigentümer die betreffende Adresse an den Konzern abzutreten habe (zu welchen Konditionen, weiß ich nicht mehr). Hier wurde im Interesse der Allgemeinheit gehandelt, weil sich natürlich zigfach mehr Leute für die Seite des Unternehmens interessieren als für die der Privatperson. In diesem Fall haben dem einfachen Menschenverstand folgende Richter meines Erachtens genau die richtige Entscheidung getroffen und sich nicht blindlings an die übliche Definition von Eigentum und den damit verbundenen Konsequenzen gehalten.

    Du selbst sprichst dich ja im letzten Absatz von Posting 012 dafür aus, alte Produkte nach einem gewissen Zeitraum als "freeware" zu deklarieren. Grundsätzlich keine schlechte Idee - mir gefällt nur der Duktus nicht, mit dem du diesen Gedanken präsentierst. "Letztendlich wäre es aber trotzdem ein feiner Zug der Musikindustrie (...)." - wie sich das schon anhört. Fast, als wäre die Musikindustrie so etwas wie ein göttliches Wesen, auf deren Gnade wir Unwürdigen vielleicht irgendwann mal hoffen dürfen. Diese Haltung ist mir viel zu waschlappig. Nein, es muss dafür gesorgt werden, dass die Konzerne eben nicht mehr dauerhaft über das zukünftige Angebot älterer künstlerischer Werke entscheiden. Hier müssen ganz klare rechtliche Grundlagen geschaffen werden, um es auch zukünftigen Generationen zu ermöglichen, sich in bestmöglicher Qualität an betagterer Musik zu erfreuen.

    Ach, und dann gibt's ja noch das von djforklift angespochene Problem mit den Tantiemen für die Künstler. Auch mir ist es ein Rätsel, warum sich die GEMA offensichtlich so wenig für die Interessen ihrer "Klientel" einsetzt. Und zwar nicht im Hinblick auf die ach so bösen Raubkopierer, sondern auf die Plattenfirmen, die durch das Einstellen der Produktion von bestimmten Titeln weiteren Fluss von Tantiemen an die entsprechenden Künstler verhindern. Auch hier müsste vom Gesetzgeber eine Lösung gefunden werden. Es dürfte für einen Interpreten/Produzenten kein besonders tolles Gefühl sein zu wissen, dass es sehr wohl eine gewisse Käuferschaft für seine alten Titel gibt, aber die die Rechte haltende Plattenfirma es nicht für nötig befindet, diese weiterhin anzubieten.


    "Das ist eben immer eine Sache des persönlichen Maßstabs. (...) Sollen wir nach solch subjektiven Kriterien also nun festlegen was noch Rechtens ist und was nicht? Wohl kaum..."

    Es geht hier nicht um subjektive Wahrnehmung, sondern um dass, was allein schon die Logik gebietet. Und Logik ist nicht subjektiv, sondern rational - es sei denn, du erklärst beschlossene Gesetze grundsätzlich als subjektiv. Im Übrigen: Wer allen Ernstes den Unterschied zwischen unserer Thematik und ordinären Ladendiebstählen nicht sieht und die Betroffenen somit alle über einen Kamm schert, zieht einen völlig unzulässigen Vergleich, der die Lösung des Problems auch weiterhin behindern wird.


    "Das ist nur ein Beispiel! Es soll aber heute keiner behaupten, er hätte die Weisheit mit Löffeln gefressen und wisse genau das er niemanden schädigen kann, weil irgendwelche Titel ja nie mehr kommerziell verwertet werden."

    Doch, ich behaupte das. Eine vielleicht irgendwann in ferner Zukunft zu erwartende kommerzielle Verwertung ist pure Spekulation und daher eine Phantomdiskussion, die sich nicht auf den status quo der Gegenwart bezieht. Da nützen auch vereinzelte Beispiele nix (bei denen im Übrigen eine Schädigung auch pure Spekulation ist!), weil man daraus noch längst nicht auf alle andersartigen Produkte schließen kann.Vor allem, wenn man weiß, welche Klientel sich für Kopien alter, rarer Musik-Aufnahmen interessiert: Sammler, die in 99 von 100 Fällen viel lieber die Originale kaufen und sich im Falle einer Wiederveröffentlichung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dieselben auch zulegen würden. Kannst dich allein hier im Forum ja mal entsprechend umhören...

