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"Das ist Deutschland hier" oder: Typisch deutsch!

Erstellt von PostMortem, 02.08.2011, 15:15 Uhr · 51 Antworten · 7.398 Aufrufe

  1. #41
    Benutzerbild von Torsten

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    AW: "Das ist Deutschland hier" oder: Typisch deutsch!

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Heftige Debatte.... bzw. reihenweie Schilderungen von etwas, was man nicht wahr haben will.
    Wobei gerade die Zustände auf den Fußballplätzen der unteren Ligen mit das bekannteste Beispiel für dieses Problem sind.

    Hab da auch im eigenen Umfeld eine interessante Erfahrung gemacht: Ende der 80er lernte ich in der Oberstufe einen guten Freund kennen, mit dem ich mich in den 90ern einige Male über das Thema Türken stritt. Ich bin in einem Viertel mit hohem Ausländeranteil aufgewachsen, mindestens die Hälfte meiner Freunde aus Kindheit/Jugend waren Griechen, Portugiesen, Jugoslawen oder Türken. Schon als kleiner Stöpsel machte ich auf der Straße aber eine bis heute gültige Erfahrung: Du kannst dich mit allen kloppen, nur bei den türkischen Jungs musste aufpassen - da ist nicht nur die Zündschnur oft deutlich kürzer, sondern denen kommen sofort etliche Landsleute zuhilfe, die vom Streit was mitbekommen. Ein Phänomen, dass mir türkische Bekannte auch bestätigt haben mit dem Hinweis darauf, dass bei ihnen der Zusammenhalt ja viel größer sei. Wenn ich dann entgegnete, dass die Außenstehenden eine solche Auseinandersetzung doch gar nix angeht, erntete ich dafür nur spöttisches Lachen.

    Zurück zu meinem Kumpel: Er selbst ist in einem beschaulichen Vorort mit geringem Ausländeranteil aufgewachsen und versuchte immer, meine Erfahrungen zu relativieren oder als aufgebauscht abzutun. Vor ca. zehn Jahren begann er dann, auf Kreisliga-Niveau im örtlichen Verein zu kicken - und seitdem hat er bereits mehrfach von unangenehmen Zwischenfällen mit türkischen Kickern oder deren Angehörigen berichtet. Da musste er dann einräumen, dass er von diesen Zuständen früher nix mitbekommen hatte, weil er einfach in einem anderen Milieu aufgewachsen ist.

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Am interessanten ist für mich aber erstmal #67 in diesem Thread. Ein nach eigenen Angaben vorbildlicher, gewaltfreier, studierender Türke. Ein sog. Bildungsgewinner, mutmaßlich gut integriert oder vielleicht will er ja auch gar nicht in Deutschland bleiben und ist lediglich ein "guter Gast". Doch er sagt nicht "Schlimm was ihr erlebt, ich schäme mich für meine Glaubensgenossen/Landsleute/Mit-Migranten/"was auch immer politisch korrekt wäre" und wünschte ich könnte irgendwas tun.". Nein, er fühlt sich mit angegriffen und antwortet sarkastisch, dass es ja komisch ist, dass er nicht so ein gewalttätiger Idiot ist, wo er doch auch Türke sei.
    Wenn man davon spricht, dass es auf den Bildungsgrad ankommt, hab ich ohnehin schon lange meine Zweifel, ob das alles erklären kann. Nach meiner Erfahrung scheint da eben doch auch oft noch Mentalität und Temperament hineinzuspielen - man denke an all die chronisch beleidigten Türken- oder Islamvertreter, die seit Jahren durch unsere Talkshows tingeln und die ewigen Opfer spielen. Oft hochgebildete Leute, aber in punkto aufbrausendem und starrköpfigem Verhalten kaum besser als ihre "was-guckstu"-Landsleute.

  2.  
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  3. #42
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    AW: "Das ist Deutschland hier" oder: Typisch deutsch!

