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"Das ist Deutschland hier" oder: Typisch deutsch!

Erstellt von PostMortem, 02.08.2011, 15:15 Uhr · 51 Antworten · 7.390 Aufrufe

  1. #11
    Benutzerbild von chris74

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    AW: "Das ist Deutschland hier" oder: Typisch deutsch!

    Typisch deutsch sind:

    Großzügigkeit: wir Deutsche spenden immer, wenn's irgendwo "brennt". Damit meine ich jetzt nicht die Griechenlandkrise, sondern Naturkatastrophen etc. Kein anderes Volk weltweit ist so großzügig wie wir!

    Sauberkeit: wenn ich da im Vergleich dazu mal an andere Länder denke. Ein Unterschied wie Tag und Nacht. Neapel ist eine einzige Müllhalde. San Francisco: charmant, aber auch ebenso stinkig und dreckig.

    Ganz wichtig: Jammern auf hohem Niveau. Wenn einen 999 schöne Dinge umgeben, dann muß man sich unbedingt auf die eine nicht ganz so tolle Sache konzentrieren.

    Schadenfreude: dieses Wort gibt's angeblich in vielen Sprachen gar nicht. Und machmal ist sie einfach angebracht! Da haben wir doch glatt eine verbale Lücke geschlossen.

    Besserwisserei: das Land der Dichter und Denker analysiert ja ganz gerne und wir wissen daher auch immer alles besser. Die Fehler der anderen müssen wir ihnen dann auch gleich ganz breit auf's Brot schmieren. Ich denke, ein wenig mehr Diplomatie würde uns ganz gut tun. Das können z. B. die Amis viel besser. Sie sind nicht so steif wie wir Deutsche. Wer lächelt einen wildfremden Menschen schon einfach so auf der Straße an?! Ist mir da drüben schon öfter passiert. Jedesmal wenn ich in den Staaten bin, dann fällt von irgendjemandem ein nettes Wort. Sehr oberflächlich, aber zumindest zum freundlichen Eisbrecher taugt's.

    Präzision: da wir -wie schon gesagt- alles ganz genau analysieren funktioniert ja auch alles mehr oder weniger perfekt. Gut für uns, denn wirtschaftlich gesehen sind perfekte Produkte ganz einfach besser als irgendso ein lausiges was-weiß-ich-woher Produkt. Aber dann kommt wieder dieses "es muß noch besser werden". Wir sind Opfer unserer chronischen Unzufriedenheit. Ich finde, die Musik von Kraftwerk passt ganz gut: einfach perfekt, ich mag sie, aber sie ist auch irgendwie seelenlos.

    Zitat Zitat von lautlos Beitrag anzeigen
    Typisch deutsch ist wahrscheinlich auch die Angewohnheit sich ständig zu fragen, wie man wohl auf andere wirkt. Warum weiß kein Mensch.
    Na, das hat mit Sicherheit damit zu tun, daß wir unser Image nach dem 2. Weltkrieg ordentlich aufpolieren wollten -und wenn ich das sagen darf- was uns auch gelungen ist. Aber entscheidend ist: wir für uns haben dieses Trauma, diesen Makel immer noch nicht überwunden, geschweige denn auch nur ansatzweise verarbeitet! Es wäre schön, wenn wir uns endlich mal selbst verzeihen könnten! Ich weiß noch, wie mich im Geschichtsunterricht dieses ewige "wir sind schuld" angekotzt hat. Viel wichtiger wäre es damals gewesen, in Geschichte zu analysieren "wie kam's dazu" und "was kann ich dagegen machen".

    Ein Freund von mir ist zur Zeit zum ersten Mal in D-Land. Er ist ganz begeistert von unserer Freundlichkeit! Besonders die von der Schaffnerin bei der Bahn hat's ihm angetan! Da war ich erst mal sprachlos! Außerdem gefällt ihm, daß wir alle englisch sprechen können. Vermnutlich sind ihm Öttinger, Stoiber und Westerwelle noch nicht begegnet... (seht Ihr, da ist sie schon wieder, diese Schadenfreude...)