    Noch unwahrscheinlicher wird dieses "Schädigungs-Szenario", wenn man sich mal die immer noch nicht unerheblichen Verkaufszahlen von Tonträgern vor Augen führt. Eigentlich ist es ja kaum zu fassen, dass noch so viele CDs verkauft werden, obwohl eigentlich jeder heutzutage irgendwie Zugang zu Kopien oder Internet-Tauschbörsen hat. Was den Schluss zulässt, dass es immer noch eine Menge Leute gibt, die bereit sind, für originale Qualität Geld zu bezahlen. Und davon sind nur die wenigsten echte Sammler, und trotzdem zahlen sie die nicht geringen Preise. Um ein Vielfaches mehr sind also die echten Sammler dann bereit, für endlich wieder käufliche Platten zu löhnen und die Mär von der Schädigung somit widerlegen. Von daher sind auch Quervergleiche zwischen Musik, Film- und Computerbranche nicht statthaft, weil deren Protagonisten oftmals völlig unterschiedliche Prioritäten setzen. Merke ich immer wieder, wenn ich mich entsprechenden Personen unterhalte... So lasse ich mich auch zu der Behauptung hinreißen, dass es trotz einer annähernd gleich hohen Verbreitung in der Bevölkerung unter den PC-Spiele-Freaks wesentlich weniger Sammler von originalen Spielen gibt als Musikfreaks, die Tausende von CDs anhäufen und grundsätzlich nur an Originalen interessiert sind!


    "Es konnte schlichtweg aber gar keiner wissen, dass Warner & Co. diese Uralt-Filme nochmal im 'Nice-Price' Bereich als DVD in die Regale stellen wird - und sie verkaufen sich wirklich, dass kann man in jedem Supermarkt beobachten wo so eine DVD-Angebots-Pappbox steht."

    Richtig, und zwar mit Sicherheit hauptsächlich an die Leute, die auch mit schwarzen Kopien von "früher" schon an diesen Schinken interessiert waren. Dafür ist der Qualitätssprung nämlich einfach zu groß, als dass dem nicht so wäre - gerade dann, wenn die Dinger auch noch als "Nice Price"-Schnäppchen angeboten werden...


    "Wer Musikkopien zur Rebellion des kleinen Mannes hochstilisiert, der hasst wahrscheinlich auch Microsoft und verschmort AOL-CDs."

    Klar doch, Dave, obwohl ich jeden Tag mit Microsoft-Produkten arbeite und mir AOL-CDs so egal sind wie nur irgendwas... Wenn ich dich um eines beneide, dann um deine lebhafte Phantasie...


    "Also bitte, jetzt wollen wir mal auf dem Teppich bleiben..."

    Das sagt mir ausgerechnet der Mann, der einen Teil von uns vor einiger Zeit mit dem tollen Spruch von den Kommunisten beglückte? Ich lach mich schlapp... *LOL*

  10. #19
    Benutzerbild von Torsten

    Registriert seit
    05.10.2001
    Beiträge
    6.613
    Teil 2:

    "Ich kann doch also nicht das Geschäft der einen Industrie nehmen und sagen: 'Hey, das macht ja das Geschäft der anderen Industrie kaputt, wie doof kann man denn sein?'. Das hat auch mit Heucheln absolut nix zu tun."

    Doch, hat es. Es ist eigentlich unfassbar, dass sich die Musikindustrie die Raubkopierer als ihre Feinde auserkoren hat und somit nur an den Symptomen herumdoktort, als von Anfang an die Hersteller von CD-Brennern direkt bis unter den Hals mit Prozessen eingedeckt und somit die Wurzel allen Übels bekämpft zu haben. So dämlich kann auf Seiten der Musikindustrie ja nun wirklich keiner gewesen sein, als dass er glaubte, dass das nicht irgendwann mal immense Auswirkungen haben würde. Oh Mann, jetzt muss ich hier schon den advocatus diaboli spielen, weil ich über die Möglichkeit des CD-Brennens ja selbst so froh bin...

    Man kann nicht drum herumreden: Mit ihrem überheblich-starren Gebaren schaufelt sich die Musikindustrie ihr eigenes Grab. Ich erinnere mich an einen Bericht in einer Zeitschrift (weiß nicht mehr, welche), in dem u.a . auch einige Top-Manager aus anderen Industriezweigen zur Jammerei der Musikbranche befragt wurden. Die Kommentare waren durch die Bank weg vernichtend, Adjektive wie "dumm" oder "heuchlerisch" waren da noch die nettesten Umschreibungen. Ich erinnere mich an eine Aussage, die sinngemäß lautete: "Wenn wir in unserer Branche so unflexibel-arrogante Geschäftspolitik betreiben würden, wären wir schon längst pleite. Hier ist Mitleid nun wirklich fehl am Platze."