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Als Italiener und Griechen als Gastarbeiter noch ein Schmuddelimage hatten, wurden die auch nicht geschont. Aber sie haben sich gesellschaftlich gut integriert. Deshalb werden sie heute i.d.R. gar nicht als Migranten gesehen (...)
    Der Hauptunterschied zwischen den südeuropäischen Einwanderern der ersten Welle und den späteren türkischen Einwanderern lag in den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen: Die Italiener und Griechen kamen in Jahren der Hochkonjunktur und der Vollbeschäftigung (bis Mitte der 70er Jahre). Sie hatten zwar mit vielfachen Vorurteilen in der Bevölkerung zu kämpfen (Mafiosi, Casanova, faule Südländer ect.), aber nach einem Job brauchten sie nicht lange suchen, sie waren oft ja sogar von deutschen Industrieunternehmen direkt im Ausland angeworben worden. Und bei allen Vorurteilen merkte Karl-Heinz bald doch, dass man mit Giovanni und Kostas irgendwie schon klarkommen konnte.

    Als die Türken den größten Teil der Einwanderer zu stellen begannen, ging unter den deutschen Arbeitern bereits die Angst um die knapper werdenden Arbeitsplätze um (Strukturwandel, Globalisierung ect.). Die Türken hatten objektiv schlechtere Chancen auf Jobs (im Vlg. zu den Einwanderern davor) und wurden bildhaft mit Arbeitsamt, Aldi und Problemstadtteilen assoziiert, einfach weil sie eben genau dort hinmussten, um Geld zu beziehen, einzukaufen und eine Wohnung zu finden. Und kaum etwas war für einen deutschen Arbeitslosen demütigender, als in eben so einen Stadtteil umziehen zu müssen: Erst war er aus der Betriebsgemeinschaft ausgeschlossen worden und nun drohte auch noch die stadträumliche Trennung von der nationalen Gemeinschaft.

    Zum Thema Islamkritik und Political Correctness: Ich bin dafür sehr, dass 5exualaufklärung an Schulen obligatorisch auch für muslimische Mädchen sein muss, und auch dafür, Ehrenmorde strafrechtlich ohne mildernde Umstände klipp und klar als Mord zu behandeln, aber die Islamkritik-Welle in den Medien in den letzten 2, 3 Jahre scheint mir schon etwas wie eine nachtträgliche Intellektualisierung des Rufes "Türken raus". Aufeinmal fällt den Medien z. B. auf, dass viele Türken ziemliche Machos sind und es da häusliche Gewalt und sogar Ehrenmorde gibt und dann heißt es, darüber hätte man wegen der Diktatur der linken Political Correctness ja früher nie sprechen dürfen. Mag sein, dass von links da einiges tabuisiert wurde, aber ich würde auch sagen: Die Rechten haben früher einfach deshalb nie davon gesprochen, weil es sie selber überhaupt nicht interessiert hat! Das war halt nur ein Thema für Feministinnen und die Feministinnen sind mit dem Thema kaum in der Öffentlichkeit durchgedrungen. Erst als dieses Frauenthema mit dem Thema Einwanderungsbeschränkung verknüpft wurde, erst da wurden aufeinmal alle möglichen konservativen Journalisten und Medienbosse über Nacht zu Anwälten der Frauenemanzipation und zu aufgeklärten Religionskritikern.

  4. #43
    Benutzerbild von PostMortem

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    AW: "Das ist Deutschland hier" oder: Typisch deutsch!

    Zitat Zitat von Torsten Beitrag anzeigen
    Kaum noch verwunderlich, wenn man Szenen wie diese aus "Entweder Broder" sieht (ab 11:30, Fortsetzung im Video darunter).
    Was überhaupt eine sehr erhellende und erheiterte Sendung ist Ich kannte Broder früher nur als Spiegel-Autor. Manche Artikel waren auch angesichts der größten laufenden Kompromisslosigkeiten und Provokationen der handelnden Akteure dermaßen schönfärberisch pro-israelisch, dass ich es schon manchmal ganz schön ärgerlich fand. Wenn ich ihn da nun so rumspazieren sehe mit seinem "mobilen Holocaust-Mahnmal", sehe ich das alles ein bisschen gelassener. Er ist eben jemand der polarisieren und klare Kante zeigen will, kein Mensch der Konsensgesellschaft, der seine Meinungsäußerung schon von Anfang an so weit abmildert, dass sich nur niemand auf den Schlips getreten fühlt. Nun fühlt er sich seit einiger Zeit zur Islamkritik berufen und steckt mächtig dafür ein. Aber ich denke er trifft da einen Nerv, denn