    Zitat Zitat von Torsten Beitrag anzeigen
    Alles in allem bin ich immer noch verdammt froh (nicht: stolz), in diesem Land geboren worden zu sein.
    Schöner hätte ich es nicht sagen können!

  2.  
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  3. #12
    Benutzerbild von PostMortem

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    AW: "Das ist Deutschland hier" oder: Typisch deutsch!

    Zitat Zitat von Dr. Peter Venkman Beitrag anzeigen
    Das ist doch auch nur eine dieser rhetorischen Verrenkungen, die von sich selbst denken, dass sie geistreich sind und auf die das Gegenüber erstmal nichts zu erwidern weiß.
    Guter Einwand Auch wenn ichs in diesem Fall nichtmal so eng sehe, glaube ich zu wissen was Du meinst. Es hat sich bei gesellschaftlichen, politischen und ökologischen Themen eingebürgert, dass rethorisch überlegen verpackte Behauptungen oder Gegenfragen mittlerweile im breiten Konsens als Argumente verwendet werden dürfen. Insbesondere bei Themen wie Atomausstieg, Individualverkehr etc. scheint eine gleichgeschaltete (Nazometer!) Sicht angenommen zu werden, die keiner mehr anders sehen darf und kann.

    Ich glaube, die Selbstbezichtigung "typisch ..." ist nichts typisch deutsches sondern ein allgemeines Phänomen. Ja, man kann das als Form der Selbstverleugnung sehen, für manche mag es das auch sein. Man kann es aber auch als sich selbst Hinterfragen und kritisches Betrachten des eigenen Verhaltens und das anderer sehen. Und darin sehe ich prinzipiell eine positive Eigenschaft.
    Das sich hinterfragen ist grundsätzlich erstmal eine positive Eigenschaft. Vielleicht müssen wir langsam lernen dabei mal ein Ende zu finden und durchaus auch Stolz auf das zu sein was wir sind. Denn typisch deutsch ist ja auch, nicht Stolz darauf sein zu wollen deutsch zu sein. Es sei ja Zufall wo man geboren werde, heisst es dann. Allerdings vereint man eben die deutschen Eigenschaften und Tugenden nicht per Geburt auf sich und entwickelt sie auch nicht durch Geburt weiter. Deutsch sein hat ja auch was damit zu tun einer Gesellschaft mit gemeinsam entwickelten Tugenden, Werten und Idealen anzugehören. Wenn das nicht die schlechtesten sind (immerhin sind wir dann z. B. doch sehr pazifistisch geworden), kann man auf das gemeinsam erreichte doch ruhig Stolz sein.

    Alles hat eben seinen Platz im Universum - nur bei den Deutschen ist es eben noch ein Eckchen ordentlicher. Wo käme man auch sonst hin?
    Das ist etwas, was mir mittlerweile sehr komisch vorkommt. Mir scheinen die Dinge in Skandinavien besser geregelt zu sein, es sieht moderner und besser ausgestattet aus (z. B. Kliniken) und wenn ich nicht gerade in einer holländischen Metropole bin, kommts mir dort häufig ordentlicher und gepflegter vor als hier. Wenn ich dann noch erlebe wie chaotisch und unorganisiert es in deutschen Großkonzernen zu geht, frage ich mich öfters ob wir da wirklich besser sind und wie unordentlich und chaotisch es dann erst anderswo sein muss. Und was mir immer wieder auffällt: Im Schnitt (nicht im Schritt! Obwohl... ähem) ist man dort besser und schicker gekleidet, während hier der Trend im Straßenbild immer mehr zu schlampigem, schlecht sitzendem und kaum zusammen passendem Orsay-Kram geht. Früher hielt ich den Vorwurf, dass Deutsche schlecht gekleidet sein, immer für eine bodenlose Frechheit und Arroganz irgendwelcher Houte-Couture-Vögel aus Frankreich (deren Klamotten mir auch nicht immer gefallen haben). Aber ich fürchte, dass da (mittlerweile?) doch was dran ist. Vielleicht kann SonnyB was dazu sagen, die ist ja vom Fach

  4. #13
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    AW: "Das ist Deutschland hier" oder: Typisch deutsch!