    Dass es auch anders geht, beweist der sich offensichtlich großer Beliebtheit erfreuende Music-On-Demand-Dienst "iTunesMusicStore" von Apple. 99 Cent pro gesaugtem Stück, das ist doch ein vernünftiger Preis - so sahen es auch 31 Millionen Menschen, die sich allein im April in den USA auf diese Weise Songs aus dem Netz saugten. Von wegen, die Leute wären nicht mehr bereit, für entsprechende Qualität zu zahlen - wenn der Preis in angemessenem Verhältnis zur gebotenen Leistung steht, beweist sich deutlich das Gegenteil. Man muss eben nur in der Lage sein, sich aus starren Strukturen zu lösen - sowohl von Seiten der Konzerne als auch des Gesetzgebers!


    "Weil für gewöhnlich nicht alles wirklich unlogisch ist, was Dir nur unlogisch erscheint. Für mich ist es logisch, dass der Eigentümer entscheidet was mit seiner Sache passiert. Wenn Dir das unlogisch erscheint, musst Du Dir schon bessere Argumente einfallen lassen als 'aber der macht doch nix mehr damit' oder 'ich schade ja keinem'."

    Nun, führen wir uns dochma vor Augen, was du diesen beiden Argumenten entgegenzusetzen hast:

    1. die "weil das so im Gesetz steht"-Methode: Starres Denken von Ewiggestrigen, die nicht bereit sind, geltendes Recht einer eingehenden Prüfung zu unterziehen und sich nicht eingestehen können, dass eine (in speziell diesem Fall!) derart unsinnige Gesetzeslage illegale Praktiken geradezu herausfordert. Ferner der als Moralkeule missbrauchte "wenn das alle machen würden"-Vorwurf, der impliziert, dass das Kopieren unkäuflicher Musik irgendwann zum Zusammenbruch der gesellschaftlichen Ordnung führt;

    2. die Spekulation, dass vielleicht irgendwann mal jemand so gnädig ist, ein künstlerisches Werk nicht völlig in der Versenkung verschwinden zu lassen und es wieder zum Verkauf anbietet. Auf solche Entgegnungen kann innerhalb einer solchen Debatte meines Erachtens keine Rücksicht genommen werden, weil sie sich auf unbewiesene Annahmen stützen, die sich daher in einem argumentativ luftleeren Raum bewegen und reformfeindlich sind.


    "Denn Eigentum ist ein hohes Gut (...)."

    Stimmt. Für manche allerdings so hoch, dass es selbst den größten Hirnriss rechtfertigt...


    "und mit solchen 'ich hätte aber gerne'-Argumenten lässt sich keine Enteignung rechtfertigen und auf nichts anderes laufen Deine Forderungen hinaus. Dann können wir aus der BMG auch das "Kombinat volkseigene Musikproduktion" machen und aus Steuermittelln produzierte Mucke umsonst verteilen."

    Dass du bei der Kritik an bestimmten Folgelasten kapitalistischen Handelns immer direkt sozialistisch-kommunistische Tendenzen bzw. Auswirkungen unterstellst, wissen wir ja mittlerweile. Die Frage ist, ob du solche Schlussfolgerungen eigentlich selbst noch ernst nimmst...

    Aber um nochma auf die von dir eingeforderte Ehrlichkeit zurückzukommen: Ich bin jetzt mal noch ehrlicher, als du es verlangst. Ich gestehe: Ja, meine Haltung rührt auch aus einer "Ich hätte aber gerne"-Attitüde her. Was sonst sollte meine Motivation sein, wenn ich in einer Debatte eine solche Meinung vertrete und auch danach handle? Und für diese von dir vielleicht sogar als Kränkung gedachten Aussage schäme ich mich auch nicht, weil ich das für eine völlig elementare menschliche Eigenschaft halte.

    In diesem Zusammenhang kommt sogar die Gerechtigkeitsdebatte zum Tragen, wie sie kürzlich in der dir empfohlenen Talk-Runde angesprochen wurde. Als bekennender Gerechtigkeitsfanatiker empfinde ich es als unerträglich, dass es bei einem Kulturgut wie Musik und den heutigen technischen Mitteln einer nicht unerheblichen Menge von Menschen trotz Zahlungswilligkeit nicht ermöglicht wird, an den von ihnen gesuchten Titeln heranzukommen. Unerträglich vor allem im Hinblick darauf, dass man durch entsprechend konsequentes Handeln diese Zustände ganz schnell bessern könnte. Aber dafür müsste man eben mal auch Grundsätzliches überdenken und alte Zöpfe abschneiden. Solange dies nicht passiert, lasse ich mir (und viele andere auch) kein schlechtes Gewissen einreden.