    Zitat Zitat von Die Luftgitarre Beitrag anzeigen
    Der Hauptunterschied zwischen den südeuropäischen Einwanderern der ersten Welle und den späteren türkischen Einwanderern lag in den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen
    diese Erklärungsversuche reichen den Menschen angesichts sich ausweitender persönlicher Negativ-Erfahrungen mit der dritten und vierten Generation eben nicht mehr aus. Die Chancen die dieses Land bietet sich von zweifelhaften Traditionen und Bräuchen zu lösen, könnten kaum besser sein als in Deutschland. Niemand wird hier obdachlos oder hat nichts mehr zu Beissen, weil man nicht mehr im Einklang mit mittelalterlichen Erwartungen leben möchte. Das erleben auch genügend Deutsche, die aus anderen Gründen den Erwartungen ihrer Familie nicht entsprechen wollen. Dabei war es tendenziell bei den jetzt älteren türkischen Einwanderern wohl schon besser um die Integration bestellt. Doch insbesondere bei den Jungen (in zweierlei Wortsinn!) auftretenden Verhaltensweisen und der offenbar wieder ansteigende Drang die Schwestern weg zu sperren und es um jeden Preis zu verhindern sie in Kontakt mit deutschen Männern geraten zu lassen, rühren nicht daher, dass Großvater vor 40 Jahren kein Fahrrad mehr zur Begrüßung geschenkt bekommen hat. Das ist eine Zeitspanne, in der wurden auf deutschem Boden ganze Staaten und Systeme überwunden. Da wird man es wohl hinbekommen können, die gesamte Familienehre nicht mehr an einem Häutchen festzumachen. Die männlichen Muslime haben sich doch in Sachen Nikotin, Alkohol, Nachtleben und vorehelichem GV mit Andersgläubigen (bleibt ja nichts anderes übrig...) auch hervorragend integriert. Nun sind ihre Schwestern dran. Dafür müssen die Imame aber aufhören diese Doppelmoral zu unterstützen. Kein Deutscher und keine noch so tolle deutsche Integrationspolitik können da etwas wirklich wirksames tun.

    Aber zurück zu Deutschland und Broders Deutschland Safari......

    Ich habe mich über die Passagen, wo die Pazifisten und S21-Gegner aufs Korn genommen worden sind ziemlich amüsiert. Ein gottesdienstmäßiges Gelübde für einen Bahnhof? Hupen für den Frieden? Das war lustig, wie die Peace-Fähnchenschwenker im Kreis "We shall overcome" gesungen haben, Weissrussland für nur unwesentlich weniger frei als Deutschland erklärt haben oder die Omis gegen Israel protestierten. Mir sind diese beseelten Grüppchen eigentlich schon immer suspekt gewesen. Bisher konnte ich nicht so recht packen warum, ausser dass sie eine sehr emotionalisierte, polarisierende Meinung vertraten. Aber es muss schlicht daran liegen, dass sie von dem was sie da lauthals propagieren eigentlich oft gar keine Ahnung haben. Kaum eine vernünftige Frage von Broder konnten diese Damen und Herren beantworten. Die Erklärung von Hamed Abdel-Samad, wieso die das überhaupt so vehement machen, fand ich allerdings so simpel wie klasse: Wenn man zwei Weltkriege angezettelt und verloren hat, bleibt einem wohl nichts mehr anderes übrig als Pazifist zu werden Und er hat Recht... unsere Geschichte und unsere zerstörte Identität haben einen großen Anteil daran, dass wir hierzulande so viele kompromisslose Pazifisten haben, die auch dann noch auf vermeintlichen "Frieden" pochen, wenn in Afrika, Arabien oder damals Jugoslawien Volksgruppen abgeschlachtet und/oder zu tausenden in Lager gesteckt und bis hin zum Tode gefoltert werden. In Deutschland ist man in solchen Konflikten tendenziell und als anständiger Pazifist für den vermeintlich Schwachen. Ich habe mich früher selbst schon dabei ertappt..... Ob die drangsalierten, verstümmelten und getöteten Demonstranten im Iran viel dafür übrig haben oder ob die uns nicht einfach verfluchen, weil Länder wie Deutschland riesen Geschäfte mit ihrem Regime machen und einfach tatenlos als "lupenreine Pazifisten" dabei zu sehen wie dort Menschen getötet, weggesperrt und gefoltert werden? Ich finde schon, dass diese Verlogenheit zwar überall auf der Welt vorkommen kann, aber in Deutschland hat sie wirklich ein besonders gemütliches zu Hause.