    Zitat Zitat von chris74 Beitrag anzeigen
    Ich finde, die Musik von Kraftwerk passt ganz gut: einfach perfekt, ich mag sie, aber sie ist auch irgendwie seelenlos.
    Gutes Beispiel. KRAFTWERK verkörpern die deutsche Mentalität wohl so exemplarisch wie kaum ein anderes Kunstprodukt - international respektiert und bewundert für Innovation und Technik, aber nicht gerade dazu geeignet, die Herzen zu erwärmen.

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Denn typisch deutsch ist ja auch, nicht Stolz darauf sein zu wollen deutsch zu sein. Es sei ja Zufall wo man geboren werde, heisst es dann. Allerdings vereint man eben die deutschen Eigenschaften und Tugenden nicht per Geburt auf sich und entwickelt sie auch nicht durch Geburt weiter. Deutsch sein hat ja auch was damit zu tun einer Gesellschaft mit gemeinsam entwickelten Tugenden, Werten und Idealen anzugehören.
    Es entspringt aber nicht eigener Leistung, in einer Gesellschaft mit solchen Eigenschaften aufzuwachsen, sondern nur den Umständen. Und auf Umstände kann man nicht stolz sein, sondern sich allenfalls drüber freuen.

    Statt Stolz auf's eigene Land wünsche ich mir vielmehr eine tabulosere Diskussion über unterschiedliche Mentalitäten. Im "ioff" bin ich bei einigen mittlerweile als Rassist verschrien, weil ich mir erlaubt habe, bei verschiedenen Themen die Frage aufzuwerfen, ob manche Mentalitäten langfristig einfach nicht zusammenpassen und z. B. eine Vorstellung von "Multikulti" schon deshalb naiv ist. Ich mache auch keinen Hehl daraus, dass es hierzulande Ausländergruppen gibt, die mir wegen ihrer weit verbreiteten Mentalität zunehmend auf den Sack gehen, namentlich Türken und Russen. Mit hoher Gewaltbereitschaft, einfältigen Vorstellungen von Ehre, Rücksichtslosigkeit oder selbstverliebter Protzigkeit werde ich mich jedenfalls nicht anfreunden, nur weil es der politisch korrekte Zeigeist vorgibt.

    Kürzlich gab es auf "spon" eine launige Reisebeschreibung einer in Deutschland lebenden Russin, die jetzt ihre Heimat mit dem Rucksack erkundet. In den zugehörigen Kommentaren wird sie für den Artikel gelobt, bei mir hat er die Vorurteile gegenüber der russischen Mentalität leider nur bestätigt.

    Sie hat alles versucht, sich deutsch zu fühlen und alles Russische hinter sich zu lassen. Doch jetzt erkundet die 24-jährige Wlada Kolosowa das Land, in dem sie aufwuchs - den Warnungen ihres Vater zum Trotz. Erste Lektionen in St. Petersburg: Drängele dich vor und brülle, so laut du kannst!

    (...) "Mit dem Rucksack durch Russland!", stöhnte mein Vater zum Abschied. "Pah! Du schaffst es nicht einmal zu deiner zweiten Station! Du kannst dich nicht vordrängeln! Du kannst nicht brüllen! Du kannst nicht schmieren!", schrie er.

    Seine Sorgen sind ein bisschen berechtigt: Ich habe den Flieger nach Murmansk verpasst. Weil ich mich nicht anstellen könne, sagt mein Vater. Die Frau am Schalter fand mich nicht und schickte uns zur Kasse, die uns zur Information schickte, die uns zurück zum Check-in-Schalter schickte, der uns wieder zur Kasse schickte.

