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Das Google-Phänomen

Erstellt von musicola, 04.05.2005, 20:31 Uhr · 16 Antworten · 1.498 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von musicola

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    Google ist in aller Munde!

    Auch durch zahlreiche Postings im Musikrätsel-Liga-Board, fiel mir auf, dass es wohl nur bei Google einen mittlerweile praktisch anerkannten Begriff für das Benutzen dieser Suchmaschine gibt: googlen oder auch: googeln!

    Ich kann mich nicht erinnern, dass es ähnliche Worte bei anderen Suchmaschinen, wie Altavista, Fireball, Yahoo usw. gibt/gab!

    Ich kenne auch keine Sätze wie:

    "Ich geh' mal altavisten."

    "Das hab' ich erfireballt."

    "Da musst Du nur ein bisschen yahooen."



    Okay, würde auch ziemlich bescheuert klingen.


    Da kommt doch

    "Richtig googlen ist eine Kunst."

    "Das hab' ich ergooglet."

    "Ich hab' mal ein bisschen gegooglet."


    gleich viel geschmeidiger!


    Ich meine, auch mal gelesen zu haben, dass "googlen" mittlerweile im DUDEN steht. Stimmt das?


    googelige Grüße

    musicola

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von Pallas

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    Was? Im Duden?
    Davon weiß ich nichts, aber das wär' ja mal was.
    Ich googele auch fleißig. Ich nutze nur diese eine Suchmaschine.

    "Googeln" geht ja auch so schön rollend-geschmeidig von der Zunge, klingt so unaufdringlich und irgendwie werbefrei.

  4. #3
    Benutzerbild von musicola

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    Naja, in diversen Regionen unseres Landes bedeutet "gogeln" (mit nur einem o)
    soviel wie "in der Nase bohren"!

  5. #4
    Benutzerbild von DeeTee

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    Die ergoogelte Wirklichkeit

    Die Rolle der Netzwerkmedien

    Neben diesen generellen Ursachen für die aktuelle Beliebtheit von Verschwörungstheorien gibt es weitere Faktoren, die damit zusammenhängen, wie Informationen in unserer Gesellschaft prozessiert und Wissensbestände erzeugt und verändert werden. Der wichtigste Faktor ist hier die Entstehung eines neuen Typus polydirektional-isomorpher Medien, welche die Vorzüge von Massen- und Individualmedien, traditioneller wie moderner Kommunikation gleichermaßen auf sich vereinen (vgl. Schetsche 2003).

    Diese Netzwerkmedien sind nicht nur besser als die traditionellen Massenmedien zur Verbreitung von Verschwörungstheorien geeignet, sie bieten auch bessere Voraussetzungen für die Entstehung dieser spezifischen Interpretationsfolien. Ursache für die Zunahme der Zahl der medial prozessierten Verschwörungstheorien und für die Erhöhung ihrer Verbreitungsrate sind drei den Netzwerkmedien strukturell eingeschriebene Eigenschaften:

    Die Aufhebung der Trennung von Produzent und Rezipient

    Der zentrale Unterschied bei der Verbreitung von Information zwischen traditionellen Massenmedien und den "neuen" Netzwerkmedien besteht darin, dass es bei letzteren keine Instanzen gibt, die – wie Redaktionen, Herausgeber oder Medieneigner – eine "Vorzensur" ausüben, also vorab festlegen, welche Informationen über das betreffende Medium verbreitet werden dürfen und welche nicht. In den Netzwerkmedien wird diese Entscheidung von jedem Nutzer allein getroffen; dass er dies kann, ist eine Besonderheit der Netzwerkmedien: Wer die in ihnen verbreiteten Kommunikate empfängt, kann auch selbst welche aussenden.

    Browser mit integrierten Editoren erzeugen dabei einen kaum merkbaren Übergang von der Rezeption zur Produktion von Hypertexten. Da in den Netzwerkmedien somit die für die Massenmedien konstitutive Trennung zwischen Produzenten und Konsumenten entfällt, hat jede individuelle Deutung eine Chance zur Verbreitung. Und weil Deutungen hier nicht nach einer ökonomisch beherrschten Selektionslogik prozessiert werden, können auch ungewöhnliche, nicht in die klassischen Medienschemata passende Meinungen erfolgreich sein.