  5. #44
    Benutzerbild von Babooshka

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    AW: "Das ist Deutschland hier" oder: Typisch deutsch!

    Zitat Zitat von Lutz Beitrag anzeigen
    ...besonders wenn man sich einer gewissen Stadt Berlin nähert

    Ich bin noch nie in meinem ganzen Leben so angemacht worden wie in den 3 Metern wo ich es wagte in Berlin statt auf einer lebensgefährlichen Straße auf einem XXL-Fußweg zu radeln... Sowas könnte auch typisch .de sein...
    Ist mir allerdings in HH noch nicht passiert
    Den Mitbewohner hatte ich in meiner Zeit in München. Die Münchner können Schroffheit, Unhöflichkeit und Servicewüste auch ganz gut, und dann gibt's noch diejenigen (wenige gottseidank, die ich erlebt habe), die anscheinend kein Hochdeutsch, sondern nur Bayerisch verstehen. Wenn die dann mal nach Berlin reisen, bekommen sie es dann wieder zurück, das kann passieren (nicht, dass ich das gut finde).

    Und Fahrrad fahren auf dem Bürgersteig macht man nun mal nicht. Wenn die Straße an der Stelle zu gefährlich ist, schiebt man sein Rad auf dem Bürgersteig. Nichts gegen dich Lutz, ich weiß ja nicht, WIE breit der Bürgersteig war (wie hieß die Straße?), aber ich habe diese ganzen Anarchistenradler echt gefressen. Mich hätte beinah mal ein junges Ding auf dem Bürgersteig Potsdamer Str. umgenietet - ja, wie soll ich da ruhig bleiben? Wenn's eine alte Dame trifft und die dann mit Oberschenkelhasbruch im Krankenhaus landet, ist das Geschrei groß. Sofern der Radfahrer nicht ohnehin Faherflucht begeht.

    Was Türken angeht, so habe ich gottseidank auch die andere Seite erleben dürfen. Ich ging in Neukölln-Süd zur Schule, dort gab es etliche Türken aus dem berüchtigten Neukölln-Nord. Der Türke aus meiner 10. Klasse war gut in der Schule und hat danach einen guten Beruf gelernt. Die Oberstufe hat Ärzte, Architekten, Psychologen, Informatiker uvm. unter den Türken hervorgebracht und der eine oder andere hat wirklich hart gekämpft, um sein Ziel Abitur zu erreichen. Manche waren zwar einerseits unter sich, hatten aber andererseits auch Freunde unter den Nichttürken; andere wiederum waren perfekt integriert oder sogar assimiliert und es war richtig komisch, sie mal Türkisch reden zu hören. Nie hat es Probleme wegen Aggression oder sowas gegeben. Ich frage mich schon die ganze Zeit, warum das heute nicht mehr möglich zu sein scheint!

  6. #45
    Benutzerbild von PostMortem

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    AW: "Das ist Deutschland hier" oder: Typisch deutsch!