    Jedes Mal stellte ich mich hinten an. Mein Vater packte mich und schob mich direkt zum Anfang der Schlange. Er installierte seine 100 kg Körpermasse zwischen mir und dem passwedelnden Mob und hielt mit ausgestreckten Armen die Position. Ich zeichnete währenddessen meine Bestätigungsnummer mit dem Zeigefinger in der Luft - denn vor Aufregung und Scham brachte ich russische, deutsche und englische Buchstabennamen durcheinander.

    Die Dame an der Kasse blieb unbeeindruckt: "Der Flug ist in drei Minuten weg. Schaffen sie eh nicht mehr", sagte sie teilnahmslos. "Beschwerden an die Zentrale." Erst als mein Vater sie anschrie, reservierte sie mir den morgigen Flug. Mein Vater brüllte noch ein bisschen mehr, damit sie mich auf den letzten heutigen Flug buchte, dessen Check-in seit zehn Minuten vorbei war. Es klappte. Zu meiner größten Verwunderung. (...)
    Wlada in Russland: "Junge Frau, darf ich an Ihnen saugen?" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - UniSPIEGEL

    Meine Verwunderung hielt sich dagegen in Grenzen. Jedenfalls passt diese Schilderung einer Gesellschaft, in der Rücksichtslosigkeit offenbar selbstverständlich ist, exakt zu dem, was ich mit ihren Landsleuten hier oft erlebe. Artikel wie dieser bewirken bei mir dann in erster Linie die erwähnte Erleichterung, in Deutschland und nicht in Regionen wie dieser zu leben.

    Wobei es dort auch angenehmere Seiten gibt:

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Früher hielt ich den Vorwurf, dass Deutsche schlecht gekleidet sein, immer für eine bodenlose Frechheit und Arroganz irgendwelcher Houte-Couture-Vögel aus Frankreich (deren Klamotten mir auch nicht immer gefallen haben). Aber ich fürchte, dass da (mittlerweile?) doch was dran ist. Vielleicht kann SonnyB was dazu sagen, die ist ja vom Fach
    Mach doch mal einen Selbstversuch und frag russische Frauen nach ihrer Meinung über das Erscheinungsbild deutscher Weiblichkeit. Hab da schon sehr amüsante Gespräche erlebt ...

  5. #14
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    AW: "Das ist Deutschland hier" oder: Typisch deutsch!

    Zitat Zitat von Torsten Beitrag anzeigen
    Es entspringt aber nicht eigener Leistung, in einer Gesellschaft mit solchen Eigenschaften aufzuwachsen, sondern nur den Umständen. Und auf Umstände kann man nicht stolz sein, sondern sich allenfalls drüber freuen.
    Für mich ist das nicht statisch, jeder trägt seinen kleinen Teil bei. Die Deutschen 2011 sind anders als 1960. Also wird nicht nur von Errungenschaften profitiert, sondern "immer" auch etwas beigetragen ("immer", da es sicherlich nicht jeder der 80+x Mio. Deutschen schafft wirklich etwas beizutragen, aber die haben dann eben wirklich keinen Grund Stolz auf ihen Beitrag zur Gesellschaft zu sein). Aber ich akzeptiere es durchaus, wenn man das anders sieht und grundsätzlich nichts besonderes daran findet einer Nation mit ihren Errungenschaften anzugehören.