    Prinzipiell sollte der Begriff "Eigentum" auch weiterhin definiert werden wie bisher. Der Gesetzgeber sollte aber in der Lage sein, bestimmte Bereiche differenziert zu bewerten und eine entsprechende Gesetzeslage zu schaffen. Denn eine auf demokratischer Basis stehende Politik hat für eine adäquate gesellschaftliche Ordnung zu sorgen - und dies bedeutet auch, dass in einigen Fällen das Wohl der Allgemeinheit über den Interessen Einzelner zu stehen hat. Genauso, wie ich es als nicht hinnehmbar empfinde, wenn ein einziger Hausbesitzer über Jahre hinweg die größten und wichtigsten öffentlichen Bauprojekte behindert, kann ich es nicht akzeptieren, dass wenige Verantwortliche aus der Musikindustrie darüber entscheiden, welche älteren Titel der Allgemeinheit auch weiterhin zugänglich sind. Zumal die Halter der Rechte, nämlich in aller Regel die Plattenfirmen, ja im eigentlichen Sinne noch nicht einmal Urheber der fraglichen Titel sind, sondern genau diese sogar noch um potenzielle Tantiemen bringen. Wenn die Tatsache, dass die eigentlichen Künstler vor ewigen Zeiten notgedrungen die Rechte an die Firmen abtreten mussten, schon Rechtfertigung genug für aktuelle und zukünftige Zustände sein soll, muss man sich über hitzige Debatten zu dieser Thematik nicht wundern.

    Und bevor du mich jetzt endgültig für 'nen verkappten Kommunisten hältst, noch Folgendes: Ich halte den Kapitalismus - in dem der Begriff "Eigentum" eine zentrale Rolle spielt - für die derzeit einzige funktionierende gesellschaftliche Ordnung. Funktionierender und zukunftssicherer Kapitalismus war, ist und bleibt aber immer gemäßigter und vom Staat gelegentlich regulierter Kapitalismus, der sich an gewisse Spielregeln hält - und kein Raubtier-Kapitalismus, in dem einzig und allein das Recht des Stärkeren gilt. Sonst könnten wir auch gleich wieder zur Steinzeit-Mentalität zurückkehren...

    "Aber nicht mit privatwirtschaftlichen Unternehmen, die jederzeit das Recht und die Möglichkeit haben müssen mit dem Eigentum, dass nur durch ihre Investitionen überhaupt geschaffen wurde, nach Belieben zu verfahren und wenn die Zeit dafür gekommen ist, damit Geld zu verdienen, Eigentümer/Aktionäre zufriedenzustellen und dadurch Arbeitsplätze zu sichern, ggf. auch zu schaffen."

    Geld verdienen, Aktionäre zufrieden stellen und Arbeitsplätze sichern kann man nur mit Waren, die auch angeboten und somit verkauft werden. Insofern läuft diese Entgegnung für mich ins Leere. Und ich weise dich ausdrücklich darauf hin, dass du in Posting 012 selbst einräumst, dass Musik ein Stück Kultur ist; dann sollte man auch so konsequent sein und schlussfolgern, dass Musik in Bezug auf die Definition von "Eigentum" eben nicht vergleichbar ist mit einem Mercedes, einem CD-Player oder sonstigen materiellen Gütern.


    "Du kannst ja mal Heiko fragen, wie happy es ihn machen würde, wenn mal eben jemand 'www.die-80er-jahre.de' komplett kopiert und als sein Werk unter anderer URL veröffentlicht. (...) und gilt im übrigen sogar für Deine Postings. Allein dadurch, dass Du sie geschrieben hast, genießen sie Urheberrecht und nur Du darfst entscheiden was damit passiert."

    Nun, dass Heiko nicht gerade vor Freude in die Hände klatschen würde, ist klar. Ich halte nur den Vergleich zu unserem Thema für unpassend. Heikos 80er-Seite ist für jedermann zugängig - im Gegensatz zu der Musik, über die wir hier diskutieren. Die Frage stellt sich, was wäre, wenn diese Seite auf einmal aus dem Netz verschwinden würde. Immerhin enthält ja vor allem dieses Forum mittlerweile eine riesige Menge an Infos bzw. Wissen und damit schon einen nicht unerheblichen geistigen "Nährwert". Hm, dann dürfte ich ja nach deiner Logik nicht einmal - wie ich es bisher praktiziere - einzelne Seiten dieses Forums auf meinem Rechner speichern und somit auch nach Verschwinden aus dem Netz nutzen. Das wäre ein adäquater Vergleich zu unserer Debatte. Ich dürfte mir auf meinem eigenen Rechner also nicht mehr durchlesen, was du und andere im Laufe der Zeit so geschrieben haben - genauso, wie ich mir ja auch nicht mehr erhältliche Musik nicht kopieren und somit anhören darf...