    Zitat Zitat von Babooshka Beitrag anzeigen
    Und Fahrrad fahren auf dem Bürgersteig macht man nun mal nicht.
    Apropo

    "Sowas macht man nicht"
    "Sowas sagt man nicht"
    etc.

    Mag beim Fahrrad fahren auf Bürgersteigen so sein oder auch nicht (mehr unten...). Keine Ahnung, ob es solche unbegründeten "Anweisungen" auch 1:1 in anderen Ländern gibt. Für mich fallen sie jedenfalls unter die deutsche Variante der "Political correctness", denn sie müssen ganz selbstverständlich keine Begründung für ihre Richtigkeit mehr mitliefern, erheben Allgemeinverbindlichkeit für alle. Emma lesende Feministinnen sind natürlich heutzutage ggf. fein raus (als frau).

    Apropo Alice Schwarzer & Co

    Diese ganzen Sprachungetüm_Innen mit der unsere Vater/Vatsie-Sprache in Mutter/Muterin Staat verunstaltet wird, die sind doch wirklich typisch deutschIn oder/odsie? Da bist Du doch total vom Fach! Gibt es ein anderes größeres Land, das seiner Sprache sowas antut um vordergründig Gleichberechtigung zu "schaffen"? Ich meine jetzt nicht aus einem Einzelhandelskaufmann auch eine Einzelhandelskauffrau zu machen. Das ist nur korrekt. Aber wird irgendwo sonst im Namen der Gleichberechtigung das "generische Maskulinum" derart abgeschafft oder verunstaltet?

    Wenn die Straße an der Stelle zu gefährlich ist, schiebt man sein Rad auf dem Bürgersteig.
    Erst wenn Fußgänger aufhören auf Radwegen zu laufen. Ich habe manchmal das Gefühl, ich bin der Einzige der als Fußgänger darauf achtet auf kombinierten Rad/Fußwegen nicht den Raum vom Fahradweg zu beanspruchen, nur weil gerade eben noch kein Rad kam. Sitzt man auf dem Rad und muss alle 100 Meter Pärchen und Familien wegklingeln und sich dann wie ein Unmensch vorkommen, weil die Leute sich auch noch erschrecken und anklagend gucken weil man schneller fährt als sie schleichen. Das dauernde abbremsen, klingeln, abwarten wie die Leute reagieren, vorbeifahren und sich doof angucken oder gar anmachen lassen, verursacht durchaus Stress. Dabei will man doch eigentlich nur mal in Ruhe mit einem Fahrrad von A nach B und steht schon nicht mit dem Auto im Verkehr. Letztes Jahr hat mich sogar eine Mutti mit zwei Kindern hysterisch angebrüllt, weil ich mich erdreistete mal die Fahrradklingel zu betätigen und nicht direkt abzusteigen und leise um Wegerecht zu bitten. Dabei nahm sie ganz selbstverständlich mit ihren beiden Kleinen die komplette Breite des Fuß- UND Radwegs für sich und den Nachwuchs ein. Klar, vielleicht erwarte ich zu viel. Aber da muss man auch mal damit rechnen, dass ein Radfahrer kommt und mehr als 4km/h fährt. Ein paar Wochen später brachte ich meine Freundin ins Krankenhaus, weil ihr ein Fußgänger ohne zu gucken direkt aus einer Parklücke vors Rad gelaufen und sie bei der Vollbremsung über den Lenker abgestiegen ist. Hände aufgerissen, verstaucht, Lenker in den Bauch gerammt und Schmerzen. Klar, wenns nicht brummt, kommt eben auch nichts.... Und der Typ gab ihr noch die Schuld, weil sie ja so schnell war, schaffte es nicht mal wenigstens einen Verbandskasten aus seinem dort abgestellten Auto zu holen (wir fuhren so um die 20km/h auf einem in die Straße integrierten Radweg). Das kann ja noch lustig werden, wenn sich E-Autos durchsetzen.... Ungefähr seit diesen beiden Vorfällen fahre ich auch regelmäßig wieder auf Fußwegen und ignoriere selbstverständlich sowieso Schilder wo ich zum absteigen genötigt werde. Fußgänger sind gedankenlose Fahrrad-Killer, nicht die vermeintlich bösen Autofahrer Diese Fahrrad(fahrer)feindlichkeit gibts woanders nicht. Positivbeispiel Holland. Typisch deutsch, so!