    Statt Stolz auf's eigene Land wünsche ich mir vielmehr eine tabulosere Diskussion über unterschiedliche Mentalitäten. Im "ioff" bin ich bei einigen mittlerweile als Rassist verschrien, weil ich mir erlaubt habe, bei verschiedenen Themen die Frage aufzuwerfen, ob manche Mentalitäten langfristig einfach nicht zusammenpassen und z. B. eine Vorstellung von "Multikulti" schon deshalb naiv ist. Ich mache auch keinen Hehl daraus, dass es hierzulande Ausländergruppen gibt, die mir wegen ihrer weit verbreiteten Mentalität zunehmend auf den Sack gehen, namentlich Türken und Russen. Mit hoher Gewaltbereitschaft, einfältigen Vorstellungen von Ehre, Rücksichtslosigkeit oder selbstverliebter Protzigkeit werde ich mich jedenfalls nicht anfreunden, nur weil es der politisch korrekte Zeigeist vorgibt.
    Immer wieder interessant wie unqualifiziert (zumeist) Deutsche, stellvertretend für jene die sie meinen auch für den größten Schei.. noch in Schutz nehmen zu müssen, den Begriff der Rasse und des Rassismus bemühen um andere mundtot zu machen. Dabei ist es doch ganz einfach: Schreibe ich, dass mir das islamische Überlegenheitsgehabe einer offenbar leider wachsenden Zahl, gerade junger Türken nicht gefällt und das ich mich davon bedroht und beeinträchtigt fühle, ist das meine persönliche Meinung. Es ist auch eine persönliche Meinung, wenn man davon ausgeht, dass sich das angesicht der Tatenlosigkeit mit der man diesem Phänomen begegnet auch nicht mehr bessern wird, es also nicht zusammen passt. Das sind Argumente und teilweise auch Tatsachen, die eine solche Meinung begründen. Meinungen sind frei, fertig. Behaupte ich einfach irgendwas und sage "diese und jene Ausländer sind schei....", gehört das für mich in den Bereich zu Recht kritisierter Ausländerfeindlichkeit. Aber Probleme mit Parallelgesellschaften gehören zu den Themen, die endlich mal offen angesprochen werden können müssen.

    Mach doch mal einen Selbstversuch und frag russische Frauen nach ihrer Meinung über das Erscheinungsbild deutscher Weiblichkeit. Hab da schon sehr amüsante Gespräche erlebt ...
    Kenne ich zwar nicht von Russinen, aber von Ukrainerinnen. Da ist es ja wirklich so, dass die Frauen sich oft seeeeeeeehr um ihr Äußeres kümmern und die Männer können rumlaufen wie die letzten Bauerntrampel. Aber vor ein paar Jahrzehnten war das in Deutschland eigentlich noch ähnlich..... Muss wohl an der Gleichberechtigung liegen, dass viele Männer nun etwas mehr auf ihre Erscheinung achten und viele Frauen im Gegenzug etwas weniger Jedenfalls schütteln die kleinen 5exy Ukrainerinnen auch den Kopf darüber wie deutsche Frauen durchschnittlich rumlaufen. Allerdings muss ich zugeben, dass mir eine ungeschminkt nett aussehende Deutsche letztendlich immer noch lieber ist als eine angemalte Ukainerin oder Russin. Irgendwie wirkt diese Optik auf mich auch schnell zu "professionell" Auffällig ist ja auch, dass bei denen und den Südländerinnen die älteren Frauen nicht selten im Vergleich zu den Nord-/West-Europäerinnen rapide abbauen und oft regelrecht unansehnlich werden. Im Durchschnitt übers ganze Leben nimmt sich der Grad an Schönheit und gepflegtem Äußeren wahrscheinlich also gar nix....

  6. #15
    Benutzerbild von Torsten

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    AW: "Das ist Deutschland hier" oder: Typisch deutsch!

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Jüngstes Beispiel wie dämlich und reflexhaft wir immer noch mit uns selbst umgehen, ist der "Eklat" rund um Geisslers angeblichem "totalen Krieg".
    Hatte ich noch gar nicht mitbekommen und gerade ersma nachgeschlagen. Treffendster Kommentar unter dem peinlichen "spon"-Artikel zur Bemerkung des Autors "Jetzt bleibt dem Schlichter nur eines: eine doppelte Entschuldigung...":

    Die gleichen Worte hat am 14. August 1941 der SS-Obersturmführer Dieter Federhase (41) an den SS-Brigadeführer (32) Hans Emmerling gerichtet, weil der Soldat Thomas Friederich Schlichter (22) es während einer Säuberungsaktion gewagt hatte, die eigentlich den beiden Führern vorbehaltene Exekution von 23 polnischen Widerstandskämpfern zu tätigen.