    In Bezug auf meine Postings kann ich nur sagen: Wenn ich sie in ein öffentliches Forum stelle und sie somit der Allgemeinheit zugänglich mache, muss ich auch damit rechnen, dass sie für andere Zwecke verwendet werden. Es würde mich auch nicht interessieren, denn für so wertvoll halte ich meine Beiträge nun wirklich nicht... Ich hab' mich auch schon früher in der Schule nicht daran gestört, wenn andere fleißig von mir abgeschrieben und sich damit gelegentlich gute Noten verdient haben. Das war auch mein geistiges Eigentum - na und? Mir selbst hat niemand was weggenommen, und ich bin mit dieser Einstellung bisher verdammt gut gefahren...

    Damit wir uns richtig verstehen: Geistiges Eigentum, mit dem man Geld verdient, gehört rechtlich geschützt, keine Frage! Aber eben: Mit dem man Geld verdient! Das ist meine Philosophie, weil ich keinen Sinn darin erkennen kann, jemandem etwas zu verbieten, das mir selbst keinen Vorteil bringt.


    "Trotzdem würde rein 'menschlich-logisch' jeder sagen: Das gehört sich nicht!"

    Nö, würde man nicht. Das wäre nur ein moralinsaures Argument. Und eins ist klar: Wer moralisiert, erspart sich das Denken!

    Zum Schluss noch eine Bemerkung: Es ist auffällig, dass die Musikindustrie in ihrem Wehklagen über die unsägliche Kopiererei immer auf die Verluste bei käuflichen Tonträgern verweist. Jedenfalls habe ich von ihrer Seite noch nix über besondere Aufregung in Bezug auf die private Vervielfältigung nicht mehr erhältlicher Tonträger vernommen. Die kommt merkwürdigerweise immer von einem Personenkreis, der hauptsächlich aus exaltierten Sammlern, DJs usw. besteht. Da drängt sich mir unweigerlich der Verdacht auf, dass sich da einige in ihrem exklusiven Besitzerstolz beleidigt fühlen und es nicht verknusen können, dass auch Leute in den Genuss dieser Musik kommen, die eben nicht eklatante Horrorsummen dafür bezahlt haben...

  11. #20
    Benutzerbild von
    @ Torsten

    Hier entsteht nun das Dilemma: Die Rechte bleiben natürlich auch dann noch Eigentum, wenn sie kommerziell nicht mehr genutzt werden. Und hier sollte vom Gesetzgeber ganz schnell umgedacht und Musik als kulturelles Erbe zum "Volksgut" erklärt werden.

    Dagegen ist ja im Prinzip nichts einzuwenden, nur leider kannst Du das nicht innerhalb der Fristen regeln, die Du dafür wohl gerne hättest. Und ich erinnere Dich gerne nochmal dran: Das was Du forderst ist eine Enteignung. Außerdem machst Du es Dir reichlich einfach, wenn Du der MI alleine den schwarzen Peter zu schiebst und erklärst, sie würde auf der Musik sitzen. Mit den Rechten ist es ja oft nicht ganz so einfach wie Du es hier darstellst, denn an einem Musikstück gibt es unterschiedliche Rechte und Rechteinhaber (z. B. Autor, Komponist, Interpret, Hersteller). Eine BMG alleine kann Dir also alleine die Rechte an einem Stück gar nicht freigeben, da würde sich z. B. "der Diedä" bedanken und die BMG auf Schadenersatz verklagen. Das müsste man alles regeln und selbst wenn Du den größten Traumtanz hinlegst, glaubst Du nicht im ernst, dass das bei allen Stücken und allen beteiligten klappt. Wenn man solche "Details" aber unbeachtet lässt, kann man sich natürlich hinstellen und einfach sagen "dieses Urheberrechtsgesetz ist ja total veraltet".

    Im übrigen hebelst Du mit Deinem Vorschlag mal eben das gesamte EU-weit angeglichene Urheberrecht mit Deiner Forderung aus und die besagt, dass die Schutzfrist 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers erlischt. Also malwieder ein deutscher Sonderweg in Richtung Staatswirtschaft (und auch wenn Du das immer nicht gerne hörst, Dich ja sogar drüber lustig machst, Du forderst damit nichts anderes)?