    Die Beliebigkeit der verbreiteten Inhalte

    Ein weiteres Merkmal des Netzes ist, dass es Inhalten gegenüber vollständig neutral ist. Während die in Massenmedien verbreiteten Informationen nicht nur nach spezifischen Selektionskriterien (etwa so genannte Nachrichtenfaktoren) redaktionell ausgewählt werden und sich anschließend nach der hier herrschenden ökonomischen Verwertungslogik durch ein entsprechendes Publikumsinteresse bewähren müssen (vgl. Schetsche 2000: 78-81), sind die Inhalte der Kommunikate der Netznutzer vollständig beliebig. Deshalb haben Usenet und WWW sich bereits kurz nach ihrer Entstehung zu einem "Marktplatz" für so genannte abweichende Deutungsmuster und Glaubenssysteme entwickelt.

    Hier können Deutungen verbreitet werden, die in den Massenmedien nach deren spezifischer Ökonomie der Aufmerksamkeit (oder nach ihren rechtlichen Rahmenbedingungen) nur schwer oder gar nicht prozessierbar sind. Im Netz erfolgt die Verbreitung von Inhalten unkontrolliert und weitgehend unstrukturiert. Im Gegensatz zu den Massenmedien folgen die Netzwerkmedien keiner eindeutigen und linearen, sondern einer diffusen und nicht-linearen thematischen Organisation: Es gibt weder Sendezeiten noch eindeutige Formate oder eine thematische Seitengliederung. Für die Verbreitung von Verschwörungstheorien bedeutet dies, dass jede dieser Theorien, und sei sie für den Beobachter noch so abstrus, ins Netz gestellt und dort von Nutzern prinzipiell gefunden und rezipiert werden kann.

    Beliebigkeit von Inhalten bedeutet, dass sich im Netz Bausteine zur Zusammenstellung einer unbegrenzten Zahl neuer (Verschwörungs-)Theorien finden: Über seine Suchmaschinen liefert das Netz beliebige Aussagen zu allen nur vorstellbaren Themen, die vom Nutzer nur noch nach einer entsprechenden Verschwörungslogik verknüpft werden müssen. Und auch hierfür stellt das Netz [extern] Vorlagen bereit. Selbst wenn diese, hier exemplarisch genannte Website als ironische Kritik am (angenommenen) "Verschwörungswahn" der Internetnutzer zu verstehen ist, zeigt sie gleichzeitig doch, wie die Kernthesen von Verschwörungstheorien aufgebaut sind – und wie solche Theorien gerade mit Hilfe der de facto unendlichen Wissensbestände des Netzes aus einfachen Kausalketten erzeugt werden können.

    Das so erzeugte neue Erklärungsmuster für dieses oder jenes stellt allerdings noch lange keine "gute" – sprich erfolgreiche – Verschwörungstheorie dar. Die Fähigkeit zum Anschluss an bereits anerkannte Wissensbestände, Immunisierungsstrategien und selbstreplikative Strukturen müssen immer noch individuell hergestellt und argumentativ implementiert werden. "Googeln" allein erzeugt deshalb keine Verschwörungstheorien – es hilft allerdings, diese erfolgreich(er) zu machen, weil es mögliche Schnittstellen zu bereits anerkannten Deutungen offenbart, "Fakten" für fast jede vorstellbare These liefert und mögliche Gegenargumente findet und sie so antizipierbar macht. Bröckers Thesen zum 11. September waren vielleicht auch ohne das Netz formulierbar, wären ohne das "tägliche Googeln" des Autors aber bei weitem nicht so erfolgreich geworden.