    Ich möchte darum bitten, daß der Autor sich dieser historischen Bedeutung bewußt wird und sich dementsprechend formell in aller Öffentlichkeit entschuldigt. Und zwar schnell!

    Zum Thema: Vielleicht sollte man zusätzlich zum Tief- und Kopfbahnhof einfach noch eine Autobahn bauen. Pendler, Reisende, Autofahrer: Jedem das Seine. Die damit verbundene Planung und Arbeit macht frei von allen theoretischen Diskussionen und individuellen Wünschen. Ansonsten können wir uns nur noch wünschen: Gott mit uns.
    Geißlers Goebbels-Zitat: Eine Entschuldigung - und zwar schnell! - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik



    Wobei ich zumindest diese mediale Empörungsgeilheit für nix typisch Deutsches halte, das erlebt man auch in anderen Ländern. Hier trifft's nur mal wieder das Nazi-Thema, und Leute wie diese "spon"-Pfeife kann man doch spätestens seit Autobahn-Kerner nur noch als Karikatur des deutschen Kriegsschuldkomplexes betrachten.

  7. #16
    Benutzerbild von bubu

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    AW: "Das ist Deutschland hier" oder: Typisch deutsch!

    Kann alles unterschreiben, was Chris74 genannt hat.

    Des Deutschen Dilemma ist: Er will geliebt werden. Tatsächlich wird er im Ausland aber im besten Fall geschätzt, meist aber nur respektiert. Daher resultiert dieses bemühte Hinterfragen des eigenen Images. Torsten sagte das in dem Wetten-dass-Thread schon sehr treffend: Man kann eigentlich nur Fremdscham dabei empfinden, wie Gottschalk und andere Medienfritzen immer und immer wieder irgendwelche ausländischen Interviewpartner damit nerven, ob sie denn auch Deutschland ganz toll finden und was sie an unserem Land denn so schätzen. Die Wahrheit ist, dass es ihnen meistens egal ist, weil wir eben nur ein Land unter vielen sind. Natürlich finden sie sich dann in der Situation, etwas nettes sagen zu müssen. Aber der Deutsche will eben etwas besonderes sein. Einer unter vielen, das reicht nicht. Ganz besondere Auswüchse nahm das bei der WM 2006, als permanent thematisiert wurde, wie nett und weltoffen wir hier die anderen doch aufgenommen haben. Tatsächlich schwang immer eine sehr nervöse Sorge mit, ob denn nicht doch noch irgendwelche Nazideppen im Osten wieder die bemüht perfekte Show mit irgendwelchen dummen Aktionen vermasseln könnten (Stichwort No-Go-Areas). Als alles vorbei war, schien es mir, als ob wir uns förmlich selbst überrascht hatten, wie nett wir doch waren und wie nett die anderen uns fanden (wahrscheinlich, weil wir uns selbst gar nicht so nett finden).

    Tatsächlich sind wir – von außen betrachtet – ein weltoffenes, tolerantes und auch nettes Volk (geworden). Doch eines frage ich mich: Wie viele Menschen hierzulande sind dies, weil sie es wirklich von Herzen und aus Überzeugung sind? Und wie viele sind es, weil es die offizielle, politisch korrekte Leitlinie ist? Oder man sollte viellleicht besser sagen: Wie viele Leute bemühen sich, ihre eigentlich empfundene Intoleranz, ihre Weltverschlossenheit und ihre Unfreundlichkeit tunlichst zu verbergen, eben weil es verpönt ist, sie zu zeigen.