    Du selbst sprichst dich ja im letzten Absatz von Posting 012 dafür aus, alte Produkte nach einem gewissen Zeitraum als "freeware" zu deklarieren. Grundsätzlich keine schlechte Idee - mir gefällt nur der Duktus nicht, mit dem du diesen Gedanken präsentierst. "Letztendlich wäre es aber trotzdem ein feiner Zug der Musikindustrie (...)." - wie sich das schon anhört. Fast, als wäre die Musikindustrie so etwas wie ein göttliches Wesen, auf deren Gnade wir Unwürdigen vielleicht irgendwann mal hoffen dürfen. Diese Haltung ist mir viel zu waschlappig.

    Das ist mir schon klar, denn Du befindest Dich auf einem Feldzug gegen die MI, bei dem Du Dich schön in Rage reden kannst. Nur hat es nichts mit "Waschlappigkeit" zu tun, wenn man das etwas nüchterner sieht und anerkennt, dass man kein Grundrecht auf die Musik vom BMG, Universal oder Sony hat. Das sind letztendlich eben doch kommerzielle Produkte, unternehmerisch tätiger Konzerne mit all ihren Rechten und auch Pflichten. Eine Pflicht Torsten aus KR irgendwelche Musik zur Freien Verfügung zu stellen gehört nicht dazu und hätte auch mit Marktwirtschaft nicht mehr viel zu tun.
    Wenn ein Unternehmen dies hingegen wohlüberlegt tut, ist das genauso sein Recht, wie genau das nicht zu tun. Manche Hersteller haben auch ihre 20 Jahre alte Software freigegeben. Andere haben damit nochmal Kasse gemacht und den Kram an Nokia zum Verwursten auf dem Handy verkauft. Das ist es was Eigentum ausmacht: Der Eigentümer kann damit verfahren wie es ihm gefällt!

    Es dürfte für einen Interpreten/Produzenten kein besonders tolles Gefühl sein zu wissen, dass es sehr wohl eine gewisse Käuferschaft für seine alten Titel gibt, aber die die Rechte haltende Plattenfirma es nicht für nötig befindet, diese weiterhin anzubieten.

    Und wo ist da jetzt das Argument für Dich? Ich glaube kaum, dass es einem Produzenten schöne Gefühle macht, wenn Du Dir sein Zeug stattdessen kostenlos saugst. Entweder ist das hier nun ein Plädoyer für den erneuten Vertrieb vergessener Songs oder es ist eine Brandrede um Raubkopien zu legalisieren. Deine verquere "Lasset uns durch Raubkopieren Druck auf die MI ausüben, damit sie die Songs die wir kopieren wieder verkaufen"-Logik geht doch hinten und vorne nicht auf. Oder meinst Du Universal Music hat einen Counter bei Kazaa laufen, wie oft Pat Benetar runtergeladen wird? Es ist doch ziemlich offensichtlich, dass diese angebliche, ach so ehrbare Motivation weder Hand noch Fuß hat und einfach nur vorgeschoben ist. So naiv bist Du doch nicht wirklich zu glauben, dass das so funktioniert. Es hört sich nur einfach zu schön "robin-hoodig" an, um dieses Motiv nicht vorzuschieben, gelle?

    Es geht hier nicht um subjektive Wahrnehmung, sondern um dass, was allein schon die Logik gebietet. Und Logik ist nicht subjektiv, sondern rational - es sei denn, du erklärst beschlossene Gesetze grundsätzlich als subjektiv. Im Übrigen: Wer allen Ernstes den Unterschied zwischen unserer hematik und ordinären Ladendiebstählen nicht sieht und die Betroffenen somit alle über einen Kamm schert, zieht einen völlig unzulässigen Vergleich, der die Lösung des Problems auch weiterhin behindern wird.

    Schönes Beispiel dafür, dass Deine Subjektivität bei Dir gleich Objektivität ist. Sonst hättest Du gemerkt, dass die Leute mit denen Du da nicht über einen Kamm geschert werden willst, sich ihrer Sache genauso sicher sind wie Du, ihre Motive genauso ehrbar sehen wie Du und in ihren Augen ihre Sichtweise für ihre Sache auch genauso legitim ist wie Deine. Du sagst nun: Das ist ein unzulässiger Vergleich. Das ist ziemlich interessant, denn Du hast es offensichtlich weder geschafft Dich in die Lage dieser Leute reinzuversetzen, noch in meine. Laut Deiner Aussage war das glaube ich eine Stärke von Dir. Dann laß die nochmal spielen und Du musst erkennen, dass es zwischen Deiner Sicht auf "diese Leute" und meiner Sicht auf Dich keinen Unterschied gibt. Nicht nur deshalb, weil Du virtuellen Diebstahl begehst und sie "echten".