    Die beliebige Vermischung von Fakten & Fiktionen

    In unmittelbarem strukturellem Zusammenhang mit den bereits genannten Faktoren steht eine weitere Besonderheit der Netzwerkmedien: die Aufhebung der traditionellen Trennung von "Fakten" und "Fiktionen". Während die Unterscheidung zwischen dokumentarischen und fiktionalen Inhalten für die Massenmedien konstitutiv war und sich in festen Grenzen zwischen einzelnen Medien, Gattungen, Genres und Formaten niederschlug, sind die entsprechenden Trennlinien in den Netzwerkmedien überaus durchlässig – wenn sie überhaupt existieren.

    Dies liegt zum einen daran, dass die im Internet verbreiteten Bilder oder Textdokumente auf ihre "Echtheit" ebenso wenig überprüft werden können wie die Authentizität ihrer Absender. Zum anderen nimmt – damit zusammenhängend – die Möglichkeit der personalen Legitimierung von Informationen durch Träger besonderer sozialer Rollen stark ab: Während der Wahrheitsgehalt von Informationen in den Massenmedien durch die "Beglaubigung" anerkannter Persönlichkeiten (wie dem "anchor man" der Nachrichtensendung) oder Experten (wie den interviewten Wissenschaftler) abgesichert werden konnten, ist dies im Netz nur ausnahmsweise möglich. Hier kann jeder unüberprüfbar als Spezialist für dieses oder jenes auftreten und sich den Anschein von Kompetenz geben.

    Kommunikate von Wissenschaftlern, selbsternannten Experten, interessierten Laien und Spaßvögeln stehen nicht nur gleichberechtigt nebeneinander, sie vermischen sich auch zu diskursiven Konglomeraten, bei denen Fragen von "Wahrheit" oder "Unwahrheit" und "Spaß" oder "Ernst" letztlich kein relevantes Selektionsmerkmal für den Erfolg mehr darstellen. Die Unüberprüfbarkeit von Informationen ist im Netz zum Prinzip erhoben; sie wird – wenn wir Medienphilosophen wie Baudrillard oder Flusser glauben – letztlich in der Gesellschaft insgesamt zur Aufhebung der informationellen Leitdifferenz "wahr und falsch" führen. Dieser Prozess ist es, der die unglaublichsten Verschwörungstheorien ebenso entstehen läst, wie er sie den klassischen Mechanismen öffentlich-medialer Realitätskontrolle entzieht.
    Auszug aus Telepolis
    Link: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/19/19964/1.html

    DeeTee

  6. #5
    Benutzerbild von Castor Troy

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    Pallas postete
    Was? Im Duden?
    Davon weiß ich nichts, aber das wär' ja mal was.
    Ich googele auch fleißig. Ich nutze nur diese eine Suchmaschine.
    Linken die meisten nicht zu Google,wie z.b Yahoo?

  7. #6
    Benutzerbild von 80sgirl

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    googeln war letztes Jahr unter der Hitliste der Worte des Jahres und ich glaube, dass es da irgendwo auf Platz 3 oder 4 landete. Aber im Duden steht es noch nicht (zumindest in meinem noch nicht; Ausgabe von 2004).

  8. #7
    Benutzerbild von Safaritünnes

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    Doch ist es.
    Ist (mir) aber schon länger bekannt.

    Gebt doch einfach mal "googlen" und "Duden" bei Google ein...

  9. #8
    Benutzerbild von frasier

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    musicola postete
    Naja, in diversen Regionen unseres Landes bedeutet "gogeln" (mit nur einem o)
    soviel wie "in der Nase bohren"!
    Als Kind hab ich gerne gegogelt. Dabei hatten mir meine Eltern den Umgang mit Feuer immer verboten.

    Eine Zeit lang hatte ich sogar den berüchtigten Spitznamen "Räuchermeister".

  10. #9
    LastNinja
    Benutzerbild von LastNinja
    Bei uns hieß das immer:
    "er hat mit Feuer gekokelt..."

  11. #10
    Benutzerbild von ihkawimsns

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    Na ja, hochdeutsch "kokeln" = sächsisch "gogeln".

    Leuchtet doch ein...

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