    Was Türken angeht, so habe ich gottseidank auch die andere Seite erleben dürfen. Ich ging in Neukölln-Süd zur Schule, dort gab es etliche Türken aus dem berüchtigten Neukölln-Nord. Der Türke aus meiner 10. Klasse war gut in der Schule und hat danach einen guten Beruf gelernt. Die Oberstufe hat Ärzte, Architekten, Psychologen, Informatiker uvm. unter den Türken hervorgebracht und der eine oder andere hat wirklich hart gekämpft, um sein Ziel Abitur zu erreichen. Manche waren zwar einerseits unter sich, hatten aber andererseits auch Freunde unter den Nichttürken; andere wiederum waren perfekt integriert oder sogar assimiliert und es war richtig komisch, sie mal Türkisch reden zu hören. Nie hat es Probleme wegen Aggression oder sowas gegeben. Ich frage mich schon die ganze Zeit, warum das heute nicht mehr möglich zu sein scheint!
    Ich habe auch einmal gedacht, ich kenne Vordbilder im Kollegen-/Bekanntenkreis oder über Dritte die davon berichteten. Perfekte deutsche Sprachkenntnisse, weltoffene Erscheinung, richtig humorvoll und selbstironisch. Wunderbar, Vorbilder perfekter Integration! Das Thema "wie ist das bei Euch zu Hause" gabs eigentlich gar nicht. Mir fällt nur rückblickend auf, ich war nur sehr selten mal in türkischen Haushalten der Leute zu Hause, die ich so toll integriert fand. Es ergab sich selten, selbst wenn man sich lange kannte und gut verstand. Natürlich gibt es super integrierte oder sogar assimilierte Türken (wobei letzteres ja insgesamt sogar kategorisch abgelehnt wird, auch mit Unterstützung des türkischen MP). Doch leider scheint es bei einigen nur so und zu Hause läufts anders. Solange sie männlich, unerverheiratet und noch bei Mutti wohnhaft sind, fällt ihnen der Spagat zwischen ihrer Kultur und dem öffentlichen Leben leicht. Und später? Wie sich herausgestellt hat, wurde am Ende nach langen, zu Hause wohl irgendwie nie so richtig offiziell gemachten Beziehungen zu deutschstämmigen Frauen, doch Ayse aus Bursa geheiratet und mit nach Deutschland geholt. Wenn man dann mal nachhakt warum, erfährt man wie sehr auch diese scheinbar integrierten Türken unter dem Erwartungsdruck der Familie stehen, wenigstens eine muslimische Türkin zu heiraten usw. usf. Es würde noch einige Generationen dauern, bis man *wirklich* integriert und frei leben könne. Ja wie denn?

    Wie ist es denn bei den Kindern? Spürt man denn nicht oft schon auf der Straße draussen, dass diese tradiotionelle Rollenteilung auch an die 5. Generation weiter vererbt wird? Ist der Sohn nicht wieder der kleine Pascha, der machen kann was er will, lärmen kann wie er will und das Mädchen wird im Gegensatz dazu streng gemaßregelt?

    Wohl aber kenne ich auch zwei Beispiele wo es *wirklich* anders war. Ein Türke, der eine blonde, gar blauäugige Deutsche geheiratet und sogar ihren deutschen Nachnamen angenommen hat, Schweinefleisch isst, nicht fastet aber zum Zuckerfest geht usw. usf. Gibts auch, klar, da kann man sich auch mal ein paar Tipps abholen was man am besten (auf türkisch) sagt, wenns mal zu Problemen kommt. Habe ich mir alles mal in Lautschrift aufgeschrieben... kommt gut, wenn "die" denken man versteht doch alles was sie sagen.