    Doch, ich behaupte das. Eine vielleicht irgendwann in ferner Zukunft zu erwartende kommerzielle Verwertung ist pure Spekulation und daher eine Phantomdiskussion, die sich nicht auf den status quo der Gegenwart bezieht. Da nützen auch vereinzelte Beispiele nix

    Ach nein? Wer sagt, dass die da nix nützen? Du? *lol* Diese vereinzelten Beispiele finden sich dafür aber recht zahlreich in tausenden Märkten dieser Republik. Das einzige was hier pure Spekulation ist, ist die Vermutung Deinerseits, die Unternehmen ließen die Werke in alle Ewigkeit ungenutzt vergammeln, nur weil sie innerhalb Deiner "Geduldsfirst" nicht wieder zu haben sind. Da kann man nicht einfach eine Beweispflicht einführen, dass die Werke zum Tag X noch genutzt werden, so wie Du das weiter oben forderst. Wie illusorisch das ist, muss Dir eigentlich selbst klar sein, zumal wir nicht allein sind auf der Welt und es nicht mal eben damit getan ist in Deutschland zu sagen "Hey, nach 10 Jahren darf man jedes Lied kopieren, solange es nicht mehr kommerziell vom Hersteller vertrieben wird". Der Rechteinhaber aus den USA oder Japan wird Dir was husten und Dir über seine Lobby und Regierung einen Wirtschaftskrieg anzetteln der sich gewaschen hat. Am Ende darf die BMG dann als Quittung noch Strafzoll bezahlen, wenn sie in die USA oder Japan ihre Scheiben exportieren will. Man, man, ich bin ja auch gegen komplizierte Regelungen und ausufernde Bürokratie, aber wir sind doch hier kein kleines Dorf auf dem Planeten Erde, wo man nach Belieben irgendwelche weltweit einmaligen Regelungen aufstellt, als würde niemand auf der anderen Seite des Erdballs davon betroffen.

    Wo hört Deine "wenn nix mehr produziert wird, kann man auch nicht schaden, also muss mans freigeben"-Logik eigentlich auf? Da komme ich und sage:Warum denn nur bei Musik? Wo ist denn der Unterschied, ob ich eine CD nicht mehr kaufen kann oder Afri Cola? Afri war Teil meiner Jugend, das ist Kultur! Lasst uns einfach selbst Afri Cola produzieren. Schönheitsfehler: Mittlerweile ist wieder einer auf die Idee gekommen mit den tatsächlichen Rechten dazu ausgestattet Afri Cola zu produzieren. Gleiches gilt für Bluna usw. usf. Man hätte auch einen Maybach bauen können, obwohl Mercedes dies nun wieder tut. Und Autos gehören in Deutschland jawohl nun wirklich zu Geschichte und Kultur. Wo ist also Schluß?

    Das sagt mir ausgerechnet der Mann, der einen Teil von uns vor einiger Zeit mit dem tollen Spruch von den Kommunisten beglückte? Ich lach mich schlapp...

    Richtig, ich habe Euch mit einem Spruch "beglückt". Schön, dass Du das so formuliert hast. Wenn Du "beleidigt" geschrieben hättest, hätte ich Dir jetzt nämlich erneut geantwortet, dass es nichts bringt weiterhin darauf zu pochen etwas falsch verstehen zu dürfen und sich vom falsch verstandenen beleidigt zu fühlen. Allerdings war es in Wahrheit gar kein "Spruch", sondern ein Zitat. Und zwar eines mit einer ziemlich feststehenden Bedeutung. Es nützt deshalb auch nichts Erklärungen für ein Zitat zu fordern. Ein Zitat ist ein Zitat und bleibt ein Zitat. Es zu erklären ist sinnlos, sonst hätte man sich a) das Zitat und die Wirkung die der ursprüngliche Autor damit ausdrücken wollte sparen können und könnte b) einen Witz auch mit der Erklärung der Pointe anfangen.

    Doch, hat es. Es ist eigentlich unfassbar, dass sich die Musikindustrie die Raubkopierer als ihre Feinde auserkoren hat und somit nur an den Symptomen herumdoktort, als von Anfang an die Hersteller von CD-Brennern direkt bis unter den Hals mit Prozessen eingedeckt und somit die Wurzel allen Übels bekämpft zu haben. So dämlich kann auf Seiten der Musikindustrie ja nun wirklich keiner gewesen sein, als dass er glaubte, dass das nicht irgendwann mal immense Auswirkungen haben würde.