    Ich kann nicht sagen, ob es eine Minderheit, die Hälfte, die Mehrheit ist. Ich finde nur, dass viel unterdrückt und versteckt, nicht ausgesprochen wird, was aber doch irgendwo empfunden und gedacht wird und da ist. Unterdrücken erzeugt Aggression. Ein guter Gradmesser für diese verborgene, unter den Teppich gekehrte und doch brodelnde Energie ist das Entladen unter dem Schutz der Anonymität. Ich bin ja bekanntermaßen Journalist und kann nur sagen, dass es teilweise unglaublich ist, was die Leute für Leserbriefe schreiben. Mag sein, dass ich da eine verzerrte Wahrnehmung habe. Leute schreiben eben eher Briefe, wenn sie sich aufregen und nicht, wenn sie sich freuen. Trotzdem, es ist da. Diskussionsforen zeigen das auch ganz gut. Früher oder später fliegen die Fetzen (war ja auch hier manchmal so). Niemals würden sich Leute solche Sachen ins Gesicht sagen.

  8. #17
    Benutzerbild von knochn

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    AW: "Das ist Deutschland hier" oder: Typisch deutsch!

    Zitat Zitat von Dr. Peter Venkman Beitrag anzeigen
    Ganz besondere Auswüchse nahm das bei der WM 2006, als permanent thematisiert wurde, wie nett und weltoffen wir hier die anderen doch aufgenommen haben. Tatsächlich schwang immer eine sehr nervöse Sorge mit, ob denn nicht doch noch irgendwelche Nazideppen im Osten wieder die bemüht perfekte Show mit irgendwelchen dummen Aktionen vermasseln könnten (Stichwort No-Go-Areas).
    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Die Selbst-Wahrnehmung ist doch ganz interessant: Was macht uns Deutsche aus, wo seid Ihr Euch sicher, dass wir anders sind? Welche Eigenarten, Macken und auch gute, liebenswerte Eigenschaften haben wir, die andere nicht oder eher selten haben?
    das ist typisch deutsch

    nazideppen im osten...
    das ost west gelaber wird sich wohl (leider) nie ändern.
    und ja es gibt die deppen im osten genauso wie im westen....

  9. #18
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    AW: "Das ist Deutschland hier" oder: Typisch deutsch!

    Die Frage, was "typisch" an der eigenen Nation ist, wird keineswegs nur in Deutschland immer mal wieder diskutiert. Die Briten sprechen von "Britishness", die Italiener von "Italianitá", die viele Amerikaner von einem "American exeptionalism" und bezichtigen Abweichler in den eigenen Reihen, "unamerikanisch" zu sein usw. Das Räsonnieren über spezifische Nationalcharaktere gibt es seit dem frühen 19ten Jahrhundert.

    Üblicher Weise zielt diese Frage auf die Vorzüge der jeweils eigenen Nation ab: Amerikaner sehen sich als besonders zupackend, pragmatisch und freiheitsliebend, Briten halten sich eine kühle Besonnenheit und feine Ironie zugute, Franzosen sehen sich als Hüter wahrer Lebensart und Civilisacion sowie der Aufklärung usw. Die Deutschen hielten sich neben Fleiß und Disziplin noch besondere Ernsthaftigkeit und Tiefsinnigkeit zugute (z. B. die Wagner-Opern). Neu und spezifisch deutsch ist, etwa seit den 1960ern, dass die Formulierung "typisch deutsch" auch im abwertenden Sinne verwendet wird: Linke halten Untertanengeist und Fremdenfeindlichkeit für "typisch deutsch", Wirtschaftsliberale sehen Bürokratie und Sozialstaatlichkeit als "typisch deutsch" und in der Alltagssprache von Leuten, die sich hip und weltläufig dünken, wird "typisch deutsch" oft als Synonym für provinziell, altbacken, uncool und verkrampft verwendet. "Typisch deutsch" ist also jeweils das, was man selber gerade nicht sein will.

    Wenn ich ernsthaft überlege, was bei den Deutschen häufiger als anderswo auftreten könnte ...
    ... vielleicht eine größeree größere Bereitsschaft, offene Zensur und Vereinsverbote zu unterstützen. Zumindest im Vergleich zum westlichen und nördlichen Ausland. In den USA z. B. gibt es bei aller Ausgrenzung "unamerikanischer" Außenseiter und bei aller Polizeiwillkür gegen Randgruppen einen Grundkonsens, dass jede(!) Meinung geäußert werden darf. Selbst in der McCarthy-Ära wurde die Kommunistische Partei (anders als in Westdeutschland) nicht verboten, selbst nach dem 11/9 gab es keine Diskussionen über Bau-Verbote für Moscheen. Und man stelle sich mal vor, die Osloer Anschläge hätten in Berlin stattgefunden! Die Bundesregierung hätte wohl das Internet bis auf weiteres abgeschaltet, eine nächtliche Ausgangssperre verhängt und eine Denunzianten-Hotline für wachsame Nachbarn eingerichtet.