    Der Effekt ist ein bisschen so wie dieser hier:



    Wenn wir Menschen das nicht besser hinkriegen, gibt es wohl nur eine Integrations-Lösung, immerhin von türkischstämmigen Migranten erfunden:


  7. #46
    Benutzerbild von Lutz

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    AW: "Das ist Deutschland hier" oder: Typisch deutsch!

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Apropo
    "Sowas macht man nicht"
    "Sowas sagt man nicht"
    etc.

    Mag beim Fahrrad fahren auf Bürgersteigen so sein oder auch nicht (mehr unten...). Keine
    Ahnung, ob es solche unbegründeten "Anweisungen" auch 1:1 in anderen Ländern gibt. Für mich
    fallen sie jedenfalls unter die deutsche Variante der "Political correctness", denn sie
    müssen ganz selbstverständlich keine Begründung für ihre Richtigkeit mehr mitliefern

    Genau jenes dachte ich auch gerade. Wenn ich in dem konkreten Beispiel noch langsamer in die
    Pedale getreten hätte, wäre ich wohl seitlich umgekippt. Der Weg war derart breit, dass ich
    mir wünschte manche Straße in HH wäre so großzügig dimensioniert. Auch war außer der
    besagten Frau, an der ich im Abstand von drei Metern vorbeischneckte, keine Menschenseele zu
    sehen. Es wäre wahrscheinlicher gewesen, dass im nächsten Moment ein 20 Tonnen Gewicht auf
    die Dame fällt, als ein "Unfall" mit mir. Sich über so eine Situation derart aufzuregen, muss
    IMO was mit unserem Land zu tun haben...

    In Sao Paulo gelten z.B. Ampeln nur als Empfehlung, so weit muss es hier ja nicht kommen,
    aber ein wenig Laissez-faire kann IMO hier und da nicht schaden...

    Lutz

  8. #47
    Benutzerbild von chris74

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    AW: "Das ist Deutschland hier" oder: Typisch deutsch!

    Zitat Zitat von Lutz Beitrag anzeigen
    In Sao Paulo gelten z.B. Ampeln nur als Empfehlung, so weit muss es hier ja nicht kommen,
    aber ein wenig Laissez-faire kann IMO hier und da nicht schaden...
    Lutz
    Nix für ungut, aber in Sao Paulo wirst Du auch ausgeraubt, wenn Du an einer roten Ampel hältst. Da ist es schon lebensgefährlich, bei einem Unfall anzuhalten und helfen zu wollen.

  9. #48
    Benutzerbild von Lutz

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    AW: "Das ist Deutschland hier" oder: Typisch deutsch!

    Zitat Zitat von chris74 Beitrag anzeigen
    Nix für ungut, aber in Sao Paulo wirst Du auch ausgeraubt, wenn Du an einer roten Ampel hältst. Da ist es schon lebensgefährlich, bei einem Unfall anzuhalten und helfen zu wollen.
    Sag ich doch - rot empfiehlt nicht anzuhalten Warste mal da?

    Lutz

  10. #49
    Benutzerbild von chris74

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    AW: "Das ist Deutschland hier" oder: Typisch deutsch!

    Ja, ich war schon dort, fühlte mich auch nicht sonderlich wohl da drüben. Arbeitskollegen von mir sind aber schon ausgeraubt worden an eben besagter roter Ampel.

  11. #50
    Benutzerbild von bubu

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    AW: "Das ist Deutschland hier" oder: Typisch deutsch!

    Zitat Zitat von Torsten Beitrag anzeigen
    Gutes Beispiel. KRAFTWERK verkörpern die deutsche Mentalität wohl so exemplarisch wie kaum ein anderes Kunstprodukt - international respektiert und bewundert für Innovation und Technik, aber nicht gerade dazu geeignet, die Herzen zu erwärmen.
    Gerade gefunden






    Ich kannte das gar nicht, "Sprockets", lustig.

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