    Das ist malwieder ziemlicher Unsinn. Wenn CDs brennen per Definition illegal wäre, dann könnte man Deiner Argumentation ja noch folgen, aber so?! Wo ist da bitte die von Dir so gern hochgehaltene Logik? CD Brennen ist grundsätzlich völlig legal. Kassetten wurden auch einmal als Speichermedium für Daten und Musik gleicherseits eingesetzt. Hier gabs dafür ne Urheberrechtsabgabe und fertig. Niemand wäre auf die Idee gekommen die MI dafür zu geißeln, dass sie Commodore, Atari, Philips und Sony nicht verboten haben Kassettenrecorder für Musik oder Daten herzustellen. Das wäre auch ziemlicher Blödsinn gewesen, denn das ist grundsätzlich völlig legal, weil es nicht per Definition irgendwelche Urheberrechte verletzt. Was ein Brennerhersteller also für eine Verantwortung dafür hat, dass Du seine Geräte dazu mißbrauchst das Urheberrecht zu verletzen, musst Du erklären, nicht ich. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, bei meinen Geräten dieser Art Zettel im Sinne von "Dies ist ein CD-Brenner, kopieren sie damit bitte möglichst viele urheberrechtlich geschützte Programme und Musik-CDs. Vielen Dank, Ihr Philips Customer Support" gefunden zu haben. Wer baut eigentlich nochmal Unfälle: Mercedes oder der Mercedes-Fahrer? Tja, genau... Autos sollten verboten werden!

    Dass es auch anders geht, beweist der sich offensichtlich großer Beliebtheit erfreuende Music-On-Demand-Dienst "iTunesMusicStore" von Apple. 99 Cent pro gesaugtem Stück, das ist doch ein vernünftiger Preis - so sahen es auch 31 Millionen Menschen, die sich allein im April in den USA auf diese Weise Songs aus dem Netz saugten. Von wegen, die Leute wären nicht mehr bereit, für entsprechende Qualität zu zahlen

    Ich kanns gerne nochmal wiederholen: Kunden haben andere Möglichkeiten ihre Nachfrage zu demonstrieren. Das ist alles nicht mehr und nicht weniger als eine billige Rechtfertigung für Raubkopien. Schreibe einen guten alten Brief an BMG, ermuntere Deine Kumpels, sag ihnen das sie auch ihre anderen Kumpels und die wieder ihre Kumpels animieren sollen. Bastel eine Website oder lass einen anderen eine bauen. Schreibe eine Standardmail und ruf die Leute auf diese an eine Mailadresse bei BMG, Sony, Universal oder sonstwem zu schicken. *Das* sind Deine völlig legalen Möglichkeiten Dich als Kunde zu äußern: "Hier Konzern: Ich will kaufen! Ich versuche Kunde von Dir zu werden!!! Warum hinderst Du mich bloß daran???". Was Du hier anführst ist alles ein Argument *dafür*, aber kein Argument für Raubkopien.

    Die Frage stellt sich, was wäre, wenn diese Seite auf einmal aus dem Netz verschwinden würde. Immerhin enthält ja vor allem dieses Forum mittlerweile eine riesige Menge an Infos bzw. Wissen und damit schon einen nicht unerheblichen geistigen "Nährwert". Hm, dann dürfte ich ja nach deiner Logik nicht einmal - wie ich es bisher praktiziere - einzelne Seiten dieses Forums auf meinem Rechner speichern und somit auch nach Verschwinden aus dem Netz nutzen. Das wäre ein adäquater Vergleich zu unserer Debatte. Ich dürfte mir auf meinem eigenen Rechner also nicht mehr durchlesen, was du und andere im Laufe der Zeit so geschrieben haben

    Nein, das wäre eben gerade kein adäquater Vergleich zu unserer Debatte, denn das was Du in diesem Absatz beschrieben hast, ist Dir genau durch das Urheberrechtsgesetz erlaubt, dass Du hier aufs Altenteil schieben willst. Mit Raubkopieren hat das nichts zu tun.

    Dave

Seite 2 von 15 ErsteErste 12345612 ... LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. No Doubt gibt es nicht mehr!
    Von Castor Troy im Forum MUSIK ALLGEMEIN / MUSIC GENERAL
    Antworten: 18
    Letzter Beitrag: 13.10.2005, 14:40
  2. Spybot mag nicht mehr
    Von musicola im Forum OT LABERFORUM / OT SMALL TALK
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 16.09.2005, 15:15
  3. Wieder da: "Ich zahl nicht mehr"
    Von SonnyB. im Forum 80er / 80s - HARD’N’HEAVY
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 17.04.2005, 14:47
  4. ich verstehe es echt nicht mehr
    Von supergrobi im Forum OT LABERFORUM / OT SMALL TALK
    Antworten: 17
    Letzter Beitrag: 30.04.2004, 17:21
  5. Lieder, man nicht mehr hören mag
    Von destruktion im Forum 80er / 80s - POP & WAVE
    Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 02.08.2002, 23:11