    Typisch (neu)deutsch ist vielleicht auch noch das Bestreben, amerikanischer als die Amerikaner zu sein: Anglizismen, Popstars die auf Englisch singen, auch wenn sie nur in Deutschland gehört werden; der Stolz wenn es "ein Deutscher" in den USA zu Prominenz bringt, das Totschlagargument "in Amerika ist es üblich" ...

  10. #19
    Benutzerbild von Lutz

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    AW: "Das ist Deutschland hier" oder: Typisch deutsch!

    Zitat Zitat von Die Luftgitarre Beitrag anzeigen
    Typisch (neu)deutsch ist vielleicht auch noch das Bestreben, amerikanischer als die Amerikaner zu sein: Anglizismen, Popstars die auf Englisch singen, auch wenn sie nur in Deutschland gehört werden; der Stolz wenn es "ein Deutscher" in den USA zu Prominenz bringt, das Totschlagargument "in Amerika ist es üblich" ...
    Genau.

    Und wenn sich Deutsche dann mal trauen *nicht* die 1000000000000000000000000000000001. bestenfalls mittelmässige Kopie von Ami Pop/Rock zu produzieren, sondern nach einer eigenen musikalischen Identität zu suchen, gibts dann auch einen Erfolg drüben - siehe Kraftwerk, Nena & Co. Aber dass schnallen viele wohl in ihrem (musikalischen) Leben nicht mehr...

    Ansonsten fällt mir zu .de noch ein...

    Dass ein Mario Barth im XXl-Stadion auftritt, während brüllkomische Serien wie My Name Is Earl abgesetzt werden...

    Dass um jeden Meter der Straße aggressiv gekämpft wird - da fand ich das Autofahren in Manhattan + Ostküste relaxter, man cruised dort eher...

    Lutz

  11. #20
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    AW: "Das ist Deutschland hier" oder: Typisch deutsch!

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    (...) weil kaum ein anderes Volk sich so unsicher ist, ob es noch eins sein darf und zu was es eigentlich stehen darf und zu was nicht. Die Anderen sind vielleichtg so selbstbewusst, dass sie sich nicht dauernd hinterfragen.
    In Deutschland gibt es den (weltweit einmaligen) Sonderfall, dass ein Volk sich nachträglich davon hat überzeugen lassen, dass die Eltern, bzw. Großeltern damals einem verbrecherischen Regime gefolgt waren und für eine verdammenswerte Sache Krieg geführt hatten; sozusagen, dass wir damals nicht die Guten waren (Stichwort: "Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte ...").

    Das hat das Nationalgefühl nachhaltig beeinträchtigt. Deutschland hat sich von den 60er Jahren an (Auschwitzprozesse einerseits, Wirtschaftswunder andererseits) quasi neu erfunden: Als erfolgreiche und geschichtslose Wirtschaftsnation Land mit starker kultureller Ausrichtung auf die USA. Der alte Gründungsmythos (Bismarck und der Krieg gegen Frankreich 1871) wurde durch einen neuen Gründungsmythos ersetzt: Die Stunde Null, die Trümmerfrauen und das Wirtschaftswunder.

    Eine mit 1933/1945 zusammenhängende Besonderheits Deutschland ist, dass fremdenfeindliche Ressentiments in Deutschland heute nicht mehr salonfähig sind, bzw. nur noch "durch die Blume" geäußert werden und dass es (anders als in vielen anderen europäischen Länder) keine fremdenfeindlich-demagogische Partei im Parlament gibt.

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